Franziskus und Zika-Virus: Der Papst als Trittbrettfahrer der Abtreibungslobby?

Papst Franziskus und der Zika-Virus

(Rom) Ist Papst Franziskus zum Trittbrettfahrer der Abtreibungslobby geworden? Auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom gab Papst Franziskus eine jener improvisierten Pressekonferenzen, die für Journalisten meist schlagzeilenträchtiger sind als die offiziellen Ansprachen und, da spontan und frei gesprochen, mehr über den argentinischen Papst und sein Denken enthüllen, als die von römischen Dikasterien ausgearbeiteten und vom Papst ergänzten Predigten und Ansprachen.

Abtreibung „etwas absolut Böses“

Zur Sprache kam auch der Zika-Virus und Papst Franziskus widersprach entschieden der Forderung „einiger Behörden“, gegen den Virus zum Mittel der Abtreibung zu greifen oder grundsätzlich einen Schwangerschaftsverzicht vorzuschlagen. Franziskus bekräftigte, daß die Abtreibung nie als „kleineres Übel“ betrachtet werden könne.

Die Abtreibung „ist kein theologisches Problem: sie ist ein menschliches Problem, ein medizinisches Problem. Man tötet, im besten Fall, eine Person, um eine andere zu retten. Es ist in sich böse, aber es nicht ein religiöses Übel, sondern ein menschliches Übel.“

Das einzige vom Papst konkret genannte Beispiel, die medizinische Indikation bei Lebensgefahr der Mutter, betrifft allerdings nur einen verschwindend kleinen Teil aller durchgeführten Abtreibungen und ist in keiner Weise repräsentativ für das Abtreibungsphänomen.

Verhütung „nicht absolut Böses“ sondern manchmal sogar „einleuchtend“

Eine Journalistin fragte nach und lenkte die Aufmerksamkeit auf ein altbekanntes Thema, das Kirche und Mainstream seit 50 Jahren im offenen Widerspruch sieht. Sie fragte das katholische Kirchenoberhaupt, ob Frauen angesichts der „Bedrohung durch den Zika-Virus“ Verhütungsmittel nehmen dürften. Franziskus wog nun Abtreibung mit Verhütung auf und meinte, daß die Verhütung im Gegensatz zur Abtreibung „nichts absolut Böses“ sei und daher in manchen Fällen sogar „einleuchtend“ sei.

Franziskus führte zur Rechtfertigung an, daß sein Vorgänger Paul VI. in den 1960er Jahren Ordensfrauen in Belgisch-Kongo die Verhütung erlaubt habe, um Schwangerschaften zu verhindern, weil eine marodierende Soldateska systematisch vergewaltigte.

Ob die Episode so richtig wiedergegeben wurde oder nur ein gerne kolportiertes Gerücht ist, wird sich klären. Paul VI. war es jedenfalls, der 1968 in der Enzyklika Humanae vitae klare Grundsätze zu Verhütung und Abtreibung definierte. Humanae vitae ist das internationale Manifest für das Lebensrecht.

Papst springt ohne Not auf Propagandazug der Abtreibungslobby auf

Franziskus sprang mit seiner Antwort auf die Frage zum Zika-Virus jedoch ohne Not auf einen Propagandazug auf, der von der Abtreibungslobby ins Rollen gebracht wurde. Letztlich spielt er damit ihr Spiel, anstatt darauf zu verweisen, daß zuerst Klarheit geschaffen werden müsse über die Auswirkungen des Virus. Wenn es um das Lebensrecht von Kindern gehe, wenn es um Leben oder Tod gehe, könne nicht aufgrund bloßer Mutmaßungen und Theorien gehandelt werden.

Fatal ist die päpstliche „Flexibilität“, an der sich die Massenmedien begeistern, auch deshalb, weil das katholische Kirchenoberhaupt mit seiner Verhütungsaussage implizit den Eindruck vermittelt, es sei besser, daß die Kinder nicht geboren würden. Sie sollten zwar nicht abgetrieben werden, aber da es „einleuchtend“ sei, zu verhüten, sei es grundsätzlich „besser“, daß sie überhaupt nicht gezeugt würden. Damit lastet er den Kindern indirekt zur Verhütung aber unweigerlich auch die Abtreibung auf, denn die Verhütung bereitet der Abtreibung den Weg.

Wenn Frauen wegen Zika-Virus verhüten dürfen, dann immer

Vor allem: Wenn Frauen wegen des Zika-Virus verhüten sollen, weil es besser sei, kein Kind zu zeugen, damit es dann nicht abgetrieben werden müsse, dann kommt das einer generellen Verhütungs-Freigabe gleich und damit der Aufhebung von Humanae vitae. Es gibt nämlich weltweit in großer Verbreitung eine Vielzahl von weit gefährlicheren Viren als den Zika-Virus. Was für den Zika-Virus gilt, müßte dann ebenso für andere Viren gelten.

Der Papst ignoriert den gerade von katholischen Fachleuten verschiedener Disziplinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Verhütungs- und Abtreibungsmentalität einschließlich der frühabtreibenden Wirkung hormoneller Verhütungsmittel. Und stellt sich in geradezu naiver Waise auf einen Standpunkt der späten 60er und frühen 70er Jahre, wobei er den Erkenntnisstand eines halben Jahrhunderts ausblendet. Wenn sich die lateinamerikanischen Frauen nun der Verhütungsmentalität öffnen sollen, öffnen sie sich damit automatisch auch der Abtreibungsmentalität. Die Abtreibungslobby, die richtigerweise Verhütungs- und Abtreibungslobby genannt werden müßte, weiß um diesen Zusammenhang. Selbst wenn ihr jetzt die Abtreibungsfreigabe auf dem Notstandsweg nicht gelingen sollte, wäre es nur mehr eine Frage der Zeit, bis sie die Abtreibung in weiteren Staaten durchsetzen wird können. Das Leben der ungeborenen lateinamerikanischen Kinder ist derzeit – und nun auch mit päpstlicher Unterstützung – lebensgefährlich bedroht.

Kardinal Cipriani Thorne: Die Kindermörder sitzen in den Büros der UNO

Was aber ist der Zika-Virus? Der Zika-Virus ist einer von unzähligen Viren, die eine grippe-ähnliche Pathologie zur Folge haben, aber vergleichsweise harmlos ist, und schon seit vielen Jahren bekannt. Nach wenigen Tagen klingen die Symptome ohne Schäden ab. Im vergangenen Jahr behaupteten Forscher, ohne Beweise für ihre These vorlegen zu können, daß es einen Zusammenhang zwischen einer Zika-Infizierung bei Schwangeren und einem erhöhten Auftreten von Mikrozephalie bei Neugeborenen geben könnte.

Die Abtreibungslobby und mehre UNO-Agenturen, die für ihre Abtreibungspolitik bekannt sind, starteten in Kooperation mit Medien eine Kampagne, mit der eine regelrechte Zika-Panik inszeniert wurde. Das Ziel: Die Legalisierung der Abtreibung in ganz Lateinamerika, wo die meisten Staaten, darunter auch Brasilien sich bisher der Abtreibungslobby und ihrer Unkultur des Todes widersetzt haben. Schwangere Frauen befinden sich in einem besonders sensiblen Status. Der Wunsch, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen und das Kind insgesamt schützen zu wollen, dominiert. Die Abtreibungskampagne hinter der Zika-Panik wird deutlich an Aufrufen der Weltgesundheitsbehörde WHO, brasilianische Frauen sollten die kommenden zwei Jahre am besten ganz auf Schwangerschaften verzichten. Inzwischen fordert die WHO die Abtreibungsfreigabe auf dem Notstandsweg. Das alles, ohne daß es konkrete Beweise für die Behauptung gibt, daß der Zika-Virus in irgendeinem Zusammenhang mit Mikrozephalie steht. Das eigentliche Ziel hinter der Aktion wird bei näherem Hinsehen schnell sichtbar: die Bevölkerungsreduzierung.

Kolumbiens Staatspräsident dementierte erst vor zwei Tagen: Es sei bisher kein einziger Fall von Mikrozephalie an Kindern von Zika-infizierten Schwangeren festgestellt worden. Limas Erzbischof, Kardinal Cipriani Thorne, bezeichnete die UNO daher als Sitz des neuen Herodes. König Herodes der Große war für den Kindermord von Bethlehem verantwortlich. Um das Auftreten von Jesus Christus als des erwarteten Messias zu verhindern, ordnete Herodes an, alle Kinder von Bethlehem und Umgebung unter zwei Jahren zu töten. Die Herodianer mit Krawatte würden heute in den Büros der UNO sitzen.

Ein dunkler Schatten: Der Kampf gegen Humanae vitae

Ist Papst Franziskus leichtgäubig, naiv, zu schwatzhaft oder ist er der Abtreibungslobby auf den Leim gegangen? Es legt sich aber auch eine noch dunklerer Schatten über die Frage: Oder sucht Papst Franziskus die Ankoppelung an die Abtreibungslobby, die gleichzeitig auch die Verhütungslobby ist? Geht es um die teilweise Aushebelung der Enzyklika Humanae vitae? Sie ist progressiven Kirchenkreisen seit ihrer Veröffentlichung im berüchtigten Jahr 1968 ein Haßobjekt und war maßgeblicher Gegenstand zur Auflehnung gegen die Kirche.

Papst Franziskus galt bereits bisher als wortkarg, wenn es um das Lebensrecht ungeborener Kinder ging. Gelegentlich beklagte er zwar die Massentötung von Kindern, tat sich jedoch sichtlich schwer damit, die Dinge beim Namen zu nennen. Das Wort Abtreibung wollte ihm nicht recht über die Lippen kommen. Seine Kritik blieb unscharf, sodaß man sie richtig verstehen, aber auch überhören konnte.

In der Gemeinsamen Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill von Moskau, heißt es: „Wir bitten alle, das unveräußerliche Recht auf Leben zu respektieren. Millionen Kindern ist selbst die Möglichkeit versagt, zur Welt zu kommen. Das Blut der ungeborenen Kinder schreit zu Gott (vgl. Gen 4,10).“

Die Formulierung vor allem des letzten Satzes ist stark, zu stark, um von Papst Franziskus in den Text reklamiert worden zu sein. Die Gemeinsame Erklärung ist ein Kompromiß, der zwischen Rom und Moskau ausgehandelt wurde. Die Abtreibung wird auch hier namentlich nicht genannt. Auch hier wird nur umschrieben. Es ist nicht von Tötung oder Mord die Rede, doch darum handelt es sich. Da Moskau eine deutlichere Sprache spricht, kann darin die Bremse Roms erkannt werden. Es wird umschrieben: „die Möglichkeit versagt, zur Welt zu kommen“, klingt verharmlosend. Jemandem etwas versagen, ist etwas anders als jemanden zu töten oder gar zu ermorden. Neu ist, gegenüber den bisherigen Wortmeldungen von Franziskus, daß von „Millionen Kindern“ die Rede ist, und damit die gigantische Dimension des weltweiten Kindermordes ausgesprochen wird. Eine Stelle, die dem Einfluß Moskaus zugeschrieben werden kann.

Die Medien haben die Wortmeldung des Papstes auf dem Rückflug nach Rom sofort verstanden. In der Öffnung gegenüber der Verhütung liegt die Brisanz. Welche Botschaft bleibt in den Köpfen hängen? Nicht das „Nein“ zu Abtreibung, sondern die „Öffnung“ gegenüber der Verhütung.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Radio Vatican (Screenshot)

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29 Comments

  1. Was hat Aids bewirkt? Wer ist dafür verantwortlich? Wer besitzt für das Zika Virus eine Lizenz?
    Wenn diese Fragen beantwortet sind kennen Sie die Täter!
    Bill Gates mit seiner Stiftung greift eine Methode der Selektiver Sterilisation aus Israel auf, das dort zum Ausrotten der schwarzen Juden verwendet wurde.
    Die Stiftung hat schon zig Millionen Mädchen chemisch sterilisiert. Dabei sin Millionen gestorben in Indien. Wahrscheinlich auch in Südamerika.
    Natürlich reagiert Franziskus pragmatisch, doch mich beschleicht mehr und mehr das Gefühl er könnte jener Antichrist sein. Über diesen wird doch auch gesagt, er käme mit der strahlenden Bild eines Wunderheilers. Würden dann aber sein wahres Gesicht zeigen!

    • Die israelische Zeitung Haaretz und der Dailiy Telegraph haben diese verlogene Rassimsus-Unterstellung gegen Israel längst wieder richtiggestellt:
      http://www.hagalil.com/2013/02/hormonspritze/

      Ist überigesn überhaupt, wie unsere Tradi-Antizionisten, wenn es um das ach so bitterböse Israel geht, jedem verschwörungstheoretischen Gelaber aus den „linksgerichteten Lumpenmedien“ begierig Glauben schenken. Peinlich das!

      Liebe Leute, Ihr müsst Euch mal entscheiden, was Ihr eigentlich wollt!

  2. Was den Passus in der gemeinsamen Erklärung angeht, so muß man wohl auch in Betracht ziehen, daß in der Sowjetunion wie auch immer noch in Rußland sehr viele Kinder abgetrieben wurden und werden. Ob die russische Seite die Kraft hatte, die Begriffe Abtreibung und Mord zu verwenden, kann man sich fragen. Auf jeden Fall hat der Papst hier versagt; in seiner eigenen Sicht sicherlich nicht. Hätte er das so gewollt, dann wären diese Begriffe im Dokument auch aufgetaucht.

    Es stellt sich die Frage, ob dieser Papst überhaupt von den Medien bzw. der Abtreibungslobby oder den Mächtigen (noch) ernst genommen wird.
    Was er auf dem Rückflug, seinen berühmten, wieder mal von sich gegeben hat, muß bzw. müße eigentlich niemanden kratzen. Es ist schlimm genug das alles, was er wieder in Zweideutigkeit- oder Eindeutigleit- gesagt hat. Aber spielts noch eine Rolle? Ich weiß nicht. Gläubige wissen Bescheid und können dementsprechend auch wirken im Bekanntenkreis oder auch auf politischer Ebene.

  3. Es ist immer das selbe mit Franziskus. Wenn er im Interview auf Fangfragen reagiert, muss damit gerechnet werden, dass er einfach darauf losredet und nicht die Folgen bedenkt. Zum Beispiel hat er sich bei den Themen Verhütung und Abtreibung nie deutlich artikuliert, sondern nur umschrieben. Damit wird auch klar, wenn er sich indirekt gegen die Enzyklika Paul VI. “ Humanae vitae “ ausspricht. Erst Patriarch Kyrill muss ihn auf dieses Thema stoßen, wenn auch als Kompromiss anders formuliert. Das Thema Abtreibung müsste ganz oben der Agenda “ Barmherzigkeit “ stehen, denn man kann diese große Sünde der Menschheit nicht genug anprangern, sonst dient man dem Weltgeist.

  4. „Und stellt sich in geradezu naiver Waise auf einen Standpunkt der späten 60er und frühen 70er Jahre, wobei er den Erkenntnisstand eines halben Jahrhunderts ausblendet.“

    Man hat ganz generell den Eindruck, dass dieser Mann geistig in den späten 60ern stehengeblieben ist. Seine Äußerungen sind eine neuerliche Katastrophe, jedoch in Potenz! Mit dieser Rechtfertigung von Verhütung verlässt er die Lehre von Humanae vitae und stellt sich gegen das das Lehramt Pauls VI. Er ist, was ich schon immer sagte, nichts weiter als ein Gegenpapst, den anzuerkennen spätestens nach diesen Äußerungen kein Katholik guten Gewissens fertigbringen dürfte.

  5. Nur was der Papst hier sagt ist klassische Moraltheologie das kleine Übel in Kauf nehmen um ein größeres zu verhindern
    es ist im übrigen sehr gut wenn das Geschwätz von der theologie des Leibes nicht beachtet qwird das uns JPII zugemutet hat

    • Hm, haben Sie da nicht etwas gründlich missverstanden, Hr. Kovacs?

      „Here Francis appears to have fallen prey to the error of consequentialism, which seeks to justify an evil act by the supposed greater good its consequences will entail. My erstwhile debate opponent Mark Shea has rightly described this error as ,the most popular moral heresy in the world.‘ Well, Francis is nothing if not popular. But any well-catechized child knows that it is never permissible to violate one Commandment on the pretense of following another, and that such ,conflicts‘ in reality do not exist. We may never ,do evil that good may come (Romans 3:7-8).‘ Francis, alarmingly enough, appears not to recognize that the ends of an action can never justify the means, but rather both means and ends must always conform to the moral law.“
      (Christopher A. Ferrara, President and lead counsel for the American Catholic Lawyers Inc.)

      • Hm, vielleicht haben ja Sie, @ Carlo was missverstanden?! Ich leg es Ihnen dar:

        Hier Römer 3, 7 f anzuführen, ist eine Verzerrung des moraltheologischen Konflikts, den F. anspricht und den auch Herr Kovacs doch klar und deutlich benannt hat.

        F. spricht nicht von einem „Der Zweck heiligt die Mittel“, worauf der hl. Paulus hier anspielt, sondern auf den klassischen tragischen Konflikt, der zum Handeln zwingt, aber nur nur objektive Übel als Handlungsmöglichkeiten zulässt. Der Mensch muss hier entshceiden, und ist gezwungen, in jedem Fall ein Übel zu entscheiden. Er muss sich überlegen, welches hier das kleinste Übel ist.
        Das hat mit Röm 3 nichts, aber auch gar nichts zu tun!

  6. Der Papst sagte:

    //Die Abtreibung „ist kein theologisches Problem: sie ist ein menschliches Problem, ein medizinisches Problem. Man tötet, im besten Fall, eine Person, um eine andere zu retten. Es ist in sich böse, aber es nicht ein religiöses Übel, sondern ein menschliches Übel.“//

    Irre. Anders gesagt: Das Böse und die Sünde sind kein religiöses Problem. Man kommt gar nicht mehr mit bei all dem, was uns da täglich aus Rom übergekübelt wird. Es ist einfach zu viel. Vielleicht auch eine Methode, um Reignation zu erzeugen. Jede Zeit, in der man sich damit beschäftigt, sich über solchen Mist zu empören, ist wertlose, verlorene Zeit und dem Gebet und anderem Guten, was man tun könnte, weggenommen. Kurswechsel ist erfordert.

    • Das ist bösartig oder Zeichen mangelnder Verständigkeit, was Sie hier schließen!

      F. sagt hier etwas, das in der christlichen Moraltheologie und der Ethik eigentlich Konsens war und ist: Vor einen tragischen Konflikt gestellt, kann es das kleinere Übel sein, einen Menschen töten zu müssen, um wenigstens einen der beiden zu retten. Wenn etwa Maximilian Kolbe sein Leben anbietet, um einen zum Tode verurteilten Familienvater zu retten, dann wäre das bei der großspurig-moralinsauren Art, wie Sie sie hier auffahren, aufseiten Kolbes ein „Selbstmord“ gewesen, also eine Todsünde. Der Mann gilt aber als Heiliger. Und das zweifellos zu Recht.

      F. sagte in Ihrem Zitat nicht, dass das Böse kein theologisches Problem ist, wie Sie es so dreist verzerrend behaupten, sondern dass in einem tragischen Konflikt unter dem Zwang, ein Übel wählen zu MÜSSEN weniger ein theologisches, als ein menschliches Problem vorliegt.
      Wenn alle Wahlmöglichkeiten ein objektives Übel bedeuten, und ich nicht umhin kann, eine davon zu wählen, ist das keine Sünde, sondern eine menschliche Not.

  7. @ Leo Laemmlein

    Das Papstzitat, das Sie ohne Quellenangabe geliefert und „überkübelt“ haben, entspricht nicht dem Zitat aus dem heutigen Münchner Merkur S.5. Demzufolge sagte er in Fortführung zu dem, was er zur „Verhütung“ gesagt hatte:

    „Abtreibung ist kein kleineres Übel. Das ist ein Verbrechen. Es ist jemanden umzubringen, um einen anderen zu retten. Es ist das, was die Mafia macht“.
    Was Sie zitiert haben, ist offensichtlich eine üble Kontamination von seiner Aussage zur Verhütung und der zur Abtreibung, um die eigentliche Nachricht zu verschleiern.

    • @ Sophus
      Ich habe aus dem Artikel von katholisches.info zitiert. Ist das Zitat falsch? Dann ist das ein Problem der Redaktion. Das ist kaum anzunehmen. Selbst wenn es falsch zitiert wäre, wäre höchstwahrscheinlich Papst Franziskus mit seiner verwirrenden bis irreführenden Öffentlichkeitspolitik schuld. In meinem Kommentar stoße ich mich an des Papstes Behauptung,
      Abtreibung sei kein theologisches Problem. Diese Behauptung halte ich für falsch und irreführend.

      • Wenn Abtreibung für uns Christen kein theologisches, näherhin moraltheologisches und damit religiöses „Problem“, nämlich SÜNDE!, ist, was ist es dann!? Ein medizinisches, wie Bergoglio dumpfbackig behauptet! Man kann sich doch nur noch an den Kopf fassen bei so viel – Entschuldigung – Blödheit! Si tacuisses…

  8. Papst Franziskus wegen seiner Aussagen zur Verhütung zum Handlanger der „Abtreibungslobby“ zu stempeln ist schon starker Tobak und der Aussage nicht angemessen. Natürlich ist Abtreibung eine Katastrope, selbst wenn sie auch in einigen Fällen unumgänglich ist, um das Leben der Mutter zu retten. Als Instrument der Familienplanung handelt es sich schlicht um ein Verbrechen.
    Verhütung ist seit den 60er Jahren hingegen ein auch in katholischen Kreisen ein hilfreiches Planungsinstrument. Die Lehre aus Humanae Vita wurde vom Kirchenvolk nie angenommen.

    • Auch Verhütung ist gegen den Willen Gottes.
      Wenn ich kein Kind will, „nudel“ ich nicht rum! Basta! Und wenn dann doch ein Kind kommt, m u s s ich dazu stehen!
      F. ist Werkzeug der Elite. Das ist es!

  9. „Übel“, Herr @Sophus, geradezu teuflisch „übel“ ist, dass dieser Papst weder fähig noch willens ist, die katholische Lehre klar zu vertreten. Das unterscheidet ihn etwa von einem Kardinal Sarah, dessen bloße Gegenwart schon Respekt einflößt.

  10. @ Leo Laemmlein

    Im gestrigen kath.net-Kommentar des Moraltheologen Prof. Josef Spindelböck ist der diesbezügliche Interviewteil in einem größeren Kontext gestellt. Da heißt es:

    „Zuerst hat sich der Papst in diesem Interview jedenfalls eindeutig von der Abtreibung abgegrenzt, denn die Frage lautete, ob die Kirche in einem solchen Fall einer möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigung des Kindes einer schwangeren Frau durch das ZIKA-Virus entsprechend den Vorschlägen mancher Personen und Institutionen auch auf Abtreibung und Kontrazeption als „kleineres Übel“ zurückgegriffen werden könne.

    Ganz klar war hier die Antwort des Papstes: „Die Abtreibung ist kein geringeres Übel, sondern ein Verbrechen. Es bedeutet, den einen zu eliminieren, um einen anderen zu retten. Töten ist das, was die Mafia tut.“

    Dann ging der Papst auf die anderen Aspekte ein: „Was das geringere Übel betrifft, und zwar jenes, eine Schwangerschaft zu vermeiden, so handelt es sich um einen Konflikt zwischen dem fünften und dem sechsten Gebot. Der große Papst Paul VI. hat Nonnen in Afrika erlaubt, im Hinblick auf Fälle von Vergewaltigung Kontrazeptiva zu benutzen. Man darf jedoch das Übel der Vermeidung einer Schwangerschaft – für sich betrachtet – nicht mit Abtreibung verwechseln. Die Abtreibung ist kein theologisches Problem, sondern ein menschliches Problem; sie ist ein medizinisches Problem. Eine Person wird getötet, um eine andere zu retten – in den ‚günstigeren‘ dieser Fälle – oder damit es einer anderen bessergeht. Sie richtet sich gegen den Eid des Hippokrates, den die Ärzte ablegen müssen. Sie ist ein Übel in sich selbst, aber kein religiöses Übel, sondern sie ist ein menschliches Übel am Beginn. Und offenkundig wird sie, weil sie ein menschliches Übel ist – so wie jede Tötung – verurteilt.“

    Und dann weiter: „Eine Schwangerschaft zu vermeiden ist hingegen nichts absolut Böses, und in bestimmten Fällen, wie in jenem von mir erwähnten Fall des seligen Paul VI., ist das klar. Ich möchte die Ärzte auffordern, alles zu tun, um Impfstoffe gegen diese Mücken zu entwickeln, die jenes Übel bewirken. Darauf soll man hinarbeiten.“

    Das ist doch nicht so „übel“, wie Sie es hinstellen. Es ist keineswegs „teuflisch „übel“ .., dass dieser Papst weder fähig noch willens ist, die katholische Lehre klar zu vertreten“. Der ausgebildete Theologe Kardinal Sarah hätte es für Ihre Ohren zwar akademischer ausgedrückt, aber ihn fragt die Presse nicht, denn er ist nicht der Papst. Der theologisch unorthodoxen Redeweise von Papst Franziskus kann man aber nicht unterstellen, er hätte die katholische Lehre zum Interviewthema nicht aus dem Stegreif zutreffend dargestellt, Dieser Meinung ist auch Prof. Spindelböck. Lesen Sie, was er gestern auf dem genannten Forum dazu zu sagen hatte.

    • @ Sophus
      Sie haben nachgetragen, dass Papst Franziskus die Abtreibung als ein Verbrechen bezeichnet hat. Gut.
      Aber was will er mit diesem Satz sagen: „Die Abtreibung ist kein theologisches Problem, sondern ein menschliches Problem; sie ist ein medizinisches Problem.“ Das war doch der Anstoß für meinen Kommentar.
      Meine Reaktion ist darum so allergisch, weil Abtreibung Sünde ist, und genau diesen Begriff vermeidet Franziskus tunlichst. Gewiss, man kann nie alles auf einmal sagen. Aber Franziskus hat mit der Vokabel „Sünde“ ein „Problem“. So auch in seiner Enzyklika Laudato si‘. Er redet von Sünde gegen die Erde (was ohne biblische und theologische Grundlage ist und an Gaia-Kult gemahnt), aber vermeidet zu sagen, dass jede Sünde zuallererst sich gegen Gott richtet.
      Obwohl David ganz gewiss gegen Uria, den er ermorden ließ, gegen Batseba, die er schändete, gegen sein Volk, vor dem er das Königsamt befleckte, und nicht zuletzt durch all dies gegen seine eigene Seele sündigte, spricht er in Psalm 51: „… An dir [Gott] allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in deinen Augen…“ ! Verstehen Sie? Es ist schlimm zu sagen, aber es gibt kaum eine Äußerung des Papstes, an der nicht irgendetwas schief ist, sogar wenn er etwas Gutes sagt. Und das flößt er nun schon drei Jahre lang dem katholischen und ganzen Christenvolk subkutan ein, und nur wenige merken es. Auch Sie, ein gläubiger und gebildeter Mann, lassen es sich am meisten angelegen sein, den Papst, was immer er sagt und tut, zu rechtfertigen. Hoffentlich ist Ihre Leidenschaft für den Herrn Jesus Christus genau so groß und wissen Sie im Falle eines Dilemmas zwischen Christus und dem Papst, wie Sie sich zu entscheiden haben. Die Abtreibung ist sogar ein hochtheologisches Problem, weil sie zunächst und zuallererst eine schwere Sünde gegen Gott ist, 50 Millionen Schläge ins Gesicht des liebenden Gottes jährlich.
      Und dann die Rede vom „absolut Bösen“ und „nicht absolut Bösen“. Es existiert, theologisch und auch philosophisch, nichts a b s o l u t Böses. Absolut, nämlich absolut gut, ist allein Gott und sonst nichts und niemand! Und gegen wen polemisiert Papst Franziskus denn hier mit seiner falschen Antithese: Abtreibung = absolute böse, versus Verhütung = nicht absolut böse? Wer hat jemals behauptet, Abtreibung und/oder Verhütung seien absolut böse? Papst Johannes Paul II. hat in einer Moral-Enzyklika Veritatis splendor daran erinnert, dass gewisse Handlungen intrinsisch böse sind, also in sich böse, immer böse, egal aus welchen Motiven und zu welchem Zweck man sie tut, und dazu gehört die Abtreibung, und Verhütung gehört dazu wohl nicht. Aber das ist etwas anderes als „absolut böse“.

      • @ Leo Laemmlein
        Sie sagen:
        „Hoffentlich ist Ihre Leidenschaft für den Herrn Jesus Christus genau so groß und wissen Sie im Falle eines Dilemmas zwischen Christus und dem Papst, wie Sie sich zu entscheiden haben.“
        Da jedenfalls können Sie, was mich betrifft, ganz beruhigt sein, denn ein solches Entscheidungsdilemma gibt es für mich nicht und wird es nicht geben, denn Papst Franziskus ist unter Mitwirkung des Heiligen Geistes zum Stellvertreter Gottes auf Erden gewählt worden.Damit spricht er auch im Namen Jesu Christi, selbst wenn er sich nicht der Theologensprache bedient, an der gemessen Sie ihn gerne abqualifizieren. Als Abonennt der Würzburger Tagespost habe ich die Möglichkeit, die täglichen Predigten und Ansprachen des Papstes im Orginal zu lesen, mein Urteil über den Papst durch Fach-Kommentare des Redaktionsteams abzusichern und durch meist qualifizierte Leserbriefe zu ergänzen. Wenn ich diese Jauchekübel, die in diesem Forum offensichtlich aus persönlichem Versagen von Kommentatoren über Papst Franziskus ausgegossen werden, mit seiner Orginalstimme und jenen Stimmen vergleiche, kann ich gar nicht in den von Ihnen prognostizierten und von Ihnen bereits für sich selber entschiedenen „Entscheidungszwang“ geraten.
        Zum Thema:
        Papst Franziskus hat Abtreibung ein Verbrechen genannt. Das ist ein strafrechtlicher Begriff, der in der weiteren Aussage als Mord aus eigensüchtigen und damit niederen Beweggründen verdeutlicht wird:
        „Die Abtreibung ist kein geringeres Übel, sondern ein Verbrechen. Es bedeutet, den einen zu eliminieren, um einen anderen zu retten. Töten ist das, was die Mafia tut.“ (Das Verbum „retten“ ist ein Journalisten-Euphemismus).
        Damit ist jedem Katholiken klar, dass Abteibung eine Todsünde gegen das 5. Gebot ist. Mit der Klassifikation als Mord ist alles Notwendige über die schwere der Sünde der Abtreibung gesagt.

      • @ Sophus, bitte lassen Sie mich ein wenig Ihren Optimismus über die Unmöglichkeit eines Dilemmas zwischen Christus und Franziskus dämpfen. Mit Bedacht habe ich das Wort Dilemma gewählt. Für einen sagen wir biblisch orientierten Christen –der Papst Franziskus den gewöhnlichen Respekt entgegenbringt, den man einem christlichen Führer gleich welcher Tradition zollt,– entsteht kein Dilemma, wenn er Widersprüche zwischen der Lehre Jesu und des Papstes feststellt. Für ihn haben die Worte Jesu konkurrenzlose Priorität. Er weiß, dass er, wie Jesus selbst sagt, nach diesen Worten einmal gerichtet wird. Er weiß, dass sie nicht nur vor 2000 Jahren gesprochen wurden, sondern dass sie ihm persönlich auch jetzt gelten. Den entstandenen Widerspruch wird er lösen, indem er sich für die gemäß seinem Glauben höchste Autorität entscheidet, Jesus, der der Weg und die Wahrheit und das Leben selber ist. Sie schreiben nun: „… Papst Franziskus ist unter Mitwirkung des Heiligen Geistes zum Stellvertreter Gottes auf Erden gewählt worden. Damit spricht er auch im Namen Jesu Christi …“. Damit geben Sie selbst den Grund für das mögliche Dilemma an: Der Papst ist Stellvertreter Gottes (manche katholische Theologen sagten sogar: Der Papst ist Gott auf Erden; der Papst ist eine Fortsetzung der Inkarnation Gottes, gleich nach der Eucharistie) und spricht im Namen Jesu Christi. Vielmehr für und anstelle Jesu Christi, sonst wäre er nicht sein Stellvertreter; er nimmt ja seine Stelle ein. Das Dilemma entsteht, weil Sie die Worte Jesu zwar durch Lesen der Bibel und Hören der liturgischen Lesungen im Kopf und verinnerlicht haben. Sie werden nolens volens auf Widersprüche zwischen der Gottesbotschaft und dem Reden und Handeln des Papstes aufmerksam, aber Sie dürfen die Worte Jesu nicht selbst verstehen und für das nehmen, was sie aussagen, weil ja der Papst für Sie regula fidei proxima ist, die Schrift aber nur remota. Es entsteht die bizarre Situation, dass Sie den Worten des Papstes von vornherein höhere Gewissheit und Verbindlichkeit zumessen als den Worten des Sohnes Gottes, welche für Sie nie direkte, sondern stets nur eine durch den Papst –trotz all seiner amtlichen Erhabenheit eine bloß menschliche Instanz–, durch das Lehramt und die Tradition vermittelte Verbindlichkeit haben dürfen. Sie könnten in einer wichtigen Angelegenheit bemerken: Jesus sagt, tut und gebietet eines, aber Papst Franziskus sagt, tut und gebietet das Gegenteil. Was dann? Das Dilemma entsteht aus der Jesus-gleichen ja sogar gewissermaßen Jesus-überlegenen Autorität, die Sie dem Papst zubilligen. Gerade als professioneller Historiker müssen Sie aber in der Lage sein, festzustellen, dass niemals in der frühen Christenheit dem Papst eine solche Position zukam. (Wie konnten übrigens die Juden die Predigt des Herrn Jesus verstehen, und wie konnten die Juden und Heiden die Predigt des Apostels Paulus und der anderen Apostel verstehen, wenn ihre Worte unverständlich und nur durch Vermittlung eines päpstlichen Lehramtes verständlich sind?) Die Sache geht solange gut, als Päpste, trotz menschlicher allzumenschlicher Schwächen, Fehler und Sünden, dem Herrn Jesus Christus mit Leib und Seele ergeben sind, wie es solche Päpste immer wieder gab. Aber was, wenn in der Endzeit tatsächlich ein Papst auf den Stuhl Petri erhoben wird, welcher der von katholischen Heiligen, Mystikern und Sehern vorhergesagte Falsche Prophet ist? Wie würden Sie ihn mit Ihrer vorbehaltslosen Apriori-Parteinahme für jeden, der aus einem Konklave hervorgeht, erkennen und sich vor seiner Verführungsmacht schützen können, wenn Sie nicht das Wort Gottes als höchste Norm für Glauben und Sittlichkeit anerkennen, an der auch ein Papst sich messen lassen muss? Und wenn Katholiken dieses Forums aus einem gesunden sensus fidei und aus Sorge um die Reinheit des Glaubens und des christlichen Lebens auf Widersprüche, die sich ein legitimer Stellvertreter Christi nicht erlauben darf, aufmerksam machen –wie auch ich das oft tue–, dann ist das für Sie „Abqualifizieren“ und Ausgießen von „Jauchekübel(n) … aus persönlichem Versagen“. Nun, Sie mögen dieser Meinung sein. Aufschlussreich ist aber, worauf Sie in Ihrer Antwort an mich nicht eingegangen sind. Bei den übergangenen Fragen finden Sie nämlich Jauche. Diese wurde aber nicht von mir produziert. Sie verwechseln klassisch die schlechte Botschaft mit dem Überbringer derselben.
        Ich leugne aber nicht, dass die ständige, wiewohl meist begründete Kritik an der päpstlichen Amtsführung, in Respektlosigkeit und Schlimmeres ausarten kann und daraus wirklich manchmal nur eine andere Art von Jauche wird. Trotzdem: Es ist ein Auftrag an alle Gläubigen, keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis zu haben, sie vielmehr aufzudecken, siehe Epheserbrief 5,11.
        Private Schlussbemerkung: Ich persönlich bin es leid, auf diesem Forum den Unkenrufer zu spielen und werde meine Kommentare ab sofort stark reduzieren. Leben Sie wohl, Herr @ Sophus, und adieu! Mit guten Wünschen, Leo Laemmlein.

      • Werter @ Leo Laemmlein
        Sie haben mich gründlich missverstanden, wenn Sie zu mir sagen:
        „Es entsteht die bizarre Situation, dass Sie den Worten des Papstes von vornherein höhere Gewissheit und Verbindlichkeit zumessen, als den Worten des Sohnes Gottes, welche für Sie nie direkte, sondern stets nur eine durch den Papst – trotz all seiner amtlichen Erhabenheit eine bloß menschliche Instanz–, durch das Lehramt und die Tradition vermittelte Verbindlichkeit haben dürfen“.
        Diese Ihre Annahmen sind grundfalsch! Das Gegenteil ist richtig. Denn wenn ich sagte: „Damit spricht er auch im Namen Jesu Christi“, so bedeutet das Wörtchen „auch“ die logische Einschränkung: „nicht immer, aber eben auch“. Das heißt, der Heilige Geist kann die Rede des Papstes in menschlicher Sprache inspirieren.
        Meine grundsätzliche Bereitschaft, dem Wort Jesu Christi in den Reden des Papstes nachzuspühren und das eine oder andere Wort des Papstes auch als Botschaft des Geistes in menschlicher Sprache für das Heute zu verstehen, lässt grundsätzlich keine Widersprüche zwischen der Gottesbotschaft im NT und den Worten des Papstes zu. Im Falle des Falles stellt sich für mich als Laie die Frage: Habe ich die biblische oder die päpstliche oder beide Botschaften nicht doch missverstanden? Sie sehen ein Dilemma für mich kann es nicht geben.
        Denn für mich haben die im Neuen Testament überlieferten Worte Jesu als Gottes inspiriertes Worte in menschlicher Sprache (II.Vat) für meinen Glauben absolute Priorität. Dabei erfasse ich als Historiker zuerst den wörtlichen Sinn der Worte Gottes, also immer erst das, was sie konkret aussagen. Aber dabei darf man nicht stehen bleiben. Aber wer wie lange darf der Laie weiter fragen?
        Bei einer Generalaudienz im April 2007 hob Papst Benedikt, als er über den theologischen Beitrag des Gelehrten Origenes aus dem dritten Jahrhundert sprach, noch einmal hervor, dass der wörtliche Sinn zwar unabdingbar sei, sich aber selbst auf mehr hin eröffne. Er schrieb: „Dieser Sinn aber transzendiert uns auf Christus hin, im Licht des Heiligen Geistes, und zeigt uns den Weg, wie man leben soll. Dies wird zum Beispiel in der neunten Homilie über das Buch Numeri angedeutet, in der Origenes die Schrift mit Nüssen vergleicht: … „so sagt der Prediger. ‚Bitter ist der Buchstabe, der wie die grüne Nussschale ist; nachher wirst du zur harten Schale vorstoßen, die die Morallehre ist; an dritter Stelle wirst du den Sinn der Geheimnisse finden, von dem sich die Seelen der Heiligen in diesem und im zukünftigen Leben nähren‘“ (Hom. Num. 9,7). Gilt das Nussmodell auch für Worte des Papstes?
        Diese Frage stellt sich für dem Historiker nicht, denn diesen Weg der drei, zuweilen vier Auslegungsstufen kann und will er nicht mitgehen, weil er die dann verlangte Unterscheidung zwischen dem göttlichen und dem menschlichen Wort im jeweiligen biblischen bzw. päpstlichen Kontext nicht leisten kann.

  11. Papst zitiert: „Ebenso ist jede Handlung verwerflich, die entweder in Voraussicht oder während des Vollzugs des ehelichen Aktes oder im Anschluss an ihn beim Ablauf seiner natürlichen Auswirkungen darauf abstellt, die Fortpflanzung zu hindern, sei es als Ziel, sei es als Mittel zum Ziel.“ Nr. 14 D.h.,auch wenn es aus wichtigen Gründen sittlich geboten erscheinen mag, die Zahl der Nachkommen zu begrenzen, so darf hier kein Weg gewählt werden, der dem Sittengesetz unvereinbar isz. Der Rückgriff auf Methoden der künstlichen Verhütung verbietet sich daher ausdrücklich, während die gemeinsame Rücksichtnahme der Ehegatten auf die unfruchtbaren Zeiten der Frau als Form der natürlichen Empfängsnisregelung in Einklang steht mit dem Willen Gottes. Das hat Papst Franziskus tatsächlich gesagt! Also – weder künstliche Verhütung noch Abtreibung erlaubt gem. humanae vitae.

  12. Das „kleinere Übel“ im vorliegenden tragischen Konflikt ist für F. eine Schwangeschaft überhaupt zu vermeiden, bis Hilfe gefunden ist.

    Ich verstehe überhaupt nicht, was daran falsch sein soll, zumal natürliche Verhütung auch Katholiken sehr wohl erlaubt ist, ebenso wie ein bewusster Verzicht auf Sexualität – auch in einer Ehe.

    Verlieren hier allmählich immer mehr Leute den Verstand?

    Es gibt drei Möglichkeiten:

    1. Eine Schwangerschaft vermeiden.
    2. Abtreibung
    3. Ein mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schwerbehindertes Kind bewusst zu zeugen (Betonung liegt auf „bewusst“)

    Selbstverständlich liegt es auf der Hand, dass hier 1. das kleinere Übel ist!

    Es ist vollkommener Unsinn, F. damit zu unterstellen, er wolle der Abtreibung Tor und Tür öffenen. Schließlich hat er im selben Interview doch diesmal ganz klar gesagt, dass Abtreibung niemals das kleinere Übel sein kann!

    • Es gibt nun mal einen Unterschied zwischen natürlicher Empfängnisregelung und künstlicher hormoneller Verhütung, auf die der Papst hier Bezug nimmt. Es besteht keinerlei Notwendigkeit, auch nicht in Zeiten von inszenierter Zika-Panikmache, im geschützten Raum der Ehe, hormonelle Kontrazeptiva zu schlucken, will man eine Schwangerschaft vermeiden. Letztere hat zudem auch frühabtreibende Wirkung. D.h., sie tötet Menschen im ersten Stadium ihres Lebens. Der Zusammenhang zwischen Verhütung und Abtreibung ist evident. Dem, der darauf aufmerksam macht, zu unterstellen, dass er den „Verstand verliert“ ist einfach nur peinlich.

      • Hat F. hier einer bestimmten Verhütungsmethode das Wort geredet oder sich auf eine Ausnahmeregelung Pauls VI. bezogen, die – was dem damaligen Stand entsprach – v.a. Kontrazeptiva erwog? In jedem fall aber geht um eine Ausnahme als „kleinstes Übel“.
        Sind Sie in der Lage, diesen Unterschied zu begreifen?

        Es geht darum, dass F. Verhütung in einem Ausnahmefall moralisch nicht auf einer Stufe sehen will mit Abtreibung, womit er zweifellos recht hat.
        Es gibt – wie bereits gesagt – auch andere Verhütungsmethoden, die keine frühabtreibende Wirkung haben. Wenn sie kombiniert werden, dürften sie recht sicher sein. Zumal bewusste Frauen, die ihren Körper sehr gut verstehen, ohnehin wissen, wann sie schwanger werden könnten.

        Ob das Zika-Virus tatsächlich diese Schäden hervorruft, ist derzeit wissenschaftlich noch umstritten. F. hätte, wenn es nach mir ginge, daher zu dem Thema am besten jede Antwort verweigert.
        Aber dann hätte eine andere katholische Meute randaliert, weil er nicht tapfer das sagt, was sie gerne hören wollen.
        Bei dem Thema ist es wirklich hanebüchen: Was immer einer sagt, es fällt eine katholische Meute über ihn her.
        Kann man bei dem Thema nicht mal diese ewige Hysterie und aggressive Erregung zugunsten eines ruhigen Art, darüber nachzudenken, austauschen?

      • Wissen Sie, zeitschnur, was Bergoglio gemacht hat!? Er hat die Abtreibung als ein medizinisches (!!!) Übel missinterpretiert und sie zugleich benützt, um die Verhütung ihr gegenüber als ein „kleineres Übel“ darzustellen, was sie in Wahrheit und nach Lehre der Kirche nicht ist! Damit hat er prinzipiell die Verhütung aus eugenischen Gründen im kirchlichen Raum zu legitimieren versucht. Das war sein Auftrag und seine verborgene Absicht, denn sonst hätte er in der Tat auf diese sinnlos provokative Frage gar nicht eingehen müssen.

      • @ hicesthodie
        Das offizielle Vatikanprotokoll lautet in diesem Punkt vollständig wie folgt:

        Pater Lombardi)
        Danke. Und jetzt geben wir das Wort an Paloma Garcia Ovejero von „Cope“, Spanierin, wie Sie wissen.

        (Paloma Garcia Ovejero)

        „Heiliger Vater, seit einigen Wochen herrscht in vielen lateinamerikanischen Ländern, aber auch in Europa, große Sorge wegen des „Zika-Virus“. Das größte Risiko soll für schwangere Frauen bestehen, da gibt es Angst. Einige offizielle Stellen haben vorgeschlagen, Abtreibungen durchzuführen oder Schwangerschaften zu vermeiden. Kann die Kirche in diesem Fall die Auffassung des „geringeren Übels“ in Betracht ziehen?“

        (Papst Franziskus)

        „Abtreibung ist nicht ein „geringeres Übel“, es ist ein Verbrechen. Es heißt, einen aus dem Weg zu räumen, um einen anderen zu retten. Das ist das, was die Mafia tut. Abtreibung ist ein Verbrechen, ein absolutes Übel. Hinsichtlich des „geringeren Übels“: eine Schwangerschaft zu vermeiden ist ein Fall – wir sprechen von einem Konflikt zwischen dem fünften und dem sechsten Gebot. Paul VI. – ein großer! – hat in einer schwierigen Situation in Afrika den Ordensschwestern erlaubt, im Fall von Vergewaltigung Verhütungsmittel zu verwenden. Man darf nicht das Übel, eine Schwangerschaft allein zu vermeiden, mit der Abtreibung verwechseln. Die Abtreibung ist nicht ein theologisches Problem, es ist ein menschliches Problem, ein medizinisches Problem. Man tötet eine Person, um eine andere – im günstigsten Fall – zu retten oder gut durchkommen zu lassen. Abtreibung ist gegen den hippokratischen Eid, den die Ärzte ablegen müssen. Es ist ein Übel in sich, aber es ist am Anfang nicht ein religiöses Übel, nein, es ist ein menschliches Übel. Und es ist klar, da es ein menschliches Übel ist, wird es – wie jede Tötung – verurteilt. Eine Schwangerschaft zu vermeiden ist hingegen nicht ein absolutes Übel, und in gewissen Fällen, wie in dem Fall, den ich über den seligen Paul VI. erwähnt habe, war es klar. Außerdem möchte ich die Ärzte auffordern, alles zu tun, um Impfungen gegen die beiden Mücken, die dieses Übel bringen, zu finden – daran muss man arbeiten. … Danke.“
        (Pater Lombardi)
        Danke. Jetzt bitten wir Ludwig Ring-Eifel von der deutschen katholischen Nachrichtenagentur „KNA“ um seinen Beitrag.
        (Ludwig Ring-Eifel)
        Messen Sie bitte diesen Text an dem, was Sie gegenüber @ Zeitschnur gefolgert und vertreten haben und überprüfen Sie bitte die Richtigkeit Ihrer Schlussfolgerungen vor dem Hintergrund Ihrer Kürzung des Orginaltextes.

  13. Sehr geehrter Leo Lämmlein: lassen Sie sich nur nicht kleinkriegen. Es gibt sicherlich eine Vielzahl von Lesern, die gerne lesen, was Sie schreiben. Nur nicht verunsichern lassen und weitermachen. Man muß ja nicht jeden überzeugen.

    Vielleicht ist dieser Papst eine Züchtigung oder eine Zuchtrute Gottes. Der Blitzeinschlag am 11.02.2013, als es stichedunkel war, ist mit Sicherheit ein Hinweis für Spaltung und Wirrnis, die über die Kirche wohl kommen sollte angesichts der vielen vielen Sünden in Kirche und Welt. So gesehen kann dieser Papst ein Werkzeug Gottes sein; für die einen zur Umkehr und Festigung im Glauben trotz und wegen des Gegenwindes und für die andern, die ihm nachlaufen, zur „Strafe“. Es scheiden sich jedenfalls die Geister.
    Wenn man es so betrachtet, kann man und sollte doch für ihn in demütiger, aufrichtiger Liebe beten.

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