Patriarch Kyrill I. besuchte das restaurierte Kloster Walaam im Ladogasee

Kloster Walaam im Ladogasee, mehr als 1000 Jahre bewegter Geschichte
Kloster Walaam im Ladogasee, mehr als 1000 Jahre bewegter Geschichte

(Moskau) Der Moskauer Patriarch Kyrill I. besuchte das Kloster Walaam im Ladogasee in Karelien. Während der kommunistischen Herrschaft war das Kloster aufgehoben worden und diente der Roten Armee als Schießübungsplatz. In den 60er Jahren war es zur Ruine verfallen. Doch bereits 1989 kehrten die Mönche zurück. Anlaß für den Besuch des Patriarchen war der Abschluß der Restaurierungsarbeiten. Wörtlich sagte der Patriarch:

„Mit der vollständigen Restaurierung des Klosters des Allerheiligsten Heilandes der Verklärung von Walaam haben wir den Beweis, daß das Gute am Ende über das Böse siegt.“

Ältester Zeuge der Christianisierung des Nordostens

Jedes Jahr besucht der Patriarch das Kloster am 11. Juli, dem Gedenktag der heiligen Gründer Sergej und Hermann von Walaam. In diesem Jahr kam auch Staatspräsident Putin auf die Insel.

Historische Aufnahme des Klosters
Historische Aufnahme des Klosters vor dem Einmarsch der Roten Armee

Das Heiligtum im hohen Norden ist ein Symbol für die erste Evangelisierung Rußlands.

Laut einer Legende soll der heilige Apostel Andreas an dieser Stelle im Ladogasee auf einem Felsen ein Kreuz errichtet haben. Fast tausend Jahre später entstand an der genannten Stelle das heutige Kloster, weshalb es als Stauropegion gilt und direkt dem Patriarchen unterstellt ist.

Die Klostergründung geht auf die Zeit vor der Taufe der Kiewer Rus im Jahr 988 zurück. In Ingermanland hatten christliche Waräger (Wikinger, Normannen) die Rus von Ilmen gegründet, die von den Germanen Gardarike genannt wurde, was soviel wie Reich der Burgen bedeutet. Mit Gardarike könnte auch ein Reich der (Grenz)Wacht gemeint gewesen sein, da es sich um das östlichste germanische Herrschaftsgebiet handelte.

Hier verschmolzen slawische, germanische und finnische Elemente. Dieses Reich spielte eine wichtige Rolle als Verbindungsglied zwischen Nord und Süd, zwischen der Ostsee und dem Byzantinischen Reich. Auf diesem Weg der Waräger zu den Griechen wurden Pelze, Wachs und Honig nach Konstantinopel gebracht. Den umgekehrten Weg nahm das Das griechisch-byzantinische Christentum nach Norden. Das Kloster von Walaam ist der älteste sichtbare Zeuge dieser Christianisierung des Nordostens.

Viele Jahrhunderte bildete der Ladogasee das direkte Grenzgebiet zwischen dem Hoheitsgebiet der Rus und der Schweden. Die Bevölkerung bestand mehrheitlich aus Finnen.

Blüte, Schweden, Finnland, Rote Armee

Die größte Blüte erlebte das Kloster im 16. Jahrhundert als fast tausend Mönche auf der Insel lebten. Im Zuge des Ingermanländischen Krieges (1610-1617), bei dem mehrere Mönche getötet wurden, mußte das Kloster nach Übergriffen der protestantisch gewordenen Schweden aufgegeben. Das Kloster wurde niedergebrannt und konnte erst 1721 wiederbelegt werden, als das Gebiet von Schweden an Rußland gelangte.

Patriarch Kyrill mit Putin in Walaam
Patriarch Kyrill mit Putin in Walaam

1812 fiel die Klosterinsel an das unabhängig gewordene Finnland, was der Mönchstradition aber keinen Abbruch tat. Nach der Oktoberrevolution bildete das Kloster vielmehr ein kleines, freies, russisch-orthodoxes Refugium jenseits der Grenze, in dem die Glaubenstradition bewahrt werden konnte, als die Kirche in der Sowjetunion blutig verfolgt wurde.

Als die Rote Armee im Winterfeldzug 1940 Finnland eroberte, kam auch für Kloster Walaam das Ende. Die damals 150 Mönche flüchteten tiefer nach Finnland hinein, wo sie Neu-Walaam gründeten.

Während der kurzen deutschen Besetzung  des Gebiets von 1941–1944 gab es Bemühungen, das Kloster wieder instand zu setzen. Mit der Rückkehr der Roten Armee schien jedoch das endgültige Aus gekommen zu sein.

Patriarch Kyrill erinnerte am 11. Juli an seinen ersten Besuch auf der Insel im Jahr 1969. Damals fand er nur mehr Ruinen vor. Jede Hoffnung auf eine Wiederbelebung schien vergeblich zu sein.

1989 kehrten die Mönche zurück

20 Jahre später neigte sich die kommunistische Diktatur ihrem Ende zu und noch im Jahr 1989 kehrten die ersten Mönche auf die Insel zurück. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Insel auch rechtlich an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgegeben. Das Moskauer Patriarchat schickte 100 Mönche für den Wiederaufbau auf die Insel. Seit die wenigen, während der Sowjetzeit angesiedelten Zivilisten die Insel wieder verlassen haben, herrscht wieder die klösterliche Weltabgeschiedenheit, wie sie die Mönche hier im hohen Norden suchen.

Nach einem langwierigen und liebevollen Wiederaufbau erstrahlt das Kloster wieder in neuem Glanz. Wie der Patriarch betonte, erglänze es heute wohl sogar „schöner als in der Vergangenheit“. Entscheidender als der äußere Glanz sei jedoch, daß die klösterliche Zucht „auf unerwartete Weise wiederaufgeblüht ist“.

Die Geschichte des Klosters zeige, so der Patriarch, daß Entmutigung und Verzweiflung schlechte Ratgeber seien:

„Das Böse kann nicht für immer herrschen. Es wird immer besiegt werden. Manchmal reicht die Dauer eines Lebens nicht aus, um seinen Untergang zu erleben. Manchmal werden wir aber lebende Zeugen, wie das Gute siegt.“

Ein Hörbeispiel des Brüderchores von Walaam.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikipedia/AsiaNews

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4 Kommentare

  1. „1812 gelangte die Klosterinsel an das unabhängig gewordene Finnland“ – Hier sei eine kleine Korrektur erlaubt, auch wenn es nicht sehr ins Gewicht fällt: Finnland wurde 1812 keineswegs unabhängig (dies geschah erst nach dem Ersten Weltkrieg), sondern war als Großfürstentum autonomer Bestandteil des Russischen Reiches.

    • Meine bescheidene, unbedeutende Ergänzung: unabhängig meint bei Staaten nicht unbedingt selbständig. Die Urkantone der Schweiz waren schon im 13. Jhdt. unabhängig, wurden aber erst 1648 selbständig. Das gilt auch für Finnland: 1812 unabhängig, 1918 selbständig.

  2. Ein schöner Bericht, besonders die Aussage von Patriarch Kyrill, dass das Böse nicht siegen wird. Die Geschichte der Klosterinsel ist ein wirkliches Zeugnis dafür.
    Vielen dank auch für das Video mit dem Mönchschor. Der Gesang und die Akustik sind unglaublich. Die Mönche bewegen kaum die Lippen und es klingt von einer Schönheit, die staunen lässt.
    Der Herr sei gepriesen und Dank der allreinen Jungfrau.

  3. Ein wunderschöner Artikel mit einem wunderbarem Hymnus.
    Artikel wie dieser hier sind wie kunstvolle Miniaturen, die den Glauben wie einen Diamant zeigen und aufleben lassen – Kraft und Stärkung auf dem Lebensweg.

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