Kein leerer Stuhl mehr – Konzert für Papst Franziskus diesmal ganz abgesagt


Konzert in Audienzhalle Paolo VI.(Vati­kan) Das für Sams­tag, den 16. Novem­ber vor­ge­se­he­ne Kon­zert für Papst Fran­zis­kus zum Abschluß des Jahrs des Glau­bens wur­de kurz­fri­stig abge­sagt. Der Päpst­li­che Rat zur För­de­rung der Neue­van­ge­li­sie­rung woll­te damit ver­mei­den, daß in der gro­ßen Audi­enz­hal­le der Stuhl des Pap­stes erneut leer bleibt.

Das Kon­zert soll­te heu­te um 18 Uhr in der gro­ßen Audi­enz­hal­le Aula Pao­lo VI. statt­fin­den. Am ver­gan­ge­nen 22. Juni hat­te der­sel­be Päpst­li­che Rat bereits ein „Gro­ßes Kon­zert der klas­si­schen Musik im Jahr des Glau­bens“ im sel­ben Saal orga­ni­siert, eben­falls für den Papst. Anlaß war auch damals das von Papst Bene­dikt XVI. aus­ge­ru­fe­ne Glau­bens­jahr. Das Sym­pho­nie­or­che­ster der RAI unter der Lei­tung von Juraj Valčuha und der Chor der Acca­de­mia Nazio­na­le di San­ta Ceci­lia führ­ten die Sym­pho­nie Nr. 9 in d‑Moll, Op. 125 von Lud­wig van Beet­ho­ven auf. Ursprüng­lich war das Kon­zert noch für Papst Bene­dikt XVI. geplant gewe­sen. Das Pro­gramm war dann auf des­sen Nach­fol­ger umge­stellt wor­den, der Saal bis auf den letz­ten Platz gefüllt, doch der Stuhl von Papst Fran­zis­kus blieb leer. Betre­te­ne Gesich­ter unter den Musi­kern, Inter­pre­ten und den 12.000 Kon­zert­be­su­chern. Ein sicht­lich ver­le­ge­ner Kuri­en­erz­bi­schof Rino Fisi­chel­la, Vor­sit­zen­der des Päpst­li­chen Rats für die Neue­van­ge­li­sie­rung, begrün­de­te die Abwe­sen­heit mit „drin­gen­den“ Amts­ge­schäf­ten des Kirchenoberhaupts.

Papst fehlte bei zwei Konzerten, ein drittes Mal wollte der Vatikan das Risiko nicht mehr eingehen

Weni­ge Tage spä­ter wie­der­hol­te sich das Sze­na­rio. Der Leip­zi­ger Tho­man­erchor gab erst­mals auf Ein­la­dung des Hei­li­gen Stuhls in der Six­ti­ni­schen Kapel­le ein Pri­vat­kon­zert für den Papst. Des­sen Teil­nah­me war ent­spre­chend vor­her ange­kün­digt wor­den. Papst Fran­zis­kus erschien jedoch erneut nicht. Das Pres­se­amt des Vati­kans bemüh­te sich, die­ses „Detail“ zu über­spie­len, nach­dem die Bil­der vom lee­ren Stuhl durch die Welt­pres­se gegan­gen waren. In der Six­ti­ni­schen Kapel­le räum­te man den Stuhl des Pap­stes sicher­heits­hal­ber bereits vor Kon­zert­be­ginn weg.

„Ich bin kein Renaissancefürst“

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag vor­mit­tag waren wegen einer Ver­küh­lung die geplan­ten Audi­en­zen für die Kar­di­nä­le abge­sagt wor­den. Die Nicht­teil­nah­me am Kon­zert sei intern aber schon vor einem Monat mit­ge­teilt wor­den mit dem Hin­weis, daß der Papst eine „nüch­ter­ne und ein­fa­che“ Linie wün­sche. Ein Kon­zert „zu sei­nen Ehren“ wür­de ihn als „Sou­ve­rän“ zei­gen. Ein Bild, das dem Papst miß­fal­le. Er zie­he es vor, sich aus­schließ­lich sei­nem Hir­ten­amt zu wid­men. Die renom­mier­te­ste Tages­zei­tung Ita­li­ens, der Cor­rie­re del­la Sera zitier­te im Juni das Gerücht, Papst Fran­zis­kus habe sei­ne Absa­ge mit den bar­schen Wor­ten begrün­det, „ich bin doch kein Renais­sance­fürst“. Seit­her wird spe­kul­tiert, ob dem Papst viel­leicht ein­fach das nöti­ge Ver­ständ­nis für klas­si­sche Musik feh­le. Bekannt ist ledig­lich, daß er Wil­helm Furtwäng­ler als Diri­gent schätzt und Tan­go mag.

Offi­zi­ell wird das Jahr des Glau­bens am Sonn­tag, den 24. Novem­ber mit einem Pon­ti­fi­ka­len Hoch­amt auf dem Peters­platz abge­schlos­sen, das der Papst selbst zele­brie­ren wird. Wenig Tage vor­her wird er am Don­ners­tag ein kon­tem­pla­ti­ves Klo­ster der Kamald­u­len­se­rin­nen auf dem Aven­tin auf­su­chen und dort die Ves­per beten.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Fon­da­zio­ne Bartolucci