Petersplatz in Rom wird „Farbe wechseln“ – Bis 2015 Originalzustand nach Berninis Plänen wiederhergestellt

(Vatikan) In zweieinhalb Jahren wird der Petersplatz in Rom wieder in seiner ursprünglichen Form erstrahlen, wie er Mitte des 17. Jahrhunderts gewollt, geplant und errichtet worden ist, berichtet der Osservatore Romano. Die Restaurierungsarbeiten haben bereits bei den Kolonnaden des Bernini begonnen. Bald wird dieser einzigartige Platz wieder in seinen alten Farben und seiner Vollständigkeit zu bewundern sein. Der Petersplatz ist nicht nur eines der größten Bauwerke des Barock, sondern auch Ausdruck architektonischen und städteplanerischen Schaffens. Der Platz wurde ausdrücklich mit Blick auf öffentliche religiöse Zeremonien geschaffen. Er hat neben ästhetischen und künstlerischen, auch eine praktische Funktion. Die hohe Konzentration an Allegorien, die auf den universalen und ökumenischen Anspruch der Kirche verweisen, bietet den Betrachtern unerschöpfliche Anschauungsmöglichkeiten. Die riesige Baustelle sieht die Restaurierung aller architektonischen und dekorativen Elemente des Platzes vor. Das sind 284 Säulen, 92 Pfeiler , 140 Statuen, sechs große päpstliche Wappen, 1200 Meter Balustraden und ebenso viele Gesimse sowie 3400 Quadratmeter Kassettendecken im Inneren der Bogengänge. Hinzu kommen auch die beiden großen Zwillingsbrunnen, die Fontana Clementina und die Fontana Gregoriana und natürlich der 42 Meter hohe ägyptische Obelisk aus Granit, den Papst Sixtus V. 1586 am Mittelpunkt des Platzes errichten ließ.

Sogar die Beleuchtung rund um den Obelisken aus dem 19. Jahrhundert wird restauriert, wie Pier Carlo Cuscianna, der Direktor des Technischen Dienstes des Vatikans mitteilt. Die wissenschaftliche, künstlerische, geschichtliche und denkmalpflegerische Betreuung der Arbeiten obliegt den von Antonio Paolucci geleiteten Vatikanischen Museen. Für die Ausführung selbst stehen eine ganze Reihe hervorragender Restaurateure und Fachkräfte aller dafür notwendigen Disziplinen zur Verfügung.

Demnächst wird bereits ein erster kleiner Teil der Kolonnaden enthüllt, an denen die Restaurierungsarbeiten bereits abgeschlossen werden konnten. Während der übrige Platz schrittweise für die Arbeiten verhüllt wird, können die Rompilger und Besucher der Ewigen Stadt bereits die künftige Gestaltung des Platzes erahnen.

Der in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellte Petersplatz wird seinen Abschluß in der ebenfalls zu ihrem Ursprung zurückgeführten Fassade des Petersdoms krönend finden, wie es Gian Lorenzo Bernini im 17. Jahrhundert geplant und geschaffen hatte. Der Petersplatz, eines der bekanntesten Symbole der Christenheit, wird also bald Farbe wechseln. Anstelle des derzeitigen Ockergelb, das Ende des 19. Jahrhunderts aufgetragen wurde, werden die Gänge Karls des Großen und Kontantins des Großen, die die Basilika mit den Kolonnaden verbinden, wieder im Weiß des römischen Travertin erstrahlen. So sieht es das von Bernini unterschriebene Originalprojekt vor, das gefunden wurde.

Es genügten wenige Proben an den beiden Flügeln, um die Bestätigung zu haben, daß Berninis Projekt tatsächlich umgesetzt worden war. Unter dem Ockergelb kam der helle Travertin zum Vorschein mit dem Originalanstrich Berninis, dessen Zusammensetzung genau entziffert werden konnte.

Für das Auge des Betrachters werden durch die Wiederherstellung des Originalzustandes den Eindruck von Tiefenwirkung vermitteln, so daß manche Teile näher und andere entfernter scheinen. Je nach Lichteinfall wird der Farbeindruck anders erscheinen.

Nach Abschluß der Arbeiten werden Platz, Kolonnaden die beiden Verbindungsflügel und die Fassade des Petersdomes wieder eine wirkliche Einheit bilden. Die Restaurierungsarbeiten sollen bis 2015 abgeschlossen sein. Die Einzigartigkeit des Restaurierungsobjekts führte zur Entwicklung einer innovativen Technik: einer mobilen Baustelle, die sich auf Schienen auf dem Dach der Bogengänge fortbewegt. Damit sollen die Einschränkungen für die zahlreichen Bewunderer aus aller Welt währen der Restaurierungsarbeiten möglichst gering gehalten werden.

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

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