Exklusiv und gewalttätig: Der Monotheismus im Kreuzfeuer des „Osservatore Romano“?

Monotheistische Religionen
Monotheistische Religionen im Kreuzfeuer des "Osservatore Romano"?

(Rom) Um der monatlichen Frauenbeilage des Osservatore Romano größere Aufmerksamkeit zu verschaffen, „wurde kein Geringerer als Kardinalstaatsssekretär Pietro Parolin bemüht“, so der Vatikanist Sandro Magister. Die Frage ist jedoch, wie es insgesamt mit dem Tagblatt des Vatikans weitergeht. Unklar ist, wer bei der Tageszeitung des Papstes überhaupt das Sagen hat. Das Ergebnis zeigt sich in Artikel, die Ausdruck einer sich allgemein breitmachenden Verwirrung sind.

Welche Zukunft für den Osservatore Romano?

Am 3. Mai traten in der Filmothek im Palazzo San Carlo, direkt angrenzend an das Gästehaus Santa Marta, neben dem Kardinal, auch der Chefredakteur der offiziösen Vatikanzeitung, Giovanni Maria Vian, und die Koordinatorin der Frauenbeilage „Donne Chiesa Mondo“ (Frauen Kirche Welt), Lucetta Scaraffia, auf.

Anwesend war auch der Präfekt des neuerrichteten Kommunikationssekretariats, Msgr. Dario Edoardo Viganò. Obwohl er der ranghöchste Zuständige im Medienbereich wäre, „stand er seltsamerweise wortlos am Ende des Saals mitten im Publikum“.

Vor einem Monat hatte Msgr. Viganò dem Schweizer Vatikanisten Giuseppe Rusconi (Rossoporpora) ein Interview gegeben. Darin war er sehr zurückhaltend, was die Zukunft des Osservatore Romano betrifft. Er deutete starke Einsparungen an. Das Schwergewicht solle auf das Internet verlagert werden. Die Druckausgabe sollte in einigen Sprachen ganz eingestellt werden und die italienische Ausgabe auf ein Mitteilungsblatt für die römischen Kongregationen reduziert werden. Der freie Verkauf sollte nur mehr über Zeitungshändler rund um den Vatikan erfolgen.

„Für uns ist es ein bißchen wie ein Amtsblatt“, hatte Viganò die Rolle umrissen, die er dem Osservatore Romano beimißt. Hintergrundberichte und intellektuelle Beiträge der unterschiedlichen Disziplinen sollten als Wochenblatt erscheinen, wie es derzeit beispielsweise für die deutsche Ausgabe des Osservatore Romano der Fall ist. „Kein Wort sagte er über die Frauenbeilage, die mutmaßlich für Viganò in Zeiten der Kürzungen und angesichts ihrer Kosten eher zu schließen als zu bewerben wäre“, so Magister.

Der „Pasticcio“ der Frauenbeilage des Osservatore Romano

Kardinalstaatssekretär Parolin wurde im Palazzo San Carlo nach den Kosten der Frauenbeilage gefragt. Es gebe einen Mäzen, so der Kardinal, und das sei die Italienische Post.

Die Entscheidung über die Zukunft der Beilage scheint damit aber noch nicht gefallen. Das Ergebnis der derzeitigen Lage sei, „daß man in dieser unsicheren Übergangsphase weder versteht, wer im Medienbereich des Vatikans das Sagen hat, noch wer darüber wacht, was publiziert wird“, so Magister.

Gerade die Frauenbeilage sei das beste Beispiel für den derzeitigen „Pasticcio“. Die März-Ausgabe hatte mit Nachdruck das Predigtrecht für Frauen gefordert, obwohl die kirchliche Disziplin und die Tradition ein solches weder kennen noch billigen. Die Frauenbeilage setzte sich dabei sogar über das Verbot hinweg, das Papst Franziskus in dieser Frage am Beginn seines Pontifikats ausgesprochen hatte.

„Einer der Schuldigen, der Prior von Bose, Enzo Bianchi, machte dann im Osservatore Romano wieder öffentlich einen Schritt zurück“, so Magister.

„Aktueller Zustand der Verwirrung“

Marco Vannini, zweifelhafter Autor des "Osservatore Romano"
Marco Vannini, zweifelhafter Autor des „Osservatore Romano“

Ein noch deutlicheres Beispiel für den „aktuellen Zustand der Verwirrung“, so Magister, ist ein Artikel, der am 26. April im Osservatore Romano erschienen ist. „Il disagio dei monoteismi“ (Das Unbehagen der Monotheismen) lautete sein Titel und bezog sich auf den bekannten deutschen Ägyptologen und Religionstheoretiker Jan Assmann.

„Bereits der Autor wirft manche Fragen auf“, so der Vatikanist. Es handelt sich um Marco Vannini, einen Mystik-Experten, dessen Positionen „meilenweit vom katholischen Bekenntnis entfernt sind“.

Die römische Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica hatte bereits 2004 aus der Feder von Pater Giandomenico Mucci SJ ein vernichtendes Urteil über Vannini abgegeben. Vannini „schließt die Transzendenz aus, unterdrückt die grundlegenden Wahrheiten des Christentums und endet über den neoplatonischen Weg unweigerlich in einer modernen Gnosis“.

Nichtsdestotrotz taucht Vannini seit 2014 immer häufiger als Autor im Osservatore Romano auf. Ausgerechnet ihm wurde nun der Artikel über Assmann anvertraut, einen Religionstheoretiker, für den die monotheistischen Religionen, vor allem das Judentum und Christentum gegenüber anderen Bekenntnissen ausschließend und gewalttätig seien, während die polytheistischen Religionen der Antike per definitionem friedlich gewesen seien.

Scalfaris Religions-Relativismus auf den Seiten des Osservatore Romano

Vannini ging in seinem Artikel mit keinem Wort auf Distanz zu Assmann, sondern machte sich vielmehr dessen These zu eigen.

„In einer Zeit erneuter Gewalt im Namen Gottes kann eine wahre religiöse Toleranz, die imstande ist die Relativität anzuerkennen, ohne in die Banalität abzurutschen, nur durch Überwindung der mosaischen Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Religion bestehen.“

Richtig sei dagegen das angebliche Religionsverständnis Gandhis „von der Wahrheit in uns, die uns ständige reinigt.“

Und weiter:

„In unserer globalisierten Welt kann die Religion nur als ‚religio duplex‘, als Religion auf zwei Ebenen Platz finden, die gelernt hat, sich als eine unter vielen zu verstehen und sich mit den Augen der anderen zu sehen, ohne deshalb den verborgenen Gott aus dem Auge zu verlieren, dem gemeinsamen ‚transzendentalen Punkt‘ aller Religionen.“

Mit anderen Worten, so Magister, gibt Vannini jene Ideen wieder, die Eugenio Scalfari im Zusammenhang mit dem Verhältnis zwischen den Religionen Papst Franziskus zuschreibt. Scalfari interpretierte dabei den Papst auf seine Weise. Allerdings wurde diese Interpretation vom Vatikan nie wirklich dementiert. Nun ist es der Osservatore Romano, der derselben Idee des aus freimaurerischem Haus stammenden Atheisten Scalfari Raum verschafft.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews/Youtube (Screenshot)

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1 Comment

  1. Seit Papst Benedikt habe ich die Deutsche Wochenausgabe. Die haben gerade angekuendigt dass sie 5 euro pro Jahr teuerer werden, 79,50 euro dann. Das ist es mir doch wert um den Kontakt mit „Rom“ zu bewahren.

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