Rom und die Piusbruderschaft: „Das Treffen war gut“ – „Es geht in Richtung Personalprälatur“

"'Das Treffen war gut', wie Il Foglio von vatikanischen Quellen erfahren konnte.
"'Das Treffen war gut', wie Il Foglio von vatikanischen Quellen erfahren konnte.

(Rom) Matteo Matzuzzi, der Vatikanist der italienischen Tageszeitung Il Foglio, berichtete am Montag als erster, daß Bischof Bernard Fellay, der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X., am vergangenen Freitag von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen wurde. Hier Matzuzzis Artikel:

Der Papst hat Bernard Fellay, das Oberhaupt der Lefebvrianer, getroffen

Der Papst hat am Samstag1 Bernard Fellay empfangen, den Generaloberen und direkten Nachfolger2 von Monsignore Marcel Lefebvre an der Spitze der Bruderschaft St. Pius X. Das Gespräch „war positiv“, wie Il Foglio von vatikanischen Quellen erfahren konnte. Zwischen Franziskus und Fellay „ist das Einvernehmen gut“.

Es handelt sich um einen weiteren Schritt in Richtung kanonischer Anerkennung der Bruderschaft durch den Heiligen Stuhl in Form einer ad hoc errichteten Prälatur nach dem Vorbild des Opus Dei, also mit weitreichender und nicht nur organisatorischer Autonomie.

In einem vor kurzem in fünf Sprachen übersetzten und auf der Internetseite der Bruderschaft veröffentlichten Interview zeigte sich Fellay sehr dialogbereit, indem er mehrfach seine Wertschätzung für den regierenden Papst betonte:

„Es würde mich nicht weiter erstaunen, wenn er uns als einen jener Ränder ansieht, denen er ganz offenbar den Vorzug gibt. Und in eben dieser Sichtweise gebraucht er den Ausdruck: „ein Stück Wegs zurücklegen“ mit den Menschen an der Peripherie, in der Hoffnung, so die Dinge verbessern zu können. Es handelt sich also nicht um einen festen Willen, unmittelbar zum Ziel zu kommen, einen Weg zu gehen, so oder so…, aber Hauptsache man ist recht friedlich, nett, ohne allzu genau zu wissen, wo das endet. Wahrscheinlich ist das einer der tieferen Gründe.“

Bereits gegen Ende 2013 hatte es, wie die Internetseite Rorate Caeli ans Licht brachte, eine erste Begegnung in Santa Marta gegeben. Es handelte sich allerdings nicht um ein Gespräch, sondern um eine mehr zufällige Begegnung.

Im Interview merkte Fellay noch einen anderen Aspekt an, der erkennen läßt, wie weit der Weg zur Versöhnung bereits fortgeschritten ist:

„Sehr überraschend, denn es ist klar, dass Papst Franziskus uns leben und überleben lassen will. Jedem, der es hören will, sagt er, dass er der Priesterbruderschaft niemals etwas Böses antun wird. Er hat auch gesagt, dass wir katholisch sind. Er hat sich geweigert, uns als Schismatiker verurteilen zu lassen, er sagte: ‚Sie sind nicht schismatisch, sie sind katholisch‘, auch wenn er danach ein etwas rätselhaftes Wort gebrauchte, als er sagte, wir seien auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft. Für diesen Ausdruck ‚volle Gemeinschaft‘ hätten wir gern eine klare Definition, denn man sieht ja, dass er nichts Präzisem entspricht. Das ist ein Gefühl… man weiß nicht genau, was es ist.“

Eine Entscheidung, die in Econe, wo die Bruderschaft ihren Sitz hat3, besonders geschätzt wurde, betrifft die vom Papst den Katholiken gewährte Erlaubnis, bei den Lefebvrianischen Priestern beichten zu können. Der Papst erklärte das im Schreiben vom vergangenen 1. September, mit dem er zum Heiligen Jahr einen Ablaß gewährte:

„Eine abschließende Überlegung gilt den Gläubigen, die aus verschiedenen Gründen die von den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. betreuten Kirchen besuchen. Dieses Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit schließt niemanden aus. Von verschiedener Seite haben mir einige bischöfliche Mitbrüder vom guten Glauben und der guten sakramentalen Praxis dieser Gläubigen berichtet, allerdings verbunden mit dem Unbehagen, in einer pastoral schwierigen Situation zu leben. Ich vertraue darauf, dass in naher Zukunft Lösungen gefunden werden können, um die volle Einheit mit den Priestern und Oberen der Bruderschaft wiederzugewinnen. Bewegt von der Notwendigkeit, dem Wohl dieser Gläubigen zu entsprechen, bestimme ich in der Zwischenzeit in eigener Verfügung, dass diejenigen, die während des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit das Sakrament der Versöhnung bei den Priestern der Bruderschaft St. Pius X. empfangen, gültig und erlaubt die Lossprechung von ihren Sünden erlangen.“

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Il Foglio (Screenshot)

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Zuwendungsübersicht
  1. In Wirklichkeit fand die Privataudienz bereits am Freitag, dem 1. April statt, wie DICI, der Pressedienst der FSSPX, berichtete. []
  2. Direkter Nachfolger von Erzbischof Lefebvre als zweiter Generaloberer war von 1982-1994 Pater Franz Schmidberger. []
  3. Das Generalhaus der Piusbruderschaft befindet sich in Menzingen (Kanton Zug). In Econe (Kanton Wallis), befindet sich hingegen das Priesterseminar für die frankophonen Seminaristen. []

1 Comment

  1. Wird schwierig zu begründen, warum eine Absolution nur in einem befristeten Zeitraum gültig sein soll und noch dazu – Achtung Sarkasmus – bei dieser «Spaltertruppe» (Zitat eines kath.net-Stammkommentators)

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