Kardinal Burke über die katholische „Männerkrise“ (Teil 1)

Kardinal Raymond Leo Burke
Kardinal Raymond Leo Burke

Matthew James Christoff, Initiator von „The New Emangelization“ – ein Apostolat für Männer, dessen Name mit dem Begriff „New Evangelization“, also Neuevangelisierung, spielt – hatte die Gelegenheit, mit Raymond Leo Kardinal Burke ein Interview zu führen. Es folgt der erste Teil der deutschen Übersetzung.

Matthew James Christoff: Eminenz, wir sind erfreut und gesegnet, hier bei Ihnen zu sein. Heute sind wir hier, um über den Zustand katholischer Männer in den Vereinigten Staaten zu sprechen und darüber, wie wir mehr Männer zur “New Emangelization” bringen können. Vielleicht, um zu beginnen – Wie würden Sie, Eminenz, den Zustand von Männern in der katholischen Kirche heute beschreiben?

Kardinal Burke: Ich denke, es hat eine große Verwirrung gegeben hinsichtlich der besonderen Berufung der Männer in der Ehe und der Männer im Allgemeinen in der Kirche innerhalb der letzten ungefähr 50 Jahre. Dies liegt an einer Reihe von Faktoren, aber der radikale Feminismus, der die Kirche und die Gesellschaft seit den 1960er Jahren attackiert hat, ließ Männer sehr marginalisiert zurück.

Unglücklicherweise hat die radikale feministische Bewegung die Kirche so stark beeinflusst und sie dazu geführt, andauernd Frauenthemen anzusprechen, auf Kosten des Ansprechens von entscheidenden Themen, die für Männer wichtig sind. Die Wichtigkeit des Vaters – sei es in der ehelichen Verbindung oder nicht –, die Wichtigkeit des Vater für die Kinder, die Wichtigkeit der Vaterschaft für Priester, die entscheidende Bedeutung eines männlichen Charakters, die Betonung der besonderen Gaben, die Gott den Männern für das Wohl der ganzen Gesellschaft gibt.

Die Güte und Wichtigkeit von Männern wurde sehr verdunkelt, und aus allen möglichen praktischen Gründen überhaupt nicht hervorgehoben. Dies ist der Fall trotz der Tatsache, dass es eine lange Tradition in der Kirche war – speziell durch die Andacht zum heiligen Joseph –, den männlichen Charakter des Mannes zu betonen, der sein Leben um des Heimes willen opfert, der sich mit Ritterlichkeit darauf vorbereitet, seine Frau und seine Kinder zu verteidigen, und der arbeitet, um den Lebensunterhalt für die Familie zu liefern. So viel von dieser Tradition, die heroische Natur der Männlichkeit zu verkünden, ist in der Kirche von heute verloren gegangen.

Für ein Kind ist es, während es wächst und erwachsen wird, sehr wichtig, all jene tugendhaften Merkmale des männlichen Geschlechts zu beobachten. Die gesunde Beziehung mit dem Vater hilft dem Kind, sich von der innigen Liebe der Mutter wegzubewegen und eine Disziplin aufzubauen, sodass es eine exzessive Eigenliebe vermeiden kann. Dies stellt sicher, dass das Kind in der Lage ist, sich selbst in passender Weise als eine Person in Beziehung mit anderen zu identifizieren. Das ist entscheidend für Jungen wie auch für Mädchen.

Die Beziehung eines Kindes mit seinem Vater ist zentral für die Selbstidentifizierung eines Kindes, die stattfindet, wenn wir aufwachsen. Wir brauchen diese sehr enge und bejahende Beziehung mit der Mutter, aber gleichzeitig ist es die Beziehung mit dem Vater – die von Natur aus distanzierter, aber nicht weniger liebevoll ist –, welche unser Leben diszipliniert. Sie lehrt das Kind, ein selbstloses Leben zu führen, bereit, jene Opfer die begrüßen, die notwendig sind, Gott und einander getreu zu sein.

Ich erinnere mich an die Mitte der 1970er-Jahre. Junge Männer erzählten mir, dass sie sich in gewisser Weise vor der Ehe fürchteten wegen der radikalisierenden und selbstbezogenen Einstellungen von Frauen, die in dieser Zeit hervortraten. Diese jungen Männer waren besorgt, dass die Schließung einer Ehe schlicht nicht funktionieren würde wegen konstanten und aufdringlichen Forderungen nach Rechten für Frauen. Diese Spaltungen zwischen Frauen und Männern sind seitdem schlimmer geworden.

Jeder weiß, dass Frauen von Männern misshandelt wurden und werden können. Männer, die Frauen misshandeln, sind keine wahren Männer, sondern falsche Männer, die ihren eigenen männlichen Charakter verletzt haben, indem sie Frauen misshandelten.

Die Krise zwischen Mann und Frau wurde sehr verschlimmert durch einen vollständigen Zusammenbruch der Katechese in der Kirche. Junge Männer wuchsen auf ohne angemessene Einweisung hinsichtlich ihres Glaubens und des Wissens um ihre Berufung. Junge Männer wurden nicht gelehrt, dass sie nach dem Bild Gottes geschaffen sind – Vater, Sohn und Heiliger Geist. Diese jungen Männer wurden nicht gelehrt, all jene Tugenden zu kennen, die notwendig sind, um ein Mann zu sein, sowie den besonderen Gaben nachzukommen, ein Mann zu sein.

Um es noch schlimmer zu machen, gab es eine sehr substanzlose, oberflächliche Art des katechetischen Ansatzes zur Frage der menschlichen Sexualität wie zur Natur der ehelichen Beziehung.

Gleichzeitig gab es in der Gesellschaft eine Explosion in Sachen Pornografie, die besonders zerstörerisch für Männer ist, weil sie die ganze Wirklichkeit der menschlichen Sexualität schrecklich verzerrt. Sie führt Männer und Frauen dazu, ihre menschliche Sexualität abgesondert zu sehen von einer Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau in der Ehe.

In Wahrheit ist das Geschenk sexueller Anziehung auf die Ehe gerichtet, und jede Art sexueller Verbindung gehört korrekterweise nur in die Ehe. Aber die ganze Welt der Pornografie verdirbt junge Leute dahingehend, dass sie glauben, ihre sexuelle Fähigkeit diene ihrer eigenen Unterhaltung und Lust – und wird so zu einer zerstörenden Lust, die eine der sieben Todsünden ist.

Das Geschenk der menschlichen Sexualität ist verdreht in ein Mittel zur Selbstbefriedigung, oft auf Kosten einer anderen Person, ob in heterosexuellen oder homosexuellen Beziehungen. Ein Mann, der nicht ausgestaltet wurde mit einer angemessenen Identität als Mann und als Vaterfigur, wird letztendlich sehr unglücklich werden. Diese schlecht ausgestalteten Männer werden abhängig von Pornografie, sexueller Freizügigkeit, Alkohol, Drogen, und der ganzen Skala von Süchten. Zudem ist in diesem Mix … Rede ich zu viel?

Matthew James Christoff: (lacht) Nein, nein …

Kardinal Burke: Um diese traurige Verwirrung von Männern in der Kultur zu verschlimmern, hat es einen schrecklichen Verlust an häuslichem Leben gegeben. Die Kultur ist sehr materialistisch und konsumorientiert. Diese Beschäftigung hat den Vater – und oft die Mutter – dazu geführt, Überstunden zu arbeiten. Die Konsumentenmentalität hat auch zu der Idee geführt, dass das Leben von Kindern mit Aktivitäten angefüllt sein muss: Schule, Sport und Musik, und alle Arten von Aktivitäten an jedem Tag der Woche.

All jene Dinge sind in sich gut, aber es hat einen Verlust an Ausgeglichenheit gegeben. Das häusliche Leben, bei dem Kinder angemessene Zeit mit den Eltern verbringen, ist für viele Familien verloren gegangen. Familien haben aufgehört, sich gemeinsamer Mahlzeiten zu erfreuen. Ich erinnere mich, wie mein Vater uns am Essenstisch Lektionen erteilte und Manieren beibrachte. Zeit im Gespräch mit meinen Eltern zu verbringen war für mein Heranwachsen sehr wichtig. Als ich ein junger Priester war, hat es mich traurig gemacht, dass Eltern und Kinder mir erzählten, dass Väter und Kinder selten miteinander redeten und – wenn sie es taten – nur kurz.

Familien sollten zumindest eine Mahlzeit pro Woche zusammen essen, wenn die ganze Familie beisammen ist. Ein Junge oder junger Mann wird kaum eine korrekte männliche Identität und die männlichen Tugenden aufbauen, lebt er nicht mit einem Vater und einer Mutter, wenn er jene einzigartige und komplementäre Interaktion erleben kann zwischen dem Mann und der Frau im häuslichen Leben, in dem menschliches Leben begrüßt, gefördert und entwickelt werden kann.

All diese verschiedenen Kräfte sind zusammengekommen und haben Männer schwer verwundet.

Leider hat die Kirche nicht effektiv auf diese zerstörerischen kulturellen Kräfte reagiert. Stattdessen hat sich die Kirche zu sehr von einem radikalen Feminismus beeinflussen lassen und die ernsthaften Bedürfnisse von Männern ignoriert.

Meine Generation hat die vielen Gnaden, mit denen wir in unserem soliden Familienleben gesegnet wurden, sowie unsere solide Formung durch die Kirche als selbstverständlich betrachtet. Meine Generation ließ all diesen Unsinn der sexuellen Verwirrung, des radikalen Feminismus und des Zusammenbruchs der Familie weiterlaufen und realisierte nicht, dass wir die nächsten Generationen der höchstgeschätzten Geschenke beraubten, die zu empfangen wir gesegnet waren.

Wir haben die gegenwärtigen Generationen schwer verwundet. Junge Leute beklagten sich verbittert bei mir als Bischof: „Warum wurden uns diese Dinge nicht beigebracht? Warum wurden wir nicht klarer unterrichtet über die Messe, Beichte und traditionelle Andachten?“ Diese Dinge sind von Bedeutung, da sie das geistliche Leben und den Charakter des Mannes formen.

Zur Beichte und zur Sonntagsmesse gehen, den Rosenkranz abends zusammen als Familie beten, gemeinsame Mahlzeiten zu essen – all diese Dinge geben praktische Führung im christlichen Leben. Zu lernen, dass es nicht männlich ist, vulgär oder gotteslästerlich zu sein, und dass ein Mann einladend und höflich anderen gegenüber ist – dies scheinen kleine Dinge zu sein, aber sie formen den Charakter des Mannes. Davon ist viel verloren gegangen.

Matthew James Christoff: Eminenz, was war die Auswirkung dieser katholischen „Männerkrise“ auf die Kirche?

Kardinal Burke: Die Kirche wird sehr feminisiert. Frauen sind selbstverständlich wunderbar. Sie antworten sehr natürlich auf die Einladung, in der Kirche aktiv zu sein. Abgesehen vom Priester ist der Altarraum nun voller Frauen. Die Aktivitäten in der Pfarrei und sogar die Liturgie sind so von Frauen beeinflusst worden und wurden mancherorts so weiblich, dass Männer sich nicht engagieren wollen.

Männer zögern oft, in der Kirche aktiv zu werden. Die feminisierte Umgebung und der Mangel an Einsatz auf Seiten der Kirche, Männer einzubinden, hat viele Männer dazu geführt, sich einfach auszuklinken.

Es wurde beispielsweise politisch inkorrekt, über die Ritter des Altares zu reden – eine Idee, die für junge Männer sehr attraktiv ist. Die Ritter des Altares betonen die Idee, dass junge Männer ihren ritterlichen Dienst am Altar leisten, um Christus in den heiligen Wirklichkeiten der Kirche zu verteidigen. Diese Idee ist an vielen Orten heute nicht willkommen.

Aspekte des kirchlichen Lebens, die den männlichen Charakter von Andacht und Opfer betonen, wurden nicht mehr betont. Andachten, die Zeit und Einsatz verlangten, wurden schlicht aufgegeben. Alles wurde so einfach, und wenn die Dinge einfach sind, so denken Männer nicht, dass sie sich lohnen.

Es gab – und gibt weiterhin – schwerwiegende liturgische Missbräuche, welche die Männer stören.

An vielen Orten wurde die Messe sehr priesterzentriert, sie war wie eine „Priester-Show“. Diese Art von Missbrauch führt zu einem Verlust des Sinnes für das Heilige und entfernt so das wesentliche Geheimnis aus der Messe. Die Realität geht verloren, dass Christus selbst auf den Altar hinabsteigt, um sein Opfer auf Kalvaria zu vergegenwärtigen. Männer sind angezogen vom Geheimnis des Opfers Christi, schalten aber ab, wenn die Messe zu einer „Priester-Show“ oder banal wird.

Die ungezügelten liturgischen Experimente nach dem Zweiten Vatikanum – das meiste davon nicht durch das Zweite Vatikanum gebilligt – entkleidete den Ritus der Messe in weiten Teilen seiner sorgfältigen Artikulation der heiligen Geheimnisse, die über Jahrhunderte hinweg entwickelt worden war. Die Messe schien etwas sehr vertrautes zu werden, aufgeführt von Menschen. Der profunde übernatürliche Sinn des heiligen Geheimnisses wurde verdunkelt.

Der Verlust des Heiligen führte zu einem Verlust der Teilnahme von Frauen und Männern. Aber ich denke, dass insbesondere Männer wegen des Verlustes des Heiligen abgeschaltet haben. Es scheint eindeutig, dass viele Männer nicht zu einer tieferen liturgischen Spiritualität hingezogen sind. Heute sind viele Männer nicht zum Altardienst hingezogen.

Junge Männer und Männer antworten auf Strenge, Präzision und Vorzüglichkeit. Als ich lernte, ein Messdiener zu sein, dauerte die Ausbildung mehrere Wochen, und man musste das Stufengebet auswendig lernen. Es war ein strenger und sorgfältig ausgeführter Dienst. Plötzlich, im Zuge des Zweiten Vatikanums, wurde die Feier der Liturgie vielerorts sehr nachlässig. Sie wurde weniger attraktiv für junge Männer, denn sie war schluderig.

Die Einführung von Messdienerinnen führte auch bei vielen Jungen dazu, den Altardienst aufzugeben. Junge Burschen wollen nichts mit Mädchen zu tun haben. Das ist ganz natürlich. Die Mädchen waren auch sehr gut beim Altardienst. Also trieben viele Jungen im Laufe der Zeit weg. Ich möchte betonen, dass die Praxis, ausschließlich Jungen als Messdiener zu haben, nichts mit Ungleichheit von Frauen in der Kirche zu tun hat.

Ich denke, dass dies zu einem Verlust an Priesterberufungen beigetragen hat. Es bedarf einer gewissen männlichen Disziplin, als Ministrant an der Seite des Priesters zu dienen, und viele Priester haben ihre ersten tiefen Erfahrungen der Liturgie als Messdiener. Wenn wir junge Männer nicht anleiten, Messdiener zu sein, und ihnen so das Erlebnis geben, Gott in der Liturgie zu dienen, sollten wir nicht überrascht sein, dass die Zahl der Berufungen dramatisch gefallen ist.

Übersetzung: Katholisches.info/b360s
Bild: Newemangelization.com

drucken
Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat:
Unterstützen Sie bitte Katholisches.info mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht

14 Comments

  1. Kardinal Burke spricht einmal mehr Klartext. Die Verweiblichung der Kirche und der damit verbundene Verlust des Heiligen in der hl. Liturgie ( Stichwort Eigenbauliturgien) haben vielerorts zur Verdunstung der katholischen Identität geführt.

    Wir erinnern uns; in der Jesuitenzeitschrift „Civilta‘ Cattolica“ wurde eine Aussage von Papst Franziskus wiedergegeben….über die Rolle der Frau in der Kirche:
    -“Die Räume einer 
    e i n s c h n e i d e n d e 
    weiblichen Präsenz in der Kirche müssen weiter werden.
    Die katholische Kirche steht heute vor der Herausforderung,
    über den „spezifischen Platz der Frau“ nachzudenken.
    Das gilt 
    gerade auch dort,
    wo in den verschiedenen Bereichen der Kirche Autorität ausgeübt wird“
    -

    Hw Sieberer beschreibt das verdrehte „weibliche Wirken“ gerade auch in der theologischen Ausbildung:
    -
    „Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang auch 
    Psycho-Tanten und Onkels
    mit einem gewaltigen Arsenal an Tänzen, Räucherstäbchen und Eigenbauliturgien. 
    Händchenhaltend bewegen wir uns nun im Kreis, 
    spüren ganz tief in uns hinein, 
    lassen den Tabernakel einfach mal Tabernakel sein
    und wenden uns lieber den bunten Tüchern, Glasperlen und Klangschalen 
    in unserer Mitte zu, die uns vom 
    Zeitalter des absoluten Relativismus künden. 
    Das Transzendente ist so vielfältig und bunt, 
    also kann ruhig auch einmal 
    der Mensch ins Zentrum gerückt werden, 
    eingerahmt von den frohlockenden Rufen der Götter, 
    die im auferstandenen Pantheon mal wieder so richtig Party machen.

    Wer das alles noch nicht so richtig verstanden hat 
    oder tiefgeistig Erworbenes weiter verdichten möchte, 
    der erhält dann auch noch hochwichtige Lesetipps,
    bevorzugt von feministischen TheologInnen 
    („Gott, meine Freundin” „Christa statt Christus” „Die Apostelin Junias” 
    und ähnliche Highlights).“
    -

    Es ist nicht übertrieben davon zu reden, 
    dass mit dem Eindringen der Frau 
    in den Altarraum ( rund um den „Altartisch / Volksaltar“ )
    die katholische Identitätnahezu verloren gegangen ist.

    Wenn erstaunt es noch, 
    dass es sich zum Priestertum berufen fühlende Männer 
    zu der hl. Messe der Jahrhunderte 
    - der Alten Messe - 
    und somit zu Priesterseminarien der Tradition zieht !

    Ungachtet der bislang mehr als genug überwiegend verheerenden „weiblicher Impulse“ setzte Papst Franziskus noch Eines drauf und massregelte in Manila die fehlende Frauenpräsenz. Folgende Meldung wird aktuell genüsslich in freigeistig angehauchten Medien ausgebreitet:
    -
    „Papst Franziskus hat sich bei seinem Besuch einer Universität in Manila über den 
    Mangel an Frauen in der offiziellen Delegation beschwert.
    Mehrere junge Leute durften dem Papst Anliegen vortragen, 
    aber darunter war nur ein Mädchen, 
    die zwölfjährige Glyzelle Palomar, die als Straßenkind aufwuchs. 
    „Das ist zu wenig“, 
    sagte der Papst in der philippinischen Hauptstadt.“ Frauen haben viel zu sagen“
    „Wir sind oft zu ‚macho‘ und lassen den Frauen keinen Raum. 
    Aber sie sehen die Dinge mit anderem Blick und können Fragen stellen, 
    die wir Männer noch nicht einmal verstehen. 
    Also, wenn der nächste Papst kommt: 
    *bitte mehr Frauen und Mädchen!“ 
    Denn Frauen hätten in der heutigen Gesellschaft viel zu sagen. “
    -

  2. Ein höchst merkwürdiger Artikel , möchte ich als Familienvater (bei Berufstätigkeit beider Eltern)
    und Ehemann dazu sagen . Schon die Bezeichnung radikaler Feminismus fürrt vollständig in die
    Irre, weil damit eine Ideolgie gemeint ist , die , in ihrer Extremität , nur von einer Minderheit von
    Frauen , die z.t. noch nicht einemal die Ehe gutheißen , vertreten wird .
    Es geht doch eigentlich um die Rechte von Frauen , die ihre gottgegeben Talente in einem ent-
    sprechenden Beruf realisieren wollen . Ich war froh , dass meine Frau berufstätig war und aus
    ihrem Beruf Befriedigung und Zufriedenheit ziehen konnte , die uns allen zugute kam .
    Selbstverständlich musste ich Aufgaben übernehmen , die Männer früher als „unter ihrer Würde“
    bezeichnet hätten , ich habe mich aber deswegen nicht weniger „männlich“ gefühlt .
    Das Zeitalter der Patriarchen , wie es ja noch im Islam vorhanden ist , ist gottlob in den
    westlichen Ländern auf dem Rückzug .Die Ursachen dafür sind sehr komplex und nicht zuletzt
    ein Ergebnis ökonomischer Entwicklungen .
    Das Rad der Geschicht kann der Kardinal nicht zurückdrehen . Nostalgie ist o.k. , aber das wars
    dann auch schon !

  3. Wie ich schon an anderer Stelle sagte, ist an diesem Statement vieles verzerrt, übertrieben und selbstmitleidig.

    Was der Kardinal von den armen Männern berichtet, erdulden Frauen oft klaglos seit Menschengedenken – und kein Hahn hat danach gekräht!
    Z.B. wirft er den Frauen vor, die armen Männer durch ihre Selbstbezogenheit vor der Ehe zurückweichen zu lassen. Wenn ich an meine Jugend denke, muss ich sagen – da hängt wohl etwas ziemlich schief in der Argumentation, denn in den 70ern waren es v.a. Männer, die nicht heiraten wollten, zwar Sex haben wollten, aber wehe, man äußerte, dass man eine Ehe anstrebt…

    Vielmehr waren beide Geschlechter im Prinzip damals in einer mentalen Verfassung angelangt, die nur noch selbstbezogen war.

    Vielleicht kann auch nur ein Amerikaner so lebens- und geschichtsfern argumentieren: die Europäer sind v.a. durch die Kriege in der geschlechtlichen Reifung endgültig total zerstört worden. Darüber ist soviel geforscht und geschrieben worden, dass ich es nun hier nicht wiederholen will. Die Frau wurde durch die Kriege in die Männerdomänen eingesetzt. In den 50ern versuchte man, sie wieder auf „Frauchen“ zu trimmen, was aber nach der tiefen Traumatisierung des ganzen Volkes misslang.
    Zu tief und offenkundig die Verlogenheit, die Doppelmoral, die kaputte männliche Psyche. Kein Hahn hat nach dem Mann gekräht, als er es war, der zuerst entgleiste. Außer ein paar Christen, die schon im 19. Jh diese Pervertierung und Hurerei des Mannes beklagten und bekämpften, die wunden Punkte anzeigten … es kam ja nicht von Ungefähr, dass der Mann zum Jahrhundertwechsel Todessehnsucht hatte und daher begeistert in den Krieg zog… – und das alles lange bevor sich eine Frau auch nur regte. Wer sich einmal ansieht, was im gehoben Bürgertum alles ablief, wird das bestätigen müssen. Als dann Millionen an Männern durch die Weltkriege ausfielen, die Frauen alleine dastanden, brach in der Frau der blanke Überlebenstrieb hervor und die Gewissheit: auf den Mann kannst du nicht niemals mehr verlassen.

    Auch geistlich war es der Mann, der versagte – bereits im 19. Jh. Diese Tendenz kam dann im Vaticanum II zum vollen Durchbruch: es waren ausschließlich Männer, die die verhängnisvollen Entscheidungen trafen.

    Ich kann übrigens auch keine Feminisierung in der Kirche sehen – wo denn?
    Die spezifische geistliche Berufung der Frau ist doch noch viel mehr passé als die des Mannes – immerhin gibt es das Priestertum ja noch (was aber die Männer nicht mehr wollen)…

    Maria? Vergessen oder verhöhnt oder abgewehrt als angebliche Jesus-Konkurrenz!
    Mutterschaft? Abgewertet als „untergeordnete Aufgabe“!
    Gabe der Prophetie? Verkitscht oder verlästert!
    Lehrerinnen? dito

    Es gibt keine Frau mehr – es gibt nur noch rosa und hellblaue Pseudomänner.

    • … und was ich noch vergessen habe: das mit dem Hl. Josef ist auch so etwas: in der Westkirche wurde der lange nicht besonders verehrt – das kam erst so richtig im 19. Jh auf mit Leo XIII. Pius IX. hat ihn zwar zum Patron der Kirche erklärt, wollte ihn aber nicht im Messkanon haben. Auch die volkstümliche Verehrung der „Hl. Familie“ kam erst im 19. Jh so richtig groß auf. Zuvor war das nicht im Zentrum gestanden, wie auch die Kunst uns zeigt: man verehrte Maria mit dem Kind. Tausende von Statuen bezeugen das. es gab „Hl. Familien mit viel mehr Personen dabei, die „Hl. Anna selbdritt“ (ohne Josef) oder ganze Familienaufstellungen.
      Die Verehrung der „kleinen“ Hl. Familie kann man wohl auch nur vor dem Hintergrund des Verlustes der Großfamilien verstehen, denn just in dem Zeitraum kam sie überhaupt erst in dieser Zuspitzung „Jesus Maria Josef“ auf.

      Die Einfügung des Hl. Josef in den Messkanon ist ganz jung: durch Johannes XXIII.
      Durch die Umdeutung Josefs als „Arbeiter“ durch Pius XII. geriet seine väterliche und keusche Rolle aus dem Blick und der hausferne, abwesende, Arbeiter-Vater, der ja wesentlich zu den heutigen Zuständen geführt hat, wurde salonfähig.

      Es ist nicht gut, das alles nun zurechtzubürsten für eine ideologische Restauration ins – ja ins Wohin eigentlich?

      • Omnia instaurare in Christo – das ist die wahre Restauration.
        Wenn unsere gottlose Zivilisation durch Selbstzerstörung, Kataklysmen und Strafgerichte zerschlagen ist, dann wird das vielleicht übriggebliebene Zehntel der Menschheit wieder nach Gottes Geboten leben. Ehebruch wird bestraft werden, die Frauen werden knöchellange Röcke tragen. In der Gemeinde werden sie schweigen, und wenn sie etwas von der Lehre nicht verstehen, werden sie zuhause ihre Männer fragen, ganz wie der hl. Apostel Paulus es von den Gläubigen verlangt. Die Männer werden tugendhafte Männer, und die Frauen tugendhafte Frauen sein, und sie werden ihre Kinder zur Tugend erziehen. Es wird eine liebenswerte Menschheit sein.

      • Aha – wo stehen denn in Ihrer Bibel knöchellange Röcke? In meiner seht das nichts davon…zumal Kleidung etwas sehr Kulturabhängiges ist, nein?
        Ihr Horizont endet offenbar in der Trachtenmode in Süddeutschland – schon die mitteldeutschen Trachten dürften dann „zu kurz“ sein…
        Warum plädieren Sie nicht für römische Togen und so, damit es erst richtig „biblisch“ wird….aber dann bitteschön auch für Männer, denn das war die Kleidung, die der Apostel Paulus trug und zwar ohne Unterwäsche, weil die Römer im gegensatz zu den Germanen die Hose (die dort auch Frauen trugen) nicht kannten. Dabei werden zwar alle nierenkrank, aber es ist wenigstens urchristlich.
        Und zu seiner Zeit waren Frauen im Heidentum so verdummt und verwahrlost worden, dass sie selbst noch von den dümmsten Mann zuhause belehrt werden konnten.
        Leider hat die Kirche durch unermüdliche Bildungsarbeit und Religionsunterricht für beide Geschlechter diese unsäglichen Verhältnisse ein für allemal zum Verschwinden gebracht – war wohl ein Fehler: nun können die armen Männer die bösen Frauen nicht mehr belehren, weil die Talente vom lieben Gott nun mal nicht nach dem Gießkannen- und schon gar nicht nach dem Geschlechterprinzip ausgegossen worden sind….

        Das erinnert mich alles an islamistische Neu-Gesellschaften: die operieren mit demselben Wahnsinn. Ehebrecher wrden gesteingigt, Gotteslästerer ermordet, Mädchen dürfen nicht mehr zur Schule gehen, und es ist eine richtig liebenswerte Menschheit.

        Einfach paar Handgriffe machen und wir haben das Paradies auf Erden.

        Bravo – welch eine katholische Perspektive!

    • Wenn Sie keine Feminisierung der Kirche erkennen können, so ich doch eine Effeminierung derselben, deutsch könnte man sagen: Verweibischung, was ihr sehr zum Nachteil ausschlägt.
      Männer und Frauen zugleich sollten sich an die Weisungen des hl. Paulus halten, von denen er ausdrücklich sagt, dass sie nicht von ihm selbst sind, sondern vom Herrn.
      Indes unteschlägt die verweibischte Kirche diese Weisungen zum Teil, was auch daran zu bemerken ist, dass sie nicht als gottesdienstliche Lesung auftauchen und aus der Sakramentenspendung getilgt wurden.

      • Kurz und knapp: Unsinn! (Verzeihung)
        Sie argumentieren wie ein protestantischer Megahäretiker und wissen ganz genau, dass das Lehramt mit diesen zum Teil sprachlich und sachlich sehr unklaren „Weisungen“ immer moderat umgegangen ist, ihnen nicht die Bedeutung zugemessen hat wie Sie das nun aufbauschen und die fanatische Auffassung, wie Sie sie vortragen, die immer wieder mal aufkam, grundsätzlich niemals bestätigt hat.

        Nicht was Sie im Gefolge ultraevangelikaler Bibelexegese aus der Bibel herauszulesen vermeinen ist relevant, sondern ob das übereinstimmt mit dem Verständnis, das die Kirche davon hatte. Lesen Sie diesbezgl. „Dei filius“ vom Vat. I. Alles andere wird dort nämlich als häretisch verworfen.

      • Zufällig weiß ich recht gut, wie die katholische Kirche das über die Jahrhunderte ausgelegt hat, beginnend mit den Kirchenvätern bis ins 20. Jahrhundert, nämlich so, wie es da geschrieben steht.

  4. Ich denke dieses Interview wurde von einigen Seiten missverstanden. Es geht hier nicht darum ob Männer Frauen oder Frauen Männer unterdrücken oder um ähnliche Schuldzuweisungen, sondern schlicht und einfach darum, wie die Kirche speziell auf Männer zugehen kann und sie zu einem frommen, katholischen Lebensstil führen kann. Man spricht derzeit soviel über frauengerechte Theologie, Emanzipation der Frau in der Kirche etc. scheint aber nicht zu bemerken, dass das gläubige Volk in der Hl. Messe, jedenfalls in meiner Heimat, zu fast drei Vierteln aus älteren Damen besteht, dass der Priester im Chorraum neben den Ministrantinnen, Lektorinnen, Laienkommunionspenderinnen und der Sakristanin regelmässig das einzige männliche Wesen ist, auch die Freiwilligenarbeit grossteils auf den Schultern der Frauen ruht. Das mag in einem Priorat der Piusbruderschaft anders sein, aber in den üblichen Novus-Ordo-Messen stellt dies durchaus ein alltägliches Szenario dar. Damit spricht der Kardinal auf jeden Fall durchaus ein brandaktuelles Thema an, denn es sollte ja nicht Aufgabe der Kirche sein, nur die Frauen sondern eben zwischendurch auch mal ein paar Männer in den Himmel zu führen.

    • Nein das nicht – da haben Sie recht, aber man kommt ja nicht zum Glauben, weil einem ein roter Teppich ausgelegt wird.

      Die erwähnten alten Frauen stellen ohnehin überall die Mehrheit in Sachen Religion. Sie sind auch die, die täglich das Rosenkranzgebet aufrecht halten zum Beispiel. Ohne sie wäre es in fast allen Kirchen inzwischen tot.
      Ich frage aber in die Runde: was bitteschön hält einen gutwilligen Mann davon ab, Rosenkranz zu beten?
      Doch nicht die Tatsache, dass alte Frauen das Gebet lebendig halten!
      Gab es nicht jahrhundertelang Rosenkranzbruderschaften und glühende Beter unter Männern – viele, viele?
      Ich sagte es oben: die Katastrophe in der Kirche haben nun mal nicht die Frauen entschieden oder eingeführt, sondern die Männer (Vat. II).
      Die Frauen machen wie exakt das, was das Konzil ihnen abverlangt: tätige Mitwirkung.
      Es gab eine Zeit, in der man in der Kirche die Präsenz und Stärke der Frauen geschätzt hat, und die Männer haben sich durchaus davon mitziehen lassen.

      Warum ist das nicht mehr so? (Der Mensch hat sich nicht geändert seither!)

      Das Problem ist, dass durch das Vat. II der lebendige, tief ergebene Glaube ausgelöscht ist. Man denkt und lehrt seither, Glaube sei „Engagement“.
      Während Frauen aufgrund ihres Wesens für (soziales) Engagement offen sind, sind Männer eher abgeneigt, sich damit allzuviel zu beschäftigen.

      Verloren haben aber alle – sowohl die Frauen als auch die Männer.

      • Sie haben durchaus Recht, der Ursache all dieser Probleme ist, wie auch der Kardinal ausführt, mangelnder Glaube, miserable Katechese, fehlendes Sündenbewusstsein. Wir Männer brauchen Gebrauchsanweisungen, wenn wir wissen: um in den Himmel zu kommen, um Heilig zu werden muss ich jenes tun, das andere unterlassen, dann versuchen wir es auch zu tun. Aber als die Priester von der Kanzel verkündet haben: „Wenn ihr nicht mögt, braucht ihr nicht mehr zur Messe zu kommen, und beichten muss man höchstens dann, wenn man jemanden totgeschlagen hat.“ (was vielerorts tatsächlich so geschehen ist), da sind die Männer eben zu Hause geblieben. Als sie rational keinen Sinn mehr dahinter sahen, den Rosenkranz zu beten („in den Himmel kommt ja ohnehin jeder ausser evtl. Hitler und Stalin“), dann haben sie ihn nicht mehr gebetet. Mann kommt nicht zwingend zum Glauben, wenn einem der rote Teppich ausgelegt wird, man sollte es den Leuten aber auch nicht unnötig schwer machen.

  5. =“Alles wurde so einfach, und wenn die Dinge einfach sind, so denken Männer nicht, dass sie sich lohnen.“=

    =“Es scheint eindeutig, dass viele Männer nicht zu einer tieferen liturgischen Spiritualität hingezogen sind.“=

    Das ist ein Widerspruch und als solcher Symptom für die Unfruchtbarkeit solcher Ansätze.
    Männlichkeit im geistlichen Sinne (!!!), ist nach dem Apostel mit der „Nüchternheit und Wachsamkeit“ verknüpft und wird an sich Männern und Frauen gleichermaßen empfohlen.
    Mannsein in einer geistlichen Dimension ist nichts, was man pädagogisch „erzeugen“ kann. Hier wirkt viel zusammen, aber was immer man anleiert, es muss vom mann (bzw. der Frau) willentlich ergiffen werden. Ob es nicht eher da hapert? Soviel Ehrlichkeit muss sein!

    Was uns allen fehlt ist seit dem Vaticanum II der Raum, in dem wir uns „leicht“ entwickeln können – scheinbar, scheinbar.
    Nun ist aber die Pforte bekanntlich „eng“ und der Weg „schmal“. Ist es wirklich förderlich, wenn man den Mann nun bestätigt in seiner Bequemlichkeit? Man hat dem Ärmsten IN DER KIRCHE so viele Hindernisse in den Weg gestellt? Obwohl er 2 Jahrtausende Macht hatte und hat?

    Was sollen da die sagen, die für IHN jedes Hindernis überwunden haben, die Heiligen, die mit echten Hindernissen kämpfen mussten?

    Denn wenn wir als getaufte katholiken nicht glauben und uns vom Himmel selbst nicht erziehen lassen wollen, gleich ob Mann ob Frau, sind nicht die „Verhältnisse“ schuld – so argumentiert aber der Kardinal und offenbart damit sein materialistisches Denken durch die Hintertüre – sondern unser Unwille ist es, zumal dann, wenn wir die Schrift kennen, trotz Verluste immer noch viel wissen über die Lehre, im Grunde keine Ausflucht haben….

    Anderes kann man über „die da draußen“ sagen, die es wirklich nicht mehr besser wissen, aber wir „drinnen“?

    M.E. verwickelt man sich in sinnlose Widersprüche und Polarisierungen, wenn man nicht das nennt, was eigentlicher Auslöser der Krise ist: die Materialisierung und Psychologisierung des Geistlichen seit dem Vaticanum II.

    Der Kardinal ist aber nicht Manns genug, diesen Umstand auch glasklar zu sehen und zu nennen. Wie soll man von einer Vergiftung gesunden, wenn man das Gift weiterhin trinkt?
    Er will festhalten an dieser Scheinkirche und in ihr Kirche spielen – das wird im Fiasko enden.

Comments are closed.