Nach Priesterbruderschaft wirft De Kesel auch monastische Gemeinschaften von Jerusalem hinaus

Monastische Gemeinschaften von Jerusalem
Monastische Gemeinschaften von Jerusalem verlassen Brüssel (im Bild die Niederlassung Groß Sankt Martin in Köln)

(Brüssel) Unter dem neuen Erzbischof von Mecheln-Brüssel weht ein eisiger Wind. Nachdem er die Priesterbruderschaft der Heiligen Apostel aus seinem Erzbistum hinauswarf, müssen nun auch die Brüder und Schwestern der Gemeinschaften von Jerusalem die Koffer packen.

Jozef De Kesel wurde Ende 2015 von Papst Franziskus zum Erzbischof von Brüssel und Primas von Belgien ernannt. Seiner Ernennung war ein fünfjähriger, von Papst Benedikt XVI. begonnener Versuch vorausgegangen, den progressiven Kurs der belgischen Kirche zu korrigieren. Mit der Ernennung De Kesels kehrte die alte Riege um Kardinal Godfried Danneels zurück. De Kesel war bereits 2010 Danneels Wunschnachfolger gewesen. Im November 2016 wurde De Kesel von Franziskus in den Kardinalsrang erhoben. Eine Würde, die seinem Vorgänger Léonard verweigert wurde.

Priesterbruderschaft der Heiligen Apostel

De Kesels Vorgänger und Danneels Nachfolger, Erzbischof André-Joseph Léonard hatte die Fraternité des Saints Apà´tres/Broederschap van de Heilige Apostelen des französischen Priesters Michel-Marie Zanotti ins Land geholt. Die Bruderschaft übernahm die Betreuung von zwei Pfarreien in der Region Brüssel und gründete ein Priesterseminar. Erzbischof Léonard setzte auf diese parallele Priesterausbildung in der Hoffnung, einen neuen Klerus heranbilden zu können. Drei Jahre nach der Gründung bereiteten sich dort bereits 21 junge Männer auf das Priestertum vor. Die Neugründung war „zu erfolgreich“, wie es hinter den Kulissen hieß. De Kesel, erst wenige Monate im Amt, sperrte das Priesterseminar zu und warf die Priesterbruderschaft „aus Solidarität mit Frankreichs Bischöfen“ aus seinem Erzbistum. Zugleich sorgte er dafür, daß sie in keiner anderen belgischen Diözese Aufnahme fanden. „Frankreich braucht auch Priester“, so die geschönte Begründung.

In Wirklichkeit ist De Kesel bemüht, mit der „restaurativen“ Phase seines Vorgängers tabula rasa zu machen. Das Kirchenverständnis der Priesterbruderschaft der Heiligen Apostel war „meilenweit“ von jenem Danneels entfernt, wie es in Brüssel hieß. Das traditionelle Priesterbild der Bruderschaft und die zahlreichen Priesterberufungen, die von der Bruderschaft angezogen werden konnten, galten in progressiven Kreisen als nicht erwünscht. De Kesel selbst forderte kurz nach seiner Amtseinführung die Abschaffung des Priesterzölibats.

Brüder und Schwestern der Gemeinschaften von Jerusalem

Nun müssen auch die Brüder und Schwestern der Gemeinschaften von Jerusalem ihre Koffer packen. Dabei wurden die 1975, ebenfalls in Frankreich gegründeten Fraternités monastiques de Jérusalem 2001 von Kardinal Danneels nach Brüssel geholt. Die monastischen Gemeinschaften haben zwei Niederlassung in Rom in Trinità  dei Monti und in San Sebastiano al Palatino. Ihr Charisma besteht unter anderem darin, die monastische Einsamkeit inmitten großer Städte zu leben. Gemeinschaften haben die berühmte Abtei Mont Saint Michel in der Normandie besiedelt und ebenso die Abtei mit der berühmten Kathedrale der heiligen Maria Magdalena von Vezelay. Im deutschen Sprachraum gibt es Niederlassungen in Groß Sankt Martin in Köln und in Straßburg.

Die belgische Niederlassung befindet sich in Saint-Gilles, flämisch Sint Gillis, in der Region Brüssel, einer stark multikulturell geprägten Gegend mit sozialen Problemzonen. In der Pfarrei gibt es Erwachsenenkatechumenat, zahlreiche missionarische und apostolische Initiativen, Bibelkreise und eine Gemeinschaft der eucharistischen Anbetung.

Die Begründung für den Rauswurf lautet in diesem Fall: Reform der Pastoraleinheiten. Kirchen werden aufgelassen und Pfarreien zusammengeschlossen. Die Sint-Gilliskerk soll zum Mittelpunkt einer größeren Pastoraleinheit werden, damit aber ist die Anwesenheit der monastischen Gemeinschaften, obwohl sie die Pfarrei revitalisiert haben, nicht mehr erwünscht.

Anwesenheit vom Erzbistum nicht mehr erwünscht

Die Gemeinschaft willigte auf Vorschlag des Erzbistums ein, nach einen neuen Wirkungsort zu suchen. „Wir haben voll Vertrauen angenommen und mitgewirkt“, zitiert Nuova Bussola Quotidiana (NBQ) Soeur Violaine und Frere Jean-Christophe, die Verantwortlichen der Brüsseler Niederlassung. Ein neuer Wirkungsort wurde auch gefunden, doch nun war das Erzbistum nur mehr bereit, eine Garantie für zwei Jahre auszusprechen. Zu wenig für eine Gemeinschaft. Als die Gemeinschaft auf längere Zeiten drängte, stellte sich das Erzbistum quer. Nach einem Gespräch mit dem Erzbischof und der  Delegierten für das geweihte Leben „haben wir entschieden, uns zurückzuziehen“, wie die beiden Verantwortlichen der Gemeinschaften schreiben. Es habe keinen Spielraum mehr gegeben.

Der Erklärung haftet ein bitterer Unterton an, der die Enttäuschung darüber erahnen läßt, nach 15 Jahren aus dem Erzbistum hinausgedrängt zu werden. Die Verantwortlichen ersuchen um das Gebet: „Das Kommende gehört Gott. Wenn Er will, daß unsere Gemeinschaften eines Tages nach Brüssel zurückkehren, werden wir uns darüber sehr freuen.“

Der Rauswurf der Priesterbruderschaft der Heiligen Apostel und nun der monastischen Gemeinschaften von Jerusalem wirft Fragen auf. Kann es sich ein Erzbistum wie Brüssel leisten, zwei der fruchtbarsten Gemeinschaften vor die Tür zu setzen?

„Es handelt sich um Episoden, die daran denken lassen, daß die Kirche in Brüssel, oder zumindest einige ihrer hochrangigen Vertreter, eine Neigung zur Selbstverstümmelung und einen Drang zur Zentralisierung der Macht zeigt“, so NBQ.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

ANZEIGE

FalkMedien liefert jedes Buch! - Recherche mit dem Verzeichnis Lieferbarer Bücher.


FalkMedien liefert jedes neue Buch versandkostenfrei ohne Mindestbestellwert.

Kostenfreie Hotline: 0800-2824325 / Mo. - Fr.: 8-16:30 Uhr

HIER KÖNNEN SIE WERBEN »
Print Friendly, PDF & Email

3 Kommentare

  1. Ein Ende der innerkirchlichen Zerstörungswut ist derzeit leider nicht absehbar – das Gegenteil ist der Fall. Die traditionelle Kirche erleidet eine nie dagewesene Verfolgung, Verleumdung und ein unvergleichliches geistiges Martyrium. Deshalb widerstrebt es mir, seit vielen Monaten den überaus unbarmherzigen „heiligen Vater“ und Bischof von Rom mit dem Titel Papst zu bezeichnen. Wie unendlich viele Zeichen müssen noch geschehen, bis endlich die allerletzte christliche Schlafmütze aufwacht?
    Unser Herr Jesus warnt ausdrücklich vor weltlich gesinnten Herrschern und Herren, indem er beschreibt, wie diese ihre Macht zur Unterdrückung des Volkes und zu dessen Versklavung missbrauchen. Dieses Beispiel Jesu vom Herrschen und Dienen und vom sich erweiternden Amtsmissbrauch ranghoher Titelträger steht uns heute tagtäglich ganz und gar plastisch vor Augen, denn wir dürfen uns niemals davon beirren lassen, dass „ein blindes Huhn durchaus auch mal ein Korn finden kann“. „Bei euch soll es nicht so sein, wie bei Herrschern, die ihre Macht missbrauchen“, sagt der Heiland. Gemeint sind damit alle Christen – zuerst die Hirten, aber auch die Schafe. Niemand möge sich selbst über andere oder gar über Gott erhöhen – ganz im Gegenteil: (Ich rezitiere aus meinem „autonomen Gewissen“): „Wer der Größte unter euch sein will, der sei euer aller Diener! Wer mir nachfolgen will, nehme sein Kreuz (nicht seine ihm von Gott geliehene Macht) auf sich und folge mir nach! Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch hassen. Wer euch auf die linke Backe schlägt, dem halte auch die rechte hin.
    Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.
    Fürchtet euch nicht vor denen, die zwar den Leib, aber nicht die unsterbliche Seele töten können.
    Freut euch und jubelt, denn euer Lohn im Himmel wird groß sein.“ In der konfrontierenden Gegenüberstellung von Gegenteil, Widerspruch und Lüge zur Wahrheit Gottes, erkennen wir die Heiligkeit und Vollkommenheit der göttlichen Wahrheit.
    Macht ist nicht gleich Dienen, Stolz ist keine Demut, Hölle ist kein Himmel, Sünde ist keine Tugend, Papst ist nicht gleich Papst!

  2. Stalin pflegte angeblich zu sagen, dass ein guter Bürger im Knast sitzt (sedit w tiurmie), d.h. dass es für die Redlichkeit von jemandem spricht, wenn er unter Stalin verfolgt wurde. Dies stimmt. Christus sagt: „Selig seid ihr, wenn ihr verfolgt werdet..“ Der Verweis aus der Diözese de De Kesel, Adrien Antoine wird sicherlich den Homo-Pädo-Strang entfalten, spricht für die Heiligkeit und Katholizität dieses Ordens. Gut für sie. Verfolgung unter Franziskus sind ein Qualitätskriterium.

  3. Allein schon, wenn ich obiges Foto auf mich wirken lasse spüre ich, um wieviel Gutes es sich bei solchen Orden handeln muss.
    Dass solche Ordensmänner mit ihrer allein schon intuitiv spürbaren Atmosphäre und Ausstrahlung eine Provokation für die salopp daherkommenden, zeitgeistangepassten Kirchenleute darstellen, ist klar. Zeigen sie ihnen doch allzu deutlich, was sie aufgegeben – und damit verloren haben.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*