„Heiligkeit, in einem Monat werden Sie 80.“ „Wer? Ich?“ – Papst Franziskus im Gespräch mit TV2000 und Radio InBlu

Interview mit Papst Franziskus von TV2000 und Radio InBlu zum Abschluß des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit
Interview mit Papst Franziskus von TV2000 und Radio InBlu zum Abschluß des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit

TV2000 und Radio InBlu gehören der Italienischen Bischofskonferenz. Verantwortlich für die Medien ist der Generalsekretär der Bischofskonferenz, der Papst-Vertraute, Bischof Nunzio Galantino. Das Interview führten Paolo Ruffin und Lucio Brunelli.

Zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit sagte Papst Franziskus:

„Es hat so gut getan, es hat so viel Gutes gebracht.“

Er schilderte seine Initiative „Freitage der Barmherzigkeit“ und einen Besuch in einer Geburtenstation:

„Da war eine Frau, die weinte, weinte, weinte vor ihren beiden Zwillingen … die waren ganz klein, aber wunderschön: das dritte Kind ist gestorben. Es waren drei, aber eines ist gestorben. Und sie weinte über das tote Kind, während sie die Beiden streichelte. Das Geschenk des Lebens. Und ich habe an die Gewohnheit gedacht, die Kinder vor der Geburt wegzuschicken, dieses schreckliche Verbrechen: Sie schicken sie fort, weil es so besser ist, weil es bequemer ist, das ist eine große Verantwortung – es ist eine sehr schwere Sünde, nicht? – es ist eine große Verantwortung … Diese, die drei Kinder hatte, weinte für jenes, das tot war. Sie konnte sich nicht mit den beiden, die ihr geblieben waren, trösten. Die Liebe des Lebens in jeder Situation … Das ist mir ganz stark in Erinnerung geblieben.“

Die Kirche der Armen statt Geld, Eitelkeit und Hochmut

Zur Kirche der Armen: „Die Kirche als Institution machen wir, jeder von uns. Die Gemeinschaft sind wir. Der größte Feind Gottes – der größte! – ist das Geld. Denkt daran, daß Jesus dem Geld den Herrenstatus als Herrscher gibt: ‚Niemand kann zwei Herren dienen: Gott und dem Geld‘. Gott und der Reichtum. Er sagt nicht Gott und – ich weiß nicht – die Krankheit, oder Gott und irgendeine andere Sache. Das Geld. Denn das Geld ist der Götze. Wir sehen es jetzt, nicht?, in dieser Welt, in der das Geld zu herrschen scheint. Das Geld ist ein Instrument, gemacht um zu dienen, und die Armut steht im Mittelpunkt des Evangeliums, und Jesus spricht von diesem Konflikt: zwei Herren. Entweder lasse ich mich mit diesem ein oder mit dem anderen. Entweder mit dem, der mein Vater ist, oder mit dem, der mich zum Sklaven macht. Und dann die Wahrheit: Der Teufel kommt immer durch die Taschen, immer. Das ist seine Einfallspforte. Man muß kämpfen, um eine Kirche der Armen zu machen gemäß dem Evangelium, nicht? Man muß kämpfen. Und wenn ich Matthäus 25 sehe, das Protokoll nach dem wir gerichtet werden, verstehe ich besser, was es heißt eine arme Kirche für die Armen: Werke der Barmherzigkeit, nicht? In Matthäus 25. Es ist möglich, aber man muß immer kämpfen, weil die Versuchung des Reichtums sehr groß ist. Der heilige Ignatius lehrt uns in den Exerzitien, daß es drei Stufen gibt: die erste Stufe, der Reichtum, der die Seele korrumpiert, dann die Eitelkeit, die Seifenblasen, ein eitles Leben, das Scheinen … und dann der Hochmut, der Stolz. Und von da alle Sünden. Aber die erste Stufe ist das Geld, der Mangel an Armut. Deshalb ist es nicht leicht, und man muß ständig, ständig überlegen, prüfen …“

Die Waffenhändler und der Dritte Weltkrieg

Papst Franziskus kam im Zusammenhang mit der Barmherzigkeit auf den „Dritten Weltkrieg“ zu sprechen: „Denken wir an den Dritten Weltkrieg, den wir erleben, weil das der Dritte Weltkrieg in kleinen Teilen ist, nicht? Hier, hier und hier … wir sind aber im Krieg. Die Waffen werden verkauft, und sie werden von den Fabrikanten und den Waffenhändlern verkauft. Und sie verkaufen sie an beide Seiten im Krieg, weil man ein Geschäft macht mit dem Waffenhandel … Da herrscht eine sehr große Hartherzigkeit. Es fehlt an Zärtlichkeit. ‚Aber Gott …‘ Stopp! Gott hat sich ganz sanft gemacht, Gott hat sich uns genähert. Paulus sagt zu den Philippern. Jesus hat sich entäußert, um sich uns zu nähern, es hat sich Mensch gemacht wie wir. Wenn wir von Christus sprechen, dann vergessen wir nicht Christi Fleisch. Und diese Welt braucht Zärtlichkeit, die dem Fleisch sagt, das leidende Fleisch Christi zu streicheln, und nicht mehr Leiden zu verursachen. Ich denke, daß die Staaten, die sich im Krieg befinden, sollen sich bewußt machen, daß ein Leben viel wert ist und nicht sagen: ‚Ein Leben zählt nicht, für mich zählt das Land, für mich zählt dies …“ Ein Leben zählt mehr als ein Land! Für die Waffenhändler ist das, was am wenigsten zählt, ein Leben. Dieses Wort sagte mit ein Deutscher: (Papst sagt es auf deutsch) ‚Das Billigste heute ist das Leben‘.

„Heiligkeit, in einem Monat werden Sie 80″

TV2000/Radio InBlu: „Heiligkeit, eine letzte Frage: In einem Monat werden Sie 80 …“

Papst Franziskus: „Wer? Ich?“ (lacht).

Auf die Frage, ob es ein „Geheimnis“ gibt, daß er „nicht gestreßt“ sei, „wie viele von uns, die wir in dieser Gesellschaft leben, wo Streß und auch Depressionen soziale Krankheiten sind“, sagte der Papst:

Papst Franziskus: „Gibt es einen speziellen Tee? (lacht). Ich weiß nicht, wie ich es mache, aber … ich bete: Das hilft mir sehr. Ich bete. Das Gebet ist für mich eine Hilfe, es ist mit dem Herrn sein. Ich zelebriere die Messe, bete das Brevier, spreche mit dem Herrn, bete den Rosenkranz … Für mich, hilft das Gebet sehr. Zudem schlafe ich gut: Das ist eine Gnade des Herrn. Ich schlafe wie ein Brett. Am Tag des Erdbebens habe ich nichts gehört. Alle haben es gespürt, das Bett das vibrierte … Nein, wirklich, ich schlafe sechs Stunden, aber wie ein Brett. Vielleicht hilft das der Gesundheit … Ich habe meine Dinge, nicht? Das Rückenproblem, das zur Zeit gut geht … und ich mache, was ich kann und nicht mehr. In diesem Sinn schaue ich ein bißchen auf mich, nicht? Aber ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll. Es ist eine Gnade des Herrn … ich weiß nicht …“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: TV2000 (Screenshot)

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4 Comments

  1. „Und ich habe an die Gewohnheit gedacht, die Kinder vor der Geburt wegzuschicken, dieses schreckliche Verbrechen: Sie schicken sie fort, weil es so besser ist, weil es bequemer ist, das ist eine große Verantwortung – es ist eine sehr schwere Sünde, nicht? …..
    ?????? Was meint Franziskus mit „wegschicken“? Abtreibung ist und bleibt Mord und damit eine schwere Sünde – aber Kinder „wegschicken“????? Falls mit wegschicken die Freigabe zur Adoption eines Kindes gemeint ist, so ist dies niemals weder ein Verbrechen noch eine Sünde – Sünde ist es, ein ungeborenes oder geborenes Kind zu töten….Der Freigabe zur Adoption eines Kindes geht zwar möglicherweise die Verzweiflung der Mutter ( durch ungewollte Schwangerschaft, Vergewaltigung, Armut, Minderjährigkeit, Arbeitslosigkeit, Erkrankung, Einsamkeit usw.) voraus – aber der Akt der Freigabe zur Adoption als solche ist ein Werk der Nächstenliebe gegenüber dem Kind und gegenüber den Adoptiveltern, denn eine gute Mutter rettet das Leben ihres Kindes und gibt ihm die Chance auf eine gute Entwicklung und möglicherweise auf bessere Lebensumstände. Liebe tötet nicht! Adoption ist im Gegensatz zur Abtreibung lebensbejahend und deshalb keine Sünde, Abtreibung ist Mord!

    • @Regina: Habe das so verstanden, daß es um das Wegschicken vor der Geburt eines Geschwisterchens geht, so daß diese das Wunder der Geburt nicht mitbekommen können.

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