Roberto de Matteis spitze Antwort auf einen jesuitischen Winkeladvokaten zur Zweitehe

Bischofssynode in Rom 2014
Bischofssynode in Rom 2014

(Rom) Die Bischofssynode tagt in Rom und die Fronten klären sich. Die deutschen Synodalen lassen keinen Zweifel, daß sie die Unauflöslichkeit der Ehe kippen wollen. Daß sie ihre Forderung in salbungsvolle Worte kleiden, ändert an der Absicht nichts. Die mit vatikanischer Druckerlaubnis erscheinende Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica eilte mit dem Aufsatz eines „jesuitischen Winkeladvokaten“ Kasper zu Hilfe. Der bekannte Historiker Roberto de Mattei verfaßte eine spitze Antwort auf die „venezianische Zweitehe“ von Pater Giancarlo Pani.

Papst Franziskus äußerte sich noch nicht zur Frage der Kommunionzulassung wiederverheiratet Geschiedener. Eine Reihe von Signalen weist jedoch daraufhin, daß er Kaspers These, des Wortführers der „Liberalen“ wohlwollend unterstützt. Ohne seine Zustimmung hätte Kasper keine privilegierte Stellung beim Kardinalskonsistorium gehabt, wären die maßgeblichen Positionen in der Bischofssynode nicht strategisch zugunsten Kaspers besetzt worden, würde die Jesuitenzeitschrift Civiltà Cattolica, mit Druckerlaubnis des von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin geleiteten Staatssekretariats Kasper nicht zu Hilfe eilen.

Der Papst tätigte allerdings auch einige persönliche Aussagen: Er lobte gleich beim ersten Angelus nach seiner Wahl Kardinal Kasper und dessen Buch über die Barmherzigkeit, das im Wesentlichen als Grundlage für seine Forderung nach einem Primat der Praxis vor der Lehre gilt. Er dankte Kasper überschwenglich im Konsistorium, als andere Kardinäle Empörung äußerten und lobte Kaspers These als „Theologie auf den Knien“.

Führende Theologen und Kirchenrechtler sehen in Kaspers These hingegen eine Häresie oder eine These, die der Häresie sehr nahe kommt, wie der bekannte Historiker Roberto de Mattei aufzeigt. In der Tageszeitung Il Foglio veröffentlichte er am 7. Oktober eine spitze Antwort auf den Vorstoß der „Civiltà Cattolica“, in der Pater Giancarlo Pani am Vorabend der Bischofssynode im Gewand eines „jesuitischen Winkeladvokaten“ (Roberto de Mattei) Kasper zu Hilfe eilte. Die Zwischentitel stammen von der Redaktion.

.

Die Abenteuer des Kirchenbanns, der die Kirche der Scheidung verhindert

von Roberto de Mattei

Der Riß in der überlieferten Moral hat keine geschichtlichen und theologischen Grundlagen. Die Jesuiten suchen die Wurzeln der Ostkirche, doch nicht einmal die griechische Scheidung taugt dafür.

Die Synode, die eröffnet wurde, wird nicht wegen ihrer Dokumente in die Geschichte eingehen, sondern wegen der Bedeutung, die dem Ereignis zugemessen wird: der eines „Risses“ in die überlieferte Moral, der in der Formel eines Vorrangs der pastoralen Praxis über die Lehre zusammengefaßt wird.

Die These wird von historischen und theologischen Beiträgen unterstützt, die vorsätzlich in die Irre führen, wie der Artikel des Jesuiten Giancarlo Pani, der am Vorabend der Synode in der Civiltà Cattolica mit dem Titel „Ehe und Zweitehe beim Konzil von Trient“ (Heft Nr. 2943 vom 4. Oktober 2014) erschienen ist. In diesem Aufsatz berichtet der Autor von „einem der innovativsten Dekrete des Konzils von Trient: dem über die Ehe, ‚Tametsi‘ genannt“, indem er behauptet, daß die Kirche, die die Lehre Luthers und der Reformatoren verurteilt, im siebten Canon des Dokuments „die Traditionen der Griechen unbeeinträchtigt läßt, die im konkreten Fall eine neue Ehe tolerieren“.

Die Konzilsväter hätten nämlich den Text abgemildert und es vermieden, ein Anathem gegen die Praxis in einigen venezianischen Kolonien zu erlassen, in denen bei Ehebruch die Möglichkeit einer Scheidung und erneuten Eheschließung nach dem vorherrschenden Brauch in der schismatischen griechischen Kirche geduldet wurde.

Irreführende Darstellung mit Druckerlaubnis des Staatssekretariats

Pater Pani, der diese Praxis rechtfertigt, schreibt, daß es auch dem Christen „passieren konnte, in der eigenen Ehe zu scheitern und zu einer neuen Liaison überzugehen; diese Sünde, wie jede Sünde, war nicht von der Barmherzigkeit Gottes ausgeschlossen, und die Kirche hatte und beanspruchte die Macht, ihn loszusprechen. Es handelt sich um die Anwendung der Barmherzigkeit und der pastoralen Nachsicht, die der Schwäche und der Sündhaftigkeit des Menschen Rechnung trägt. Eine solche Barmherzigkeit ist in der östlichen Tradition unter dem Namen der oikonomia erhalten geblieben: obwohl die Unauflöslichkeit der von Gott verkündeten Ehe, als Ikone des Bundes Christi mit seiner Kirche, seiner Braut anerkannt wird, kommt die pastorale Praxis den Problemen der Eheleute entgegen, die in nicht wieder gutzumachenden ehelichen Situationen leben. Nach einer Prüfung durch den Bischof und nach einer Buße, können die Gläubigen versöhnt und die neue Ehe für gültig erklärt werden und sie wieder zur Kommunion zugelassen werden.“

Das ist für Pater Pani die Lektion in Sachen Barmherzigkeit, die das Konzil von Trient erteilt. „Heute“, so schließt er, „scheint es merkwürdig, daß beim Konzil, auf dem die Unauflöslichkeit der Ehe bekräftigt wurde, nicht auch die neue Ehe für die Katholiken der östlichen Tradition verurteilt wurde. Und doch sagt das die Geschichte: ein Kapitel evangelischer Barmherzigkeit für jene Christen, die unter einer gescheiterten ehelichen Beziehung leiden, die man nicht wieder zusammenfügen kann; aber auch ein historisches Geschehnis, das offensichtlich ökumenische Implikationen hat.“

Was sagte das Konzil von Trient wirklich?

Wie lagen die Dinge aber wirklich? Das Konzil von Trient wurde bekanntlich einberufen, um auf den Protestantismus zu reagieren. Luther und Calvin hatten die Bedeutung der Sakramente der Kirche geleugnet oder entleert, darunter auch der Ehe. Das Konzil wollte daher feierlich, auch in diesem Punkt, die rechte Lehre betonen. Am 11. November 1563, der 24. Session, wurde ein Dekret [Matrimonii perpetuum] über das Ehesakrament öffentlich verkündet, das zwölf Canones umfaßt. Der Text des siebten Canon lautet wie folgt:

„Wenn jemand sagt, die Kirche irre, da sie lehrte und lehrt, daß (Mt 19, 6; 1 Kor 7, 10) nach der evangelischen und apostolischen Lehre, wegen Ehebruch des einen Ehegatten, das Band der Ehe nicht aufgelöst werden könne und daß Keiner von beiden, nicht einmal der Unschuldige, der nicht Ursache zum Ehebruch gab, eine andere eingehen könne, so lange der andere Ehegatte lebt und daß derjenige, welche eine Ehebrecherin entlassend, eine andere ehelicht und diejenige, welche den Ehebrecher entlassend, sich einem anderen ehelicht, Ehebruch begehe, der sei im Bann.“

Die Botschafter der Republik Venedig hatten von den Konzilsvätern erbeten und auch erhalten, daß der Canon zwar die Unauflöslichkeit der Ehe bekräftigt, es aber vermeidet, jene explizit zu exkommunizieren, die sagen, daß die Ehe wegen Ehebruchs des anderen Ehepartner aufgelöst werden kann.

Die Bitte entstand aus der Sorge um die griechischen Inseln, die der Seerepublik unterstanden, wo viele Christen dem östlichen Ritus folgten, obwohl sie durch die venezianische Herrschaft lateinischen Bischöfen unterstanden. Die Bedeutung dieses Canons in seiner Endfassung läßt aber dennoch keinen Zweifel. Er stellt eine dogmatische Definition der Unauflöslichkeit der Ehe dar.

Direkte Verurteilung der Protestanten, indirekte der Griechen

Der in jenem Augenblick zu bekämpfende Feind waren die Protestanten und nicht die Griechen, und das Konzil stellte die Behauptungen der Protestanten unter Bann, mit denen sie die der Ehe innewohnende Unauflöslichkeit leugneten. Der Umstand, daß die östliche Praxis nicht explizit verurteilt wurde, bedeutet in keiner Weise, wie aus dem Canon hervorgeht, daß damit deren Scheidung akzeptiert wurde. Der tridentinische Canon, der direkt nur die Protestanten bannte, weil sie die Kirche beschuldigten, zu irren, verurteilte indirekt ebenso jene, die sich auf der Verhaltensebene widersetzten.

In Trient glaubten die Konzilsväter zudem noch, daß die Griechen die Ehe nur im Fall eines Ehebruchs auflösten, während seit mehr als einem Jahrhundert diese Scheidungspraxis sich immer mehr ausweitete. Bereits vor dem Fall Konstantinopels (1453) gewährte die Patriarchalsynode die Scheidung für folgende Gründe: 1) eine ernste Krankheit eines der beiden Ehepartner; 2) völlige Unverträglichkeit des Charakters; 3) Abwesenheit eines Ehepartners für eine Zeit von drei Jahren, oder auch weniger; 4) Verbrechen eines Ehepartners, dessen Verurteilung eine große Schande bedeutet; 5) gegenseitiges Einvernehmen in besonderen, vom Patriarchen anerkannten Fällen aus Gründen, für die er allein ein Urteil beanspruchte.

Kirchenbann gegen protestantische Theorie und östliche Praxis

Die Ehe hatte daher ihren unauflöslichen Charakter verloren und konnte nach Belieben aufgelöst werden, wie es ja auch heute noch geschieht. Ein Großteil der von den Griechen praktizierten Fälle fiel daher direkt unter den Bann von Canon 5 des Konzils von Trient, der festlegt:

„Wenn jemand sagt, wegen Irrlehre oder beschwerlicher Beiwohnung oder vorgeschobener Abwesenheit des einen Ehegatten könne das Band der Ehe aufgelöst werden, der sei im Bann.“

Die übrigen Fälle fallen indirekt darunter.

Es ist daran zu erinnern, daß die griechische Praxis, die vielleicht vor dem tridentinischen Dekret entschuldigt werden konnte, nach dem Konzil als schwere Schuld betrachtet wurde, die durch zahlreiche Verlautbarungen der Kirche verurteilt wurde. 1593 erließ Papst Clemens VIII. (1592-1605) eine Instruktion über die italo-griechischen Riten, in der er ausdrücklich festlegte, daß die Bischöfe aus keinerlei Grund die Scheidung zu tolerieren hatten, und falls irgendeine bereits anerkannt war, hatte sie für null und nichtig erklärt zu werden.

Kirchliche Verlautbarungen und doppeltes Ehenichtigkeitsverfahren

Urban VIII. (1623-1644) verfaßte ein Glaubensbekenntnis, das allen Angehörigen der schismatischen griechischen Kirche abverlangt wurde, die in die katholische Kirche aufgenommen wurden. Dieses Dokument enthält eine Erklärung, in der es heißt, daß Ehebruch zwar eine Trennung rechtfertigen mag, aber absolut nicht eine neue Eheschließung erlaubt. Benedikt XIV. (1740-1758) wiederholt in seiner Instruktion für die Italo-Griechen (1742) Wort für Wort das Dekret von Clemens VIII. Gegen einen sich ausbreitenden Verfall der Sitten in puncto Ehe unter den Polen ordnete derselbe Benedikt XIV. mit dem Dekret Dei miseratione vom 3. November 1741 an, daß in jeder Diözese ein defensor vinculi zu ernennen war, dessen Aufgabe es ist, jeden Antrag auf Eheannullierung anzufechten. Sollte dennoch ein Eheannullierungsdekret gewährt werden, hat er beim übergeordneten Gericht Berufung dagegen einzulegen.

Dieser Grundsatz, daß eine Ehe erst dann annulliert ist, wenn zwei Gerichte zu diesem gleichen Urteil kommen, wurde im Codex Iuris Canonici von 1917 ebenso festgeschrieben, wie in der Apostolischen Konstitution Sacrae Disciplinae Leges vom 25. Januar 1983 von Johannes Paul II., wird aber heute von der Kasper-Partei in Frage gestellt.

Pater Pani behauptet Neuheit, die in Wirklichkeit längst abgehandelt ist – auch von Jesuiten

Der Verfasser des Artikels der Civiltà Cattolica ignoriert, daß gerade auch innerhalb der Gesellschaft Jesu Kirchenrechtler wie Pater Franz Xaver Wernz (1842-1914) und Pater Pedro Vidal (1867-1938) und Theologen wie Pater Giovanni Perrone (1794-1876) die Frage bereits behandelt haben, die er für neu hält, und den Beweis erbrachten, daß die Eheschließungen more graeco unter den Kirchenbann fallen.

Pater Perrone, einer der Hauptvertreter der Römischen Schule des 19. Jahrhunderts erklärte in seinem grundlegenden Werk über die Ehe in Abhandlung „de Graecorum more ac praxi“, daß der Irrtum der Griechen aus der Praxis kommt und nicht aus der Lehre, deshalb aber nicht weniger schwerwiegend ist und daß das Konzil von Trient eine im Widerspruch zur Lehre der Kirche stehende Praxis nullo modo tolerat imo nec tolerare potest, in keiner Weise duldet oder dulden kann (De matrimonio cristiano, Dessain, Leodii 1861, vol. III, pp. 359-361).

Der Standpunkt jener, die die Unauflöslichkeit der Ehe leugnen, ist formell häretisch. Der Standpunkt jener, die zwar die Unauflöslichkeit der Ehe in der Theorie anerkennen, aber in der Praxis ihre Auflösbarkeit zulassen, wird von Pater Perrone als „der Häresie nahe“ bezeichnet. Das ist das Urteil der zuverlässigsten Theologen und Kirchenrechtler, das über den Standpunkt von Kardinal Kasper und jene fällt, die ihn teilen.

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Asianews

Katholisches wird immer für den Leser kostenlos bleiben. Damit das Magazin Tag für Tag mit neuen Artikel weiterhin erscheinen kann sind Zuwendungen notwendig: Unterstützen Sie bitte Katholisches mit einer Spende.
Zuwendungsübersicht
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
zeitschnur
„Pater Perrone, einer der Hauptvertreter der Römischen Schule des 19. Jahrhunderts erklärte in seinem grundlegenden Werk über die Ehe in Abhandlung „de Graecorum more ac praxi“, daß der Irrtum der Griechen aus der Praxis kommt und nicht aus der Lehre…“ – Ob das wirklich stimmt? Immerhin hat die orthodoxe Lehre ein verzerrtes Gottesbild und daher auch logisch ein verzerrtes Menschenbild… Wie auch immer – dieser Artikel weist sehr gut nach, dass dieses „Nicht-Verurteilen“ damals keine aktive „Erlaubnis“ bedeutet und von daher auch nichts geschlossen werden kann, wie es neulich mit mir hier verhandelt hat. Er war ja der Meinung, das… weiter lesen »
Wickerl

“ dass dort die Sexualmoral noch intakt sei“ Das habe ich gestern geschrieben, und ich habe den Begriff Ehemoral tunlichst vermieden, Sie können zwischen Sexualität und Ehe nicht unterscheiden, oder sehen sich als USRAEL-oster einfach dazu berufen , Russland alles abzusprechen.

zeitschnur

Ein echter Katholik lebt seine Sexualität ausschließlich in einer sakramentalen bzw. gültigen Ehe aus.
Insofern ist Sexualmoral von Ehemoral nicht zu trennen.
Wer das jedoch nicht einsehen kann, also kein echter Katholik ist, wird mittels einer künstlichen Trennung die Moral aufweichen – wie eben auch die Bischofssynode.
Tja – wir erleben hier „Tradi meets post-modernist“…

Ich habe nicht „Russland alles abgesprochen“, sondern bezweifelt, dass in orthodoxen Ländern eine für Katholiken akzeptable Sexualmoral vertreten werden kann.

Von antisemitischen Anwürfen gegen meine Person mahne ich an, sich abzusehen.

wickerl

@zeitschnur Bei Ihren Schlägen unter die Gürtellinie streifen Sie schon am Boden an, sind Sie Jude dass Sie Antisemitismus meinerseits annehmen, wenn ich Sie kritisiere, weil ich habe mich in meinem Posting zum Judentum nicht geäußert.?!

zeitschnur

@ wickerl

Ist das eine Form von Demenz? Sie haben sich sowohl oben wieder mal entsprechend, selbstverständlich wieder sachfern und persönlich beleidigend, so geäußert, um von den ungezählten anderen Äußerungen hier im Forum in allen Schattierungen mal abgesehen.

Sie und Ihre Spießgesellen hier im Forum sorgen mit Ihren Postings dafür, dass katholisches.info abgeschaltet werden könnte.
Und Sie liefern permant ein Beispiel für den pervertierten Traditionalismus, mit dem ich nichts zu tun habe und nichts zu tun haben will.

Wickerl
Zeitschnur Ihre Postings zur Unauflöslichkeit der Ehe sind zwar schwerfällig und langwierig, ansonsten öfter aber schlüssig. Ihr Benehmen ist aber von bestürzender Schlechtigkeit, wie Sie um sich schlagen wenn Ihnen eine andere Meinung nicht passt. Die Redaktion wird es Ihnen danken oder auch nicht, wenn Sie sich bemühen Katholisches.info vor meinen “ Spießgesellen“ und mir und dem uns attestierten pervertierten Traditionalismus zu retten. Ich bin übrigens kein Traditionalist, ich nehme nur fallweise auch solche Positionen ein, wenn ich zu der Ansicht gelange , dass diese in diesem Bereich mit ihren Arguementen Recht haben. Es wird Ihnen aufgefallen sein, dass ich… weiter lesen »
zeitschnur

Also wissen Sie, @ wickerl, ausgerechent Sie werfen mir schlechtes Benehmen vor?

Ich rede in aller Regel sachbezogen. Wenn mir aber diese Staffel gewisser Poster hier kommt mit diversen Unterstellungen, die Sie selbst oben ohne irgendeine Notwendigkeit und ganz sach- und themenfern plötzlich einfließen lassen müssen (8. Oktober 2014 um 14:20), werden Sie – da Sie sich selbst ja autorisieren für diesen rüpelhaften Stil – wenigstens in fairer Kampftradition zugestehen müssen, dass ich diesen unguten Stil mit spitzen Fingern abmahnen darf…

K
@zeitschnur, rein informativ zum besseren hist. Verständnis: Die unterschiedlichen Auffassungen zur Scheidung und Wiederheirat beruhen ursprünglich auf einer abweichenden Interpretation der Matthäusklauseln (Porneia-Ausnahmen), von denen unsere Diskussion neulich ausging. Die allermeisten Kirchenväter des 4./5. Jh. gingen davon aus, dass die Ehe durch Ehebruch endet. Wohlgemerkt bedeutet das nicht, dass diese Kirchenväter eine Wiederheirat erlaubten, im Ggt. Die meisten lehnten die Wiederheirat ab, und zwar unterschiedslos sowohl die Wiederheirat der Witwen wie auch die der Geschiedenen, deren Partner noch lebten. Das antike Ideal der Einehe, dem die Kirche sich damals anschloss, unterschied nicht zwischen einer Zweitehe nach Scheidung und einer Zweitehe… weiter lesen »
K
Mit zunehmender Distanz verselbstständigten sich diese Trends. Unter Ks. Justinian wurden für die byz. Kirche im 6. Jh. das Eherecht gesetzlich geregelt. Damit sollten Unterschiede zw. (ost-)röm. zivilem Eherecht und der kirchlichen Eheauffassung harmonisiert werden. Dabei wurde die Scheidung durch Ehebruch festgeschrieben, während andere röm. Scheidungsgründe wegfielen. Das Kirchenrecht geriet nun in Byzanz unter den Druck der weltl. Herrscher, die aufbauend auf dem justin. Recht immer mehr analoge Scheidungsgründe einführten, etwa Mordversuch des Gatten, böswilliges Verlassen oder Verschollenheit. Diese Entwicklung spielte sich großteils noch vor dem Gr. Schisma ab und endete in der Kreuzzugszeit. Damals fielen auch die Unterschiede zwischen… weiter lesen »
K
Das Konzil verurteilt in Kan. 7 L.s Ansicht, wonach die Kirche willkürlich und verbotenerweise die Scheidung erlaube, und dogmatisiert die Unauflöslichkeit. Aus den andernorts schon besprochenen Gründen dogmatisierte das Konzil aber nicht die katholische Meinung, dass die Ehe auch den Ehebruch überdauert. Das war zwar trotzdem gültige kath. Lehre, konnte aber nicht dogmatisiert werden, weil viele Kirchenväter bekanntermaßen anderer Meinung gewesen waren. Mit Luther hatte diese Ausnahme nichts zu tun. Man wollte nur vermeiden, die bekanntermaßen auf altkirchlicher Tradition beruhende orthodoxe Ansicht als häretisch zu verurteilen. Politische Motive spielten da auch eine Rolle (hier gehört der Hinweis auf Venedig hin,… weiter lesen »
zeitschnur
Ja, das führen Sie alles gewissermaßen „wie am Schnürchen“ durch – allein, mir fehlt in dieser Form dargelegt der Glaube. Es ist zwar sicher so, dass alles mögliche diskutiert wurde, aber andererseits legt uns der Apostel Paulus bereits das dar, was dann später auch in der römisch-katholischen Rechtsauffassung festgeschrieben wurde. Die Idee, eine Witwenheirat sei eigentlich nicht zulässig wurde schon bei Tertullian abgelehnt (+220) („Tertulliansche Häresie“). Sie sehen also, dass mich Ihre Darlegung allein deswegen nicht ganz überzeugen kann, zumal Paulus ausdrücklich sagt, eine Witwe, die sich nicht enthalten könne, sündige nicht, wenn sie wiederheirate. Sein Tenor ist: wer erstmalig… weiter lesen »
K
Hallo @zeitschnur, meine Stoßrichtung haben Sie glaube ich missverstanden. Ich hatte nicht vor, mit diesem (zugegebenermaßen rudimentären und an einigen Stellen – etwa bei der Frage, ob der Tod die Ehe beendete – wohl etwas vereinfachenden) historischen Abriss „am Schnürchen“ in eine bestimmte Richtung zu argumentieren, etwa für eine Zulassung der Wiederheirat zu plädieren. Hatte Ihnen ja auch schon gesagt, dass ich Ihren Ansichten in dieser Frage durchaus etwas abgewinnen kann und sie gar nicht für grundfalsch halte. Dieses „häresieverdächtige“ Ad-fontes-Prinzip vertrete ich nicht. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, meinen Sie damit ja offb. einen Denkansatz, der die Verhältnisse… weiter lesen »
zeitschnur
@ K Sie drehen mir leider das Wort im Munde herum. Sie schreiben: „Die trad. Dogmatik vertritt allerdings ein anderes Modell, auf das Sie anscheinend ganz verzichten möchten: Man geht davon aus, dass frühere Entscheidungen und Handlungen bis in die Gegenwart bindend und richtig bleiben und Änderungen nicht ohne Weiteres zulässig sind. Dass Sie das so ganz über Bord werfen wollen…“ Wie kommen Sie darauf? Wegen dieser Matrix-Sache? Niemand beharrt mehr auf bereits gemachten Definitionen als ich hier im Forum – wie kommen Sie dazu, mir das Gegenteil zu unterstellen? Sie missdeuten mich, wenn Sie das hegelianisch verstehen. Dennoch ist… weiter lesen »
K
Die von mir als „hegelianisch“ etikettierte Idee, die Sie mit dem schönen Bild vom Senfkorn illustrieren, kritisiere ich grds. überhaupt nicht, sondern finde sie eigtl. richtig und angemessen. Worum es mir geht, ist die Wirklichkeitsnähe eines solchen Modells. Man kann sich die Geschichte eben genauso wenig wie die Wahrheit zurechtbiegen, sondern muss in sie hineintauchen und sie behutsam und kritisch zugleich untersuchen, möglichst unvoreingenommen werten und mitfühlend (empathisch) verstehen. Sonst glauben wir an ausgedachte Sachen und entfernen uns von der Wahrheit. Christus und die Kirche sind eben kein abstraktes Dogma, sondern konkrete und wahrhaftige Wirklichkeit: gestern, heute, morgen und in… weiter lesen »
K
Häretische Päpste mag es gegeben haben. Aber doch nicht fromme und gütige Männer wie Bergoglio oder Joseph Ratzinger. Pius X. hat zweifellos gegen das ev. Schwurverbot verstoßen, ist aber heilig gesprochen, also auch kein Häretiker. Wenn Gregor VII. sich für eine Reinkarnation des hl. Petrus hält und Ritter mit grausamen Anekdoten aus dem AT zum Totschlagen seiner „ungehorsamen“ Gegner ermuntert, kann man sein aus religiösem Sendungsbewusstsein geborenes Eiferertum schon als eine Art Häresie betrachten, und das taten die Zeitgenossen ja auch. Verurteilt wurde er deswegen aber nicht. Verurteilte Gegenpäpste wie Wigbert oder Anaklet wirken dagg. eher unauffällig, wenig häretisch. Bonifaz… weiter lesen »
zeitschnur
@ K Ich machs kurz – entweder verstehen Sie nicht, was ich schreibe, oder es ist böser Wille… Ich lege seit Monaten offene Bekenntnisse zur Neuscholastik ab – warum unterstellen Sie mir das Gegenteil? Ansonsten – in Ihrem Postung steckt soviel geistiges Durcheinander, was sich schon an der inzwischen wiederholten Verkehrung meiner Sätze in ihr Gegenteil zeigt, dass ich keinen Sinn darin sehe, weiterzureden. Nur eines: Pius X. hat natürlich nicht gegen ein ev. Gebot verstoßen! Das kanonische Recht ließ einen Eid immer zu. Der Antimodernisten“eid“ ist in der Form eher eine Art Gelöbnis und kein Eid, wie er vor… weiter lesen »
P. Nikolaus von der Auferstehung

Seit wann hat die Orthodoxie ein „verzerrtes Gottesbild“ ? Man betrete eine orthodoxe Kirche und erlebe die universale Fülle einer rechtgläubigen Theologie. Die kleinste Dorfkirche in Griechenland bietet eine schlüssigere und komplexere Dogmatik in ihrer Malerei als die „modern – zeitgeistige“ Peterskirche in Rom!

Carlo

Es geht weniger um „wann“, das Sie selber nachlesen sollten, als um „weshalb“:

Weil sie durch das Ablehnen des Filioque den Gottessohn herabsetzt.

Dies sollten auch die sich leider auf Äußerlichkeiten abstellenden Mozetta-Katholiken endlich zur Kenntnis nehmen.

zeitschnur

@ Carlo

Danke – genau das ist es. Der uneingestandene Arianismus. Und das arianische Denken verzerrt automatisch auch das Menschenbild.

Das sind keine Nebensächlichkeiten – solche theologisch-philosophischen Fehlstellungen haben verheerende Folgen – z.B. in die falsche Ehelehre.

wpDiscuz