Synode 2015 und die Ehe: Wie kann Liebe „für immer“ gelingen? Was Benedikt XVI. geantwortet hat

Papst Benedikt XVI. 2012 beim VII. Weltfamilientreffen in Mailand
Papst Benedikt XVI. 2012 beim VII. Weltfamilientreffen in Mailand

(Rom) Beschleunigte Scheidungsverfahren und Eheverträge, die bereits alles für den Fall einer Scheidung regeln sollen. Das Motto lautet: Die Liebe kommt, die Liebe geht, versuchen wir zumindest nicht zu streiten. Schritte, mit denen die zwischenmenschlichen Beziehungen auf die Ebene einer mehr oder weniger freundschaftlichen gegenseitigen Beobachtung reduziert werden. Am 2. Juni 2012 nahm Papst Benedikt XVI. dazu Stellung, als er der Erzdiözese Mailand einen Pastoralbesuch abstattete und am VII. Weltfamilientreffen teilnahm.

Von den Gläubigen wurde er unter anderem gefragt, wie man sich „für immer“ lieben könne. Der Papst erinnerte in seiner Antwort daran, daß die Kirche die Brautleute nicht frage: „Bist du verliebt?“, sondern „Willst du?“, „Bist du aus freiem Willen bereit?“. Benedikt XVI. forderte die Gläubigen auch auf, die Ehevorbereitungskurse nicht als klerikale Variante von Eheverträgen zu betrachten.

Allerdings, was der Papst nicht sagte, klagen katholische Brautleute, zumindest im deutschen Sprachraum, daß die verpflichtenden Ehevorbereitungskurse vielfach nicht eine katholische Vorbereitung auf die Ehe sind, sondern tatsächlich von den kirchlichen Veranstaltern und Referenten mißbraucht werden, zu erklären, wie man sich wieder scheiden lassen könne, welche Verhütungsmittel es gibt und sogar, wo man abtreiben lassen könne. Dadurch wird der Ehevorbereitungskurs in sein Gegenteil verkehrt und im Ansatz, vor der Eheschließung, die nötige Unterweisung der Brautleute verhindert.

Mit ein Grund, weshalb die Kirche sich aktuell mit der Frage beschäftigen muß, wie mit den vielen zerbrochenen sakramentalen Ehen umgegangen werden soll.

Ein Vorwurf, der Kardinal Walter Kasper und seiner „neuen Barmherzigkeit“ gemacht wird, hängt genau damit zusammen. Anstatt dort anzusetzen, wo Brautleuten durch gute Unterweisung geholfen werden kann, sich auf die dauerhafte sakramentale Ehe vorzubereiten, wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Das Augenmerk wird auf die bereits gescheiterten Ehen gelegt. Durch eine Schwammdrüber-Politik soll der entstandene Schaden durch Uminterpretation bereinigt werden, während gleichzeitig weiterhin Brautleute durch untaugliche Ehevorbereitungskurse gezwungen und trotz mangelhafter Vorbereitung kirchlich getraut werden.

Was Papst Benedikt XVI. den Fragenden 2012 geantwortet hat, verdient dennoch nachgelesen zu werden.

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ANSPRACHE VON PAPST BENEDIKT XVI.

VII. Weltfamilientreffen
Park von Bresso
Samstag, 2. Juni 2012

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1. CAT TIEN (ein Mädchen aus Vietnam): Hallo, lieber Papst!
Ich heiße Cat Tien und komme aus Vietnam. Ich bin sieben Jahre alt und möchte dir meine Familie vorstellen. Das ist mein Papa, Dan, und meine Mama. Sie heißt Tao. Und das ist mein kleiner Bruder Binh. Ich wüßte gern etwas über deine Familie, und von dir, als du so klein warst wie ich …

Heiliger Vater: Danke, meine Liebe, und auch einen herzlichen Dank an deine Eltern. Du fragst mich, welche Erinnerungen ich an meine Familie habe: sehr viele! Aber ich möchte nur einige wenige Dinge sagen. Besonders wichtig war für unsere Familie immer der Sonntag, aber der Sonntag begann schon am Samstag nachmittag. Unser Vater las uns die Lesung – die Sonntagslesung – aus einem Buch vor, das damals in Deutschland sehr verbreitet war und in dem die Texte auch erklärt wurden. So begann also der Sonntag: wir traten bereits in die Liturgie ein, in eine Atmosphäre der Freude. Tags darauf gingen wir zur Messe. Ich bin in der Nähe von Salzburg zu Hause, wir hatten also viel Musik – Mozart, Schubert, Haydn – und wenn das Kyrie anhob, dann war es, als würde sich der Himmel auftun. Wichtig war bei uns zu Hause natürlich auch das gemeinsame Mittagessen. Wir haben auch viel miteinander gesungen: mein Bruder ist ein großer Musiker, schon als Junge hat er für uns alle komponiert, und so hat die ganze Familie gesungen. Unser Vater spielte Zither und sang dazu; das sind unvergeßliche Momente. Wir haben natürlich auch gemeinsame Reisen und Spaziergänge unternommen; wir wohnten in der Nähe eines Waldes, und diese Spaziergänge im Wald waren wunderschön: voller Abenteuer, Spiele, usw. Mit einem Wort: wir waren ein Herz und eine Seele, haben vieles gemeinsam erlebt und durchgestanden, auch in schweren Zeiten, weil damals die Zeit des Krieges war, davor die Zeit der Diktatur und dann der Armut. Aber diese Liebe, die uns verband, diese Freude auch an einfachen Dingen, war stark, und so konnte man auch diese Dinge ertragen und überwinden. Das erscheint mir sehr wichtig: daß auch kleine Dinge Freude machten, weil so das Innerste des Herzens des anderen zum Ausdruck kam. So sind wir also aufgewachsen in der Gewißheit, daß es gut ist, ein Mensch zu sein, denn wir konnten ja sehen, daß sich die Güte Gottes in unseren Eltern und Geschwistern widerspiegelte. Und um die Wahrheit zu sagen: wenn ich mir vorzustellen versuche, wie wohl das Paradies aussehen könnte, dann kommt mir immer die Zeit meiner Jugend, meiner Kindheit, in den Sinn. In diesem Kontext des Vertrauens, der Freude und der Liebe waren wir glücklich, und ich denke, daß es im Paradies ähnlich sein muß wie in meiner Kinder- und Jugendzeit. In diesem Sinn hoffe ich eines Tages »heimzugehen », der »anderen Welt« entgegen.

2. SERGE RAZAFINBONY UND FARA ANDRIANOMBONANA (zwei junge Verlobte aus Madagaskar):
SERGE: Heiliger Vater, wir sind Fara und Serge und kommen aus Madagaskar. Wir haben uns in Florenz kennengelernt, wo wir studieren: ich Ingenieurswesen, sie Wirtschaftswissenschaften. Wir sind seit vier Jahren verlobt, und es ist unser Traum, nach dem Studium in unsere Heimat zurückzukehren und unserem Volk zu helfen, auch durch unseren Beruf.
FARA: Die im Westen vorherrschenden Familienmodelle überzeugen uns nicht, aber uns ist klar, daß auch viele Traditionalismen in unserer Heimat Afrika auf die ein oder andere Weise überwunden werden müssen. Wir haben das Gefühl, füreinander geschaffen zu sein; deshalb wollen wir heiraten und uns eine gemeinsame Zukunft aufbauen. Wir wollen auch, daß jeder Aspekt unseres Lebens von den Werten des Evangeliums geleitet wird.
Was aber nun die Ehe angeht, Heiliger Vater: es gibt da ein Wort, das uns mehr als alle anderen fasziniert, gleichzeitig aber auch erschreckt: das »für immer«…

Heiliger Vater: Liebe Freunde, danke für dieses Zeugnis. Mein Gebet begleitet euch auf diesem Weg eurer Verlobung und ich hoffe, daß es euch mit den Werten des Evangeliums gelingt, eine Familie zu gründen, die »für immer« ist. Sie haben die verschiedenen Arten der Ehen angesprochen: wir kennen die »mariage coutumier« Afrikas und wir kennen die westliche Ehe. Um die Wahrheit zu sagen, gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein auch in Europa ein anderes vorherrschendes Ehemodell, so wie jetzt auch: oft war die Ehe in Wahrheit ein Vertrag zwischen »Sippen«, mit dem man versucht hat, die »Sippe« zu erhalten, die Zukunft zu garantieren, den Besitz zu verteidigen, usw. Die »Sippe« suchte die jeweiligen Partner aus, und man hoffte, daß sie zueinander paßten. So war es zum Teil auch in unseren Dörfern. Ich erinnere mich, daß es auch in dem kleinen Dorf, in dem ich zur Schule ging, oft noch so war. Dann aber folgte ab dem 19. Jahrhundert die Emanzipation des Individuums, die Freiheit der Person, und die Ehe war nicht länger auf den Willen anderer gegründet, sondern auf eine eigene Entscheidung; zuerst kommt die Verliebtheit, dann die Verlobung und schließlich die Heirat. Damals waren wir alle überzeugt davon, daß dies das einzig richtige Modell wäre und daß schon die Liebe allein dieses »für immer« garantiere, weil die Liebe absolut ist, weil sie alles will, also auch die Totalität der Zeit: sie ist »für immer«. Die Wahrheit sieht leider anders aus: man merkt, daß die Verliebtheit zwar schön ist, aber vielleicht nicht immer ewig währt. Und so ist es auch mit dem Gefühl: es bleibt nicht für immer. Man sieht also, daß der Übergang von der Verliebtheit zur Verlobung und dann zur Heirat verschiedene Entscheidungen und innere Erfahrungen erforderlich macht. Wie gesagt: Dieses Gefühl der Liebe ist schön, aber es muß geläutert werden, es muß in einen Prozeß der Unterscheidung eintreten, es müssen also auch die Vernunft und der Wille mit ins Spiel kommen; Vernunft, Gefühl und Wille müssen sich miteinander verbinden. Beim Eheritus sagt die Kirche nicht: »Bist du verliebt?«, sondern »Willst du?«, »Bist du aus freiem Willen bereit? « Und das heißt, daß die Verliebtheit wahre Liebe werden muß, indem sie auch den Willen und die Vernunft auf einem Weg miteinbezieht, der der Weg der Verlobung ist, der Läuterung, einer größeren Tiefe, so daß wirklich der ganze Mensch, mit all seinen Fähigkeiten, mit der Unterscheidungskraft der Vernunft und mit Willensstärke sagt: »Ja, das ist mein Leben.« Ich denke an die Hochzeit von Kana. Der erste Wein ist wunderschön: die Verliebtheit. Aber er reicht nicht bis zum Schluß: es muß ein zweiter Wein kommen, er muß also gären, wachsen und reifen. Eine endgültige Liebe, die wirklich »zweiter Wein« wird, ist schöner, besser als der erste Wein. Und danach müssen wir streben. Und hier ist es auch wichtig, daß das Ich nicht isoliert ist, das Ich und das Du, sondern daß auch die Pfarrgemeinde miteinbezogen wird, die Kirche, die Freunde. Das – die ganze richtige Personalisierung, die Lebensgemeinschaft mit anderen, mit Familien, die sich gegenseitig stützen – ist sehr wichtig, und nur so, in dieser Miteinbeziehung der Gemeinde, der Freunde, der Kirche, des Glaubens, Gottes selbst, wächst der Wein, der für immer hält. Euch allen alles Gute!

3. FAMIIE PALEOLOGOS (eine Familie aus Griechenland)
NIKOS: Kalispera! Wir sind Familie Paleologos. Wir kommen aus Athen. Ich heiße Nikos, und das ist meine Frau Pania. Das sind unsere beiden Kinder, Pavlos und Lydia. Vor ein paar Jahren haben wir unser ganzes Hab und Gut in eine Computerfirma investiert, die wir mit zwei Teilhabern gegründet haben. Mit dem Beginn der derzeitigen schlimmen Wirtschaftskrise ist auch die Zahl unserer Kunden geschrumpft, und die, die uns geblieben sind, zögern die Zahlungen immer mehr hinaus. Wir können nur mit Mühe und Not die Gehälter unserer beiden Angestellten bezahlen, für uns Teilhaber bleibt kaum etwas übrig: jeden Tag, der vergeht, haben wir weniger, um den Unterhalt unserer Familien zu bestreiten. Und so wie uns geht es vielen, Millionen anderer Menschen. Die Leute, denen man in der Stadt begegnet, schauen aneinander vorbei; jeder mißtraut jedem, man hat keine Hoffnung mehr.
PANIA: Obwohl wir weiter an die Vorsehung glauben, fällt es auch uns schwer, an eine Zukunft für unsere Kinder zu denken. Es gibt Tage und Nächte, Heiliger Vater, in denen wir uns fragen, wie wir es schaffen sollen, die Hoffnung nicht zu verlieren.
Was kann die Kirche all diesen Leuten, all diesen Personen und Familien sagen, die keine Perspektiven mehr haben?

Heiliger Vater: Liebe Freunde, danke für dieses Zeugnis, das mich und uns alle mitten ins Herz getroffen hat. Was können wir antworten? Worte sind nicht genug. Wir müßten etwas Konkretes tun, und wir alle leiden darunter, daß wir unfähig sind, etwas Konkretes zu tun. Betrachten wir zuerst die Politik: mir scheint, daß der Sinn für Verantwortung in allen Parteien wachsen müßte, damit sie nicht Dinge versprechen, die sie nicht halten können, nicht nur Stimmen für sich selbst sammeln, sondern verantwortlich sind für das Wohl aller, und damit sie verstehen, daß Politik immer auch eine menschliche, moralische Verantwortung Gott und den Menschen gegenüber beinhaltet. Denn sonst leiden die einzelnen natürlich und müssen, oft ohne jede Möglichkeit, sich zu verteidigen, die Situation akzeptieren, so wie sie ist. Dennoch können wir auch hier sagen: sehen wir zu, daß jeder sein Möglichstes tut, daß er an sich, seine Familie, an die anderen denkt mit großem Verantwortungbewußtsein und in dem Wissen, daß Opfer notwendig sind, um weiterzukommen. Dritter Punkt: Was können wir tun? Das ist meine Frage, in diesem Moment. Ich denke, daß Partnerschaften zwischen Städten, Familien, Pfarreien hilfreich sein könnten. In Europa haben wir derzeit ein ganzes Netz von Partnerschaften, aber es handelt sich um einen kulturellen Austausch, der zwar gut und sehr nützlich ist – was wir aber brauchen, ist vielleicht eine andere Art von Partnerschaft: daß eine Familie aus dem Westen, aus Italien, Deutschland, Frankreich… wirklich die Verantwortung übernimmt, einer anderen Familie zu helfen. Und das gilt auch für die Pfarreien, die Städte: sie müßten wirklich Verantwortung übernehmen, konkrete Hilfe leisten. Und ihr könnt sicher sein: ich und viele andere beten für euch, und dieses Beten ist nicht nur das Sprechen von Worten, sondern es öffnet das Herz für Gott und schafft so auch Raum für die Kreativität, die uns Lösungen finden läßt. Hoffen wir, daß uns der Herr helfe, daß euch der Herr immer helfe! Danke.

4. FAMILIE RERRIE (eine Familie aus Amerika)
JAY: Wir leben in der Nähe von New York. Ich heiße Jay, stamme aus Jamaica und bin Buchhalter. Das ist meine Frau Anna, sie ist Supplenzlehrerin. Und das hier sind unsere sechs Kinder, die zwei bis zwölf Jahre alt sind. Sie können sich also sicher leicht vorstellen, Heiliger Vater, daß unser Leben ein ständiger Wettlauf gegen die Zeit ist, daß es an Mühen, an Komplikationen, beileibe nicht fehlt… Auch bei uns in den Vereinigten Staaten hat es oberste Priorität, den Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Das aber erfordert eine Flexibilität bei den Arbeitszeiten, die oft zu Lasten der Familie geht. ANNA: Ja, es ist nicht immer einfach… Man hat den Eindruck, Heiliger Vater, daß die Institutionen und Firmen einem das Abstimmen der Arbeitszeit auf die Zeit für die Familie nicht gerade leichtmachen.
Heiliger Vater, wir können uns gut vorstellen, daß es auch für Sie nicht einfach ist, bei Ihren zahlreichen Verpflichtungen noch Zeit für die Ruhe zu finden. Können Sie uns einen Rat geben, wie wir diese notwendige Harmonie finden können? Wie kann man den Familien in dieser Flut von Anreizen, die in unserer heutigen Gesellschaft auf uns eindringen, helfen, die Feiertage nach dem Herzen Gottes zu feiern?

Heiliger Vater: Das ist eine gute Frage, und ich glaube, dieses Dilemma zwischen den beiden Prioritäten verstanden zu haben: die Priorität des Arbeitsplatzes ist von grundlegender Bedeutung, und dann ist da noch die Priorität der Familie. Wie kann man diese beiden Prioritäten unter einen Hut bringen? Ich kann nur versuchen, Ihnen den ein oder anderen Rat zu geben. Erster Punkt: Es gibt Firmen, die Familien – an Geburtstagen, usw. – gewisse Zugeständnisse machen, also versuchen, etwas Freiheit zu gewähren. Am Ende zahlt sich das auch für die Firma aus, weil es die Liebe zur Arbeit, zum Arbeitsplatz, verstärkt. Hier möchte ich also die Arbeitgeber auffordern, an die Familie zu denken und auch nicht zu vergessen, dabei zu helfen, daß diese beiden Prioritäten in Einklang miteinander gebracht werden können. Zweiter Punkt: Mir scheint, daß man natürlich auch eine gewisse Kreativität zeigen muß, und das ist nicht immer einfach. Man könnte der Familie wenigstens einmal am Tag eine Freude, eine Überraschung machen, den eigenen Willen zurückstecken, um gemeinsam Familie zu sein; die Bereitschaft zeigen, die Nächte, die Dunkelheit zu überwinden, die wir bereits angesprochen haben, und an dieses große Gut zu denken, das die Familie ist. So kann man auch in der größten Sorge jeden Tag etwas Gutes geben, die beiden Prioritäten miteinander in Einklang bringen. Und dann ist da schließlich der Sonntag, der Feiertag: ich hoffe, daß der Sonntag in Amerika eingehalten wird. Der Sonntag scheint mir also sehr wichtig zu sein, der Tag des Herrn, und als solcher auch »Tag des Menschen«, weil wir frei sind. Das war im Schöpfungsbericht die ursprüngliche Absicht des Schöpfers: daß an einem Tag alle frei sein sollten. In dieser Freiheit des einen für den anderen, für sich selbst, ist man frei für Gott. Und so denke ich, daß wir so die Freiheit des Menschen verteidigen, indem wir den Sonntag und die Feiertage als Tage des Herrn und somit als Tage für den Menschen verteidigen. Alles Gute! Danke.

5. FAMILIE ARAUJO (eine brasilianische Familie aus Porto Alegre)
MARIA MARTA: Heiliger Vater, wie überall auf der Welt nimmt auch in Brasilien die Zahl der gescheiterten Ehen immer mehr zu. Ich heiße Maria Marta, mein Mann Manoel Angelo. Wir sind seit 34 Jahren verheiratet und bereits Großeltern. Als Ärzte und Familientherapeuten begegnen wir vielen Familien und können feststellen, daß es Paaren, die in einer Krise stecken, immer schwerer fällt, zu vergeben und Vergebung zuzulassen. In verschiedenen Fällen konnten wir aber auch den Wunsch sehen, eine neue Verbindung einzugehen, etwas, das von Dauer ist, auch für die Kinder, die aus dieser neuen Verbindung hervorgehen.
MANOEL ANGELO: Einige dieser wiederverheirateten Paare würden sich gerne wieder an die Kirche annähern, aber wenn sie sehen, daß man ihnen die Sakramente verweigert, ist ihre Enttäuschung groß. Sie fühlen sich ausgeschlossen, durch ein unwiderrufliches Urteil gebrandmarkt. Dieses große Leid verletzt die Betroffenen zutiefst; es schlägt Wunden, die auch Teil der Welt werden, und es sind auch unsere Wunden, Wunden der gesamten Menschheit.
Heiliger Vater, wir wissen, daß diese Situationen und diese Personen der Kirche sehr am Herzen liegen: was können wir ihnen sagen, welche Zeichen der Hoffnung können wir ihnen geben?

Heiliger Vater: Liebe Freunde, danke für eure so kostbare Arbeit als Familientherapeuten. Danke für alles, was ihr tut, um diesen leidgeprüften Menschen zu helfen. In Wahrheit ist dieses Problem der wiederverheirateten Geschiedenen heute eines der großen Leiden der Kirche. Und wir haben keine Patentrezepte. Das Leiden ist groß, und wir können nur die Pfarreien, die einzelnen dabei unterstützen, diesen Personen zu helfen, das Leid ihrer Scheidung zu tragen. Ich würde sagen, daß es natürlich sehr wichtig wäre, vorzubeugen, also schon ab dem Beginn der Verliebtheit zuzusehen, daß diese zu einer gut überlegten, reifen Entscheidung wird. Wichtig ist auch die Betreuung während der Ehe, damit die Familien nie allein sind, sondern auf ihrem Weg wirklich begleitet werden. Und dann müssen wir, was diese Personen betrifft, sagen – wie Sie es bereits getan haben –, daß die Kirche sie liebt, daß sie diese Liebe aber sehen und fühlen müssen. Es scheint mir eine große Aufgabe einer Pfarrei, einer katholischen Gemeinde zu sein, wirklich alles nur Mögliche zu tun, damit sie sich geliebt und akzeptiert fühlen, damit sie spüren, daß sie keine »Außenstehenden« sind, auch wenn sie nicht die Absolution und die Eucharistie empfangen können: sie müssen sehen, daß sie auch so vollkommen in der Kirche leben. Vielleicht ist, wenn schon die Absolution bei der Beichte nicht möglich ist, ein ständiger Kontakt mit einem Priester, mit einem geistlichen Begleiter, wichtig, damit sie sehen können, daß sie begleitet, geführt werden. Sehr wichtig ist es auch, daß sie spüren, daß die Eucharistie wahr ist, daß sie an ihr Anteil haben, wenn sie wirklich in Gemeinschaft mit dem Leib Christi treten. Auch ohne den »leiblichen« Empfang des Sakraments können wir mit Christus in seinem Leib geistlich vereint sein. Das zu verstehen zu geben, ist wichtig. Daß sie tatsächlich einen Weg finden, ein Leben des Glaubens zu führen, mit dem Wort Gottes, mit der Gemeinschaft der Kirche, und daß sie sehen, daß ihr Leiden ein Geschenk an die Kirche ist, weil sie so allen dienen, auch um die Stabilität der Liebe, der Ehe zu verteidigen; und daß dieses Leiden nicht nur eine körperliche und psychische Qual ist, sondern auch ein Leiden in der Kirchengemeinschaft für die großen Werte unseres Glaubens. Ich denke, daß ihr Leiden, wenn es wirklich innerlich angenommen wird, ein Geschenk an die Kirche sein kann. Sie müssen wissen, daß sie gerade so der Kirche dienen, im Herzen der Kirche sind. Danke für euren Einsatz.

Text: Paix Liturgique/Giuseppe Nardi
Bild: Una Fides

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24 Comments

  1. Vielen Dank für die wunderbaren Worte von Papst Benedikt XVI. über Familie und Ehe.
    So viele Ehen werden geschieden, weil Menschen den Weg mit Gott und Jesus Christus verloren haben. Diese lebendige Mitte wird durch Substitute ersetzt, wo man woanders die Liebe Gottes und die Gnade Jesu sucht, aber nie finden wird. Ein christlicher Film, der mich zutiefst berührt hat und der absolut empfehlenswert ist, ist „Fireproof – Gib deinen Partner nicht auf“ von A. Kendrick. Der Feuerwehrmann Caleb rettet seine Ehe durch den Glauben in Jesus, den er durch die Hilfe seines Vaters findet. Ich kenne hier in Süddeutschland einen Mann, der seine Ehefrau durch Gebet und Opfer nach circa 10 Jahren von Gott zurück bekam.
    Hier die Filmbeschreibung von „Fireproof“: „Caleb (Kirk Cameron) ist ein vielbeschäftigter Fire-Fighter. Er lebt für seinen Job und seine Aufgabe. Dies ist einer der Gründe weshalb die Ehe von Caleb und Catherine Holt ist in einer Krise steckt und die Trennung unvermeidbar scheint. Calebs Vater John schlägt jedoch vor, den Trennungsprozess für vierzig Tage ruhen zu lassen und sich einer Maßnahme zu unterziehen, die er „Das Liebes-Wagnis“ nennt. Durch diese Methode soll die Liebe zwischen den beiden erneut entfacht werden. Doch ein Großbrand droht das Schicksal der beiden doch in eine andere Richtung zu lenken…“ (aus der Amazon-Webseite zitiert).
    „Fireproof“ Film auf Englisch zum direkt ansehen: http://de.cross.tv/86373 oder DVD auf Deutsch: http://www.amazon.de/Fireproof-Gib-deinen-Partner-nicht/dp/B006M8HH3M/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1430985512&sr=8-1&keywords=Fireproof+Film
    Es gibt auch ein Arbeitsbuch (m. Neuauflage) zum Film, von dem in den Rezensionen gesagt wird, dass es sehr hilfreich ist, vorausgesetzt man nimmt den lebendigen Glauben in Gott und Jesus Christus an (manche können aufgrund ihres Unglaubens damit nichts anfangen). Auf jeden Fall sollte man den Film zuerst gesehen haben.

      • „Fireproof“ werde ich mir auch zulegen. Die Rezensionen sind ja sehr vielversprechend…

      • Wobei ich Frau Meyer höchst problematisch finde. Sie lebt in einer großen millionenschweren Villa, finanziert von Spendengeldern und zudem noch in zweiter ‚Ehe‘. Sie ist eher dem Evangelikalen Lager zuzuordnen.
        Bei ihr ist Gott eher der deus ex machina. Verhalte dich so und so, und du bekommst die und die Reaktion. Das geht schon ins Magische. Gebt Geld – und ihr werdet reich… usw. (Wohlstandsevangelium)
        Das Buch an sich kann aber sehr wertvoll sein. Insofern danke für den Tipp. Werde mal recherchieren.

      • Pater Pio – 11. Mai 2015 um 11:01
        Ja – da haben Sie leider recht !
        Aber das ist noch eines ihrer früheren Bücher und ich habe es gelesen und damit gearbeitet. Vom Glauben und vom Glaubensleben, sowie den biblischen Verknüpfungen, die sie darin hat, kann man nichts dagegen sagen. Es ist ein sehr gutes Buch. Ich habe bei J.M. manchmal den Eindruck, dass sie auch von älteren Pastoren abgeschrieben hat (Smith Wigglesworth u.a.), deren Wissen mit eingearbeitet hat, und die Quellen nicht angibt (was ja der Qualität keinen Abbruch tut).
        Leider hat J.M. sich an den Einnahmen ihrer Großveranstaltungen und sonstigem persönlich bereichert. Das Gleiche ist es ja mit Kenneth Copeland (Schüler von Oral Roberts), der einen eigenen Flughafen besitzt. Die Kritik am sogen. „Wohlstandsevangelium“ findet sich allg. im Internet
        Dieses Ehebuch von Jyoce Meyer hat mir jedoch sehr geholfen. Ich kann dieses Buch guten Gewissens weiterempfehlen. Es steht auch nicht im Widerspruch zum katholischen Glauben.

  2. Abgesehen davon, dass man diesen Text nicht isoliert von anderen Äußerungen Benedikts, die dort präziser und weniger erzählerisch sind, lesen darf, stoßen mir in ihm einige Dinge theologisch auf:

    1. Die Überfrachtung der Ehe und Familie als einem quasi-paradiesischen Ort – das ist doch mit Ursache für das häufige moderne Scheitern! Der Himmel lässt sich mit nichts auf Erden vergleichen. Die selige Anschauung Gottes ist im Christentum – anders als im Islam – etwas total anderes als auf Erden. Paulus hörte schon im Vorhimmel UNAUSSPRECHLICHES und ist sich nicht sicher, ob er das überhaupt als irdisch Lebender wahrnehmen konnte!

    Benedikt: „Und um die Wahrheit zu sagen: wenn ich mir vorzustellen versuche, wie wohl das Paradies aussehen könnte, dann kommt mir immer die Zeit meiner Jugend, meiner Kindheit, in den Sinn. In diesem Kontext des Vertrauens, der Freude und der Liebe waren wir glücklich, und ich denke, daß es im Paradies ähnlich sein muß wie in meiner Kinder- und Jugendzeit. In diesem Sinn hoffe ich eines Tages »heimzugehen », der »anderen Welt« entgegen.“

    2. Zwar ist alles, was Benedikt dann zum Ehewillen sagt, ganz richtig, aber die Individualfreiheit so unkritisch dargestellt, ist entweder naiv oder theologisch kontraproduktiv: Die Ehe wurde auch vor der Emanzipation von den Betroffenen selbst gespendet. Das lehrt auch das Konzil von Trient etc. Ein ja zu arrangierten Ehen sollte man nicht unter Generalverdacht stellen – jedenfalls nicht mehr als das vermeintlich „emanzipierte“ ja heute.

    Benedikt: „Um die Wahrheit zu sagen, gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein auch in Europa ein anderes vorherrschendes Ehemodell (…): oft war die Ehe in Wahrheit ein Vertrag zwischen »Sippen«, mit dem man versucht hat, die »Sippe« zu erhalten, die Zukunft zu garantieren, den Besitz zu verteidigen, usw. Die »Sippe« suchte die jeweiligen Partner aus, und man hoffte, daß sie zueinander paßten. (…) Dann aber folgte ab dem 19. Jahrhundert die Emanzipation des Individuums, die Freiheit der Person, und die Ehe war nicht länger auf den Willen anderer gegründet, sondern auf eine eigene Entscheidung; zuerst kommt die Verliebtheit, dann die Verlobung und schließlich die Heirat.

    3. Und dann der Hammer: wie kann einer, der in schwerer Sünde lebt, sich selbst nicht als ausgeschlossen sehen!? Wie soll man „geistlich“ mit dem Herrn vereint sein, wenn man es „leiblich“ nicht ist? Also wenn er so argumentiert, müsste er konsequent die Teilnahme an der Hl. Kommunion zulassen!

    Benedikt: „Sie müssen sehen, daß sie auch so vollkommen in der Kirche leben. (…) Sehr wichtig ist es auch, daß sie spüren, daß die Eucharistie wahr ist, daß sie an ihr Anteil haben, wenn sie wirklich in Gemeinschaft mit dem Leib Christi treten. Auch ohne den »leiblichen« Empfang des Sakraments können wir mit Christus in seinem Leib geistlich vereint sein.“

    Nein – das steckt alles voller theologischer Irrtümer und Vordergründigkeiten, auch wenn das mit dem Willen etc. richtig ist…

    • Kleine Begriffserklärung für diese unsere so eiskalte, fast schon erfrorene Zeit:

      Das „Herz“ in der Bibel meint nicht (nur) das Gefühl, und es meint nicht (nur) das Gemüt, und es meint nicht (nur) die Seele, sondern es meint alles obige zusammen.

      Gleichzeitig meint es aber etwas noch viel höheres als die Seele: Nämlich die „Seele der Seele“ oder den „Geist des Geistes“: Das ist ein vollkommen neues Konzept, nur in dieser unserer Endzeit an uns geoffenbart, das Jesus selber in z.B. Maria Valtorta erläutert.

      Zusammenfassend: Bitte nicht „Herz“ mit dem Gefühl verwechseln, oder mit etwas niedrigem: Nein, ganz im Gegenteil: „Nur mit dem Herzen sieht man gut“, ja, das wissen z.B. alle Verliebten, denn die wahre Liebe macht wirklich „wie blind“ für alles Negative, um sich möglichst total auf das Positive konzentrieren zu können – und es erweitert so sowohl Herz als auch Verstand auf eine neue, bis dahin unbekannte Ebene, welche nur von jenen verstanden werden kann, die sich z.B. regelrecht in die Seele von Jesus Christus verliebt haben, so wie der heilige Apostel Johannes.

      „Herz“ ist also weit, weit, weit über dem Verstand angesiedelt, wenn man das einmal begriffen hat (ja, begriffen: den begreifen ist höher als verstehen: Wir können Dinge mit unserem kleinen Herzen „begreifen“, die unserem „großen“ Verstand vollkommen unzugänglich bleiben im „Verstehen“ wollen).

      • Ich denke, auch nach diesen Ausführungen habe ich Sie recht verstanden: das Herz der Verliebten sieht nicht nur reduktiv, sondern sogar verzerrt.
        Es blendet einen Teil der Fakten aus und redet sich das schön, was hässlich ist. Wer wäre nicht schon bitter aus einer solchen Verliebtheit erwacht?!

        Das sind Sackgassen. Denn uns hilft in all den Wirrungen des unbefestigten Herzens nur eine nüchterne Klärung durch die Vernunft und das, was uns offenbart ist (Bibel, Lehre der Kirche – dagegen nur ganz untergeordnet oder gar NICHT Mystiker, die nicht anerkannt sind!).

        Das Herz ist zwar tatsächlich ein umfassender Begriff , allerdings meint er im Rahmen der Kirche eher die Ausrichtung der Seele. Diese Ausrichtung ist aber nicht selbst schon ein „Ideengeber“ – die Ideen kommen aus der Offenbarung und der erleuchteten natürlichen Vernunft, die wiederum von der Seele willentlich ergiffen werden und ihr eine persönliche Richtung geben.

        Das Herz steht nicht über dem Verstand, denn ohne denselben kann es sich nicht formieren.

        Auch moderne Emotionstheorien http://de.wikipedia.org/wiki/Emotionstheorien sehen nicht-physisch erzeugte Emotionen im wesentlichen als Ergebnis von Urteilen, Wünschen und Meinungen an – also kognitiven Vorläufen!

        Ihre Herzenstheorie lässt sich leider nicht greifen. Das Herz ist nur eher das, was das Innere für die Seele selbst ins Licht des Bewusstseins rückt. Dem gehen aber dennoch vernünftige und „mystische“ Prozesse voraus.

        Mit Kälte hat das gar nichts zu tun, sondern mit Objektivität.
        Was Sie lehren stürzte den Menschen ins Chaos völlig unkontrollierbarer innerer Vorgänge und Gedanken.

        Maria Valtorta ist schwierig einzuschätzen. Immerhin wurde ihr Werk 1960 noch auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.

      • @zeitschnur:

        Fragen zum selber beantworten:

        F: Was ist ein Mensch ohne Herz?
        F: Was ist ein Mensch ohne Verstand?

        F: Wie lange kann ein Mensch überleben ohne Funktion des Verstandes?
        F: Wie lange kann ein Mensch überleben ohne Funktion des Herzens?

        (Wir sind ja von Gott so erschaffen worden, sicher nicht ohne Grund! Bei Gott hat alles seinen Grund.)

        Fragen mit Antwort:

        F: Kann man „ein Herz und eine Seele“ sein, auch zu vielen?
        A: Ja, siehe Christentum

        F: Kann man „ein Verstand“ sein, auch zu vielen?
        A: Theoretisch ja, siehe z.B. Kommunismus; praktisch leider nein…

        Was ist wohl die Lehre daraus?

      • @ polos

        Meine Aussage bedeutet nicht, dass man das Herz nicht braucht!
        Meine Aussage zielte eher auf eine Hierarchie der „Organe“ hinsichtlich der Herrschaft des Menschen über seine Gedanken, Gefühle und den Leib. Bzw. Selbstdisziplin.

        Sie können an F. sehr schön sehen, dass eine falsche Ordnung der inneren Geistesorgane nur zur Undiszipliniertheit und Willkür führt.

        Bei Benedikt liegt der Fall etwas anders: er hat sich teilweise falschen Vernunftpositionen ergeben. Wie und wo – das habe ich oft genug schon zitiert und nachgewiesen.

        Solche falschen Vernunftpositionen – falsch, indem sie von dem, was offenbart ist, abweichen – führen zwar nicht zur Konzeptionslosigkeit oder zur Willkür. Ähnlich wie bei einem Mann, der meint, er sei eine Frau und fährt alle vernünftigen Gründe auf, das nachzuweisen und operiert sich um: er kann das nur mit größter Mühe aufrechthalten und bricht zusammen, sobald man ihm die Dauermedikation entzieht.
        Das wird wohl eher Benedikts Problem gewesen sein. Oder ist es noch.

  3. Wie immer ist Benedikt XVI. mehr mit dem Herzen zu lesen als mit dem Verstand, so wie auch z.B. das Evangelium selber.

    Würde man nämlich z.B. das Evangelium rein mit dem Verstand lesen (ohne Herz, wo auch der Glaube wohnt), dann hätten jene Atheisten recht, die behaupten, dass das beste Argument gegen den Glauben die Bibel selber sei.

    Und in der Theologie gibt es wenige, ganz wenige Adler (wie Benedikt XVI.), und massenweise blinde Hühner…
    Ich danke der Vorsehung von Herzen, dass die ersteren so schön zu lesen sind, dass man die letzteren gerne freiwillig vergisst.

    • Das ist leider ganz vorbei an dem, was die Kirche dazu stets gelehrt hat!
      Ihr Herz mogelt sich an dem vorbei, was die nüchterne Vernunft offenlegt.

      Sie vertreten das, was im 19. Jh als „Traditionalismus“ bezeichnet wurde: der Glaube eine unvernünftige Regung des Gemütes, des „Herzens“.
      Diese Irrlehre wurde übrigens auf dem Vat. I endgültig nach mehreren bereits päpstlichen Verwerfungen in Lehrschreiben unter Bannfluch gestellt. (in: Dei Filius)

      Das Evangelium erstrahlt erst, wenn es im Glauben angenommen und mit der durch den hl. Geist erleuchteten Vernunft erschlossen wird.

    • Dieser Meinung bin ich auch.
      Wenn man Botschaften, Worte und Weisungen nur mit dem Versand ließt, kommt man leicht dazu, alles als Irrtum zu bezeichnen. Auf der Wortebene stimmt das sogar. Denn man kann, wenn man etwas sagt, nie alles sagen. Und wenn ich mich für einen bestimmten Satz in einer bestimmten Situation entscheide, kann ich tausend andere Dinge nicht sagen…
      Die Erfahrung des Erbesenzählens habe ich auch mit Menschen gemacht. Sie kommen einem nicht mit dem Herzen entgegen, sondern mit einem notorischen Widerspruchsgeist.
      Alles, was man sagt, ist falsch. Bei anderen ist das dann wieder ganz anders.
      Im Reden und Sprechen liegt ein bestimmtes Dilemma: Man kommuniziert, aber es kommt etwas ganz anderes an…
      Viele Mönche haben das erkannt und sind in die Räume des Schweigens vorgedrungen. Ein Heiliger hat sich sogar für lange Zeit einen Stein in den Mund gelegt. Denn viel Reden ist selten ohne Fehler.
      Im Grunde wissen wir: Nur Jesus war als der Christus vollkommen ohne Fehler. Wenn wir uns an ihm messen, werden wir letztlich alle zu Irrenden – und wenn wir viel reden – sogar zu Irrlehrern. Wir können uns der Wahrheit immer nur annähern.

      • Ha… habe mich selbst ertappt:
        Beispiel (s.o. letzter Absatz):
        „Im Grunde wissen wir: Nur Jesus war als der Christus vollkommen ohne Fehler. Wenn wir uns an ihm messen, werden wir letztlich alle zu Irrenden – und wenn wir viel reden – sogar zu Irrlehrern. Wir können uns der Wahrheit immer nur annähern.“
        Dieser Satz reitzt zum Widerspruch, da er eigentlich heißen müsste:
        „Im Grunde wissen wir: Nur Jesus war als der Christus vollkommen ohne Fehler. Wenn wir uns an ihm nicht messen, werden wir letztlich alle zu Irrenden – und wenn wir viel reden – sogar zu Irrlehrern. Wir können uns der Wahrheit immer nur annähern.“
        Man sieht doch leicht, was ein einziges Wort ausmachen kann. Beide Sätze können als richtig und falsch gelesen werden. Es gibt also in jedem Falle viele Leerstellen.
        Die Einwände gegen Benedikt sind berechtigt. Wenn man ihn aber richtig verstehen will, wird man es auch…
        Bezogen auf das Beispiel der geistigen Kommunion wiederverheirateter Geschiedener. Benedikt spricht hier fast so, als wolle er Kaspers Vorschläge vorbereiten. Aber Halt! Diese Lesart ist eine Unterstellung. Denn Bendeikt hat recht, mit dem was er sagt.
        Kommt ein ‚widerverheiratetes Paar‘ wirklich dahin, wo Benedikt es sieht, erkennt es auch seine Schuld. Es wird sich selbst nach 10 Jahren noch trennen und jeder wird wieder zu seinem Ehepartner zurückkehren.
        Bei all dem muss natürlich geklärt werden, durch das zuständige Offizium, ob die Ehe wirklich zustande gekommen war.
        Im Grunde geht es selbst bei Kasper nicht um einen verwerflichen Vorschlag, die Eintelfälle zu prüfen, sondern um die Auswirkungen und eine Praxis, die das Lehramt aushebelt…

      • Erstens ist auch Maria ohne Erbsünde empfangen, geboren und ohne persönliche Sünde!

        Zweitens sagte ich es bereits:
        Das Vaticanum I hat was anderes gelehrt zu dem Thema. Zwei Komponenten hat der wahre Glaube:
        Das was offenbart ist und die natürliche Vernunft erleuchtet im Hl. Geist.

        Genauigkeit und Wahrhaftigkeit hat nichts mit Erbsenzählerei zu tun, sondern mit Respekt vor Gottes Wort und der Lehre der Kirche.

        Es ist auch blanker Unsinn, dass es unmöglich sei, klare und verständliche, im wesentlichen eindeutige Sätze zu formulieren.

        Das Problem ist der postmoderne Mensch: zu faul zum Denken, nicht mehr lesekompetent, besetzt von dem Kritikgeist, der jede genau Aussage von sich weist.
        Der heutige Mensch hasst es, wenn etwas festgelegt wird oder so oder so gilt.

        Wenn Ratzinger eindeutig der Kirchenlehre widerspricht – sorry, es ist Erbsenzählerei, wenn man das nicht einfach dann auch so anerkennt und beim Namen nennt.

        Sie machen ja aus Schwarz weiß und umgekehrt! I bin mir fast sicher, dass Sie sich nicht die Mühe machen, die Lehrzeugnisse der Hl Kirche überhaupt auch nur zu überfliegen.
        Wozu hat sie sie nur je geschrieben?
        Aus Erbsenzählerei-Sucht?
        Oder weil der Hl. Geist es ihr eingab?

      • Was die „geistige Kommunion“ betrifft:

        Hier wird nichts unterstellt, sondern das ernst genommen, was er schreibt!
        Wie soll einer geistig kommunizieren können, wenn er in Todsünde lebt?

        Eben – das ist der Schnitzer. Und das hat Benedikt nicht nur einmal gesagt.
        Es ist theologisch unhaltbar!

      • @zeitschnur
        Sie haben an anderer Stelle geschrieben – und zwar in der Form einer Frage: Sinngemäß: Ja, handelt es sich denn bei denen, die sich das Eheversprechen geben, um Halbidioten, die nicht verstehen, was sie sagen und versprechen? Ich antworte mit einem eindeutigen Ja.
        Ich führe absichtlich keine Anführungszeichen an.
        Jetzt schreiben Sie:
        „Es ist auch blanker Unsinn, dass es unmöglich sei, klare und verständliche, im wesentlichen eindeutige Sätze zu formulieren.
        Das Problem ist der postmoderne Mensch: zu faul zum Denken, nicht mehr lesekompetent, besetzt von dem Kritikgeist, der jede genau Aussage von sich weist.
        Der heutige Mensch hasst es, wenn etwas festgelegt wird oder so oder so gilt.“
        Sie beschreiben den Menschen als einen besetzten und verstopften…
        Sie sehen dabei den Menschen meines Erachtens zu sehr als Täter denn als Opfer.
        Der postmoderne Mensch ist aber ein Mensch, der im Dunkel der Erbsünde lebt. Gerade er hat Christus nötig. Kann ihn aber nicht mehr finden. Das reine Wort und der kühle Satz genügen offenbar nicht. Dahinter muss das Herz der Heiligkeit pochen…
        Ich behaupte entgegen ihrer idealen Sicht auf den Menschen: „Jawohl. Wir haben es mit Idoten (idos =selbst) zu tun, die aus ihrem Idios herausgeführt werden sollen. Wenn aber selbst die Führer verführte sind, kann niemand mehr führen. Das ist doch einsichtig, oder nicht?“
        Eigentlich stimme ich damit dem zu, was Sie sagten: dass es soviele Irrlehrer gibt. Darin hat sich meine Sicht geändert. Das ist u.a. auch ihr Verdienst. Ich finde es gut, dass Sie klare Worte benutzen und sich auskennen.
        Darum sollten Sie aber unterscheiden zwischen dem, was geistigerweise und real angenommen werden kann. Die geistige Kommunion kann niemandem verwehrt werden und niemand kann überprüfen, ob sie zustande gekommen ist. Die geistige Kommunion wird nicht sanktioniert durch den Akt des geweihten Führers, des Priesters. Damit bleibt sie immer zweifelhaft und eine Schule der Gewissenschärfung.
        Die Voraussetzungen der realen Kommunion gelten auch für die geistige Kommunion als Maßstab. Sie verweist auf den noch voliegenden Bruch. Hier ist etwas noch im Unklaren, drängt aber zur Fülle.
        Die meisten wiederverheirateten Geschiedenen, ich würde von 99% ausgehen, drängt es aber gar nicht zur Kommunion. Damit haben sich diese Fälle von selbst erledigt, selbst abgewendet und selbst gerichtet. Sie bleiben aber Opfer und leiden häufig in einem Zustand des Nichtwissens (Zeitschnüre gewissermaßen ). Bei dem 1% muss man nun schauen, wieso sie trotzdem kommen und Heilung suchen. Viele sind zu stolz, ihre Ehe annulieren zu lassen.
        Ich glaube, man bedenkt zu wenig, dass eine Ehe nur vollwertig geschlossen ist, wenn sie unter Getauften gespendet worden ist. Nun lässt sich aber daran zweifeln, dass die Getauften tatsächlich im Geist erwacht sind, d.h. im Geist des Glaubens leben.
        Der Dreh- und Angelpunkt liegt in der Ehevorbereitung. Darin liegt auch die Verantwortung und die Antwort des Scheiterns.

      • „Das reine Wort und der kühle Satz genügen offenbar nicht. Dahinter muss das Herz der Heiligkeit pochen…“

        Ach, @ Pater Pio, das glaube ich nicht! Einerseits ist der Mensch ein Narr, und wir alle sind Toren vor Gott in unserem Streben. Und dennoch ist der Sohn Gottes das „reine Wort“ und muss genügen!

        Ich denke nicht, dass auch nur irgendein Mensch nicht wüsste, was er tut, wenn er als Katholik heiratet.

        Er will es bloß nicht mehr wissen!
        Das meinte ich mit diesem Sich-Sperren gegen alles, was klar und festgelegt ist. Tausend Wenns ud Abers werden eingeführt, solange, bis man sich selbst so verwirrt hat, dass man nicht mehr zu wissen vorgibt, was Sache ist…

        Der Mensch war und ist immer schon erlösungsbedürftig. Eine fromme Erziehung hat nicht davor bewahrt, in schlimmste Sünde zu fallen. Sehen Sie sich unsere Geschichte an.

        Und dass es gerade Religiöse sind, die in schlimsste seelische Verzerrungen und in die Fallstricke subtiler Verkennungen abstürzen – wer weiß das nicht aus den eigenen Versuchungen!

        Wir sind – in der Hinsicht, in der wir gerade reden – Opfer UND TÄter. Immer beides zugleich.

        (Es gibt zugespitzte Lagen, in denen man tatsächlich reines Opfer sein kann – das trifft aber meist so nicht zu!)

      • @zeitschnur
        Ich habe viel geschrieben. Aber vielleicht haben Sie wirklich recht mit ihrer Annahme, dass die Menschen wissen, auf was sie sich einlassen und hinterher nur vorgeben, sie hätten es nicht gewusst.
        Paulus mahnte ja, dass sich niemand der Heiden an seinem Gewissen vorbeistehlen könne. Warum sollte das also nicht genauso für das moderne Heidentum gelten?
        Trotzdem sehe ich auch ein Versagen in der Pastoral. Das würden Sie sicherlich auch unterschreiben, da Sie mit sehr viel Kritik und oftmals Ablehnung- wie ja alle Leser hier – auf das II. Vatikanum und seine Folgen schauen.
        Sie schrieben an anderer Stelle: „Es ist zu spät.“ Möglicherweise bin ich ein Träumer, wenn ich bisher glaubte, man könne über die Sexualmoral Menschen bekehren. Nein, das geht wohl nicht.
        Denn sie ist wirklich das erste (der Motivation nach, die längst nicht mehr auf Christus schaut) und damt noch mehr das letzte in der zerrissenen Kette des Glaubens.
        Ich habe es selber eine zeitlang unter Jugendlichen versucht. Alle lebten im Alter von 15-17 Jahren mit Partnern in Verhältnissen. Sie konnten oder wollten die Lehre der Kirche nicht verstehen, gingen auch sonntags nicht zum Gottesdienst. Ich wusste gar nicht, wo ansetzen… Ich habe es mit den Auswirkungen versucht, wie z.B. dem Aufzeigen der hohen Abtreibungszahlen… Doch sie schauten mich an wie ein Auto.
        Der Theologe und Religionslehrer DrDr. Peter Egger berichtet zwar, er habe die Schüler dahin gebracht, völlig umzudenken und eine noch rigidere Moral zu fordern, als sie das Lehramt lehrt; jedoch waren das nicht auch nur Lippenbekenntnisse gegenüber einer Lehrperson mit Autorität? Solange die Gesellschaft den Sittenverfall als das Normale fördert und Pädagogen bestraft werden, die eine klare Sprache sprechen (ich erinnere an den Lehrer, der suspendiert wurde, weil er ‚Silent Scream zeigte‘) hat man kaum noch eine andere Chance als das Gebet. Wir kommen so weit zu sagen: Wir haben den Karren so tief in den Dreck gefahren, dass es kein heraus mehr gibt aus der gegenwärtigen Misere. Alles liegt somit in Gottes Hand.
        Auch theologische Bücher, die in guter Absicht geschrieben werden, werden höchstens von einigen wenigen Theologieinteressierten zur Kenntnis genommen. Die Millionen anderen schauen lieber den Tatort oder lesen ein Buch a la Rosamunde Pilcher.

      • @ Pater Pio

        Ja, ich denke auch, dass die Pastoral total versagt hat! Und sie hat versagt, weil zuvor die Theologie versagt hat und die Lehre der Kirche total aufgeweicht oder sogar pervertiert hat.
        Das muss aber auch schon vor der Lehrverzerrung durch das Konzil passiert sein – anders kann man sich bereits die lauten Klagen des 19. Jh nicht erklären.
        Das 6. Gebot – das wurde auch früher gebrochen – trotz „gesunder Lehre“! Auch Paulus schreibt davon… Ein Blick in die Lebensweise unserer Aristokratie, der christlichen Aristokratie (!), die von manchen Katholiken so absurd angehimmelt wird, müsste einem eigentlich jede Illusion darüber rauben.
        Sexuelle Enthemmung ist eine Frage des Geldes, des Wohlstandes und der rechtlichen Freistellung. Traurig aber wahr. Katholische Doppelmoral ist so alt wie die Kirche!

        Denken Sie, die hurenden Monarchen der älteren Zeiten wussten nicht, was sie tun?
        Kann es sein, dass heute einer vor dem Altar ewige Treue gelobt und den Segen Gottes erbittet, und hernach nicht mehr weiß, dass er das getan hat?!
        Sie sagen es selbst: es ist unmöglich, dass einer das nicht mehr weiß – Pastoral hin oder her!

        Die Pastoral ist Unterstützung, aber sie hat auch früher Perversionen gefördert – das sollte man nicht beschönigen. Es war wohl immer ein Unterschied in Theorie und Praxis.
        Heute aber ist leider auch die Theorie zu großen Teilen verdorben.
        Solange aber der Eheritus noch so ist wie er ist, muss ein nicht gestörter und normal intelligenter Mensch wissen, was er tut, wenn er katholisch heiratet!

      • das Problem ist, dass das Problem auf einer anderen Ebene liegt.
        Der normal Mensch der sich gerade katholisch verheiratet weil was er tut, aber er glaubt nicht daran.
        Er glaubt, wenn er denn glaubt an so ne Art Wellnessgott, der die Sakramente gestiftet hat als so ne Art Bonbon mit Gelinggarantie für alle Lebenslagen.
        Deshalb hat man keinerlei Probleme damit, sich eben nicht an das laut und deutlich vor Gott gegebene Versprechen zu halten, egal ob es sich um Ordensgelübde, Zölibatsversprechen oder Eheversprechen handelt, wenn es denn schwierig wird.
        Ist man doch, wenn man denn an einen Gott überhaupt glaubt, der Ansicht, dass es eben aufgrund der aufgetretenen Schwierigkeiten, Gott ist, der seine Gelinggarantie nicht eingehalten hat, und man deshalb seinen Anteil auch nicht halten muss.

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