Franziskus und die Verwirrung um den Priesterzölibat – Begeisterung in Paraguay über „verheiratete Priester“

Papst Franziskus mit laisierten Priestern und ihren Familien
Papst Franziskus am 11. November 2016 mit laisierten Priestern und ihren Familien.

(Asuncion) Die Verwirrung darüber, was Papst Franziskus mit dem Priesterzölibat vorhaben könnte, nimmt zu. Legen Modernisten dem Papst nur Worte in den Mund? Reagieren Traditionalisten nur übersensibel und sind mit  Verdächtigungen leicht zur Hand? Die Misere ist, daß sowohl die eine als auch die andere Seite dem amtierenden Papst offenbar inzwischen so gut wie alles zutraut. Die Verantwortung dafür trägt in erster Linie Franziskus selbst, der laufend gegensätzliche Signale aussendet und sich nicht um Klärung der entstehenden Mißverständnisse bemüht. Die unterschiedlichen Interpretationen, die daraus folgen, scheinen ihm – so der Eindruck – vielmehr zu behagen, da sie seinen Handlungsspielraum – zumindest vermeintlich – größtmöglich erweitern.

Verwirrende Beispiele aus jüngster Zeit

„¢ In einem am 9. März veröffentlichten Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit schloß Franziskus nicht aus, daß „Viri probati“ (verheiratete Männer) unter bestimmten Bedingungen zu Priestern geweiht werden könnten. Wörtlich sagte der Papst:

„Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden.“

Zugleich aber sprach sich Franziskus gegen die Forderung aus, den Priesterzölibat auf eine freiwilligen Entscheidung der Priesterkandidaten zu reduzieren.

Der Zölibat als Weihevoraussetzung und die Weihe verheirateter Männer scheinen ein eindeutiger Widerspruch zu sein. Kein Widerspruch wäre es nur, wenn die zu Weihenden – wie es die verheirateten Apostel taten – ihre Ehe aufgeben und ihre Familien verlassen. Dann aber würde es sich weder um eine Änderung des Zölibats noch um verheiratete Priester im eigentlichen Wortsinn handeln.

„¢ Am 20. Januar hatte Papst Franziskus, wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, den chilenischen Bischöfen erklärt, daß die Aufhebung des Zölibats als Weihevoraussetzung „nicht in seiner Agenda ist“.

„¢ Am 11. November 2016 kam es in einer Privatwohnung in Rom zu einem Treffen zwischen Papst Franziskus und sieben laisierten Priestern und ihren Familien.

„¢ Im Mailänder Dom sagte der Papst am vergangenen Samstag über die Ständigen Diakone, daß sie „nicht halb Priester, halb Laie“ seien und auch keinen Anteil am Kultus und der Verkündigung des Wortes Gottes hätten, sondern zum „Dienen“ berufen seien (Unterstützung von Witwen und Waisen). Näher erklärungsbedürftig wäre allerdings der Zusatz, daß sie „Bewahrer des Sakramentes des Dienstes“ seien.

„¢ Am 1. November 2016 bekräftigte Franziskus auf dem Rückflug vom Reformationsgedenken in Schweden, wo er soeben die oberste Bischöfin der Lutherischen Kirche Schwedens, die gebürtige Deutsche Antje Jackelen, umarmt hatte, das Nein zum Frauenpriestertum:

„Zur Frauenordination in der katholischen Kirche wurde vom heiligen Johannes Paul II. das letzte klare Wort gesagt, und das bleibt.“

Frauenpriestertum: Aufsatz des Jesuiten Giancarlo Pani
Frauenpriestertum: Aufsatz des Jesuiten Giancarlo Pani

„¢ In der Nr. 3999 der Civiltà  Cattolica vom 28. Januar formulierte der Jesuit Giancarlo Pani einen Angriff gegen dieses Verbot des Frauenpriestertums. Man könnte nun sagen, Pani ist Pani und nicht der Papst. Der Aufsatz erhält jedoch eine andere Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß jeder Artikel der Civiltà  Cattolica vor seiner Drucklegung dem Vatikan vorgelegt und eine ausdrückliche Druckerlaubnis eingeholt werden muß. Während Papst Benedikt XVI. diese Zensuraufgabe den zuständigen Stellen überließ, kümmert sich Papst Franziskus zu den ihm wichtigen Themen persönlich darum.

„¢ Im Spätsommer hatte Bischof Joà£o Bosco Barbosa de Sousa von Osasco, Kirchenprovinz Sao Paulo in Brasilien, zu einer Tagung über den Priestermangel geladen. Kardinal Claudio Hummes, ein enger Papst-Vertrauter, erläuterter die Pläne seiner Amazonas-Werkstatt zur Schaffung eines „indigenen Klerus“ (gemeint ist die Weihe verheirateter Männer zu Priestern oder einer nicht näher definierten neuen Zwischenstufe des Weihesakraments). Als ein Tagungsteilnehmer den Gegenvorschlag machte, man solle die Missionsorden der Kirche um Entsendung von je zwei Priestern bitten, dann wäre das Problem in Amazonien gelöst, widersprach Kardinal Hummes energisch und berief sich dabei auf Papst Franziskus:

„Nein, nein, das will der Papst nicht.“

Die genannten und zahlreiche weitere Signale unterschiedlicher Art und Ausrichtung erzeugen ein insgesamt verwirrendes Bild.

Gesteigerte „Begeisterung“ für verheiratete Priester in Paraguay

In der stark befreiungstheologisch geprägten Kirche Paraguays zeigte sich „Begeisterung“ für die „Möglichkeit“, die aus dem Zeit-Interview des Papstes herausgelesen wurde, daß „eines Tages“ auch verheiratete Männer zu Priestern geweiht und der Zölibat aufgehoben werden könnte. Die größte Tageszeitung des Landes ABC Color legte in der gestrigen Sonntagsausgabe noch einmal nach und machte das Thema wohlwollend zum Inhalt des Leitartikels. „Richtige Initiative von Papst Franziskus“, so der unzweideutige Titel, der nicht namentlich gezeichneten Kolumne.

Der Beitrag betont zustimmend, daß vor allem die bereits vorhandenen Ständigen Diakone zu Priestern geweiht werden sollten.

Eine weitere halbe Seite widmete ABC Color der Gegenüberstellung zweier gegensätzlicher Positionen, einer für die faktische Abschaffung des Priesterzölibats und einer für die Beibehaltung des Zölibats, wobei letzterer deutlich weniger Raum gewährt wurde.

In Paraguay herrscht, anders als von manchen Kreisen behauptet, kein Berufungsmangel. Das Problem ist nicht der Berufungsmangel, wie Bischof Regelio Livieres in Ciudad del Este bewiesen hatte, sondern die Verbildung der Seminaristen durch die Befreiungstheologie. Anders ausgedrückt: wennschon, dann herrscht ein Berufungsmangel für die Befreiungstheologie. Nur wenige Jahre nachdem Bischof Livieres sein an der Lehre der Kirche ausgerichtetes diözesanes Priesterseminar in Ciudad del Este errichtet hatte, zog er fast drei Viertel aller Berufungen aus ganz Paraguay an, während sich nur 28 Prozent der Seminaristen für das befreiungstheologisch dominierte Nationale Priesterseminar der übrigen Bischöfe in Ansuncion entschieden.

Papst Franziskus setzte Bischof Livieres auf Wunsch der anderen Bischöfe ab, und der von Franziskus ernannte Nachfolger von Livieres löste das diözesane Priesterseminar mit der grotesken Begründung auf, dort würden die Seminaristen „nur intellektuell gebildet“. Seither werden alle Seminaristen Paraguays wieder im befreiungstheologischen Sinn in Asuncion ausgebildet.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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5 Kommentare

  1. Die Behauptung, dass die verheirateten Apostel ihre Ehe aufgegeben haben, ist mehr als gewagt. Es gibt dafür keinerlei Beweise, ja nicht einmal Hinweise. Paulus gibt Zeugnis dafür, dass die Apostel ihre Ehefrauen mitgenommen haben. Und dass es wirklich ihre Ehefrauen waren, bezeugen die ältesten Kirchenväter: Tertullian schreibt: „Es war auch den Aposteln erlaubt zu heiraten und Ehefrauen mit sich zu führen“. Hieronymus, ein ausgeprägter Gegner der Priesterehe, verwendet in der Vulgata für das griechische „gynaika“ das lateinische „uxor“, also Ehefrau. Dass die Apostel enthaltsam gelebt haben, dafür gibt es nicht den geringsten Hinweis.

    • Zur Frage der Verheiratung der Apostel: Petrus hatte ein Schiegermutter, die an „großem Fieber“ erkrankt war und von Jesus geheilt wurde. Damit dürfte klar sein, dass es verheirate Apostel gab. Ob sie später um des Himmelreiches Willen enthaltsam lebten, wissen wir nicht.

    • @ walzi
      Die ersten Apostel wurden nicht nur von ihren Netzen, sondern auch von ihren Frauen weggerufen und folgten diesem Ruf um eines höheren Gutes = des Himmelreiches willen. Aus diesem Grund machte es Sinn, die Familie zurückzulassen. Wären sie noch mit ihren Ehefrauen zusammen gewesen, hätten sie höchstwahrscheinlich auch nie den Märtyrertod in Kauf genommen!

  2. Eure Rede sei Ja, ja – nein, nein. Und nicht Ja und Nein … wie man es in den Fatwas lesen kann. Wir brauchen einen Hirten und nicht einen, der es Schafen und Wölfen gleichzeitig recht machen will…

  3. Priester sollen im allem Nachfolger Jesu sein. Und Jesus war nicht verheiratet. Damit ist für mich alles weitere Nachdenken über diesen Aspekt absolut überflüssig!!

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