Papst Franziskus schreibt Vorwort für „Mafia“-Gründer – Opera Omnia von Kardinal Carlo Maria Martini

Kardinal Carlo Maria Martini SJ (1927-2012)
Kardinal Carlo Maria Martini SJ (1927-2012)

(Rom) Papst Franziskus „entbot an diesem Montag eine besondere Hommage dem verstorbenen italienischen Kardinal Carlo Maria Martini“, so Agence France Presse (AFP). Das katholische Kirchenoberhaupt hat das Vorwort zum ersten Band der Gesammelten Werke von Kardinal Martini geschrieben, der am 22. Oktober in den Buchhandel kommt. Alles, was Papst Franziskus über Martini sagt, an ihm lobt und hervorhebt, läßt eine tatsächliche oder zumindest betonte Übereinstimmung zwischen den beiden ranghöchsten Gestalten aus dem Jesuitenorden der jüngsten Zeit erkennen.

Was Franziskus verschweigt: Kardinal Martini war auch eine zwielichtige Gestalt. Die Tragweite des päpstlichen Vorworts wird erst in anderem Zusammenhang deutlich. Kardinal Martini war auch Gründer und Stichwortgeber des geheimen Zirkels „Gruppe Sankt Gallen“, die sich selbst als „Mafia“ in der Kirche verstand, wie Kardinal Danneels, selbst Mitglied der Gruppe, vor kurzem offen und selbstsicher bekannte. Ein geheimer Zirkel mit dem Ziel, durch geheime Machenschaften den Kurs der Kirche zu beeinflussen – und Einfluß auf die Papstwahl zu nehmen.

„Le cattedre dei non credenti“ (Die Lehrstühle der Ungläubigen) heißt der erste Band der Opera omnia von Kardinal Carlo Maria Martini, die von Virginio Pontiggia im Verlag Bompiani herausgebracht werden.

AFP: „Große Gestalt des progressistischen Flügels der katholischen Kirche“

Der ebenfalls aus dem Jesuitenorden stammende, 2012 gestorbene Erzbischof von Mailand gehörte zu den „großen Gestalten des progressistischen Flügels der katholischen Kirche“, so AFP in ihrem Bericht. Das Vorwort von Papst Franziskus unterstreicht diese Bedeutung und läßt mehr erkennen, als nur die gemeinsame Zugehörigkeit zum Jesuitenorden. Immerhin war Martini für einen Teil der Kirche der personifizierte progressive Gegenspieler jener von ihm bekämpften „Restauration“, die 1978 mit der Wahl von Papst Johannes Paul II. begann (Carlo Maria Kardinal Martini – Ein notwendiger Nachruf abseits des Jubelchors) und erst 2013 mit dem unerwarteten Amtsverzicht von Benedikt XVI. endete (Als Kardinal Martini zu Benedikt XVI. sagte: Du mußt zurücktreten).

Das Vorwort von Papst Franziskus wurde in der Montagausgabe des Corriere della Sera abgedruckt. Der Papst lobt darin „die Fähigkeit“ Martinis, „die innerkirchliche Debatte, die Synoden und Versammlungen der Bischöfe der ganzen Welt zu fördern, die vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) eingeführt wurden“.

„Ich bin der Meinung, daß jeder von uns einen Ungläubigen und einen Gläubigen in sich hat, die drinnen miteinander sprechen, sich gegenseitig befragen, sich ständig, einer dem anderen, stechende und beunruhigende Fragen stellt. Der Ungläubige, der in mir ist, beunruhigt den Gläubigen, der in mir ist und umgekehrt“, mit diesen Worten eröffnete Kardinal Martini 1987 seinen ersten „Lehrstuhl der Ungläubigen“. Damit begann ein „langer Weg des Dialogs (in 12 Auflagen, bis 2002), den der Kardinal wollte, um den Ungläubigen das Wort zu geben“, so der Corriere della Sera.

Papst: „Habe geistliche Exerzitien auf der Grundlage seiner Texte gemacht“

Kardinal Martini: "Dialog mit der Welt"
Kardinal Martini: „Dialog mit der Welt“

Das päpstliche Vorwort wurde vom Corriere della Sera zwei Tage nach der „wichtigen Rede“ des Papstes vor den im Vatikan zu einer Synode über die Familie versammelten Bischöfen abgedruckt.

„Ich habe nie aufgehört zu fragen“, erinnert sich Franziskus, „der sich mit den Texten Martinis formte, einem Jesuiten wie er“, so AFP. Wörtlich schreibt der Papst: „Das Erbe, das uns Kardinal Martini hinterlassen hat, ist ein kostbares Geschenk. Sein Leben, seine Werke und seine Worte haben vielen Menschen auf ihrem Weg der Suche Hoffnung und Halt gegeben. Viele von uns in Argentinien, am ‚Ende der Welt‘, haben geistliche Exerzitien auf der Grundlage seiner Texte gemacht! Männer und Frauen unterschiedlichen Glaubens, nicht nur im christlichen Bereich, haben in seinen Gedanken Ermutigung und Licht gefunden und tun es noch immer. Wir haben daher die Verantwortung, dieses Erbe zu schätzen, damit er auch heute Wege des Wachstums nähren und eine wirkliche Leidenschaft der Fürsorge für die Welt entfachen kann.“

Das Bestreben von Kardinal Martini sei es stets gewesen, „mit der Welt im Dialog“ zu sein.

Der Papst hebt dann drei Aspekte hervor, „die ich für besonders herausragend in der Gestalt des Kardinals halte“.

Synodalität, Ausgegrenzte annehmen, pastorales Talent

Das Buch: "Die Lehrstühle der Ungläubigen"
Das Buch: „Die Lehrstühle der Ungläubigen“

„Der erste betrifft seine Aufmerksamkeit, in der kirchlichen Gemeinschaft den Stil der Synodalität zu fördern und zu begleiten, die so sehr vom Zweiten Vatikanischen Konzil gewünscht wurde.“ Dabei gehe es einerseits darum, „zu hören und zu unterscheiden, was der Geist im Gewissen des Volkes Gottes bewegt“, andererseits um die Obsorge, „daß die Differenzen nicht in destruktive Konflikte ausarten. Ohne Angst vor Spannungen oder sogar Widerspruch zu haben, die jeder prophetische Schub notwendigerweise mit sich bringt.“

Die entscheidende Frage, so der Papst, sei für Kardinal Martini „immer gewesen: „Auf welche Weise ist Jesus Christus, lebendig in der Kirche, heute Quelle der Hoffnung?“.

Martini habe „weder den Moden noch soziologischen Erhebungen Konzessionen gemacht“. Er sei sich aber „bewußt gewesen, daß es in der Kirche viele verschiedene Sensibilitäten und kulturelle Kontexte gibt, weshalb eine freie und demütige Debatte unerläßlich ist“.

Als zweiten Aspekt nennt Franziskus: „Die Aufforderung, die Vergessenen und Ausgegrenzten aufzunehmen, war das Grundgerüst des Lehramtes von Kardinal Martini“. Und drittens „die Vertrautheit Martinis mit der Heiligen Schrift“ und sein „pastorales Talent“, mit dem er „die Worte Gottes allen Gläubigen, Laizisten, Intellektuellen und gewöhnlichen Menschen zu kommunizieren“ verstand, wie das katholische Kirchenoberhaupt lobend betonte.

Die Vorstellung des Buches erfolgt heute abend um 18 Uhr im Auditorium San Fedele von Mailand (Via Hoepli 3/b). Vorgestellt wird es vom Jesuiten Carlo Casalone von der Stiftung Carlo Maria Martini, von Guido Formigoni, dem Koordinator des wissenschaftlichen Beirats der gesammelten Werkausgabe und weiteren Gästen.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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12 Comments

  1. „Was Franziskus verschweigt: Kardinal Martini war auch eine zwielichtige Gestalt.“
    Zwielichtige Gestalten haben wir derlei viele in dieser hyperventilierenden Konzilskirche. Mir wäre ein bißchen mehr Heiligkeit lieber als dieses zwielichtige Farbenspiel was eh nur aus Grau und Grau besteht. Wie ist eigentlich die Farbe des Schafsfells was diese berühmten Wölfe im Schafspelz ständig tragen? Das sind so die Dinge mit denen ich mir die Zeit vertreibe.
    Per Mariam ad Christum.

    • Noch ein kleiner Nachtrag.
      Ich habe mein Gewissen befragt weil das heute so modern ist.
      Es sagt Papst Franziskus wäre eine zwielichtige Gestalt. Ich möchte betonen das mein Gewissen sich verselbständigt hat und nicht auf mich hört. Also ich bin es nicht der solche Äußerungen tätigt.
      Per Mariamad Christum.

  2. Der Putsch von 2013 war wirklich lange und von langer Hand eingefädelt worden.
    Jetzt soll das 2. Vat. Konzil dazu dienen, der Machtübernahme einen Hauch von Legitimität zu verleihen.
    „Rom wache auf und mache diesem Papst der Freimaurer einen Strich durch die Rechnung.“

  3. Den Titel so zu formulieren ist eine infame Irreführung des Lesers. Man glaubt, Martini hätte irgend etwas mit der italienischen Mafia zu tun. Das damit die Gruppe Sankt Gallen gemeint ist, erfährt man erst im Text. Und diese mit der Mafia zu vergleichen, ist die besonders christliche Art. Wenn Kard. Danneels sagt, „wir nannten uns die MAFIA“, dann ist das doch in einer launigen, sich selbst auf die Schaufel nehmenden Formulierung gemeint und kann nicht so entstellend wie hier im Titel verwendet werden. Wenigstens unter Anführungszeichen hätte man es auf Grund der journalistischen Redlichkeit setzen müssen!

    • Galilei, ich bin zwar fast nie Ihrer Meinung, aber begrüße es, dass Sie sich hier auf katholisches.info einbringen.

    • @Galilei: Offenbar können Sie es nicht lassen,hier zu polemisieren.Wahrscheinlich stehen Sie jesuitischen Kreisen nahe,oder selber einer von der Sorte.Auf Ihre „christliche Art“ kann ich verzichten -und viele andere hier bestimmt auch.Mit anderen Worten ausgedrückt:Diese Afterkirche Martini-Bergoglianischer Art kann mir gerstohlen bleiben.Der Teufel so sie alle holen!

    • @Galilei,

      Sie schreiben Unrichtiges.
      Nach wörtlichen aussagen von Danneels war der Name Gruppe Sankt Gallen ein „anständige“ (wörtlich: niederländisch „deftige“) Name;
      und Danneels weiter: „Wir nannten uns die Mafia“.
      Wieso dies „eine besonders christliche Art“ sei, verstehe ich nicht.
      Er war übrigens bei diesen Aussagen nicht launig und nahm sich selbst nicht auf der Schippe- das war vor Ort gut zu sehen und zu hören.
      Insoweit paßt der Titel sehr gut.
      Ein pikantes Detail, Ihnen wahrscheinlich unbekannt:
      die zwei Biographen, mit universitärer Ausbildung und allen Wässerchen der Danneelsbrigade gewaschen, erzählten am Rande der Buchvorstellung stolz „daß sie es eigentlich recht einfach hatten.
      Die Unterlagen waren sehr säuberlich geordnet und befanden sich in (ca.) 24 Kartons, welche von der Staatsanwalt (im Beschlag genommen 2010-2011) nach Auswertung an Danneels zurückgeliefert wurden und direkt weitertransportiert wurden zu den Biographen.
      Die Kartons und Akten waren aussen noch verklebt mit den blauweißen Polizeiklebenstreifen.“

      Dies ist übrigens der Grund daß die Vertuschung und Verharmlosung von dieser Renegatenbande gegen den Glauben und die Hl. Kirche nicht funktioniert:
      Diese Histrioniker lieben zutiefst das theatralische Gehabe, sind stolz auf ihre Zersetzungsarbeit, produzieren jede Menge Unsinn, Ketzerei und Blasphemie und sezten alles dann noch hundert- wenn nicht tausend- oder zehntausendfach in die Medien.
      Da ist in dieser Zeit von schnellen Medien, elektronischer Verknüpfung und Fachverstand an entlegensten Stellen selbstmörderisch.

      Es wird noch sehr viel mehr ans Licht kommen.
      Und hier, @Galilei, möchte ich zitieren was vor mehr als 30 Jahren S.E. Msgr. Erzbischof Lefebvre zu den Emissären des Vatikans sagte:
      „…Daß die Wahrheit im Zentrum steht und Diese immer zu verkünden sei; und daß er, was auch passiert und wer es auch empfehlen würde, sei es der Hl. Erzengel St. Micharel persönlich, er (Msgr. Lefebvre) davon nicht abweichen würde“.
      Aletheia- von: a(negativum) und dem Stamm lath~ (Latein: latere: verbergen, verdecken, besonders von scelera: Missetaten/ im Sanskrit rathri~: Düsternis, Finsternis, Verdecken).

      Lügen haben kurze (und hin und wieder: längere) Beine.
      Die Wahrheit wird am Ende jedoch immer siegen.
      (Und in Flandern gibt es noch mehr Archivkartons über Danneels und seiner Wellnesstruppe: Viel Spaß!)

  4. Der „Dialog mit der Welt“ ist immer auch ein „Dialog“ mit dem Fürsten dieser Welt, dem Vater der Lüge. Den „ersten Dialog“ führte Eva im Paradiese mit der alten Schlange, dem Teufel; das Ergebnis: Verlust der heiligmachenden Gnade und somit der Kindschaft Gottes und die Vertreibung aus dem Paradiese.

    Am Pfingsfest wurde uns der Geist der Wahrheit – der Heilige Geist – gesandt und nicht der „Geist des Dialoges“.

  5. Man kann sagen, hier lobt ein Jesuit den anderen. Der Kardinal war ja sehr umstritten, sein Ein-
    fluss schier grenzenlos. Als Mitgründer des geheimen Netzwerkes “ Sankt Gallen “, war er einer der Wegbereiter der Wahl von Papst Franziskus. Kardinal Martini war es auch, der Benedikt XVI.
    zum Rücktritt geraten hat. Nun mag ja der Papst den Kardinal Martini in den Himmel loben, das
    wird ihm wenig nützen, wenn Gott alles anders sieht.

  6. Vermutich wird dann besagter Kard. Martini alsbald „Kirchenlehrer“ genannt werden dürfen. Anhand der exzessiven Privilegien und Vernetzungen dieses Ordens würde dies nicht sehr verwundern. Freilich wird die Kirche keinen dauerhaften und starken Frieden finden solange dieser Orden mit seinen Komplotten und Machenschaften weiter existiert.

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