Ex-Dschihadist, Mudschaheddin, ISAF-Protegé warnt Europa vor verantwortungsloser Masseneinwanderung

Farhad Bitani - Ex-Offizier, Ex-Mudschheddin, Ex-Dschihadist aus Afghanistan: "Ich will heute mit dem Wort, nicht mehr mit der Kugel meinem Volk dienen".
Farhad Bitani - Ex-Offizier, Ex-Mudschheddin, Ex-Dschihadist aus Afghanistan: "Ich will heute mit dem Wort, nicht mehr mit der Kugel meinem Volk dienen".

(Kabul/Rom) Er ist 30 Jahre alt, hat schwarzes Haar ein leicht gebräunte Haut, freundliche Umgangsformen und einem gelassenen Gesichtsausdruck. Seit 2012 lebt er in Italien, das er sich als freiwilliges Exil ausgewählt hat. Aufgewachsen ist er in Afghanistan und gehört einer der angesehensten Familien des Landes an. Das bedeutet Ansehen, Einfluß und Macht – auch für ihn, den jüngsten Sohn. Er erlebte verschiedene Regime, aber „keinen Tag Frieden“, wie er sagt. Als er geboren wurde, befand sich sein Land unter sowjetischer Kontrolle, regiert von der kommunistischen Demokratischen Volkspartei Afghanistans (DVPA). Von sich selbst sagt er: „Ich habe Frauen gesteinigt“. Dann geriet er in einen Hinterhalt der Taliban und entging nur knapp dem Tod. Es kam zu einer Wende in seinem Leben, als er in Italien Christen kennenlernte. Heute schildert er, was wirklich in Afghanistan Sache ist und warnt vor einer verantwortungslosen Masseneinwanderung nach Europa.

Afghanistan: "Keiner will dort wirklich Frieden, auch der Westen nicht"
Afghanistan: „Keiner will dort wirklich Frieden, auch der Westen nicht“

Sein Vater ist Mohammad Qasim, ein General der Mudschaheddin, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und gegen die Kommunisten kämpfte, dann als Vertrauter Karzais mit den NATO-Truppen gegen die Taliban. Osama bin Laden lobte eine Million Dollar für seinen Kopf aus. Auch der jüngste von sechs Söhnen, Farhad Bitani, schlägt die militärische Laufbahn ein. Er wird Offizier der Afghanischen Nationalarmee während des ISAF-Einsatzes der NATO, die mit UNO-Mandat Al-Qaida und das Islamische Emirat Afghanistan der Taliban bekämpft. 2005 kommt er erstmals nach Rom, wo sein Vater Militärattaché an der afghanischen Botschaft wird. Die ISAF-Operation begann 2001 und endete 2014. Das war die Zeit, als ein deutscher Bundesverteidigungsminister, er hieß Peter Struck und gehörte der SPD an, allen Ernstes behauptete: „Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“. Deshalb leben heute in Deutschland, eine halbe Weltreise von Afghanistan entfernt, mindestens 350.000 Afghanen. Das entspricht einer Großstadt, die in der Liste der deutschen Großstädte an 16. Stelle kommt. Darunter sind „Kollaborateure“ der ISAF-Truppen, offiziell „Helfer“ genannt, und durch „Fantasie-Geschichten über Deutschland“ angelockte, wie Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) im Dezember 2016 erklärte. Man kann es auch anders nennen: Die Probleme anderer Länder importieren. Daß die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan, damit zu tun haben könnte, gehört zu den modernen Tabus. Trotz der weitherzigen deutschen Flüchtlingsbestimmungen fallen weniger als 50 Prozent unter keinen „Schutzstatus“. Doch wer erst einmal in Deutschland ist, den bringt ohnehin niemand mehr raus. Dafür sorgt die Gesinnungsethik, die den Ton angibt.

 

2012 wurden die Kosten des Afghanistan-Einsatzes von der Bundesregierung mit fast 8 Milliarden Euro angegeben. Bereits 2010 hatte jedoch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin in einer Studie die Gesamtkosten auf 36 Milliarden beziffert. Die Folgekosten, darunter die Einwanderung von Hunderttausenden Afghanen nach Deutschland, noch gar nicht eingerechnet. Allein seit der „Flüchtlingswelle“ von 2015 hat sich deren Zahl mehr als verdoppelt. Kein Ende in Sicht, schließlich gilt „Refugee Welcome“. Die bescheidenen Grenzkontrollen sind bestenfalls schlechte Kosmetik.

Das alles ist mitzudenken, wenn es um Afghanistan geht. Ein Land, das die Heimat von Farhad Bitani ist, der die Probleme dort aus nächster Nähe kennt. Er bewegte sich von kleinauf unter einflußreichen Leuten, Politikern, Militärs, islamischen Führern, alles Freunde des Vaters. Er selbst machte mit. Kämpfte mit der Kalaschnikow und feierte Feste in den reichsten Häusern Kabuls. Egal auf welcher Seite man steht, in Afghanistan setzt sich durch, wer durchschlagendere Gewalt ausüben kann. Er war Offizier der regulären Armee, aber man hätte ihn ebensogut als Mudschaheddin oder Dschihadisten bezeichnen können. „Ich war das alles“, sagt er heute. Im Westen denke man falsch, wenn man meint, das fein säuberlich trennen zu können „in die Guten und die Bösen“.

Heute ist auch der Islamische Staat (IS) in Afghanistan präsent. Das sei aber zunächst vor allem ein „ökonomischer“ Faktor, so Bitani. Die lokalen Kriegsherren tauschen die weiße Fahne der Taliban, die keine Angst mehr macht, deshalb gegen die schwarze Fahne des Islamischen Staates, weil sie furchteinflößender ist, also ihre Machtposition stärkt.

Während seines Aufenthalts in Italien kam er erstmals mit Christen in nähere Berührung. Das veränderte sein Leben. Zuerst habe er gar nichts davon gemerkt. Dann entging er 2011 nur knapp einem Attentat. Es begann in ihm ein Umdenken. Eigentlich will er sein Leben nicht verbringen wie sein Vater. Er verläßt Afghanistan und geht ins freiwillige Exil nach Italien, wo er im Rahmen der ISAF seine Offiziersausbildung absolviert hatte. Er selbst nennt sein Umdenken eine „Bekehrung vom Haß im Namen Gottes zur Liebe Gottes“. 2014 veröffentlichte er in Italien seine Autobiographie „Das letzte weiße Leintuch“. Seit 2015 liegt auch eine englische Ausgabe vor. Er sagt von sich, Muslim zu sein, „und immer“ einer bleiben zu wollen. Gleichzeitig fügt er hinzu, „meinen Islam erst durch das Christentum kennengelernt zu haben“. Vielleicht ist sein Weg der „Bekehrung“ noch nicht abgeschlossen.

Das Interview: „Wer Afghanistan kontrolliert, kontrolliert Asien, der Westen will diese Machtposition nicht verlieren“

In Rom führte Silvia Scaranari für Nuova Bussola Quotidiana (NBQ) ein Interview mit ihm über Afghanistan, den Islam und die Masseneinwanderung nach Europa:

NBQ: Haben Sie noch Kontakte mit Afghanistan? Mit Ihrer Familie?

Farhad Bitani: Ja und Nein. Das Leben ändern, die Machtposition aufgeben, Reichtum, Privilegien, das verlangte einen Schnitt, einen Bruch mit allen Anführern der Mudschaheddin und mit den Politikern. Ich habe nicht mehr viele Freunde dort. Mit meiner Familie habe ich noch Kontakt, wenn er auch nicht mehr so gut ist wie vorher. Sie ist eine der angesehensten Familien des Landes, ich bin ein Verräter. Das kompliziert alles. Die halbe Familie lebt heute in Afghanistan, die andere Hälfte irgendwo auf der Welt. Auch mein Vater, der in Afghanistan lebt, hält sich wegen seiner angeschlagenen Gesundheit häufig in den USA oder in Dubai auf.

NBQ: Wie sieht die aktuelle soziale und politische Lage aus?

Farhad Bitani: Die Lage ist sehr komplex. Afghanistan ist das Herzstück Asiens. In Afghanistan zu sein, heißt, Asien zu kontrollieren. Deshalb will niemand wirklich Frieden. Mein Land zu kontrollieren, bedeutet, die Zugangspforte zu China, Indien, Rußland und den Iran zu beherrschen bzw. deren Ausfallspforte in den Rest von Asien. Wir sind eine der wichtigsten geostrategischen Positionen der Welt. Bereits im 19. Jahrhundert waren wir ein Kreuzungspunkt internationaler Interessen. Afghanistan ist heute ein Fußballfeld, auf dem und ringsum ein Kalter Krieg ausgetragen wird zwischen Rußland, Iran, China und den USA.
Indem der Westen in Afghanistan bleibt, verfügt er über Macht in Asien, die er nicht verlieren will. Er tut so, als gäbe es in Afghanistan heute noch viele Taliban. In Wirklichkeit weiß der Westen genau, daß– wenn er will – in einem Jahr, vielleicht sogar weniger, alle Taliban verschwunden wären. In den vielen Jahren des Krieges wurde nichts erreicht, weil der Willen fehlt, etwas zu erreichen.
Der Westen hat 120 Milliarden Dollar direkt in meinem Land ausgegeben wohl wissend, daß 90 Prozent davon in den Taschen der Politiker, der Clan-Chefs einschließlich der Taliban-Anführer verschwunden ist. Dieses Geld wurde jedenfalls nicht dafür eingesetzt, meinem Volk zu helfen. Alle wissen, daß die Korruption ein gigantisches Ausmaß angenommen hat, aber für Euch geht das so in Ordnung. Alle wissen, daß die Clan-Chefs sich je nach Interessenlage auf die eine oder die andere Seite schlagen, um sich einen Anteil an der Macht zu sichern. Dieses System bedeutet die Ausbeutung der Menschen in meinem Land zum Nutzen weniger, aber Euch stört das nicht.

„Dschihadisten werden an westlichen Militärakademien ausgebildet“

NBQ: In Afghanistan ist viel Geld in Umlauf, nicht nur das Geld aus dem Westen und den USA, sondern auch Geld, das aus dem Drogenanbau und dem Drogenhandel stammt.

Farhad Bitani: Ich nenne nie Namen, aber es gab Vize-Präsidenten, Vize-Minister und hohe Militärs, die zu den größten Drogenhändlern gehörten. Sie haben die politische und militärische Macht in der Hand, sie kontrollieren auch die Drogen. Das war schon immer so. Der Islam verbietet den Drogenkonsum, der internationale Drogenhandel bringt jedoch großen Reichtum, da wird unterschieden. Selbst viele Muslimführer konsumieren Drogen. Es gibt auch internationale Organisationen, die im Drogenhandel mitmischen, aber immer in Zusammenarbeit mit unseren Anführern. Ohne Duldung der westlichen Mächte wäre das undenkbar. Die Drogen sind Teil der Politik und der Machtspiele. Seit vielen Jahren läuft der Drogenhandel ja unter den Augen und unter der Kontrolle des Westens ab.
Die Drogen produzieren Korruption, tausendfach, für jeden kleineren und größeren Auftrag. Auch die Italiener haben sehr große Aufträge für den Wiederaufbau erhalten. Und dann ist da noch der Handel mit Altertümern. Mein Land ist reich an archäologischen Funden und Kunstwerken, die auf dem internationalen Markt sehr begehrt sind.

NBQ: In Ihrem Buch deuten Sie an, daß während Ihrer Ausbildung an der Militärakademie in Turin auch Landsleute dabei waren, die mit sehr radikalen Gruppen in Ihrem Land verbunden sind. Wußten das die westlichen Militärkommandos?

Farhad Bitani: Zwischen Italien und Afghanistan gibt es ein Abkommen, daß jedes Jahr 50 junge Offiziere an der Militärakademie von Modena und dann in Turin ausgebildet werden. Das bedeutet erhebliche Kosten für Euer Land. Normalerweise erhalten diese Plätze die Söhne von führenden Offizieren und Politikern, kurzum Personen, die auch andere Geschäfte in Italien laufen haben. Wer einen Ausbildungsplatz bekommt, weiß, daß das nicht aufgrund eigener Verdienste ist. Er weiß auch, daß er sich keiner Auswahl stellen muß. Sein Name sichert ihm die Stelle und ebenso den Karrieresprung, sobald er wieder nach Hause zurückkehrt. Diese Privilegierten, ich war einer von ihnen, bleiben dann, wenn sie nach Hause kommen, in der Etappe, denn dort können sie wirklich Einfluß ausüben. Nicht nur einige, sondern viele von ihnen sind islamische Fundamentalisten, eben Söhne von Mudschaheddin- oder Taliban-Anführern. Dschihadisten, Mudschaheddin, Offiziere der regulären Armee, ISAF-Helfer, alles in einem. Das ist so. Sie kommen zur Offiziersausbildung mit ihrem ganze Haß auf den Westen, respektieren keine Regeln, nicht einmal die elementarsten wie den militärischen Gruß gegenüber Vorgesetzten. Sie wissen, daß ihnen keine Bestrafung droht. So funktioniert die Politik der „Verbündeten“. Sie sind privilegiert, nützen das aus und lassen das auch alle spüren. Sie sagen offen, alle Ungläubigen ausrotten zu wollen. Die westlichen Militärs hören weg. Einige von denen, die in meinem Offizierskurs waren, sind heute Dschihadisten. Einige wurden wegen Attentaten gegen die Amerikaner verhaftet. Sie nützen hier im Westen ihre Militärausweise und Verbindungen als westliche Verbündete und kaufen modernes, technisches Gerät und liefern es ihren Taliban-Brüdern.

„Endlose Schachpartie: 20 Prozent der afghanischen Dschihadisten leben in Dubai“

NBQ: Woher kommt dieser Widerspruch?

Farhad Bitani: Der Großteil von ihnen sind Muslime, ohne Muslime zu sein. Viele kennen keinen wahren Gott. Sie benutzen die Religion nur für ihre eigene Macht.
Ich kenne viele, die besitzen Villen, beuten junge Frauen aus, manchmal sogar Kinder, mißbrauchen sie, trinken Alkohol, konsumieren Drogen, aber in der Öffentlichkeit treten sie als islamische Saubermänner auf mit langem Bart, die Misbaha immer in der Hand und behaupten von sich selbst, ein demütiges Leben in perfekter Übereinstimmung mit dem Koran zu führen. Damit beeindrucken sie die Massen, ernten Respekt und Gehorsam. Die strengen Gesetze dienen  der Kontrolle und Unterdrückung. Seit 1979, wohlgemerkt, gibt es keinen wichtigen Mann, Politiker oder Militär in Afghanistan, der für Gott gekämpft hätte. Das Volk lebt in Armut, Unwissenheit und Angst.

NBQ: Warum werden sie dann zu Dschihadisten?

Farhad Bitani: Den Dschihadisten machen ist sehr einfach. Heute bin ich einer, morgen vielleicht nicht mehr, je nach Interessenlage. Kein mächtiger Mann, kein Sohn einer bekannten Persönlichkeit führt nämlich den Krieg an der Front. Nein, die bleiben im rückwärtigen Gebiet, wo es sicher ist, zeigen sich einige Tage dem Volk, fromm und ergeben, und verschwinden wieder nach Indien oder Dubai oder sonstwohin. Rund 20 Prozent der afghanischen Dschihadisten lebt normalerweise in Dubai. Sie spielen ihr Spiel auf dem Schachbrett, wie eben andere in Afghanistan operierende Parteien auch, einschließlich des Westens. Sie erhalten auf diese Weise ihre Macht und sie korrumpieren, auch Vertreter des Westens. Die Variante lautet: Gib mir etwas und deine Soldaten werden nicht angegriffen. Akzeptierst du nicht, gebe ich Befehl, deine Stellung anzugreifen. Eine Form von Klientelismus unter dem Dach von UNO und NATO. Die Mafia funktioniert nicht anders. Die Anführer aber sitzen in jedem Fall weit weg. Der Angriff, sollte er stattfinden, trifft die einfachen Leute aus dem Volk, die meist wirklich glauben, in einer wichtigen militärischen Kampfhandlung zu stehen, wo es um etwas geht. Nein, es geht nur um diese oder jene Position auf dem Schachbrett einer Endlospartie, die nie endet, weil sie niemand beenden will.

„Korruption, Drogenhandel, Macht – Bildung sollte einzige Waffe sein, die in Afghanistan zum Einsatz kommt“

NBQ: Wie beurteilen Sie die italienische Präsenz in Afghanistan?

Farhad Bitani: Die italienische Präsenz unterscheidet sich tatsächlich von den anderen: Ihr gebraucht keine Gewalt. Eure Soldaten machen vor ihrem Einsatz eine lange Ausbildung, und natürlich verfolgt auch Italien dort seine eigenen Interessen, aber Gewalt spielt dabei keine Rolle. Damit stellt sich natürlich die Frage, wozu dieser Einsatz überhaupt gut ist. Wirklich nützlich ist er nicht. Italien gibt viel Geld aus, baut auf – und viele verdienen dabei mit –, aber es könnte viel mehr tun, wenn es sich im Bildungsbereich engagieren würde. Bildung ist die erste, vielleicht die einzige Waffe, die in Afghanistan zum Einsatz kommen sollte.
Aber Vorsicht: Nicht in die Falle der großen internationalen Organisationen tappen. Diese veranstalten Tagungen, halten Reden, auch hier in Rom: Sie reden von der Armut des afghanischen Volkes und trinken dazu Wein aus Flaschen, von denen jede mindestens 200 Euro kostet. Sie sammeln Geld, von denen 98 Prozent in den eigenen Unterhalt fließen. Auch das ist ein Business mit dem Etikett Afghanistan. Wer hilft wirklich? So gut wie niemand, nur einige arme Ordensfrauen oder der eine oder andere idealistische Arzt, die wirklich täglich ihr Leben riskieren. Aber nicht die Politik und der ganze dazugehörige Troß.

„Der Islam lebt doch gut in Europa, es gibt keine Kontrollen. Kontrolliert die Geldflüsse!“

NBQ: Sehen Sie eine Gefahr für den Islam in Italien und Europa?

Farhad Bitani: Der Islam lebt hier doch gut, ja bestens in Europa. Wo aber der Wille fehlt, für das Gute einzutreten, wächst der Haß. Warum kommen die Muslime zu Euch? Die meisten wollen einen sicheren Lebensunterhalt, aber ansonsten möchten sie, daß Europa so wird, wie es bei ihnen zu Hause ist. Viele bringen, wie gesagt, bereits einen Haß mit, es kommt zur Radikalisierung. Ihr müßt aufpassen, denn bei Euch gibt es keine Kontrolle. Der Imam wird nicht überwacht, die Geldflüsse rund um die Moscheen werden nicht kontrolliert. Ihr begnügt Euch meist mit Dialogkonferenzen und ähnlichen Veranstaltungen, doch die nützen wenig. Wichtig ist Bildung, damit ein gereinigter Islam wachsen kann. Darin kann Papst Franziskus eine große Hilfe sein. Er beeindruckt mich sehr. Aber ich wiederhole: Ihr müßt die Geldflüsse überwachen. Wo die Geldflüsse sind, geht es um Interessen, um Macht, dort ist die Einfallspforte für die dunklen Akteure, die dann schnell die Kontrolle übernehmen.
Der gefährliche Islam ist vor allem der der zweiten Generation, also der Nachgeborenen. Viele sind bereits hier geboren, aber in einer Leere aufgewachsen, sie sind da und doch fremd, weil sie ja nur einen Teil von Europa wollen, das Geld, so suchen sie anderswo einen Sinn, der führt sie nicht selten zum Dschihad. Die Schule steht hier vor einer großen Herausforderung.

„Die Aufnahme in Europa erfolgt ohne Projekt“

NBQ: Einwanderung: Was sagen Sie dazu?

Farhad Bitani: Eure Aufnahme folgt keinem Projekt. Alles wirkt ziellos und improvisiert und viele scheinen einfach zu hoffen, daß das schon irgendwie gehen wird. Irgendwie! Ihr zeigt soviel Großzügigkeit, die aber im Grunde ungerecht und verantwortungslos ist: Ihr nehmt viele auf, aber könnt Ihr ihnen eine Zukunft garantieren? Nur die Grenzen aufmachen und viele hereinlassen, ist nicht gerade verantwortungsvoll. Und es kann zur Grundlage für den islamischen Fundamentalismus werden. Abgesehen davon, im Ernst: Rund um die Einwanderung kreist ein großes Geschäft, viele, viele Aufträge.
Und noch etwas: Ich sage nur, Achtung auf Libyen. Es braucht dringend ein Abkommen zur Befriedung dieses Landes, und es muß ein Abkommen sein, das vom libyschen Volk mitgetragen wird und ihm nicht vom Westen aufgezwungen ist.

NBQ: Und Sie? Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Farhad Bitani: Ich bin als afghanischer Krieger aufgewachsen. Heute bin ich ein Soldat Gottes. Ich arbeite im Bildungsbereich, um zu erziehen, auch um unangenehme Dinge zu sagen, die aber gesagt werden müssen. Demnächst erscheint mein neues Buch „Die verschiedenen Farben des Paradieses“ in einer italienischen und einer spanischen Ausgabe. Ich habe mein Gewehr zugunsten der Feder aus der Hand gelegt. Ich will mit dem Wort, nicht mit der Kugel meinem Volk dienen.

Einleitung/Übersetzung: Andreas Becker
Bild: Tempi/NBQ

 

 

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Man stelle sich die deutsche Afghanistanpolitik vor. Die Bundeswehr wird an den Hindukush geschickt um westliche Werte und westliche „Menschenrechte“ zu verbreiten; mit dem durchschlagenden Ergebnis, dass zwar der Hass auf den Westen und der Islamismus geschürt wird, die somit beeinflusste Bevölkerung aber in Strömen ihr Heimatland verlässt um sich dauerhaft in Deutschland niederzulassen. Die Befreiung Afghanistans durch Transfer seiner Bevölkerung nach Deutschland gewissermassen!

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