Der Altar der Heilig-Kreuz-Kirche von Zweibrücken

Das andere Tier

Sakralkunst
Sakralkunst: Das "andere Tier" auf dem Altar der Heilig-Kreuz-Kirche von Zweibrücken.

(Zweibrücken) Als „Lächerlichmachen“ der „heiligen Zelebrationsstätten (Altäre miteingeschlossen)“ kritisiert die traditionsverbundene Internetseite Messa in Latino manche Neugestaltung von Altarräumen. Beanstandet wird auch, was in diesem Zusammenhang an „Sakralkunst“ zu Geltung kommt. Als Beispiel wird der Altar der Pfarrkirche zum heiligen Kreuz in Zweibrücken genannt.

Bocksdarstellung auf dem Altar

Die Heilig-Kreuz-Kirche von Zweibrücken wurde im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil als Hallenkirche mit Vierungsturm und dem Grundriß eines lateinischen Kreuzes errichtet und 1879 geweiht. Am 14. März 1945 fiel sie einem alliierten Bombenangriff zum Opfer. Nur einige Teile der Außenmauern blieben stehen. Der Wiederaufbau erfolgte 1949/1950 als einfacher Wandpfeilersaal. 1959 kam ein Glockenturm dazu.

Im Geist der Nachkonzilszeit wurde auch das Presbyterium der Heilig-Kreuz-Kirche neugestaltet. Das liegt bereits einige Jahre zurück, ändert aber nichts an der von Messa in Latino gestellten Frage:

„Scheint ihnen das ein katholischer Altar zu sein? Mit einem gehörnten Bock?“

Und weiter:

„Man versucht es zu rechtfertigen, indem man sagt, es handle sich um das Lamm der Apokalypse … aber … die Darstellung ist geradezu zu sprechend…“

Motive der Johannes-Apokalypse

Auf der Internetseite der Pfarrei heißt es:

„1987/88 erfolgte eine gründliche Umgestaltung des Innenraums nach den Richtlinien des 2. Vatikanischen Konzils. Seitenaltäre, Kommunionbank und Kanzel verschwanden“.

Vor der Zerstörung
Vor der Zerstörung

Von solchen „Richtlinien“ findet sich in der Konzilskonstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium kein Wort.

Zum Altar schreibt die Pfarrei:

„Altar und Ambo sind das letzte größere Werk der Landstuhler Dominikanerin Burghildis Roth (1932-1987). Sie schuf noch die Modelle; der Guss erfolgte in der Metallgießerei Becker in Pirmasens. Auf den vier Sichtflächen des quadratischen Altars sind Motive der Johannes-Apokalypse dargestellt. Auf der Nordseite sehen wir Menschen in der Drangsal, Gesicht und Hände nach Jesus (durch ein gekröntes Auge dargestellt) ausgerichtet. Auf der Ostseite befindet sich das Lamm als Symbol Christi über den siebzehn Zonen, in die im Zuge der Pfarrerneuerung die Pfarrgemeinde eingeteilt worden war.“

Das „andere Tier“

Die Ikonographie kennt eine Vielzahl von Darstellungen des apokalyptischen Lammes, aber man wird lange suchen müssen, um eine vergleichbar ambivalente wie die behauptete Widderdarstellung auf dem Altar der Heilig-Kreuz-Kirche zu finden.

In der Offenbarung des Johannes wird im fünften Kapitel das Lamm beschrieben:

„Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde ausgesandt sind.
Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß. […]
Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, / Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, / Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob“ (Offb 5,6ff).“

In den Kapitel 12-14 der Geheimen Offenbarung wird der Kampf Satans gegen die Menschheit geschildert. Im dreizehnten Kapitel heißt es:

„Und ich sah: Ein anderes Tier stieg aus der Erde herauf. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, aber es redete wie ein Drache. Die ganze Macht des ersten Tieres übte es vor dessen Augen aus. Es brachte die Erde und ihre Bewohner dazu, das erste Tier anzubeten, dessen tödliche Wunde geheilt war. […] Es verwirrte die Bewohner der Erde durch die Wunderzeichen, die es im Auftrag des Tieres tat […] und bewirkte, daß alle getötet wurden, die das Standbild des Tieres nicht anbeteten“ (Offb 13,11ff).

Ein Vergleich der beiden Beschreibungen läßt keinen anderen Schluß zu, da laut Angaben der Pfarrei unter Berufung auf Burghildis Roth „Motive der Johannes-Apokalypse“ abgebildet sind: Auf dem Altar kann, wenn Kunst im sakralen Raum nicht Willkür ist, nur das „andere Tier“ dargestellt sein, das nur „wie ein Lamm“ aussieht und „aus der Erde heraufstieg“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: heilig-kreuz-zweibruecken.jimdo.com/Wikicommons (Screenshot)

 



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9 Kommentare

  1. Seltsam. Ich dachte ja zuerst an die Geschichte der Opferung Isaaks, wo statt des Jungen ein Widder, der sich im Dornenbusch verfangen hat, geopfert wurde. Irgendwie hätte man so das ganze noch zurechtbiegen können. Aber da sie sogar auf der Website schreiben, es soll das „apokalyptische Lamm“ sein…

    • Ich glaube Sie haben richtig getippt, weil es ein Widder und kein Lamm ist und mit Christus die abrahamitischen Schlachtopfer ein Ende fanden und statt dessen die Ordnung des Melchisedek (Hebräerbrief) platz griff, mit Brot und Wein Verwandelt in der Wandlung. Ich würde in dieser Kirche schnurstraks eine Kehrtwende machen, weil ich vor einem Widderabbild keine Kniebeuge mache.

  2. Und selbst wenn die künstlerische Darstellung zum Widerspruch herausfordert, hätte sie ihren Zweck, sich mit dem Alten Testament zu beschäftigen, schon erreicht.

    • Sollte dies der Zweck gewesen sein? Welche der Gottesdienstbesucher, die doch offen gesagt im liturgischen Ablauf lediglich mechanisch vorgegebene Antworten zu vorgegebenen Fragen repetieren, werden sich ernstlich inhaltlich mit der Altar-Darstellung beschäftigen? Und selbst wenn sie dies täten: wäre dies sinnvoll? Ist die Zeit der Hl. Messe nicht besser für Anbetung und Versenkung statt Katechese zu nutzen? Für letztere würden sich bei gutem Willen doch gewiß andere Zeiten finden, oder?

      • Das AT passt gut zu diesem Bock am Altar:
        siehe:
        http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/4_mose/31/

        Moses Schwiegervater war Priester der Midianiter.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Jitro_(Person)
        und siehe:
        Um 82 v. Chr. ließ der damalige König Judäas,
        Alexander Jannäus,
        800 seiner innerjüdischen Gegner
        auf einmal kreuzigen
        (Flavius Josephus, Antiquitates Iudaicae XIII 13,5-14,2). Den Frauen und Kindern dieser Rebellen
        wurden vor den am Kreuz hängenden
        und noch lebenden Männern
        die Kehle durchgeschnitten.
        Dieser Bericht wird von den Schriftrollen vom Toten Meer bestätigt. Im Nahum-Kommentar werden der jüdische Bürgerkrieg und die brutale Vergeltung von Jannäus danach ausdrücklich erwähnt.[5] Die Funde aus den Höhlen von Qumran (200-100 v. Chr.) passten Dtn 21,22f der damaligen Praxis an und deuteten es als Verflucht ist, wer gekreuzigt wird. Das Kreuz (Holz) selber, nicht das Aufgehängt werden daran, war zum Zeichen des Gottesfluchs geworden.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzigung#Betroffene_Gruppen_und_Zweck

        wir Katholiken leben nach dem NT.

        Unkatholische Rückfälle in das Heidentum der germanischen Götter,
        haben wir allerdings vor 80 Jahren erlebt.

  3. Das hölzerne Tier auf dem Altarbild oben ist kein Lamm, sondern ein Bock. Lämmer haben keine Hörner, das Lamm Gottes wird ganz anders dargestellt. Wäre es ein Lamm, wäre dessen klassische Darstellung seitlich gesehen, ohne Hörner und mit einer Fahne, die es mit einem Fuß hält. Und auf jedem Fall mit freundlichem Aussehen und Ästhetik.

    Die klassische Gestalt des Satans, der sich ja von einer Engelsgestalt zu einer Tiergestalt(Teufelsgestalt) verwandelte, ist in jedem Fall mit Hörnern und einem Widder ähnlich. Oft auch mit Schwanz und Flügeln.
    Zudem fehlt dem Tier jegliche Ästhetik, sodass nur darauf geschlossen werden kann, dass der Hersteller oder seine Instrukteure die Absicht hatten, die Anbetung des Tieres, des Teufels, vorwegzunehmen.

  4. Zwei kleinere Teufelshörner hat dieser Bock (nichts anderes ist er) noch zusätzlich. Man muß nur genau hinsehen.
    Meiner Ansicht nach die klassische Darstellung Satans in seiner Bocksform.

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