Kinder zwischen sozialistischer Vermarktung und individualistischem Freiheitswahn – Gesellschaft gerät durch politische Beliebigkeit der CDU unter die Räder

von Liudger Berresheim

Christliche Wähler sind enttäuscht, daß der von der CDU ausgerufenen „geistig moralischen Wende“ Anfang der 80er Jahre keine Taten folgten. Lang ist die Liste derjenigen geworden, die -spätestens- seit dem Stück für Stück an dem Ast sägen, der die Zukunft unserer gesellschaftlichen Ordnung trägt. Mit süßem Mund wurde vor Jahrzehnten das Abtreibungs“unrecht“ weiter legalisiert bis hin zur heutigen „Familien“ministerin im Bund, der es ein Dorn im Auge ist, die traditionelle Familie (des Grundgesetzes) weiter zu bevorzugen.

Längst gibt es Rückendeckung aus dem derzeit „gelb“ geführten Bundesministerium der Justiz, die in Fortführung ihrer „roten“ Vorgängerin gleich alle Lebensentwürfe gleich stellen will. Ob „schwarz-gelb“, „schwarz-rot“ oder „rot-grün“: alle politischen Farbgestaltungen haben in den vergangenen Jahren die Kernzelle der Gesellschaft, das gute Zusammenleben von Papa, Mami und (mehreren!) Kindern ausgehöhlt und dem Verfall preisgegeben durch die ganz einfache Methode der Nicht-Beachtung, beispielsweise im Steuerwesen.

Statt dessen ist allgemein bekannt, Kinder sind – da Mangelware – ein kostbares Gut geworden, um das sich ganze Scharen von Institutionen reißen. Sie werden ihren natürlichen Erzieherinnen kunstvoll aus den Händen gelockt, damit ein paar erwerbstätige Erzieherinnen ihre Arbeitsplätze behalten, die Träger Kosten erstattet bekommen, die Sozialkassen kurzfristig mehr Einnahmen haben und – Steuern an den Staat fließen, der damit einen Teil seines gesetzlich verordneten Mißbrauchs am Kindeswohl refinanziert.

Natürlich wird man eine derart platte Begründung nicht verlautbaren lassen. Dennoch finden sich in regierungsamtlichen Dokumenten zunehmend unverhohlen der „ökonomische Nutzen“ beschrieben und die „finanzielle Abhängigkeit der Frau, entweder vom Mann oder vom Staat“ ausgeführt.

Angeblich sei es der zahlreiche Wunsch nach Betreuungsplätzen und der gesellschaftliche Wandel, der die Politik handeln lassen muß. Auf einmal kümmern sich alle um „das Beste für die Kleinsten“. Wollen bei Bildung, Erziehung und Betreuung helfend eingreifen, wenn nicht gar diese überwiegend selbst übernehmen. Denn nachts schlafen die Kinder doch. Und keiner fragt, woher dieser „vielfache“ Wunsch auf einmal kommt. Sind die Mütter und Väter heutzutage nicht mehr liebevoll um ihren Nachwuchs besorgt? Ernsthaft kann dies keiner annehmen.

Viel subtiler als über „Verpflichtung“ und „Zwang“ wird über die wirtschaftliche Not vieler Familien die Mitarbeit der Eltern an den staatlichen Erziehungszielen erreicht. Die Verfassungsgerichtsentscheidung zum „Unterhaltsrecht“ vom 28. 02. 2007, die Begrenzung des „Elterngeldes“ auf das erste Lebensjahr, die Einführung des Rechtsanspruches auf frühkindliche Förderung ab Geburt und die ablehnende Haltung zu einem echten „Betreuungsgeld“ drängen geradezu viele Eltern, die mit Milliarden subventionierte „öffentliche Erziehung“ in Anspruch zu nehmen, weil gleichzeitig „Familie“ weder im Steuer- noch im Sozialabgabenrecht eine Rolle spielt.

Wird die Ignoranz gegenüber der „klassischen Familie“ nicht beseitigt, schreitet die Atomisierung der Familie weiter voran und der Druck auf die Eltern aus rein wirtschaftlichen Gründen beidseits erwerbstätig zu werden erhöht sich. Kinder können (und müssen dann vielfach) öffentlich betreut werden in einem Alter, das von vielen Wissenschaftlern bedenklich für die gesunde Entwicklung des Kindes angesehen wird. Die Grundlage einer stabilen Gesellschaft wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Weder dem Gemeinwohl noch dem Prinzip der Subsidiarität wird der Staat gerecht, da er einerseits weit über sein „Wächteramt“ hinaus Erziehungsaufgaben wahrnimmt und andererseits er ihnen gerade die Mittel und Möglichkeiten entzieht, damit Familien ihre verfassungsgemäße Aufgabe erfüllen können. Was auf der Strecke bleibt ist das „Interesse des Kindes“, geboren zu werden, und sein Recht auf Erziehung durch die eigenen Eltern (Artikel 18 der UN – Konvention über die Rechte des Kindes).

Daran wird auch die jüngste Initiative zur Rettung der CDU nichts ändern. Mit ihrer Forderung „Stoppt den Linkstrend!“ ist zwar richtiges gemeint, was fehlt, ist aber die Bereitschaft glaubwürdig der herrschenden Politikverdrossenheit entgegen zu wirken. Statt auf Wählerschichten zu schielen oder die CDU ein wenig mehr in konservative Richtung zu steuern, ist zur Wendung der Not die grundsätzliche Kurskorrektur Notwendig.

So wird auch der neu gegründete Arbeitskreis engagierter Katholiken in der CDU wie ehedem die Christdemokraten für das Leben ein völlig unbedeutendes Dasein in der CDU fristen. Und erinnert stark an das berühmte Feigenblatt mit dem Eva sich gürtete, nachdem sie ihrem Adam den Apfel reichte und erkannte, daß sie nackt war. Jener, froh über die gewonnene Einheit, griff zu und schmückt sich fortan mit dem „CSK“ – den Christsozialen Katholiken in der CSU.

Und wenn diese Parteien ungeniert mit dem Argument der „katholischen Fachkompetenz“ menschliches Leben der kommerziellen Forschungsphantasien opfern, betreibt sie offen Etikettenschwindel „in Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Eben jenem Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts, dem die 10 Gebote zugrunde liegen. Und genau wie diese haben die Grundrechte eine Ewigkeitsgarantie. Es stellt sich daher unweigerlich die Frage, ob die Politik das Grundgesetz ändern darf um der vermeintlich wahrgenommenen „Wirklichkeit“ gerecht zu werden oder der Staat Maßnahmen ergreifen muß, damit die Lebensverhältnisse sich den Grundrechten anpassen können. Ein Verfassungsrichter schmunzelte darüber; die C-Parteien haben lange schon das Grundgesetz aufgegeben.

(Foto: iStockfoto)



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