Bischof ordnet an: In allen Kirchen Tabernakel wieder in den Mittelpunkt des Altarraumes zurückzuführen

Bischof ordnet an, Tabernakel in allen Kirchen der Diözese in den Mittelpunkt des Altarraumes zurückzuführen
Bischof ordnet an, Tabernakel in allen Kirchen der Diözese in den Mittelpunkt des Altarraumes zurückzuführen

(Washington) Der Tabernakel mit dem Allerheiligsten muß in die Mitte des Altarraumes hinter dem Altar zurückkehren. Er ist der Mittelpunkt der Kirche. Das hat in allen Kirchen der Diözese zu geschehen. So lautet die Anweisung von Bischof Robert Morlino von Madison im Staat Wisconsin in den USA.

Im September 2015 hatte Bischof Morlino bei einem Treffen mit den Priestern seiner Diözese eine entsprechende Anordnung mitgeteilt. Öffentlich bekannt wurde die Anordnung erst am Heiligen Abend durch die Tageszeitung Wisconsin State Journal.

Korrektur eines architektonischen Eingriffs in die Liturgie

Bischof Morlino korrigiert damit als zweiter Bischof der USA innerhalb kurzer Zeit eine Praxis der Nachkonzilszeit.Wenige Monate vor ihm hatte bereits Bischof Thomas Paprocki von Springfield im US-Bundesstaat Illinois die gleiche Anordnung erlassen.

Architektonisch wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil von einigen Liturgikern, so die katholische Monatszeitschrift Il Timone, „eisern und mit ideologischer Entschlossenheit“ ein Eingriff in die Liturgie vorangetrieben, der im gläubigen Volk Irritation und Unbehagen auslöste. Durch das Aufgeben der Hochaltäre zugunsten neuer „Volksaltäre“ wurde der Tabernakel aus Ersteren entfernt und aus dem Hauptschiff in ein Seitenschiff verbannt, oder in eine Kapelle, eine abgelegene Nische „oder Schlimmeres“.

Wisconsin State Journal über die Anordnung von Bischof Morlino
Wisconsin State Journal über die Anordnung von Bischof Morlino

In Kirchenneubauten wurde der Tabernakel sofort „beiseite geräumt“. Gemeinsames Wesensmerkmal dieses architektonischen Eingriffs in die Liturgie ist, daß das Allerheiligste bewußt aus dem Mittelpunkt entfernt wurde. Eine symbolische Verschiebung, die einer inhaltlichen entspricht. Die Frage hat daher nicht nur mit sakraler Architektur und Liturgie zu tun, sondern mit dem Kirchen- und Glaubensverständnis.

Begründet wurde der Schritt auf vielfältige Weise. Unter anderem damit, „den Wert der ‚Neuigkeit‘ einer jeden Messe hervorzuheben“, oder „um die Heilige Messe von der eucharistischen Anbetung zu unterscheiden“.

Die natürliche Mitte des Altarraumes und damit der Kirche wird in manchen Kirchen durch den Kirchenchor oder anderes verstellt.

Nachkonziliare Liturgiker drängten auf Bruch mit tridentinischer Liturgie und Architektur

„Den Kern trifft es wohl eher, wenn man sagt, daß damit ein Bruch mit der Liturgie und der Architektur des Konzils von Trient vollzogen werden sollte“, so Il Timone. Die Liturgiker des Aggiornamento warfen diesen eine überzogene Fixierung auf die Eucharistie und die Realpräsenz des Herrn vor, während das gemeinschaftliche Ereignis der Messe zu kurz gekommen sei.

Bischof Morlino zelebrierte bereits in der überlieferten Form des Römischen Ritus
Bischof Morlino zelebrierte bereits in der überlieferten Form des Römischen Ritus

Anderer Meinung ist Bischof Morlino von Madison. Die Rückführung des Tabernakels in den architektonischen Mittelpunkt der Kirche bedeute, das Allerheiligste an seinen natürlichen Platz zurückzuführen und damit das notwendige Gleichgewicht wieder herzustellen. Es gehe darum, den Blick wieder auf Jenen zu lenken, der die Kirche gestiftet hat und deren Haupt ist, der lebendige Gott, der im Allerheiligsten unter uns gegenwärtig ist.

Bischof Morlino gab den Pfarreien drei Jahre Zeit, um die nötigen Umgestaltung vorzunehmen. Betroffen ist davon etwa die Hälfte der 134 Pfarrkirchen seiner Diözese. Msgr. Morlino gehört dem Jesuitenorden an, für den er 1974 die Priesterweihe empfing. 1999 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Helena in Montana. 2003 erging der Ruf zum Bischof von Madison in Wisconsin. Der Bischof zelebrierte persönlich bereits in der überlieferten Form des Römischen Ritus.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wisconsin State Journal/The Remnant/Il Timone (Screenshot)

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30 Comments

  1. Nach dem II.Vatikanum wurde wie wild der Kirchenraum dahingehend verändert, dass
    der Hochaltar, wenn nicht unter Denkmalschutz stehend, abgebaut wurde. Der Taber-
    nakel wurde je nach Lust und Laune des zuständigen Pfarrers und Architekten, ein-
    fach aus der Mitte genommen und seitwärts platziert. Es gibt Kirchen da findet man
    den Tabernakel erst nach langem suchen, weil oft auch das rote “ ewige Licht “
    fehlte. Da die Progressisten immer nur “ frisches Brot “ haben wollten, wurde im
    Eingang der Kirche ein Tisch mit ungeweihten Hostien aufgestellt. Jeder Gottes-
    dienstbesucher konnte dann für sich eine Hostie in eine Schale legen, die dann
    zum Volksaltar gebracht wurde. Durch das so immer frische Brot, machte so einen
    Tabernakel überflüssig. Hier wäre ein Umdenken und Betätigungsfeld für unsere
    Bischöfe von Nöten. Ähnlich verhält es sich mit den Gesangbüchern. Früher bekam jedes Kommunionkind ein eigenes Gebet-und Gesangbuch als Geschenk zur Hl.Kommunion mit Ro-
    senkranz. Heute liegen die als “ Gotteslob “ bezeichnete Gesangbücher bequem in der
    Kirche aus, nach evangelischer Art. Im Gegensatz zu früher werden diese mit merk-
    würdiger Gestaltung ausgefüllten Bücher, nicht geliebt, da unpersönlich, unhygie-
    nisch und nicht mehr vertraut. Es sind viele Neuerungen eingeführt worden, die
    aber die Herzen der Gläubigen nicht erreicht haben.

    • Übrigens beschreiben Sie den nachkonziliaren Bildersturm doch recht zurückhaltend und vornehm. Ich kenne Kirchen, da wurde aus barocken(!) und neogotischen Hochältären die Mensa herausgesägt und der Rest, samt Heiligenfiguren, auf nimmer Wiedersehen in den Schredder gegeben. Tja, unsere Konzils- und Liturgiereformfanatiker waren nicht zimperlich und haben ganze Arbeit geleistet und leisten sie noch, Bergoglio als Schutzpatron im Rücken.

  2. Nein,fredius, es geht doch nicht um „frisches Brot“ (die ollen Brothostien sind so alt und gelb und trocken, dass man sie kaum hinunterwürgen kann), in der zweitvatikanischen Ideologenkirche geht es dem Vernehmen nach darum, dass ein jeder persönlich seine „Gabe(hä??!)“ in den Kelch lege, damit es als sein „Opfer(hä??!)“ zum Volksaltar gebracht, von Gott „angenommen“ und zum Zeichen werde, für die Mahlgemeinschaft mit Ihm und untereinander. Furchtbarer Kitsch, weiss aber nicht, ob ich diesen Litugiereformzinnober auch recht verinnerlicht habe und lasse mich gern belehren. 😉

  3. „Nehmt und esset, das ist mein Leib“ hat Jesus gesagt und nicht „Nehmt und betet ihn an, das ist mein Leib“. Dass aus der Lehre der Realpräsenz eine Anbetungsfrömmigkeit in der westlichen Kirche hervorgegangen ist (ganz im Gegensatz zur Ostkirche!), hat eine gewisse Logik. Bei der Eucharistiefeier steht allerdings der Auftrag Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ im Vordergrund. Im Hochgebet wird Jesus in den eucharistischen Gestalten gegenwärtig. Da ist es wohl ein Widerspruch, wenn er schon zu Beginn der Messe in den eucharistischen Gestalten am Altar gegenwärtig ist. Die Aufbewahrung des Leibes Christi hat, wie die historische Entwicklung zeigt, ursprünglich den Zweck gehabt, für die Wegzehrung den Leib Christi schnell verfügbar zu haben. Diese Praxis hat sich in der Ostkirche erhalten, in der Westkirche hat die Anbetungsfrömmigkeit die Oberhand gewonnen. Die Reformmaßnahmen, den Tabernakel vom Altar der Eucharistiefeier zu trennen, waren daher eine vernünftige und logische Rückführung auf den ursprünglichen Zweck der Aufbewahrung der eucharistischen Gaben nach Ende der Eucharistiefeier.

    • Ach, schön auswendig gelernt, was man Ihnen im Pastoralseminar vorgelabert hat. Aber dieser alberne liturgische Historismus ist in Wahrheit die pure Afterlogik, denn die Anbetungsfrömmigkeit war die konsequente Entfaltung dessen, was die Kirche von der Eucharistie lehrte und glaubte: Gott ist immerwährend gegenwärtig in den eucharistischen Gestalten, daher gebührt ihm immerwährendes Lob und immerwährende Anbetung. Wieviel Glaubenskraft und wieviele Heilige sind aus dieser „Tabernakelfrömmigkeit“ hervorgegangen und niemand hat sich auch nur einen Wimpernschlag lang daran gestört, dass der Herr während der Opferung auf den Altären gegenwärtig war. Im Gegenteil, die aktuelle Gegenwärtigsetzung wurde getragen und geheiligt durch Seine immerwährende Präsenz im Tabernakel. Durch Seine immerwährende Gegenwart im Tabernakel wurden die Kirchen erst zum heiligen Ort der lebendigen Gottesbegegnung. Heute sind sie öde Stätten, verlassen und wüst, kalt und herzlos wie die gesamte nachkonziliare Afterkiche, die mit der Verstoßung des immerwährend gegenwärtigen Herrn im Tabernakel alle Schönheit und überirdischen Glanz und damit allen Sinn und alle Wirkkraft verloren hat. Sehen Sie das nicht!? Sind Sie blind für die Wirklichkeit!?

      • Mit Leuten, die eine solche Ausdrucksweise pflegen (Afterkirche, Afterlogik – vielleicht argumentieren Sie jetzt, dass Sie mit After das „nach“ in nachkonziliar meinen, aber für jeden normalen Menschen schwingt da eine andere Bedeutung des Wortes mit), diskutiere ich nicht. Mir wurde auch in keinem Pastoralseminar etwas vorgelabert, da ich nicht Theologie studiert habe. Sie haben offensichtlich nicht verstanden, worum es in der Eucharistiefeier wirklich geht.

      • Nunja, auch ohne Ihren Hinweis merke ich schon an Ihrer komischen Reaktion, dass Sie lediglich über einen recht durchschnittlichen Bildungsstand verfügen müssen, sonst wüssten Sie, dass „after“, aus dem mittelhochdeutschen stammend, soviel wie „unecht“ bedeutet und „Afterkirche“ eine ganz gebräuchliche Bezeichnung für alle Religionsgemeinschaften ist, die nicht der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche Jesu Christi, die die römisch-katholische Kirche ist, angehören.
        https://de.wiktionary.org/wiki/after-
        Tja, und das gebe ich gerne zu, dass ich die Phantasmen der Liturgiereformfanatiker und deren Eucharistieverständnis nie so ganz begreifen konnte.

    • Der Priester ist Christus.
      Der Altar ist Christus
      Das Allerheiligste ist Christus.
      Die gewandelte Hostie ist Christus.
      Bei der Messe tritt also Christus an Christus, um im Angesicht Christi Brot und Wein in Christus zu wandeln.
      Die sog. „Reformmaßnahmen“ waren durch kein Gesetz geboten, sondern übereifrigen Liturgikern gedankt, die endlich ihre Fantasien davon, wie Liturgie aussehen soll, durchsetzen konnten. Zu der ollen Kamelle mit „Nehmt und betet an“ hat Papst Benedikt schon alles gesagt – schade, daß Sie offenbar seit 1965 in kein theologisches Buch mehr geschaut haben.
      Als nächstes machen Sie uns weis, daß die Celebratio versus populum viel ursprünglicher und authentischer sei, und referieren Nußbaum.
      Mal ganz von der Richtigkeit Ihrer liturgischen Theorien abgesehen, hat Pius XII. in „Mediator Dei“ schon alles zum Archäologismus gesagt, was zu sagen ist.

    • Sie haben sachlich recht, was den Charakter des hl. Messopfers betrifft. Auch insofern, als auch im Hochmittelalter das Tabernakelhaus meist seitlich in der Kirchenwand oder an der Wand eingerichtet war.

      Trotzdem würde ich keinen Gegensatz konstruieren wollen, und v.a. hat die gegenwärtige Praxis keine innere Verbindung zu der des Hochmittelalters, das eine eucharistische Respektlosigkeit heutiger Art nämlich sicher nicht kannte.

      Dazu muss amn wissen, dass in früheren Jahrhunderten überhaupt nicht täglich kommuniziert wurde. Diese extrem häufige Kommunion hat m.W. erst Pius X. eingeführt. Das brachte natürlich viele Probleme mit sich – etwa der Druck, mehr beichten zu müssen und eben auch einen quantitativ häufigeren Missbrauch der Hl. Kommunion durch unwürdige Teilnahme. Dennoch ist bis heute nur eine einmalige Kommunion im jahr verpflichtend – nach wie vor, das aht auch Pius X. nicht aushebeln können oder wollen! An ihr ist auch die Verpflichtung zur einmaligen Beichte po jahr ausgerichtet, die bis heute nach wie vor gilt.

      Tradis sehen die Neuerungen durch Pius X. meist nur andersherum: Wie toll, man erhält so viel mehr Gnaden etc., aber andererseits wurde dadurch das beklagte „Sakrilegische“ der unwürdigen Kommunion geradezu zur Explosion gebracht. Ich bin daher mit Pius X. sehr auf Distanz. Vordergründig klingt das alles gut, wenn man aber die Konsequenzen mal durchdenkt, hat er damit ebenso auch Verheerendes erzeugt, unter dem wir heute extrem leiden.

      • Na, und? In „früheren Jahrhundeten“ konnte man sich auch nicht von jedem Krachen aus so ohne weiteres wöchentlich zu einer hl. Messe einfinden, Fr. Zeitschnur!

        Der regelmäßige Kommunionempfang aber setzt doch voraus, dass der Mensch entsprechend, d.h. möglichst permanent im Stand der heiligmachenden Gnade lebt – wenn Sie das nicht für anstrebenswert halten, dann bitte schön, aber schieben Sie die aktuellen Missbräuche nicht dem hl. Pius X. unter!

        Dies war nichts als eine Entgleisung, denn sachlich hat Ihr Lamento nach kürzester Bezugnahme am Anfang mit dem Beitrag des Pastoralseminarabsolventen nichts zu tun. Da sollten Sie besser hicesthodies Beitrag zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls sind Hochaltäre mit Tabernakel nicht erst unter Pius X. entstanden!

      • Sie werden mir verzeihen, @ Carlo, wenn ich mir erlaube, doch noch etwas zu sagen und hoffe, wir erreichen wieder ein Level, auf dem man nicht schamrot werden muss…

        Zur häufigen Kommunion. Berührende Bilder nutzen uns hier gar nichts, denn schon im 19. Jh wurden gravierende Missstände bei der Teilnahme an der hl. Kommunion beklagt!
        Man hat viele Bemühungen unternommen, insbesondere Leo XIII., das Kirchenvolk wieder heranzuführen an die Lehre, man gab die Volksmessbücher heraus, um deren aktive Teilnahme zu bestärken, auch kleine Messandachtsbücher u. dgl. mehr. Das hat zwra vielen geholfen, konnte aber den gesamt doch mangelhaften Zustand nicht beheben.
        Die Klage der Priester, dass man sich angewöhnt habe, unwürdig zur hl. Kommunion zu gehen, brch dennoch nicht ab!

        Mir geht es bei Pius X. um etwas wesentlich anderes, ich denke, dass Sie mich überhaupt nicht verstanden haben:

        Wenn all diese unwürdigen Zustände durch einen ohnehin nicht so häufigen Kommuniongang auch nicht ein Übermaß dieses gefährlichen Tuns erzeugen, das durch einen unwürdigen Kommunionempfang doch schon nach den Worten des hl. Paulus zu erwarten ist, dann bedeutet eine vervielfachung des Kommunionempfangs, OHNE dass sich an der geistlichen Verfassung im Kirchenvolk etwas wesentliches geändert hat, auch eine Vervielfachung dieser Gefahr.

        Er hat damit genau das erzeugt, was er eigentlich vermeiden wollte.

        Verstehen Sie, was ich meine?

      • @ Carlo

        Ansonsten zu den anderen Themen empfehle ich Ihnen, mein Posting noch mal genau zu lesen, möglichst ohne vorher aus Giftbechern anderer Poster zu trinken.

        Das Sakramentenhaus mittelalterlicher Kirchen diente der Aufbewahrung der Hostien, war aber selbst weniger Ort der Anbetung.
        Kurzinfo zum Einstieg hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Sakramentshaus

        Dennoch war eine derart respektlose Art im Umgang mit dem Allerheiligsten nicht üblich, wie wir sie heute haben. Diese Respektlosigkeit – und darum ging es mir – begann aber schon lange vor dem Vaticanum II. Die „Vermassung“ des Kommunionempfangs kann man sehr wohl im nachhinein als eine kontraproduktive Maßnahme ansehen.

        Wie Sie selbst sagen, will man im Gnadenstand sein, wenn man dahin geht. Wenn aber der Kommunionempfang Alltag wird, flacht auch automatisch die Sensibilität für den eigenen Zustand ab. Wer ehrlich ist, wird das auch als ein Problem bei sich selbst entdecken. Im übrigen war das Land in früheren Zeiten tatsächlich flächendeckend mit Kirchen und Hl. Messen überzogen und jeder konnte jederzeit teilnehmen, auch bereits im Mittelalter.

        Um ausschließlich sachliche Antwort wird höflichst gebeten.

      • Also wenn bspw. Leone apodiktisch geschrieben hätte, „berührende Bilder nützen uns nichts!“, hätte es mich nicht gewundert, aber bei Ihnen als Künstlerin bleibt mir schon die Spucke weg.

        Entsetzt bin ich über Ihre Routineapplizierung auf den Kommunionempfang – also nix ex opere operato? Möge da der hl. Bruder Klaus besonders für Sie eintreten! Zudem – nicht nur sachlich, Gnädigste, sondern wärmstens – empfehle ich Ihnen, ignatianische Exerzitien zu absolvieren. Z.B. bei P. Schmidberger, der sich schon einiges gewohnt sein dürfte.

        Und es bleibt dabei: Die Symbiose Tabernakel und Hochaltar wurde Jahrhunderte vor Pius X. begründet. Dass diese nicht nur angemessen ist, sondern sich i.Vgl. zum heutigen Desaster als segensreich erwiesen hat, sagen Sie ja auch, also mäkeln Sie nicht weiter daran herum. Jedenfalls ist die im Artikel beschriebene Anordnung eines modernen Diözesanbischofs – wiewohl unvollständig – sehr zu begrüßen.

      • @ Carlo

        Zuhören, meine Güte, Zuhören – ist das so schwer?

        1. Die Symbiose Altar-Tabernakel habe ich NICHT Pius X. zugeschrieben und nicht kritisiert. ich habe nur drauf hingewiesen, dass sie auch erst eine neuere Tradition ist. und 1500 Jahre es anders war!

        2. Das „ex opere operato“ – Sie wissen nicht, was das heißt, richtig? Es heißt, dass eine sakramentale Handlung als sie selbst wirkt und nicht aufgrund des Gnadenstands des Zelebranten oder anderer persönlicher Bedingungen.

        3. Ein massenhaft aufgeblasener häufiger UNWÜRDIGER Kommunionempfang – und damit musste man nach DER Vorgeschichte in der Zeit Pius X. mehr rechnen als je zuvor (!) – ist fahrlässig! Leute, die vorher vielleicht einmal im Monat unwürdig die Kommunion empfingen, wurden nun animiert, sie 30 Mal unwürdig zu empfangen – anders: Pius X. zäumte das Pferd beim Schwanz auf. Die Hl. Kommunion ist ja keine magische Waschanlage selbst bei Unwilligen!

        4. Ich habe Sie gebeten, sachlich zu bleiben und nicht wieder ad personam zu gehen. Und bevor ich zu dem genannten Pater gehe und bevor ich mich den zweifelhaften Exerzitien eines Ignatius aussetze, bleibe ich lieber bei den Leuten, die ich aufzusuchen pflege und besuche die Exerzitien, die ich bislang besuchte. Klar soweit?

        Ihnen sei dagegen brüderlich ein Gebet an den Hl. Geist empfohlen, der allein uns in die Wahrheit führt. das empfehle ich mir auch selbst – es ist fahrlässig, sich in dieser Verwirrung von selbsternannten Lehrernn instuieren zu lassen. Die Kirche hat sie jedenfalls nicht berufen, sondern sie sich selbst. Das ist eine unsaubere Sache – genauso unsuaber wie bei entsprechenden Sedis! Man hört sich an, was sie sagen, aber man folgt ihnen nicht – das hat Jesus uns für die Endzeit gesagt.

      • Ja, eben: die hl. Kommunion WIRKT (gnadenreich), sofern sich der Empfänger im Stande der heiligmachenden Gnade befindet. Darum ging’s. Dass Sie momentan nicht über Ihre Nasenspitze hinausdenken, zeigt allen Ihre buchhalterische Protokollführung.

        Und es ist eine Schande, was Sie dem hl. Pius X. alles unterjubeln wollen, weil ein quasi Verrückter 60 Jahre nach ihm die Messe zerstört hat. Full stop.

      • @ Carlo

        Es ist momentan hoffnungslos – Sie begreifen nicht, was ich sagen will. Ihr Statement von den Knackpunkten neulich trifft demnach ganz allein auf Sie zu.

        Wenn ein großer Teil der Katholiken bereits total verdorben ist, nützt es nichts, wenn man meint, man könne das voraussetzungslos durch häufigere Kommunion heilen.

        Denn dieser große Teil war schon im 19. Jh nicht mehr im Gnadenstand – ich sagte ja, dass sehr viele Klagen aus der Priesterschaft kamen über krass unwürdigen Kommuniongang. Und ich denke nicht, dass das übertrieben war, erst recht nicht, wenn man sich das Chaos schon damals anhand der Quellen vor Augen führt.

        Ich bin auch kein Buchhalter, auch noch nie gewesen, fragen Sie den Steuerberater. Aber ich kann denken!
        Pius X. hat tatsächlich den Wahn gehabt, er könne mit diktiatorischer „Administration“ Seelen beeinflussen (um es gelinde zu formulieren) und irgendwohin zwingen. Für mich ist das Verrat an dem, was Jesus aufgetragen hat. Ein unfreiwilliger, aufgezwungener Glaube ist kein Glaube und potenziert die Würdelosigkeit.

        Und der Beginn der Zerstörungen der Liturgie – na schauen Sie doch selbst mal nach, wer das angefangen hat! Deswegen verehren die Progressiven den großen „Reformpapst“ ja auch so sehr und sehen ihn als ihr Maskottchen an, jedenfalls für diesen Teil der Story.

        Ich fordere Sie ein weiteres Mal auf, nicht ad personam zu gehen und sich auf ein angemessenes Niveau des Respektes zwischen Erwachsnenen zurückzubewegen. Das ist jedenfalls nicht mein Level! Man könnte glatt denken, einer hätte Ihnen gesagt, Sie hätten keinen Dispens mehr für würdiges Benehmen mir gegenüber.

      • „Pius X. hat tatsächlich den Wahn gehabt, er könne mit diktiatorischer „Administration“ Seelen beeinflussen (um es gelinde zu formulieren) und irgendwohin zwingen. Für mich ist das Verrat an dem, was Jesus aufgetragen hat. Ein unfreiwilliger, aufgezwungener Glaube ist kein Glaube und potenziert die Würdelosigkeit.“

        Wahnhaft ist eher Ihr Gedankenkonstrukt, in das Sie sich wieder einmal verheddert haben und das nur in Ihrer Phantasie und Ihren falschen Schlüssen besteht, @zeitschnur. Papst Pius X. hat in der Tat zum häufigeren Kommunionempfang aufgerufen und dies hat realiter zu einer spirituellen Vertiefung und religiösen Erneuerung im Volk Gottes geführt. Das bestätigen selbst die größten Kritiker dieses Papstes! Pius X. und seine Reformen haben niemanden zu irgendetwas gezwungen. Auch gab es bis nach dem II. Vatikanum keinen massenhaften Kommunionempfang, die Zahl derer, die in der Bank blieben, war immer größer, als die, die zum Altare schritten. Denn es war damals jedem bewusst, dass man sich das Gericht aß, wenn man unwürdig, d.h. im Stand der schweren Schuld, die Kommunion empfing. Das Phänomen einer massenhaft unwürdigen Kommunion ist vielmehr ein Problem der zweitvatikanischen Kirche, in der alle zum Altar rennen und keiner in den Beichtstuhl. Druck übt zudem die zweitvatikanische Kirche auf die Gläubigen aus, indem jeder, der es sich erlaubt, nicht mit der unwürdigen Masse zum Kommunionempfang anzutreten und als einziger in der Bank bleibt, sich selbst vor der Gemeinde als ein schwerer Sünder outen muss, nach dem Motto: wenn der als einziger in der Gemeinde nicht zur Kommunion geht, dann muss er ja was ganz was Schlimmes auf dem Kerbholz haben (diese rein soziologischen, weniger spirituelle Aspekte dürften übrigens auch der Grund sein, warum die wiederverheiratet Geschiedenen so unter dem Ausschluss vom Kommunionempfang leiden!!!). Da begräbt der Sünder dann lieber sein Gewissen steht auf und macht einfach mit. Daraus entstehen für den Einzelnen wie für die ganze Kirche jene Zustände, die Sie hier, in völliger Verdrehung der Tatsachen, Pius X. unterzuschieben gedenken, nur um den von Ihnen verhaßten Tradis wieder eins auszuwischen. Wer so provokativ und demagogisch agiert wie Sie, hat gar kein Recht, gegenüber anderen Kommentatoren respektvollen Umgang anzumahnen. Fangen Sie bei sich an, Beste!

      • Übrigens, wenn man nur einmal diesen einen von mir zitierten Satz aus Ihren Zuschreibungen analysiert, zeigt sich die ganze Unsinnigkeit Ihrer Anwürfe. Sie nennen die Kommuniondekrete Pius X. „diktatorische Administration“ zu Seelenbeeinflussung. Was aber sind dann alle anderen Dekrete aller anderen Päpste, alle Dogmen, das gesamte Lehramt der Kirche, was ist dann Mission und Pastoral, ja Kirche insgesamt anderes, als eine „diktatorische Administration“ zur Seelenbeeinflussung und damit Verrat an dem, was Jesus angeblich aufgetragen hätte? Merken Sie eigentlich noch, wie sehr Sie ins Antikatholische und in die Gedankenwelt eines Richard Dawkins & Co. abdriften!?

  4. Auszug aus einer Schrift von Hw Robert Mäder – „Es lebe Jesus der König!“ aus dem Jahre 1927:
    -
    „Die katholische Kirche ist das Haus des Königs. 
    Die katholische Kirche wird des Chores wegen gebaut, das Chor des Altares und des Tabernakels wegen, der Tabernakel des Ziboriums wegen, das Ziborium des allerheiligsten Sakramentes wegen. 
    Dem König in der Hostie dienen alle Künste: 
    Architektur, Bildhauerei, Malerei, Musik.

    Sobald die heilige Hostie verschwindet, 
    wird die Kirche ein architektonischer 
    Unsinn. Wenn der König nicht mehr da ist, muss man nicht mehr Gotteshäuser, sondern 
    nur noch möglichst praktische Versammlungslokale 
    errichten. 
    [….]
    Die katholische Religion ist die Religion des gegenwärtigen Christus. 
    [….]
    Wer den Katholizismus wirklich in seinem tiefsten innersten Wesen kennen lernen will, der muss weiter nach vorne gehen, bis zum Allerheiligsten, dort, wo Jesus ist. 
    Sein Katholizismus muss eucharistisch werden, denken, handeln. 
    Katholizismus ohne den lebendigen Mittelpunkt der heiligen Hostie 
    ist toter, seelenloser Katholizismus
    [….]
    Die katholische Kirche, das Haus der heiligen Hostie! 
    Denken wir diesen Gedanken noch weiter durch. 
    Dringen wir durch den Schleier der Brotsgestalt zu dem dort Verborgenen. 
    Christus im Sakramente ist kein Toter,sondern ein lebendiger. 
    Der Tabernakel ist kein Sarg, kein Ruheplätzchen eines Schlafenden, das Chor kein Friedhof! 
    Nirgends in der Welt ist mehr Leben als dort. Nirgends wird mehr gearbeitet.

    Was Christus einst nach der Heilung des 38-jährigen Kranken gesagt, gilt auch vom eucharistischen Heiland: 
    Mein Vater wirkt bis jetzt und ich wirke auch. (Joh. 5, 17.) 
    Im Tabernakel wohnt die Allmacht. 
    Im Tabernakel wohnt die unendliche Liebe. 
    Im Tabernakel wohnt die ewige Weisheit. 
    Im Tabernakel wohnt die göttliche Vorsehung. 
    Von hier aus werden die Seelen geleitet. 
    Von hier aus gehen die Ströme des Lebens. 
    Hier wirkt der König“
    [….]
    -

  5. Ich bin ganz bei Bischof Morlino:
    Der Tabernakel gehört in den Mittelpunkt des Chorraums der katholischen Kirchen, weil darin der Herr Jesus Christus in der Gestalt der hl. Hostien immerwährend zugegen ist.
    Ist eine logische Konsequenz aus unserer katholischen Glaubenswahrheit der immerwährenden Präsenz Christi in der konsekrierten Hostie.
    In Deutschland kommt es zu immer mehr Ausdünnung von Eucharistie- feiern wg. des Priestermangels.
    Deshalb ist aber gerade eigentlich das Bewusstsein der Gegenwart des Herrn Jesus Christus im Tabernakel und die Möglichkeit – ja eigentlich Verpflichtung – zum Besuch bei ihm und zu seiner Anbetung für die katholischen Gläubigen von essentieller Bedeutung.
    Leider fanden sich im vorigen Jahr auch in der von uns besuchten kathol. Gemeinde nicht genügend Gemeindemitglieder für einen Sonnntag-Nachmittag des ewigen Gebets vor dem Tabernakel – trotz wiederholter Aufrufe.
    Das ewige Gebet wurde dann in dieser Gemeinde abgesagt – traurig.

  6. @ zeitschnur
    In einem Kommentar vor einigen Tagen baten Sie mich um meine (durchdachte) Meinung über die gegenwärtige Lage – ich kann es nur noch so allgemein ausdrücken, denn ich habe die Einzelheiten vergessen und kann’s nicht mehr auffinden.
    Ihrer Bitte glaube ich am besten nachkommen zu können, wenn ich Ihnen empfehle, das Buch „Marriage Supper of the Lamb“ von Susan Davis zu lesen. Sie können preisgünstig, zum Selbstkostenpreis, als Buch kaufen, Sie können es auch gratis aus dem Netz herunterladen:
    http://sites.radiantwebtools.com/index.cfm?i=15948
    https://www.smashwords.com/books/view/162979
    Dort finden Sie weitere Bücher derselben Autorin zum gleichen Thema. Sie sind in verschiedene Sprachen übersetzt, einiges auch ins Deutsche.

    Diese Empfehlung gebe ich auch den anderen Kommentatoren und Lesern dieses Forums, wohl wissend, dass nur wenige sie aufnehmenn werden.

      • Danke für die Links. Ich hab das mal ein bisschen angelesen in der bis jetzt kurzen Zeit. Erinnerte mich spontan ein bisschen an die „Warnung“ – nur auf höherem Niveau.

        Richtig ist natürlich, dass die Verachtung des Prophetenamtes auch eines der Versäumnisse ist, die uns heute teuer zu stehen kommen. Andererseits wird ja in dem Buch auch gesagt, dass es wichtig ist, wahrer von falscher Prophetie zu unterscheiden und vermutlich mehr falsche als wahre Propheten unterwegs sind – wie schon im AT.

        Nur – wie unterscheidet man das eine vom andern?

        Es dürfen keine Irrtümer untergejubelt werden. das ist wohl das Hauptkriterium.

        Ich gehe allerdings immer auf Distanz, wenn propheten sagen, Jesus komme sehr sehr bald. Ich tu das deshalb, weil Jesus selbst gesagt hat, er wisse weder Tag nicht Stunde und weil Paulus davor warnt, Leuten zu glauben, die sagen, er sei gekommen.

        Damit ist uns eine Sensibilisierung gegenüber Endzeitschwärmereien aufgetragen worden.

        Ob es sich hier um eine handelt, muss erst genauer prüfen – dafür braucht es etwas Zeit, zumal Englisch nicht meine Muttersprache ist und ich in Fremdsprachen zwar ganz gut klarkomme, aber einfach viel länger brauche.

        Ich hab Ihnen übrigens bei dem Sedisvakantistentext auch noch ne Frage gestellt wegen Sichtbarkeit/Unsichtbarkeit der Kirche.

  7. In dem Spätmittelalter war das Respekt für den Eucharistischen Leib riesig groß-übrigens besonders gefördert von den großen mystischen Bewegungen.
    Besonders eindrücklich hier das gewaltige Sakramentshaus (ein ca. 14 m hohe filigran geschnitzter Holzturm)links vorne am Choreingang in dem Ulmer Münster, mit damals einem gewaltigen Altar vorne im Chor.
    Der häufige Kommunionempfang wurde übrigens schon im Spätmittelalter praktiziert, besondrs bei de frommen Bewegungen wie in der Devotio Moderna (z.B. Kloster van Oisterwijk, Agnietenklooster in Arnheim).
    Dies wurde dann in der Barockzeit weitergeführt und -entwickelt (wobei besonders in den Beginenhöfen eine häufige Kommunion praktiziert wurde).
    Gerade die Reformatoren haben die häufige Kommunion bekämpft: Zwingli verbot ausdrücklich mehr als 2x pro Jahr zu kommunizieren (eine Tendenz die sich bei vielen protestantischen Strömungen bis jetzt finden läßt bzw. noch verschärft hat: wenig bekannt ist, daß bei dem sog. Konfirmationsabendmahl sehr häufig Eltern v. Konfirmanden um ein Beruhigungsmittel fragen, um diesen „seelischen Streß“ auszuhalten)
    (Das zeigt übrigens auch daß Unwissende, faktisch wahrscheinlich Heidnischgewordene ohne viel Bezug und/oder Kenntnis von Glauben und Kirche, sehr wohl das Mysterium tremendum spüren).
    In großen Gebieten von Südfrankreich und im südlichen Italien waren durch Kriegswirren und Katastrophen große Bevölkerungsschichten kaum noch pastoral betreut.
    Ähnlich erging es den eroberten Gebieten nach den französischen Revolutionskriegen (z.B. Belgien).
    Die besondere Hervorhebung der Hl. Eucharistie, zusammen mit einer breiten Katechese für alle Schichten der Bevölkerung, mit einer tiefen und breiten Marienfrömmigkeit und Herz-Jesu-Verehrung, geschah im 19. Jahrhundert um wieder an die glorreiche Evangelisierunsepoche des tridentinischen Barocks anzuknüpfen.
    Der Hl. Papst Pius X hat besonders viel Wert auf die frühe Erstkommunion gelegt; die Hl. Thérèse vom Kinde Jesus (v. Lisieux)hat übrigens Himmel und Erde bewegt um schon im Alter v. 4 Jahren erstmalig zu kommunizieren;
    insgesamt eine gewaltige Eucharistische Bewegung, verbunden mit regelmäßiger Beichtpraxis und eindrucksvollen Vesperliturgie abends.

    • „Häufige“ Kommunion bedeutete im Mittelalter nicht das, was man heute drunter versteht.

      Es bedeutete möglicherweise auch bloß 4x pro Jahr oder 1x im Monat, in jedem Fall aber nicht täglich oder wöchentlich.

      Gerade in der gallisch-fränkischen Kirche hatte sich die Kommunion hauptsächlich zur Priesterkommunion entwickelt, und anders ergäben Privatmessen ja überhaupt keinerlei Sinn (wie es dann tatsächlich nach dem Vat. II auch behauptet wurde). Erst durch verschiedene neuzeitliche mystische Bewegungen kam die wirklich häufige Kommunion auf.

      Für Menschen, die sich mystisch versenken und klösterlich leben, mag das ja segensreich sein. Aber nicht jeder ist eine Thérèse Martin! Pius X. hat das eben nicht in einem spirituellen Zusammenhang gesehen, sondern zu einer allgemeinen regel gemacht, die aber für die Allgemeinheit so, wie sie bereits abgesunken war, nicht richtig war.

      Sie proklamieren „Früchte“, allein: Wo sind diese Früchte?
      Eben genau das fehlt doch!
      „Frucht“ heißt doch nicht egoistisch, dass es MIR gutgeht, sondern dass daraus ein weiterer Same wird, der weitere Früchte bringt. Und diese Früchte kamen nicht. Sie werden gerne herbeigeredet, aber die faktische Entwicklung zeigt eindeutig, dass diese Früchte ausgeblieben sind.

      Infos zur Liturgiegeschichte hier: gul.echter.de/component/…/1155-26-1953-3-167-188-bleienstein-0.html

      • Ich hoffe, der Link klappt, das ist ein PDF, das man über die Suchmaschine mit einem Direktlink findet. Der Autor heißt Bleienstein und ist ein Verfechter der häufigen Kommunion.

        Interessant am Schluss des Textes auf S. 21 wie er referiert, dass man in alten zeiten für einen häufigen Kommunionempfang (täglich) wesentlich höhere sittliche und geistliche Anforderungen stellte. Das Laterankonzil 1215 hatte jedoch offenbar verbindlich festgelegt, dass eine einmalige Laien-Kommunion (+ Beichte)im Jahr bereits als ausreichend gilt. Nun konnte Pius X. dahinter nicht zurück, weil das eben nun einmal so festgelegt worden war.

        Der Autor Bleienstein weicht am Ende dann auch punktgenau die hohen sittlichen und spirituellen Anforderungen auf, indem er sagt:

        „Aber immer wieder stießen sie in den Entscheidungen der Konzilien auf Worte und Wendungen,
        nach denen sie sich für berechtigt hielten, den Grad der Kommunionhäufigkeit am Grad des geistlichen Lebens abzumessen oder mit andern Worten, für den täglichen Kommunionempfang viel höhere sittliche Leistungen vorauszusetzen als für die Wochen- oder Monatskommunion. Daß bei dieser theologisch-menschlichen Rationierung der eucharistischen Seelenspeise das Heil des Christenvolkes aufs ganze gesehen zu kurz kam, nahmen sie, der Ehre Gottes zuliebe, in Kauf.
        In der ersten Phase der Wiedereinführung der öfteren Kommunion hatten zwar auch die Theologen erklärt, daß man die Ehre Gottes am meisten fördere, wenn man ihn in der Eucharistie öfters empfange. Aber sobald die Zahl der Kommunionen eine gewisse Höhe erreicht hatte, setzten Bedenken und Beschränkungen ein, die nur zum Teil durch Übertreibung und Mißbräuche in der neuen Praxis gerechtfertigt waren und in ihrer theoretischen Begründung die Unterscheidung zwischen den wesensnotwendigen und nur wünschenswerten Dispositionen fast allgemein vermissen ließ.“ (S. 21)

        Er drückt, wenn auch euphorisch und unnüchtern in seiner folgenden Überlegung sehr wohl aus, dass Pius X. mit der gesamten Tradition der Kirche gebrochen hat, in dem, was er durchgesetzt hat. Bleienstein, übrigens ein Jesuit, behauptet, die tägliche Kommunion sei immer Ideal der Kirche gewesen, seitdem sie Volks- un massenkirche ist, aber zunehmend zurückgefahren worden – eben wegen der fehlenden Dispositionen der Massen. Folgen wir also weiter dem Autor:

        „Faßt man von diesem geschichtlichen Hintergrund aus das Kommuniondekret Papst Pius X. vom Jahre 1905 ins Auge, so wird im Ernst wohl niemand daran zweifeln, daß es nicht das Ende einer theologischen Entwicklung, nicht das Ergebnis menschlicher Bemühungen überhaupt, sondern das vom Heiligen Geist inspirierte
        Wort Gottes ist. Von ihm erleuchtet und in seinem Auftrag verkündet Pius, daß der von Christus dem Herrn und der katholischen Kirche gewünschte Grad der Häufigkeit die tägliche oder fast tägliche Kommunion ist, daß deren Ziel nicht so sehr darin liegt, daß der Herr verehrt und verherrlicht oder die Tugendhaftigkeit der Gläubigen anerkannt und belohnt werde, sondern hauptsächlich darin, daß die Christen durch die sakramentale Gottvereinigung Kraft gewinnen zur Beherrschung des begehrlichen Fleisches, Nachlassung erhalten der läßlichen und Schutz gegen die schweren Sünden, denen die Menschen in ihrer Gebrechlichkeit sonst zum Opfer fallen; daß darum niemand am Empfang dieser Arznei gehindert werden darf, der im Gnadenstand und mit rechtem und frommem Geist (recta piaque mente) zum
        Tisch des Herrn gehen will.
        In dieser festen, von Gott verliehenen Glaubensgewißheit schritt der Papst über alle menschlichen Bedenken souverän hinweg, ließ sich durch die Einwände derTheologen ebensowenig bestimmen wie durch die Warnungen der praktischen Seelsorger, weil er innerlich ganz sicher war, daß weder routinierte Ehrfurchtslosigkeit noch eitle menschliche Selbstgefälligkeit zu fürchten sind, wenn man die tägliche Kommunion empfängt, um dem Wunsche Gottes zu entsprechen, mit ihm vereinigt und von den sündhaften menschlichen Schwächen befreit zu werden.“ (S. 22)

        Es st durchaus ungesund und sektiererisch, die administrativen maßnahmen Pius X. als „Gottes Wort“ zu bezeichnen und sie mit weiteren vergöttlichenden Adjektiven zu versehen. Noch dazu, wo er sehr genau feststellt, dass die Kirche und das Lehramt genau das fast 1600 jahre lang so nicht wollte aus Ehrfurcht vor dem Herrn!

        Bleienstein setzt die euchsaristische Ehrfurcht dem pastoralen Nutzen voran.

        Wir sehen also, dass die Maßnahmen Pius X. exakt das vorbereitet haben, was wir heute haben. Nicht, dass man ihm unterstellen kann, es wäre so beabsichtigt gewesen, aber er war genauso fahrlässig wie die, die er mit Feuer und Schwert verfolgte: die Modernisten. Aber auch en Rahner war verzweifelt, als er das Ergebnis seiner Theologie mitansehen musste (weiß ich aus persönlichen Quellen).

        Klar ist aber, dass mit diesen Dekreten mit einer uralten Tradition der Vorsicht und Ehrfurcht gebrochen wurde.

      • Korrektur:

        Nicht: „Bleienstein setzt die euchsaristische Ehrfurcht dem pastoralen Nutzen voran.“

        Sondern:

        „Bleienstein setzt die eucharistische Ehrfurcht dem pastoralen Nutzen HINTAN.“

    • In den burgundischen/habsburgischen Niederlanden (ab 1550: spanischen Niederlanden) ist derKommunionsempfang mehrmals wöchentlich sehr gut belegt.
      Die Volksdevotion war nicht nur tief ausgeprägt und breit vorhanden, sondern bildete ein gewaltige gesellschaftliche Macht:
      die viele Kartäuserkloster (in der Reformationszeit dann weitgehend aufgehoben/geschlossen), und besonders die Beginenhöfe und im deutschen Reich die Spitäler;
      in dem Beginhof von Mecheln wohnten Ende des 17. Jhdt ca. 1500 Beginen (ca. 8-10 % der Gesamtbevölkerung der Stadt) mit großem Besitz (in weiblicher Hand) und sehr viel Spiritualität.
      Die Korrespondenzen der Großfräuleine mit den Bischöfen und Prälaten sind äusserst aussagekräftig betr. des Selbstvertrauens, der ökonomischen und sozialen Macht und der juristischen Fachkenntnis dieser Gemeinschaften.
      Das wurde damals von den Männern auch so wahrgenommen und akzeptiert und auch für ihre eigene Familie genutzt und unterstützt.
      Die Anfänge der Contrareformation in Deutschland gehen übrigens auch direkt auf die spätmittelalterliche katholische mystische und Devotionsbewegungen zurück, mit einem sehr interessanten katholischen Reformansatz z.B. in Ulm unter dem Stadtpleban Ulrich Krafft und dem späteren Spitalherr Gregor Bauler;
      durch dessen Schuler Johann Widmanstetter und Kard. Otto Truchseß v. Waldburg wurde Petrus Canisius zum tridentinischen Konzil/ nach Rom gesandt, womit die vielleicht wichtigste Grundlinie für die Contrareformation entstand.
      Gerade bei den plakativen Aussagen vieler frühen Reformatoren betr. das Abendmahl bekam der häufige Empfang der Kommunion eine starke Profilierung.

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