Kommissar schließt weiteres Kloster der Franziskaner der Immakulata

Kirche San Pasquale in Benevent. Kloster der Franziskaner der Immakulata geschlossen
Kirche San Pasquale in Benevent. Kloster der Franziskaner der Immakulata geschlossen

(Rom) Der Apostolische Kommissar Pater Fidenzio Volpi schließt in Übereinstimmung mit dem Generalsekretär Pater Alfonso Bruno ein weiteres Kloster der Franziskaner der Immakulata (FI). In der italienischen Stadt Benevent, nur knapp 40 Kilometer vom Mutterhaus des Ordens in Frigento (Diözese Avellino) entfernt, wird das Kloster San Pasquale geschlossen.

Die Entscheidung ist symbolträchtig. In Benevent wurde am 22. Juni 1990 am Vorabend des Herz-Jesu-Festes durch Erzbischof Carlo Minchiatti (1915-1996) das Dekret zur Errichtung des Ordens diözesanen Rechts unterzeichnet. Das Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu ist damit der kanonische Gründungstag der Franziskaner der Immakulata. An jenem Sonntag 1990 legten die ersten 30 Ordensbrüder ihre Gelübde ab.

Das Kloster San Pasquale bestand seit etlichen Jahren. Die Pfarrseelsorge der Gläubigen erfolgte zunächst im neuen Ritus, mit Inkrafttreten des Motu proprio Summorum Pontificum parallel auch im überlieferten Ritus. Neben der täglichen Heiligen Messe im Alten Ritus wurde auch täglich eucharistische Anbetung gehalten.

Die Anwesenheit der Franziskaner der Immakulata und ihre Seelsorge waren um so kostbarer da sonst in der Erzdiözese Benevent kein anderer Ordenspriester oder Diözesanpriester die Heilige Messe im Alten Ritus zelebrierte.

Mit der kommissarischen Verwaltung wurden die Beneventer Gläubigen ganz des überlieferten Ritus beraubt, da den Priester des Ordens die Zelebration des Alten Ritus verboten wurde. Nun werden sie auch des Ordens beraubt, der hier seinen kanonischen Ursprung hat.

Eine Gläubige der Erzdiözese Benevent schrieb dazu in einem Brief an die Internetseite Messa in Latino: „Es stellt sich die Frage: Besteht die Reform, mit der der Kommissar sich brüstete, den Orden wieder zu seinem ‚ursprünglichen‘ Geist zurückzuführen, darin, die Klöster zu schließen und die Gläubigen wegen der in der Diözese weitverbreiteten doktrinellen Verwirrung der heute mehr denn je für das Seelenheil notwendigen Seelsorge zu berauben?“

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Wikicommons

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27 Comments

  1. Unerträglich – sie wüten, und wüten, und wüten. Aber das Ende der „Fahnenstange“ ist noch längst nicht erreicht. Ich möchte nicht wissen, wie es in 10 Jahren aussehen wird!

  2. @ Dario: Das kann ich Ihnen sagen: Wenn in 10 Jahren Bergoglio noch immer wütet, ist faktisch alles zertrümmert und die Kirche lebt nur noch in den Katakomben. Sollte der Herrgott Erbarmen mit uns haben, braucht ein nachfolger Bergoglios wohl Jahrzehnte, um den angerichteten Schaden wenigstens einigermaßen zu beheben.

  3. „Liebe Brüder im Bischofsamt,

    hoffnungsvoll und mit großem Vertrauen lege ich den Text eines neuen als Motu Proprio erlassenen Apostolischen Schreibens über den Gebrauch der römischen Liturgie in ihrer Gestalt vor der 1970 durchgeführten Reform in Eure Hände, die Hände der Hirten. Das Dokument ist Frucht langen Nachdenkens, vielfacher Beratungen und des Gebetes.

    Nachrichten und Beurteilungen, die ohne ausreichende Kenntnis vorgenommen wurden, haben in nicht geringem Maße Verwirrung gestiftet. Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen, die von freudiger Aufnahme bis zu harter Opposition reichen und die sich auf ein Vorhaben beziehen, dessen Inhalt in Wirklichkeit nicht bekannt war.

    Dem Dokument standen näherhin zwei Befürchtungen entgegen, auf die ich in diesem Brief etwas näher eingehen möchte.

    An erster Stelle steht die Furcht, hier werde die Autorität des II. Vatikanischen Konzils angetastet und eine seiner wesentlichen Entscheidungen – die liturgische Reform – in Frage gestellt. Diese Befürchtung ist unbegründet.

    (…)

    Als zweites wurde in den Diskussionen über das erwartete Motu Proprio die Befürchtung geäußert, eine erweiterte Möglichkeit zum Gebrauch des Missale von 1962 werde zu Unruhen oder gar zu Spaltungen in den Gemeinden führen. Auch diese Sorge scheint mir nicht wirklich begründet zu sein. Der Gebrauch des alten Missale setzt ein gewisses Maß an liturgischer Bildung und auch einen Zugang zur lateinischen Sprache voraus; das eine wie das andere ist nicht gerade häufig anzutreffen. Schon von diesen konkreten Voraussetzungen her ist es klar, daß das neue Meßbuch nicht nur von der rechtlichen Normierung, sondern auch von der tatsächlichen Situation der gläubigen Gemeinden her ganz von selbst die Forma ordinaria des Römischen Ritus bleibt.

    (…)

    Im übrigen können sich beide Formen des Usus des Ritus Romanus gegenseitig befruchten: Das alte Meßbuch kann und soll neue Heilige und einige der neuen Präfationen aufnehmen. Die Kommission Ecclesia Dei wird im Kontakt mit den verschiedenen Institutionen die sich dem usus antiquior widmen, die praktischen Möglichkeiten prüfen. (…)

    Damit bin ich bei dem positiven Grund angelangt, der mich veranlaßt hat, mit diesem Motu Proprio dasjenige von 1988 fortzuschreiben. (…) Diese Rückschau legt uns heute eine Verpflichtung auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um all denen das Verbleiben in der Einheit oder das neue Finden zu ihr zu ermöglichen, die wirklich Sehnsucht nach Einheit tragen.“

    (Begleitschreiben Benedikts XVI. zum Motu proprio „Summorum pontificum“ an die Bischöfe am 7.7.2007 – http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/letters/2007/documents/hf_ben-xvi_let_20070707_lettera-vescovi_ge.html)

    Ich denke, Benedikt hat sein Schreiben nicht so verstanden wissen wollen, dass nun junge Aufbruchbewegungen wieder die alte Messe zurückholen, sondern dass die bisherigen Anhänger mit ihr im Halbdunkel ein wenig weitermachen dürfen.
    (Forts.)

    • (Forts.)

      Der springende Puntk ist, dass die FI im Grunde eine ähnliche Entwicklung wie die Priesterbruderschaft nehmen und den Novus Ordo verdrängen, auch wenn sie ihn oberflächlich gesehen natürlich nicht abgelehnt haben.
      Anders gesagt: sie haben die Zelebration des Usus antiquior zu auffallend betrieben, noch dazu als junge Leute…
      Und das muss raus aus der Kirche!
      Warum?
      Weil Benedikt uns doch sagt, um was es geht: um das Nachholen all jener, die sich vom alten Ritus nicht lösen können, selbst das Wiedereingliedern der Piusbruderschaft. Wenn nun aber das Pferd in die andere Richtung zieht, war das nicht im Sinne des Erfinders.
      Im Hintergund handelt es sich wohl um eine geplante Reform des Novus Ordo, der man dann den alten Ritus mit ein paar netten Impülschen einverleiben kann („Befruchten“), wahrscheinlich v.a. was Kerzenleuchter, prachtvolle Messgewänder, salbungsvolles Getue, viel Weihrauch, weibliche Kopftischläufer u.a. andere Requisiten aus der Theaterkammer betrifft.

      Man verzeihe mir den Sarkasmus – aber was muss eigentlich noch geschehen, bis die christustreuen Marienkinder endlich begreifen, was vorgeht!

      Die wirklichen Marienkinder werden am Ende ihre Hl. Messen in Lumpen im Gully feiern, ohne den ganzen „würdevollen“ Simsalabim, aber in tiefer Einheit mit Christus, und alles Äußere ist nur Akzidens. Es geht um die Substanz – und die hat Benedikt eben nun mal nicht anerkannt!

      • Denn wenn Benedikt meint, es sei ein und derselbe Ritus – der alte und der neue Ordo, dann hat er offensichtlich nicht die Substanz des alten ordo im Sinn gehabt, sondern nur das äußerliche Simsalabim.

      • Und wo gehen Sie nun in die Messe? In die mit den Requisiten aus der Theaterkammer oder in die ohne? Oder braucht’s keine Messe mehr heutzutage? Oder gibt’s keine mehr?

      • Ich geh natürlich in die Hl. Messe mit den traditionellen Formen – das ist ja alles schön und gut, alles wertvoll – jedenfalls, das, was wirklich tradiert war (die neueren „Traditionen“, die es hierzulande niemals gab und die auch Rom nie für die ganze Kirche je eingefordert hätte, lehne ich ab – das ist alles Getue und Firlefanz). Dieses Äußere ist es nicht, ist nicht das Substanzielle, nicht das Wesentliche. Es mag akzidentiell dazugehören, als Beigabe und Geschenk, aber eben nicht wesentlich.
        Und erst so herum wird ein Schuh draus.

        Ich gehe solange in Hl. Messen an bestimmten Orten, solange ich das vom Wesentlichen her als echte katholische Messe betrachten kann. Gott sei Dank gibt es das noch. Noch. Mir ist aber klar, dass das auch noch im Lauf der nächsten Zeit verschwinden wird, wenn die älteren Priester, die noch wissen, wie die Kirche vor der Reform tatsächlich in ihrer Tradition hier war, nicht mehr sind.
        Übrig bleiben werden Liturgiesektierer, die noch mehr als jetzt allen möglichen Hokuspokus beimischen werden, auf den die Kirche so noch nie Wert gelegt hat und der eventuell auch häresieverdächtig ist, Sonderlehren etwickeln, andererseits wichtige Zeichen bereits weglassen, die immer üblich waren.

        Denn es ist ein Irrtum zu glauben, die formell „richtige“ alte Liturgie v.a in ihrem Aufputz würde die Kirche retten. Das funktioniert ja nicht ex opere operato, sondern nur aufgrund der rechten Fundierung auf einem rechten Felsen Petri und dem Gnadenschatz der Kirche, der durch das intentional (nicht bloß rein formell) rechte Opfer angehäuft wird. Fällt dieser rechte Felsen Petri aus, verirngert sich dieser thesaurus ecclesiae dramatisch (und das tut er schon lange spürbar!), umfängt die Gottesmutter die Kirche und hält sie auf dem eigentlichen Felsen, dem Eckstein, auf Christus fest. Das legt die Stelle in der Apokalypse jedenfalls nahe. Und das solange, bis Christus selbst eingreift. Ich meine aber die echte Maria, und nicht diese unterwürfige Kitschfigur, diese sentimentale „Mama“, als die sie leider unter vielen Konservativen gehandelt wird. Ich meine die, die in schärfster Feindschaft zur Schlange steht und die Ihren am Ende bei sich behalten wird, damit sie Jesus nicht verloren gehen.

        Ich mach mir keine Sorgen, aber auch keine Illusionen.

      • simsalasims = respektlos, überheblich, für mich satanisch gegenüber heiligen Dingen. Hybris. Sehr schade! Solche Fauxpas sollte man sich diesen Diaphora gegenüber nicht leisten – sie verletzen die religiösen Gefühle vieler Gläubigen. Unabhängig von der Absicht. Auch wenn die genannten Dinge „nur“ Akzidentien sind.

      • …und „heilig“, verehrte Hedi Züger, sind weder Messgewänder noch Leuchter, Geschirr oder Kirchenbauten, sondern alleine das Messopfer selbst ist heilig und die Kommunion … Natürlich gibt der Mensch dabei sein bestes, aber wenn er dieses „Beste“ nicht zur verfügung hat, schmälert es nichts n der Heiligkeit des Opfers. vergessen Sie nur mal nicht, wo Jesus sein erstes Bettchen gefunden hat und dass er keinen Platz hatte, an dem er sein Haupt hinlegen konnte.

        Dass Ihnen das gefällt, mag ja sein, all die „Pracht“, aber wesentlich und womöglich „heilig“ ist das nicht – das rutscht leicht in Götzendienerei ab! Vergessen Sie nicht, dass die Götzendiener stets die ersten sind, die sich beleidigt fühlen…

    • In dem Begleitschreiben gewinnt man den Eindruck, dass das motu proprio weniger theologisch oder heilsgeschichtlich motiviert ist, als vielmehr sich aus menschlichen Befindlichkeiten heraus legitimiert („…so hat sich inzwischen gezeigt, daß junge Menschen diese liturgische Form entdecken, sich von ihr angezogen fühlen und hier eine ihnen besonders gemäße Form der Begegnung mit dem Mysterium der heiligen Eucharistie finden. So ist ein Bedarf nach klarer rechtlicher Regelung entstanden …“) – und darüber hinaus zu Experimenten einlädt („gegenseitig befruchten“).

      Freilich geht es um die Sorge nach der Einheit der Kirche, der „vollen communio“ (aller oder vieler Gläubigen?):
      „Es geht um eine innere Versöhnung in der Kirche. In der Rückschau auf die Spaltungen, die den Leib Christi im Lauf der Jahrhunderte verwundet haben, entsteht immer wieder der Eindruck, daß in den kritischen Momenten, in denen sich die Spaltung anbahnte, von seiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan worden ist, um Versöhnung und Einheit zu erhalten oder neu zu gewinnen; …“

      Doch wieweit berechtigt diese Sorge, den Kern der Gemeinschaft mit Christus, die hl. Messe samt Lehre aufzuweichen oder zu ändern?
      Es ist zu befürchten, dass wie das nachkonziliare Experimentieren den Volksaltar als Faktum geschaffen hat, nun die Einladung zum Experimentieren („machen wir unser Herz auf …“ !) mit dem alten Ritus weitere Zersplitterungen gebiert.
      Wie kann denn ein zweifacher Usus bloß zur Einheit führen?

      • Indem man eine Melange aus beiden mixt („befruchten“) – darum geht es doch letztendlich. Wir gehen noch mal einen Schritt zurück, wenn es mit dem konziliar geforderten liturgischen „Fortschritt“ partout nicht klappen will, um dann endlich die gewünschten drei Riesensprünge weiter zu machen…

        Es ging drum, die Piusfraktion wieder einzusammeln und die Alte-Messe-Szene innerhalb der Konzilskirche zu sedieren.

        Auch die Messe Pius V. ist für Benedikt ja bloß ein Phänomen des semper reformanda, der „Reform in Kontinuität“.

        Pius V. jedoch hat ausdrücklich seine Reform als ein Wiederfinden des Wesentlichen für immer und ewig verstanden – da wurde jedes Weiterreformieren unter Bannfluch gestellt (In „Quo primum“ nachlesbar).

        Für die vorkonziliare Kirche gab es keine „Reform in Kontinuität“ als Zwangsprogression – erst mit Pius X. kam der massive Eingriff ins Vorhandene.

        Warum eigentlich soll ständig die Substanz reformiert werden, wenn es doch darum geht, durch feste Fundierung in der ewigen Substanz sich von Gott selbst wandeln zu lassen? Indem man den Unterschied zwischen Substanz und Akzidens verwischte, kann man nun immer behaupten, das sei doch alles irgendwie das gleiche – am Ende ist auch noch ein islamischer Gottesdienst irgendwie das gleiche wie eine hl. Messe, wenn man nur lange genug und abgehoben darüber faselt. Nun galt aber das Hl. Messopfer per se als Substanz und nicht als etwas, an dem man herumbasteln kann. man muss kritisch anmerken, das sbereits Pius XII dies aber ausdrücklich aufgeweicht hat, indem er behauptte, die Hl Messe habe göttliche und mesnchliche Anteil undd er Papst habe das Recht, diese menschlichen Anteile zu ändern. Er hat uns leider nicht verraten, welches denn die „menschlichen“ Anteile sein sollen. Leider hat auch er an der liturgischen Substanz bereits als Vorahnung für das Unglück, das kommen sollte, herumpfuschen lassen. Und auch Pius X. hat sich schon auf Glatteis bewegt. Er wurde nicht allseits als reformerischer Reiniger verstanden, sondern durchaus auch als Zerstörer altehrwürdiger Überlieferungen:

        „Anfang 1914 wurde die Reform des Messbuchs in Angriff genommen; doch der Tod des Papstes brachte alles zum Stillstand, zumal die Arbeitsweise der Kommission heftig kritisiert wurde. Die Liturgiehistoriker machten ihr den Vorwurf, sie habe manche ehrwürdige Werte, die bis ins fernste Altertum zurückzu führen seien, geopfert (…) Die Praktiker ihrerseits meinten, die ohne Konsultationen den betroffenen Kreisen aufgezwungenen Änderungen seine „überstürzt“ verwirklicht worden (Msgr. della Chiesa), ohne dass man den Schwierigkeiten bei der Anwendung genügend Rechnung getragen habe.“ Handbuch der Kirchengeschichte, Hg. Hubert Jedin, Band VI/2, S. 425f)

        Und die ewige Substanz ist die unveränderbare Offenbarung, die sich im Hl. Messopfer, wie es überliefert ist, ausdrückt und in der entsprechenden, sprachlich-wesenhaften Form (das rein ästhetisch-Zeremonielle ist nachrangig), ebenso in den unwandelbaren Dogmen.

  4. Und wann merken die Marienkinder und
    wahren Jünger des Herrn endlich, dass
    „Rom“ den Glauben verloren hat und
    alle wichtigen Stellen von Feinden
    besetzt sind ?

    Herr lass alle Deine treuen Diener endlich
    eine Herde werden.

  5. „Wie kann denn ein zweifacher Usus bloß zur Einheit führen?“
    So gesehen müsste Bergoglio ja alles tun, damit sich der alte Ritus verbreitet, denn mit der Einheit der Kirche hat er wahrlich nicht viel am Hut. Fast alles, was er von sich nuschelt und was er tut, schafft Verwirrung und ein großes Durcheinander. Mittlerweile bräuchte man das Fach “ Interpretation Bergoglianischer Aussagen“ als Lehrfach in der Theologie.

  6. Was die Kritiker Benedikts und seines Motu proprio nicht bedenken, ist die Situation, in der sich Ratzinger befand, als er es erließ. Umgeben von einer Schar von theologischen Wölfen, die nur darauf warteten, seine Reform in der Luft zu zerreißen oder gänzlich zu verhindern, war der Ansatz der „Hermeneutik der Kontinuität“ und der „Befruchtung beider Riten“ sicher ein Versuch, Akzeptanz bei den Neokonservativen und gemäßigten Konzilsbefürwortern zu erreichen. Dass die Unterstellung, Ratzinger hätte doch nur die Tradition wiederbelebt, um sie gänzlich zu zerstören, nicht stimmen kann, erweist sich letztlich in der massiven Gegnerschaft antitraditioneller Kreise, die seine Reform hassten und alles dafür taten und – wie wir sehen – noch tun, diesen allemal erfolgreichen Reformansatz mit Stumpf und Stiel auszureißen. Dagegen spricht auch Ratzingers entschiedene Förderung altritueller Institute und bspw. die schnelle, unbürokratische Genehmigung, Mariawald zur ursprünglichen Ordenstradition zurückkehren zu lassen, sowie der Versuch, das traditionelle Priesterbild wiederzubeleben. Ich bleibe dabei, Ratzinger ging es im Rahmen seiner Möglichkeiten ernsthaft darum, der Tradition eine Basis zu verschaffen, um sich gegen die absterbenden, aber noch immer mächtigen progressiven Kräfte zu behaupten und womöglich peu à peu durchzusetzen. Gescheitert ist dieser Versuch letztlich vor allem an der Uneinigkeit, Angst und Verzagtheit der Tradition, die nicht in der Lage war, den Kairos zu erkennen und ihre Chance vor allem schnell zu ergreifen. Mit dieser verpassten Chance war auch das Pontifikat Benedikts im Kern gescheitert, sein Rücktritt war die Folge.

    • Ich habe das früher auch so geglaubt, bin aber davon abgekommen. Was Sie da schreiben, ist die konservative Lesart, die Ratzinger nicht wahrnimmt in dem, was er vertreten hat bis zum Schluss, sondern sein – sagen wir – bayerisch-stilvoll-traditionelles Outfit an Leib und Geist.

      All das, was Sie glauben (und was auch ich einmal so geglaubt habe), wird zunichte gemacht durch die Tatsache, dass Ratzinger ausdrücklich die „Messopfertheorie des 16. Jh“, wie er es nennt, ablehnt. So hat er es in der „Einführung in das Christentum“ geschrieben und nach seiner Papstwahl unbearbeitet wieder auflegen lassen…

      Das sagt eigentlich wirklich alles – man muss es nur scharf sehen. Wie gesagt habe auch ich das lange gar nicht erkannt.

      Die Widerstände gegen Benedikt liegen darin, dass er in seiner postmodernen Haltung weder von den Konservativen noch erst recht von den altbackenen Modernisten überhaupt verstanden wurde. Denn eines muss man ihm bei aller Kritik bescheinigen: er ist als Person wohl relativ integer und v.a. sehr, sehr intelligent! Er hat den ganzen Sauladen geistig abgehängt – aber nicht im Guten.

  7. „Die Kirche lehrt Barmherzigkeit und übt sie auch“ (P. Franziskus am 10.September 2014, vor einer Woche)
    Voilà- da sieht man es!

    Justorum animae in manu Dei sunt, et non tanget illos tormentum malitiae…
    (Offertorium; „Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand und das Folterinstrument der Bosheit kann sie nicht berühren…)

    • Jeder glaubt zu verstehen, was mit Barmherzigkeit gemeint ist.
      Die Verdrehtheit die hier aufblitzt mag Hinweis dafür sein dass der Begriff Barmherzigkeit bereits längst von der Gegenseite usurpiert wurde und nichts mehr mit der göttlichen Barmherzigkeit gemein hat.

  8. In den oben zitierten Passagen aus Benedikts Begleitschreiben zu „Summorum pontificum“ ist eindeutig zu lesen, dass er auf keinen Fall die Autorität des Vat. II und die vom Konzil angestoßene und auch geforderte Liturgiereform anzutasten.

    Auch wenn das Vat. II vordergründig nicht diese Auswüchse intendiert hatte, die wir alle kennen, hat es sie durch die Umdeutung des Hl. Messopfers in das Paschamysterium ebendoch direkt hervorgerufen.

    Es geht Bergoglio nicht primär um die alte Messe als „Mode“ – das juckt ihn nicht. Was ihn aber juckt, das ist das Phänomen, dass mit der alten Messform auch etwa wieder der überlieferten Opfertheologie gedacht wird.

    Und an diesem Punkt passt kein Blatt Papier zwischen ihn und Benedikt, denn beide lehnen die „Messopfertheorie des 16. Jh“ ausdrücklich ab – also die Canones des Tridentinum!

    • Das, was Professor Ratzinger in „Einführung in das Christentum geschrieben hat,“ ist aber nicht päpstliches Lehramt und wenn er die Opfertheorie des 16. Jahrhunderts ablehnt, so lehnt er damit nicht das Konzil von Trient ab und leugnet nicht das Messopfer.

      Meines Erachtens hat Papst Benedikt versucht, niemanden zu verlieren, und das war ja auch seine Aufgabe als Papst!

      • Äh – was? Er hat als Papst das Buch noch mal auflegen lassen! Und wenn einer die Messopfertheologie des 16. Jh ablehnt, lehnt er natürlich das traditionelle Verständnis des Messopfers ab – das ist doch logisch. Und der Ratzinger seiner Bücher ist doch kein anderer Ratzinger als der auf dem Papstthron. Oder gehen Sie von einer Persönlichkeitsspaltung aus?

        Verzeihung, aber da vergaloppieren Sie sich massiv! Das endet in der Schizophrenie.

        Wenn ich den Kommunismus ablehne, lehne ich doch auch automatisch die Diktatur des Proletariats ab – außerhalb der kommunistischen Theorie ergäbe diese Herrschaftsform doch gar keinen Sinn! Wie kann ich also die traditionelle Messopfertheorie ablehnen und zugleich das überlieferte Messopfer aber anerkennen?

        Bleiben wir nüchtern, logisch und sachlich!
        Mit solchen schizophrenen Vorstellungen werden die Menschen erst noch vollends durcheinander gebracht.

      • …und noch ein Nachtrag: Nein, die Aufgabe des Papstes ist nicht, „niemanden zu verlieren“, sondern die Wahrheit zu verkünden und festzuhalten – denn andernfalls ist er dafür verantwortlich, dass viele Seelen um das ewige Heil gebracht werden. Und wenn sie zehnmal häretisch glaubend in der Kirche bleiben.

      • Nun ich habe das Buch hier vor mir liegen, und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir sagen könnte, wo genau Professor Ratzinger sich so negativ über die Opfertheologie äußert, wie sie behaupten.

    • In der Botschaft von La Salette heißt es:
      „Es ist niemand mehr da, der würdig das heilige Messopfer feiern könnte“

      Es ist auch eine Gefahr, sich mit dem Besuch der „alten Messe“ allein zufrieden zu geben, man fühlt sich liturgisch wohl, alles ist so feierlich, …
      Aber der Opfercharakter kann auch da brach liegen – indem ich mir gar nicht bewußt bin, wie sehr ich dieses Versöhnungsopfer Jesu für mich persönlich brauche, da ich mich mit der liturgischen Schönheit begnüge, die Gnaden am Altar zurücklasse und glaube, es allein – durch die Erfüllung aller religiösen Pflichten – zu schaffen.
      Die fehlende Nächstenliebe wird versucht durch eine übergroße Gottesliebe auszugleichen, was ja nicht möglich ist, da ja das Maß der Liebe zu Gott auch das Maß der Liebe zum Nächsten wird.
      Die Liebe wächst durch die Reue.
      Und deshalb muss uns das Heilige Messopfer wichtig sein! Jesus opfert sich auch heute noch (aber nicht mehr lange – Botschaft von La Salette) für unsere Sünden Seinem Vater auf. Um dies anzunehmen, muss man aber seine Schwachheit erkennen, man sollte einsehen, wie erlösungsbedürftig man ist ! Sich nur mit der liturgischen Schönheit zu begnügen hat auch nichts mehr mit dem Wahren heiligen Messopfer zu tun !!!

  9. @ Wickerl
    Satan war immer los und ist auch jetzt los, aber er wütet heute mehr denn je. Dagegen hilft das
    mit dem Vaticanum II abgeschaffte Gebet zum Hl. Michael.

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