Flüchtlingskrise als Schwanengesang – Videobotschaft von Papst Franziskus

Papst Franziskus Flüchtlinge
Papst Franziskus und die undifferenzierte Flüchtlingsfrage


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(Rom) Papst Franziskus bittet die Flüchtlinge in einer Videobotschaft „um Entschuldigung“, daß „wir“ sie „zu oft“ nicht aufgenommen hätten.

Die Videobotschaft wurde heute in Rom veröffentlicht. Sie entstand zum 35. Gründungstag des von Jesuiten geleiteten Flüchtlingszentrums Centro Astalli in Rom. Papst Franziskus erinnerte lobend an den umstrittenen Generaloberen des Jesuitenordens, Pater Pedro Arrupe, den Papst Johannes Paul II. 1981 wegen der progressiven Abirrungen im Orden entmachtete.
Franziskus listet eine Reihe von Gründen auf, die zur Flucht veranlassen und damit den Status von „Flüchtlingen“ verleihen würden, mit denen „das Brot, das Haus und das Leben zu teilen“ seien. Eine explosive Reihe, die weltweite Massenmigrationen zu rechtfertigen.

Die Videobotschaft wurde von Papst Franziskus in freier Rede gehalten. Sie knüpft an die Lampedusa-Gesten an, die Papst Franziskus mit dem den Besuchen der Insel Lampedusa (Italien), von Ciudad Juarez (Mexiko) und der Insel Lesbos (Griechenland) setzte. Ebenso an seine Aufforderung vom 5. September 2015: „Nehmt alle auf, Gute und Schlechte“. Eine Aufforderung, die Papst Franziskus den Vorwurf mangelnder Differenzierung einbrachte.

Die Videobotschaft im deutschen Wortlaut:

Liebste Flüchtlinge, liebe ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter und Freunde des Zentrums Astalli.

In diesem Jahr der Barmherzigkeit werden die 35 Jahre des Centro Astalli für die Flüchtlinge in Italien begangen.1

Eine Aktivität, die vor allem ein gemeinsames Gehen wie ein einziges Volk war, und das ist schön und richtig.

Ich war Fremder, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war Fremder.

Jeder von Euch Flüchtlingen, die Ihr an unsere Türen klopft, hat das Antlitz Gottes, ist das Fleisch Christi. Eure Erfahrung an Leid und  Hoffnung erinnert uns, daß wir alle Fremde und Pilger auf dieser Erde sind, die von jemand großzügig und ohne Verdienst aufgenommen wurden.

Wer wie Ihr aus dem eigenen Land geflüchtet ist, aufgrund von Unterdrückung, von Krieg, einer durch Umweltverschmutzung und durch Wüstenbildung entstellten Natur, von Ungerechtigkeit oder einer ungerechten Verteilung der Ressourcen des Planeten, ist ein Bruder, mit dem das Brot, das Haus, das Leben zu teilen ist.

Zu oft haben wir Euch nicht aufgenommen. Vergebt uns die Abschottung und die Gleichgültigkeit unserer Gesellschaften, die jene Veränderung des Lebens und der Mentalität fürchten, die Eure Gegenwart erfordert.

Behandelt wie ein Stück, ein Problem, ein Kostenfaktor: Ihr seid hingegen ein Geschenk. Ihr seid das Zeugnis, wie unser gütiger und barmherziger Gott das Übel und die Ungerechtigkeit, unter denen ihr leidet, zu einem Wohl für alle umwandeln kann. Jeder von Euch kann eine Brücke sein, die ferne Völker miteinander verbindet. Die eine Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen möglich macht, ein Weg, um unser gemeinsames Menschsein wiederzuentdecken.

Und Ihr habt mich aufgenommen. Ich war Fremder und ihr habt mich aufgenommen.

Ja, das Zentrum Astalli ist ein konkretes und tägliches Beispiel der prophetischen Vision von Pater Pedro Arrupe.2

Es war sein Schwanengesang in einem Flüchtlingszentrum in Asien.3

Danke Euch allen, Frauen und Männer, Laien und Ordensleuten, Freiwillige und Hauptamtliche. Ich ermutige Euch, weiterzumachen. 35 Jahre sind nur der Beginn eines Weges, der immer notwendiger wird, einziger Weg für ein versöhntes Zusammenleben.

Seid immer Zeugen der Schönheit, der Schönheit der Begegnung. Helft unserer Gesellschaft, die Stimme der Flüchtlinge zu hören, Geht Euren weg mutig an ihrer Seite weiter. Begleitet sie und laßt Euch auch von ihnen führen. Die Flüchtlinge kennen die Wege, die zum Frieden führen, weil sie den beißenden Geruch des Krieges kennen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Videobotschaft CTV/vatican.va (Screenshot)

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Fußnoten:

  1. Das Centro Astalli von Rom ist Teil des 1980 gegründeten Jesuit Refugee Service. []
  2. Der Baske Pedro Arrupe (1907-1991) wurde 1965 zum 28. Generaloberen des Jesuitenordens gewählt. Wegen seiner progressiven Haltung griff Papst Johannes Paul II. persönlich in die Belange des Ordens ein und entmachtete Arrupe nach einem Schlaganfall durch die Ernennung eines Päpstlichen Delegaten, des späteren Kardinals Paolo Dezza SJ. []
  3. Das Wort „Schwanengesang“ von Pedro Arrupe gebrauchte Papst Franziskus bereits am 14. November 2015 in einer Rede an Mitglieder des Jesuit Refugee Service (JRS). Die Idee zur Gründung des JRS kam Pater Arrupe beim Besuch eines Flüchtlingszentrums in Südostasien. Bei seiner Rückkehr nach Rom erlitt er einen Schlaganfall. Mit „Schwanengesang“, den Papst Franziskus 2015 als „Ikone“ bezeichnete, meint der Papst offenbar eine Art geistliches Vermächtnis. []

2 Comments on Flüchtlingskrise als Schwanengesang – Videobotschaft von Papst Franziskus

  1. Papst entschuldigt sich öffentlichkeitswirksam bei den Flüchtlingen.
    Der Kardinalfehler, wenn ich mal ironisch so sagen darf, liegt darin, dass „die Flüchtlinge“ in den allermeisten Fällen keine Flüchtlinge sind, sondern sich aus den verschiedensten selbstsüchtigen Beweggründen auf den Weg machen, um sich im abendländischen gutmütigen Europa durchfüttern zu lassen. Der Papst dagegen spricht penetrant von „den Flüchtlingen“ und übersieht geflissentlich die Fakten. Doch selbst wenn es anders wäre. Jesus hat durchaus auch dazu aufgerufen, sich zu vertragen, sich zu verzeihen, dem Nachbarn die Hand zu reichen und friedlich miteinander auszukommen und das gemeinsam Zerstörte gemeinsam wieder aufzubauen. Klar, das ist mühsam. Aber abhauen ist keine Lösung. Zu einem Bürgerkrieg wie zu einer Rauferei gehören immer zwei. Diese Menschen haben hier keine Zukunft. Wer anders redet lügt sich in die eigene Tasche um des guten Gewissens willen. Sehr bequem, aber trotzdem falsch.

  2. Wenn sich F. nur halb so viel für das Ungeborene Leben wie in der Flüchtlingsfrage engagieren würde, würde sich die Menschheit einen großen Schritt weiter nach vorne (oben) bewegen!

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