Vor der Bischofssynode – Vorrangige Option für die Familie (XIV)

Die Ehe, ein Sakrament
Die Ehe, ein Sakrament

Aus der Handreichung Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bischofssynode über die Familie vom 4. bis 25. Oktober 2015 im Vatikan.

27. Frage: Nach der Methodologie der Synode soll der „Anhörung“ der Gläubigen vorrangige Wichtigkeit zukommen. Was ist von dieser neuen Priorität zu halten?

Antwort: Die Kirche ist in ihrem Handeln immer von den auf dem Wort Gottes und auf der Überlieferung beruhenden Glaubenswahrheiten ausgegangen, um darauf eine Pastoral aufzubauen, die im praktischen Leben umgesetzt werden kann, und auf diesem Weg die Menschen zum ewigen Heil zu führen. Ein altes Sprichwort sagt, „werde, was du bist“, das heißt, erfülle deine Berufung. Nicht zufällig überschrieb der hl. Papst Johannes Paul II. den 3. Teil seiner Enzyklika Familiaris consortio über die Aufgaben der christlichen Familie mit den Worten: „Familie, werde, was du bist!“
Während der Synode zeigt sich eine Tendenz, die in eine ganz andere Richtung führen würde: es wurde gefordert, die Kirche solle, von der konkreten gegenwärtigen Situation ausgehend, eine an diese Situation angepasste neue Pastoral und Disziplin entwerfen. Hier läuft man Gefahr, so der große Kirchenrechtler Velasio de Paolis, in die „Moral der Situation“ hineinzuschlittern, was so viel bedeutet, wie das genannte Sprichwort umzukehren: „sei das, was du geworden bist“ – mit anderen Worten, passe dich den gegenwärtigen Tendenzen an.
Diese Methode setzt eine „historizistische“ Auffassung voraus, die nicht von der offenbarten Wahrheit, sondern von der aktuellen historischen Situation ausgeht, der sich die Kirche anpassen soll, um sie christlich zu „beleben“, wie einige meinen, oder, nach Meinung von anderen, um überhaupt leben zu können.
„Tatsächlich hat sich der Dialog mit der Welt in Anpassung an die Welt verwandelt und vielleicht sogar zu einer gewissen Verweltlichung und Säkularisierung der Kirche beigetragen, die damit dann nicht mehr den ausreichenden Einfluss auf die Kultur der Zeit und auch keine Durchschlagskraft für ihre Botschaft mehr hatte. Das hat zu einer Krise in der Kirche selbst gefährt. (…) Im lobenswerten Versuch, mit der modernen Kultur Dialog zu führen, läuft die Kirche Gefahr, selbst die göttliche Wahrheit, die ihre eigentliche Natur ausmacht, beiseite zu schieben, um sich der Welt anzupassen: sie leugnet zwar natürlich nicht die eigene Wahrheit, aber sie stellt sie nicht in den Mittelpunkt des Dialogs und zögert nur allzu oft, Lebensidealte als erstrebenswert hinzustellen, die nur im Lichte des Glaubens sinnvoll und nur mit Hilfe der Gnade praktizierbar sind. Die Kirche läuft Gefahr, ihre wahrste und tiefste Botschaft aufzuweichen, aus Angst, von der modernen Kultur abgelehnt zu werden oder um sich dieser anzubiedern (Kardinal Velasio De Paolis, Die wiederverheirateten Geschiedenen und die Sakramente der Eucharistie und der Buße, Vortrag am Regionalen Kirchengericht Umbrien, 8.1.2015, S. 7 und 30)

28. Frage: Wurde diese Haltung wirklich von einigen der Synodenväter bestätigt?

Antwort: Ein renommierter Synodenteilnehmer soll erklärt haben: „Es gibt auch eine theologische Entwicklung, alle Theologen bestätigen das. Nicht alles ist statisch, wir schreiten voran in der Geschichte, und die christliche Religion ist Geschichte und nicht Ideologie. Der gegenwärtige Kontext der Familie ist anders als vor 30 Jahren, in der Zeit der Familiaris consortio [des hl. Johannes Paul II.]. Ohne Geschichte weiß ich nicht, wohin wir gehen werden; wenn wir das verneinen, bleiben wir dort stehen, wo wir vor zweitausend Jahren waren“ (Corriere dell Sera, 4.10.2014).

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Angaben zur Handreichung:
Aldo di Cillo Pagotto/Robert F. Vasa/Athanasius Schneider: Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten im Zusammenhang mit der Synode. Vorwort von Jorge A. Kardinal Medina, Edizioni Supplica Filiale, Roma 2015, www. supplicafiliale.org

Die gedruckte Ausgabe in deutscher Sprache kann angefordert werden bei:
Deutsche Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP)
Gladiolenstrasse 11
60437 Frankfurt am Main
segreteria.supplicafiliale [a] outlook.com
www.tfp-deutschland.org

Text: Giuseppe Nardi
Bild: InfoVaticana

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1 Comment

  1. Es gibt klarerweise die Bestrebung, die überlieferten Lehren zu verändern, so daß aus den Lehren wahrhaft IrrLehren werden. Was das bringen soll? Dann braucht man eigentlich keine Kirche mehr, kein Wort Gottes und erst recht keine Priester und keinen Papst. Dann macht jeder, was er für gerade günstig ansieht. Dann gibt es keine Wahrheit mehr, aber auch keinen Halt. Das war ja bereits die Wirklichkeit der Menschheit vor dem Erscheinen Christi (mit Ausnahme des Volkes Israels). Da war nur Sklaverei und Unbarmherzigkeit. Nur Reiche konnten sich ein genüßliches wie auch fades Leben- zum Ekeln- „leisten“. Es war eine Welt der Finsternis.

    Die Richtung in 2 Monaten wurde ja bereits letztes Jahr vorgegeben. Papst Franziskus wird (so gut wie) unmöglich den Dränglern für eine Neuinterpretierung (letztlich) der Sakramente nicht nachgeben. Mit ernster Miene, man kann es sich ausmalen, wird er die „Schwere“ der, seiner Entscheidung bekanntgeben. „Wir müssen doch barmherzig sein. Christus wollte eine barmherzige Kirche. Keiner darf ausgeschlossen sein.“- Und das „Dumme“ daran: das ist ja ganz und gar nicht verkehrt.

    In der Tat will der Herr und Erlöser alle an sich ziehen, auch die Sünder und Unheiligen. Alle sollen, so sie es wünschen, Hilfe und Trost finden und Akzeptanz als Kinder Gottes. Aber leider kann die Kirche Menschen in den bekannten Verhältnissen keine hl. Kommunion spenden. Wer das nicht erkennt und erkennen will, versündigt sich am Herrn und Erlöser.
    Allerdings: es gibt ja nicht nur die sog. wvh. Geschiedenen. Wie viele leben „einfach so“ zusammen usw.? Also hier muß sicherlich noch nachgebessert werden.

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