Aus dem Schutt des Erdbebens ist ein neues Kloster erstanden – Die Benediktiner „in monte“ von Nursia

Das neue Kloster der altrituellen Benediktiner von Norcia. Das Erdbeben vor einem Jahr hat alles zerstört und doch in ihrem Alltag nichts verändert.
Das neue Kloster der altrituellen Benediktiner von Norcia. Das Erdbeben vor einem Jahr hat alles zerstört und doch in ihrem Alltag nichts verändert.

(Rom) Am frühen Morgen des 24. August, um 3:36 Uhr, begann in Mittelitalien die Erde zu beben. Ganze Orte wurden zerstört. Schwer erschüttert wurden auch die Stadt Norcia und ihre Umgebung. Eine Magnitude von 5,3 wurde um 4:33 Uhr in der Geburtsstadt des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika gemessen. In der Stadt befindet sich seit dem Heiligen Jahr 2000 wieder ein Benediktinerkloster. Napoleon hatte 200 Jahr zuvor die Mönche aus der Stadt des abendländischen Mönchsvaters vertrieben.

Fester Bezugspunkt

Das Kloster
Das Kloster

Unter den Mönchen gab es keine Verletzten, doch die Gebäude wurden alle in Mitleidenschaft gezogen, auch die Basilika des heiligen Benedikt. Die Mönche von Norcia feiern die heilige Liturgie im überlieferten Ritus. Die ihnen 2000 anvertraute Basilika hatten sie schrittweise wieder für diese liturgischen Erfordernissen hergerichtet. Schnell wurden sie zu einem festen Bezugspunkt für gläubige Menschen.

Sogar in einem in mehrere Sprachen übersetzten Roman, „Das Erwachen der Seà±orita Prim“ von Natalia Sanmartà­n Fenollera, erschienen 2013, finden sie Erwähnung im Zusammenhang mit dem Schlüsselereignis der Handlung. Das war vor dem Erdbeben und läßt erahnen, mit welcher Erschütterung Gläubige auf der ganzen Welt die Nachricht hörten und mit welcher Wehmut sie die Bilder der Zerstörung sahen.

„Die Glocken im Turm läuten nicht mehr“

Nach dem Erdbeben lebten die Mönche mit den verschreckten Bürgern der Stadt auf dem Hauptplatz. „Die Glocken im Turm läuten nicht mehr, aber wir singen das Lob Gottes“, ließen sie wissen.

Gottvertrauen in aller Widrigkeit
Gottvertrauen in aller Widrigkeit

Es folgten eine Reihe von Nachbeben. Die Erde wollte nicht zur Ruhe kommen. Dann folgte am 30. Oktober der heftigste Schlag: Ein Erdbeben der Magnitude 6,5 legte alles in Schutt und Asche, was die bisherigen Beben überstanden hatte.

Was die altrituellen Mönche aufgebaut hatten, war zerstört, einschließlich der Basilika, von der nur mehr die Fassade stehenblieb. Dennoch war es wie ein „Wunder“, da keine Toten zu beklagen waren. Und die Statue des heiligen Benedikt auf dem nach ihm benannten Hauptplatz hatte getrotzt. Inmitten der Zerstörung ragte er in „seiner“ Stadt empor.

Erzbischof entscheidet: Wiederaufbau der Basilika in „modernem Stil“

Die Mönche, die nun in Zelten hausten, ließen sich nicht entmutigen, sondern begannen sofort mit dem Wiederaufbau. Italiens damaliger Ministerpräsident Matteo Renzi versprach das nötige Geld für den Wiederaufbau der Basilika, die Teil des italienischen Kulturerbes ist. Der zuständige Erzbischof von Spoleto-Norcia, Msgr. Renato Boccardo, dem die Basilika gehört, entschied zum Leidwesen der Mönche, die Kirche in „modernem Stil“ wiederaufzubauen.

Damit stand zugleich fest, daß die Benediktiner, die sechzehn Jahre die Kirche betreut hatten, vor die Tür gesetzt wurden. In die doppelt „zerstörte“ Basilika, einmal durch das Erdbeben und einmal durch den verweigerten Wiederaufbau und die Ersetzung durch einen „modernen“ Bau, konnten noch wollten sie nicht mehr zurückkehren.

Der Neubeginn

Der Schlafsaal
Der Schlafsaal

Für die Mönchsgemeinschaft begann damit in doppelter Hinsicht ein neues Kapitel. Sie mußten ein neues Kloster und eine eigene Kirche errichten. Am vergangenen Sonntag, dem 17. September war es soweit: Das neue Kloster San Benedetto in Monte wurde gesegnet.

Piergiorgio Bighin und der Photograph Alessandro Boscolo nahmen daran teil und dokumentieren das freudige Ereignis. „An diesem prächtigen Sonnentag, an dem die herbstliche Kälte in den Bergen schon spürbar wurde, konnten wir vor den Toren von Norcia eine neue Pforte zum Haus des Vaters betreten.“

Das neue Kloster wurde vorwiegend aus Holz errichtet. Zu Weihnachten 2016 war hier noch nichts. Alles wirkt nicht nur einfach, sondern ist es auch. Das Kloster erinnert mehr an eine Berghütte. Aber so sei das eben, sagen die Mönche. Für sie sei das wunderbar.

Das Leben der schwarz und blau gekleideten Mönche, je nachdem ob sie gerade dem ora (Gebet) oder dem labora (Arbeit) nachgehen, hörte trotz des Erdbebens, trotz der Zerstörungen und trotz der Obdachlosigkeit nie auf. Mit ihrem unerschütterlichen Vertrauen sind sie für die vielen anderen Menschen der Gegend, die unter den Zerstörungen leiden, zum Vorbild und Ansporn geworden.

„Niemand kann herzhafter lachen, als ein weiser Mönch“

Die Segnung des Klosters nahm der Abt der Benediktinerabtei Le Barroux in Frankreich vor.

Die Kirche
Die Kirche

An diesem Tag wurde viel gedankt: den Spendern, den Handwerkern, dem Architekten, den Behörden, den vielen fleißigen Händen und Betern. An erster Stelle aber stand Gott, dem Lob und Ehre gesungen wurde, wie es zum innersten Wesens des alten Mönchstums gehört.

Es ging aber auch heiter zu, so Bighin, denn „niemand kann herzhafter lachen als ein weiser Mönch“. Schließlich konnten die Anwesenden auch mit einem Bier anstoßen ut laetificet cor, das die Mönche in Nursia brauen.

Jeder konnte sich vergewissern: Die Söhne des heiligen Benedikt trotzen allen Widrigkeiten und lassen den Geist und das mönchische Leben am Geburtsort ihres Gründervaters auch nach dem zerstörerischen Erdbeben und seinen Folgewirkungen wieder aufblühen.

Wer in diese Gegend Mittelitaliens kommt, sollte einen Besuch bei den Benediktinern in monte nicht versäumen. Eine herzliche Aufnahme im wahren Geist christlicher Gastfreundschaft und gläubiger Brüderlichkeit ist ihm sicher.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Tempi

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3 Kommentare

  1. Danke für diesen schönen Bericht.

    Ich war von einem Besuch vor 10 Jahren dort sehr beeindruckt. Einer der Mönche war in den USA ein engagierter Pro-Lifer gewesen. Das hat ihm gewisse Schwierigkeiten eingetragen. Sehr eindrucksvoll.

    Die dortige Lebensregel ist sehr streng. Das ist zweifelsfrei eine äußerst spezielle Berufung.

    Weiß jemand in der geschätzten Redaktion oder unter den geschätzten Lesern, was eigentlich aus dem verfallenen, ehemaligen Kapuzinerkloster geworden ist, das die Mönche als San Benedetto fuori le mura (zumindest teilweise) wiederaufbauten? Das liegt ca. 2 km außerhalb von Nursia. Ist das etwa auch in sich zusammengestürzt? Das würde bedeuten, daß die dortige Renovierungsarbeit ebenfalls umsonst war.

    So oder anders ist der Konvent von Nursia durchaus als Wunder zu betrachten.

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