„Barmherzigkeit bedeutet nie einen Verzicht auf die Gebote Gottes“ – Gesprächsbuch von Kardinal Müller

Kardinal Gerhard Müller: "Barmherzigkeit ist nie ein Verzicht auf die Gebote Gottes"
Kardinal Gerhard Müller: "Barmherzigkeit ist nie ein Verzicht auf die Gebote Gottes"


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(Rom) „Die Glaubenslehre der Kirche ändert sich nicht.“ Mit diesem Satz wird das Erscheinen eines Buches angekündigt. Während die Welt auf das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur doppelten Familiensynode wartet, steht das Gesprächsbuch „Bericht über die Hoffnung“ von Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der Glaubenskongregation vor der Veröffentlichung. Barmherzigkeit bedeute nie, daß die Gebote Gottes nicht mehr gültig wären. Die Regeln können daher nicht „durch das Leben überwunden“ werden, wie hingegen der neue Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, noch vor der Bischofssynode im Oktober 2015 gegenüber der Presse meinte.

Am 19. März, dem dritten Jahrestag seiner Amtseinführung, unterzeichnete Papst Franziskus das nachsynodale Schreiben über Ehe und Familie, das im April veröffentlicht werden soll.

Mit Kardinal Müller führte der spanische Priester Carlos Granados ein langes Gespräch, das in Buchform erscheint. Der spanische Originaltitel lautet „Informe sobre la esperanza“. Granados ist Generaldirektor der Bibliothek christlicher Autoren.

Die 1944 gegründete Biblioteca de Autores Cristianos (BAC) verlegt die Werke klassischer katholischer Autoren. Standort der Sammlung ist die Päpstliche Universität von Salamanca. Während der Regierung von General Franco wurde die Bibliothek zum nationalen Interesse erklärt und die Herausgabe der Werke durch staatliche Zuwendungen erleichtert.

Der erste Band der Bibliothek war die 1944 veröffentlichte spanische Bibelübersetzung von Nacar und Colunga, die noch heute als verbreitetste Bibelübersetzung im spanischsprachigen Raum gilt.

Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene widerspricht dem göttlichen Recht von der Unauflöslichkeit der Ehe

Carlos Granados übergibt Benedikt XVI. einen Band der spanischen Ausgabe seiner gesammelten Werke
Carlos Granados übergibt Benedikt XVI. einen Band der spanischen Ausgabe seiner gesammelten Werke

In der spanischen Lebensrechtszeitschrift Actuall wurden einige Auszüge aus dem Buch vorab veröffentlicht. Ein Hauptthema ist die Frage nach der Zulassung kirchlich verheirateter, aber zivilrechtlich wiederverheirateter Geschiedener. Kardinal Müller bekräftigt im Buch das Nein zur Kommunion. Es sei „nicht möglich“ jenen die Kommunion zu gewähren, die außerhalb ihrer gültigen Ehe in einer anderen Beziehung leben. „Die Natur des göttlichen Rechts der Unauflöslichkeit der Ehe“ mache es unmöglich, so der Kardinal.

Der Glaubenspräfekt liefert es nun auch schriftlich, daß bei der Familiensynode von der Mehrheit darauf beharrt wurde, daß die Kommunion für diese Personen nicht möglich ist.

„Die Barmherzigkeit ist nie ein Verzicht auf die Gebote Gottes oder eine Rechtfertigung dafür, sie außer Kraft zu setzen oder aufzuheben: ‚Geh und sündige nicht mehr‘, sagt Jesus zur Ehebrecherin, nachdem er sie mit großer Barmherzigkeit behandelt hatte.“

An diesem Vorbild Jesu hätten sich die Hirten, Priester und Bischöfe, auszurichten und „sich anzustrengen, die wiederverheirateten Geschiedenen mit Taktgefühl und Herzlichkeit aufzunehmen, um sie zu begleiten und sie in das normale Lebend der Kirche einzubinden“.

Größtes Ärgernis der Kirche wäre es, „Unterschied zwischen Gut und Böse nicht mehr beim Namen zu nennen“

Wer dagegen einwende, die Position der Kirche zur Sexualmoral sei nicht realistisch, dem antwortet Kardinal Müller:

„Das größte Ärgernis, das die Kirche geben kann, ist nicht, daß es in ihr Sünder gibt, sondern aufzuhören, den Unterschied zwischen Gut und Böse beim Namen zu nennen und ihn zu relativieren; aufzuhören, zu erklären, was die Sünde ist oder sie rechtfertigen zu wollen für eine angeblich größere Nähe und Barmherzigkeit gegenüber dem Sünder.“

Zum Ehesakrament sagt der Glaubenspräfekt, in einer Ehe „kann das Zusammenleben scheitern, oder die menschlichen Erwartungen, aber nicht das Handeln Gottes, weshalb das Sakrament als solches nicht scheitert.“

Die Ehe sei „kein Ideal, kein Reflex meiner Wünsche wie bei einem Kind, das gerne Astronaut werden möchte … die Ideale sind häufig nicht verwirklichbar“. Die Ehe sei hingegen „eine von Gott gegebene Wirklichkeit: die Heiligung der Eheleute und des Lebens“.

Gender-Ideologie sei der Versuch des Menschen sich an die Stelle Gottes setzen zu wollen

Kardinal Müller nimmt auch zur Gender-Theorie Stellung und wiederholt eine wirksame Aussage von Papst Franziskus, mit der er diese Ideologie auf den Punkt brachte, als er von „ideologischer Kolonialisierung“ sprach:

„Kann man eine Gesellschaft aufbauen, ohne den Unterschied zwischen Mann und Frau zu respektieren?“, fragt der Kardinal. Wie Adam und Eva wolle der Mensch, so Kardinal Müller, bei der Gender-Ideologie sich selbst zum Gott erheben und bestimmen, was Gut und was Böse ist.

Text: Giuseppe Nardi
Bild. Youtube/Religionenlibertad (Screenshots)

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