Kein „Franziskus-Effekt“ – Priesterberufungen in Buenos Aires im Keller


Berufungskrise Buenos Aires
Berufungskrise in Buenos Aires

(Bue­nos Aires) „Fran­zis­kus-Effekt“ im Erz­bis­tum Bue­nos Aires? Mit die­ser Fra­ge beschäf­ti­gen sich katho­li­sche Krei­se Argen­ti­ni­ens und brin­gen sie in Zusam­men­hang mit der Beru­fungs­kri­se in der größ­ten Diö­ze­se des latein­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des. 2016 wer­den zum drit­ten Mal inner­halb inner­halb von fünf Jah­ren nur drei Neu­prie­ster für das Erz­bis­tum geweiht. Ein Tief­punkt für eine Diö­ze­se mit fast drei Mil­lio­nen Katholiken.

In der Aus­ga­be vom ver­gan­ge­nen Sonn­tag, berich­te­te Clarà­n, die größ­te Tages­zei­tung Argen­ti­ni­ens über das Thema:

„In die­sem Jahr, 2016, wer­den nur drei Semi­na­ri­sten zu Prie­stern geweiht und in die Erz­diö­ze­se von Bue­nos Aires ein­ge­glie­dert. Die Zahl in einem Kir­chen­be­zirk, der mehr als drei Mil­lio­nen Ein­woh­ner zählt, und der die Hei­mat des der­zei­ti­gen Pap­stes ist, kenn­zeich­net einen bei­spiel­lo­sen Nie­der­gang des Prie­ster­tums als gewähl­te Form des geweih­ten Lebens.“

Die Erz­diö­ze­se sei damit von der­sel­ben schwe­ren Beru­fungs­kri­se betrof­fen wie die gro­ßen reli­giö­sen Orden der katho­li­schen Kir­che, so die Tages­zei­tung. „Die Fol­gen die­ser Beru­fungs­kri­se sind, daß meh­re­re Pfar­rei­en von Bue­nos Aires, aber auch des Hin­ter­lan­des nicht mehr stän­dig durch einen Prie­ster besetzt wer­den kön­nen“, so Clarà­n. Prie­ster wür­den zwar in allen Pfar­rei­en die Hei­li­ge Mes­se zele­brie­ren und die Sakra­men­te ver­wal­ten, aber nicht mehr in allen Pfar­rei­en wür­de ein Pfar­rer residieren.

Rückgang der Priesterberufungen in Buenos Aires hält an

Das Erz­bis­tum Bue­nos Aires erleb­te bis­her bei den Prie­ster­be­ru­fun­gen kei­nen „Fran­zis­kus-Effekt“. Die drei Semi­na­ri­sten, die 2016 geweiht wer­den, sind noch unter Jor­ge Mario Berg­o­glio als Erz­bi­schof von Bue­nos Aires ins Prie­ster­se­mi­nar ein­ge­tre­ten. Der Nega­tiv­re­kord an Prie­ster­amts­an­wär­tern ist eine Hin­ter­las­sen­schaft des amtie­ren­den Pap­stes. Auch für die Zukunft sei­en die Aus­sich­ten nicht rosig. Die gerin­gen Neu­ein­trit­te las­sen bis­her kei­ne Trend­wen­de durch das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus erkennen.

1988 wur­den durch Kar­di­nal Juan Car­los Aram­bu­ru, den Vor­vor­gän­ger Berg­o­gli­os, 24 Neu­prie­ster geweiht. 2008 konn­te Kar­di­nal Berg­o­glio zehn Neu­prie­ster wei­hen, 2009 vier­zehn, 2009 waren es sechs, 2011 zehn Neu­prie­ster und 2012, bei den letz­ten Wei­hen vor sei­ner Wahl zum Papst, nur mehr drei.

Sein von ihm ernann­ter Nach­fol­ger, Erz­bi­schof Mario Aure­lio Kar­di­nal Poli, konn­te in sei­nem ersten Amts­jahr sechs Neu­prie­ster wei­hen, 2014 waren es erst­mals nur drei, 2015 fünf.

Das Phä­no­men betrifft nicht nur das Erz­bis­tum Bue­nos Aires, son­dern auch ande­re Diö­ze­sen des Lan­des. „Eini­ge Diö­ze­sen beru­fen aus­län­di­sche Prie­ster, zum Bei­spiel aus Polen oder aus Län­der, die erst vor kur­zem evan­ge­li­siert wur­den wie Süd­ko­rea, die ein star­kes Wachs­tum erle­ben“, so die Tages­zei­tung Claràn.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Clarà­n (Screen­shot)