„Wenn ein Papst zurücktritt, weil er nicht am WJT teilnehmen kann, stimmt etwas nicht“

Petersdom: der lastende Amtsverzicht
Petersdom: der lastende Amtsverzicht

„Wenn ein Papst zurücktritt, weil er nicht mehr am Weltjugendtag teilnehmen kann, dann stimmt etwas nicht.“

Francisco Fernandez de la Cigoña über die im Interview von Elio Guerriero gemachte Aussage, mit der Benedikt XVI. seinen Amtsverzicht begründete.

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23 Comments

  1. Dafür hätte man doch eine Lösung finden können. Ich finde das alles auch sehr eigenartig. Etwas scheint nicht zu stimmen.

  2. Dies war auch mein erster Gedanke.
    Als Begründung für einen Rücktritt reicht die Tatsache, nicht mehr zum Weltjugendtag reisen zu können, jedenfalls nicht aus.
    Denn geistig war Papst Benedikt ja voll auf der Höhe.
    Es wird mehr dahinterstecken, auch wenn wir es nicht oder nie erfahren werden.

    • Liebe Marienzweig,
      wenn man sich eingehender mit dem theologischen Denken von Joseph Ratzinger befasst, wird man feststellen, dass der Rücktritt kein so großes Geheimnis ist, wie manche vermuten. Man muss daher nicht so absurde Gerüchte in die Welt setzen, dass Papst Benedikt erpresst worden sei. Papst Benedikt spürte, dass er den enormen Anstrengungen nicht mehr gewachsen sein würde. Gerade eine solche Schwäche eines Papstes könnte von subversiven Kräften in der Kirche ausgenutzt werden. Auch für die Zukunft stellt das ein ernstes Problem dar und hier wollte der Theologe Ratzinger noch aus der Autorität des Papstes heraus eine klare Antwort geben, dass eben auch ein Rücktritt ein möglicher Weg sein kann, nicht muss!

      Es ging also bei diesem Schritt des Papstes nicht nur um eine persönliche Entscheidung, sondern darum, für die Zukunft den Weg freizumachen, wenn ein Papst spürt, dass er seine Aufgabe nicht mehr in der erforderlichen Weise aus gesundheitlichen Gründen erfüllen kann. Es war also klar eine theologische Entscheidung. Papst Benedikt hat dies auch immer sehr deutlich erklärt, nur will man ihm hier nicht zuhören, weil eben Verschwörungstheorien interessanter sind. Betrachtet man sich die feindlichen Kräfte innerhalb der Kirche, dann muss man wirklich hoffen, dass der Papst immer im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Ein körperlich schwacher Papst könnte zum Spielball des Bösen werden.

      • Lieber Suarez!
        Ich finde es schön, dass Sie so sehr die damalige Situation des Papstes Benedikt berücksichtigen zur Zeit seines Rücktrittes.

        Als ich 2004 infolge äusserst dramatischer Umstände zum katholischen Glauben zurückfinden durfte, war ich darüber so glücklich, wie ich es nicht beschreiben kann.
        Ich erlebte die letzten Jahre des Papstes Johannes Paul II. mit und seinen zusehends gesundheitlichen Zerfall.
        Aber hat er nicht auch gerade dadurch sehr viele Herzen berührt?
        Papst Benedikt habe ich verehrt und als er mehr und mehr in die Kritik geriet, oftmals auf geradezu hämische Art niedergemacht wurde, da liebte ich ihn dafür umsomehr. Dabei hatte ich immer den Eindruck, er könnte -wenn er denn wollte- seine Kritiker allesamt locker in die Tasche stecken.
        Bei seinem Besuch in Freiburg -es war beim Münstergebet- kam er ganz nahe an mir vorbei und ich war ungemein berührt von seiner Ausstrahlung, die von Demut und großer Bescheidenheit geprägt war.
        Sein Rücktritt hat mir dann fast den Boden unter den Füßen weggezogen.
        Heute fühle ich mich zerrissen, was Papst Benedikt XVI. betrifft. Mir ist klar, dass er ein großer Theologe ist. Dass er einmal zum Kirchenlehrer ernannt werden könnte, kann ich mir gut vorstellen und würde mich darüber freuen.
        Was ich nicht verstehe ist der Zeitpunkt seines Rücktritts. Lag er meiner Erinnerung nach nicht
        so, dass z.B. Kardinal Kasper dadurch noch die Möglichkeit gegeben wurde, den neuen Papst mitzubestimmen?
        Benedikt musste doch wissen, wie modernistisch und progressiv eben dieser Kardinal war.
        Und kann ein Papst wirklich sein von Gott gegebenes Amt in der Weise abgeben, als handelte es sich um den Rücktritt des in die Jahre gekommenen Chefs eines Familienunternehmens, um seinem Sohn Platz zu machen?
        Ist nur ein körperlich gesunder Papst akzeptabel?
        Ist es denn vielmehr nicht die geistige Präsenz, die unabdingbar ist?
        Womit ich auch Probleme habe ist sein Verhältnis zu Papst Franzikus. Sieht er denn nicht, wie der amtierende Papst so häufig Verwirrung schafft?
        Im neuen Buch von Herrn Seewald ist aber ausdrücklich zu lesen, dass sich Benedikt ganz hinter Papst Franziskus stellt.
        Passt also doch kein Blatt Papier zwischen beide?
        Es ist alles so verwirrend und meine ganz zu Beginn erwähnte Freude am Glauben und Mitglied der katholischen Kirche zu sein, ist einer seelischen Not gewichen.
        Entschudligen Sie bitte die Länge meiner Antwort an Sie, lieber Suarez!

      • Eine nicht unwichtige Präzisierung meinerseits, lieber Suarez.
        Die „seelische Not“ bezog sich nicht auf meinen Glauben, sondern auf den Zustand der katholischen Kirche in unserer Zeit. Nicht dass etwa ein falscher Eindruck entsteht.

      • Sie machen es ja noch schlimmer! Die Heilsamkeit der Katholischen Kirche hängt nicht an der Gesundheit des Papstes, schon gar nicht an dessen physischer. Im Leid hat uns der Herr errettet.
        Ihre allzu weltliche und rein materialistische Betrachtung ist kennzeichnend für das, was heutzutage anstelle der Wahrheit geglaubt wird. Da gehe ich nicht mit.
        Und man braucht auch keine Verwschwörungstheorie bemühen, so vernünftig ein solches Vorgehen angesichts ungezählter Verschwörungen auch ist: Benedikt mag das einzig mögliche getan haben, um mit ihm noch den alten Glauben, das alte Papsttum sichtbar zu halten. Tatsächlich redet er allerdings so, wie Entführte und Gefangene sprechen, zu sprechen gehalten sind: Mir geht es gut, macht Euch keine Sorgen. Ich werde gut behandelt – und so weiter und so fort.

      • Liebe Marienzweig,
        Papst Benedikt steht fest auf dem Boden des Vaticanum II. Er war an der Ausarbeitung der Konzilstexte maßgeblich beteiligt. Vor dem Konzil konnte kein Bischof und Kardinal zurücktreten, die Emeritierung wurde erst ab dem Konzil möglich. Sie beruhte, dies hat Papst Benedikt in verschiedenen Vorträgen und Aufsätzen zum Konzil sehr genau ausgeführt, auf der Erfahrung, dass durch Alter schwer geschwächte Bischöfe und Kardinäle vor dem Konzil ihr Hirtenamt in Teils wohl wirklich nicht mehr akzeptabler Weise ausübten bzw. es eben faktisch nicht mehr ausüben konnten. Insofern übertrug Papst Benedikt diesen Gedanken, dass ein Hirte seinem Amt durch Alter und Krankheit nicht mehr gewachsen sein kann, konsequent auch auf das Papstamt. Sein Rücktritt ist also nur aus der Logik des Konzils verständlich. Natürlich war Papst Benedikt geistig noch voller Kraft, aber körperlich nicht mehr. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie sehr er körperlich sichtbar verfiel und man fast seinen baldigen Tod erwarten musste. Da Papst Benedikt schon immer ein Mensch von großer Entschlusskraft war und er die grundsätzliche, also von seiner Person unabhängige Gefahr sah, dass ein Papst in eine gesundheitlichen Zustand geraten kann, der die Ausübung seines Amtes unmöglich macht, hat er eben im Vollbesitz seiner geistigen Kraft den Weg frei gemacht. Es war also ein bewusster Schritt des Papstes, der eben nicht auf Repression beruhte, sondern aus einer tiefen Überzeugung. Man muss tatsächlich bedenken, dass ein Papst so sehr gesundheitlich verfallen kann, dass er nur noch ein Spielball der nicht immer lauteren Interessen im Vatikan werden könnte. Hier wollte Papst Benedikt einen Weg schaffen, der dem bei Bischöfen und Kardinälen gleicht.

        Was ich an Papst Benedikt immer bewundere, ist seine tiefe Demut und damit sein völliges Vertrauen in Gottes Handeln. Natürlich hätte er taktisch seinen Rücktritt noch verzögern können, doch damit hätte er aus seiner Sicht Gott ins Handwerk gepfuscht und das wollte er ganz sicher nicht. Man versteht Papst Benedikt und seine Theologie nicht, wenn man übersieht, dass er immer wieder hervorhebt, dass Gott ein personaler, also handelnder Gott ist, der durchaus die Geschicke dieser Welt in Händen hält und dem Menschen doch die Freiheit der Entscheidung lässt. Darum wollte er bezogen auf das Konklave nicht selbst in die Hand nehmen, was Gott sowieso lenkt.

        Ich glaube in der Tat auch, dass Papst Benedikt Papst Franziskus schätzt, wobei er sicher auch vieles an dem, wie Papst Franziskus vorgeht, so selbst nie machen würde. Aber Papst Benedikt bleibt auch hier seiner Grundüberzeugung treu, dass der kleine Mensch die Kirche ohnehin nicht retten kann, wenn Gott ihm nicht unterstützend hilft. Dass solche Hilfe uns nicht immer sichtbar ist, gehört wohl zum Geheimnis Gottes

      • Liebe Marienzweig,
        noch eine kleine Überlegung zu Ihren Gedanken.

        Sie fragen: „Und kann ein Papst wirklich sein von Gott gegebenes Amt in der Weise abgeben, als handelte es sich um den Rücktritt des in die Jahre gekommenen Chefs eines Familienunternehmens, um seinem Sohn Platz zu machen?“

        Bitte vergessen Sie nicht, das Papst Benedikt bei seinem Rücktritt sagte, er werde weiterhin der Kirche im Gebet dienen und zwar mit ganzem Herzen und mit seiner ganzen Kraft. Er ist nicht Privatier wie ein Firmenchef geworden, der nun seinen Ruhestand genießt, sondern ist weiterhin Hirte, nur eben in einer zurückgezogeneren Rolle. Es ist wirklich die Frage, wie ein Papst , dessen Kräfte schwindend Gott am besten dient, ob dieses Dienen für alle sichtbar sein muss, im Sinne eines öffentlichen Dienstes oder doch auch im Verborgenen sich vollziehen kann.

      • @MisterX

        Die Heilsamkeit der Katholischen Kirche hängt zuallererst am Heiligen Geist. Wo man Gott als Handelnden aus dem Spiel lässt, hängt man einer allzu weltlichen und rein materialistischen Betrachtung an. Das sollten Sie vielleicht einmal bedenken.

        „Tatsächlich redet er allerdings so, wie Entführte und Gefangene sprechen, zu sprechen gehalten sind…“

        Sie meinen Satan triumphiere schlussendlich doch über die Kirche?

  3. Aber ich werde Papst Benedikt immer lieben ,was auch passiert ist oder passieren wird.Ich bin seine treue Verehrerin.

  4. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“, schreibt Paulus; hätte Papst Benedikt nicht wie sein Vorgänger es auch getan hat, mehr auf die Kraft und den Beistand des allmächtigen GOTTES vertrauen müssen? Mithilfe seines kompetenten und vor allem loyalen Sekretärs hätte er die Herausforderungen des langen Pontifikats meistern können. In bestimmten Fällen, wie z.B. auch beim Weltjugendtag, wäre es möglich gewesen, einen Kardinals-Stellvertreter zu schicken. Alle Welt hätte es ihm nachgesehen. Natürlich wären seine Gegner und Kritiker dann auch lautstark auf den Plan getreten und hätten seine Abdankung verlangt. Dem wollte er wahrscheinlich vorbeugen.

  5. @Marienzweig: Narurlich braucht ein Papst nicht koerperlich gesund zu sein,das ist auch unmoeglich da Paepste meistens aeltere Maenner sind die normalerweise bis ihren Tod Papst gebleben sind. Und die sind doch nicht alle gesund gestorben!Ich finde,ein (heiliger)Vater bleibt immer Vater,gesund oder krank!

    • Ein emeritierter Bischof bleibt auch Bischof und ein emeritierter Papst bleibt eben auch ein Papst.

      Papst Benedikt hat ja ausdrücklich betont, dass man nicht vom Papstamt einfach wieder in einen anderen Stand wechseln kann. Darum ja auch der Titel „Summus Pontifex emeritus“ mit der Anrede „Heiliger Vater“.

  6. Die Entscheidung von Papst Benedikt bleibt rätselhaft, besonders der Zeitpunkt. Wenige Wochen später hätten seine kirchlichen Feinde und Hasser keine Chance mehr gehabt. Die Kirche war auf gutem Weg: Beginn von neuem Wachstum, „Generation Benedetto“, Berufungen junger Männer und Frauen, Entstehung neuer geistlicher, erfolgversprechender Gemeinschaften. Nach 3 Jahren ist fast alles wieder zerstört. Freude und anhaltender Beifall kommt nur von Gegnern und Zerstörern der Kirche. Der postkonziliare Niedergang beschleunigt sich rapide. Beschimpfung, Verwirrung und Auflösung der Gläubigen allenthalben.

    • Nachdem Papst Benedikt im Konklave 2005 schon miterleben musste, wie seine Dauergegner Kasper und Co., ihren Favoriten Jorge Mario Bergoglio durchzudrücken versuchten, hätten bei ihm die Alarmglocken längst läuten müssen! Er wäre verpflichtet gewesen, in einem weiteren Konklave nach seinem Rücktritt, diesem Ansinnen vorzubeugen! „Jeder, der einen Turm baut setzt sich zuerst hin und rechnet aus, ob seine Mittel dafür reichen…“ Auch in diesem Fall wäre eine solche Berechnung, „wer darf meinen Nachfolger mitwählen und wer nicht“, eine für die Kirche Not wendende Entscheidung gewesen, um dem Liberalisierungs- und Relativierungstrend keine Lobby zu geben. Meiner Meinung nach, die letzte Schuldigkeit eines freiwillig ausscheidenden Papstes!

  7. Wenn ich zu der Thematik noch einen Gedanken hinzufügen darf:
    der Rücktritt oder halbe Rücktritt von Papst Benedikt XVI. wirft eine ganze Reihe von Fragen auf. Aber wenn er gemerkt hat, daß es mit seinen körperlichen Kräften nicht mehr gut bestellt ist, ist so ein Rücktritt auch gut nachvollziehbar.

    Vielleicht ein Hinweis zur Apostelgeschichte: Simon Petrus war ja das Oberhaupt der Kirche. Im Jahre 42 aber fand eine große Verfolgung der Kirche statt, ausgelöst von den politischen Machthabern und den religiösen Führern. Jakobus der Ältere wurde enthauptet und man warf Petrus ins Gefängnis wo er durch einen Engel Gottes befreit wurde. Er mußte sogleich die Flucht ergreifen und ging an einen „anderen Ort“; nach der Tradition war es Rom. Jerusalem aber blieb zu dieser Zeit selbstverständlich der Mittelpunkt und Hauptort der jungen Christenheit, und der Apostel Jakobus der Jüngere war Bischof. Es ist anzunehmen, daß Jakobus d.J. dann auch das Oberhaupt der Kirche war (wahrscheinlich zusammen mit Johannes), daß er also den aktiven Part des Petrusamtes soz. übernommen hatte während Petrus das geistige Oberhaupt blieb.
    Man darf hier wohl auf einen soz. geteilten Papstdienst schließen, ähnlich wie heute.
    Vielleicht zum Beweis: beim Apostelkonzil in Jerusalem, Jahre später, sprach Petrus, aber nach ihm ausführlich Jakobus d.J. und seine Vorschläge wurden von allen übernommen.

  8. @Suarez am 18. September 2016 at 13:41

    Sie schreiben in Ihrem Kommentar:
    “ … hat er eben im Vollbesitz seiner geistigen Kraft den Weg frei gemacht.“

    Frei gemacht wofür?
    Wirklich tiefgläubige, eher traditionell orientierte Katholiken fühlten sich schon vielfach durch Äusserungen Papst Franziskus vor den Kopf gestoßen, gar an den Pranger gestellt, während ganz der Welt zugewandte Menschen innerhalb und ausserhalb der Kirche ihm zujubeln.
    Dass Sie es wichtig finden, dass ein Papst geistig und körperlich gesund sein sollte, um sein Amt gut ausfüllen zu können, ist nachvollziehbar und Ihr Argument, „dass er nur noch ein Spielball der nicht immer lauteren Interessen im Vatikan werden könnte,“ ist ja nicht ganz von der Hand zu weisen.
    Doch kann körperliche Gesundheit das einzige Merkmal eines guten Pontifikats sein?
    Auch einem gesunden Papst kann geschadet werden, wenn es interessierte Kreise gezielt darauf anlegen, dies zu tun.

    Hätte Papst Benedikt sich radikal zurückgezogen, sich mehr oder weniger unsichtbar gemacht oder wäre er wieder zum Kardinal geworden, hätte er das weiße Gewand ausgezogen und würde er nicht weiterhin als Heiliger Vater angesprochen werden – es wäre leichter für viele von uns, seinen Rücktritt innerlich anzunehmen.
    Denn beten, lieber Suarez, kann man auch im Verborgenen.

    Es ist wahr, wir wissen nicht um Gottes Absichten. Wir haben die Zusage Jesu Christi, dass er stets Seiner Kirche den Beistand schenkt. Aber diese Zusage muss ja nicht zwangsläufig die katholische Kirche der „westlichen“ Art betreffen.
    Es ist also durchaus möglich, dass sie an die Wand gefahren wird und es zukünftig Bischöfe braucht, die die größten Schäden zu verhindern suchen bzw. sie rückgängig zu machen.

    • Liebe Marienzweig,
      ich habe schon oft mein Unverständnis über Aussagen und Entscheidungen von Papst Franziskus geäußert. Ich bin wie Sie zutiefst betrübt über die lehramtliche Schwäche dieses Pontifikates. Gleichwohl sollte man aber die Entscheidung von Papst Benedikts zum Rücktritt nicht allein auf die Frage der direkten Nachfolge fokussieren.

      Wenn ich die Kritikpunkte vieler traditionalistischer Katholiken einmal zusammenfassen darf, dann ergeben sich folgende Punkte:

      1.) Der Papst ist von Gott eingesetzt und kann daher nicht von seinem Amt zurücktreten

      2.) Gesundheitliche Gründe stellen allein keinen Grund für einen Rücktritt dar

      3.) Papst Benedikt war zwar gesundheitlich angeschlagen, dafür aber geistig fit genug, um weiterhin das Pontifikat auszuüben

      4.) Der Papst hätte noch mit seinem Rücktritt warten müssen, um den Einfluss von Kardinälen, wie Kasper, zu beschneiden, die kurz vor der Emeritierung standen

      5.) Papst Benedikt hätte um die Gefahr eines progressiven Nachfolgers wissen müssen

      6.) Der Papst hätte wieder in den Bischofsrang zurückkehren müssen

      Wer diese 6 Hauptpunkte (man könnte sicher noch einige zufügen) im Ganzen überblickt, dem wird sofort auffallen, dass sich hier Widersprüche finden, die schon deutlich machen, dass die Diskussion stark emotional beladen ist.

      Nehmen wir Punkt 1: Nach der Lehre der Kirche ist auch ein Bischof von Gott eingesetzt und dennoch gibt es die kirchliche Praxis der Emeritierung. Der Papst ist primus inter pares, letztendlich also Bischof von Rom. Seine herausgehobene Stellung hebt ihn zwar, was die lehramtliche Autorität angeht, deutlich von den anderen Bischöfen ab, vom Grunde her bleibt er aber Bischof wie alle anderen Bischöfe auch. Was also bei den anderen Bischöfen möglich ist, muss dann auch bei dem Bischof von Rom möglich sein. Papst Benedikt ist ja unbestreitbar ein großer Theologe, der genau dieser Logik folgt.

      Nehmen wir Punkt 2: Natürlich ist die Gesundheit der einzige Grund einen Rücktritt zu rechtfertigen. Das ergibt sich schon daraus, dass der Papst Diener ist. Wo er nicht mehr dienen kann, stellt sich ein Problem, dass Ratzinger lösen wollte.

      Zu Punkt 3: Geistige Fitness ist von körperlicher Fitness nicht wirklich zu trennen. Nur wo die körperlichen Kräfte ausreichen, kann ein Papst auch seine Autorität als Papst wahren, ansonsten verfällt die Autorität.

      Punkt 4 erkennt die Praxis der Emeritierung vom Grunde her an, will sie nur nicht auf den Papst angewendet sehen. Man stelle sich bitte einmal vor, Kardinäle, wie Kasper oder Lehmann und andere könnten bis zu ihrem Tod weiter massiven Einfluss in der Kirche nehmen. Hier ist doch jeder traditionalistische Katholik froh, dass diese emeritieren mussten.

      Zu Punkt 5: Möglicherweise hat er die Gefahr auch gesehen, nur ist Papst Benedikt ein tief gläubiger Mensch, der auf Gott vertraut, auch wenn die Wege zum Heil uns zuweilen etwas verschlungen erscheinen. Zudem wollte Papst Benedikt bewusst und bei klarem Verstand(!) eine „Grundsatzentscheidung“ in der Kirche und damit auch der Lehre herbeiführen, die weit über das nachfolgende Pontifikat hinauswirkt. Man stelle sich vor, in der Zeit als Papst Johannes Paul II. immer stärker gesundheitlich verfiel, hätte nicht der Präfekt der Glaubenskongregation in Person von Joseph Ratzinger an seiner Seite gestanden, sondern z.B. Kardinal Kasper. Was hätte dann eine solche Konstellation für Folgen. Die Kirche braucht einen tatkräftigen Papst, gerade in diesen stürmischen Zeiten. Dass Papst Franziskus, was seine Physis angeht, sehr tatkräftig ist, kann man kaum in Abrede stellen, dass er zu recht eigenwilligen Auftritten neigt, steht auf einem anderen Blatt. Bei aller berechtigten Kritik kann man aber Papst Franziskus nun nicht als den „Reformer“ hinstellen, den die progressiven Kräfte in der Kirche gerne in ihm gesehen hätten. Und wenn wir an Gottes Wirken in der Kirche als traditionsverbundene Christen glauben, dann können wir uns nicht bei diesem Pontifikat von diesem Glauben dispensieren und nun alles wieder in Menschenhand legen wollen.

      Wir wissen nicht, welchen Sinn dieses Pontifikat konkret für die Kirche und die Gläubigen hat, vielleicht diesen, den Glauben insofern zu stärken, als der einzelne Christ sich gerade durch die Widersprüche intensiv mit seinem Glauben auseinandersetzen muss.

      Zu Punkt 6: Da der Papst der Bischof von Rom ist, kann er auch nicht in einen Bischofsrang (Kardinalsrang) zurückkehren, da er ja Bischof von Rom ist und bleibt. Ein emeritierter Bischof bleibt ja auch Bischof.

      • Sie haben schon recht mit Ihrem Gedankengang, was das für Folgen hätte haben können, wenn statt Joseph Ratzinger als Glaubenspräfekt Kardinal Kasper an der Seite des sehr kranken Papst Johannes Paul II. gestanden wäre.
        Ihre 6 Punkte habe ich gelesen, ich muss sie noch überdenken.
        Leider haben wir eine etwas unterschiedliche Sicht auf die damaligen Ereignisse, wie auch schon @Franzel11 recht gut beschreibt.
        Aber wie er schon schreibt ist dies bei einem solch einschneidenden Ereignis ja auch gar nicht anders möglich.
        Die Sichtweise von @Pia (vom 19., 10.56 Uhr) ist auch die meine.
        Sehen Sie, lieber Suarez, es geht ja nicht um Taktik, sondern um Klugheit. Klugheit also, um einen evtl. Schaden von der Kirche möglichst gering zu halten.
        Sich zurückzuziehen, ohne womöglich die Folgen zu bedenken …
        Bitte verstehen Sie uns, die wir damit Schwierigkeiten haben!

  9. Wenn man sich die Kommentare so durchliest, stellt man fest, daß es zum Rücktritt von Papst Benedikt XVI. unterschiedliche Meinungen und Deutungen gibt und das ist auch normal.
    Man muß seine Entscheidung und den Grund dafür, meine ich, zunächst einmal ohne wenn und aber akzeptieren und respektieren. Aber dann geht`s los und die Einlassungen von Herrn EB Gänswein und auch des Papstes eigenen im Interview mit Peter Seewald geben immer neuen Überlegungen und Spekulationen reichlich Raum.

    Es war lediglich ein halber Rücktritt, denn auch ein Papst em. ist etwas anders als ein Bischof em. Der Papst emeritiert sich selbst und ein Bischof hat zu emeritieren. Papst Benedikt XVI. begreift sich ja selber so, daß er doch eigentlich Papst geblieben ist und lediglich die Amtsgeschäfte abgegeben hat. Was heißt das für seinen Nachfolger (egal was er sagt und tut) und für „uns“, die Herde? Wem ist zu folgen, wer hat wirklich das Sagen?
    Es gibt einen geteilten Dienst, ein geteiltes Papstamt. Das wäre nicht so schlimm, wenn beide am selben Strang ziehen würden. Ist AL bspw. zur Gänze auch im Sinne von Papst Benedikt XVI. oder gilt nicht mehr, was vorher galt? Klar, Papst Benedikt könnte nichts soz. Nachteiliges über seinen (halben oder wie) Nachfolger sagen.
    Aber da er sich schon (halbwegs?) positiv? geäußert hat, sind auch solche Aussagen ein Stück weit verwirrend. Mehr und mehr verlagert sich somit die Diskussion auf Papst em. Benedikt XVI., ob er das wollte oder nicht.

    • Danke, Sie sprechen das Dilemma an, geehrter @Franzel11.
      Wir haben, wie es scheint, zwei Päpste.
      Der erste ordentlich gewählt – und ein großer Theologe!
      Ob ganz freiwillig zurückgetreten oder nicht, wir wissen es nicht.
      Der zweite womöglich nicht ganz ordentlich gewählt.
      Kardinal Daneels: „Sankt Gallen, das war ein angesehener Name; wir nannten uns DIE MAFIA.“

      http://www.katholisches.info/2016/09/20/papst-franziskus-jede-mafia-ist-finster-gilt-das-auch-fuer-die-innerkirchliche-mafia-des-geheimzirkels-sankt-gallen/

      Wenn sich hohe Würdenträger selbst „Mafia“ nennen, selbst wenn es witzig gemeint sein sollte, was ist von solchen Kirchenherren zu halten? Denn eine Mafia operiert ja gegen jemanden, sonst wäre es keine.
      Ich kann beim besten Willen kein Vertrauen in solche Würdenträger haben.
      Wenn Papst Benedikt um die Machenschaften dieser Gruppe wusste, hätte er doch annehmen müssen, dass sie nach seinem -für uns überraschenden- Rücktritt keine Ruhe geben würden, um erneut einen Kandidaten ihrer Wahl auf das Podest zu heben.
      Und so ist es ja auch gekommen.
      Gekommen ist auch viel Verwirrung!

      Wie sagte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch:
      „Es ist wieder interessant, katholisch zu sein.“
      Das war noch einmal ganz zum Schluss ein Schlag ins Gesicht des emeritierten Papstes.

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