Das auf- und abtauchende Scalfari-Interview – und mehr über dieses Coelestin-Jahr

papa-francesco-udienza-generalevon Christopher A. Ferrara

Erinnern Sie sich an das explosive „Interview“, das Papst Franziskus dem radikalen Linken und Atheisten Eugenio Scalfari gegeben hat? Nicht das dritte, gerade veröffentlicht in „La Repubblica“, sondern das erste, veröffentlich in derselben Zeitung am 1. Oktober des letzten Jahres, dargeboten in „L’Osservatore Romano“, und platziert auf der Internetseite des Vatikans als eine von Franziskus’ Ansprachen, womit es augenscheinlich Teil seines eher flüssen Lehramtes gemacht wurde. Wissen Sie, dasjenige, in dem Franziskus angeblich gesagt hat, daß er nicht an einen katholischen Gott glaubt, daß jeder seine eigene Vision von Gut und Böse verfolgen soll, und andere „Greatest Hits“ dessen, was die Presse mit Freude ein „schlagzeilengreifendes Pontifikat“ nennt.

Erinnern Sie sich, daß nach einem der mittlerweile routinemäßigen Semi-Dementis von Pater Lombardi – der das Interview „treu gegenüber den Gedanken“ von Franziskus und „verläßlich in einem allgemeinen Sinn“ bezeichnete – der Text mit Verlegenheit von vatican.va entfernt wurde. Nun, das gleiche Interview tauchte plötzlich wieder auf der vatikanischen Internetseite auf in dieser Woche, auf Englisch als auch auf Italienisch, und wurde wiederum in die Ansprachen des Papstes eingeschlossen. Doch, nachdem Antonio Socci sowie die Blogs „Mundabor“ und „Chiesa e Postconcilio“ diese verblüffende Entwicklung bemerkten, wurde das „Interview“ erneut entfernt, und der Link, der von diesen Bloggern geliefert wurde, leitet die Suchenden nun auf die Startseite des Vatikans um.

Wie Socci fragte, bevor das Interview ein zweites Mal entfernt wurde: „Was geht im Vatikan vor?“ Ja, was? Ich erwarte die Reaktion von Socci und anderen Kommentatoren auf die zweite Entfernung, wie auch die „Klarstellung“ des Vatikans, wie dies geschehen konnte.

Wo wir von der brennenden Frage sprechen, was im Vatikan vorgeht, wurde es mir zur Beachtung gebracht, daß Franziskus’ Erklärung eines Jubiläumsjahres, gewidmet Papst Coelestin, der aufgrund seiner Inkompetenz vom Papstamt zurücktrat, Papst Benedikts eigene Erklärung eines Coelestin-Jahres 2009 kopiert. In einer Ansprache, die diese Erklärung ankündigte, bemerkte der damalige Kardinalstaatssekretär Bertone, daß Benedikt während eines Besuchs am Grab Coelestins in jenem Jahr sein Pallium, das Symbol seiner Macht, auf die Grabstätte legte – ein klarer Hinweis auf seine eigene Abdankung (wie Socci in seiner korrekten Vorhersage, daß Benedikt sein Papstamt in seinem 85. Jahr niederlegen werde, feststellte).

Zwei Coelestin-Jahre seit 2009? Zwei ganze Jahre einem Papst gewidmet, der mit Schimpf und Schande vom Papstamt zurücktrat nach einigen unglückseligen Monaten im Amt? Wußte Franziskus überhaupt Bescheid über Benedikts Erklärung eines Coelestin-Jahres? Falls ja, warum sollte er ein weiteres Coelestin-Jahr ausrufen? Falls nicht, wie konnte Papst Bergoglio dann so geringe Kenntnis von den Handlungen seines eigenen unmittelbaren Vorgängers haben, was das exakt gleiche Thema angeht?

Das Rätsel und die Verwirrung, welche dieses Pontifikat umgeben, verstärken sich mit jedem Tag. Wir waren noch nie zuvor in dieser Position, und wer weiß, wohin wir uns als nächstes begeben.

Übersetzung: M. Benedikt Buerger
Bild: Archiv

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5 Comments

  1. Dieser „Papst“ ist ein großes Unglück für unsere Hl. Kirche! Wo sind eigentlich die Kardinäle, wo ist der päpstliche Generalsekretär, die diesen „Papst“ freundlich, aber bestimmt klarmachen, was er da anrichtet? Wo ist Kardinal Müller? Wo ist Erzbischof Gänswein?
    Ein Guter Hirte zeigt der Herde mit klaren und unmißverständlichen Worten und Taten den Weg. Er beschützt zusammen mit den Hütehunden die Herde vor den Wölfen und jagt dise von dannen. Aber er spricht nicht mit ihnen! Und er gibt ihnen erst recht kein Interview!

  2. Die Strategie, die hinter dieser Vorgangsweise steht, hat Jean-Claude Juncker in einem ganz anderen, letztlich aber doch verwandten Zusammenhang mit entwaffnender Offenheit dargelegt:

    „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ (zitiert von Dirk Koch: Die Brüsseler Republik. Der SPIEGEL 52/1999 vom 27. Dezember 1999, S. 136)

    • Genauso ist es! Nur wenige machen sich leider die Mühe, eine Strategie hinter den Vorgängen erkennen zu wollen.

      Dass es kein Zurück mehr gibt, hat vor einigen Monaten schon Kard. Kasper öffentlich, sozusagen ganz ehrlich, verkündet. Er sagte, es gibt besonders dann kein Zurück mehr, wenn Papst Franziskus noch 40% der zukünftigen Kardinäle ernennt, die dann den nächsten Papst wählen.
      Er sagte auch dass Papst Franziskus in „Prozessen denkt“. Er kann nicht alles selber machen und versucht daher „einen Prozess zu starten“, der auch wenn er nicht mehr Papst ist, weiterläuft…

      nachzulesen im letzten Abschnitt hier:
      http://remnantnewspaper.com/web/index.php/fetzen-fliegen/item/626-cardinal-kasper-pope-believes-50-of-marriages-are-invalid

      Ich frage mich öfter, ob solche Priester, die unbedingt die Kirche zur Unkenntlichkeit verändern wollen, wirklich an Gott glauben, oder ob sie die hl. Kirche nur als Spielball ihrer Interessen sehen.

  3. Den Worten von Christopher A. Ferrara ist von mir aus nichts mehr hinzuzufügen.
    Doch ich möchte mich ausdrücklich bei katholisches.info bedanken, das sich so „überlebensnotwendig“ von allen anderen deutschen Papst-Jubel-Medien abhebt und damit dem überlieferten katholischen Glauben einen unschätzbaren Dienst erweist.

    • Ihrem Dank möchte ich mich gern anschließen.
      Hier erfährt man, was sonst kaum zu erfahren ist oder gar bewusst unterschlagen wird.

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