Ein brisantes Buch von Fürst Marcantonio Colonna

Papst und Diktator

Der Papst-Diktator, das hochbrisante Buch von Marcantonio Colonna
Der Papst-Diktator, das hochbrisante Buch von Marcantonio Colonna

(Rom) „Der Papst-Diktator“ (Il Papa dittatore) nennt sich ein neues Buch, das vor wenigen Tagen in Italien erschienen ist. Im Gegensatz zu den zahlreichen apologetischen Büchern wie „Der große Reformer“, „Der Revolutionär“, „Der Papst der Armen“, „Der Papst, der die Kirche verändert“ oder „Hirte der Barmherzigkeit“ zeichnet es ein ganz anderes, ein sehr kritisches, hochbrisantes Bild vom derzeitigen Pontifikat und seinem Amtsinhaber.

B wie Barmherzigkeit oder D wie Diktator

Der Papst-Diktator
Der Papst-Diktator

Bereits im Titel läßt der Autor anklingen, daß er hinter der betonten Barmherzigkeit, einen unbarmherzigen Diktator am Werk sieht. Unter früheren Päpsten wäre der Autor in kirchenfeindlichen Kreisen gesucht worden. Der Autor von „Der Papst-Diktator“ ist jedoch im katholischen Bereich verortet. Es handelt sich um Marcantonio Colonna. Das ist ein Name der aufhorchen läßt. In Rom ist er allen vertraut. Ein Blick in das Geschichtsbuch lohnt sich, um die Bedeutung dieses Namens zu verstehen.

Die Familie Colonna gehört zum römischen Uradel, tiefschwarzer, päpstlicher Adel. Die Familie läßt sich bis zum Stammvater Petrus da Columna (um 1078-1108) zurückführen. Der die Herrschaft Colonna erbte, die zu den Castelli Romani in den Albaner Bergen gehörte. Die Geschichte der Familie reicht aber viel weiter zurück. Sie ist ein Zweig eines fränkischen Geschlechts, das mit den Karolingern nach Italien kam und sich mit langobardischen Adelsfamilien Mittelitaliens vereinte.

Die entscheidende Verbindung war jene von Alberich I. (um 853 – ca. 925), Markgraf der Toskana und Herzog von Spoleto, mit Marozia, der Tochter von Theophylakt I. aus dem Haus der Tuskulaner, das damals die Geschicke Roms bestimmte und die Päpste stellte. Marozia selbst nannte sich Senatrix (Senatorin) von Rom. Das erklärt den Aufstieg der Colonna innerhalb des römischen Stadtadels. Mit Oddo Colonnna als Martin V. (1417 – 1431) stellten sie selbst einen bedeutenden Papst, mit dessen Wahl das Abendländische Schisma beendet werden konnte. Die Colonna stellten im Laufe der Jahrhunderte der Kirche mehr als 30 Kardinäle.

Marcantonio Colonna

Der Name Marcantonio Colonna ist in der Familie sehr häufig. So heißt der derzeitige 19. Fürst und Herzog von Paliano, 18. Herzog von Tagliacozzo und 12. Herzog von Tursi. Er ist Marcantonio VIII. Colonna, aber nicht der Autor des Buches. Das ist ein Pseudonym.

Marcantonio II. Fürst Colonna (1535-1584)
Marcantonio II. Fürst Colonna (1535-1584)

Das Pseudonym erinnert an Marcantonio II. Colonna (1535 – 1584), einen direkten Vorfahren des heutigen Fürsten. Dieser Marcantonio war der dritte Herzog von Paliano und erste Herzog von Tagliacozzo. 1553 trat er unter Kaiser Karl V. in kaiserliche Dienste. Von 1577 bis zu seinem Tod war er für die Habsburger, konkret für König Philipp II. von Spanien, Vizekönig von Sizilien.

Einen Namen machte er sich jedoch vor allem als Feldherr. 1571 übertrug ihm Papst Pius V. den Oberbefehl der päpstlichen Truppen gegen die Türken. In der Seeschlacht von Lepanto stand er an der Seite des Habsburgers Don Juan de Austria, mit dem er den Sieg über die türkische Flotte erkämpfte. So wie bereits sein Anherr, Aberich I. von Spoleto, 915 in der Schlacht von Garigliano, konnte er damit den islamische Vorstoß nach Europa stoppen.

Dieser Sieger von Lepanto und spätere Admiral der berühmten spanischen Armada spricht aus dem nun vorgelegten Buch. Der tatsächliche Autor wird im englischsprachigen Raum vermutet. In kurzen biographischen Angaben heißt es, er habe seine Ausbildung in Oxford genossen und lebe in Rom mit „engem Kontakt zu vielen Personen, die im Vatikan arbeiten“.

Katholische Mahnrufe

Das Buch reiht sich damit ein in die römischen Mahnrufe, wie sie schon im vergangenen Winter mit den Pasquinaten und anonymen Plakaten hörbar wurden. Es sind ernstzunehmende Mahnungen aus der katholischen Welt gegen die Amtsführung des amtierenden Papstes.

Dem Buch ist ein Wort von Abraham Lincoln vorangestellt, das die Richtung vorgibt:

„Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“

Das Buch gliedert sich in sechs Kapitel, deren Überschriften zum Teil explosiv sind:

  • Die Mafia von Sankt Gallen
  • Der Kardinal aus Argentinien
  • Reform? Welche Reform?
  • Einen neuen (zweideutigen) Weg auftun
  • Barmherzigkeit! Barmherzigkeit!
  • Kreml Santa Marta

Berüchtigte Zornesausbrüche

Die ersten Zeilen des Buches im Wortlaut:

„Wenn man mit den Katholiken von Buenos Aires spricht, werden sie von der wundersamen Verwandlung berichten, die sich in Jorge Mario Bergoglio vollzogen hat. Ihr verschlossener und ernster Erzbischof hat sich über Nacht in den lächelnden und fröhlichen Papst Franziskus verwandelt, das Idol der Leute, mit denen er sich völlig identifiziert. Spricht man mit jenen, die im Vatikan arbeiten, werden sie von einem umgekehrten Wunder erzählen. Sobald die Fernsehkameras ihn nicht ins Bild nehmen, verwandelt sich Franziskus in eine andere Person: arrogant, abweisend gegen Menschen, vulgär im Sprechen und berüchtigt für seine Zornesausbrüche, die allen nur zu gut bekannt sind, von den Kardinälen bis zu den Fahrern.“

Die Sieger von Lepanto (v.l.): Don Juan de Austria, Marcantonio Colonna (Rom) und Sebastiano Venier (Venedig)
Die Sieger von Lepanto (v.l.): Don Juan de Austria, Marcantonio Colonna (Rom) und Sebastiano Venier (Venedig)

Auf rund 230 Seiten wird ein Bild des aktuellen Pontifikats gezeichnet, das jeden Kardinal schlucken lassen muß, jene doppelt, die am 13. März 2013 Jorge Mario Bergoglio zum Papst gewählt haben.

Dieser Kardinal „aus der Ferne“, so der mysteriöse Autor mit ausgeprägten Geschichtskenntnissen, fördere durch penible Imagepflege vor allem sich selbst. Zu diesem zurechtgelegten Image gehören vor allem ein einfacher Lebensstil und Strenge mit sich selbst. Das habe viele Wähler im Konklave „in die Falle“ gelockt, darunter auch Kardinal Francis George, den Erzbischof von Chicago, der seine Unterstützung für den argentinischen Purpurträger schnell und bitter bereuen sollte.

Über ein ganzes Leben entscheidet „eine Minute“

Das Buch bietet, das ist der bedeutendste Aspekt, die erste Zusammenschau der Kritik, die seit dem März 2013 zunächst punktuell, dann immer mehr anschwellend das Pontifikat umgibt. Und es ist eine ganz ungewöhnliche Kritik. Im Gegensatz zu den Vorgängerpontifikaten kommt sie nicht von außerhalb, sondern auch den treuesten Reihen der katholischen Kirche.

Beklemmend sind vor allem die Stellen im Buch, in denen in den innersten Bereich der Amtsführung von Papst Franziskus vorgedrungen wird. Dort, wo die Entscheidungen getroffen werden. Auch Kardinal Müller machte es nach seiner überraschenden Entlassung bekannt. Das ganze Leben und Arbeiten eines Menschen kann sich innerhalb „einer Minute“ auf der Grundlage eines anonymen Gerüchts entscheiden. Colonna zitiert eine anonyme Quelle mit dem Worten: Papst Franziskus „ist eine Mensch, der vor allem weiß, wie man Angst erzeugt“.

Das Buch ist in italienischer Sprache über Amazon als E-Book zu beziehen. Am kommenden 4. Dezember wird die englische Ausgabe erscheinen. Eine deutsche Ausgabe befindet sich bereits in Vorbereitung.

Zuletzt und nur am Rande sei erwähnt, daß in dem Buch auch Katholisches.info zitiert wird.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/MiL/Wikicommons (Screenshot)

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4 Kommentare

  1. „Colonna zitiert eine anonyme Quelle mit den Worten: Papst Franziskus ‚ist ein Mensch, der vor allem weiß, wie man Angst erzeugt‘.“
    –> Nun, vielleicht hat er 1. gründlich Macchiavelli gelesen und 2. sich dessen Vorstellungen von Macht ebenso gründlich verinnerlicht.
    Wie sonst wäre sein unbarmherziges Verhalten gegenüber denen, die nicht seiner Meinung absoluten Beifall zollen, zu erklären?

  2. Veritatis splendor heißt nicht nur eine Enzyklika, so könnte man diese Publikation ebenso nennen. Möge der Hl. Geist das wahre Gesicht dieses Pontifex der katholischen Christenheit und Welt zeigen. Sol iustitiae, Christus Deus noster, rege in aeternum!

  3. Eine Frage, i.e. eine Bitte: könnte man mir wohl mitteilen, ob ich dieses Buch auch als reales, also auf Papier gedrucktes Buch (auf italienisch) kaufen kann – womöglich hier über Falk Medien, und falls nicht hier, wo dann? Vergelt’s Gott im voraus für die Info.

    In Cristo per Mariam. +

    Carlosmiguel

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