Umberto Eco – die traurige Parabel eines Nominalisten

Umberto Eco (1932-2016) "hätte ein heiliger Franz von Sales werden können"
Umberto Eco (1932-2016) "hätte ein heiliger Franz von Sales werden können"

von Roberto de Mattei*

Am 23. Februar 2016 fand in Mailand die „laizistische Bestattung“ des Schriftstellers Umberto Eco statt, der am 19. Februar im Alter von 84 Jahren gestorben ist. Eco war eines der schlimmsten Produkte der Turiner und der italienischen Kultur des 20. Jahrhunderts. Seine Turiner Herkunft ist zu betonen, weil Piemont im 19. Jahrhundert eine Schmiede großer Heiliger war, im 20. Jahrhundert aber auch zahlreicher laizistischer und antikatholischer Intellektueller.

Die „Turiner Schule“, von Augusto Del Noce gut beschrieben, wechselte unter dem Einfluß von Antonio Gramsci (1891-1937) und Piero Gobetti (1901-1925) vom Idealismus zur marxistischen Aufklärung. Dabei behielt sie stets ihr immanentistisches und antikatholisches Wesen bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg übte diese kulturelle Richtung eine so starke Hegemonie aus, daß sie sogar Katholiken anzuziehen vermochte, und das nicht wenige.

Umberto Eco, 1932 in Alessandria geboren, hatte im Alter von 16 Jahren bereits eine Leitungsfunktion in der Katholischen Aktion seiner Heimatdiözese inne. Wie er selbst erzählte, war er nicht nur Aktivist, sondern „Gläubiger mit täglichem Kommunionempfang“. Er nahm am Wahlkampf von 19481 teil, klebte Plakate und verteilte antikommunistische Flugblätter. Er arbeitete dann mit dem nationalen Vorstand der Katholischen Aktion in Rom zusammen, während er an der Universität Turin studierte. 1954 promovierte er mit einer Arbeit über die Ästhetik bei Thomas von Aquin. Im selben Jahr gab er den katholischen Glauben auf. Seine Arbeit wurde 1956 unter dem Titel „Das ästhetische Problem beim heiligen Thomas“ veröffentlicht und ist sein einziges Buch, das zu lesen, sich lohnt.

"Der Name der Rose" (1980)
„Der Name der Rose“ (1980), William von Baskerville (Sean Connery) und Adson von Melk (Christian Slater).

Wie kam es zu seiner Apostasie? Mit Sicherheit läßt sich sagen, daß sie überlegt, überzeugt und endgültig war. Mit spöttischem Unterton sagte Eco, er habe den Glauben durch das Lesen des heiligen Thomas von Aquin verloren. Den Glauben verliert man aber nicht, sondern lehnt ihn ab. Am Ursprung seiner Entfernung von der Wahrheit steht daher nicht der heilige Thomas, sondern der philosophische Nominalismus, der eine dekadente und deformierte Interpretation der thomistischen Lehre ist. Eco blieb bis zuletzt ein radikaler Nominalist, für den es keine universalen Wahrheiten gab, sondern nur Namen, Zeichen und Konventionen. Wilhelm von Ockham (um 1288-1347), der Vater des Nominalismus, ist in William von Baskerville dargestellt, der Hauptfigur seines berühmtesten Romans „Der Name der Rose“ (1980, deutsche Übersetzung 1982), der mit einem nominalistischen Motto endet: „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“.

Das Wesen der Rose (wie jeder Sache) reduziert sich auf einen Namen; wir haben nur Namen, einen Anschein, Illusionen, aber keine Wahrheit und keine Gewißheit. Eine andere Figur des Romans, Adson von Melk, behauptet: „Gott ist ein lautes Nichts“. Alles ist letztlich nur ein Spiel, ein Tanz auf dem Nichts. Dieses Konzept ist dasselbe, das einem anderen philosophischen Roman Ecos zugrundeliegt: „Das Foucaultsche Pendel“ (1988, deutsche Übersetzung 1989). Hinter der Metapher des Pendels steht ein Gott, der im Nichts aufgeht, im Bösen, dem absoluten Dunkel.

Ein Gott, der "absolutes Dunkel" ist
Ein Gott, der „absolutes Dunkel“ ist

Das wirkliche Pendel im Denken Ecos war in Wirklichkeit das Schwanken zwischen dem absoluten Rationalismus der Aufklärer und dem Irrationalismus des Okkultismus, der Kabbala, der Gnosis, die er zwar bekämpfte, von denen er aber gleichzeitig auf morbide Weise angezogen wurde. Wenn der Nominalismus die Realität ihrer Bedeutung entleert, dann ist das unvermeidliche Ergebnis der Fall ins Irrationale. Um dem zu entrinnen, bleibt nichts als der absolute Skeptizismus. Wenn Norberto Bobbio (1909-2004) die neokantische Version der Turiner Aufklärung des 20. Jahrhunderts darstellt, verkörpert Umberto Eco die neolibertine. Einer seiner letzten Romane, „Der Friedhof von Prag“ (2010, deutsche Übersetzung 2011), ist die implizite Apologie dieses moralischen Zynismus, der zwangsläufig auf das Fehlen des Wahren und des Guten folgt.

Auf den mehr als 500 Seiten des Buches findet sich weder ein einziger idealer Impetus noch irgendeine Figur, die von Liebe oder Idealismus angetrieben wird. „Der Haß ist die wahre Urleidenschaft. Die Liebe ist eine anomale Situation“, läßt Eco Ratschkowski, eine der Hauptfiguren sagen.2 Trotz der verachtenswerten Figuren und dem kriminellen Geschehen fehlt den Seiten jene tragische Note, die allein ein literarisches Werk groß machen kann.

Der sarkastische Ton ist der einer Komödie, in der sich der Autor über alle und jeden lustig macht, weil das einzige, an das er wirklich glaubt, die filets de barbue sauce hollandaise sind, die man im Lapérouse am Quai des Grands-Augustin bekommt, die écrevisses bordelaises oder die mousses de Volailles im Café Anglais der Rue Gramont und die filets de poularde piqués aux truffes im Le Rocher de Cancale der Rue Montorgueil. Das Essen ist die einzige Sache, die im Roman triumphiert und ständig von der Hauptfigur zelebriert wird, die gesteht: „Die Küche hat mich immer mehr befriedigt als der Sex. Vielleicht ein Fingerabdruck, den mir die Priester hinterlassen haben.“ Nicht zufällig wurde Eco 1992 mit einer kolossalen Magenverstimmung in ein Krankenhaus eingeliefert und dem Tode nahe von den Ärzten schon fast aufgegeben.

Umberto Eco mit Kardinal Carlo Maria Martini SJ, beide erhielten 2000 den Prinzessin- von-Asturien-Preis
Umberto Eco mit Kardinal Carlo Maria Martini SJ, beiden wurde 2000 der Prinzessin- von-Asturien-Preis verliehen

Eco war technisch gesehen ein großer Jongleur, weil er alle zum Narren hielt: seine Leser, seine Kritiker und vor allem die Katholiken, die ihn fast als eine Art Orakel zu ihren Tagungen einluden. Als wäre es ein Spiel, richtete er 1974 anläßlich des italienischen Referendums über die Scheidung aus den Spalten des Wochenmagazins Espresso einen Aufruf an die Scheidungsverfechter zu einer intelligenteren Ausrichtung ihrer Propagandakampagne mit den Worten:

„Die Kampagne für das Referendum sollte frei von theoretischen Aussagen, rücksichtslos und direkt sein, und auf einen kurzfristigen Effekt abzielen. Vorwiegend auf ein Publikum ausgerichtet, das leichte Beute für emotionale Anstöße ist, sollte sie ein positives Bild der Scheidung verkaufen, das die emotiven Appelle der Gegenseite genau auf den Kopf stellt… Die Themen dieser ‚Verkaufs‘-Kampagne sollten sein: die Scheidung tut der Familie gut, die Scheidung tut den Frauen gut, die Scheidung tut den Kindern gut… Seit Jahren erleben die italienischen Werbestrategen ihr Identitätsdrama: gebildet und informiert, sehen sie sich als Gegenstand einer soziologischen Kritik, das sie als treue Diener der konsumorientierten Macht ausweist… Sie versuchen kostenlose Kampagnen für mehr Grün und Blutspenden, fühlen sich aber von den großen Fragen ihrer Zeit ausgeschlossen und dazu verdammt, Seifen zu verkaufen. Die Schlacht für das Referendum wird der Prüfstein sein für die Ehrlichkeit der so oft geäußerten, angeblichen zivilgesellschaftlichen Ambitionen sein. Es genügt, daß eine Gruppe von sachkundigen, dynamischen, rücksichtslosen, demokratischen Werbeagenturen sich koordiniert und kostendeckend arbeitet, um eine Kampagne dieser Art zu unterstützen. Es genügen ein Telefonrundruf, zwei Versammlungen, ein Monat intensiver Arbeit. Ein Tabu in wenigen Monaten zu zerstören, ist eine Herausforderung, die jedem Werbefachmann, der seinen Beruf liebt, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen sollte…“.

Das Tabu, das es zu zerstören galt, war die Familie, die für einen Relativisten wie ihn, keinerlei Existenzberechtigung hatte. Die Zerstörung der Familie ging nach 1974 etappenweise weiter. Eco hat sie mit Genugtuung begleitet. Sein Abgang erfolgte im unmittelbaren Vorfeld der Anerkennung homosexueller Verbindungen, die das Endergebnis der Einführung der Scheidung vor 40 Jahren bildet. Die natürliche Familie wird durch die unnatürliche ersetzt.

Der Relativismus feiert seinen scheinbaren Triumph. Umberto Eco trug kräftig zu diesem Werk der Schändung der natürlichen und christlichen Ordnung bei. Er wird sich aber nicht so sehr für das viele Schlechte, das er getan hat, verantworten müssen, sondern für das Gute, das er tun hätte können, wenn er sich der Wahrheit nicht mit Absicht verweigert hätte. Was nützt es, 40 Ehrendoktorate zu bekommen und 30 Millionen Exemplare allein von einem Buch (Der Name der Rose) zu verkaufen, wenn man damit nicht die ewige Glückseligkeit erwirbt? Der junge Aktivist der Katholischen Aktion hätte in diesem Europa, das heute Missionsland ist, ein heiliger Franz von Sales sein können. Er aber nahm die Worte nicht auf, die der heilige Ignatius zum heiligen Franz Xaver sagte, und die Gott in jedem christlichen Herz erklingen läßt: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet?“ (Lk 9,25).

*Roberto de Mattei, Historiker, Vater von fünf Kindern, Professor für Neuere Geschichte und Geschichte des Christentums an der Europäischen Universität Rom, Vorsitzender der Stiftung Lepanto, Autor zahlreicher Bücher, zuletzt erschienen: Vicario di Cristo. Il primato di Pietro tra normalità ed eccezione (Stellvertreter Christi. Der Primat des Petrus zwischen Normalität und Ausnahme), Verona 2013; in deutscher Übersetzung zuletzt: Das Zweite Vatikanische Konzil – eine bislang ungeschriebene Geschichte, Ruppichteroth 2011.

Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana/europeanfoundations (Screenshot)

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Zuwendungsübersicht
  1. 1948 fanden die ersten Parlamentswahlen der Nachkriegszeit statt, dabei ging es um die Richtungsentscheidung zwischen einem christdemokratisch oder einem kommunistisch geführten Italien und damit um die Zugehörigkeit zu einem von Washington geführten westlichen oder einem von Moskau geführten östlichen Bündnis, Anm. Katholisches.info []
  2. Matthias Matussek schrieb im Spiegel 40/2011 v. 1.10.2011: „Was für eine Oper des Hasses“ […]. Ein Libretto aus Gift und Galle, aus Hass auf alles, was sich bewegt […]. Wir sitzen sogar beim softpornografischen Humbug einer schwarzen Messe in der ersten Reihe […].“ []
hedi züger
Herzlichen Dank an Herrn de Mattei und seinen Übersetzer für diese sorgfältige und kompetente Analyse. Was mich sehr erschüttert hat, ist diese fatale Entwicklung eines strahlenden, gläubigen, hochbegabten Menschen: civitas plena divitiis – Stadt voller Reichtümer. Erinnert mich diesbezüglich an H.Himmler, der nach seiner Enttarnung vor seinem Suizid von amerikanischen Journalisten gefragt: „Welches war der schönste Tag ihres Lebens?“ antwortete: „der Tag meiner Erstkommunion“. Oder ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit: ein grandioser Naturarzt – ein Genius, den selbst Schulmediziner konsultierten, der jahrelang im Kirchenchor gesungen hat und mit vielen Geistlichen befreundet war – verfügte nach seinem Tode dürfe keine religiöse… weiter lesen »
T. de Ahumada
Ich weiß nicht so recht, ob man über einen Verstorbenen so hart richten sollte, auch wenn er vielleicht etwas „kirchenkritisch“ war. Als Linguistin mit entsprechenden romanischen Sprachkenntnissen kannte ich Eco vor dem „Namen der Rose“ nur als Semiotiker. Fachlich war er kein Genie, aber nicht schlecht, ein Nominalist eben. Nominalismus ist in der Semantik aber eine legitime Arbeitshypothese, die sicherlich besser zu vertreten ist, als der sogenannte „Realismus“ der Wortbedeutungen. Das hat auch erst einmal gar nichts mit den gleichnamigen Hypothesen der Epistemologie zu tun! Den „Namen der Rose“ habe ich an jemanden verschenkt, der gerne Krimis las, weil ich… weiter lesen »
dhmg

Es geht in solchen Nachrufen mehr darum, dass kein falsches Bild eines berühmten Verstorbenen bleibt. Oft genug werden Menschen verehrt, die ein allzu weltliches Leben lebten und eigentlich der Öffentlichkeit keinen Gewinn im Sinne des katholischen Glaubens brachten.

zeitschnur

@ dhmg

De mortuis nihil nisi bene…

Kritik auf der sachebene sollte daher Kritik an den Werken, nicht an der Person bleiben!

T. de Ahumada

@dhmg

Ich meine, wer das falsche Bild der Medien über eine Person kritiklos übernimmt, dem ist auch durch solche Nachrufe wenig geholfen. Wir sollten uns weniger mit fremden Sünden beschäftigen, als mit unserer eigenen Versuchlichkeit.
Ich schätze Herrn Prof. de Mattei als Historiker aber dieser Beitrag klingt doch eher, wie wenn er neidisch darauf wäre, dass er als treuer Katholik im Schatten solcher weltlichen Wissenschaftler wie Eco für die Öffentlichkeit eher unsichtbar ist. Schade.

dhmg
T. de Ahumada: Woher soll jemand, der seine bis dahin positiven Eindrücke über eine berühmte Person aus den Medien übernimmt, anderweitige Informationen beziehen, wenn nicht durch solche Artikel wie diesem hier? Ich zum Beispiel habe ‚Der Name der Rose‘(für mich eher ein Schauer-Roman) mit Ehrfurcht gelesen, bin aber enttäuscht zu erfahren, dass Umberto Eco ab 1956 in Wahrheit Atheist war. Es ist für mich auch etwas die Frage, was Außenstehende von der katholischen Kirche halten sollen, wenn diese von getauften Katholiken öffentlichkeitswirksam als zwielichtig und mittelalterlich dargestellt wird, oder wie in einem anderen Artikel, der Eindruck erweckt wird, als wären… weiter lesen »
dhmg

Ich habe übrigens ‚Der Name der Rose‘ nun aus meinem Bücherregal entfernt. Da sollen nämlich nur sinnvolle, katholische Bücher oder Sachbücher drinstehen.

zeitschnur
Ich habe von Eco natürlich „Der Name der Rose“ gelesen, „Das Foucault’sche Pendel“ habe ich angefangen und dann aus Langeweile weggelegt. Und dann las ich diesen Diskussionsband „Woran glaubt, wer nicht glaubt?“ Das war keineswegs feindselig gegen den Glauben, wie ich mich erinnere… Alles andere, auch die semiotischen Veröffentlichungen, habe ich nicht gelesen. Hat de Mattei sie gelesen, wenn er behauptet, das alles sei nicht lesenswert? Wohl kaum. Und das ist schon Punkt 1 der Untergriffigkeit. Bei aller berechtigten Kritik an Eco, aber in dem Artikel sind Aussagen, die gehen zu weit, sind einfach nur unmöglich: 1. Woher will den… weiter lesen »
Leone
Zeitschnur@: Ach so – „Liebet eure Feinde“… Wenn Morgen die Horden von „Flüchtlingen“ vor Ihrer Tür stehen und sie aufbrechen oder einer von Ihren Bekannten von diesem Mob belästigt wird, würden Sie dann diese „lieben“?. Mein Gott Walter! Warum sind Sie so defaitistisch? Und im übrigen, ob das Jesus diese Worte so gesagt hat,ist nicht bewiesen. Es ist doch eher so, dass Jesus Worte erst nachträglich von Theologen in den Mund gelegt wurden,die er so nie gesagt hat!(Prof. Gerd Lüdemann). Denn jetzt gilt es die geballte Faust zu erheben und wie in der Vergangenheit so oft zu den Waffen zu… weiter lesen »
Gottfried

@Leone
Falls Sie der aktuellste Stand interessiert, ein sehr empfehlenswertes Buch:
Klaus Berger: Die Bibelfälscher. Wie wir um die Wahrheit betrogen werden.
http://www.amazon.de/Die-Bibelf%C3%A4lscher-Wahrheit-betrogen-werden/dp/3629021859
Alles Gute

zeitschnur

@ Leone

Wo ist eigentlich bei Ihnen die theologische Linie – einerseits tun Sie kathol-tradimäßig mit Zähnen und Klauen, und andererseits glauben Sie den evangelischen, und auch unter sehr vielen Evangelischen für häretisch gehaltenen Thesen Lüdemanns, der sich selbst inzwischen ausdrücklich nicht mehr als Christ bezeichnet?!

zeitschnur

@ Leone zum zweiten Teil

Ja, wenn Jesus sagt, wir sollen unsere Feinde lieben, dann will ich das tun.
Ob es mir immer gelingt, steht auf einem andern Blatt – wem fällt das schon leicht, Feinde zu lieben, denen, die einen hassen, trotzdem Gutes zu tun? Mir nicht, aber ich will es trotzdem, weil Jesus es so vorgelebt hat und uns aufgetragen hat.

Ja, das will ich, auch wenn es mir schwerfällt.

anna. c
@ Leone Wie Zeitschnur bereits schrieb, sind Lüdemanns Aussagen und Schriften bezüglich biblischer Aussagen vollumfänglich zu kritisieren. Nicht nur, dass er sich nicht mehr als Christ bezeichnet, auch seine Aussagen und Schriften sind durchgehend unchristliche Phrasen. Seine Aussagen sind Spekulationen ohne jede geschichtliche oder logische Grundlage (z.B. Ablehnen der Jungfrauengeburt, „weil er sie sich lediglich nicht vorstellen kann“ u.ä.). Wenn Sie sich mal näher mit seinen Aussagen befassen, werden Sie, wenn Sie wirklich ehrlich an Wahrheit interessiert sind, selbst schnell merken, dass nichts, was er 2000 Jahre später anführt und philosophiert, glaubwürdig ist oder Substanz hat. Bevor Sie solche Sichtweisen… weiter lesen »
Leo Laemmlein
@ Leone Am Wort Gottes zweifeln ist der Anfang vom Ende – falls da überhaupt etwas war, was zu Ende gehen kann. Viel zu wenig bedacht als eine wesentliche Ursache der zeitgenössischen Kirchenkrise ist die Bibelkritik. Sie zerfrisst die fundamentalen Glaubenswahrheiten und tötet die Beziehung zu Jesus Christus, den sie durch ihre „wissenschaftlich“ ersonnene Trennung zwischen einem historisch angeblich nicht fassbaren Jesus und einem Christus des Glaubens zu einer unglaubhaften Fiktion werden lässt. Schmeißen Sie Ihre bibelkritischen Bestseller in den Ofen oder in die grüne Tonne und lesen Sie mit offenem Herzen und demütigem Sinn die Bibel. Am Anfang kann… weiter lesen »
Franzel

Man darf wohl sagen, daß die Mehrzahl von Ministranten oder anderswie im Dienst der Kirche stehenden Kinder und Jugendlichen der Kirche für immer den Rücken gekehrt hat. Da ist doch etwas schief gelaufen. Nur was?
Vielleicht fehlte noch die innere Reife und dann genügte ein kleiner Anlaß und man orientiert sich um. War die Kirche der unmittelbaren Nachkriegszeit zu klerikal-istisch gewesen? Und kann das nicht einer der Gründe für ein Konzil gewesen sein?

So oder ähnlich kanns Umberto Eco gegangen sein. Er möge in Gott den Frieden finden.

Stella

Auch für Kirchenmitglieder scheint der Glaube eher ein Geschenk zu sein,man erwirbt ihn offenbar nicht automatisch mit der Taufe oder einer Mitgliedschaft.
Der eiserne Besen kehrt in den letzten Jahrzehnten besonders heftig wie es scheint.

defendor
Einige „Weisheiten“ von Umberto Eco: - „Lachen tötet die Furcht und ohne Furcht kann es keinen Glauben geben. Wer keine Furcht mehr vor dem Teufel hat, braucht keinen Gott mehr dann können wir auch über Gott lachen.“ Das Ende der Zeiten ist nicht das Ende der Zeit. Sie und ich, wir müssen sterben, vielleicht auch die Menschheit (wenn die Sonne erlischt) und wahrscheinlich auch die uns bekannten Galaxien. Aber all das bedeutet nicht, daß das Universum verschwinden wird. Das ist für mich die positive Bedeutung der Botschaft der Apokalypse auch für diejenigen, die nicht gläubig sind: Es wird immer neue… weiter lesen »
zeitschnur
Das beantwortet ein wenig die Frage, welcher Natur der Glaube des jungen Eco war: ein erpresster „Glaube“, der nicht auf Liebe, sondern Panik beruhte. Ich gebe ihm natürlich nicht recht in der Zuspitzung, dass der Glaube überflüssig werde, wenn man keine existenzielle Angst mehr habe. Aber diese Zuspitzung führt uns gerade gespenstisch vor Augen, mit Hilfe welcher Mittel die Kirche vielfach Menschen zum Glauben gedrängt hat, den sie weder hatten, noch verstanden noch freiwillig je angenommen hätten. Es ist ein Armutszeugnis für die Hierarchie, wenn ein Mensch sich so äußert wie Eco. Dieser Mann hat niemals etwas erfahren von einem… weiter lesen »
anna. c

@defendor

Ecos Zitate zeigen, wie falsche unsauber definierte Fragestellungen als Anfangsbedingungen zu falschen Ideologien führen.

Ungerechtfertigte lediglich phantasierte Bibelkritik, falsch verstandene Deutungen physikalischer Thesen mit Wegrationalisierung der göttlichen Allmacht usw. usw. führen halt dazu, dass anschließend über den Glauben und Glaubensinhalte inhaltsleer philosophiert und gespottet wird.

Die letzten Jahrzehnte haben durch falsch interpretierte Wissenschaftstheorien Massen von Ungläubigen produziert.

Darüber hinaus, hat Glaubenskritik in allen Medien Methode, auch wenn meist subtile unterschwellige Botschaften kaum bemerkbar sind.

bellis

Aus meinem Umfeld ergibt sich die Antwort, dass die meisten Menschen nicht gelernt haben, ihre sexuellen Triebe zu beherrschen und mit dem Aufkommen der Anti-Baby-Pille 1961 dieses auch für unnötig hielten. Weil sie ihr triebbestimmtes Leben nicht ändern wollen, lehnen sie den Glauben ab.

Chlodwig

Abtötung des Sündenbewußtseins, um es sich „leichter“ zu machen. Daher ist es gedanklich nachvollziehbar, daß fast alle Ablehner Gottes wütend werden, wenn vom Glauben an Jesus Christus die Rede ist, weil sie ihre selbst gebastelte Ideologie mit Krallen zu verteidigen versuchen.

Paschachasius

Normalerweise versöhnt man sich im Angesicht des Todes. Das hat Eco nicht getan. Sonst hätte er ein christliches Begräbnis gewählt.
Unter Linken und Kapitalisten st es populär aus der Kirche auszutreten, wer einmal die Gelegenheit hat Kirchenbücher zu lesen und dabei die Leute kennt, wird das bestätigen. Vielleicht hat auch der Datenschutz etwas mit der Anonymisierung der Menschen zu tun um sie den Globalisten zum Fraß vorzuwerfen! Die Neue Weltordnung! Das macht nicht Gott ärmer sondern die Menschen!

zeitschnur

Das wissen wir doch gar nicht, was in den letzten Momenten in ihm vor sich ging!

Immer noch ist Jesus der Herr und der einzige, der die Herzen ganz kennt!

Chlodwig

Hätte Piero Gobetti tatsächlich nur von 1910 bis 1925 gelebt, so wäre er nur 14 oder 15 Jahre alt geworden. Die richtigen Jahresdaten lauten 1901 bis 1926.

Giuseppe Nardi

Danke für den Hinweis.

selbiger

Der Nominalismus, also kein Atheismus, aber ein völliges Entziehen des Gottesbegriffes, von Umberto Eco scheint mit seinem wichtigsten Universitätslehrer Luigi Pareyson zusammenzuhängen. Der zweite bekannteste Schüler Pareysons, der Philosoph Gianni Vattimo, Jahrgangs- und Studienkollege und Freund Ecos, wurde auch nicht Atheist, lehnt aber jede konkrete Bedeutung von Kirche und Christentum ab. Vom radikalen Liberalen wurde er zum Marxisten. Pareyson (+ 1991) gilt als Katholik, er war Schüler von Jaspers und arbeitete vor allem über Heidegger und Schelling.

hedi züger
Ich bin Herrn de Mattei sosehr dankbar, dass ich diese Dinge in einer überzeugenden klaren Analyse wahrnehmen kann.Denn in den Medien die uns zugänglich sind wird dieser spezielle Dichter übers Mass gelobhudelt.Niemand traut sich das kritisch zu hinterfragen.Was mich furchtbar geschmerzt hat ist der offensichtliche Abfall von der hl. Kirche.Mit dem Zutun all seiner applaudierenden Zeitgenossen.Das ist für den einfachen Gläubigen skandalös und verwerflich-er wird durch die virtus purgativa fidei vor solch groben Irrtümern gewarnt und bewahrt(und mögen sie noch sosehr spöttisch ins Lächerliche gezogen sein).über den Gnadenzustand Eccos kann niemand urteilen (so oder so)-meine tiefste Sehnsucht ist, dass auch… weiter lesen »
Adrien Antoine

Sehr geehrte @Hedi Züger,
Herzlichen Dank für diesen authentischen Kommentar.

Ano Nym

Umberto Eco wusste sehr wohl, wie das Mittelalter wirklich war, doch hat er es in seinem (künstlich konstruierten) Bestseller „Der Name der Rose“ auf „intellektuell In“ getunt; kein Ruhmesblatt, und Eco selber hasste den Roman später (wie könnte es auch anders sein).

Als junger Autor konnte er entscheiden, der Wahrheit treu zu bleiben – oder eben Erfolg zu haben. Nachdem er die Wahrheit verraten hatte, hat sie dann auch ihn verlassen…

Er schien einer jener Gattung zu sein, die meinen, dass das einzig intelligente Verhalten „Ewiger Zweifel“ ist (was aber in Wirklichkeit natürlich nur versteckter Hochmut ist).

zeitschnur

Verstehe dieses Argument nicht – ein Roman ist doch immer Fiktion und nicht die Wahrheit?! Und wer schreibt denn vor, dass ein Roman, der in einer andern Zeit spielt, „wahr“ sein muss?! Zeigen Sie mir einfach mal einen solchen „wahren“ Roman?!

Stella

Ob jemand beim Glauben bleibt oder abfällt ist tatsächlich jedermanns Privatangelegenheit.
Aber „wehe denen,die zum Abfall verführen“ und Herr Eco mit seinen Büchern gehörte zu denjenigen.
Was natürlich in der Stunde des Todes passiert,weiß keiner von uns.
Auch Napoleon soll,nach Anna Maria Taigi, mit Gott versöhnt als guter Katholik gestorben sein.
Ich vermute,das hat er u.a.seiner Mutter zu verdanken,die eine gläubige Frau geblieben war.

zeitschnur
Frage wäre hier jedoch, wer oder was Eco zum Abfall verführt hat, wenn er denn je wirklich gläubig war. Die Dinge geschehen ja nicht im luftleeren Raum nach Art einer simplen Gleichung. Wenn Sie glauben, dass er andere verführt hat, müssen Sie annehmen, dass auch er von andern verführt wurde. Ich fühle mich auf dem Terrain wirklich überfordert! Wir wissen doch aus der Schrift, dass es beim Jüngsten Gericht Überraschungen geben wird und vieles ans Tageslicht kommen wird, was wir nicht ahnten und der Herr v.a. vieles anders beurteilen wird als wir. Müssen wir denn den Menschen Eco verurteilen und… weiter lesen »
Stella

Wenn wir die Kette,wer wen verführte zurückverfolgen wollen, landen wir am Ende der Kette sicher bei Adam und Eva und der Geschichte mit dem Apfel,die Ur-Verführungsgeschichte,sozusagen.
„Sollte Gott gesagt haben“,nicht wahr!?
Passt somit auf alle Verführten und Verführer.
Sie müssen unterscheiden lernen zwischen Feststellungen und Verurteilungen,das ist ein großer Unterschied.
Und „richten“ gar ist ein großes Wort,das ich mir nicht mal traue auszusprechen.

zeitschnur

Ja, Sie vielleicht nicht, @ Stella, aber Sie drehen mir doch etwas das Wort im Munde herum… vielleicht haben Sie den Text de Matteis gelesen und gewisse Kommentatorinnen hier, die sich aufspielen und über die Person richten und für meine Begriffe den Mund ziemlich weit aufreißen darin, ja fast eine gewisse Häme erkennen lassen, als wären sie selbst keine irrenden Sünder… darauf bezog ich mich!

Leo Laemmlein
Was mir an dem Artikel so auffällt… Da steht: „Im selben Jahr [d.h. 1954, 22-jährig] gab er den katholischen Glauben auf.“ Dieser Punkt wird leider nicht ausgeführt. Dabei ist er der Dreh- und Angelpunkt des Artikels. Was heißt das: Er gab den Glauben auf? Trat er aus der katholischen Kirche aus? Hat Eco sich darüber geäußert? Aus dem Artikelkontext klingt „katholischer Glaube“ leider eher nach einem Ideensystem, was man auch Ideologie nennt. Denn Herr Mattei redet von Kulturströmungen, Denkschulen, Konzepten, Philosophien, einer Reihe von allen möglichen „-ismen“… In dem Zusammenhang nimmt Ecos „Apostasie“ sich aus wie der Wechsel von einem… weiter lesen »
Franz Lechner

Gegenüber den links-liberalen Paradigmen wie unbegrenzte Einwanderung, einseitige Geschichtsbetrachtung und dem Relativismus selbst stand Eco keineswegs „relativistisch“ gegenüber, hier war er ein engagierter hardliner. Anahnd seiner Glossarserie La Bustina di Minerva (deutsch: „Streichholzbriefe“) wie auch Presseintervies ergibt sich für mích durchaus das Bild eines politischen Fanatikers wie selbstverliebten Gecks.

dhmg

Da sieht man wieder, wieviele schlechte Bücher mit versteckter Symbolik es gibt und kaum einer scheint es zu merken.

Adrien Antoine
Ein sehr gediegener Artikel von Prof. Roberto de Mattei. Ich habe mehrere Werke v. Umberto Eco gelesen: „Der Name der Rose“ ziemlich spät(1986), mit sympathischer Neugierde: das Leben in einer Benediktinerabtei, das Wirtschaftsleben (ich erinnere mich besonders an Pater Cellerar), die kritische Haltung von Franziskanern, natürlich das Hochmittelalter (eine äusserst interessante Zeit)…; Sovieles was Berührung zu der eigenen Person hat. Das Buch läßt einen mit Leere zurück und diese Leere wird noch größer wenn man Ecos Erklärungen und Kommentaren hinterher mit z.B. den Studien zum mittelalterlichen Weltbild v. P. Maximiliaan Wildiers OFMCap (damals Univeritsy of Alberta, CDA)vergleicht. Tragisch: mit 16… weiter lesen »
Augustinus
Da hat die aristotelisch gewendete Kirche jahrhundertelang Gott auf die Ebene menschlichen Wissens herabgewürdigt und die Existenz Gottes als Gegenstand des Wissens ausgegeben, weil man mit einem Wissen Machtansprüche eben viel besser begründen kann, als „nur“ mit Glauben, und dann hat sich in der Aufklärung herausgestellt, dass Gott gar kein Gegenstand des Wissens und gar nicht wissbar ist und die Kirche stand als Betrügerin da. Wenn dann ein Umberto Eco Thomas von Aquin liest, wo gerade dieses behauptet wird, er aber weiss, dass Gott nicht gewusst werden kann und niemals wissbar ist, dann kann man schon mal vom Glauben abfallen,… weiter lesen »
Leo Laemmlein
Ich würde keinesfalls soweit gehen, dem hl. Thomas eine Mitschuld an der Abwendung Umberto Ecos vom katholischen Glauben geben. Die ungeklärte Frage steht im Raum, was für einen Glauben hatte Eco, bevor er abfiel. Das große Werk Thomas von Aquins steht unter einem Vorbehalt. Dieser ist bekannt und wird gern zitiert, aber vielleicht in seiner Bedeutung unterschätzt. Zitat: Ab 6. Dezember 1273 begann das „Schweigen des Thomas“. Bartholomäus von Capua berichtet darüber: „Als Bruder Thomas die heilige Messe in der Kapelle des hl. Nikolaus feierte, ergriff ihn eine erstaunliche Veränderung. Nach seiner Messe hat er nicht mehr geschrieben, noch irgendetwas… weiter lesen »
Marienzweig

Danke, Leo Lämmlein, für Ihre Ausführungen!
Was Sie im letzten Absatz beschreiben, habe ich an mir selbst erfahren dürfen.

Leo Laemmlein

Statt Gott „erfahren“ sollten wir besser den schönen deutschen Ausdruck aus dem Schriftzitat nehmen: Gottes „innewerden“.

Sophus
Das Jahr 1954, in dem der in seiner Jugendzeit tiefgläubige und innerkirchlich aktive Umberto Ecco über Thomas von Aquin promoviert und nach seinen eigenen Worten seinen Glauben im Alter von 22 Jahren aufgegeben hat, ist dasselbe Jahr, in dem Robert Bultmanns „Theologie des Neuen Testaments“ (1948–1953) in protestantischen Theologenkreisen und darüber hinaus Furore gemacht und die Vorbereitung des II. Vatikanischen Konzils erheblich beeinflusst hat. Mit Robert Bultmanns These von der Entstehung der Evangelien und weiterer 16 Schriften des NT in nichtapostolischer Zeit gegen Ende des 1. Jhdts. erhielt die christliche Theologie einen Schlag an Verunsicherung, von dem sie sich bis… weiter lesen »
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