Genderideologie

Geschlechtsumwandlung für einen Adelstitel

Der einstige Stammsitz der Balfour.
Der einstige Stammsitz der Balfour.

(London) Die Gender-Ideologen erfinden täglich eine neue Widersinnigkeit. Widersinnig, weil wider die Natur und daher sinnwidrig. Großbritannien gehört zu den Vorreitern dieses Morbus, der ein direkter Ableger des Rinderwahns sein muß. Röcke für Jungs, Abschaffung von Mädchen oder Junge auf dem Schulanmeldebogen und Vater und Mutter sind ohnehin als Bezeichnungen längst Schnee von gestern. Elter 1 und Elter 2 sind nun gefragt, schließlich dürfen Homosexuelle und Alleinerziehende nicht „diskriminiert“ werden.

Da ist es das ominös magisch-phänomenale Wort. Man fragt sich, wie es die Leute nur ausgehalten haben auf der Welt, als sie in demokratischen Rechtsstaaten noch alle diskriminiert wurden. Was so ungefähr bis zum Jahr 2000 flächendeckend der Fall gewesen sein soll. Derzeit diskutiert Großbritannien über die Toilettenpolitik: Unisex-Toiletten lautet die Devise.

Englands Adelsrecht

Der derzeitige Earl
Der derzeitige Earl

England hat aber auch einen etwas exzentrischen Adel. Ob das auf das Volk und dessen demo-kratische Politiker abgefärbt hat?

Für den englischen Adel gelten in der Erbfolge eigene Gesetze. Sie sind etwas anders als auf dem Kontinent. Und genau das treibt derzeit den fünften Graf Balfour sprichwörtlich auf die Palme seines Gewächshauses. Roderick Francis Arthur Balfour hat nämlich vier Töchter. Um genau zu sein: nur vier Töchter.

Keine von ihnen kann seine Titel erben und ihn im Adelstand nachfolgen. Die Standesbezeichnung Earl wird auf seinen jüngeren Bruder, den Ehrenwerten Charles George Yule Balfour übergehen. Was den Grafen im Augenblick vielleicht am meisten auf die Palme bringt.

Der Lord hatte aber einen genialen Einfall, wie der Telegraph berichtete.

Die Balfour-Erklärung

Doch um die Neugierde zu befriedigen, ein kleiner Einschub.

Arthur Balfour, der erste Earl
Arthur Balfour, der erste Earl

Ja, es handelt sich um diese Balfour, wie sich manche schon gedacht haben werden. Der erste Earl of Balfour war Arthur James Balfour (1848–1930). Er war von 1902-1905 britischer Premierminister und im Laufe seines langen Lebens noch fast alles an politischen Ämtern, was Großbritannien damals herzugeben hatte.

Berühmt wurde er jedoch, als er von 1916–1919 britischer Außenminister war. Mitten im Ersten Weltkrieg gab er am 2. November 1917 die sogenannte Balfour-Deklaration ab, mit der er Baron Lionel Rothschild, dem Vertreter der Zionistischen Weltorganisation (WZO), die Unterstützung bei der Errichtung einer „nationalen Heimstätte“ für die Juden in Palästina zusicherte. Die Balfour-Erklärung gilt als erster Gründungsakt des heutigen Staates Israel.

König Georg V. schuf 1922 für ihn den erblichen Titel eines Earl of Balfour, was einem Grafentitel entspricht. Immerhin leiten die Balfours ihre Herkunft in direkter Linie vom schottischen König Robert the Bruce (1274–1329) ab.

Aus einer Frau mach einen Mann

Damit zurück zum „genialen“ Einfall seines Nachfahren, des fünften Earl of Balfour.

Dieser schlug nun eine Gesetzesänderung vor, mit der ein Wechsel des Geschlechts ohne ärztliches Attest und ohne jedes objektive Kriterium möglich werden soll. Ein Vorschlag, der von Premierministerin Theresa May unterstützt wird. So soll bald ein unbürokratischer Wechsel vom Mann zur Frau und umgekehrt möglich sein. Es genügt, wenn ein Mann behauptet, eine Frau zu sein. Im konkreten Fall, so die Absicht von Lord Balfour, interessiert allerdings mehr der umgekehrte Weg.

„Am Tag, an dem ich das Zeitliche segne, wird eine meiner Töchter erklären können, daß schon immer ein Mann aus ihrem weiblichen Körper heraus wollte.“

Kurzum, eine seiner Töchter erklärt sich (unbürokratisch) zum Mann. Nach dieser „Kleinigkeit“, wäre für die Erbfolge im Haus Balfour wieder alles in Ordnung. Und der lästige jüngere Bruder ginge leer aus.

Der Lord hofft sogar, daß seine älteste Tochter, Lady Willa, diesen Schritt zur Befreiung des unterdrückten, männlichen Geschlechts (in ihr) setzen wird. Das wäre die Krönung seiner Wünsche, denn Ordnung muß sein.

„Wer könnte sich widersetzen? Gesetz ist Gesetz“, so der Lord.

Die neue Erbfolge im Königshaus

Das Wappen der Grafen Balfour
Das Wappen der Grafen Balfour

Er verweist auf die Änderung der Erbfolgeregelung im britischen Königshaus. Als William und Kate ihr erstes Kind erwarteten, wurde bestimmt, daß dieses Kind rechtmäßiger Thronfolger (derzeit nach Großvater und Vater an dritter Stelle) sein wird, egal ob Junge oder Mädchen. Elisabeth II. wurde ja nur Königin, weil sie keine Brüder hatte. Die Neuregelung wurde aber nicht auf die englische Aristokratie ausgeweitet. Prinz William, dem Herzog von Cambridge, wurde übrigens ein Sohn geboren, Prinz George von Cambridge.

Wenn also nicht das Gesetz zur Erbfolge von Standesbezeichnungen geändert wird, muß eben per Gesetz das Geschlecht geändert werden. Oder so ungefähr hat es sich jedenfalls Lord Balfour ausgedacht.

Doppelt diskriminiert

Der Lord fühlt sich gleich doppelt diskriminiert. Nicht nur, daß keine seine Töchter derzeit der nächste Graf Balfour werden kann. Es hätte noch mehr zu erben gegeben, wenn Frauen nicht diskriminiert würden. Seine eigene Frau ist nämlich eine Tochter des 17. Herzogs von Norfolk. Der Titel samt dem prächtigen Arundel Castle ging jedoch an ihren jüngeren Bruder Edward. Das will was bedeuten.

Es geht Lord Balfour, wenn er an seine Töchter denkt, also nicht nur um den Titel des 6. Grafen von Balfour, sondern auch um den weit höheren Titel des 19. Herzogs von Norfolk. Um genau zu sein, ist der Herzog von Norfolk sogar der ranghöchste Adelige nach der königlichen Familie. Da die Norfolks katholisch blieben, ist der Herzog als Erbmarschall des Königreiches der ranghöchste, weltliche katholische Repräsentant, der die Vertretung des Monarchen bei hohen Anlässen wie der Inthronisation eines Papstes übernimmt.

„Ein Mädchen kann heute in England Richter werden, Premierminister und auch Monarch. Es gibt nichts diskriminierenderes als das Erbfolgerecht des Adels“, sekundiert Lady Balfour.

„Meine Tochter ist eine erfolgreiche Frau, eine ausgezeichnete Ehefrau und Mutter. Es ist lächerlich, daß sie ihrem Vater nicht nachfolgen kann, während das bei der Königsfamilie geht“, bekräftigt der Earl.

Was die Töchter von der schrägen Idee des Vaters halten, ist nicht bekannt.

Und noch die Ironie der Geschichte

Ironie der Geschichte: Der heutige Earl of Balfour konnte den Titel auch nur Erben, weil der erste Earl unverheiratet und kinderlos blieb. Die Titel gingen auf den jüngeren Bruder und dessen Nachkommen und nicht auf eine der älteren Schwestern, Eleanor Mildred oder Evelyn Giorgiana Balfour, über. Auch der dritte Earl, er war von 1939–1942 Großmeister der Freimaurer-Großloge von Schottland, war erst das sechste von sieben Kindern. Fünf Schwestern waren älter als er.

Der vierte Earl blieb kinderlos, weshalb der Titel dem heutigen Earl als entferntem Vetter zufiel. Als er 2003 das Erbe antreten konnte, war der ursprünglich mit dem Titel verbundene Sitz im britischen Oberhaus allerdings schon verloren. Seit dem House of Lords Act 1999 besitzt der Earl nur mehr aktives und passives Stimmrecht, wenn einer der 75 Sitze des Erbadels neu zu vergeben ist. Da auf Lebenszeit gewählt, ist das eher selten der Fall.

Sechs Generationen hintereinander genossen die Balfours, die fünf Earls und der Vater von Arthur Balfour, ihre Ausbildung in Eton, dem britischen Elitecollege, an dem seit 1440 nur Jungs studieren dürfen. Unter ihnen befanden sich nicht nur zahlreiche Mitglieder der Königsfamilie, sondern auch 19 Premierminister. Einer davon war Arthur Balfour. Der fünfte Earl forderte übrigens noch nicht, Eton für Mädchen zu öffnen. Er scheint auch gar nicht daran zu denken, eine solche Forderung zu erheben.

Vielleicht wäre Großbritannien doch gut beraten, im Zweifelsfall das Erbfolgerecht des Adels zu ändern, anstatt die menschliche Natur ändern zu wollen. Hybris fällt einem und meist schneller als man denkt auf den Kopf.

Text: Andreas Becker
Bild: Wikicommons/Lungermad (Screenshot)

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3 Kommentare

  1. Jakob hat einstmals seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht abgefuggert. Wenn man jedoch sieht, wie weit heutzutage manche Menschen gehen, um Macht und Einfluss zu erhalten, dann läuft es einem geradezu eiskalt über den Rücken.
    Wie weit ist es in den vergangenen Jahren mit dem „common sense“ einiger -leider meist recht oben in der Hierarchie angesiedelten- Angehörigen der menschlichen Gattung gekommen?
    Da ist es doch tröstlich, dass nicht solche Menschengestalten das letzte Wort haben werden, sondern der Herrgott! –> Beten und hoffen.

  2. Kann ich jetzt in Oesterreich fuenf Jahre frueher in Pension gehen, wenn ich einfach, ohne aerztliche Untersuchung, mich nunmehr als „Frau“ erklaere?

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