Gender-Ideologie: Wenn der Papst sich selbst widerspricht

Papst Franziskus kritisierte am 1. Oktober die Gender-Theorie, um sich am 2. Oktober selbst zu widersprechen und seine Aussage zu dementieren.
Papst Franziskus kritisierte am 1. Oktober die Gender-Theorie, um sich am 2. Oktober selbst zu widersprechen und seine Aussage zu dementieren. Das Bild zeigt nicht die Homo-Fahne, sondern die "Friedensfahne". Zu diesen Symbolen siehe den Artikel "Möwen und Raben jagen Tauben des Papstes – Von Zeichen und Symbolen".

(Rom) Nach seinem Georgien-Besuch berichteten die Medien, daß Papst Franziskus die Gender-Ideologie kritisierte. OsservatorioGender von Rodolfo de Mattei gelangte jedoch zu einem anderen Schluß. Die päpstlichen Aussagen zur Gender-Theorie seien in Summe ziemlich ambivalent. Der Papst kritisierte die Gender-Ideologie, um sich innerhalb von 24 Stunden „selbst zu widersprechen und zu dementieren“. Zweideutig sei insgesamt die Haltung des Papstes zur Homosexualität, seit er am 29. Juli 2013 auf dem Rückflug von Rio de Janeiro den wohl bekanntesten Satz seines Pontifikats sagte: „Wenn ein Mensch homosexuell ist, wer bin ich, um über ihn zu urteilen?“
Die Stellungnahme des katholischen Kirchenoberhauptes zur Gender-Ideologie in Georgien bestehen aus zwei Teilen. Am 1. Oktober fand eine Begegnung des Papstes mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Pastoralarbeitern in der Kirche Mariä Himmelfahrt von Tiflis statt. Franziskus ging dabei auf die ernste Besorgnis von Irina, einer georgischen Frau ein, wegen der Gender-Theorie.

Papst Franziskus antwortete ihr spontan:

„Du, Irina, hast einen heute großen Feind der Ehe erwähnt: Die Gender-Theorie. Es gibt heute einen weltweiten Krieg, um die Ehe zu zerstören. Heute gibt es ideologische Kolonialismen, die zerstörerisch sind: Man zerstört nicht mit Waffen, sondern mit Ideen. Darum muss man sich gegen die ideologischen Kolonialismen verteidigen.“

Auf dem Rückflug am 2. Oktober nach Rom wurde Papst Franziskus vom Rom-Korrespondenten des progressiven National Catholic Reporter darauf angesprochen. Joshua McElwee fragte den Papst zudem: „Was würden Sie einer Person sagen, die jahrelang mit ihrer Sexualität gelitten hat und wirklich fühlt, daß es ein biologisches Problem gibt, daß ihr physisches Äußeres nicht mit dem übereinstimmt, was er oder sie als ihre sexuelle Identität betrachtet? Wie würden Sie als Hirte und Priester diese Personen begleiten?“

Katholisches.info hat die wortreiche Antwort des Papstes bereits veröffentlicht (siehe dazu Das Kapitell von Vézelay: Papst Franziskus in der Schule von Eugen Drewermann?), dennoch soll sie zum besseren Verständnis noch einmal im vollen Wortlaut wiedergegeben werden.

Papst Franziskus: Zuallererst: Ich habe in meinem Leben als Priester, als Bischof – auch als Papst – Personen mit homosexueller Neigung und auch homosexuellen Handlungen begleitet. Ich habe sie begleitet, ich habe sie zum Herrn hingeführt, einige können nicht, aber ich habe sie begleitet und nie jemanden im Stich gelassen. Das ist das, was zu tun ist. Die Personen muß man begleiten, so wie Jesus sie begleitet. Wenn eine Person, die diesen Zustand hat, vor Jesus kommt, wird ihr Jesus nicht sagen: ‚Geh weg, weil du homosexuell bist!‚ Nein.
Das, was ich zu der Bösartigkeit gesagt habe, die man heute mit der Indoktrinierung der Gender-Theorie macht: Ein französischer Vater hat mir erzählt, daß sie bei Tisch mit den Kindern sprachen – er katholisch, die Frau katholisch, die Kinder katholisch, oberflächlich, aber katholisch – und er hat den zehnjährigen Sohn gefragt: ‚Und Du, was willst Du machen, wenn Du groß sein wirst?‚ ‚Ein Mädchen‚. Und der Vater kam drauf, daß in den Schulbüchern die Gender-Theorie gelehrt wurde. Das ist gegen die natürlichen Dinge. Eine Sache ist, daß eine Person diese Neigung hat, diese Option, und es gibt auch die Geschlechtsumwandlung. Eine andere Sache ist, den Unterricht in den Schulen auf dieser Linie durchzuführen, um die Mentalität zu ändern. Das nenne ich ‚ideologische Kolonialisierung‘.
Im vergangenen Jahr habe ich den Brief eines Spaniers erhalten, der mir seine Geschichte als Kind und als Jugendlicher erzählte. Er war ein Mädchen und hat sehr gelitten, weil er sich wie ein Junge fühlte, aber physisch ein Mädchen war. Er erzählte es der Mutter, als er bereits 22 Jahre alt war. Und er hat ihr gesagt, daß er eine Geschlechtsumwandlung und alle diese Dinge machen wolle. Die Mutter hat ihn gebeten, es nicht zu tun, solange sie lebt. Sie war schon alt und ist bald gestorben. Er hat den Eingriff machen lassen. Er ist Angestellter eines Ministeriums in einer spanischen Stadt. Er ist zum Bischof gegangen. Der Bischof hat ihn sehr begleitet, ein guter Bischof: er hat viel Zeit ‚verloren‘, um diesen Mann zu begleiten. Dann hat er geheiratet. Er hat seine bürgerliche Identität gewechselt, hat geheiratet und hat mir den Brief geschrieben, daß es für ihn ein Trost wäre, mich mit seiner Frau besuchen zu dürfen: er, der eine sie war, aber ein er ist. Und ich habe sie empfangen. Sie waren zufrieden. Und im Viertel, wo er wohnt, gab es einen alten, achtzigjährigen Priester, den früheren Pfarrer, der dort in der Pfarrei den Ordensschwestern half … Und es gab den neuen [Pfarrer]. Als ihn der Neue sah, hat er ihn auf dem Gehsteig ausgeschimpft: ‚Du wirst in die Hölle kommen!‚ Wenn er dem Alten begegnete, sagte ihm dieser: ‚Wann warst Du das letzte Mal beichten? Komm, komm mit, ich nehme Dir die Beichte ab und so wirst Du zur Kommunion gehen können.‚Hast Du verstanden? Das Leben ist das Leben, und die Dinge muß man so nehmen wie sie kommen. Die Sünde ist die Sünde. Die Neigungen oder das hormonelle Ungleichgewicht verursachen große Probleme, und wir müssen uns in Acht nehmen und dürfen nicht sagen: ‚Es ist alles gleich, laßt uns feiern‘. Nein, das nicht. Aber jeden Fall annehmen, ihn begleiten, ihn studieren, unterscheiden und ihn integrieren. Das ist es, was Jesus heute tun würde.
Und, bitte, sagt nicht: ‚Der Papst wird die Trans heiligsprechen!‚ Bitte! Ich sehe schon die Schlagzeilen der Zeitungen … Nein, Nein.
Gibt es noch Zweifel, zu dem was ich gesagt habe? Ich will klar sein. Es ist ein Problem der Moral. Es ist ein Problem. Es ist ein menschliches Problem. Und man muß es lösen, so gut man es kann, immer mit der Barmherzigkeit Gottes, mit der Wahrheit, wie wir im Fall der Ehe gesagt haben, indem man das ganze Amoris laetitia liest, aber immer so, immer mit dem offenen Herzen. Und vergeßt nicht jenes Kapitell von Vézelay: Es ist sehr schön, sehr schön.“

Die Antwort ist wortreich, aber kryptisch. „Anstatt Klarheit zum Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Homosexualität zu schaffen, sät sie neue Konfusion, indem sie freie Interpretationen und leichte Instrumentalisierungen fördert“, so OsservatorioGender.

Spitz formuliert, legitimiert der Papst letztlich, was er vorgibt abzulehnen. Mit dem Satz: „Er, der eine sie war, aber ein er ist“ legitimiert das Kirchenoberhaupt, was die Gender-Ideologen verkünden. Ein Mensch, der mit einem biologischen Geschlecht zur Welt kommt, kann – ob mit oder ohne Geschlechtsumwandlung – sein Geschlecht wechseln.

„Paradoxerweise widerspricht Papst Franziskus damit seiner am Tag zuvor gemachten Kritik an der Gender-Ideologie und dementiert sie.“

Die Gender-Ideologen können nun antworten, daß sie ja nichts anderes sagen, als der Papst bei seiner „fliegenden Pressekonferenz“ auch gesagt hat.

„Was den Papst aufzuregen scheint, ist nicht so sehr der Inhalt der Gender-Ideologie, sondern die Art ihrer Verbreitung, die er als ‚ideologischen Kolonialismus‘ im Rahmen der Globalisierung sieht“, so OsservatorioGender.

Die Kirche hat das „Laster wider die Natur“ immer und vorbehaltlos verurteilt und sich dabei auf zahlreiche Stellen der Heiligen Schrift, die von einem „Greuel“ und einer „himmelschreienden Sünde“ spricht, und auf zahlreiche Aussagen der Kirchenväter, der Kirchenlehrer und Heiligen sowie der Päpste gestützt. Papst Franziskus ist keineswegs unschuldig an der epidemischen Ausbreitung der Verwirrung, die derzeit in Kirche und Gesellschaft im Gange ist. Vielmehr gab er mit seiner berühmt-berüchtigten Aussagen vom 29. Juli 2013, ohne die kirchliche Lehre in den Mund zu nehmen, von höchster Ebene den Startschuß dazu.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana (zur „Friedensfahne“, Bild, und der sehr ähnlichen Homo-Fahne siehe Möwen und Raben jagen Tauben des Papstes – Von Zeichen und Symbolen

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3 Comments

  1. Wie eine alte Börsianerweisheit sagt:
    „Hin und her macht Taschen leer“.

    Oder biblisch:
    Tohuwabohu / dia-ballein/ alles durcheinander /
    Teuflisch.

    Nicht umsonst betet der Psalmist: In Te Domine speravi; non confundar in aeternum.
    Der große nordfranzösische Polyphonist Josquin desPrez hat hierzu eine wunderbare Motette komponiert.

  2. Es gibt nur zwei Geschlechter. Alles andere stammt vom Teufel, des Lieblingssünde die Homosexualität ist!

    • Nicht der Teufel praktiziert gleichgeschlechtlichen Sex sondern der nicht keusch lebende Mensch. In der Tat sind die Aussagen der Schrift diesbezüglich sehr eindeutig (Weish 14,25-26, Lev 18,22; 20,13; Röm 1,24-32; 1 Kor 6,9-10; 1 Tim 1,8-11)).

      Lesenswert hier insbesondere die „Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen“ der Kongregation für die Glaubenslehre:

      I. NATUR UND UNVERZICHTBARE MERKMALE DER EHE

      2. Die Lehre der Kirche über die Ehe und die Komplementarität der Geschlechter legt eine Wahrheit vor, die der rechten Vernunft einsichtig ist und als solche von allen großen Kulturen der Welt anerkannt wird. Die Ehe ist nicht eine beliebige Gemeinschaft von menschlichen Personen. Sie wurde vom Schöpfer mit einer eigenen Natur sowie eigenen Wesenseigenschaften und Zielen begründet.(3) Keine Ideologie kann dem menschlichen Geist die Gewissheit nehmen, dass es eine Ehe nur zwischen zwei Personen verschiedenen Geschlechts gibt, die durch die gegenseitige personale Hingabe, die ihnen eigen und ausschließlich ist, nach der Gemeinschaft ihrer Personen streben. Auf diese Weise vervollkommnen sie sich gegenseitig und wirken mit Gott an der Zeugung und an der Erziehung neuen Lebens mit.

      3. Die natürliche Wahrheit über die Ehe wurde durch die Offenbarung bekräftigt, die in den biblischen Schöpfungsberichten enthalten ist und auch die ursprüngliche menschliche Weisheit zum Ausdruck bringt, in der sich die Stimme der Natur selbst Gehör verschafft. Das Buch Genesis spricht von drei grundlegenden Aspekten des Schöpferplanes über die Ehe.

      Zum einen wurde der Mensch, das Abbild Gottes, « als Mann und Frau » geschaffen (Gen 1,27). Als Personen sind Mann und Frau einander gleich, in ihrem Mann- und Frausein ergänzen sie einander. Die Sexualität gehört einerseits zur biologischen Sphäre, wird aber andererseits im menschlichen Geschöpf auf eine neue, und zwar auf die personale Ebene erhoben, wo Natur und Geist sich miteinander verbinden.

      Zum anderen wurde die Ehe vom Schöpfer als die Lebensform gegründet, in der sich jene Gemeinschaft unter Personen verwirklicht, die die Ausübung der Geschlechtlichkeit einbezieht. « Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch » (Gen 2,24).

      Homosexuelle Beziehungen werden « in der Heiligen Schrift als schwere Verirrungen verurteilt… (vgl. Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10). Dieses Urteil der Heiligen Schrift erlaubt zwar nicht den Schluss, dass alle, die an dieser Anomalie leiden, persönlich dafür verantwortlich sind, bezeugt aber, dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind ».(5) Dieses moralische Urteil, das man bei vielen kirchlichen Schriftstellern der ersten Jahrhunderte(6) findet, wurde von der katholischen Tradition einmütig angenommen.

      Aber die homosexuelle Neigung ist « objektiv ungeordnet »,(9) und homosexuelle Praktiken gehören « zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen ».(10)

      SCHLUSS

      11. Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören. Die Kirche kann nicht anders, als diese Werte zu verteidigen, für das Wohl der Menschen und der ganzen Gesellschaft.

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