Wandlungsworte: „Für alle“ auf Kuba, „für viele“ in den USA – Papst Franziskus und ein Sowohl-als-auch

(Havanna/Washington) Hat Christus sein Blut „für alle“ oder „für viele“ vergossen? Papst Franziskus zelebrierte am Sonntag auf der Plaza de la Revolucion in Havanna die erste Heilige Messe seiner Pastoralreise nach Amerika und demonstrierte dabei, daß er in der Frage der Wandlungsworte ein Sowohl-als-auch vertritt. Damit macht er die Bemühungen seines Vorgängers Benedikts XVI. für eine liturgische Erneuerung zwar nicht rückgängig, friert sie jedoch auf halbem Weg ein.

Insgesamt wird der Papst auf Kuba und in den USA sieben Heilige Messen zelebrieren. Die Wandlungsworte werden dabei jedoch nicht identisch sein.

Die Zelebrationen erfolgen in spanischer und englischer Sprache sowie – zumindest teilweise – das Hochgebet in der Kirchensprache Latein.

Wandlungsworte nicht identisch

„Schaut man sich in allen diesen Messen die Wandlungsworte an, wird man feststellen, daß sie nicht gleich sind“, so der Vatikanist Sandro Magister.

Die erste Messe auf dem Revolutionsplatz mit der überdimensionalen Che Guevara-Darstellung im Rücken, auf die das Castro-Regime bei Papst-Besuchen so besonderen Wert legt, zelebrierte Papst Franziskus am Sonntag vollständig auf spanisch. Vor einer halben Million Gläubigen sprach der Papst bei der Konsekration des Weines in das Blut Christi die Worte „por vosotros y por todos los hombres para el perdón de los pecados“, wörtlich, „für euch und für alle Menschen zur Vergebung der Sünden“.

Vollständig auf spanisch zelebriert Franziskus auch am Montag, den 21. September in Holguin und am Dienstag in Santiago de Cuba. Die Wandlungsworte werden jedoch etwas variieren. Statt „por vosotros“ wird das Kirchenoberhaupt „por ustedes“ (Höflichkeitsform) sagen, während die übrigen Wandlungsworte wie in Havanna gesprochen werden.

Anderes Land, gleiche Sprache, andere Wandlungsworte

Papstmesse in Havann Viva Cristo Rey
Papstmesse in Havanna: Katholiken mit Transparenten „Viva Cristo Rey“

Dann wird Papst Franziskus von der Karibikinsel auf das amerikanische Festland weiterreisen und in der US-Bundeshauptstadt Washington die erste Heilige Messe in den Vereinigten Staaten zelebrieren. Trotz des Staatenwechsels wird er dieses Meßopfer in spanischer Sprache feiern, der Muttersprache einer schnell wachsenden Zahl von US-Bürgern. Die Wandlungsworte lauten – im Gegensatz zu Kuba – aber nicht mehr „por todos los hombres“, sondern „por muchos“, für viele.

So wird es auch bei den drei weiteren Heiligen Messe in den USA der Fall sein, bei denen der Papst das Hochgebet auf Latein sprechen wird: „pro vobis et pro multis effundetur in remissionem peccatorum“, für euch und für viele. In den USA wird kein „für alle“ zu hören sein.

„Was läßt sich aus diesem Schwanken zwischen ‚für alle‘ und ‚für viele‘ schließen?“

„Was läßt sich aus diesem Schwanken zwischen dem „für alle“ auf Kuba und dem „für viele“ in den USA in den Wandlungsworten schließen?“, fragte sich am vergangenen Samstag Sandro Magister.

Heiliges Meßopfer
Heiliges Meßopfer

„Es läßt sich daraus schließen, daß die langjährige Frage, die Benedikt XVI. 2012 weltweit einer endgültigen und einheitlichen Lösung zuführen wollte, von Papst Franziskus in der Schwebe gehalten wird“, so der Vatikanist.

Die von Benedikt XVI. angeordnete originalgetreue Übertragung der Wandlungsworte in die Volkssprachen lehnt sich direkt an die offizielle lateinische Formel an. Wegen anhaltender Widerstände mancher Bischofskonferenzen schrieb Benedikt XVI. am 14. April 2012 einen Brief an alle Bischöfe, um diese zu überwinden. Das „pro multis“ des Römischen Kanons sollte nach den vorschnellen Übersetzungen im Zuge der Liturgiereform 1965/1969 einheitlich in die Volkssprachen übertragen werden. Damit wollte der deutsche Papst einer mißverständlichen Allerlösungslehre entgegenwirken, die sich unter Katholiken breitmacht. Das Schreiben verfaßte er in deutscher Sprache, womit er verdeutlichte, wo er den größten Widerstand verortete.

„Neue Barmherzigkeit“ versus Wandlungsworte?

Die Anweisung Benedikts XVI. gilt für die gesamte Kirche. Als Papst Benedikt zurücktrat, waren einige Bischofskonferenzen, darunter die italienische und die deutsche, noch säumig und hatten keine Neuausgabe des Missale vorgenommen. Die Korrektur der Formel „für alle“, die sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil einbürgert hatte, durch das originalgetreue „für viele“ wird als „Einschränkung“ der „Barmherzigkeit“ gesehen.

„Mit dem Amtsantritt von Franziskus, hat sich die Idee verbreitet, daß diese Diktion [für alle] mehr der universalen Ausweitung der ‚Barmherzigkeit‘ entspreche, die vom neuen Papst ununterbrochen gepredigt wird“, so Magister.

Wie es scheint, vertritt der argentinische Papst zu diesem Punkt „keine strenge Position“ (Magister) und scheint auch nicht daran interessiert, eine bestimmte Position durchsetzen zu wollen. Seine Position ist vielmehr ein Sowohl-als-auch, indem er sowohl die eine wie die andere Diktion verwendet „auch bei dieser Reise nach Kuba und in die USA“.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Nuova Bussola Quotidiana

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32 Comments

  1. Ich denke daraus etwas zu schließen wäre verfehlt. Der Papst tut das, was die Päpste auf Reisen immer getan haben, er verwendet die liturgischen Bücher die in der Kirche die er besucht eben verwendet werden. Was ist daran besonderes

    • Das ist doch grotesk. Das ist ja Opportunismus pur. Ihr Einwand geht aber ins Leere: Die Wandlungsworte muss der Papst auswendig beherrschen. Wozu haben wir eine Kirchensprache, wenn er des Spanischen doch nicht so mächtig sein sollte. Hier darf es kein Vertun geben.

      • Sie haben wieder mal nicht verstanden, was geschrieben wurde:
        Herr Kovacs meint, dass F. das jeweilige liturgische Buch des jeweiligen Landes benutzt haben könnte und die Differenz daher kam. Er wollte dann die Messe für die Leute in ihrem land so zelebrieren, wie sie’s gewohnt sind.
        Das ist doch eine vernünftige Überlegung.

      • Sie sollten sich für den Posten des päpstlichen Zeremonienmeisters bewerben. Dabei könnten Sie dem Papst die richtigen Wandlungsworte in einem Crashkurs beibringen oder mithilfe von Hypnose eintrichtern. Auf diese Weise könnten Sie ihn vielleicht sogar „in die Knie zwingen.“

  2. Franziskus ist immer für Überraschungen gut. Das gilt auch für den Gebrauch der Wandlungs-
    worte “ für alle “ oder “ für viele “. Was hier als nicht identische Wandlungsworte beschrieben wird, kann andere Gründe haben. Benedikt XVI. hat auf seinen Pastoralreisen immer wieder festgestellt,
    dass in den weltweiten Bischofkonferenzen, die Formulierungen und Hochgebete, bedingt durch
    die jeweilige Landessprache und theologischem Denken, die Messbücher weit von den Vorgaben
    des Konzils entfernt waren. Das könnte ein Grund sein, warum Franziskus die verschiedenen und
    unterschiedlichen Wandlungsworte gebraucht. Das alles hätte die Kirchensprache “ Latein “ ver-
    hindert und unmöglich gemacht. Die Progressisten die gleich nach dem II.Vatikanum aktiv wur-
    den, haben sofort begonnen, Latein vom Konzil noch bestätigt, in die jeweilige Landessprache
    umzusetzen, mit den entsprechenden Konsequenzen. So wurden frei nach den Freimaurern, aus
    der Weltkirche die Ortskirchen geschaffen, mit großer Macht für die Bischofskonferenzen und den
    bestimmenden Laienverbänden.

  3. Hat der Papst einen Einfluss drauf, welche Worte ihm da vorgesetzt werden?
    Wahrscheinlich fällt ihm der Unterschied nicht einmal auf, da er auf liturgische Feinheiten nicht besonders spezialisiert ist.

  4. Wie doch alles zusammenkommt. Wir publizieren gerade auch etwas zu diesem Thema:

    https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/09/16/dom-prosper-gueranger-antiliturgische-haresie-antiliturgische-haresie-3-1-fur-alle-statt-fur-viele-als-beispiel-einer-neuen-formulierung/

    und

    https://traditionundglauben.wordpress.com/2015/09/20/dom-prosper-gueranger-antiliturgische-
    haresie-antiliturgische-haresie-3-2-gultigkeit-der-messe-beim-veranderten-blutwort/

    Kommentare sind erwünscht.

  5. Warum soll die Formulierung „für viele“ eine Einschränkung sein? Das ist zwar eine mögliche Interpretation, aber die Formulierung „für viele“ kann auch „alle“ umfassen, von denen eben gesagt wird, dass es viele sind.

    • Genauso wenig wie Sie aus „bonafide“ („mit gutem Glauben“) „malafide“ machen können und wahrscheinlich auch nicht wollen, können Sie „pro multis“ in „pro omnibus“ ohne Bedeutungswandel ändern. Darüber ist schon viel Lucides publiziert worden (s.o). Wenn man im Übrigen „pro omnibus“ sagt, entfällt das „pro vobis“ eigentlich,da die Angesprochenen schon in „pro omnibus“ enthalten sind. Das „pro vobis“ vor dem „pro multis“ ist schlicht unsinnig, weil unlogisch und dazu ein semantischer Schwindel, mit dem man die Theologie der Neuen Kirche in die Köpfe des unkundigen Kirchenvolkes und des zunehmend ungebildeten Klerus transportieren möchte. Lassen Sie sich doch mal Ihre Interpretation von einem einem Mathematiker und Klassichen Phililologen erklären. Viel Glück .

    • Das geht doch nun wirklich nicht, wie Sie die Worte verdrehen. Für viele meint eben nicht alle. Anders kann man das nun wirklich in diesem zusammenhang nicht interpretieren.

  6. @ Bonafide
    Der lateinische Text ist klar und bietet keinen Übersetzungsspielraum. Pro Multis kann nur für Viele übersetzt werden, ansonsten hieße es im lateinischen Text pro omnibus. Auch der griechische Urtext lässt keine Interpretation zu. Der lateinische Text ist eine wortgetreue Übersetzung des Griechischen. Das pro Multis wurde in engem zeitlichen Zusammenhang mit den Hohenpriesterlichen Gebet Christi gesprochen. Dort betet Jesus zum Vater nur für die Seinen und ausdrücklich nicht für die Welt (=alle). Die Übersetzung „für alle“ ist m. E. ist nur ein Versuch die Allerlösungstheorie zu etablieren.

    • @ Hans

      Wenn die „vielen“ bedeutet „die Seinen“, dann sind es ja auch wieder alle, nämlich „alle die Seinen“. Ich plädiere ja auch für die wortgetreue Übersetzung und sage nur, dass diejenigen, die das wollen, unter den „vielen“ alle verstehen können, und es schon deshalb keinen Grund gibt, „pro multis“ mit „für alle“ zu übersetzen.

  7. Im obigen Text heißt es: „Als Papst Benedikt zurücktrat, waren einige Bischofskonferenzen, darunter die italienische und die deutsche, noch säumig und hatten keine Neuausgabe des Missale vorgenommen.“
    Nun, die deutsche Bischofskoferenz ist immer noch säumig, auch die österreichische!
    Wann folgen die Bischöfe (die vielfach selbst sehr rasch Gehorsam von den ihnen nicht genehmen Priestern einfordern) den Weisungen von Papst Benedikt XVI.???

  8. Er macht alles mit Berechnung. Offenbar will er die Wandlungsworte verändern. Wir werden es ja sehen…

  9. Korrektur: es sollte heißen 1.: das “ pro vobis“ vor dem „pro omnibus“ ist schlicht unsinnig …..
    2.von einem Mathematiker oder ….

  10. Ich glaube es ist alles viel einfacher, Tango-Franz hat sich bisher mit Theologie noch kaum an die Glaeubigen gewandt, ihm geht es um ganz andere Dinge.
    Er zelebriert so wie es gerade gefaellt ganz im Sinne von Vat II immer den „Nostra Aetate“ Gott im Sinn.
    Ich glaube sogar es kennt den Unterschied beider Formulierungen ueberhaupt nicht.
    Warum auch denn Gott ist ja so lieb und will alle erloesen ob sie glauben oder nicht, alles egal.
    Franz macht was gefaellt und wie er sich am besten selbst darstellen kann, das ist wichtig und auf dem Rueckflug koennen wir dann wieder auf markige Interview-Worte gespannt sein.
    Selten hat eine Person das Papsttum so laecherlich gemacht wie dieser Herr.

    • Ja die Rückflüge, die haben es in sich. Da haben Sie vollkommen recht @Michael.
      Dabei kommt mir der Gedanke, daß „Papst“ Bergoglio überhaupt nicht mehr verreisen sollte und am besten auf ewig im Vatikan bleiben würde- zur heilsamen Strafe für ihn. Dann könnte er nicht so viel anstellen.
      „Papst“ Bergoglio desavouiert alle seine Vorgänger. Es ist `ne Schande mit ihm.
      Welches Karnickel wird er als nächstes aus dem Hut zaubern?

  11. Benedikt XVI. hat in Freiburg ja auch „für alle“ auf Deutsch gesagt – trotz seiner Instruktion.
    Also – was regt man sich auf und will in Benedikt mehr Konsequenz als in F. sehen?

  12. Im Catechismus Romanus ist kurz und trefflich begründet, warum der Herr Jesus Christus beim Letzten Abendmahl „für viele“ und nicht „für alle“ sprach. Im Zuge der Liturgiereform nach Vatikanum 2 wurde unter Missachtung dieses Herrenworts, ihrer Auslegung durch die Kirche bis dahin und der liturgischen Tradition aller Kirchen das „für alle“ in die volkssprachlichen Novus-Ordo-Messtexte eingeführt. Nach fast vier Jahrzehnten ordnete Papst Benedikt XVI. via Liturgiekongregation die Rückkehr zum richtigen „für viele“ an. Indes betete er selbst das „für alle“ weiter und lieferte darüberhinaus eine Begründung (hört hört, Benediktus-Freunde), warum das „für alle“ theologisch „auch“ richtig sei. Wie kann man da noch das Verhalten von Papst Franziskus überraschend finden? Die unausgesprochene Botschaft ist: Es ist eh wurschd, und wenn ich es gestern so machte und heute so mache, dann ist das in jedem Fall richtig, denn ich bin der Stellvertreter Gottes auf Erden. Und wer dem offen widerspricht, sät Zwietracht und ist ein Terrorist, vgl. die Franziskus-Perle aus einer seiner St. Marta-Homilien: „Säe ich Frieden oder Zwietracht? Klatsch und Geschwätz ist Terrorismus, der tötet. Wer schwätzt und klatscht ist wie ein Terrorist…“. (Der Papst – der gefährlichste Feind des Katholiken?) Wer die Heilige Schrift kennt, wer glaubt, dass die Evangelisten keine Lügner waren, wer dann auch noch die traditionelle Schriftauslegung der Kirche kennt, könnte sich, falls er es nicht aufgegeben hat zu denken, vor einem Dilemma finden. Soll er gleich einem Glaubens-Roboter nur einfach immer alles schlucken, was ihm täglich „vorgelegt“ wird, oder – ? Oder was? Das ist die Frage. Die römisch-katholische Glaubenslehre verlangt: Vogel friss oder stirb. Papa a nemine judicatur. Da ist nicht der Ausweg einer legitimen gegenläufigen Gewissensentscheidung vorgesehen, denn Gewissensentscheidungen haben sich am Lehramt auszurichten. Punkt. Das ist die Logik. Der Papst steht ü b e r der Kirche. Er steht in der Mitte zwischen 1,3 Milliarden Katholiken, zwischen der ganzen Christenheit und virtuell zwischen der ganzen Menschheit unter ihm und zwischen Gott über ihm (theoretisch und optimalerweise. Denn in der Praxis stellen sich Päpste auch neben und über Gott.) Papst Franziskus sagte es selbst, und es stand in den Schlagzeilen vieler Zeitungen: es sei g e f ä h r l i c h, nach einer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus zu streben an der Kirche vorbei. Er sagte: an der Kirche vorbei, vor dem Hintergrund des Gesagten bedeutet das aber: an m i r vorbei. Seit Pastor aeternus 1870 gilt auch de jure: L‘Église c‘est moi. In der Heiligen Schrift jedoch finden wir es anders.

    Schluss folgt.

    • Zwar kennt das Neue Testament Dienste und Ämter, und ermahnt der Autor des Hebräerbriefs die Gläubigen: „Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben! Schaut den Ausgang ihres Wandels an, und ahmt ihren Glauben nach!“ (Hebr 13,7; bitte diese Worte genau lesen und richtig verstehen. Da steht nicht: Gedenkt eurer Führer, auch wenn sie das Wort Gottes verdrehen und in sein Gegenteil verkehren, und ahmt ihren Unglauben nach!) So schreibt der heilige Apostel Paulus den (übrigens in mehrerer Hinsicht sehr bemerkenswerten) Satz: „Denn e i n e r ist Gott, und e i n e r ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus…“ (1 Tim 2,5). Von besonderem Belang ist hier auch, w e m Paulus das schrieb, denn sein Schüler Timotheus war –nach dem Zeugnis des Kirchenhistorikers Eusebius von Cäsarea– Bischof, der erste Bischof von Ephesus. Das Neue Testament kennt keine Idolisierung von Personen und Ämtern. Auch wenn die Glaubensweitergabe vermittelt ist, so ist der Glaube doch eine d i r e k t e Beziehung des Gläubigen zu Gott durch den einzigen Mittler Jesus Christus. Im Gegenteil spricht Jesus Christus: „Ihr aber, lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, (der Christus,) ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, nämlich der im Himmel. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein.“ (Matth 23,8-11) Manchmal muss sich ein System geschichtlich bis ins Extreme auszeitigen, damit gewisse Defekte, die sich eingeschlichen und verselbständigt haben, erkannt und überwunden werden können. Bestimmte Denksportaufgaben, wie das Neun-Punkte-Problem, kann man nur lösen, wenn man über den vorgegebenen Rahmen hinausdenkt. Hansjürgen Verweyen setzt als Ausgangspunkt seiner Fundamentaltheologie –gut katholisch– das Geschehen von traditio, in seiner mehrfachen Bedeutung. Aber er schreibt: Die Durchsichtigkeit der Überlieferung auf ihren Grund vermag Kirche allein zu legitimieren. Volle Zustimmung! Liebe Christen, die heutigen Aporien müssen uns dazu bringen, darüber nachzudenken, wozu Kirche überhaupt da ist. Katholiken müssen ihr Angst verlieren, ewig verdammt zu werden, wenn sie nicht einem Papst folgen, dessen Glaube nicht nachahmenswert, sondern verderbenbringend ist. Erst dann wird einer Christ, wenn er es lernt, sein Vertrauen auf Christus allein zu setzen (jawohl, in diesem Sinn: solus Christus !). Damit soll ausdrücklich keine Rebellion gegen Kirchenobrigkeit überhaupt gepredigt werden. Aber Kirchenobrigkeit ist kein Zweck und Gut an und für sich, sie hat eine dienende Funktion im Glaubensganzen.

      Schluss folgt.

      • Und wenn die Kirchenobrigkeit aller etablierten Großkirchen in unserer apokalyptischen Endzeit weithin versagt und sogar kontraproduktiv wird, dann müssen der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, auf die es letztlich allein ankommt, ohne sie oder mit Notlösungen auskommen! Necessitas non habet legem.

  13. Für alle, für viele, für alle, für niemand.
    Das Reich Satans ist gespalten, heißt es ja.
    Der Riß ist unübersehbar. Man kann ihn mit Händen greifen. In sich geteilt ist „Papst“ Bergoglio höchstselbst.

    • Der Riss ist nicht nur unübersehbar, vermutlich kann man ihn auch nicht mehr zusammennähen.
      Wie wird es weitergehen?
      Unsere katholische Kirche kann ich niemals verlassen, es käme einer Selbstamputation gleich.

      • Man kann nur hoffen, daß es trotzdem nicht so weit kommt geehrte @Marienzweig. Schon jetzt und länger aber ist es nicht immer einfach, gute Priester zu finden, die „uns“, die Herde, wirklich gut führt. Nach meinem Eindruck haben etliche Priester unter „Papst“ Bergoglio alle Hüllen fallen lassen und es wird immer noch schlimmer. Ich erlebe das praktisch Tag für Tag so.

  14. Möchte zum Thema nur soviel beitragen: immerhin hat man sich im wohl inzwischen überall in Deutschland eingeführten Gebets-und Gesangbuch „Gotteslob“ zur korrekten Übersetzung „für viele“ durchgerungen, wenn auch mit dem Hinweis, dass das jeweils gültige Missale maßgebend ist. Oder hat sich da ganz einfach nur der Fehlerteufel eingeschlichen? Für alle, die dem Novus Ordo fern sind: Abgedruckt ist im Gegensatz zur Vorgängerversion ausschließlich das 2. Hochgebet (was sonst?), aber immerhin mit parallelem lateinischen Text.

  15. @Michael:“Selten hat eine Person das Papststum so lächerlich gemacht wie dieser Herr“. Weniger lächerlich ist das sogenannte Outfit dieses Herrn. Siehe das merkwürdige Brustkreuz usw. Von gutem Stil hat er keine Spur, geschweige denn ein Feeling für für die Tradition, die eines Papstes würdig ist. Proletenhaft ist das. Hier und dort in der Masse Küsschen verteilen, mit allerlei Machthabern die Hände schütteln und den grossen Diplomaten spielen, obwohl es sich nicht geziemt, und dann aber „zu Hause“ die traditionstreuen Katholiken auf zynischer Art tadeln und demütigen. Verdiente Kardinäle und Bischöfe auf das Abstellgleis stellen und dergleichen Unverschämtheiten. Darin erweist sich dieser Herr vortrefflich, darin ist er ein jesuitischer Spezialist. Dasselbe gilt auch für seine Kumpel in den freimaurerischen Klerikerkreisen.

  16. Ein altes kirchliches Sprichwort sagt es sehr kernig:
    „Jesuita non cantat et non rubricat“- „Ein Jesuit singt nicht und rubriziert nicht“ (wobei man auch als „kann/will nicht singen und kann/will nicht rubrizieren“ übersetzen kann).

    Nach einer Lungenoperation kann man wahrscheinlich nicht gut singen (es ist eine Gabe von aussen gegeben); Rubrizieren kann man natürlich lernen- aber bei den weitaus meisten Jesuiten ist das Interesse und die Lust sehr klein.
    Wenn es einem dann noch reizt, die Gläubigen zu necken, zu verblüffen, zu ärgern und zu verwirren, ist ein solches Wechselspiel natürlich interessant.
    „Hin und her macht Taschen leer“: dieses Sprichwort von der Börse gilt auch und besonders für liturgische Texte.
    Das Hl. Meßopfer wurde vom Herrn selber eingesetzt- es gibt keinen Grund hier Veränderungen nach Gusto einzuschleusen.
    Denn „viele“ heißt natürlich nicht „alle“;
    es geht nämlich darum daß der Sendungsbefehl („Matthäus zum letzten“, wie es früher gelegentlich schnoddrig gesagt wurde) lautet, daß das Evangelium an allen Völker verkündet werden muß;
    aber daß das Blut des Herrn für die Viele (die an Ihn glauben wollen) vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
    Ein achtloses Hinundherwechseln zwischen beiden Worten ist nicht nur ein Beweis, das die Hl. Eucharistie als eine Art Theater mit bestimmten verformbaren Texten angesehen wird:
    Es ist zugleich eine unzulässige Einschränkung der Göttlichen Allmacht, die urteilt und richtet, der Göttlichen Gerechtigkeit die zugleich die Gnade ist.
    Viele Modernisten schwärmen von der automatischen Rettung für Alle- das ist die Apokatastase, die Allerweltserlösung (schon in der Antike als Ketzerei abgetan)(unter z.B. Danneels sehr lebhaft propagiert); merkwürdigerweise sind es dieselbe Leute die gerade was die Verkündigung betrifft, katastrofal abschneiden und eher die Menschen aus der Kirche wegjagen.
    Man ist nämlich nicht verpflichtet, zu glauben;
    Wir glauben auch nicht aus unser selbst, sondern wir werden zum Glauben aufgerufen, Er kommt und klopft an, wir hören es oder hören es nicht, und wir gehorchen- oder nicht.
    Das ist der freie Wille, das ist eine Gnade, zugleich eine Gabe von ausserhalb uns.
    Das hat auch mit menschlicher „Gerechtigkeit“ nichts zu tun, sondern liegt in Gottes Hand.

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