Das fast ausgelöschte Christentum Algeriens

(Algier) Der größte Staat Afrikas definiert sich selbst als islamisch. An der Renovierung der Basilika Notre Dame d’Afrique in der Hauptstadt beteiligte sich jedoch auch der Staat mit einer nicht unbedeutenden Summe von 1,5 Millionen Euro. An der Wiedereröffnung nahmen Regierungsmitglieder und Imame teil. Wir sind in Algier, der Hauptstadt eines Landes, das in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts von einem blutigen Bürgerkrieg gezeichnet wurde, der mehr als 200.000 Tote forderte.

Statistisch nicht existent werden die Christen gemeinsam mit den Juden geführt

Die Christen Algeriens sind faktisch nicht existent, zumindest in den offiziellen Statistiken. Das Statistische Amt des nordafrikanischen Staates führt sie mit einem Prozent zusammen mit den Juden. Unter den 35 Millionen Einwohnern leben rund fünftausend Christen, von denen die meisten Ausländer aus anderen afrikanischen Staaten sind. Diese verschwindend kleine Gemeinschaft zählt jedoch 19 Märtyrer in ihren Reihen, die in den 90er Jahren dem Morden zum Opfer fielen. Darunter sind zehn Prozent des im Land tätigen Klerus, so auch die sieben Trappistenmönche von Tibhirine, die 1996 Opfer eines Massakers wurden.

Im 5. Jahrhundert gab es 500 Diözesen, heute sind es drei

Die Kirche schlug noch im Jahrhundert, in dem Jesus Christus lebte, ihre ersten Wurzeln in Algerien. Die Geschichte ist für den Erzbischof von Algier, Msgr. Ghaleb Bader, Lehrmeisterin des Lebens: „Dieses Land hat viele Kirchenväter beherbergt, angefangen vom heiligen Augustinus. Im 5. Jahrhundert hatten wir hier rund 500 Diözesen mit mehr als 1000 Bischöfen. Doch im 7. Jahrhundert wurde das Land von den moslemischen Arabern besetzt und alles wurde anders.“

Das Christentum verschwand im Laufe der Jahrhunderte fast vollständig, doch es überlebte im Kleinen, fast Verborgenen. Heute gibt es in Algerien noch drei Diözesen. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 verlangt eine Sondererlaubnis für religiöse nicht-islamische Feiern. Wer auch nur den Versuch unternimmt, einen Moslem zu einer anderen Religion zu konvertieren, dem droht eine Gefängnisstrafe von zwei bis fünf Jahren.

Sondererlaubnis für Heilige Messe – 5 Jahren Gefängnis für Konversionsversuch

„Einen Dialog mit den religiösen Führern des Islam gibt es praktisch nicht, wenn wir auch häufig offizielle Begegnungen haben“, so Msgr. Bader. Der Erzbischof von Algier ist jedoch überzeugt, daß es noch eine andere Form des Dialogs gibt, die noch effizienter ist: Der Dialog des täglichen Lebens. „Die christliche Gemeinschaft, so klein sie auch ist, kann und will nicht nur auf sich selbst bezogen sein und damit wie in einem Getto leben.“

„Frauen und Männer zu treffen, die anders als wir sind, ist auch eine Form des Dialogs. Fünf Mal am Tag den Gebetsruf für Andersgläubige zu hören, ist auch für uns in dieser Umgebung ein Ruf zu unserem Glauben“, so Msgr. Bader. Der Erzbischof von Algier ist so fest überzeugt von dieser Form des Dialoges, daß er nicht einmal die islamischen Parteien fürchtet („Auch sie müßten die Menschenrechte achten.“). Allerdings haben bei den Parlamentswahlen vom 10. Mai die Regierungsparteien einen Sieg davongetragen. Der Urnengang wurde zum Debakel für die Islamisten.

Märtyrerkloster von Tibhirine Symbol des christlichen Dialogs

In Algerien gibt es auch Bemühungen für einen geistlichen Dialog mit den Moslems. In Tibhirine, dem Märtyrerkloster, in dem bei einem Überfall alle Trappistenmönche ermordet wurden, entstand durch die Mönche „Ribat as salam“ (Friedensverbindung). Seit 30 Jahren treffen sich dort Christen und Moslems.

Msgr. Bader, ein Jordanier, ist der erste arabische Erzbischof von Algier. Er weiß nur zu gut, daß der religiöse Extremismus sich im Nahen Osten immer mehr ausbreitet. Das solle, so der Erzbischof, aber eigentlich „Aufforderung an uns sein, noch mehr unseren Glauben zu vertiefen und die Begegnung mit den anderen zu suchen.“

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons(Mehnimalik

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