Konfrontation zur Interkommunion in Rom

Mehrheit und Minderheit der DBK vor Papst Franziskus

Interkommunion
Heute findet die Konfrontation in Sachen Interkommunion zwischen Minderheit und Mehrheit der Deutschen Bischofskonferenz in Rom statt. Wie aber wird sich Papst Franziskus verhalten?

(Rom ) Nachdem die Dubia (Zweifel) der vier unterzeichneten und weiterer unterstützender Kardinäle zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene noch unbeantwortet sind, wurden Papst Franziskus von Kardinal Woelki und weiteren sechs deutschen Bischöfen bereits neue Dubia zur Kommunion für Protestanten vorgelegt. Heute findet im Vatikan die Konfrontation beider Seiten zur Interkommunion vor Papst Franziskus statt.

Am Montag reagierte das vatikanische Presseamt mit der Ankündigung, daß Franziskus am heutigen 3. Mai im Vatikan „eine Gruppe von deutschen Kardinälen und Bischöfen“ trifft. An der Begegnung nehmen auch einige römische Dikasterienleiter teil, „um das Thema einer eventuellen Zugangs zur Eucharistie für nicht-katholische Ehegatten in gemischten Ehen zu behandeln“

Römische Konfrontation

Die „deutsche Delegation“ besteht aus Reinhard Kardinal Marx, einem der mächtigsten Kirchenfürsten als Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) , Vertreter Europas im C9-Kardinalsrat und Vorsitzender des vatikanischen Wirtschaftsrats. Der Kardinal mit besonderem Gespür für gesellschaftliche Akzeptanz fiel in jüngster Zeit durch sein

  • Lob für Martin Luther,
  • die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten,
  • den einseitigen Vorstoß zur Zulassung der Protestanten zu Kommunion,
  • die Bereitschaft zu Homo-Segnungen
  • und zuletzt durch Sympathie für Karl Marx auf, den Begründer und Theoretiker des gottlosen dialektischen Materialismus und des darauf aufbauenden Marxismus und Sozialismus/Kommunismus hervorgegangen sind, auf die sich Leninismus, Stalinismus, Trotzkismus, Maoismus, Neomarxismus und zahlreiche andere Ismen berufen.

Allesamt Themen, mit denen sich ein Kardinal keine Verdienste erwirbt.

Zwei Kardnäle, zwei Positionen: Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki (rechts)
Zwei Kardnäle, zwei Positionen: Reinhard Marx und Rainer Maria Woelki (rechts)

Am Treffen nimmt auch Rainer Maria Kardinal Woelki, der Erzbischof von Köln teil, der die Minderheitenposition der Dubia-Träger anführt. Dabei sind die Bischöfe Felix Genn von Münster und Karl-Heinz Wiesemann von Speyer, letzterer als Vorsitzender der Glaubenskommission der Bischofskonferenz. Dazu noch Bischof Rudolf Voderholzer von Regensburg, neben Kardinal Woelki ein Unterzeichner des Schreibens, mit dem Rom zur Stellungnahme angerufen wurde, sowie Bischof Gerhard Feige von Magdeburg als Vorsitzender der Ökumenekommission der DBK und der omnipräsente und einflußreiche Generalsekretär der DBK, der Jesuit Hans Langendörfer.

Von der Römischen Kurie nehmen folgende Dikasterienleiter an der Aussprache teil: Glaubenspräfekt Luis Ladaria Ferrer SJ, Kardinal Kurt Koch vom Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen, der Salesianer Markus Graulich als Untersekretär des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte und P. Hermann Geißler von der geistlichen Familie Das Werk in seiner Funktion als zuständiger Amtsleiter für Glaubensfragen an der Glaubenskongregation.

Im Vorfeld hatte Papst Franziskus am vergangenen Samstag, 28. April, den Präfekten der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Luis Ladaria Ferrer SJ, in Audienz empfangen. Ladaria, wie Franziskus ein Jesuit, war vom Papst Anfang Juli 2017 zum Nachfolger des von ihm entlassenen Kardinals Gerhard Müller ernannt worden. Begleitet wurde Ladaria von Msgr. Giacomo Morandi, der im Zuge der Personalrochade von Franziskus zum Sekretär der Kongregation ernannt wurde.

Über den Inhalt der Begegnung wurde nichts bekannt, doch ist anzunehmen, daß sie der Vorbereitung der heutigen Aussprache mit den deutschen Bischöfen diente.

Laut Chronologie der Ereignisse war es der einseitige Vorstoß der Deutschen Bischofskonferenz, der das Thema Interkommunion, Zulassung von Nicht-Katholiken zur Eucharistie, auf die Tagesordnung der Weltkirche setzte. Am vergangenen 20. Februar beschloß die Mehrheit der DBK eine Handreichung, laut der protestantische Ehepartner von Katholiken „unter bestimmten Bedingungen“ zur Kommunion zugelassen seien. Anführer der Mehrheitsmeinung ist der DBK-Vorsitzende Kardinal Marx.

Dreizehn Bischöfe widersprachen

13 von 60 damals anwesenden Bischöfen stimmten gegen den Marx-Vorstoß. Das ist zwar weniger als ein Viertel, doch damit war eine Minderheitenmeinung formuliert. Am 22. März lebten sieben dieser Bischöfe dem Heiligen Stuhl schriftlich ihre Zweifel vor, womit der Beweis erbracht wurde, daß es in Deutschland „noch katholische Bischöfe gibt„. Das Schreiben ging an Glaubenspräfekt Ladaria, an „Ökumeneminister“ Kardinal Koch, an Juan Ignacio Arrieta Ochoa de Chinchetru den Sekretär und derzeit amtsführenden Leiter des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte sowie an den Apostolischen Nuntius für Deutschland, Msgr. Nikola Eterovic.

Der Vatikanist Sandro Magister sieht eine Parallele zwischen den Dubia der vier Kardinäle zu Amoris laetitia und den Bedenken der sieben deutschen Bischöfe. Dabei fällt auf, daß beide Dubia-Initiativen von einem Kölner Erzbischof unterzeichnet wurden. Die Dubia zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene von Kardinal Joachim Meisner, und die Dubia zur Kommunion für Protestanten von dessen Nachfolger Kardinal Rainer Maria Woelki. Woelki war in früheren Jahren Weihbischof von Meisner in Köln.

Bischof Voderholzer, der zweite Minderheitenvertreter, der heute in Rom anwesend ist, ist nicht nur Müllers Nachfolger als Bischof von Regensburg, sondern war bereits in jungen Jahren dessen Assistent an der Universität München und zuletzt sein Consultor an der Glaubenskongregation. Beide betreuen die Herausgabe der gesammelten Werke von Joseph Kardinal Ratzinger/Benedikt XVI.

Päpstliche Strategie: Dominoeffekt auslösen

Den Mehrheitsverhältnissen in der Bischofskonferenz entsprechend ist die Gegenseite heute stärker vertreten. Den beiden Minderheitenvertretern stehen mit Marx, Genn, Feige, Wiesemann und Langendörfer gleich fünf Mehrheitsvertreter gegenüber. Sie alle wollen lutherische Ehepartner zur Kommunion zulassen, ohne daß sie zur katholischen Kirche konvertieren müssen. Ausgangspunkt der DBK-Handreichung ist die fiktive Annahme, daß es wegen der Nicht-Zulassung zur Kommunion zu einer Ehekrise kommen könnte, was unverantwortlich sei. Die wirklichkeitsfremde Prämisse erinnert an den nicht minder fiktiven „Schrei des Volkes“, gemeint war ein angeblicher „Schrei“ wiederverheirateter Geschiedener, die aber nichts an ihrem Stand der schweren Sünde ändern wollen, nach der Kommunion, den die Synodalen der Familiensynode 2014 laut Papst Franziskus hören sollten.

Der DBK-Vorstoß wirft in Wirklichkeit weitreichende Fragen auf: Wenn lutherische Ehepartner ohne Notwendigkeit zur Konversion zur Kommunion zugelassen wären, wie könnte man anderen Lutheranern die Zulassung noch verweigern? Und wenn die Lutheraner zugelassen sind, wie könnte man sie noch den Anglikanern verweigern? Die Fragen ließen sich weiter fortsetzen.

Die Einschränkung auf die lutherischen Ehepartner von Katholiken scheint das Problem auf den ersten Blick zu begrenzen. In Wirklichkeit stößt sie ein weit größere  Tür auf. Das scheint auch der Zweck der Übung zu sein. Der bekannte „Einzelfall“ dient als Türöffner zu einer Frage, die man aus taktischen Gründen nicht direkt angehen möchte, um keine zu großen Widerstände zu provozieren. Es soll zunächst nur ein „kleiner“ Stein angestoßen werden mit der Absicht, einen Dominoeffekt auszulösen. Papst Franziskus nennt das: „Prozesse anstoßen“.

Kardinal Müller: Marx-Vorstoß „ekklesiologischer Nihilismus“

Auf römischer Seite stehen den fünf DBK-Mehrheitsvertretern mit Ladaria, Koch, Geißler und Graulich Kirchenvertreter gegenüber, von denen bisher keine Stellungnahmen zu einer Änderung einer so zentralen und heiklen Frage bekannt sind. Ganz im Gegenteil.

Am 20. April stellte sich zudem Kardinal Müller hinter die sieben Bischöfe der DBK-Minderheitenposition. Seit seiner Entlassung durch Papst Franziskus ist der deutsche Kurienkardinal zwar ohne direkte Aufgabe, genießt aber dennoch, oder gerade wegen seiner Entlassung in Teilen der Kirche nach wie vor großes Ansehen. Seine Stellungnahme blieb zudem sicher nicht ohne Eindruck auf seinen Nachfolger Ladaria. Kardinal Müller fällte auf der US-amerikanischen Seite First Things und der italienischen Seite Nuova Bussola Quotidiana ein vernichtendes Verdikt über den von Marx angeführten DBK-Vorstoß, den er als „ekklesiologischen Nihilismus“ brandmarkte, der „einen Abgrund auftut, der die Kirche am Ende verschlingt“.

Durch seine Entlassung kann er allerdings an der heutigen Begegnung nicht teilnehmen. Eine Konfrontation unter Deutschen hätte der Sache noch eine besondere Note gegeben. Tatsächlich ist die Kirche des deutschen Sprachraumes heute, wie in vergangenen 500 Jahren bereits mehrfach, der große Unruheherd in der Weltkirche. Widerstände und Abweichungen gibt es in anderen Sprachräumen auch, aber mehr im Laissez-faire-Stil und im Zusammenhang mit Machtfragen. Anders bei den Deutschen. Da geht es ans Eingemachte und Prinzipielle. Man sucht die grundsätzliche Auseinandersetzung zur Glaubenslehre. Dahinter wird die große Wunde sichtbar: die Spaltung des deutschen Volkes durch die Reformation, die aus seinen Reihen hervorgegangen ist.

Das Schreiben der sieben Dissidenten-Bischöfe wurde in verschiedene Sprache übersetzt und ist inzwischen international bekannt. Sie haben der Glaubenskongregation vier Dubia vorgelegt. Vor allem die zweite Frage verlangt nach einer grundsätzlichen Klärung, ob die DBK-Handreichung mit der Glaubenslehre der Kirche vereinbar ist.

Die vierte Frage ist zwar weniger inhaltlicher Natur, im Augenblick aber vielleicht die wichtigste: Kann eine einzelne Bischofskonferenz eines bestimmten Sprachraumes im Alleingang eine Entscheidung treffen, die den Glauben und die Glaubenspraxis der ganzen Kirche betrifft?

Spätestens an dieser Stelle muß die oben erwähnte Chronologie der Ereignisse etwas ausgeweitet werden. Dann wird erkennbar, daß sie Vorgeschichte bereits vor den 20. Februar zurückreicht. Ebenso wird deutlich, daß Kardinal Marx und die DBK-Mehrheit eigentlich „nur“ in Anspruch nehmen, was den Bischofskonferenzen von Papst Franziskus angeboten wurde, und „nur“ umsetzen, was inhaltlich in der Frage von ihm selbst bereits vorgegeben wurde.

Zum Formalen

Papst Franziskus nannte wiederholt die Dezentralisierung als zentralen Punkt seines Pontifikats. Gleich in seinem ersten Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium vom 24. November 2013 bezeichnete er die Bischofskonferenzen

„als Subjekte mit konkreten Kompetenzbereichen, auch einschließlich einer gewissen authentischen Lehrautorität“ (EG, 32).

Neben Absichtserklärungen übertrug er auch formell Zuständigkeiten an die Bischofskonferenzen, so zum Beispiel im Bereich der Liturgie mit dem Motu proprio Magnum principium vom 3. September 2017 für die Übersetzung der liturgischen Bücher in die Volkssprachen. Gleiches gilt im Bereich des Ehesakraments und der Morallehre mit dem Apostolischen Schreiben Amoris laetitia, wo bereits heute nach entsprechenden Beschlüssen der Bischofskonferenzen in einem Land wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zugelassen sind, im Nachbarland aber nicht.

Zum Inhaltlichen

Papst Franziskus mit Martin Luther im Vatikan
Papst Franziskus mit Martin Luther im Vatikan

Die Sympathien von Franziskus für den Protestantismus sind bekannt und durch zahlreiche Fakten belegt. In den ersten zweieinhalb Jahren seines Pontifikats bemühte er sich vor allem um die Evangelikalen. Was in der DBK keine Begeisterungsstürme auslöste. Seit seiner politisch motivierten Anti-Trump-Haltung herrscht an der  evangelikalen Front jedoch Eiszeit. Das zwang den Papst zu einer Neuausrichtung und zur Hinwendung zur ältesten Reformations-Gemeinschaft, den Lutheranern. Das hingegen begeisterte die DBK.
In der konkreten Frage der Interkommunion spielt jedoch ein Ereignis eine zentrale Rolle. In seiner Antwort am 15. November 2015 in der lutherischen Christuskirche von Rom gab Papst Franziskus mit seiner kryptischen Antwort auf die Frage einer Lutheranerin, die mit einem Katholiken verheiratet ist, letztlich vor, was von der DBK in ihrer Handreichung aufgegriffen wurde. Die Frage bezog sich genau auf die Zulassung nicht-katholischer Ehepartner in verschiedenkonfessionellen Ehen. Und was antwortete Papst Franziskus?

Nein – Jein – Ja.

So sagte er es natürlich nicht wörtlich, aber durchaus sinngemäß. Die Antwort war sehr langatmig. Er ging von einem klaren Nein aus, kreiste dann aber spiralenförmig um die Frage und näherte sich damit Schritt für Schritt dem Gegenteil seiner Ausgangsaussage. Dem „Ja“ setzte er dialektisch noch einmal ein energisches „Nein“ voraus, das aber einzig den Zweck zu haben schien, das „Ja“ zu verschleiern. Anders ausgedrückt formulierte der Papst: Ich sage entschieden Nein, meine aber augenzwinkernd Ja.

Die Anwesenden in der lutherischen Kirche verstanden offenbar und zollten mit begeisterten Mienen dem Papst kräftigen Beifall.

Die vollständige Antwort von Papst Franziskus

Die Frage von Anke de Bernardinis und die Antwort von Papst Franziskus im vollen Wortlaut:

Anke de Bernardinis: Ich heiße Anke de Bernardinis und, wie viele Menschen meiner Gemeinschaft, bin ich mit einem Italiener verheiratet, der ein römisch-katholischer Christ ist. Wir leben seit vielen Jahren glücklich zusammen und teilen Freuden und Schmerzen. Es schmerzt uns sehr, im Glauben getrennt zu sein und nicht zusammen zum Herrenmahl gehen zu können. War können wir tun, um endlich die Gemeinschaft [ital. comunione] in diesem Punkt zu erreichen?

Papst Franziskus: Danke, gnädige Frau.

[Stille]

Auf die Frage, gemeinsam das Herrenmahl zu teilen, ist es für mich nicht leicht, Ihnen zu antworten, vor allem nicht in Anwesenheit eines Theologen wie Kardinal Kasper! Ich habe Angst!

[lacht; allgemeines Gelächter; Applaus]

Ich denke, daß der Herr uns gesagt hat, als er uns dieses Mandat gegeben hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Und wenn wir das Mahl des Herrn teilen, daran denken und es nachahmen, tun wir dasselbe, das der Herr Jesus getan hat. Und das Herrenmahl wird es geben, das Schlußbankett im Neuen Jerusalem wird es geben, aber das wird das Letzte sein. Auf dem Weg hingegen, frage ich mich – und ich weiß nicht, wie ich antworten soll, aber ich mache mir Ihre Frage zu eigen – frage ich mich: Ist das gemeinsame Herrenmahl das Ziel eines Weges oder ist es die Wegzehrung um zusammen zu gehen? Ich überlasse die Frage den Theologen, jenen, die davon etwas verstehen.

Es stimmt, daß in gewisser Weise teilen heißt, daß es keine Unterschiede zwischen uns gibt; daß wir dieselbe Doktrin haben – ich unterstreiche das Wort, ein schwer zu verstehendes Wort – aber ich frage mich: Aber haben wir denn nicht dieselbe Taufe? Und wenn wir dieselbe Taufe haben, dann müssen wir zusammen gehen.

Sie sind ein Zeugnis eines tiefen Weges, weil es ein ehelicher Weg ist, ein Weg der Familie, der menschlichen Liebe und des gemeinsam geteilten Glaubens. Wir haben dieselbe Taufe. Wenn Sie sich als Sünderin fühlen – auch ich fühle mich sehr als Sünder – wenn Ihr Mann sich als Sünder fühlt, dann gehen Sie zum Herrn und bitten ihn um Vergebung; Ihr Mann tut dasselbe und geht zum Priester und bittet um die Absolution. Das sind Abhilfen, um die Taufe lebendig zu halten.

Wenn Ihr zusammen betet, wächst diese Taufe, wird stark; wenn Ihr Eure Kinder lehrt, wer Jesus ist, warum Jesus gekommen ist, was uns Jesus getan hat, tut Ihr das gleiche ob in der lutherischen Sprache oder in der katholischen Sprache, aber es ist dasselbe. Die Frage: Und das Mahl? Es gibt Fragen auf die man aber, wenn einer ehrlich mit sich selbst ist und mit den wenigen theologischen „Lumina“, die ich habe, dennoch antworten muß, seht selbst. „Das ist mein Leib, das ist mein Blut“, hat der Herr gesagt, „tut das zu meinem Gedächtnis“, und das ist eine Wegzehrung, die uns hilft, zu gehen. Ich hatte eine große Freundschaft mit einem 48 Jahre alten, verheirateten anglikanischen Bischof mit zwei Kindern und er hatte diese Unruhe: die katholische Frau, die katholischen Kinder, er Bischof. Er begleitete seine Frau und seine Kinder am Sonntag zur Messe, dann ging er und leitete den Kult mit seiner Gemeinschaft. Es war ein Schritt der Teilnahme am Herrenmahl. Dann ist er weitergegangen, der Herr hat ihn gerufen, ein gerechter Mann. Auf Ihre Frage antworte ich Ihnen nur mit einer Frage: Wie kann ich mit meinem Mann tun, damit das Herrenmahl mich auf meinem Weg begleitet? Das ist ein Problem, auf das jeder antworten muß. Aber ein Pastorenfreund sagte mir: „Wir glauben, daß der Herr dort gegenwärtig ist. Er ist gegenwärtig. Ihr glaubt, daß der Herr gegenwärtig ist. Und wo ist der Unterschied?“ – „Ah, es sind die Erklärungen, die Interpretationen…“.

Das Leben ist größer als die Erklärungen und die Interpretationen. Nehmt immer Bezug auf die Taufe: „Ein Glauben, eine Taufe, ein Herr“, so sagt es uns Paulus, und daraus zieht die Konsequenzen. Ich werde es nie wagen, die Erlaubnis zu geben, dies zu tun, weil es nicht meine Zuständigkeit ist. Eine Taufe, ein Herr, ein Glauben. Sprecht mit dem Herrn und geht weiter. Ich wage nicht, mehr zu sagen.

[kräftiger Applaus]

Heute konfrontieren sich die beiden gegensätzliche Positionen: jene der überlieferten Glaubenslehre und Glaubenspraxis und jene des protestantisierende Angriffs dagegen, den Kardinal Müller als „ekklesiogolischen Nihilismus“ bezeichnete.

Die zentrale Frage aber ist: Wie wird sich Papst Franziskus verhalten?

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL/Vatican.va (Screenshots)

 



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4 Kommentare

  1. Der entscheidende Punkt ist- wie so oft- die falsche Übersetzung, die dadurch gefördert wird, sie durch diesen Papst dezentralisiert wird.
    Franziskus sagt:
    Ich denke, daß der Herr uns gesagt hat, als er uns dieses Mandat gegeben hat: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“. Und wenn wir das Mahl des Herrn teilen, daran denken und es nachahmen, tun wir dasselbe, das der Herr Jesus getan hat. Im griechischen Urtext heißt der von Christus benutzte Begriff „anamnesis“,Es ist eine Begriff, der uns aus der Sprache der Medizin bekannt ist. Dort ist die Anamnese teil der gesamten Krankengeschichte. Die Anamnese kann nicht für sich alleine betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit der Befundung und der daraus folgenden epikitischen Beurteilung, aus der die Therapie erfolgt. Genau so ist auch hier die „anamnesis“ etwas anderes als Gedächtnis oder gar Erinnerung an Golgotha oder das Geschehen im Abendsmahlsaal. Es ist die konkrete Teilnahme an diesem Geschehen oder besser dem Prozess und zwar nicht in der blutigen, sondern der unblutigen Form. Es ist der Eintritt in das zentrale Heilsgeschehen. Anamnesis ist also nicht eine vom Heilsgeschehen abgekoppelte Erinnerung, sondern sie ist Teilnahme am Heilsgeschehen und das ist etwas ganz anderes. Darin liegt der ganz große Unterschied zwischen der Katholischen und prothestantischen Auffassung. Wir müssen erkennen, wie die Verwirrung durch die Dezentralisierung der Textübersetzung gesteigert wird. Möglicherweise ist dieses auch so gewollt im Sinne eines fortschreitenden Oekumenismus. Wenn Franziskus von „nachahmen“ spricht, wird die falsche Richtung deutlich.

  2. Kard. Marx und Kasper sind Freunde von P. Franziskus. Wie kann er der katholischen Lehre Ja sagen, wenn die Freunde Protestanten sind? Jeden Tag haben die Katholiken mit größeren Verwirrung zu tun mit der Ökumene, die heretisch ist. Ohne Konvertierung ist es Sakrileg und das fordern die deutschen Bischöfe, es ist ja schon gängige Praxis in Deutschland ohne Beichte zu Kommunion zu gehen. Es sollte nur noch förmlich gemacht werden. Die Dezentralisierung der Kirche als Programmagenda bringt die „Früchte“ für Protestantismus. Gott erbarme Dich unser!

  3. Nicht umsonst gibt der Papst gerade bei Fragen der Eucharistiereichung den Bischofskonferenzen beinahe jedweden Spielraum, welchen die ultraprogessistische DBK-Mehrheit nun eben nutzt. Deswegen ist die Minderheit beileibe nicht automatisch der Tradition treu, vielmehr hat es den Anschein, als hätte lediglich die galloppierende kirchliche Entwicklung in Richtung einer postkatholischen Restrukturierung (d.h. Protestantisierung) zur Folge, dass immer mher progressive Kleriker und Laien mit dem verschärften Tempo nicht mitkommen und plötzlich als „vorkonziliar“ (oder besser: konterrevolutionär) erscheinen.

    Da in Deutschland objekiv der päpstliche Kurs umgesetzt wird, ist die Antwort „Einigt Euch und streitet nicht!“ – bei Lichte besehen – inhaltlich eine Bestätigung der DBK-Mehrheit, welche den unterlegenen Bischöfen lediglich erlaubt, öffentlich einigermaßen ihr Gesicht zu wahren. In der Sache selbst tritt Rom der DBK-Mehrheit nicht entgegen und läßt ihr somit freien Lauf. Wenig überraschend wird das Konzept der „Gemeinschaft in Verschiedenheit“ (ein Ausdruck, der bezeichnenderweise in „ökumenischen Gesprächen“ benutzt wird) nunmehr auch innerhalb der Kirche angewandt, der Kurs auf das Ziel einer Katholiken und Protestanten umfassenden „Anglikanischen Gemeinschaft 2.0“ ist unübersehbar.

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