Papst Franziskus bringt Päpstliche Akademie für das Leben und Päpstliches Ehe- und Familieninstitut auf Bergoglio-Kurs

Kurienerzbischof Vincenzo Paglia soll Päpstliche Akademie für das Lebenu und Pästliches Institut Johannes Paul II. für Studien über die Ehe und Familie auf Bergoglio-Kurs bringen. Der Aufstieg der Gemeinschaft Sant'Egidio setzt sich fort.
Kurienerzbischof Vincenzo Paglia soll Päpstliche Akademie für das Lebenu und Pästliches Institut Johannes Paul II. für Studien über die Ehe und Familie auf Bergoglio-Kurs bringen. Der Aufstieg der Gemeinschaft Sant'Egidio setzt sich fort.


Ihnen gefällt Katholisches.info? Helfen Sie bitte mit, daß Katholisches.info auch im Oktober erscheinen kann. Es fehlen noch 1.673,- Euro.


Zur Zuwendungsübersicht


(Rom) Heute wird die gleich zweifache Ernennung von Kurienerzbischof Vincenzo Paglia bekanntgegeben: Msgr. Paglia wird von Papst Franziskus zum Vorsitzenden der Päpstlichen Akademie für das Leben und zum Großkanzler des Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie ernannt. Dies berichtet wenige Stunden vor Veröffentlichung des vatikanischen Tagesbulletins der Vatikanist Sandro Magister.

Innerhalb weniger Tage erfährt damit die Gemeinschaft Sant’Egidio einen weiteren päpstlichen Gunsterweis. Wie der Imam von Perugia bekanntgab, wird Papst Franziskus am kommenden 19. September am Treffen der Religionen in Assisi teilnehmen, das anläßlich des ersten interreligiösen Friedensgebets von 1986 mit Papst Johannes Paul II. in der Stadt des „Poverello“ stattfindet, wie der heilige Franz von Assisi in Italien auch genannt wird. Die umstrittenen, interreligiösen Assisi-Treffen von Religionsführern gehen auf die Gemeinschaft Sant’Egidio zurück und wurden auch jeweils von ihr organisiert.

Der Aufstieg von Vincenzo Paglia und der Gemeinschaft Sant‘Egidio

Obwohl die 1968 gegründete neue Gemeinschaft als ziemlich progressiv gilt, bemühte sie sich mit Erfolg, die Nähe des jeweiligen Papstes zu suchen. Dennoch wurde erst im Heiligen Jahr der Gnade 2000 mit Msgr. Paglia einem Priester dieser Gemeinschaft die Bischofswürde zuteil. Papst Johannes Paul II. gab dem Wunsch nach und setzte mit der Ernennung Paglias zum Bischof von Terni ein Zeichen der Anerkennung.

„Dort legte er in der Immobilienverwaltung nicht gerade die Weisheit eines pater familias an den Tag, der ein guter Bischof bedarf“, so Magister.

Der vorletzte Präsident der Vatikanbank IOR, Ernst von Freyberg, kam in seinem ausführlichen Abschiedsschreiben vom Juli 2014 darauf zu sprechen. Zu seinem Abschied konnte von Freyberg nur einen bescheidenen Jahresgewinn von 2,9 Millionen Euro vorweisen. Der Grund lag in einer finanziellen Rettungsaktion für die Diözese Terni, die unter Bischof Paglia vor dem Bankrott stand.

Die „Familienpolitik“ von Sant‘Egidio

„Aber auch als Mitglied ersten Ranges der Gemeinschaft von Sant’Egidio hatte Paglia nie in Sachen Familienkompetenz geglänzt. Weder er noch die anderen Führungskräfte der Gemeinschaft, einschließlich des allmächtigen Gründers Andrea Riccardi“, so Magister.

Riccardi, Organisator der Assisi-Treffen und Karlspreisträger, wurde dennoch 2012 unpassenderweise von Mario Monti als Minister für Internationale Zusammenarbeit und Integration in die italienische Regierung berufen und hatte als solcher mit Familienfragen zu tun.

Was in Sachen Familie in der Gemeinschaft von Sant’Egidio „hinter einer strahlenden Fassade“ abläuft, enthüllte der 2003 an das diözesane Kirchengericht von Rom gestellte Ehenichtigkeitsantrag eines langjährigen Gemeinschaftsmitglieds, das mit einer Frau verheiratet war, die ebenfalls der Gemeinschaft angehört.

Dem Nichtigkeitsantrag war eine Denkschrift beigefügt, in der der Antragssteller detailliert ausführte, „unter Zwang“ zur Heirat genötigt worden zu sein. Das sei kein Einzelfall gewesen, sondern Teil des allgemeinen, autoritären Systems in der Gemeinschaft, wo die Führungsspitze die Verlobungen und die Eheschließungen ihrer Mitglieder verwalte. Die Denkschrift wurde von Sandro Magister unter dem Titel „25 Jahre Gemeinschaft von Sant’Egidio. Eine Denkschrift“ veröffentlicht.

Das Diözesangericht erklärte die Ehe 2007 für nichtig mit dem Verweis auf den als erwiesen anerkannten, ausgeübten Zwang. Zur höchsten Führungsebene der Gemeinschaft gehörten zum Zeitpunkt der Eheschließung und danach Riccardi als unumstrittener Vorsitzender und Paglia als geistlicher Assistent.

Wundersame Rettung

Bischof Paglia hatte sich durch sein Verhalten in Terni eigentlich nicht für höhere Aufgaben oder gar eine Berufung an die Römische Kurie qualifiziert. Die Gemeinschaft von Sant’Egidio stand durch das Urteil des Kirchengerichts eigentlich ziemlich schlecht da. Doch das alles konnte „auf wundersame Weise“, so Magister, dem Ansehen Paglias, Riccardis und der Gemeinschaft nichts anhaben. Das Finanzloch der Diözese Terni wurde durch Gelder der Vatikanbank gestopft und die Zwangsehen der Gemeinschaft drangen kaum an die Öffentlichkeit.

Als Paglia von Papst Benedikt XVI. 2012 zum Vorsitzenden des Päpstlichen Rates für die Familie ernannte, war das Finanzdesaster von Terni allerdings noch nicht bekannt, während die Gemeinschaft von Sant’Egidio nicht nur über exzellente Medienkontakte verfügt, sondern es auch versteht, an der Römischen Kurie effizientes Lobbying zu betreiben. Die Gemeinschaft verfügt offenbar über gute Freunde.

Angela Merkel, Imame und die Seligsprechung von Oscar Romero

Wegen ihrer Paralleldiplomatie auf dem internationalen Parkett begab sich selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem jüngsten Staatsbesuch in Italien im Februar 2012 an den Sitz der Gemeinschaft nach Trastevere. In deren dortiger Kirche, wurde nach der Ermordung von Abbé Jacques Hamel, auch ein Imam eingeladen, um im Zusammenhang mit der Sonntagsmesse aus dem Koran zu rezitieren. Beim interreligiösen Betrieb steht die Gemeinschaft in der katholischen Kirche in der ersten Reihe.

Der Aufstieg der Gemeinschaft geht indes unter Papst Franziskus ungebrochen weiter. Paglia arbeitete mit Papst Franziskus sehr zufriedenstellend bei der Seligsprechung von Erzbischof Oscar Romero zusammen. Der Kurienerzbischof war Postulator Romeros. Obwohl Papst Benedikt XVI. das Verfahren auf Eis gelegt hatte, da es schwerwiegende Bedenken gab, daß der Erzbischof von San Salvador nicht in odium fidei, sondern wegen politischer Dinge ermordet worden war. Papst Franziskus wischte alle Bedenken weg, erkannte Romeros Tod als Martyrium an, so wie es eine bestimmte linke Klientel in Lateinamerika, aber noch mehr im Westen wünschte, und nahm im Mai 2015 persönlich die Seligsprechung vor, obwohl das sonst nicht mehr üblich ist.

Die selektive Personalpolitik des Papstes

Bei der Doppel-Bischofssynode über die Familie war Paglia Synodale kraft seines Amtes als vatikanischer „Familienminister“. Papst Franziskus „hütete sich dessen Vorgänger an der Spitze des Päpstlichen Familienrates, Kardinal Ennio Antonelli, ad hoc als Synodale zu berufen, obwohl dessen Kompetenz in Sachen Ehe und Familie unvergleichbar größer ist“, so Magister. Der Grund für die Nicht-Ernennung? Kardinal Antonelli „unterstütze offen und klar Positionen gegen die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten.“

Kurienerzbischof Paglia wirkte hingegen in die gegenteilige Richtung. Er übernahm die Schirmherrschaft einer Expertenrunde von Theologen, die sich für die „neue Barmherzigkeit“ von Kardinal Walter Kasper aussprachen. Deren Positionen wurden in einem Buch zusammengefaßt und zwischen den beiden Synoden nicht von irgendeinem, sondern vom Vatikanverlag veröffentlicht. Bereits zuvor war ausgerechnet der „Familienminister“ des Vatikans mit homophilen Aussagen aufgefallen.

Papst Franziskus hielt nicht nur eine eminent kompetente Gestalt wie Kardinal Antonelli von der Bischofssynode fern, und versetzte einen anderen Gegner der „Öffnung“, Kardinal Antonio Canizares kurz vor der ersten Synode nach Spanien, während er den Wortführer der Verteidiger des Ehesakraments und der kirchlichen Morallehre, den US-amerikanischen Kardinal Raymond Leo Burke nach der ersten Synode absetzte und aus der Römischen Kurie verbannte. Papst Franziskus hielt auch das Päpstlichen Instituts Johannes Paul II. für Studien zu Ehe und Familie von der Synode fern, obwohl gerade dieses Institut wie kaum ein anderes, sich aus kirchlicher Sicht mit dem Synodenthema befaßt. Direktor des Instituts ist Livio Melina, Großkanzler bisher Kardinal Gaetano Vallini, der Kardinalvikar von Rom. Als Großkanzler der Päpstlichen Lateranuniversität stand Kardinal Vallini auch dem Institut vor, das seinen Sitz an der Universität hat.

Papst Franziskus legt Akademie für das Leben und Ehe- und Familieninstitut an die Kandare

Nun aber ändert sich alles. Neuer Großkanzler des Ehe- und Familieninstituts wird Msgr. Paglia. Die Ernennung erfolgt nicht nur ehrenhalber. „Sie zielt darauf ab, mit den Personen auch die Ausrichtung des Instituts zu ändern und an den neuen Bergoglio-Kurs anzupassen“, so Magister. „Und was die Päpstliche Akademie für das Leben anbelangt, die der Papst ebenfalls Paglia anvertraut, so ist auch dort manches Erdbeben zu erwarten.“

Bekanntlich gehören bioethische Fragen wie der Widerstand gegen den Massenmord an ungeborenen Kindern durch Abtreibung nicht zu den Prioritäten dieses Pontifikats. Magister rechnet mit personellen Umbesetzungen und nennt als Beispiel den österreichischen Philosophen Josef Seifert, einen international anerkannten Verteidiger des Lebensrechts ungeborener Kinder. Seifert legte vor kurzem eine „tödliche Demolierung“ des nachsynodalen Schreibens Amoris Laetitia von Papst Franziskus vor und forderte den Papst auf, die darin enthaltenen häretischen Aussagen zu korrigieren.

Text: Giuseppe Nardi
Bild. MiL

Artikel drucken