„Nun gibt es auch einen Pseudo-Ratzinger“ – Scharfer Angriff von Ultrabergoglianern gegen Benedikt XVI. nach Meisner-Requiem

Aufbahrung von Kardinal Meisner. Kniend im Bild Kardinal Woelki.
Aufbahrung von Kardinal Meisner. Kniend im Bild Kardinal Woelki.

(Rom) Am vergangenen Samstag fand in Köln das Requiem und die Beisetzung von Joachim Kardinal Meisner statt. Der emeritierte Erzbischof von Köln war am vergangenen 5. Juli im 84. Lebensjahr verstorben. Benedikt XVI. übermittelte Grußworte zur Beisetzungsfeier, die von seinem persönlichen Sekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, im Kölner Dom vorgelesen wurden. Die Wortmeldung des vormaligen Papstes löste unter Ultrabergoglianern heftige Reaktionen aus.

Kardinal Meisner, der als Kind die Vertreibung aus seiner ostdeutschen Heimat Schlesien und anschließend mehr als 40 Jahre kommunistische Diktatur in Mitteldeutschland miterleben mußte, ist einer der vier Unterzeichner der Dubia (Zweifel) zum umstrittenen nachsynodalen Schreiben Amoris laetitia von Papst Franziskus. Die vier Kardinäle, die im September 2016 fünf Fragen an Franziskus gerichtet haben, gelten seither dem päpstlichen Hofstaat und überzeugten Bergoglianern als Hauptfeindbild. Unerschrocken hielt Kardinal Meisner an den Fragen fest, die eine Kritik an der jüngsten Entwicklung in der Kirche sind. Aus der Welt „heimgegangen“ (Benedikt XVI.) ist er, ohne vom regierenden Papst Antwort auf seine Fragen zu erhalten, und ohne von ihm in Audienz empfangen worden zu sein, um die er mit den anderen Unterzeichnern im April gebeten hatte.

Überzeugende Hirten gesucht, „die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen“

Die Grußworte von Benedikt XVI. wurden daher im Umfeld des Papstes besonders hellhörig registriert. Der 2013 überraschend zurückgetretene Papst ließ in Köln verlesen, daß die Kirche gerade in dieser Zeit „besonders dringend überzeugender Hirten bedarf, die der Diktatur des Zeitgeistes widerstehen und ganz entschieden aus dem Glauben leben und denken“.

Benedikt XVI. ging mit keinem Wort direkt auf den Konflikt des verstorbenen Kardinals mit dem Kurs von Papst Franziskus und die Dubia zu Amoris laetitia ein. Dennoch brachte er alles zur Sprache, indem er zu verstehen gab, Kardinal Meisner als einen solchen „überzeugenden Hirten“ zu sehen, der „der Diktatur des Zeitgeistes“ widerstand.

Diese unüberhörbare Auszeichnung für den Mann, der zusammen mit drei anderen Kardinälen den regierenden Papst herausgefordert hat, trieb einigen Bergoglianern die Zornesröte ins Gesicht. Nicht minder gilt das für eine weitere Stelle im Grußwort von Benedikt XVI., wo dieser den aktuellen Zustand der Kirche mit einem Boot vergleicht, das „schon fast zum Kentern angefüllt ist“. Dieses Bild hatte er auch in der Missa Pro Eligendo Pontifice von 2005 gebraucht, die dem Konklave vorausging, bei dem er zum Papst gewählt wurde. Ein weiteres Mal sprach er 2012 davon, als er die Teilnehmer der Wallfahrt der Katholischen Aktion Italiens segnete, die im Jahr des Glaubens nach Rom gekommen waren.

Ultrabergoglianer fordern von Benedikt XVI. Schweigen

Melloni gegen Benedikt XVI
Melloni gegen Benedikt XVI.

Die Reaktionen konnten nicht ausbleiben, da sich einige Ultrabergoglianer bereits in den vergangenen Monaten über öffentliche Stellungnahmen von Benedikt XVI. beklagten. Im Zusammenhang mit einem Grußwort an Kardinal Robert Sarah, dem Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, das als Nachwort seinem jüngsten Buch „Kraft der Stille“ beigefügt wurde, schäumten führende progressive Vertreter, die sich seit der Wahl von Franziskus in besonders eifrige Papisten verwandelt haben. Alberto Melloni, der Leiter der progressiven „Schule von Bologna“, und Andrea Grillo, einflußreicher Liturgiker in der Ära Franziskus, forderten unmißverständlich, daß Benedikt XVI. gefälligst schweigen solle, und das konsequent.

Dieser läßt sich jedoch nicht den Mund verbieten und übergab seinem Sekretär, Kurienerzbischof Georg Gänswein, ein Grußwort, das dieser in Köln vorlas.

Alberto Melloni, der Leiter der Schule von Bologna, deren Hauptwerk, die mehrbändige Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf Kosten der Deutschen Bischofskonferenz ins Deutsche übersetzt wurde, polterte auf Twitter. Melloni bezweifelte polemisch, daß das Grußwort von Benedikt XVI. stammt. Wörtlich schrieb er in seinem Tweet abschätzig:

„Es gibt einen Proto-Ratzinger, einen Deutero-Ratzinger und jetzt auch einen Pseudo-Ratzinger mit negativen Anspielungen auf den regierenden Papst.“

Mellonis gleichgesinnter Historikerkollege Massimo Faggioli sekundierte:

„Es wäre nett zu wissen, wer die Botschaft von Joseph Ratzinger zum Begräbnis von Kardinal Meisner geschrieben hat.“

Beide haben die Worte von Benedikt XVI. als Kritik an Papst Franziskus verstanden.

Die Ghostwriter von Franziskus und die Gedächtnislücken des Papstes

Von Benedikt XVI. ist bekannt, daß er als Papst alle Texte, die ihm wichtig sind, persönlich mit der Hand schrieb. An dieser Praxis des vielfachen Buchautors dürfte sich nichts geändert haben. Von Franziskus, der nie ein Buch geschrieben hat, weiß man hingegen, er sich für Dokumente der Hilfe von Ghostwritern bedient. Ob die beiden Bergoglianer Melloni und Faggioli vielleicht Benedikt XVI. mit Franziskus verwechselt haben?

Ihre Polemik gilt ganz dem von ihnen schon als Papst abgelehnten Benedikt XVI. Es darf daher mit Sicherheit bezweifelt werden, daß die beiden Bergoglianer mit ihren Seitenhieben auf Papst Franziskus anspielten. Dieser war es allerdings, der am 16. April 2016 auf dem Rückflug von Lesbos, wenige Tage nach der Veröffentlichung von Amoris laetitia,  auf die Frage des Journalisten Jean-Marie Guénois von Le Figaro zugeben mußte, sich nicht mehr genau erinnern zu können, was in dem von ihm gerade veröffentlichten Apostolischen Schreiben geschrieben steht.

Bei derselben Gelegenheit verwies Franziskus, statt auf die Frage von Francis Rocca vom Wall Street Journal zu antworten, auf seine Mitarbeiter: „Ich empfehle Ihnen allen, die Präsentation zu lesen, die Kardinal Schönborn gehalten hat, der ein großer Theologe ist. Er ist Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre und kennt die Lehre der Kirche gut. In jener Präsentation wird Ihre Frage ihre Antwort finden. Danke.“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Youtube/Twitter (Screenshots)

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Feuer und Flamme

Benedikt´s Grußworte wurden auch im Kölner Dom von den Gläubigen als ermutigende Worte eines wahren liebevollen Hirten wahr genommen, dem Gläubige und Kirche am Herzen liegen.
Was sie bei anderen allerdings so vermissen. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen spüren, ob gepredigte Nächstenliebe blosse Idologie ist, oder ob sie tatsächlich, wie bei Benedikt XVI. tatsächlich vorhanden und tief mit der Kirche verwurzelt ist.

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