Am La Plata wurde emeritiert und zwangsgeräumt

Die Vergeltung von Papst Franziskus

Hector Ruben Aguer
Hector Ruben Aguer bei der Fronleichnamsprozession, seiner letzten Handlung als Erzbischof von La Plata.

(Buenos Aires) Die Emeritierung von Erzbischof Hector Ruben Aguer von La Plata stand in den vergangenen Wochen im Augenmerk aufmerksamer Beobachter. Erzbischof Aguer war in den vergangenen 25 Jahren Bergoglios führender Gegenspieler in Argentinien. Zum Abschied läßt ihn das Kirchenoberhaupt sein ganzes Mißfallen spüren.

Wie bereits berichtet, waren der Jesuit Bergoglio und der Weltpriester Aguer, beide aus Buenos Aires, Anfang der 90er Jahre gleichzeitig Weihbischöfe von Buenos Aires geworden. An diesem Augenblick zog Jorge Mario Bergoglio, der bis dahin ordensintern „exiliert“ war, das bessere Los. Es begann ein phänomenaler Aufstieg.

Mit Hilfe des damaligen Erzbischofs von Buenos Aires, Antonio  Kardinal Quarrancino, wurde Bergoglio und nicht Aguer neuer Primas von Argentinien. Aguer wurde von Papst Johannes Paul II. zwar zum Erzbischof des zweitwichtigsten Bistums des Landes gemacht. Die Kardinalswürde ist aber mit Buenos Aires verbunden, nicht mit La Plata. Papst Benedikt XVI. stützte Erzbischof Aguer gegen die von Bergoglio angeführte Mehrheit in der Argentinischen Bischofskonferenz, handelte im Vergleich zu seinem Nachfolger Franziskus aber zu zurückhaltend und zaghaft, um die von ihm angestrebte Erneuerung in den Episkopaten wirklich wirksam werden zu lassen.

Bergoglio saß 2005 und 2013 im Konklave in Rom, nicht Aguer.

Nachdem Franziskus Papst geworden war, demontierte er in schnellen Zügen jene Minderheit, die von Aguer geführt, sich ihm als Primas widersetzt hatten.  Nur Aguer blieb im Amt, allerdings keinen Tag länger als notwendig – was ganz wörtlich zu nehmen ist.

Victor Manuel Fernandez
Victor Manuel Fernandez

Am 24. Mai vollendete der Erzbischof sein 75. Lebensjahr. Dem Kirchenrecht gemäß legte er Franziskus seinen Rücktrittsantrag vor. Mit auffälliger Eile nahm ihn Franziskus an und ernannte einen seiner engsten Vertrauten, Titularerzbischof Victor Manuel Fernandez, zum Nachfolger. Das Kirchenoberhaupt eliminierte damit nicht nur den letzten Vertreter eines traditionellen Kirchenverständnisses, sondern will auch sicherstellen, daß das Erzbistum auf Bergoglio-Kurs gebracht wird.

Welche Animositäten hinter den Kulissen herrschen, verdeutlicht eine zusätzliche Unfreundlichkeit des Papstes gegenüber Erzbischof Aguer. Franziskus begnügte sich nicht, Aguer bei erstbester Gelegenheit zu emeritieren und sofort einen Nachfolger zu ernennen, der für Aguer zudem eine Demütigung darstellt. Franziskus ernannte nicht den bisher amtierenden Erzbischof, der sich bei bester Gesundheit befindet, zum Diözesanadministrator bis zur Amtseinführung des Nachfolgers, wie es üblich ist, wenn nicht Tod oder Gesundheitszustand zu einem Bischofswechsel zwingen. Franziskus brachte Erzbischof Aguer seine Mißbilligung ganz offen zum Ausdruck. Keinen Tag länger als absolut notwendig, sollte Aguer im Erzbistum La Plata etwas zu sagen haben.

Als Diözesanadministrator ernannte Franziskus Msgr. Alberto Bochatey OSA, den Weihbischof des Erzbistums La Plata. Dies teilte der Geschäftsträger der Apostolischen Nuntiatur, Msgr. Vincenzo Turturro, am Montag dem Erzbistum mit.

„Msgr. Bochatay wird die Leitung des Erzbistums La Plata bis zur Amtsübernahme durch Msgr. Victor Fernandez am kommenden 16 Juni ausüben“, so der Pressedienst AICA der Argentinischen Bischofskonferenz.

Die Ernennung eines eigenen Diözesanadministrators für nur 14 Tage bei bester Gesundheit des bisherigen Erzbischofs?

Die Bergoglio nahestehende Nachrichtenseite Valores Religiosos titelte:

„Aguer bestätigt, daß der Heilige Stuhl einen schnellen Wechsel wollte“.

Msgr. Aguer hatte am vergangenen Sonntag bekanntgegeben, daß der Wechsel „schnell“ erfolgen solle, damit sein Nachfolger Fernandez am 29. Juni in Rom aus der Hand des Papstes bereits das Pallium empfangen könne.

Zugleich brachte der emeritierte Erzbischof seine Verwunderung zum Ausdruck, daß Medien bereits Wochen exakt berichteten, was dann in diesen Tagen Wirklichkeit wurde: daß Franziskus ihn sofort emeritieren und der päpstliche Ghostwriter Fernandez zu seinem Nachfolger machen werde.

Die argentinische Nachrichtenseite CadenaBA schrieb kritisch:

„Papst Franziskus verhielt sich gegenüber Msgr. Aguer mehr nach dem Alten als nach dem Neuen Testament: nach dem Motto Auge für Auge, Zahn für Zahn. Er revanchierte sich bei Msgr. Hector Aguer, der ihn gebeten hatte, ihn zumindest bis kommenden September im Amt zu belassen, damit er noch sein zwanzigjähriges Amtsjubiläum als Erzbischof von La Plata feiern könne“, auf das sich etliche Pfarreien des Erzbistums bereits vorbereiteten.

Am Ende der Fronleichnamsfestes, das in Argentinien am 3. Juni begangen wurde, trat laut Wanderer der syrisch-orthodoxe Erzbischof Chrysostomos an das Mikrophon und stellte dem Erzbischof sein Haus zur Verfügung, „da  Msgr. Aguer keinen Platz hat, wo er hin könnte (sein ursprünglicher Plan war es, ins Kleine Seminar von La Plata zu ziehen“.

Hinter den Kulissen lief die Emeritierung offensichtlich weit dramatischer ab, als öffentlich bekannt wurde.

In der AICA-Presseaussendung der Argentinischen Bischofskonferenz hieß es zwei Tage später:

„Der emeritierte Erzbischof wird so lange an der erzbischöflichen Kurie wohnen, die notwendig ist, um sich einen neuen Wohnsitz zu finden“.

In La Plata wurde nicht nur ein über das Mittelmaß hinausragender Erzbischof im demonstrativen Eilverfahren emeritiert, sondern offensichtlich in einem ersten Moment aus zwangsgeräumt.

Der Hang von Papst Franziskus zur Vergeltung hat am La Plata ein weiteres Opfer gefunden.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Erzbistum La Plata/MiL



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