Das Schicksal des russischen Papstes – Utopischer Roman

Zukunftsroman: "Das Schicksal des russischen Papstes"
Zukunftsroman: "Das Schicksal des russischen Papstes"

Was, wenn der nächste Papst Russe wäre? Würde dann die Weihe Rußlands an das Unbefleckte Herz Mariens möglich werden, die von der Gottesmutter in Fatima vor 100 Jahren als wesentlicher Schritt auf dem Weg zum Weltfrieden genannt wurde?

Ein utopischer Roman

In seinem im Vorjahr erschienenen Roman Das Schicksal des russischen Papstes geht der Autor, Mauro Mazza, von der optimistischen Annahme eines Konklaves im Jahr 2018 aus. Bei diesem Konkave, so der Autor, wird völlig unerwartet der Erzbischof von Sankt Petersburg zum Papst gewählt und legt sich den Namen Methodius zu.

Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: Gemeint ist nicht der Bischof der Diözese Sankt Petersburg in den USA, die in ihrem lateinischen Namen Sancti Petri in Florida eindeutig geographisch zuordenbar ist. Gemeint ist tatsächlich die von Zar Peter dem Großen in Ingermanland in der Bucht von Kronstadt gegründete Stadt, dort wo die Newa in den Finnischen Meerbusen mündet. Dieses Sankt Petersburg war von 1710-1918 die Hauptstadt Rußlands und ist heute mit fünf Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes.

Der Roman ist natürlich Fiktion, denn ein Erzbistum Sankt Petersburg der katholischen Kirche gibt es nicht und hat es auch nie gegeben. Seit 2013 gibt es ein russisch-orthodoxes Erzbistum dieses Namens. Die Stadt selbst ist seit 1742 Sitz eines russisch-orthodoxen Bischofs.

Der Autor

Kein Pseudonym ist der Name des Autors. Mauro Mazza, Jahrgang 1955, ist einer der bekanntesten Journalisten Italiens. Nach der Reifeprüfung, in den „heißen“ 70er Jahren, machte er seine ersten journalistischen Erfahrungen bei der Tageszeitung Secolo d’Italia, dem Parteiblatt der damaligen neofaschistischen Partei MSI. Der Partei, die in den frühen 90er Jahren, nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks, eine Entwicklung zur bürgerlich-konservativen Partei durchmachte, blieb er verbunden.

Mauro Mazza
Mauro Mazza

Den Weg zum Berufsjournalisten öffnete ihm den baldige Wechsel zur Nachrichtenagentur AdnKronos. 1990 wurde er Nachrichtenredakteur beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk RAI, 1998 stellvertretender Chefredakteur der Nachrichtenredaktion von RAI 1, 2002 Chefredakteur der Nachrichtenredaktion von RAI 2. 2008 wurde Mazza schließlich Intendant von RAI 1. Mit der Rückkehr einer linksgeführten Regierung wurde er 2012 auf den Posten eines Intendanten des Senders RAI Sport abgeschoben. Im selben Jahr veröffentlichte er seinen ersten Roman. Seit 2015 gehört er der Redaktion von RAI Vatikan an, womit wir beim Thema seines jüngsten Romans angelangt sind.

Das Konklave

118 Kardinäle versammeln sich nach dem Tod des Papstes in der Sixtinischen Kapelle, um einen Nachfolger zu wählen. Doch es vergehen Tage, es vergehen Wochen, und immer steigt schwarzer Rauch auf. Nach drei Wochen des Stillstandes verständigen sich die zerstrittenen Kardinäle auf eine ganz ungewöhnliche Entscheidung. Sie wählen keinen Kardinal zum Papst, sondern Nikolai Sofanow, den Erzbischof von Sankt Petersburg.

Die Entscheidung sorgt für größtes Aufsehen: ein Papst aus dem orthodoxen Rußland und dazu noch ein Jugendfreund von Rußlands Staatspräsident Wladimir Putin.

Die handelnden Figuren im Roman sind zum Teil real (Patriarch Kyrill, Putin, Gorbatschow, Hans Küng) zum Teil Erfindungen des Autors.

Der Papst, der nicht gefällt

Kirchenfahne (Mittelalter)
Kirchenfahne (Mittelalter)

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gefällt der neue Papst den Mächtigen und der Freimaurerei nicht. Er mißfällt ihnen sogar immer mehr, weil er ganz konkret von der Verteidigung des Glaubens spricht anstatt von Ökologie und vor allem ohne jene Sentimentalität, die „durch Umarmungen und Sketches, zwischen Buona Domenica ((Schönen Sonntag) und Buon Pranzo (Mahlzeit), jeden Unterschied zwischen Papst und Gläubigen beseitigt hatte“. Dabei war es einem Papst Wojtyla „immer, und das bis zum letzten Tag, gelungen, sein Charisma zu bewahren, das allen Respekt und Bewunderung abverlangte: Kardinälen, Bischöfen, Priestern und Laien“ (S. 40).

Mit seinen täglichen Predigten bekämpft Papst Methodius den Modernismus, die laizistischen und protestantischen Abirrungen und die Diktatur des Relativismus:

„Der Papst demoliert jeden Tag viele der sogenannten unantastbaren Annahmen des vorherrschenden Denkens. Er macht es einfach. Er findet immer größere Zustimmung bei den Menschen, zieht sich aber auch eine immer verbreitetere Abneigung zu“ (145).

Die Hochgradfreimaurer lassen die Medien gegen ihn von der Kette. Eine bundesdeutsche Tageszeitung, die bestimmten progressiven Kreisen im Vatikan nahesteht, beschuldigt ihn, die Macht in seinen Händen konzentrieren zu wollen und zuviel vom Glauben zu sprechen:

„Er versucht, die Sakralität vergangener Zeiten wiederzubeleben. In seinen Predigten widerspricht er den laizistischen Werten und den errungenen Rechten. Und als würde das nicht schon genügen, betont er traditionelle Vorbehalte gegen die Demokratie. Sehr bald schon wird sich sein Vorgehen, als destabilisierend erweisen“ (147).

Der Kampf gegen die Globalisierung, gegen die Gender-Diktatur, gegen die Kapitulation vor dem Islamismus und gegen den Zwang zum Ökologismus „als neuer Religion, in der der Mensch nicht mehr die Spitze der Schöpfungspyramide ist, sondern ein Bewohner des Planeten mit denselben Rechten der ‚anderen‘ Tiere“ (108).

Weltregierung und Welteinheitsreligion

Fest entschlossen, Rußland dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen und die Einheit der Ost- und Westkirche wiederherzustellen, trifft sich Methodius mit Putin, der dem Papst gegenüber klagt:

„Die Briten tun das, was ihnen die Amerikaner anordnen. Die Deutschen und die Italiener sind unentschlossen und wankelmütig“ (134).

Die Amerikaner aber folgen mehr oder weniger sklavisch den Entscheidungen der „Bruderschaft“, einer freimaurerischen Organisation, deren einziges Ziel klar definiert ist:

„Die Weltregierung, die Welteinheitswährung (namens Bancor) und die Welteinheitsreligion, die alle Religionen eint und überwindet“ (120).

Der russische Papst

Unter den von der „Bruderschaft“ gelenkten Kardinäle, darunter auch der Vorgänger von Methodius, befinden sich drei, die der „Bruderschaft“ sogar angehören. Deshalb verbreitet sich in der Kirche eine neue kosmische Ethik, „eine Mischung aus Gnosis und New Age“, die eigentlich durch ein Minimum an Vertiefung lächerlich gemacht werden könnte. Denn in ihrer Sichtweise wurde der Mensch allen „anderen Tier gleichgestellt“, allerdings mit einem erschwerenden Element, „nämlich Abtreibung und Euthanasie praktizieren“ zu können. Methodius klagt, daß

„sogar einige Bischöfe, ob aus Oberflächlichkeit oder aus Überzeugung, sich vorstellen können, daß die Katholizität sich in der Zukunft mit anderen Religionen oder deren absurden Parodien mischt und gleichstellt“ (108).

Optimistischer Beginn, düstere Fortsetzung

Der Roman beginnt mit einer optimistischen Perspektive, um dann schnell und immer tiefer in die nüchterne Wirklichkeit einzutauchen. So entfaltet er konkrete Szenarien, die ein düsteres Bild zeichnen. Die geheime „Bruderschaft“ setzt zahlreiche Aktionen, um den neuen Papst zu diskreditieren.

„Den Lesern wird nicht nur eine faszinierende Geschichte, sondern ein nicht weniger spannendes ‚Spiel‘ geboten, herauszufinden, wer sich hinter den Phantasienamen verbirgt, die der Autor für Figuren seines Romans gewählt hat. Das ist allerdings auch der einzige Spaß, den der Roman bietet, denn den Rest bildet das tragische Bild einer Welt, in der die obskure ‚Bruderschaft‘ die Regeln diktiert“, so Corrispondenza Romana.

Wünschenswert wäre es, wenn ein Verlag eine Übersetzung für die Leserschaft des deutschen Sprachraums herausbringen würde. Mazzas Werk ist als Ausdruck unserer Zeit nicht nur ein Zeitdokument, sondern bietet – gekleidet in die Gattung des utopischen Romans – einige erhellenden Einblicke.

Mauro Mazza, Il destino del Papa russo (Das Schicksal des russischen Papstes), Fazi, Rom 2016, 256 Seiten.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana/Wikicommons

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Dr. Dieter Fasen
Ein russischer Papst? Was bedeutet dieses Buch? Zukunft oder phantasievolle Fiktion? Es gibt ein solches (wenig beachtetes Buch) über das jetzige Pontifikat. Das Buchprojekt wurde durch Gelder der bekannten Guggenheimstiftung 1973 gesponsert: Der Autor dieses Romans mit dem Titel „Der Statthalter“ war Walter F. Murphy, Richter Obersten Gerichtshof und Lehrstuhlinhaber in Princeton. Die deutsche Ausgabe erschien 1981. Es handelt von Declan Walsh, einen US-amerikanischen Soldaten, der nach einer erfolgreichen Karriere beim Militär im Korea-Krieg ein hoch anerkannter Richter in den USA wird. Nach dem Tod seiner Frau geht er als Mönch in ein Trappistenkloster. Da die Kardinäle sich nach dem… weiter lesen »
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