Luxemburgs homosexueller Ministerpräsident samt „Ehemann“ von Papst Franziskus empfangen

Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel wurde am 24. März von Papst Franziskus im Vatikan empfangen.
Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel wurde am 24. März von Papst Franziskus im Vatikan empfangen - und brachte seinen "Ehemann" mit.

(Rom) Homosexuelle bekleiden, im Verhältnis zu ihrem geringen Anteil an der Gesamtbevölkerung, seit den 90er Jahren überdurchschnittlich viele politische Führungspositionen. An dieser Stelle soll es aber nicht Thema sein, warum dem so ist und welche Auswirkungen damit auf falsche Weichenstellungen in der Gesellschaftspolitik verbunden sind. An dieser Stelle ist darüber zu berichten, daß vor wenigen Tagen Xavier Bettel von Papst Franziskus in Audienz empfangen wurde. Bettel ist Luxemburgs Ministerpräsident und bekennender Homosexueller.

Liberaler Regierungschef in einem Land, in dem sogar die Christdemokraten liberal sind

Erzbischof Gänswein empfängt als Präfekt des Päpstlichen Hauses Bettel und seinen "Ehemann" Desenay (Mitte)
Erzbischof Gänswein begrüßt als Präfekt des Päpstlichen Hauses Bettel und seinen „Ehemann“ Destenay (Mitte)

Xavier Bettel ist seit Dezember 2013 Regierungschef des Großherzogtums. Er gehört der liberalen Demokratischen Partei (DP) an, die einen Wähleranteil um die 20 Prozent hält. Nach Gaston Thorn  (1974-1979), der anschließend in den 1980er Jahren Präsident der Europäischen Kommission wurde, ist Bettel der zweite Premierminister aus den Reihen dieser Partei. Er verdrängte Jean-Claude Juncker aus dem Amt und steht der ersten luxemburgischen Dreierkoalition aus Liberalen, Sozialdemokratischer Arbeiterpartei und den Grünen vor. Juncker wurde weniger Monate nach seiner Abwahl Präsident der Europäischen Kommission. Im Europäischen Parlament sitzt der einzige DP-Abgeordnete in den Reihen der liberalen ALDE-Fraktion.

Bettel, mütterlicherseits ein Großneffe von Sergej Rachmaninoff, war von 2011-2013 in einer Koalition mit den Grünen Bürgermeister der Stadt Luxemburg. Seit 2008 bekennt er öffentlich, homosexuell zu sein. Seit 2010 lebt er in einer „eingetragenen Lebenspartnerschaft“ mit dem Belgier Gauthier Destenay.

„Homo-Ehe“, Abtreibung, Zurückdrängung der Kirche aus dem öffentlichen Raum

Protokollarischer Empfang mit allen Ehren für Bettel und "Ehemann" im Vatikan
Protokollarischer Empfang mit allen Ehren für Bettel und „Ehemann“

2014 führte Luxemburg unter Bettels Regierungsverantwortung als elftes Land der EU die „Homo-Ehe“ und die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare ein. 2015 machte Bettel selbst von der neuen Rechtslage Gebrauch und ging als erster Regierungschef eines EU-Mitgliedsstaates eine „Homo-Ehe“ ein. Ebenfalls 2014 setzte seine Regierung eine Liberalisierung der Abtreibung durch. Aus dem geltenden Gesetz wurde die „Notlage“ als Voraussetzung gestrichen. Es gilt damit eine Fristenlösung innerhalb der 12. Schwangerschaftswoche. Die Tötung des ungeborenen Kindes erfolgt auf Antrag der Schwangeren bei einem Arzt, der zumindest drei Tage vor dem Tötungstermin konsultiert werden muß. Der Arzt hat die Frau über den Stand der Schwangerschaft und die verschiedenen Abtreibungsmethoden zu informieren, auch über Hilfe für Mutter und Kind. Letztlich ist er aber nur eine Art Vollzugsbeamter, der den Abtreibungsentschluß protokolliert. Zuvor hatte die abtreibungsentschlossene Frau zwei Ärzte aufzusuchen. Die Abtreibungsliberalisierung durch die Regierung Bettel erfolgte vielsagend in einem Paket für „Sexualaufklärung und Abtreibungsprävention“ als Teil eines „Förderprogramms zur Gesundheits- und Sexualerziehung“.

2015 wollte Bettel mit seiner gelb-rot-grünen Koalition das Ausländerwahlrecht einführen. Bei der Volksabstimmung zur Verfassungsänderung wurde der Vorstoß jedoch von 78 Prozent der Luxemburger Wählerschaft abgelehnt.

Der Schulterschluß der EU-Eliten mit Papst Franziskus

Twitter-Eintrag Bettels nach seinem Besuch bei Franziskus
Twitter-Eintrag Bettels nach seinem Besuch bei Franziskus

Am 24. März besuchte Bettel im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung der Römischen Verträge, zusammen mit den anderen EU-Regierungschefs,  den Vatikan. Der Grund war eine historische Premiere in einem solchen Zusammenhang, nämlich eine Ansprache von Papst Franziskus an die europäischen Staats- und Regierungschefs. Der Schulterschluß der politischen Eliten in der EU mit Papst Franziskus steht nicht nur für Bettel in einem Kontrast zu seiner Politik der Zurückdrängung der katholischen Kirche aus dem öffentlichen Raum, die er unter dem Stichwort der „Trennung von Staat und Kirche“ im Großherzogtum betreibt.

Die Eliten sehen ihr linksliberales EU-Projekt ernsthaft gefährdet, durch wachsenden Unmut im Inneren und Druck durch den Wahlsieg von Donald Trump von außen. Zugleich erkennt man in Franziskus den ersten Papst auf dem Stuhl Petri mit dem „man sich versteht“, und der als „Anti-Trump“ gehandelt wird.

In einem begeisterten Tweet schrieb Bettel im Anschluß:

„Es war eine große Freude und Ehre für mich und für Gauthier, vom Oberhaupt der katholischen Kirche empfangen zu werden. XB“

Alle protokollarischen Ehren für Bettel „und Ehemann“

Da Ehepartner zu Audienzen beim Papst zugelassen sind, hatte Bettel seinen „Ehemann“ Gauthier Destenay in den Vatikan mitgebracht. Noch unter Papst Benedikt XVI. wurde vom Heiligen Stuhl die Mißbilligung gegen Scheidung und Wiederverheiratung protokollarisch zum Ausdruck gebracht. Unter Papst Franziskus können katholische Staats- und Regierungschefs nicht nur ihre irregulären Ehepartner , sondern auch ihren schwulen „Ehemann“ mitbringen. Einen protokollarischen Unterschied gegenüber Staats- und Regierungschefs, die in einer sakramental gültigen Ehe leben, gibt es nicht mehr. Der Empfang für Bettel bestätigt, daß Papst Franziskus mit der gesellschaftspolitischen Linken keine Konflikte will, um den Schulterschluß zu anderen Themen zustande zubringen.

Deshalb zeigt Franziskus alljährlich den Teilnehmern am römischen Marsch für das Leben die kalte Schulter und aus diesem Grund fühlten die Organisatoren und die zwei Millionen Teilnehmer des Family Day in Italien gegen die Legalisierung der „Homo-Ehe“ und der Einführung der Gender-Ideologie in den Schulen, vom Papst im Stich gelassen worden zu sein.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va (Screenshots)

 

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7 Kommentare

  1. Moralischer Ausverkauf der Kirche? Die Sünde wird zur Normalität, bald vielleicht schon zur Norm? Die Sünde als Ware, mit der fleissig gehandelt wird.
    Die Wangen sind vor Zorn gerrötet, das Herz traurig und zutiefst beschämt ab so viel Ignoranz und Arroganz, Missachtung von Anstand und Würde gegenüber Lehre, Tradition und aller rechtgläubigen Katholiken. Die Hände sind zum Gebet gefaltet, händeringend bitten wir die Hl. Dreifaltigkeit, uns in diesen schweren Tagen der Bewährung beizustehen, um nicht irre zu werden bei soviel Verwirrung und grösster Perversion in allen Lebensbereichen, v.a. in der Kirche. Es scheint, ob sämtliche Dämme nach und nach brechen würden. Einer nach dem anderen, nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein (bzw. die kath. Kirche).

  2. Das ist eine diplomatische Provokation, wenn man bedenkt, dass sonst nicht einmal zweite etc. verschiedengeschlechtliche Ehepartner oder Lebensgefährtinnen gemeinsan empfangen wurden.

  3. Dr. Gänswein erwähnte einmal in Freiburg zwischen den Päpsten Benedikt und Franziskus würde kein Blatt Papier passen. Unter Papst Benedikt musste Dr. Gänswein Herrn Sarkozy alleine abholen, seine geschiedene Ehefrau war nicht erwünscht.

  4. Da kann sich die katholische Kirche verbal noch so sehr gegen die „Ehe“ für gleichgeschlechtliche Paare aussprechen (siehe DBK) – wenn Papst Franziskus Zeichen setzt, indem er offiziell Homo-Paare empfängt, so sind alle gesprochenen Worte und Willenserklärungen überflüssig und vor allem unglaubwürdig.
    Natürlich hat auch Jesus mit Sündern gesprochen und mit ihnen gefeiert, aber er wollte sie auf einen guten Weg bringen.
    Hohe protokollarische Anerkennung ihrer jeweiligen Sünden jedoch hat er ihnen damit gewiss nicht zugestanden.

  5. Auch in Luxemburg zeigt die Kirche, dass sie modern ist und sich vom alten Mief verabschiedet hat. Erzbischof Hollerich entschuldigte sich 2014 bei den Homosexuellen für die Diskriminationen von Seiten der katholischen Kirche. Auf Sex vor der Hochzeit angesprochen meinte der Erzbischof, wenn diese Sexualität Liebe sei und die danach in einer Ehe münde sei dies sicher keine schlechte Sache. Das Erzbistum Luxemburg unterzeichnete die gender-ideologische „Charta der Vielfalt“. In seinem Brief an Lorenzo Baldisseri zur Familiensynode meinte der Erzbischof, die wiederverheirateten Geschiedenen von der Kommunion auszuschließen stehe im Gegensatz zur Verkündigung der Guten Nachricht und der Liebe des Allmächtigen. Bei seinem Antritt 2011 erklärte der Erzbischof , dass RU in der Schule keine Glaubensvermittlung sei sondern ein schulisches Programm, das durch eine positive Bewertung des Atheismus zu ergänzen sei. Eine richtige Katechese, eine Unterrichtung im Glauben müsse man in den Pfarreien organisieren. Nur bis dato 2017 wird eine solche Katechese nicht angeboten und man kann nur schlussfolgern, dass den Kinder und Jugendlichen bewusst und gewollt der wahre Glaube vorenthalten wird. Eigentlich auch nicht verwunderlich, denn die Frauenbeauftragte des Bistums hat für November einen Begegnungstag angekündigt zum Thema einer „neu zu erfindenden Kirche“.

    • @ Susanne Die Idee der Frauenbeauftragten des Bistums Luxemburg von einer neu zu erfindenden Kirche ist zwar in Vogue, tut aber weh, sehr weh. Negiert sie doch die über 1900 Jahre alte Wahrheit der christlichen Lehre. Sie negiert die Verlässlichkeit des göttlichen Wortes, das einmal gegeben für immer Bestand hat. Vor diesem Hintergrund steht die Frage nach der Legitimation der Frauenbeauftragten so etwas zu sagen und zu fordern. Die Dame spricht und vertritt den modernen Gremienkatholizismus, der weder demokratisch und noch von Gott erwählt wurde. sondern selbst ernannt ist und bar jeder Sachkenntnis kecke Forderungen stellt, die Kirche aufspalten in die Kirche Jesu Christi und eine selbstgefundene Amtskirche der Gremien und Bürokraten. Letztere scheint das Bistum Luxemburg besetzt zu halten und wer über die grenze schauen kann, erkennt, dass dem Erzbischof Hollerich gerade die Rechnung überreicht wird.

  6. Gerade an diesem Beispiel zeigt sich die Perversität und Boshaftigkeit der homosexuellen Verbindungen. Es ist ungezogen und absolut überflüssig, einen solchen Partner demonstrativ mit auf politische Mission zu nehmen. Der empfangende Staatschef kann gar nicht anders, als gute Mine zum bösen Spiel zu machen, sonst würde er von den Medien in der Luft zerrissen.

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