Höchststand der päpstlichen Popularität – Tiefststand der Beichtzahlen

Beichtstuhl im Petersdom
Beichtstuhl im Petersdom

(Rom) Die zum Jahresschluß von Kurienerzbischof Georg Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses gewohnheitsgemäß veröffentlichten Teilnehmerzahlen bei den päpstlichen Generalaudienzen, sorgten für Aufsehen und bereiten seither nicht nur in Rom einiges Kopfzerbrechen. Die Präfektur legte schwarz auf weiß die Zahlen vor, daß der seit 2013 vielbeschworene „Franziskus-Effekt“ ausbleibt. Die Zahl der Beichtenden erreicht in Rom einen Tiefststand, während die päpstliche Popularität ihren Höhenflug fortsetzt.

Gegenläufige Tendenzen

Die Teilnehmer an den Generalaudienzen am Mittwoch gingen von 1.199.000 im Jahr 2014 auf 704.100 im Jahr 2015 zurück. Die Teilnahme am sonntäglichen Angelus halbierte sich sogar von 3.040.000 Teilnehmern im Jahr 2014 auf 1.585.000 im Jahr 2015.

Gleichzeitig ist die Popularität von Papst Franziskus weiterhin enorm. „Seine Popularitätswerte sagen jedoch nichts über den Grad der religiösen Praxis aus“, so der Vatikanist Sandro Magister. Anders ausgedrückt: Die große Popularität der Person Franziskus steht in Kontrast zur sinkenden religiösen Praxis.

Aufschlußreicher, so Magister, seien andere Erhebungen, wie jene des italienischen Statistikamtes, mit denen jährlich das Alltagsleben der Italiener erfaßt werden soll. Die jüngst verfügbaren Daten beziehen sich auf das Jahr 2014, dem ersten Jahr, das zur Gänze vom Pontifikat von Papst Franziskus abgedeckt wurde. Laut Statistikamt gingen 28,8 Prozent der Italiener 2014 mindestens einmal in der Woche in die Kirche. Ein Wert, der im Vergleich zu anderen westlichen Staaten ziemlich hoch ist. Allerdings bedeutet auch er im Vergleich einen deutlichen Rückgang. Während des gesamten, achtjährigen Pontifikats von Papst Benedikt XVI. lagen die Werte konstant noch bei 32–33 Prozent.

Auch die Zahlen der Kirchenbesuche zeigen einen gegenläufigen Trend zur außergewöhnlichen Popularität von Papst Franziskus.

Magister: „Liebdienerischer Konformismus ein schädliches Laster des neuen kirchlichen Establishments“

Magister veröffentlichte den Brief eines Priesters, mit langjähriger Erfahrung als Beichtvater. Den Namen des Priesters nannte Magister nicht, da er „zu sehr vorhersehbarer Vergeltung durch ein neues kirchliches Establishment“ ausgesetzt sei, das „einen liebdienerischen Konformismus gegenüber diesem Pontifikat zu einem seiner schädlichsten Laster gemacht“ habe. Aus Magisters Angaben und dem Brief läßt sich jedoch soviel entnehmen, daß der Priester eine herausragende akademische Ausbildung verfügt und Lehraufträge an in- und ausländischen Universitäten hat und daß er als Beichtvater an einer römischen Kirche in den äußeren Stadtvierteln wirkt.

Der Priester berichtet mit dem Schreiben über seine Erfahrungen mit der Wirkung des Pontifikats von Papst Franziskus ad intra und ad extra Ecclesiae. Er enthält sich, wie er selbst betont, einer Wertung, möchte aber durch Fakten belegte Widersprüche zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufzeigen. „Ich überlasse es den Liebhabern der Religionssoziologie, der Öffentlichkeitsarbeit und der Kirchenpolitik“, den seit drei Jahren kontinuierlichen und schnellen Rückgang der Teilnehmerzahlen an den öffentlichen Ereignissen mit dem Papst zu bewerten, und zu beurteilen, was das für den Zuspruch zur Glaubensverkündigung und dem angeblichen „neuen Frühling“ der Kirche bedeute. Wesensmerkmal dieses Pontifikats sei ja eine Kirche mit „weit offenen Türen für alle“.

Doch, so der Priester, soweit er sich erinnern könne, spreche der Evangelist Lukas von einer „engen Pforte“. Um durch sie hindurchzugelangen, brauche es der „Anstrengung“ und daß zwar viele es versuchen, aber nur wenige schaffen würden. Die „Vergebung“ scheine durch die „Barmherzigkeit“ verdrängt zu werden.

„Bonum populi Dei“ mit „populari consensus“ verwechseln

Kritik übt er am „neuen kirchlichen Establishment“, das salus animarum mit vota aliquorum und bonum populi Dei mit popularis consensus zu verwechseln scheine, also das Seelenheil mit den Wünschen einiger und das Wohl des Gottesvolkes mit Popularität.

Kern des Briefes sind jedoch zwei Beobachtungen: Erstens, daß die Zahl der Beichtenden vor Weihnachten noch nie so gering war im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, und zweitens, daß die Beichtqualität nachlasse.

Dazu führt der Priester zwei Beispiele an, die unter Wahrung des Beichtgeheimnisses „für alle“ stehen sollen.

Wenn Beichtende dem Beichtvater Aussagen von Papst Franziskus entgegenhalten

Ein Mann beichtete mehrfach schwerwiegende Verstöße gegen das Siebte Gebot. Da er sich mit einer gewissen Leichtigkeit bezichtigte, wollte der Priester wissen, ob er denn wirklich bereue. Die Antwort war ein Zitat von Papst Franziskus: „Die Barmherzigkeit kennt keine Grenzen.“ Der Beichtende zeigte sich zugleich erstaunt, daß ihn der Beichtvater daran erinnerte, daß Reue und der Vorsatz, nicht mehr dieselbe Sünde zu begehen, Voraussetzungen für die Lossprechung seien. „Was ich getan habe, habe ich getan. Und was ich tun werde, werde ich entscheiden, sobald ich hier draußen bin. Was ich über das denke, was ich getan habe, ist eine Sache zwischen mir und Gott. Ich bin nur hier, um mir zu holen, was allen zumindest zu Weihnachten zusteht. Bei der Mette die Kommunion empfangen zu können!“ Zum Abschluß habe er noch jenen berühmten Ausspruch von Papst Franziskus paraphrasiert: „Wer sind Sie denn, um über mich zu urteilen?“

Eine junge Frau hatte eine schwere Sünde gegen das Fünfte Gebot gebeichtet. Der Priester erlegte ihr zur Buße Gebet vor dem Allerheiligsten auf und eine Spende nach ihren Möglichkeiten für die Armen. Die Frau reagierte unwirsch: Der Papst habe erst vor wenigen Tagen gesagt, „daß niemand etwas im Gegenzug für die Barmherzigkeit Gottes fordern dürfe, weil sie gratis ist“. Sie müsse ins Stadtzentrum, um Weihnachtseinkäufe zu tätigen und habe keine Zeit, in der Kirche zu beten. Und Geld für die Armen habe sie auch nicht, die bräuchten das auch nicht, denn die hätten ohnehin „mehr als wir“.

Mißverständliche Papst-Botschaften

„Es ist offensichtlich, daß manche Botschaft des Papstes, jedenfalls so wie sie die Gläubigen erreichte, sich leicht für Mißverständnisse eignet und daher nicht der Reifung des Gewissens nützt“, um sich der eigenen Sünden bewußt zu werden und der Bedingungen, die für die Lossprechung notwendig sind.

„Den „zickzackhaften Gang‘ zwischen den Konzepten, ohne sich je damit aufzuhalten eines zu präzisieren, in dem Msgr. Dario Viganò, Präfekt des Kommunikationssekretariats des Heiligen Stuhls, den Vorzug des ‚Kommunikationsstils von Papst Franziskus erkennt, der imstande sei ‚ihn für den modernen Zuhörer unwiderstehlich zu machen‘ stellt einige geistliche und pastorale Schwierigkeiten von nicht geringer Bedeutung dar, wenn es um die Gnade und die Sakramente, den Schatz der Kirche geht.“

Der Priester berichtet, daß er sich zunächst mit der Annahme getröstet habe, daß die Zahl der Beichtenden in den Basiliken mit den Heiligen Pforten in Roms Altstadt um so größer sein werde. Doch Nachfragen bei Mitbrüdern, die dort als Beichtväter wirken, ergaben das genaue Gegenteil. Die anderen Priester bestätigten dieselben Beobachtungen, die der Priester gemacht hatte.

Das Pontifikat dieses Papstes und der Gesundheitszustand der Kirche könne natürlich nicht einseitig an diesem Maßstab gemessen werden. „Wir sollten aber einige besorgniserregende Signale, die aus den Kirchen an den ‚Rändern‘ wie aus jenen der ‚Mitte‘ kommen, nicht vernachlässigen.“

Die Bischöfe, „zumindest bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil und in vielen Fällen auch danach“, hätten nicht Unrecht gehabt, wenn sie bei Pfarrvisitationen in ihren Diözesen von den Pfarrern vor allem auch die Zahl der Beichten und der Kommunionen wissen wollten. „Ebensowenig hatten die Päpste unrecht, wenn sie sich in der Vergangenheit von Bischöfen bei deren Besuchen ad limina apostolorum die Gesamtzahl der in deren Diözesen gespendeten Sakramente übergeben ließen“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Lifeisaprayer (Screenshot)

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32 Comments

  1. Wer die Worte von Franz, zb. bei den Protestanten hoert, der erkennt das er eigentlich wenig vom Katholischsein haelt(alles wird vom persoenlichen Gewissen geregelt, wozu also Beichte ?)
    Beichte, Ablass, Hoelle, Fegefeuer zum Beispiel kommen ihm nicht ueber die Lippen, seine Audienzen sind von theologischer Flachheit das man das Grausen bekommt.
    Wie sollen die Glaeubigen, die taeglich vom Liberalismus bombardiert werden, in der Kirche noch die Mittlerin zur Ewigkeit entdecken?
    Und zum Thema Popularitaet, das ist so fluechtig wie der Wind und dreht sich auch so oft.
    Das Absurde ist, diejenigen die ihn hofieren, tun das WEIL er der Kirche so schadet und die Mauern schleift und sie zu einer weiteren schwatzhaften Institution des Zeitgeistes umformt.
    Er tut alles was man dem Antchristen zugeschrieben hat.

    • Man bittet um Entschuldigung für den anderenorts angeführten fehlerhaften und inhaltlich unzulänglichen Text. Die derzeitige Situation geht ganz schön an die Nerven. Hier der richtige Text:

      Was hier berichtet, ist nur der augenblickliche Stand der Dinge. Weit verheerender ist die Aussicht, dass der Mann noch binnen Jahresfrist heimkehren wird, um wieder ungehemmt Straßenbahn zu fahren. Nach der Zeremonie auf dem Balkon hat er, wenn man einem anwesenden Zeugen glauben darf, geäußert: „“Questo era l´ultomo natale“.
      Zuvor wird er aber – zwar nicht doktrinell, aber gewohnt medienwirksam de facto – die Ehe zerstört (schon geschehen), und Priestertum („fakultativer Zölibat“) und Einheit der Kirche („Dezentralisierung“) durchgedrückt haben.
      Der dann den Scherbenhaufen übernehmen soll, wird in Rom schon „l´erede“ (der Erbe) genannt. Amoruccio wird es auch zweifellos schaffen, denn für seine Eignung spricht seine Achillesferse, die schon seit langem – freilich hinter vorgehaltener Klerikerhand – in aller Munde ist.
      Es gnade uns der barmherzige Gott!

      • Sie sprechen das aus, was auch ich vermute: Er war ein Strohmann, er hielt dem, was da im Vatikan an Sünden aufgehäuft war und ist, noch den Rücken frei. Sobald diese Sünden öffentlich verhandelt werden, ist es aus mit der Kirche. Daher auch das lustlose Gequatsche täglich. Ist ihm doch wurscht, was er sagt. So wirkt das auf mich, er macht es wie ein gedungener Trauerredner ohne Glauben. Bergoglio ist selbst erpressbar wegen seiner Machenschaften in Südamerika. Nur deswegen ist er gewählt worden. Er ist theologisch die absurdeste Besetzung des Stuhles Petri seit Jahrhunderten! Das wäre die einzige sinnvolle Erklärung.

        Und das wäre auch die Erklärung, warum unsere Helden-Bischöfe (wie Burke, Schneider, Müller, Léonard & Co) allesamt da, wo es wichtig wäre zu reden, schweigen und so etwas wie Schadensbegrenzung und zerfledderte Katechese betreiben, ansonsten mit einem enormen Aufwand noch einmal die alte Pracht der Kirche evozieren, bevor sie untergeht und die Gläubigen durch ihre Hinhalteparolen betrügen.

        Wenn das das letzte Weihnachten war, das im Vatikan gefeiert wird, dann heißt das auf gut Deutsch: Der Kirchenskandal wird 2016 ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gestellt werden.

        Es bröckelt alles – nachdem nun Georg Ratzinger ab jetzt, nach seiner Rückkehr aus Rom, Rede und Antwort stehen muss für den jahrzehntelangen Missbrauch von hunderten von Jugendlichen bei den Regensburger Domspatzen, den er entweder stillschweigend geduldet und unterstützt, wenn nicht sogar selbst mit vollzogen hat, wird auch bald Joseph Ratzingers Vita noch einmal genauer aufs Tapet kommen.
        Die Vatikanbank-Affairen sind ja ohnehin schon teilweise aufgedeckt!

        dass viele, vor allem enthusiastische Konvertiten, das kaum verkraften, verstehe ich emotional, aber ich kann nur eines sagen: Rette sich wer kann aus diesem finsteren Loch! Auch wenn es wehtut! Es ist wie in Nazideutschland, wo viele Leute bis zum Schluss nicht glauben wollten, dass alles verloren ist und im Ernst dachten, der Führer hätte mit all den Verbrechen nichts zu tun und noch jeden, der sie aufwecken wollte, an den Pranger liefern wollten!

        Ja: Gnade uns Gott!

    • lieber @Michael,
      „Das Absurde ist, diejenigen die ihn hofieren, tun das, WEIL er der Kirche so schadet …“
      Es ist eine schmerzliche, aber zugleich eine sehr treffliche Schlussfolgerung, die Sie hier anstellen!

      Beten wir weiterhin für den derzeitigen Nachfolger Petri, auf dass er seine Worte und Taten bereut und sich eines Besseren besinnt!

      • @die Zeitschnur:

        Papst Benedikt XVI hatte mit der Vatikanbank-Affäre nichts zu tun. Er hat darüber aus dem Fernsehen erfahren und es lag nicht in seiner päpstlichen Kompetenz auch noch die Geschäfte der Vatikanbank zu betreuen.
        Und bei Georg Ratzinger ist bis jetzt nichts erwiesen, was sie ihm da unterstellen. Solange das so ist, gilt die Unschuldsvermutung.

  2. Was hier berichtet wird mag eine böse Entwicklung sein. Weit verheerender ist die Aussicht, dass der Mann noch binnen Jahresfrist heimkehren wird, um wieder ungehemmt Straßenbahn zu fahren. Zuvor wird er aber – nicht doktrinell, aber medienwirksam de facto – Ehe, Priestertum („fakultativer Zölibat“) und Einheit der Kirche („Dezentralisierung“) durchdrückt haben.
    Der dann den Scherbenhaufen übernehmen soll, wird in Rom schon „l´erede“ (der Erbe) genannt. Der wird es auch zweifellos schaffen, denn für seine Eignung spricht seine Achillesferse, die schon seit langem – freilich hinter vorgehaltener Klerikerhand – in aller Munde ist.
    Es gnade uns der barmherzige Gott!

  3. Der Franziskus-Effekt ist also ausgeblieben ? Wer wundert sich denn da noch ? Das
    ganze Pontifikat Franziskus ist durchsetzt mit Zeitgeist und Widersprüchen. Zur
    eigentliche Lehre der Kirche trägt Franziskus nichts bei. Die widersprüchlichen
    Synoden mit ihrem Unfrieden, zeigen den Abstieg des Papsttums in nie gekannter
    Form. Franziskus hat die Tore des II.Vatikanums noch weiter aufgestoßen und ern-
    tet jetzt schlechte Früchte. Wo keine geistigen Vorgaben zu finden sind, da muss
    auch das Ergebnis negativ sein. Die Christenheit hungert nach Sakralität und
    den daraus resultierenden Glauben und nicht Zeitgeist. Es ist also kein Wunder wenn
    das Glaubensleben erschlafft.

    • Es ist schon sehr erstaunlich, wie verstaubt und mit wie wenig Empathie Papst Franziskus gesehen wird. Selbstreflektion ist das unverzichtbar anzusetzen.Zwänge und traditionelles Denken sind oft große „Klötze“ am Bein. Fundamentalismus ist keinerlei Hilfe!!!

  4. Wann stehen die Bischöfe und Kardinäle endlich auf und benennen Häresie, was Häresie ist.
    Je länger sie schweigen, um so mehr machen sie sich schuldig.

  5. Lehre der Kirche ist, dass es eine *providentia supernaturalis* gibt.
    Diese wirkt in der Bewahrung des obersten kirchlichen Lehramts vor Irrtum.

    • …ja: aber nur, wenn der Papst in Fragen des Glaubesn und der Sitten ex cathedra, also unter ausdrücklicher Bezugnahme auf seine Autorität eine Lehre definiert.

      Definieren ist nicht dasselbe wie täglich Quasseln und auch nicht dasselbe wie „Gedanken äußern“, ja nicht eimal dasselbe wie „Lehren (im allgemeinen und besonderen)“, wenn es nicht unter der Vorgabe der ausdrücklichen Definitionsautorität geschieht.

      • Ich teile Ihre Meinung!
        .
        Indessen weise ich freundlich darauf hin, dass ältere Lehrbücher der Katholischen Dogmatik (wie Pohle-Gierens, Michael Schmaus oder Bernhard Bartmann) und auch neuere (wie Gerhard Ludwig Müller oder Peter Hofmann) hier einen weiteren Kreis ziehen.
        .
        Danach wirkt die providentia supernaturalis auch bei regulairen Glaubensentscheidungen, und als Beispiel wird dann häufig die Heiligsprechung durch den Papst genannt.

      • @ Baselbieter

        Ich weiß, dass manche Dogmatiker das relativ dreist behauptet haben. Auch der in diesem Zusammenhang gern zitierte J.B. Heinrich.

        Das ist die maximalistische inafallibilistische Position, der ich mich zwar mal angenähert hatte, aber inzwischen nicht mehr teilen kann.

        Die Debatten auf dem Vaticanum I zeigen ja, dass man sich wohlweislich auf die dogmatische Definition selbst noch unter maximalistischem Einfluss zurückziehen musste, weil man sonst irre an der Kirche werden müsste – man gerät in einen wahren Morast logischer und pseudo-unfehlbarer Widersprüche, an dem man den Glauben früher oder später verliert oder zum Sektierer wird.

        Ludwig Ott gibt in seiner Dogmatik ja die Abstufung an „Gewissheiten“ von Lehrsätzen des Lehramtes, und ich denke, das kommt der Realität schon erheblich näher und damit kann man leben und umgehen.

    • An erster Stelle steht der Mensch. So war es auch bei Jesus. Das Gesetz war bei den Pharisäern im Vordergrund und wie soll man Ihre Denkweise einschätzen?

  6. Wer die Türen derartig weit aufreisst, erleichtert den Leuten das Davonlaufen 😉

    Spaß beiseite, wenn der Herr so barmherzig wäre, wie es zumindest in der Presse vom aktuellen Amtsinhaber rüberkommt, dann kann man am Sonntag auch mal ungestraft länger ausschlafen – kann ja nicht schlimmer sein als Ehebruch, oder?

    • Kostadinov @ Die 10 Gebote sagen es deutlich : ..du sollst den Sabbat ( Sonntag )
      heiligen. Von Anfang an kamen die Christen am Tag des Herrn zusammen, um das
      Brot zu brechen und Gott die Ehre zu geben. Der katholische Christ ist gehalten
      am Sonntag die Hl.Messe zu besuchen, mit der Begegnung mit Jesus im Hl.Sakra-
      ment. Das Glaubensleben, ist deshalb so schwach, weil sich nicht mehr viele an
      dieses Kirchengebot halten.

      • ich glaube, Sie haben meine Ironie nicht verstanden. Natürlich gehe ich jeden Sonntag zur Messe (bei der FSSP). Ich wollte nur verdeutlichen, daß der gute Mann eigentlich an dem Ast sägt, auf dem er sitzt. Wenn nämlich Ehebruch nicht von der Kommunion ausschließt, dann auch Sonntag daheimbleiben nicht, und wenn jeder zur Kommunion kann, dann versinkt alles in Beliebigkeit… und genau deswegen gehen die Beichtzahlen zurück, wird ja eh alles sowieso „vergeben“. Vielen Dank für die freundliche Ermahnung, aber ich hoffe, mein Punkt ist jetzt klarer 😉

  7. Wenn die Teilnehmerzahlen von allen päpstlichen Veranstaltungen sinken ( auch die Systempresse berichtete davon,im Ton des Bedauerns)woran misst man dann die angeblich wachsende Popularität?
    Gibt es da eine neue Maßeinheit-ein Milli-oder Megafranz-oder so ähnlich!?
    Na ja,unsere BKlerin hat ja auch noch seeehr hohe Umfragewerte….

  8. [email protected] : Der „Antichrist“ erscheint als Schreckgespenst immer wieder
    in der Kirchengeschichte und dient als Totschlaginstrument der Argumentation für Dinge , die einem nicht passen oder unheimlich sind .
    In der Frühzeit des Christentums gab es überhaupt keine Ohrenbeichte , ein
    Konzil des 13. jahrhunderts beschließt die Verpflichtung zu einer
    Beichte mindestens einmal im Jahr , es gibt also in der Tradition des
    Bußsakramentes nicht die rigorose Praxis , wie sie hier zum Teil dar-
    gestellt und erwünscht wird . Höllenvisionen sind Bilder (oft auch im
    Bild wiedergegeben ) , die soweit geführt haben , dass aus der Angst der
    Gläubigen ein schmutziges Geschäft gemacht wurde, ( ABlass , Ablasshandel)
    was schließlich mitverantwortlich für die Kirchenspaltung wurde .

    • Allerdings, Herr Eisel, gab es die öffentliche Beichte, die sehr wohl verpflichtend war. Aber Sie haben recht – diese rigorose Praxis gabe es nicht. Selbst im Katechismus Pius X. (!) wird nur von einer Verpflichtung zur Beichte einmal im Jahr ausgegangen und ansonsten eben dann, wenn Schwerwiegendes vorliegt. Aber das sollte ja möglichst nicht häufig sein!

      Die Ohrenbeichte wurde aus Schonung und Rücksichtnahme auf die Sünder eingeführt.

      Ohne Sündenbekenntnis auch keine Vergebung – das ist Schriftwort.

      Wie genau das immer zu geschehen hat – schwer zu sagen. Die Kirche hat daher auch im Notfall niemals abgewiesen, dass das zerknirschte Herz auch gilt. Der Schächer am Kreuz seufzt im Sterben „Herr, denke an mich…“ und Jesus sagt ihm, er werde mit ihm nich „heute“ im Paradies sein…

      Gerade heute ist das Beichten ja so eine Sache: Viele gehen auch deshalb nicht beichten, weil sie keinerlei Vertrauen mehr in die Kirche haben und sich nicht Wölfen anvertrauen wollen.

      Nachdem ich dann gelesen habe, dass im 19. Jh einerseits die Menschen zum Beichten förmlich erpresst wurden und aus dem „einmal im Jahr“ ein repressives „mindestens einmal im Monat“ und eine ungute „Seelenführer“-Wirtschaft wurde, und dass mit Pius X. und seiner Vorverlegung der Erstkommunion selbst unmündige Kinder gezwungen wurden, „Gewissensprüfungen“ im Großformat vorzunehmen und in aller Regel nicht begriffen, was sie tun sollten und so in ein ungutes Fahrwasser von Angst und Verlogenheit gerieten, und: dass schon im 19. Jh v.a. in Klöstern das Beichtgeheimnis vielerorts massiv und schamlos gebrochen wurde, um sich der Seelen zu bemächtigen und sie für weitere politische Dinge zu erpressen und, wenn diese Sachen dann vor dem hl. Officium landeten, in aller Regel nur milde oder gar nicht bestraft wurden, obwohl das Kirchenrecht dafür drakonische Strafen vorsieht – nachdem ich also all das zur Kenntnis genommen habe, kann ich den Impuls vieler Menschen, sich keinem von diesen Seelenverkäufern anzuvertrauen, emotional gut folgen. Ich verstehe das!

      Ds Sündenbekenntnis sollte doch frei und aus einem wirklich reuigen Herzen kommen und vor allem auch nur dann, wenn überhaupt eine Sündenerkenntnis vorliegt! Man hat dann gerade auf konservativer Seit versucht, den Menschen durch Angst und Drohung möglichst viele Sünden „einfallen zu lassen“.
      Zugleich hat die Kirche solche erpressten „Reue“ an sich als ungültig angesehen, was den Circulus vitiosus nur noch vergrößert hat für viele ängstliche Naturen.

      Das ist wirklich ein Dilemma und bedarf wirklich berufener Seelenhirten. Aber die Kirche berief allzu oft lieber politisch opportune Personen ins Priesteramt. Das war auch vor 150 Jahren schon nicht anders und mit der Totalzentralisierung der Kirche, die auch wiederum Pius X. mit allen Bandagen durchsetzen wollte, wurden sämtliche Bande zu den realen Diözesen und ihren weltlichen Konstellationen abgebrochen und damit dem Missbrauch in jeder Hinsicht Tür und Tor geöffnet.

  9. Man muss aber wohl klar sagen, dass das Sündenbekenntnis im Beichtstuhl tausendmal mehr genützt als geschadet hat. Missbräuche hat es immer gegeben. Die sind keine Ausrede für ein Nichtmehrbeichtenwollen!
    Viele nicht mehr beichtende Protestanten haben gerade die katholische Kirche um dieses wunderbare Gnadengeschenk beneidet.
    Heute sind die Zimmer der Psychologen so voll, da es keine praktizierende Beichte mehr gibt. Keiner ist mehr bereit, ein Korrektiv und eine Hirtenfunktion über sich anzuerkennen. Mochte die damalige Zeit es mit dem Druck beichten zu müssen übertrieben zu haben, stellen wir heute ein klares Defizit fest.
    Darüberhinaus stellen erfahrene Exorzisten immer wieder fest: Bei bestimmten Belastungen – in unserer Zeit durch die überquellende Esoterikflut immens virulent – gibt es keine Befreiungg ohne die Beichte.
    Im Übrigen kommt der Beichtgedanke vom Bußgedanken. Buße meint Umkehr zu Gott und Abkehr vom Geist dieser Welt, „Hinwendung“ zu Gott, Absage an die Werke und Machenschaften der Finsternis.
    Es war und ist durchaus sinnvoll Kinder im Sinne Pius X so früh zur Beichte zu führen. Eine heutige durchpsychologisierte Welt hat da kein Verständnis mehr für. Schon ein kleines Kind hat ein Gewissen.
    Das Märchen vom Angstmachen durch de Beichte kommt aus der Protestantismusecke und von den heute leider so oft anzutreffenden verstockten Sündern.
    SOLLTE MAN VOR DER SÜNDE ETWA KEINE ANGST HABEN!
    Auch die Untersuchungsergebnisse um die Regensburger Domspatzen halte ich für tendenziös und nicht wirklch unabängig. Es mag Einzelfälle gegeben haben, wo sich ein Priester schuldig gemacht hat. Aber generell wird hier maßlos zum Schaden der Kirche übertrieben.
    Zwar kann man sagen, dass die Tradition vom Geiste Jesu schon viel früher seit dem II Vatikanum abgebrochen ist bzw. Risse bekommen hat. Aber insgesamt war die Kirche vor 100 bis 60 Jahren in einem gegenüber heute phänomenal guten Zustand. Man darf die Krisen und den Glaubensabfall der Gegenwart nicht einseitig durch die Brille der schon länger veruntreuten Tradition betrachten, sondern muss auch sehen, dass einer säkularen Welt kaum etwas entgegenzusetzen ist.
    Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn die Liturgie nicht geändert worden wäre (ab 1970). Hätten wir dann wirklich mehr kirchliches Leben, mehr Glauben und mehr Kirchenbesucherzahlen, oder vielleicht noch weniger als heute.
    Franziskus muss man sicher kritisch sehen. Ich tue das auch. Man darf aber auch bedenken, wie man man eine Welt erreichen will, die viellfach besessen ist und derart weit von Gott weg ist, dass nurmehr das eigene Schicksal (Krankheit, Unglück, Not) wieder die Seele für Gottes Wort öffnet. Ein geistig Armer braucht Barmherzigkeit, unbedingte Barmherzigkeit, nicht noch Schläge. Erst wenn er wieder gestärkt ist durch bedingungslose Zuwendung, kommt die härtere Kost. Hier darf sich die Kirche allerdings nicht versagen und muss schon von Anfang an klarmachen, wozu sie den Menschen wieder bekräftigen möchte.

    • Ich stimme Ihnen zu – wenn Sie mein Posting vollständig und genau gelesen haben, hätten Sie das doch lesen müssen: Sündevergebung geht nur über ein zerknirschtes Herz und Reue und Bekenntnis.

      Nirgends wollte ich einer Vernachlässigung der Beichte das Wort reden!

      Vielmehr wollte ich etwas anderes andeuten: die Menschen sehnen sich nach Beichtvätern, die diesen Titel überhaupt verdienen. Die Menschen haben kein vertrauen mehr – darum geht es.

      Bedenken Sie aber bitte, dass Pius X. mit der verfrühten beichte ein absolutes Novum in der Kirchengechichte eingeführt hat. das hat mit Psychologie usw. gar nichts zu tun. ich weiß, dass auch viele ältere Leute, die mit Sicherheit nicht progressiv sind, das bis heute ablehnen, und unter Leo XIII. gingen die Kinder vielleicht mit 12 Jahren oder 13 zum ersten mal beichten. Was bitte, soll ein siebenjähriges Kind, das noch gar nicht strfamündig ist, denn „beichten“. Dass es heimlich einen Keks gegessen hat? Oder sich Mamas Anordnung widersetzt hat?

      Ich sehe das aus der Perspektive einer Mutter, die das alles ja übrigens aus eigener Anschauung durchexerziert hat. Ich rede hier nicht vom grünen Tisch aus! Wenn das Kind sich verfehlt, muss man das als vernünftiger Pädagoge sofort klären und strafen. Es ist schädlich, wenn man das „aufhebt“. Ein normales, psychisch gesundes Kind vergisst das dann auch wieder, wenn es bestraft wurde und die Sache wieder gut ist. Und so soll es ja auch sein.

      Wenn es sich nun diese an sich schon bereinigten Sachen tagelang, gar wochenlang „merken“ soll, obwohl sie schon mit den von Gott eingesetzten Autoritäten, den Eltern, bereinigt SIND, um sie dann noch mal, obwohl sie ohnehin nur lässliche Sünden sind (!), im Beichtstuhl vorzutragen, dann ist das in höchstem Maße ungesund.

      Und genau so hat man das bis Pius X. auch empfunden und gehandhabt!

      Es geht ja nicht drum, die Kinder zu verziehen, sondern der Tatsache Rechnung zu tragen, dass sie vor der Mündigkeit in religiösen Dingen die Eltern als Autortät anerkennen müssen, wenn der Alltag funktionieren soll. Schiebt die Kirche da noch eine Extraebene ein, die die Kinder zur Qual mit ihren bereits bereinigten Sünden anhält, ist das nicht gut.

      Ich habe sehr viel Erfahrung mit Kindern, auch durch meine Unterrichtstätigkeit. In aller Regel, ist die Gehirnentwicklung frühestens mit 9 oder 10 Jahren, besser aber erst ab 11 oder 12 swoeit, dass ein Kind ohne Quälerei sein Handeln auch ohne die Eltern reflektieren kann und soll – also passgenau der Zeitpunkt, an dem die Kirche jahrhundertelang auch die Erstbeichten ansetzte, wenn überhaupt. .

      • Warum ein Schmarrn??? Ich brauchte Sie und habe nach ihr geradezu verlangt.
        Nur weil Sie für Sie nichts ist, muss das nicht für alle Seelen gelten.
        „Geh, deine Sünden sind dir vergeben – und sündige fortan nicht wieder.“ Beide Aussagen gehören in einen Satz! Vergebung und Umkehr gehören zusammen.
        Fordern und Fördern gilt auch in der Bußpraxis. Sonst lacht man Sie aus.
        Die Folge: Niemand geht mehr beichten. Sünde abgeschafft. Wieso brauchen wir dann noch das Beichtsakrament?
        Wieso dann noch das Heilige Messopfer, wozu noch Jesus als Christus und Gottessohn?
        Man sollte die Dinge schon zuende denken. Ansonsten kann man den Laden gleich dicht machen.

  10. Es geht meines Erachtens darum, Kinder an die Beichtpraxis heranzuführen. Gerade in der heutigen Zeit wird es immer schwieriger, bereits pubertierende Kinder im Alter von meinetwegen 11 oder 12 Jahren an die Beichte heranzuführen. Das muss früher geschehen.

    Es geht nicht darum, ob das Kind einen Keks gestohlen hat oder nicht, und darum wochenlang ein schlechtes Gewissen haben soll. Vielmehr geht es darum, das Beichtsakrament als Vorzimmer zur Begegnung mit Jesus im Bewusstsein des Kindes zu verankern.

    Die bedeutende und überragende Rolle der Eltern in der Familie – als Kirche im Kleinen – steht natürlich außer Frage.

    Wenn ich an meine eigene Beichten in der Kindheit zurückdenke, dann waren die nicht wirklich durchdacht. Stets habe ich gebeichtet: „Ich habe meine Oma geärgert…“ und dergleichen mehr. Vielen anderen Blödsinn habe ich verschwiegen, der rückblickend betrachtet viel schwerer wog und wodurch ich anderen auch wirklich Schaden zugefügt hatte.

    Das Unrechtsbewusstsein war noch unausgeprägt. Das ist für mich aber kein Argument, das Beichten auf früher zu verschieben. Andere Kinder sind da wesentlich weiter. Ich war da irgendwie ein Spätzünder, da ich ein ziemlicher Rabauke war.

    Ein Kind ist kein Theologe. Wenn ich weiter über meine KInderbeichten nachdenke: Es hat auch nie ein Priester nachgefragt, was ich sonst noch so gemacht und angestellt habe. Die Sünden standen gar nicht im Vordergrund. Vielmehr der kindgerechte Hinweis: „Bemühe dich, es das nächste mal besser zu machen.“ Dann wurde das Augenmerk auf ein Gebet als kleine Buße gelegt; also auf das Gespräch mit Jesus.

    Wenn ich weiter nachdenke: Es hat mich von sich aus nie ein Priester gefragt, wie ich es mit dem 6. Gebot halte. Da kam ich erst drauf, als ich mir mit über 20 zum ersten Mal den Katechismus vornahm und mir sagte: „Hui, so hat mir das ja nie einer gesagt.“

    Nicht ein einziges Mal hat man mir in der Beichte Angst gemacht. Auch später nicht. Ich hatte eher den Eindruck, man habe mir einiges verschiegen.

    Später bin ich dann und wann auf Beichtväter gestoßen, die für mir zu lax waren.

    Also ich weiß wirklich nicht, welche Schreckenserlebnisse andere im Beichtstuhl gehabt haben wollen.

    Vielmehr bin ich heute noch dankbar dafür, dass ich in der Kindheit die Scheu vor dem Beichten ablegen konnte, eben dadurch, dass ich beichtete.

    Gestern abend las ich noch in einer kleinen Schrift von Spirago über die Beichte etwa sinngemäß: Ein Mann fragte einen Heiligen, was würden sie sagen, wenn ich Ihnen meine schlimmsten Sünden gnadenlos offen legen würde und nichts zurückhielte. Der Heilige antwortete: Ich würde sie für einen Heiligen halten.

    Was wir zudecken, deckt Gott auf, und was wir aufdecken, deckt Gott zu; er vergisst es schlichtweg. Er streicht es aus…

    Vor einigen Tagen las ich drei Besessenheitsfälle von Pfarrer P. Sutter („Satans Macht und Wirken“). Darin nannte der jeweilige Teufel häufig die verborgensten Sünden der Besucher und stellte sie damit blos. Deshalb sollen die Exorzierenden vor dem Exorzismus auch selber gebeichtet haben.

    Hatte ein Besucher seine Sünden vorher gebeichtet, konnten die Teufel nichts aus den Gewissen ablesen. Denn die Seelen waren wieder rein gewaschen.

    Meine Stellungnahmen sind eher aditiv und beziehen sich nicht ausdrücklich und speziell auf einen bestimmten anderen Kommentar. Sie setzten sich nur zusammen aus Eindrücken.

    Lebendig steht mir noch der Eindruck des gestrigen Abends vor Augen, bei dem der Besucher eines Bibelkreises angab, schon seit Jahren nicht mehr zur Beichte zu gehen und damit prahlte, auch nicht beichten zu müssen. Er gehe lieber in den Bußgottesdienst…

    Weit verbreitet war auch der Eindruck, es reiche aus, durch die Heligen Pforten zu gehen. Das halten dann wieder viele für Hokuspokus, verständlicherweise, wenn ihnen – wie mir damals – nur halbe Wahrheiten erzählt werden.

    So befinden sich also heute viele Christen was ihr Gewissen betrifft, in einem geradezu infantilen Zustand und glauben es nur allzugerne, was unsere Kirchenvertreter ganz im (Un-)Geiste Martin Luthers verkünden: Das Gewissen sei autonom und stehe über allem.

    • Das mit dem infantilen Zustand mag ja stimme, jedenfalls bei vielen, aber ich habe auch Probleme mit den pauschalen Sichtweisen auf den heutigen Menschen. ich erlebe immer wieder, dass ungläubige Menschen viel aufrichtiger sind als ich es von den meisten Katholiken her kenne. Wer weiß das schon, was in ihnen vorgeht? Ob sie wirklich keinerlei Gewissensprüfung kennen?

      Ihre Luther-Auffassung ist allerdings auch nicht gerade reif. Luther hat keine autonome Gewissensfreiheit gelehrt, weil er ja schon die Willensfreiheit bestritt. ich würde nicht jede katholische, antiprotestantische hetze glauben, sondern lieber prüfen, ob da so überhaupt stimmt.

      (Und nun bitte nicht wieder über mich herfallen – nein: ich bin kein Agent der Freimaurer und Lutheraner, ich habe nur schon Luther gelesen und weiß, dass er erheblich komplexer dachte…der Hinweis soll mich nicht als dessen Sympathisant outen, sondern um Vorsicht bei Behauptungen bitten, die eindeutig widerlegbar sind.)

      • „Ihre Luther-Auffassung ist allerdings auch nicht gerade reif.“

        Woher wollen Sie das denn beurteilen? Wissen Sie, wie gut ich Luther kenne oder nicht und wie ich ihn lese und verstehe?

        Ich beurteile Luther nicht auf der Ebene der Kapriolen seines selbstgefälligen Geschreibsels, sondern auf Grundlage der dahinter stehenden Not seines Seelenzustandes, seinen Motivationen und Emotionen. Ich sehe durchaus seine Nöte…

        „Luther hat keine autonome Gewissensfreiheit gelehrt, weil er ja schon die Willensfreiheit bestritt.“

        Im Ende läuft es aber darauf hinaus, und nur darauf kommt es an.

        Wenn ich mich als Mensch der Sünde ausliefere, war ich halt nicht frei. Ich konnte nicht anders, als so zu handeln, wie ich eben handelte.

        Auf der Grundlage solcher Gedankenkostrukte kann man sich selber gut in den Rücken fallen und der Versuchung nachgeben.

        Um sich nun selbet das Heil zuzusprechen, muss man die gesamte Theologie umdeuten. Darum statuierte Luther für sich das Heil, was nachweislich nicht mehr katholisch ist.

        So war er wieder ein zugehöriger „Christenmensch“ und über den Kunstgriff der Heilsstatuierung – trotz seiner Sünde – wieder drin im ‚himmlischen Jerusalem‘.

        Genau diese Umdeutungen vollziehen sich heute in allen Bereichen nach dem Vorbild Luthers in der gesamten Kirche.

        Da man nicht frei ist (nicht zu sündigen), muss man sich das Heil – im Glauben an Jesus – selber zusprechen.

        Man kann die Gedanken theologisch nachvollziehen. Man sieht aber auch, dass sie in Wirklichkeit in die Unfreiheit und Versklavung des Menschen unter die Herrschaft der Sünde führt.

        Bei Luther ist der Christenmensch immer frei durch die Gnade und gerechtfertigt durch den Glauben, allein durch den Glauben…

        Unfrei und zur Unfreiheit vorherbestimmt ist der, der Jesu Heilsagebot nicht annimmt. Wer sie annimmt, ist frei, auch wenn er sündigt. Und gerade darin liegt die Vefänglichkeit der Lehre Luthers.

  11. Kurz gesagt: Der Name Jesu als Deckmäntelchen für die Sünde. Das ist dür mich der Protestantismus.

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