Unterschiedliche NGO-Modelle: katholisches und linkes Modell – 82 % Privatmittel versus 85 % Steuergelder

(Madrid) Praxis und Wirklichkeit von privaten Hilfsorganisationen können ganz unterschiedlich sein. Einen interessanten Vergleich stellte der spanische Journalist Pablo J. Ginés von Religion en Libertad an. Er verglich die größte links-laizistische und die führende katholische Hilfsorganisation Spaniens.
Während sich das katholische Hilfswerk Manos Unidas zu 82 Prozent privat finanziert, wird die linke Solidaridad Internacional zu 85,4 Prozent aus öffentlichen Steuermitteln finanziert.

Der Unterschied scheint unübersehbar und ist dennoch den meisten nicht bekannt. Emblematisch ist er allemal. Legt man das Verhältnis um auf die Fähigkeit, Menschen anzusprechen, einzubinden, zu mobilisieren, für ein Hilfsanliegen zu gewinnen, zu spenden, dann wird die Effizienz des gern belächelten katholischen Modells sichtbar, die jene der Laizisten um ein Vielfaches überrundet.

„Wir vertreten die Caritas als Ausdruck der christlichen Nächstenliebe: das bedeutet Liebe und Gerechtigkeit“, erklärt die Vorsitzende von Manos Unidas. Der Vorsitzende der sozialistischen Hilfsorganisation Solidaridad Internacional (www.solidardad.org), Juan Manuel Egulagaray glaubt hingegen, zumindest sagt er es, der katholische Verband würde genauso von öffentlichen Geldern leben wie sein der sozialistischen Partei Spaniens nahestehender Verband. Ein gewaltiger Irrtum.

Die 1986 gegründete Internationale Solidarität, deren Kürzel SI nicht zufällig jenem der Sozialistischen Internationalen entspricht, bezeichnet sich selbst als „nicht konfessionell, fortschrittlich und unabhängig“. Bis 2004 war Leire Pajà­n Vorsitzende, die gleichzeitig von 2000 bis 2004 auch die Internationalen Beziehungen der Sozialistischen Partei betreute, dann Staatssekretärin für die internationale Zusammenarbeit wurde, 2008 Geschäftsführerin des PSOE und schließlich bis zur Ministerin für Gesundheit, Soziale und Gleichberechtigung aufstieg.

Unterschied 1: Linke „Solidarität“ mit Steuergeldern

Der erste offensichtliche Unterschied im direkten Vergleich der beiden Organisationen ist die Fähigkeit zur Aufbringung von Geldmitteln und deren Herkunft. Solidaridad Internacional bezog 85,4 Prozent ihrer Mittel aus dem Steuertopf, die ihr durch linksregierte politische Gremien auf staatlicher, regionaler oder kommunaler Ebene zuerkannt wurden. Lediglich 14,6 Prozent (oder etwa 2,6 Millionen Euro) ihrer Mittel wurden privat aufgebracht. (Jahresbericht 2010). Die 85,4 Prozent kamen wie folgt zusammen: 39 Prozent davon wurden direkt von Parteifreunden in der Regierung durch die Agentur für Internationale Entwicklungszusammenarbeit (AICED) beigesteuert, die von der Regierung abhängt; 31,2 Prozent stammten aus den linksregierten Regionen; weitere 12,8 Prozent steuerte die Europäische Union bei, vor allem das Europäische Amt für humanitäre Hilfe und die Vereinten Nationen; 11,7 Prozent von spanischen Provinzregierungen und Kommunen sowie 5,3 Prozent von anderen öffentlichen Quellen. Das Motto der Solidaridad Internacional lautet mit antikatholischem Ton „No caridad, es solidaridad“ und damit recht überheblich, wenn man weiß, woher die Gelder dieser Solidarität stammen. Manos Unidas sammelte im selben Jahr 2010 42,6 Millionen Euro oder 80 Prozent seiner Mittel privat.

Unterschied 2: Katholisches Hilfswerk Teil eines kapillaren Netzwerks das schnell, direkt und kostengünstig weltweit helfen kann

Der zweite große Unterschied ist die organisatorische Vernetzung. Manos Unidas ist Teil des internationalen katholischen Netzwerkes von Hilfswerken (www.cidse.org), die Vorsitzende Myriam Garcia Abrisqueta ist Mitglied des Päpstlichen Rats Cor Unum, gewissermaßen des Solidaritätsministeriums des Papstes. Diese Einbindung garantiert eine ständig aktuelle Kenntnis der globalen Realität und Informationen aus erster Hand aus allen Ländern der Erde.

Gleichzeitig verfügt die katholische Kirche über ein einzigartiges, nicht annähernd von irgendeiner internationalen Institution oder Organisation erreichtes oder auch nur erreichbares kapillares Netz über den ganzen Erdball. Jede Pfarrei, jede Gruppe von Gläubigen, jeder Missionar irgendwo kann potentiell zu einem Stützpunkt des Hilfswerks werden, ohne daß dazu Büros eröffnet, Strukturen errichtet, Personal- und Verwaltungskosten zu entrichten sind. Auf diese Weise werden die Hilfsbedürftigen, wo auch immer, auf dem direktesten und kostengünstigsten Weg erreicht.

Wie das hingegen bei der Internationalen Solidarität läuft, zeigt ein ganz aktuelles Beispiel von Juni 2012, als ein Gruppe von Panama Kontakte suchte. SI (klingt wie Sozialistische Internationale) antwortete, daß es ihr leid täte, doch sei eine Zusammenarbeit derzeit nicht möglich, da SI in jenem Land über keine Niederlassung verfügt. SI konnte nicht anders als die Empfehlung auszusprechen, Kontakte zu Organisationen zu suchen, die über eine Niederlassung in Panama verfügen.

Manos Unidas mußte nie auf diese Weise auf ein Hilfsansuchen antworten, weil es keine Niederlassung vor Ort braucht, weil sie auf das große Netz der Kirche, das Netz von Diözesen, Pfarreien, Orden und Missionen zurückgreifen kann.

Unterschied 3: Die Art der Hilfe – Internationale Solidarität fördert Tötung ungeborener Kinder

Der dritte große Unterschied liegt an der Art der Hilfe, die angeboten wird. Manos Unidas richtet sich am Lehramt der Kirche aus. Sie hilft den Frauen, Kindern, Familien, den Müttern, den Schwangeren, den Alten, den Kranken. Sie steht immer auf der Seite des Lebens, immer auf der Seite der Frauen und auf der Seite der Kinder, ist immer Für etwas, nie dagegen.

Die Internationale Solidarität spricht von „Gesundheit“, meint aber „reproduktive Gesundheit“. Sie fördert in den Ländern, die Hilfe brauchen, künstliche Verhütung, Sterilisierung und Abtreibung. Mit der „Hilfe“ ist ideologischer Kampf verbunden. Das sich darin widerspiegelnde Menschenbild ist völlig unvereinbar mit dem christlichen Menschenbild von der unveräußerlichen Würde eines jeden Menschen.

Katholische Hilfe funktioniert trotz Finanzkrise – Linke Hilfe von Kürzung öffentlicher Mittel betroffen

Manos Unidas (www.manosunidas.org) sammelte 2009 54 Millionen Euro, 77 Prozent davon waren Privatspenden. 2010 betrug der Anteil der Privatspenden sogar 80 Prozent, weil die öffentliche Hand wegen der Finanzkrise die Mittel kürzte. 2011 stieg der Anteil an Privatspenden weiter und erreichte mehr als 82 Prozent bei einer Gesamtsumme von fast 52 Millionen.
Trotz der Finanzkrise, die Spanien beutelt, gingen die Mittel von Manos Unidas in zwei Jahren nur um 3,7 Prozent zurück. Ein Rückgang, der durch die Kürzungen der öffentlichen Hand bedingt war, da die Privatspenden wegen der Großzügigkeit der Gläubigen noch zunahmen. 2011 konnte das katholische Hilfswerk 605 neue Hilfsprojekte auf der ganzen Welt genehmigen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Religion en Libertad

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