„Barmherzigkeit hat Augen, um hinzusehen, Ohren, um zuzuhören, Hände, um wieder aufzurichten“

Liebe Brüder und Schwestern,

man kann viel über Barmherzigkeit sprechen; wichtiger ist es, die Barmherzigkeit zu leben. In Anlehnung an ein Wort aus dem Jakobusbrief (vgl. 2,17) können wir sagen: Die Barmherzigkeit für sich allein ist tot, wenn sie nicht Werke vorzuweisen hat. Was die Barmherzigkeit lebendig macht, ist die fortwährende Dynamik des Zugehens auf die Menschen, die sich in geistlicher oder materieller Not befinden. Die Barmherzigkeit hat Augen, um hinzusehen; Ohren, um zuzuhören; Hände, um wieder aufzurichten.

Der Alltag gibt uns vielfältige Gelegenheiten, die Bedürfnisse der Armen und Leid Tragenden mit Händen zu greifen. Es bedarf der Aufmerksamkeit unsererseits, um zu erkennen, was den Mitmenschen Not tut. Wer im eigenen Leben die Barmherzigkeit des Vaters erfahren hat, kann nicht gefühllos gegenüber den Nöten der Geschwister sein. In unserer globalisierten Welt gibt es viele Formen materieller und spiritueller Not, die uns einladen, nach neuen Weisen der Hilfe zu suchen.

Der Heilige Vater hat zudem über seine Reise nach Armenien gesprochen. Papst Franziskus dankt den Verantwortlichen und dem ganzen armenischen Volk für die Gastfreundschaft, mit der er als Bruder im Glauben und Pilger des Friedens empfangen wurde. Armenien ist das erste Volk, welches im vierten Jahrhundert das Christentum als Religion angenommen hat; und diesen Glauben hat es im Laufe seiner Geschichte immer wieder mit dem Martyrium bezeugt. Der Besuch des Heiligen Vaters will ein Zeichen sein – genauso wie seine geplante Reise nach Georgien und Aserbaidschan im September –, die Gemeinschaft unter den Christen zu stärken, damit sie im Zeugnis für Christus Sauerteig für eine gerechtere und solidarische Gesellschaft sind. Dies geschehe in einem Geist des Dialogs mit den anderen Kulturen und Religionen, um Hoffnung zu stiften und neue Wege des Friedens zu eröffnen.

Einen herzlichen Gruß richte ich an die Pilger und Besucher deutscher Sprache. Die Sommerzeit gibt vielen von euch eine Gelegenheit des Urlaubs und der Erholung. Vergessen wir nicht in dieser Zeit unsere menschlichen Beziehungen zu pflegen und die Barmherzigkeit zu leben. Damit erfahren auch wir Momente der Stärkung und der Ermunterung. Der Heilige Geist begleite euch auf euren Wegen!

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