Kardinal Maradiaga

„Du bleibst dort“

Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga wurde trotz schwerer Korruptionsvorwürfe von Papst Franziskus als Erzbischof von Tegucigalpa bestätigt.
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga wurde trotz schwerer Korruptionsvorwürfe von Papst Franziskus als Erzbischof von Tegucigalpa bestätigt.

(Rom) Macht Papst Franziskus den Fall Oscar Rodriguez Maradiaga zu einem zweiten Fall Barros? Vergangene Woche bestätigte er den honduranischen Kardinal in seinem Amt als Erzbischof von Tegucigalpa. Mit anderen Worten: Franziskus will auch weiterhin nichts von den Korruptionsvorwürfen gegen seinen „Vize-Papst“ wissen.

Juan Barros Madrid wurde von Franziskus vor mehr als drei Jahren zum Bischof von Osorno in Chile ernannt. Eine Entscheidung, die von Anfang an umstritten war, weil Msgr. Barros beschuldigt wurde und wird, den ehemaligen Priester Fernando Karadima, der von der Kirche wegen sexuellen Mißbrauchs an Minderjährigen verurteilt wurde, gedeckt zu haben. Die Sache harrt einer Aufklärung. Papst Franziskus hält mit Hartnäckigkeit an Barros fest. Erst als er durch zu großes internationales Aufsehen genötigt war, setzte er Ende Januar einen Päpstlichen Sondergesandten ein, den er nach Amerika schickte, um sich die Barros-Kritiker anzuhören. Der Sondergesandte soll das tun, was sich Franziskus drei Jahre lang geweigert hatte. Der Papst selbst erst Mitte Januar in Chile, wo er jede Begegnung mit Barros-Kritikern verweigerte. Er beschuldigte sie vielmehr aus Distanz und über die Medien, „Verleumder“ zu sein.

Oscar Rodriguez Maradiaga ist Erzbischof von Tegucigalpa und Kardinal. Er ist zudem Koordinator des C9-Kardinalsrates, den Franziskus errichtete, um in der Kurienreform und der Leitung der Weltkirche beraten zu werden. Maradiaga gilt als einer der engsten Vertrauten des regierenden Papstes. Durch Enthüllungen des Wochenmagazins L’Espresso steht er unter schwerwiegendem Verdacht. Dabei geht es vor allem um Finanzen. Der Kardinal ließ sich im Jahr 600.000 Dollar extra von der Katholischen Universität von Honduras überweisen. Das ist deutlich mehr, als der US-Präsident als Gehalt bezieht.

Maradiaga erklärte, das Geld sei nicht für ihn bestimmt gewesen, sondern für die ärmsten Pfarreien im Erzbistum eingesetzt worden. Papst Franziskus gab sich mit dieser Begründung sofort zufrieden und wollte die Diskussion beenden. L’Espresso blieb jedoch hartnäckig und stellte eine Reihe von Fragen, die bis heute unbeantwortet geblieben sind. Dazu gehört die Frage, warum das Geld auf Privatkonten des Kardinals geflossen ist, wenn es für das Erzbistum bestimmt war.

Zudem wurden weitere Anschuldigung bekannt. Der Kardinal soll den ehemaligen honduranischen Botschafter beim Heiligen Stuhl und dessen Familie um ihr Vermögen gebracht haben, weil er ihnen Investitionen bei einem „zuverlässigen“ Finanzmanager empfohlen hatte, der sich mit dem Geld aus dem Staub machte.

Auch der Weihbischof Maradiagas in Tegucigalpa, Msgr. Juan José Pineda, soll in undurchsichtiges Finanzgebaren verwickelt sein. Pineda ist die rechte Hand des Kardinals, da dieser häufig auswärts ist. Der Weihbischof leitet faktisch das Erzbistum für Maradiaga. Staatsgelder, die als Fördermittel für ein Weiterbildungsprojekt gezahlt wurde, sollen auf Pinedas Privatkonto gelandet sein.

Ihm wird zudem ein Doppelleben vorgeworfen. Sein Lebenswandel sei in moralischer Hinsicht sehr zweifelhaft. Ehemalige Seminaristen beschuldigen ihn homosexueller Übergriffe. Da sie diese abgewehrt hatten, habe er für ihre Entlassung aus dem Seminar gesorgt. Der frühere Seminarregens habe sogar ein Hausverbot gegen Pineda verhängt. Dieses sei inzwischen aber durch Kardinal Maradiaga wieder aufgehoben worden, berichtete Edward Pentin vom National Catholic Register . Überhaupt habe es der Weihbischof mit seinem homosexuellen Verhalten sehr „bunt“ getrieben. Es sei kaum denkbar, daß der Kardinal nichts davon wisse. Damit stellte Pentin indirekt die Frage in den Raum, wer von beiden wen worin deckt. Oder umgekehrt gefragt: Wer von beiden wen weshalb vielleicht erpreßt.

Papst Franziskus kam soviel zu Ohren, daß er im Mai 2017 einen Päpstlichen Gesandten nach Honduras schickte, der rund 50 Zeugen in der Sache einvernahm. Der Abschlußbericht der Päpstlichen Visitation liegt seither auf dem Schreibtisch des Papstes, ohne daß dieser in der Sache etwas unternommen hätte.

Am vergangenen Freitag gab es eine Art Paukenschlag in der Sache, von dem allerdings noch nicht ganz klar ist, in welche Richtung genau er sich als solcher erweisen wird.

Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga gab persönlich bekannt, daß sein Rücktrittsgesuch von Papst Franziskus abgelehnt wurde. Gemeint ist damit kein Rücktritt wegen der erhobenen Vorwürfe, sondern die vom Kirchenrecht vorgeschriebene Altersgrenze. Mit Vollendung des 75. Lebensjahres müssen alle Diözesanbischöfe dem Papst ihren Rücktritt anbieten. Er entscheidet dann, ob er dieses annimmt oder der betreffende Oberhirte weiter im Amt bleibt. In der Regel bedeutet das zunächst eine Verlängerung um weitere zwei Jahre.

Kardinal Maradiaga wurde am 29. Dezember 2017, eine Woche nach der ersten Enthüllung durch den Espresso, 75. Papst Franziskus bestätigte seinen engen Vertrauten im Amt. Der Papst habe ihm einen Brief geschrieben, so der Kardinal, in dem er ihm mitgeteilt habe:

„Du bleibst dort“.

Franziskus habe das damit begründet:

„Da Deine Gesundheit nun gut ist“.

Andere Bischöfe von guter Gesundheit emeritierte Franziskus, sobald sie die Altersgrenze erreicht hatten, wie Erzbischof Luigi Negri von Ferrara. Die Gesundheit ist demnach nur ein Aspekt, das Kirchenverständnis des Bischofs ein noch viel wichtiger.

Das erinnert an den Fall Barros. Papst Franziskus teilte am 21. Januar auf dem Rückflug von Peru den mitfliegenden Journalisten mit, daß Bischof Barros ihm zweimal den Rücktritt angeboten, er diesen aber zweimal abgelehnt hatte.

Am vergangenen Freitag lehnte Franziskus auch den angebotenen Rücktritt von Kardinal Maradiaga ab. Die Begründung dürfte dieselbe sein. Gegenüber Barros hatte Franziskus, laut eigenen Worten, gesagt, daß ein Rücktritt nämlich einem Schuldeingeständnis gleichkäme.

Kardinal Maradiaga gab am 16. März auch bekannt, den Prostatakrebs überwunden zu haben, zu dessen Behandlung er sich in den vergangenen Monaten häufig in Texas in den USA aufgehalten hatte.

Im folgenden Video des honduranischen, katholischen Nachrichtenkanals Notifides gibt Kardinal Maradiaga seine Verlängerung im Amt durch Papst Franziskus bekannt.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Notifides (Screenshot)



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1 Kommentar

  1. Hochwürdigster Bischof von Rom!
    Sie dürften ein großes Herz für Korruptis und moralisch fragwürdige Personen zu haben. Meinen Sie, dass das der Glaubwürdigkeit der Kirche zuträglich ist? Wenn wir schon beim Thema Glaubwürdigkeit sind: Wie ist eine derartiges Abkassieren mit der von Ihnen und Kardinal Maradiaga propagierten „Kirche der Armen“, was immer das auch sein soll, zu vereinbaren? Oder ist Ihre „Kirche der Armen“ nur theologisch und spirituell arm, aber materiell reich? Man könnte das fast glauben.

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