Amoris laetitia und der Weckruf für 2017: Eine alarmistische Kampagne ohne argumentative Substanz

Warum schweigt Papst Franziskus zu den Dubia der Kardinäle, die ihn zu zentralen Fragen der Glaubenslehre und der Sakramentenordnung um Klärung ersuchen?
Warum schweigt Papst Franziskus zu den Dubia der Kardinäle, die ihn zu zentralen Fragen der Glaubenslehre und der Sakramentenordnung um Klärung ersuchen?

Es gibt einen neuen Aufruf, „mit Papst Franziskus mitzugehen“. Ähnliche papsttreue Initiativen gab es früher schon – z. B. von Deutschland pro PapaSolidarität mit Papst Benedikt XVI. Doch das neue Manifest Weckruf für 2017 ist vor allem gegen Kritiker des Papstes gerichtet. Darüber hinaus wird das Schweigen des redseligen Papstes zu zentralen Glaubensfragen gerechtfertigt. Das zeigt sich schon in der Titelzeile, die mit (ursprünglich) fehlerhaftem Latein: #SineDubia gegen den Fragenkatalog der vier Kardinäle gerichtet ist.

Ein Gastbeitrag von Hubert Hecker.

Die Initiatoren des Weckrufs sind die Chefredakteure des Onlinemagazins The Cathwalk. „Die Cathwalk-Vision“ gestaltet unter dem Titel: „Ästheten aller Länder, vereinigt euch!“ einen „unabhängigen katholischer Lifestyle-Blog“ – „catholic lifestyle blog“. Soweit zum medialen self styling des feuilleton-katholischen Portals.

Rechtfertigung umstrittener päpstlicher Maßregelungen

Der Aufruf gliedert sich in drei Kapitel: Das erste stellt den „guten und rechtgläubigen Papst“ heraus. Die Autoren preisen „die guten Akzente dieses Papstes als einen großen Segen für die Kirche“. Insbesondere mit seinem nachsynodalen Schreiben habe Franziskus die Tore seiner radikalen Barmherzigkeit weit geöffnet.

Im dritten Teil werden die umstrittenen Aktionen des Papstes gerechtfertigt. Dessen kränkende Beschimpfung der Kardinäle als verkalkte Bürokratiemonster wird als „vollumfängliches Recht“ behauptet. Diese „unbequemen Worte“ – auch an „patentierte Fromme“ – stellt man als Ausweis für den jesusähnlichen Pontifex hin: „Christus ähnlich, weil unbequem“ heißt die Kapitelüberschrift. Für die vom Papst gemaßregelten und gedemütigten „neuen Orden“ und „Nostalgie“-Traditionalisten haben die Autoren allerdings nur untergründigen Spott übrig: Selbst wenn der Papst „ihnen Unrecht tun sollte: Ist nicht gerade das stille Ertragen auch vermeintlich ungerechtfertigter Kritik Zeichen der Heiligkeit eines Mannes der Kirche“? Nur von Männern? Auch die 350 frommen Franziskanerinnen der Immakulata sind unter Kuratel gestellt.

Betroffenheitsformeln  und Beschimpfungen statt Argumente

Das zweite Kapitel ist dem Umfang nach der Hauptteil des Manifestes. Die Überschrift gibt die Stoßrichtung an: „Nichts als eine Kampagne“. Damit sind alle kritischen Publikationen zu Papst Franziskus, seinen Taten und Äußerungen gemeint, insbesondere zum Schreiben Amoris laetitia.

â–ª Doch statt Argumente stellen die Autoren larmoyant ihre Betroffenheit zur Schau: „Wir bedauern..; wir stellen schmerzlich fest…; wir drücken unser Befremden aus…“

â–ª Sie distanzieren sich entschieden von den „sogenannten Dubia“. Die würden „suggerieren“, dass „Amoris laetitia einen Bruch des Lehramtes hinsichtlich der Ehepastoral“ darstelle. Was soll denn ein Lehramtsbruch sein?

â–ª Die Cathwalk-Katholiken vergleichen die Dubia mit Pharisäer-Fragen, auf die Jesus bei einem Mal mit Schweigen reagiert hätte. Schon Thomas Sternberg, aktueller Präsident des Zentralkomitees  der deutschen Katholiken, hatte die Fragen der vier Kardinäle als „niederträchtige und schäbige Fangfragen und Fallen“ beschimpft.

â–ª Die Unterzeichner überzeichnen dramatisch mit ihrer Feststellung, „dass ein Großteil katholischer Publizisten Papst Franziskus der Häresie bezichtigt“. Tatsächlich ist die franziskus-kritische Szene sehr heterogen. Sie reicht von Kardinälen und den Professoren Josef Seifert, Wolfgang Waldstein, Robert und Christian Spaemann bis zu Sedisvakanten.

â–ª Sie konstruieren bei der vielstimmigen kritischen Publizistik zu Amoris laetitia eine gesteuerte „propagandistische Kampagne“. Denn es würde selektiv-negativ zu Papst Franziskus berichtet“. Über ihr Jammern zu grassierendem Defätismus und medialem Destruktivismus sollten die Cathwalker nicht vergessen, dass Radio Vatikan und seine vielen deutschen medialen follower ebenfalls ausschließlich selektiv(-positiv) über den Papst schreiben.

â–ª Man glaubt „Einheizer im Hintergrund“ ausmachen zu können, denen im Diesseits mit der Keule des Populismus gedroht wird sowie mit späterer Gerichtsverantwortung…..

â–ª Die liberalen Cathwalker werfen den konservativen Katholiken „entfesselten Rubrizismus und starren Rigorismus“ vor.

â–ª Schließlich brandmarken sie „die Mentalität im katholisch-konservativen Lager“ als „pathologisches Phänomen“. Nach der Populismus-Keule nun der Knüppel mit der Pathologie-Stigmatisierung.

Eine alarmistische Gegenkampagne

In diesem Teil wirkt der Aufruf wie ein alarmistisches Manifest. Zuerst beschimpft man „eine Großzahl“ katholischer Kampagnen-Publizisten als pathologische Querulanten und rigoristische Traditionalisten. Dann ruft man „alle publizistisch tätigen Katholiken auf“, eine positive Gegenkampagne mit Liebe und Wohlwollen für den Papst zu starten.

Durch ihre überzogenen Einschätzungen und klotzigen Beschimpfungen disqualifizieren sich die Aufruf-Autoren selbst. Besonders perfide ist der Pharisäer-Vorwurf gegen die Dubia-Autoren. Mit dem deutschen Kardinal Joachim Meisner stichelt man gegen einen anerkannten und absolut integren Kirchenmann.

Die größte Schwäche des Aufrufs besteht wohl darin, dass zu dem im Mittelpunkt stehenden Dokument Amoris laetitia einige Lobpreisungen, aber keine substantiellen Aussagen und Argumentationen gemacht werden, nicht einmal rechtfertigende. Die angebliche Cathwalk-Kultur von „Rede und Gegenrede“ ist nicht in Ansätzen erkennbar.

Die folgende Erörterung zu umstrittenen AL-Punkten soll diesem Defizit abhelfen. Es werden jeweils die positiven oder rechtfertigenden Ansichten zu Amoris laetitia an den Anfang gestellt und dann Gegenargumente aufgeführt, so dass die Leser ein argumentatives Für und Gegen nachvollziehen können.

Argumentative Erörterung von Amoris laetitia

â–ª Das Hauptargument der Befürworter von Amoris laetitia besteht wohl darin: Der Papst habe sein pastorales Anliegen ausschließlich in pastoraler Sprache vorgetragen. Kirchenrechtliche, dogmatische und moraltheologische Regelungen seien von ihm nicht angetastet worden.
– Das trifft sicherlich für die meisten Teile von AL zu, nicht aber für das umstrittene VIII. Kapitel. Dort nimmt Franziskus in zahlreichen Abschnitten auf Bestimmungen der kirchlichen Lehre Bezug. Die Neuerungen lassen sich darin zusammenfassen, dass der Papst mit dem Federstrich des „sogenannten“ die bisherigen kirchenrechtlich „irregulären Situationen“ (etwa in der zivilen Zweitehe) zu regulären umdefiniert.

â–ª Kardinal Gerhard Müller argumentiert, wenn Franziskus die Sakramentenordnung hätte ändern wollen, dann wäre das deutlich gesagt und nicht etwa in einer Fußnote versteckt worden.
– Der deutsche Glaubenspräfekt unterschätzt die „jesuitische Mentalität“ von Jorge Mario Bergoglio, die der Sondersekretär der Bischofssynode, Erzbischof Bruno Forte, am 2. Mai 2016 enthüllte. Der Papst habe ihm folgende Taktik aufgegeben: Da es innerkirchliche Widerstände gegen die Aufweichung von Ehe- und Altarssakrament gebe, sollten „wir nicht ausdrücklich von Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene sprechen. Mach es so, dass die Prämissen gegeben sind, die Schlussfolgerungen ziehe dann ich.“ Das Ergebnis dieser taktischen Finesse war die Fußnote 351, wonach „die Sakramente Hilfe in gewissen Fällen sein könnten“.

â–ª Verschiedene vom Papst ernannte Kardinäle haben behauptet, Amoris laetitia sei „ausreichend klar“, ja sogar von „absoluter Klarheit“.
– Warum gibt es dann aber die absolut widersprüchlichen Ausführungsbestimmungen von Bischöfen? Die Bischöfe von Malta haben festgelegt, dass eine geschiedene wiederverheiratete Person nach ihrer subjektiven Gewissensentscheidung zur Kommunion zugelassen werden soll. Bischof Vitus Huonder aus der Schweiz dagegen schreibt mit Hinweis auf die objektiven „Vorgaben der Kirche in Familiaris consortio“, dass „der Empfang der heiligen Kommunion nicht dem subjektiven Entscheid überlassen werden darf“. Dieser Interpretation von AL aus der kirchlichen Tradition haben sich eine Reihe anderer Bischöfe angeschlossen.

â–ª Wenn die behauptete Kontinuität von Amoris laetitia mit der bisherigen kirchlichen Lehre und Moraltheologie wirklich gewollt ist, warum weigert sich der Papst, auf die klaren Einzelfragen der Dubia zur Lehrkontinuität eine klare Antwort zu geben – und damit auch die sichtbaren und widersprüchlichen Unklarheiten in der Interpretation von AL durch die Bischöfe zu beseitigen?

â–ª Seit Thomas von Aquin unterscheidet die Moraltheologie verbotene Taten, die durch Umstände in erlaubte geändert werden können – wie z. B. Töten in Selbstverteidigung – von Handlungen, die in sich schlecht sind wie z. B. Ehebruch. Deren Schlechtigkeit kann nicht durch Umstände oder Bedingungen gemindert oder gar aufgehoben werden.
– Franziskus’ Argumentation läuft aber darauf hinaus, „nach Bedingtheiten und mildernden Faktoren“ bei in sich schlechten Handlungen wie dem Verharren im Ehebruch zu suchen, wodurch die „objektive Situation der Sünde subjektiv nicht schuldhaft ist oder es zumindest nicht völlig ist“ (Nr. 305).

â–ª Franziskus behauptet, auch die im Ehebruch Verharrenden könnten in der Gnade Gottes leben, lieben und wachsen. Er idealisiert das Leben in einer zivilen Zweitehe geradezu mit den Wendungen „erwiesene Treue, großherzige Hingabe, christliches Engagement“ (AL 298).
– Moralisch wird in diesem Fall die zivile Zweitehe als gleichwertig mit der sakramentalen Erstehe vermittelt. Für diese moraltheologische Neubewertung gibt es keinen Bezug in der bisherigen kirchlichen Lehre. Auch Amoris laetitia findet keinen Beleg dafür in kirchlichen Schriften. Unredlich ist es aber, wenn ein Konzilszitat aus Gaudium et spes, das sich auf die eheliche Treue bezieht, für die irreguläre Zweitehe in Anspruch genommen wird (Anm. 329).

Franziskus’ Anliegen: alle Geschiedene nach ihren Wünschen zur Kommunion zulassen

â–ª Kurz nach Ende der zweiten Bischofssynode fragte der italienische Journalist Eugenio Scalfari den Papst, ob wiederverheiratet Geschiedene künftig zur Kommunion zugelassen würden. Franziskus bejahte diese Frage: „Das ist das wesentliche Ergebnis, (…) am Ende (…) werden alle Geschiedenen, die es wünschen, zugelassen werden.“ 1)Der Vatikan dementierte die von Scalfari als direktes Zitat des Papstes wiedergegebene Aussage nicht, weder offiziell noch direkt. Der damalige Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ reagierte lediglich auf Nachfrage in einem Interview des National Catholic Register mit dem Satz: „Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, berichtet Scalfari unter Anführungszeichen, was ihm der Papst angeblich gesagt hat, aber häufig entspricht das nicht der Wirklichkeit, da er die genauen Worte des Papstes weder aufzeichnet noch niederschreibt, wie er selber viele Mal gesagt hat. Daher ist klar, daß das, was von ihm im jüngsten Artikel bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen berichtet wird, in keiner Weise zuverlässig ist und nicht als das Denken des Papstes betrachtet werden kann.“ Ein Dementi klingt anders.

â–ª Wenn nach Franziskus’ Ansinnen alle Wiederverheirateten zum Altarsakrament hinzutreten sollen, dann ist die Unterscheidung von Einzelfällen in AL offensichtlich nur eine vorläufige Etappenstation auf dem Weg zur Freigabe der Kommunion für alle und jeden.

â–ª Wenn allein das subjektive Begehren Kriterium für den Kommunionzugang ist, dann ist die Kirchenrechtsbestimmung von Can. 915 irrelevant gemacht, wonach Gläubige vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen sind, wenn sie „offenkundig in einer schweren Sünde (wie Ehebruch) verharren“.

â–ª Wenn der Wunsch des Einzelnen den Sakramentenempfang regelt, dann ist die bisherige Sakramentenordnung ausgehebelt.

Eine „wahre Revolution im Vatikan“ (Kurienbischof Josef Clemens)

â–ª Nach Kardinal Kasper gibt Amoris laetitia „kein Jota der traditionellen Lehr der Kirche auf. Und doch verändert diese Schreiben alles….“. Das sagte er laut Radio Vatikan – „der Stimme des Papstes“ –  vom 22. 10. 2016.

â–ª Diese dialektische Bewertung (‚nichts und zugleich alles verändern’) bedeutet im Lichte des obigen Bergoglio-Zitates: Kirchenrecht, Doktrin und Moraltheologie bleiben formal unangetastet, werden aber als irrelevant angesehen, indem der pastorale Papst alles Bisherige in der Kirche verändert.

â–ª Eine Variante dieser dialektischen Lesart wäre: Die kirchliche Doktrin – z. B. zur Unauflöslichkeit der Ehe – müsse im Sinne des vorrangigen Pastoralprinzips der Barmherzigkeit uminterpretiert werden. Aber auch bei diesem Ansatz würde die bisherige kirchliche Lehre zum irrelevanten Appendix der Pastoral herabsinken.

Text: Hubert Hecker
Bild: Vatican.va (Screenshot)

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1. Der Vatikan dementierte die von Scalfari als direktes Zitat des Papstes wiedergegebene Aussage nicht, weder offiziell noch direkt. Der damalige Vatikansprecher P. Federico Lombardi SJ reagierte lediglich auf Nachfrage in einem Interview des National Catholic Register mit dem Satz: „Wie bereits in der Vergangenheit geschehen, berichtet Scalfari unter Anführungszeichen, was ihm der Papst angeblich gesagt hat, aber häufig entspricht das nicht der Wirklichkeit, da er die genauen Worte des Papstes weder aufzeichnet noch niederschreibt, wie er selber viele Mal gesagt hat. Daher ist klar, daß das, was von ihm im jüngsten Artikel bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen berichtet wird, in keiner Weise zuverlässig ist und nicht als das Denken des Papstes betrachtet werden kann.“ Ein Dementi klingt anders.

9 Kommentare

  1. Man sollte bei Ihrer Beschreibung des Blogs „The Cathwalk“ anmerken, dass ein Verantwortlicher und ein Autor pikanterweise früher im näheren Umfeld der FSSPX tätig waren und nun im Modernismus angekommen sind (q.e.d.).
    Einer war Redakteur bei der Jugendzeitschrift der Katholischen Jugendbewegung der FSSPX, „Der Gerade Weg“, der andere war als Rechtsanwalt für die FSSPX tätig. Er leistete juristischen Beistand bei der Schließung des Gymnasiums und Internat für Jugen in Deutschland. In Österreich war er für eine Stiftung der Bruderschaft tätig.

  2. Unter Bergoglio ist jetzt also die Kirche im „postfaktischen Zeitalter“ angekommen, dem Zeitalter, in dem auf der Grundlage von Gefühlen und Emotionen der Beteiligten strittige Fragen entschieden werden. Als Papst Benedikt vor dem Relativismus warnte, der nichts als letztlich wahr anerkenne, war ich davon ausgegangen, dass er über Entwicklungen außerhalb der Kirche spreche. Nie hätte ich mit der Gefahr gerechnet, dass die Kirche von innen heraus zerstört werden könnte. Die Kirche – das war für mich der „Fels in der Brandung“, das in den Wirren der Geschichte Verlässliche.

    Unser aller Anliegen muss es nun sein für unsere Kirche zu beten. Bitten wir unseren Herrn darum, dass er seine Kirche in der Zeit dieser Wirren nicht verlässt, bitten wir darum, dass der Heilige Geist uns auch durch diese Zeit führen wird.

    Übrigens: Die ungenaue Wortwahl in der Argumentation der Verteidiger von Amoris Laetitia („Bruch des Lehramtes“) ist kein Zufall. Die Sprache wird ungenau, wenn ein Sprecher seine Gedanken (bewusst oder unbewusst) verbergen bzw. nicht genau vortragen will.

  3. „The Cathwalk“ will nach eigenen Angaben ein „Katholisches Magazin für Lifestyle und Genuß“ sein. An der so formulierten Programmatik fällt zunächst die dümmliche Anbiederung an zeitgeisthörige Nomenklaturen auf. „Lifestyle und Genuß“ bedeuten in dem Sinne, wie diese Vokabeln gegenwärtig verwendet werden -verba valent usu- nichts anderes als einen mehr oder (meistens) weniger veredelten Hedonismus – und daß ein solcher mit katholischer Lebensfreude nichts zu tun hat, bedarf keines Beweises.

    Den allgemeinen Eindruck, den die Beiträge auf „The Cathwalk“ hinterlassen, könnte man vielleicht so zusammenfassen, daß hier Personen, die zwar „irgendwie katholisch“ bleiben wollen, aber denen die moralischen und aszetischen Ansprüche sowie bestimmte Lehren der katholischen Religion mißfallen, ein System entwickeln wollen, in dem tatsächlich eine Art von pelagianischem Hedonismus mittels sophistischen Geschwätzes als mit der katholischen Religion kompatibel erwiesen werden soll. (So oder auf ähnliche Weise funktioniert übrigens jede, auch teuflische, Versuchung, sofern sie nicht geradezu auf Abfall vom Glauben abzielt: „Alles halb so wild, man will ja auch etwas vom Leben haben, der liebe Gott ‚ist gar nicht so‘, man lebt nur einmal“ usw. usf. )

    Nur ein Beispiel dazu: Dieses „katholische“ Magazin versuchte vor einigen Monaten den Beweis zu führen, daß schamlose Frauenkleidung -bzw. der im Sommer in vielen Fällen stattfindende Mangel beinahe jedweder Bekleidung – ganz im Sinne der katholischen (Sitten-) Lehre sei, denn schließlich sei die Schönheit der Frau ein göttliches Geschenk. Ein völlig unsinniger, an Lächerlichkeit kaum zu überbietender Fehlschluß, der, um nur dies zu erwähnen, die Situation der Menschheit nach dem Sündenfall im pelagianischen Sinne gründlich verzeichnet. Die menschliche Realität und die katholische Lehre sprechen eine andere Sprache, als die schleimig-angepaßten falschen Propheten, rabulistischen Pharisäer und unbedarften Spießer von „The Cathwalk“.

    Der in jeder Hinsicht hanebüchenen Stellungnahme gegen die Dubia scheint gleichfalls die soeben angedeutete Grundeinstellung zugrunde zu liegen: „Ja, wir wollen katholisch sein, aber es paßt uns nicht in den Kram, daß dies irgendwie Kampf bedeuten könnte. Schließlich wollen wir vor allem genießen.“ In diesem Sinne wird jetzt dort ein rein interessengeleiteter, heuchlerischer und quietistischer Papalismus propagiert, der im Grunde willentliche Blindheit bedeutet – hinsichtlich der Glaubenslehre über das Papsttum sowohl, als auch der aktuellen kirchlichen Lage. Eine solche Blindheit aber ist gleichbedeutend mit ignorantia vincibilis bzw. affectata – die nichts entschuldigt, weder theoretisch, noch moralisch-praktisch.

    Etwas Gutes hat der von „The Cathwalk“ initiierte Aufruf immerhin: Dessen Unterzeichner geben sich öffentlich als Personen zu erkennen, denen kein Katholik in religiösen Angelegenheiten Vertrauen schenken kann.

  4. Trittbrettfahrer oder Verteidiger der Wahrheit?
    Jeder braucht ein Korrektiv, das lehrt das Leben. The Cathwalk und deren Weckrufunterzeichner sollten mal diese Gegenstellungnahme lesen, vielleicht sind ja „noch korrigierbare Positionen“ im Denken vorhanden.
    Vielleicht ist aber der Weckruf mehr ein „Zweckruf“ denn ein Weckruf. Ein Zweckruf zunächst in eigener Sache: Aufmerksamkeit für sich selber generieren? Kontrovesen eignen sich hervorragend für Trittbrettfahrer, um sich auf ein Thema mit draufzusetzen und für sich selbst neue Anhänger zu sammeln.
    Denn, wollte The Cathwalk wirklich Papst und Kirche helfen, hätte eine glaubhafte Aktion ein Ruf zu Gebet, Fasten und Opfer für Papst und Kirche sein müssen. Und dies ohne ein Wort der Schmähung anderer Personen.

  5. Der Aufruf ist verwerflich.
    Im Grunde wird hier ein Aufruf zur Blindheit gegenüber dem Wüten von Papst Franziskus gemacht. Das ist keine katholische Gesinnung.

    Einige der unterfertigten Personen kenne ich persönlich oder über deren Veröffentlichungen. Die Verwirrung der Franziskus-Ära ist jetzt definitiv im „konservativen“ Milieu angekommen.
    Mit Entsetzen nehme ich daher die anderen Beiträge auf Cathwalk wahr.
    In gewisser Weise ist das schlimmer als die offen „progressive“ Publizistik, weil Arglose verleitet werden.

    Im übrigen sind die Postings von
    @Maximilian
    und
    @Antifebronius
    sehr beachtenswert.

    • @ Herrn Schrems,
      Sie haben Recht! Man wird nicht nur verleitet, sondern vollends verwirrt, sodaß man völlig den Überblick zu verlieren droht. Man erkennt deutlich, wie fast alle Autoren bei Cathwalk sich in Nebensächlichkeiten verlieren oder wie sie mit geschlossenen Augen blinden Papstgehorsam gegenüber dem Göttlichen Gehorsam vorziehen und propagieren. „Blinder Gehorsam ist nicht katholisch“sagte Erzbischof Lefevbre einmal. Man muß Gott mehr gehorchen, als den Menschen selbst wenn es der „Papst“ ist. Die Art und Weise wie man dort mit den berechtigten Dubia der vier Kardinäle zu Amoris Laetitia umgeht ist ebenso beschämend wie die beleidigenden Äusserungen und Unterstellungen gegenüber dem heiligmäßigen und treuen Hirten Gottes – Kardinal Burke.

  6. Ich habe mir die Seite des Magazins angesehen: handwerklich ziemlich professionell, inhaltlich schauerlich. Wohl moderner schweizer Katholizismus.
    ABER:
    Es gibt wohl eine Leserbrief- und Kommentarfunktion. Und ich denke, da könnten sich viele qualifizierte katholisches.info Kommentatoren engagieren. Und zwar fortiter in res, suaviter in modo.
    Auf katholisches haben doch eh alle im wesentlichen die selbe Ansicht, und Streitigkeiten sind oft um Details. Auf Cathwalk würde gelten: viel Feind, viel Ehr‘. Und vor allem auch die richtigen Feinde.
    Ich werde mich im Rahmen meiner Möglichkeiten dort engagieren.

    • @Uli – Ihr Vorschlag sich bei cathwalk zu engagieren in allen Ehren, aber das sprengt – zumindest in meinen Augen – jeglichen zeitlich möglichen Rahmen. Ich habe gerade einige der vielen endlosen Kommentare zu dem sogenannten Weckruf gelesen – dort herrschen Chaos, Verwirrung und Machtgehabe pur. Besonders auch, weil sich dort eine hier bei katholisches info mit Recht gesperrte Kommentatorin mit unmöglichen und oftmals beleidigenden unwahren oder willkürlichen Äusserungen beteiligt oder zutreffenderweise müsste man sagen: Sie liefert sich als „gebildete Theologin“ ständig Wortgefechte mit anderen Teilnehmern. Diese Dame benimmt sich wie die selbstgefällige Eigentümerin dieser Seite – obwohl ich davon ausgehe, dass sie lediglich eine Kommentatorin unter vielen ist. Ausserdem fällt auf: bei cathwalk gibt man sich betont papsttreu und medienaffin – von Gott hört man dagegen kaum etwas. Gott selbst kann sich bei Cathwalk weder äussern noch verteidigen. Deshalb liest man viele Kommentatoren, die sich gegenseitig ständig zu übertrumpfen suchen, was keine christliche Tugend ist. Was den Weckruf bzw. die einzelnen Kommentare auf Cathwalk betrifft, so könnte ich die weitaus meisten anhand der Bibel als alles andere als katholisch entlarven. Wie gesagt ich könnte – aber aus Zeitgründen will und werde ich dort nicht mitschreiben. Gegen stürmisch-aggressive Windmühlen zu kämpfen, macht eh keinen Sinn. Was ich überhaupt nicht mag, ist dass man bei Cathwalk – auch durch diese eine Dame im besonderen – stets Worte in den Mund gelegt bekommt, die man gar nicht geschrieben hat. Akademischer Dünkel, Besserwisserei, Neid und Willkür treffen aufeinander und passen dort gut zusammen.
      Ich schreibe hier bei katholisches info deshalb mit, weil ich es wichtig finde, unseren traditionellen katholischen Glauben immer wieder im Hinblick auf Gott, die Bibel, die Heiligen, Gottes Lehren, Gebote, den Katechismus auch unter Beachtung katholischer Mystik zu reflektieren und zu bekennen.

  7. Insbesondere das anhaltende Schweigen von Bergoglio auf die fünf Fragen mit dem Heiligen Schweigen von Jesus zu vergleichen ist geradezu grenzwärtig.
    Wer das heilige Magisterium gering achtet von dem ist auch nicht zu erwarten dass er das verantwortungslose Handeln des Amtinhabers beim Namen nennt.

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