„Warum lieben die Freimaurer Papst Franziskus?“ – Die Logenbrüder und der Malteserorden

Papst Franziskus und die Begeisterung der Freimaurer für ihn. Obwohl er erst zweimal, und das negativ, zur Freimaurerei Stellung nahm, herrscht unter den Logenbrüdern seit seiner Wahl große Begeisterung.
Papst Franziskus und die Begeisterung der Freimaurer für ihn. Obwohl er erst zweimal, und das negativ, zur Freimaurerei Stellung nahm, herrscht unter den Logenbrüdern seit seiner Wahl große Begeisterung.

(Rom) Die katholische US-Internetseite OnePeterFive, geleitet von Steve Skojec, an dessen Seite die verdiente Deutsch-Amerikanerin Maike Hickson steht, hat mit der Veröffentlichung der Reihe Why do the Freemasons Love Pope Francis? (Warum lieben die Freimaurer Papst Franziskus?) begonnen. Die beiden ersten Teile sind erschienen. Ein dritter Teil wurde bereits angekündigt. Weitere Teile, wie es aussieht, könnten folgen.

Erst zweimal sprach Papst Franziskus öffentlich über die Freimaurer

Die Veröffentlichung war für den Vatikanisten Sandro Magister Anlaß, ebenfalls das Thema aufzugreifen. Dabei stehe die von OnePeterFive reich dokumentierte Begeisterung der Logenbrüder für den amtierenden Papst, im direkten Widerspruch zu den öffentlichen Aussagen von Papst Franziskus, so Magister:

„Nur zweimal hat Papst Franziskus öffentlich von den Freimaurern und der Freimaurerei gesprochen. Und immer dagegen.“

Das erste Mal kam Franziskus auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Brasilien darauf zu sprechen. Das war am 28. Juli 2013. Anlaß war eine Frage der Journalistin Ilze Scamparini zum Fall Battista Ricca und zur „Homo-Lobby“. Die Antwort des Papstes wird vom Vatikan wie folgt in deutscher Übersetzung wiedergegeben:

„Wenn einer Gay ist und den Herrn sucht und guten Willen hat – wer bin dann ich, ihn zu verurteilen? […] Das Problem liegt nicht darin, diese Tendenz zu haben, nein, wir müssen Brüder und Schwestern sein, denn das ist nur ein Problem von vielen. Das eigentliche Problem ist, wenn man aus dieser Tendenz eine Lobby macht: Lobby der Geizhälse, Lobby der Politiker, Lobby der Freimaurer – so viele Lobbies. Das ist für mich das schwerwiegendere Problem. Und ich danke Ihnen sehr, dass Sie diese Frage gestellt haben.“

Ein zweites Mal kam Franziskus am 21. Juni 2015 in Turin auf die Freimaurer zu sprechen. Damals traf er sich mit der Jugend und beantwortete einige ihrer Fragen aus dem Stegreif:

„In dieser Region – und das habe ich auch zur Salesianischen Familie gesagt – herrschten Ende des 19. Jahrhunderts die schlechtesten Bedingungen für das Wachstum der Jugend: Die Freimaurer waren auf dem Höhepunkt, die Kirche konnte nichts tun, es gab die »Pfaffenverächter« und auch Satanisten… Es war einer der schlimmsten Augenblicke und auch der schlimmsten Orte der Geschichte Italiens. Aber wenn ihr eine schöne Hausaufgabe machen wollt, dann schaut nach, wie viele heilige Männer und Frauen in dieser  Zeit herangewachsen sind! Warum? Weil sie gemerkt haben, dass sie angesichts dieser Kultur, dieser Art zu leben gegen den Strom schwimmen müssen. Die Realität, in der Realität leben.

Privat forderte Franziskus die Säuberung des Malteserordens von Freimaurern

Soweit die beiden öffentlichen Äußerungen. Dazu Magister:

„Privat kam Franziskus allerdings weit öfter auf das Argument zurück. Die Freimaurerei ist seine schwarze Bestie, schon zur Zeit, als er Argentinien lebte. Er duldet nicht, daß sie sich in die Kirche infiltriert und war mehr als überzeugt, daß sie im Malteserorden präsent sei und von dort beseitigt gehört.“

Am 1. Dezember 2016 erteilte Franziskus dem Kardinalpatron des Ordens, Kardinal Raymond Burke, schriftlich einen klaren Auftrag. Daß eine Stelle des Schreibens auf die Freimaurerei anspielt, sei für „ein Expertenauge eindeutig“, so Magister.

Im Brief schrieb Franziskus:

„Besonders gilt es zu vermeiden, daß Ausdrucksformen eines weltlichen Geistes in den Orden eindringen ebenso wie Zugehörigkeiten zu Vereinigungen, Bewegungen und Organisationen, die gegen den katholischen Glauben oder relativistischer Prägung sind. Sollte sich das herausstellen, sind die Ritter, die eventuell Mitglieder solcher Organisationen, Bewegungen und Vereinigungen sind, aufzufordern, ihrer Zugehörigkeit zurückzunehmen, weil diese mit dem katholischen Glauben und der Ordenszugehörigkeit unvereinbar ist.“

Diese Anweisung stellte der Papst seinen Gedanken zu einer Reform des Ordens voran. Damit gab er Kardinal Burke zu verstehen, daß die Beseitigung solcher Einflüsse Priorität hat.

Päpstlicher Auftrag an Kardinal Burke 2014

Am 8. November 2014 wurde Kardinal Burke von Papst Franziskus als Höchstrichter und Dikasterienleiter abgesetzt und als Kardinalpatron des Malteserordens aus dem Vatikan wegbefördert. Mit der Ernennung habe er den Kardinal mit der „vorrangigen Aufgabe“ betraut, die lautete:

„die notwendige Beseitigung eines weltlichen Geistes und konkret der Freimaurerei aus dem Malteserorden“.

Das gab Kardinal Burke selbst in einem Bericht über die jüngsten Entwicklungen im Malteserorden bekannt, der mit seiner Erlaubnis vertraulich unter Ordensrittern des deutschen Sprachraumes verbreitet wurde, aber naturgemäß bald öffentlich bekannt wurde. Der Auftrag wurde ihm, so Burke, von Franziskus am 9. September 2014 erteilt. Damals kündigte ihm der Papst im Rahmen einer Privataudienz, weshalb sie vom Vatikan nicht offiziell verzeichnet ist, seine bevorstehende Wegbeförderung an.

Juni 2016: Audienz für die Spitze des Malteserordens
Juni 2016: Audienz für die Spitze des Malteserordens

Franziskus sagte dem Kardinal, er verfüge nicht über „exakte Informationen“ darüber, daß sich unter den Ordensrittern Freimaurer befinden, sei „aber von ihrer Existenz überzeugt“.

Am 10. November 2016, als Burke in seiner Funktion als Kardinalpatron des Malteserordens vom Papst empfangen wurde, dieses Mal in offizieller Audienz, kam Franziskus erneut auf das Thema zu sprechen. Kardinal Burke berichtete ihm, daß er keine Freimaurer unter den Rittern identifizieren konnte. Der Papst habe darauf beharrt, die Suche fortzusetzen. Diese Aufforderung wiederholte er in seinem Brief vom 1. Dezember sogar schriftlich, wenngleich die Freimaurer darin nicht namentlich genannt werden.

Gegenüber dem Großmeister, Fra Matthew Festing, und weiteren zehn hochrangigen Ordensrittern, hatte Franziskus das Thema bereits in einer Audienz am 23. Juni 2016 angeschnitten. An der Audienz nahm auch Großkanzler Albrecht Freiherr von Boeselager teil, der wenige Monate später im Mittelpunkt des Konfliktes zwischen dem Orden und dem Vatikan stehen sollte.

Franziskus fragte die in Galauniform angetretene Ordensleitung geradeheraus, was sie bezüglich „der von Kardinal Burke gemachten Fortschritte zur Reinigung des Ordens von Freimaurern“ wüßten. Damit war allen Anwesenden klargeworden, daß das die „Hauptsorge“ des Papstes im Zusammenhang mit dem altehrwürdigen und mit völkerrechtlich anerkannter Souveränität ausgestatteten Orden war, so Magister.

Uminterpretation durch das Staatssekretariat?

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gab, nach Ausbruch des Konflikts zwischen Großmeister Festing und Großkanzler Boeselager, dem Papstbrief vom 1. Dezember allerdings eine ganz andere Interpretation. Am 21. Dezember 2016 schrieb Kardinal Parolin auf die Absetzung Boeselagers bezogen: der Papst habe eine Haltung der ausgestreckten Hand und „Lösungen“ gewollt. Er habe aber „nie gesagt, jemanden zu verjagen!“ Damit warf er Kardinal Burke vor, den Auftrag des Papstes mißbraucht zu haben.

Die Wortwahl des Papstes in seinem Brief an Kardinal Burke sei aber „keineswegs konziliant“ gewesen, wie der Kardinalstaatssekretär drei Wochen später behauptete, so Riccardo Cascioli, der Chefredakteur von Nuova Bussola Quotidiana.

Fest steht, daß der Auftrag an Kardinal Burke eindeutig war. Fest steht ebenso, daß – als es ernst wurde – der Kardinalstaatssekretär sich hinter Boeselager stellte. Fest steht auch, daß Papst Franziskus Kardinal Burke und Großmeister Festing im Regen stehen ließ. Oder haben die beiden Ereignisse, die insistente Aufforderung des Papstes am 10. November und 1. Dezember 2016, den Orden zu reinigen, und der Konflikt zwischen Festing und Boeselager vom 6. Dezember 2016 gar nichts miteinander zu tun? Handelt es sich nur um ein zufälliges Zusammenfallen zweier unzusammenhängender Ereignisse?

Am 26. April wandte sich Papst Franziskus schriftlich an Großkomtur Fra Ludwig Hoffmann von Rumerstein, der nach dem Rücktritt von Großmeister Festing Ende Januar die Ordensleitung übernommen hatte. Der Brief war für alle Mitglieder des Großen Staatsrates bestimmt, die sich am 29. April zur Wahl eines neuen Großmeisters versammelten. Ein Großmeister wurde nicht gewählt, dafür der Großprior von Rom, Fra Giacomo Dalla Torre del Tempio di Sanguinetto, für ein Jahr zum Statthalter. In dem Schreiben des Papstes fehlt die Aufforderung, den Orden von Freimaurern zu reinigen.

Die unerklärliche Begeisterung der Freimaurerei für Papst Franziskus

Magister ist dennoch überzeugt, daß die Forderung nach „Reinigung“ von Logenbrüdern weiterhin als Teil der vom Papst im Schreiben geforderten „geistlichen Erneuerung“ des Ordens anzusehen ist, und Franziskus der Freimaurerei entschieden ablehnend gegenübersteht.

„Seltsam ist um so mehr die Begeisterung der Freimaurerei für diesen Papst. Eine Begeisterung, die bisher noch keinem Papst entgegengebracht wurde.“

Die Begeisterung entbrannte bereits mit dem unerwarteten Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI., wie Kommentare aus der Feder von Kolumnisten, die den Logen zugerechnet werden, oder Stellungnahmen des Großmeisters des Großorient von Italien, zeigen, mit denen Papst Franziskus von der Freimaurerei vereinnahmt wurde. Ein Phänomen, das es zuvor noch bei keinem Papst in dieser Form gegeben hatte.

Am 14. März 2013, am Morgen nach dem Konklave, veröffentlichte Großmeister Gustavo Raffi im Namen des Großorient von Italien eine Presseerklärung, deren Kernaussage lautete:

Con Papa Francesco nulla sarà  pi๠come prima“ (Mit Papst Franziskus wird nichts mehr sein wie vorher).

Der Großmeister der Großloge von Paraguay sagte erst jüngst, in einem öffentlich ausgetragenen Disput mit dem Erzbischof von Asuncion, daß sich Papst Franziskus als Erzbischof von Buenos Aires mit dem Großmeister der Großloge von Argentinien getroffen habe.

Eine detaillierte Auflistung dieser freimaurerischen Begeisterung für Papst Franziskus liefert OnePeterFive in seiner neuen Reihe:

Why do the Freemasons Love Pope Francis? Part I

Why do the Freemasons Love Pope Francis? Part II

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshots)

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6 Kommentare

  1. Ein Christ sorgt sich in erster Linie um das ewige Heil der Seelen, er spricht von Christus, von Geboten und Sünden, der Erlösung durch den Herrn und von Mission; ein Freimaurer sorgt sich allein um das weltliche Wohlergehen der Menschen, er arbeitet an den Zielen der UNO und den Menschenrechten.

    • „ein Freimaurer sorgt sich allein um das weltliche Wohlergehen der Menschen“
      sogar das wage ich zu bezweifeln. Die FM ist nichts Gutes, auch nicht in dieser Welt!

      • Das sehe ich auch so, ich hätte besser schreiben sollen „sorgt sich höchstens“, denn es gibt regionale kleine Rotariergruppen, die sich sogar für die Erhaltung christlicher Bildstöcke und Wegekreuze einsetzen und sich auch in ihrer näheren Umgebung für Arme einsetzen; vielleicht wissen die Menschen der regionalen kleinen Rotarier- und Lions-gruppen nicht, dass sie zu den Freimaurern gehören. Freimaurerei auch bis in die unterste Hierarchie ist selbstverständlich satanisch.

  2. Bei Franziskus blickt man einfach nicht durch, was sein Verhältnis zur Freimaurerei betrifft. Was er sagt ist oft nicht identisch mit dem, was er in Wirklichkeit meint.
    Fakt ist, dass die FM im Verborgenen (hidden hand) arbeiten und sich nicht in die Karten schauen lassen.
    Fakt ist auch, dass die zwei von Franziskus abgesetzten Ordensoberen der Franziskaner der Immakulata hervorragende Kenner der Freimaurerei waren (und noch sind!), insbesondere was die Verstrickungen der Kirche mit derselben betrifft. Seltsam nur, dass sie just bevor sie die geheimen Machenschaften aufdecken konnten, kaltgestellt und verfolgt wurden!!!
    Honi soit qui mal y pense!

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