Erstmals diskutiert ein Bischof öffentlich mit Großmeistern

Kirche und Freimaurerei – so nahe, so fern?

Darstellung in der "Bible moraliseé", die Erschaffung der Welt (um 1220). Die Darstellung wurde vom freimaurerischen Großorient von Italien für eine Diskussionsveranstaltung mit einem Bischof verwendet.
Darstellung in der "Bible moraliseé", die Erschaffung der Welt (um 1220). Die Darstellung wurde vom freimaurerischen Großorient von Italien für eine Diskussionsveranstaltung mit einem Bischof verwendet.

(Rom) 2017 feiern die Freimaurerlogen ihr 300. Gründungsjubiläum. Seit dem Jahr 1717 ist das Verhältnis zwischen Loge und Kirche reich an Spannungen und Konflikten. In Syrakus gibt es einen neuen Anlauf zu einer Verständigung mit einem spektakulären Aspekt: Erstmals nimmt ein katholischer Bischof an einer öffentlichen Logenveranstaltung teil und wird mit dem Meister vom Stuhl diskutieren. Einige Einblicke in die Hintergründe eines umstrittenen Versuchs.

Wahrheit und Wahrheitssuche

Für die katholische Kirche ist der verordnete Relativismus und der faktisch praktizierte Synkretismus der Logenbrüder unvereinbar mit der von Gott geoffenbarten Wahrheit der Wirklichkeit. Die Logen lehnen diese Offenbarung als Glaubenswahrheit ab. Die Ausrichtung der Logen ist aber je nach Obödienz nicht nur deistisch, agnostisch oder atheistisch, sondern war von Anbeginn maßgeblich von esoterischer „Suche“ nach einer „anderen“ Wahrheit als der christlichen geprägt. In den katholischen Staaten sahen und organisierten sich die Logen als direkte Gegner der Kirche. Ihrem relativistischen Credo folgend wollen sie den öffentlichen Einfluß der Kirche beseitigen, weshalb der Freimaurerei immer ein Machtstreben anhaftete. Dieser Kampf tobt seit drei Jahrhunderten, und ein Ende ist nicht in Sicht.

Geheimbund mit Ambitionen nach innen und außen
Geheimbund mit Ambitionen nach innen und außen

Die Geschichte der Logen kennt allerdings auch das Phänomen von Kirchenvertretern, die sich initiieren ließen und dadurch nach kirchlichem Verständnis zu Apostaten wurden. Ihr verdecktes Wirken in der Kirche als „Agenten der Logen“ harrt noch einer Untersuchung. Ein besonders eklatantes Beispiel ist die prächtige Benediktinerabtei Melk an der Donau. Im Kloster gab es im ausgehenden 18. Jahrhundert nicht nur einen Mönchskonvent, sondern auch auch eine Loge. Ihr gehörte ein Teil der Mönche an und bildeten damit einen Konvent der „Initiierten“ im Konvent.

Der Status als Geheimbund, an dem die Logen bis heute festhalten, erlaubt es den beschürzten Brüdern unerkannt, andere Organisationen, Parteien und Kirchen zu infiltrieren und ein unsichtbares Netzwerk zu schaffen.

„Lockerungsübungen“ nach dem Konzil

Eine Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils war es, daß logenfreundliche Kirchenkreise sich mit neugewonnener Selbstsicherheit aus der Verborgenheit wagten. Die 70er Jahre waren von Bemühungen geprägt, so auch im deutschen Sprachraum, eine „Aussöhnung“ zwischen Loge und Kirche herbeizuführen. Glaubenstreue Bischöfe in den Ländern und die Wahl von Papst Johannes Paul II. bereiteten diesen Versuchen Anfang der 80er Jahre ein Ende.

Wiederholt zirkulieren Listen von angeblichen oder tatsächlichen Kirchenvertretern, darunter auch Kardinäle, die Logenmitglieder sein sollen. Der Religionssoziologe Massimo Introvigne warnte vor falschen Verdächtigungen und formulierte im Mai 2013 ein sicheres Mittel, um den Verdacht der Logenmitgliedschaft zu klären:

„Der entscheidende Kern der Freimaurerideologie ist der Relativismus mit allen damit zusammenhängenden politischen Folgen, die häufig freimaurerische Obödienzen dazu führen, Gesetze zur Legalisierung der Abtreibung, der Euthanasie und der Homo-Verbindungen zu fördern. Wenn man also über einen katholischen Kirchenvertreter oder Politiker sagen hört, er ist Freimaurer, müßte die Frage lauten: Vertritt er relativistische Ideen? Ist er ein Abtreibungsbefürworter? Spricht er sich für die Euthanasie oder die gesetzliche Anerkennung von Homo-Partnerschaften aus?
Lautet die Antwort ‚Ja‘, dann ist er – laut der vom derzeitigen Großmeister des Großorients von Italien gebrauchten Definition – ein ‚Freimaurer ohne Schurz‘, ein Weggefährte der Freimaurerei, und die Frage, ob er über einen offiziellen Mitgliedsausweis verfügt oder nicht, ist dann nur mehr nebensächlich.
Wenn die Antwort ‚Nein‘ ist, und der Kirchenvertreter oder der katholische Politiker sich offen dem Relativismus und dessen Folgen widersetzt, dann kann man mit gutem Grund schlußfolgern, daß die Vorwürfe verleumderisch sind.“

Neue Signale einer Annäherung

Obwohl die Freimaurerei vor 35 Jahren mit ihrem Versuch, durch die Kirche anerkannt zu werden, gescheitert ist, haben die Logenbrüder weder ihren Verdrängungskampf gegen die Kirche aufgegeben noch den Versuch, sie geistig ihrem Denken gefügig zu machen. Seit Papst Franziskus gewählt wurde, glauben die beschürzten oder unbeschürzten „Brüder“ außerhalb und innerhalb der Kirche eine neue Chance zu sehen.

Zu den Signalen, die in diese Richtung deuten gehören nicht nur Lobeshymnen auf den Papst aus Lateinamerika, sondern auch der aufsehenerregende Brief von Kardinal Gianfranco Ravasi an die „Lieben Brüder Freimaurer“.

Einladung zur Diskussion in Syrakus
Einladung zur Diskussion in Syrakus

Jüngstes Beispiel ist eine Diskussionsveranstaltung des freimaurerischen Großorients von Italien, die am kommenden 12. November am Domplatz von Syrakus stattfinden soll. Die Einladungen zeigen Jesus Christus mit einem Zirkel in der Hand, einem typischen Freimaurerinstrument. Der Zirkel ist eines der „Drei großen Lichter“ der freimaurerischen Symbolik, die in den Logentempeln auf dem Altar liegt.

Das Thema der Veranstaltung lautet: „Kirche und Freimaurerei – so nahe, so fern?“ Die Darstellung von Jesus ist Teil des Titelbildes der Bible moraliseé, das die Erschaffung der Welt zeigt. Mit den Logenbrüdern und ihrer Ideenwelt hat die Darstellung nichts zu tun. Sie entstand um 1220, also 500 Jahre vor Gründung der Freimaurerei. Die Diskussionsveranstaltung ist Teil der 300-Jahrfeiern, die der Großorient durchführt.

Zweck der Veranstaltung ist, eine Verständigung zwischen Loge und Kirche als möglich darzustellen. Es wird der Eindruck einer Vereinbarkeit vermittelt, den die Kirche seit 300 Jahren zurückweist.

Trotz provokantem Bild und noch provokanterem Titel wird ein katholischer Bischof an der Diskussionsrunde teilnehmen. Msgr. Antonio Staglianò, Bischof von Noto und Msgr. Maurizio Aliotta vom Erzbistum Syrakus werden mit zwei Ehrengroßmeistern des Großorients, Santi Fedele und Sergio Rosso, diskutieren. Gastgeber ist der Meister vom Stuhl von Syrakus, Alessandro Spicuglia.

„Kommunitarismus“ als Gemeinsamkeit?

Nuova Bussola Quotidiana (NBQ) berichtet, daß es heftigen Protest von gläubigen Katholiken gegen das Ereignis gibt. Die Menschen fragen beim Erzbistum Syrakus an, was diese „Umarmung“ mit einer von der Kirche verurteilten Organisation soll.

„Es geht um eine Organisation, die in Süditalien immer mit der (häufig okkulten) Macht zu tun hatte und zwischen Riten und Brüderlichkeit immer einen esoterischen Zug hatte, der nie wirklich offengelegt wurde.“

Die katholische Internetzeitung fragte bei Bischof Staglianò nach, was es mit seiner Teilnahme auf sich habe. Der Bischof verwies auf den spektakulären und ebenso umstrittenen Brief von Kardinal Gianfranco Ravasi an die „Brüder Freimaurer“. Der Vorsitzende des Päpstlichen Kulturrates habe „deutlich aufgezeigt“, welche Gemeinsamkeiten es zwischen Kirche und Loge geben könne: nämlich den „Kommunitarismus“. Bischof Staglianò wörtlich:

„Ich nehme an, daß er damit die Opposition gegen einen ungezügelten Individualismus meinte, den Antimaterialismus, eine gewisse Idee von Spiritualität und schließlich auch die Menschenfreundlichkeit, also den solidarischen Aspekt.“

Allerdings wurde von der Kirche zu allen diesen angeblichen „Gemeinsamkeiten“ eine negative Antwort gegeben, die nicht zuletzt mit der „Gefahr einer relativistischen und deistischen Methodik“ zu tun habe, so NBQ, derer sich die Logen befleißigen.

„Umarmungsprozeß im Gange“

Don Ennio Stamile von "Libera Calabria" verteidigt Kontakt zwischen Kirche und Loge.
Don Ennio Stamile von „Libera Calabria“ verteidigt Kontakt zwischen Kirche und Loge.

„In Wirklichkeit ist heute ein Umarmungsprozeß im Gange“, so NBQ. Das jüngste Beispiel: Zur Diskussion in Syrakus wurde von der Tageszeitung der Italienischen Bischofskonferenz die Zuschrift des Priesters Ennio Stamile abgedruckt, der sich für den „Dialog“ mit den Logenbrüdern ausspricht. Bischof Staglianò sei einer seiner Professoren der Theologie gewesen, verteidigt der Priester die Teilnahme des Bischofs. Stamile verweist zudem auf Papst Franziskus, der einen Dialog „mit allen, niemand ausgeschlossen“ fordere.

Der Priester bezichtigt die Kritiker einer Annäherung als „ignorant“ und „oberflächlich“, weil sie „keine Ahnung“ von der Freimaurerei hätten. Die Behauptung, die Logen seien eine „Machtlobby“, sei ein Märchen, das endlich „verschwinden“ müsse.

Der Priester Ennio Stamile ist einer der bekanntesten Priester Süditaliens. Er ist Vorsitzender der Vereinigung Libera Calabria (Freies Kalabrien), die eine Dachorganisation „gegen die Mafia“ ist. Die Vereinigung erweist sich durch Sprache, Symbole, Aktionismus und Kontakte als fest integrierter Teil der politischen Linken, wird jedenfalls von dieser Seite voll anerkannt. Stamile stammt aus dem Umfeld von Don Ciotti, dem Gründer der Vereinigung, dem Papst Franziskus im März 2014 die Hand küßte.

Die Vereinigung erhielt vom Staat mehrere hundert Hektar landwirtschaftlicher Flächen, die Mitgliedern der `Ndrangheta durch Beschlagnahmung abgenommen wurden. `Ndrangheta nennt sich das organisierter Verbrechen in Kalabrien und ist der Mafia auf Sizilien vergleichbar. Auf diesen Flächen betreibt die Vereinigung mit Strafentlassenen, ehemaligen Drogenabhängigen, Einwanderern und Mafiaaussteigern landwirtschaftliche Betriebe.

Loge und Mafia?

Die Wortmeldung von Don Stamile ist nicht nur wegen seines Anti-Mafia-Renommees von Bedeutung. Interessant ist seine Parteinahme für den Dialog mit der Loge. Weitere Informationen könnten das erklären und die Tür zu einem bemerkenswerten Zirkelschluß öffnen, wenn die Verflechtung mit dem organisierten Verbrechen – Mafia und Loge sind „okkulte“ Mächte, wie es bereits hieß – auch nur ein regionales Problem sein mag.

Wer die Loge bekämpfte und wer Mitglied war. Plakat des Großorients zu "300 Jahre Freimaurerei"
Wer die Loge bekämpfte und wer Mitglied war. Plakat des Großorients zu „300 Jahre Freimaurerei“

Seit den 60er Jahren gibt es nämlich Hinweise, daß Mafiabosse in die Logen eingetreten sind. Innerhalb der kalabrischen Mafia, der `Ndrangheta gab es heftige Konflikte darüber. Die Initiative zu dieser Kooperation scheint auf den Boß von Gioa Tauro, Girolamo Piromalli (1918-1979), zurückzugehen.

In Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft ist seither wiederholt die Rede von einer „Massomafia“, einer Verschmelzung von Freimaurerei und Mafia zu einer Freimaurermafia. 2014 wurden Protokollauszüge der Einvernahme des ehemaligen Großmeisters des Großorients von Italien, Giuliano Di Bernardo (1990-1993), bekannt. Di Bernardo verließ den Großorient im Zuge des Skandals um die geheimnisumwitterte Loge Propaganda Due (P2). Heute ist er Großmeister der Großloge von Italien. Laut den Angaben Di Bernardos seien Anfang der 90er Jahre 28 von 32 kalabrischen Logen von der `Ndrangheta kontrolliert worden.

2007 sagte der Mafiaboß Sebastiano Altomonte in einem Gespräch mit seiner, das von der Polizei durch akustische Raumüberwachungen aufgezeichnet worden war:

„Es gibt Eine von der man weiß, und Eine, von der man nicht weiß. Es gibt die Sichtbare und die Unsichtbare, von der niemand weiß, außer die Unsichtbaren.“

Die Aussage wurde mit der „Santa“ in Verbindung gebracht, der von Girolamo Piromalli geschaffenen höchsten Führungsebene der `Ndrangheta, deren Mitglieder alle der Freimaurerei angehören sollen. Gerichtsrelevant bestätigt konnte diese These bisher allerdings nicht werden.

In einem 2013 von der Polizei mittels Lauschangriff mitgehörten Gespräch des Mafiabosses Pantaleone Mancuso sagte dieser bei einem Spaziergang:

„Die `Ndrangheta gibt es nicht mehr… Die hat es einmal gegeben. Heute ist die `Ndrangheta ein Teil der Freimaurerei… Sagen wir es so: Sie ist unter der Freimaurerei, hat aber dieselben Regeln! … Die `Ndrangheta gibt es nicht mehr, geblieben sind die Freimaurerei und die vier Deppen, die noch an die `Ndrangheta glauben.“

Vor diesem Hintergrund bekommen die Worte von Don Ennio Stamile vielleicht eine etwas andere Bedeutung, der in seiner Stellungnahme einen Zusammenhang zwischen Mafia und Freimaurerei erwähnt, aber als Erfindung und Desinformationsversuch von Leuten abtut, die ohne „Verdienste und Kompetenzen“ etwas werden wollen, und von denen auch die Kirche nicht frei sei.

Tatsache ist aber auch, daß sich der ehemalige Präsident des Oberlandesgerichtes Catanzaro (Kalabrien) und Ehrenpräsident des Obersten Gerichtshofes von Italien, Giuseppe Tuccio, wegen Mafia-Mitgliedschaft vor Gericht verantworten muß. Erst 2016 hatte Tuccio, der bei Libera Calabria kein Ubekannter war, ein Buch über den Kampf gegen die Mafia veröffentlicht. „Die Piromalli hatten den Richter Tuccio, einen Freimaurer, in der Hand“, hatte ein Kronzeuge in einem Gerichtsverfahren ausgesagt. Selbst in die Mühlen der Justiz kam der hohe Richter dann im Zuge der Anti-Mafia-Operation Gotha.

Bischof Staglianò: Hans Küng und „warum ich mit den Freimaurern rede“

Bischof Staglianò greift auch öffentlich gern zur Gitarre und singt.
Bischof Staglianò greift auch öffentlich gern zur Gitarre und singt.

Doch zurück zur Diskussionsveranstaltung in Syrakus. Bischof Staglianò begründet seine Teilnahme mit einer Aussage von Papst Johannes XXIII: „Suchen wir mehr das, was uns verbindet, als das, was uns trennt.“ Trotz aller Verurteilungen durch die Kirche, besonders durch Leo XIII. mit der Enzyklika Humanum genus und dem Schreiben Inimica vis, oder der Erklärung der Glaubenskongregation von 1983, sieht der Bischof kein Problem darin, mit den Logenbrüdern „einen Dialog zu führen, zum Beispiel wenn diese Freimaurer sich organisieren sollten, um gegen die Ungerechtigkeit zu kämpfen“. Es sei zu prüfen, wo man gemeinsam zum „Allgemeinwohl“ handeln könne.

Die Frage bleibt, so NBQ, was „Allgemeinwohl“ aus katholischer Sicht bedeutet und was es hingegen aus der Sicht der Freimaurerei bedeutet. Bischof Staglianò räumte ein, nicht „kompetent“ zu sein, um diese Frage zu beantworten. Wörtlich ließ er wissen:

„Schauen Sie, ich weiß nichts über die Freimaurerei. Ich bin gerade dabei, mich einzulesen und beginne dabei mit der Erklärung der Glaubenskongregation [von 1983]. Ich denke, daß man zur Verurteilung der freimaurerischen Thesen keine andere Meinung haben kann. Ich sage noch mehr: Es ist das erste Mal, daß ich mich in der Situation befinde, zu Freimaurern zu sprechen. Ich denke, daß ich meine Ausführungen mit dem Text von Hans Küng über die ‚Zauberflöte‘ von Mozart beginnen werde, der Freimaurer und Christ zugleich war. Aber wir können nicht die Kirche zur Zeit des Genies aus Salzburg als bürokratische Institution unberücksichtigt lassen. Nicht wahr?“

Kritik am Dialog „integralistisch“

NBQ stellt die Frage, ob es „glaubwürdig“ sei, wenn ein anerkannter Theologe und Bischof wie Staglianò sich als „nicht kompetent“ bezeichnet. Die Stellungnahme des Bischofs könnte man auch als Provokation auffassen, da er in wenigen Sätzen eine Sache zu sagen, aber das Gegenteil zu meinen scheint.

Auf die Freimaurer-Einladung mit der Darstellung von Jesus Christus angesprochen meinte der Bischof, daß ihn das „nicht skandalisiere“:

„Hat nicht auch Arius Jesus die kosmogonischen Züge eines Demiurgen zugeschrieben? Wenn Arius einen Fehler machte, dann – wenn schon – den, dem Demiurgen nicht die Züge Gottes zugeschrieben zu haben.“

Und weiter:

„Ich werde hingehen wie Jesus zu den Zöllnern und Prostituierten und Christus verkünden. Es werden dann die Freimaurer festlegen, wie nahe oder wie fern sie dieser Verkündigung stehen.“

Kritik am Dialog mit den Freimaurern bezeichnete Bischof Staglianò zugleich herablassend als „dumm, oberflächlich und integralistisch“. Damit bediente er sich einer jener „magischen“ Begriffe, mit denen progressive Kirchenkreise gläubige Katholiken knüppeln. Letztlich beschimpfte der Bischof damit die Päpste der vergangenen 300 Jahre, die die Freimaurerei verurteilten, als „dumm, oberflächlich und integralistisch“. Leo XIII. schrieb in Humanum genus:

„Die Sekte ist eben ihrem ganzen Wesen und ihrer innersten Natur nach Verderben und Laster; darum ist es nicht erlaubt, ihr beizutreten und in irgendeiner Weise behilflich zu sein.“

Auch Bischof Staglianò verweist schließlich auf Papst Franziskus, der auffordere, zu den „existentiellen Rändern“ zu gehen, „und die Freimaurerei scheint mir einer“.

Ist Kirche noch für den „Dialog“ mit der Freimaurerei gerüstet?

Die Frage, die bleibe, so NBQ geht über Bischof Staglianò hinaus. In den vergangenen Jahren habe sich die Kirche bemüht, kaum mehr über die Freimaurer zu sprechen. Die intellektuelle und auch wissenschaftliche Beschäftigung mit den Logen sei an den zuständigen Akademien, Instituten und Fakultäten fast zur Gänze zum Erliegen gekommen. Es gibt kaum mehr zusammenhängende und gründliche Studien zum Thema. Die Arbeiten von Paolo Maria Siano, einem Franziskaner der Immakulata, bilden eine bemerkenswerte Ausnahme.

Es sei fast so, als wolle man nicht mit dem Stigma eines „Verschwörungstheoretikers“ gezeichnet werden. Die Logen seien jedoch eine Realität, wie die Feierlichkeiten zeigen. Andere Kirchenkreise hätten den Dialog zum „höchsten Dogma“ erhoben, an das sie glauben, weshalb jede Form der Exklusion verpönt sei – zumindest jede zeitgeistwidrige. Der Versuch einer mehr oder weniger offenen Distanzierung von der Vergangenheit mit ihren Verurteilungen der Freimaurerei sei unübersehbar. Damit stelle sich aber die Frage, „wie die Kirche der Freimaurerei begegnen will, da ihre jüngeren Vertreter kaum mehr Kenntnis von der Loge haben und reflexartig dazu neigen, Kritik an ihr als „ewiggestrige Verschwörungstheorie“ eines überwundenen „Integralismus“ abzutun.

Die Signale für einen neuen „Dialog“ häufen sich, obwohl das kirchliche Personal immer weniger darauf vorbereitet scheint. Oder wächst die Dialogbereitschaft parallel zum Wissensschwund?

Dazu NBQ:

„Dialog ist kein Begriff des Evangeliums. Will die Kirche mit der Ausrede vom Dialog – nach den Radikalen, den Protestanten, den antiklerikalen Atheisten und den plutokratischen Eliten – auch noch das letzte Tabu brechen, das der Logen, die einmal Feinde waren, heute aber nur mehr ‚anders‘ sind?“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons/Grande Oriente d’Italia (Screenshots)

 

 

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

Unterstützen Sie Katholisches auch, indem Sie ihre Bücher über FalkMedien beziehen. FalkMedien hilft uns regelmäßig bei technischen Aufgaben und beteiligt sich bei der Finanzierung von Servertechnik und Administration.

Der WebShop von FalkMedien umfaßt neue und antiquarische Bücher. Bei jedem Kauf, der über Katholisches.info zustande kommt, werden 10 Prozent Provision an Katholisches ausgeschüttet.

FalkMedien liefert jeden erhältlichen Titel: Die Recherche in einem umfassenden Katalog, der auf dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) basiert, ermöglicht es, nahezu alle verfügbaren deutschsprachigen Titel zu beziehen.  -  vlb.falkmedien.de


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

3 Kommentare

  1. „On AF is water short“.

    Dieser Artikel auf katholisches.info und die Informationen von NBQ (Nuova Bussola Quotidiana) schreiben meines Erachtens Weltgeschichte. Sie dokumentieren akribisch wie im italienischem Episkopat offen über dem „Demiurgus“ gesprochen wird, und wohl mit Verknüpfung zu der Freimaurerei. Die große Frage, die dann aufkommt: Ist das, was da vom Bischof Staglianò produziert wird, noch überhaupt christlich? Und sind diese Personen, wenn im Augenblick hierarchisch „Hirten“, wohl überhaupt christlich?

  2. „und die Wahl von Papst Johannes Paul II. bereiteten diesen Versuchen Anfang der 80er Jahre ein Ende.“
    Hm, was Wojtyla betrifft, so hätte ich meine Zweifel. Aber wie war das mit JP I.?

  3. Irgendwo hab ich mal gelesen, dass nicht jeder Freimaurer ein Satanist ist.
    (Wahrscheinlich sind nur die wenigsten Freimaurer Satanisten)
    Aber jeder Hochgradfreimaurer ist definitiv ein Satanist.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*