Bosnische Katholiken auch 15 Jahre nach Kriegsende diskriminiert

(Sarajewo) Der katholische Bischof von Banja Luka beklagt daß 15 Jahre nach Ende des Bosnienkrieges „die Religionsfreiheit noch immer nicht allen Glaubensbekenntnisse garantiert wird“.

Wörtlich sagte Bischof Franjo Komarica: „In Bosnien verschließt die internationale Staatengemeinschaft die Augen vor den schwerwiegenden Verletzungen grundlegendster Menschenrechte.“ Bischof Komarica sprach mit dem Hilfswerk „Kirche in Not“ über die Diskriminierung der Katholiken im Balkanstaat. Den Katholiken werde noch immer die Rückkehr in ihre Heimatorte und ihre Häuser verweigert, aus denen sie während des Bosnienkrieges gewaltsam vertrieben worden waren. „Den Betroffenen wird ein elementares Menschenrecht vorenthalten: das Recht auf Heimat“, so der katholische Bischof.

Im Bosnienkrieg wurden allein in der Diözese Banja Luka mehr als 70.000 Katholiken aus ihren Häusern vertrieben und zu Flüchtlingen gemacht. Laut Schätzungen konnten bisher lediglich 5800 in die Heimat zurückkehren. Die rund 250.000 vertriebenen Moslems konnten bereits vor Jahren in ihre Dörfer und auf ihren Besitz zurückkehren. „Ein weiterer Beweis dafür, daß die Ungerechtigkeit dieser ethnischen Säuberung heute toleriert wird“, so Bischof Komarica.

Die Vertreibung der katholischen Minderheit wird auch vom österreichischen Diplomaten Valentin Inzko bestätigt, der seit 2009 Hoher Repräsentant der Europäischen Union für Bosnien-Herzegowina ist und damit das Amt eines Protektors ausübt. Inzko sagte gegenüber ACS wie sehr sich „die Katholiken schwertun, Arbeit zu finden und sich durch die Behörden benachteiligt und diskriminiert fühlen.“

Inzko kündigte an, entsprechend bei den bosnisch-moslemischen Behörden zugunsten der katholischen Minderheit intervenieren zu wollen, „sobald die neue Regierung im Amt sein werde“. Seit den Wahlen im Oktober 2010 konnten sich die Parteien noch auf keine Regierungsmehrheit verständigen. Die Zweifel unter den Katholiken, daß sich bald etwas ändert, sind entsprechend hoch.

„Der entscheidende Punkt, der über die Zukunft des Landes entscheidet, ist die Verbesserung der sozialen Verhältnisse“, sagte der Apostolische Nuntius, Msgr. Alessandro D’Errico. „Wir müssen den Menschen, vor allem auch der Jugend konkrete Perspektiven geben, sonst suchen sie sie woanders.“ Msgr. D’Errico erinnert vor allem an die „Europäischen Schulen“, die sowohl von Katholiken als auch von Moslems besucht werden und stark an der Versöhnung der beiden bosnischen Volksgruppen arbeiten.

Text: Vatican Insider/Giuseppe Nardi
Bild: Wikimedia

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