Eine verweltlichte Kirche entschuldigt sich dafür, den Weg zum Heil zu kennen

Heilige Messe(Rom) Der Journalist Alessandro Gnocchi und der Rechtsphilosoph Mario Palmaro bildeten eine geniale publizistische Gemeinschaft. Gemeinsam veröffentlichten sie mehrere Bücher und zahlreiche Aufsätze. Zu letzteren gehört eine Reihe in der Tageszeitung „Il Foglio“, mit der sie sich kritisch mit dem derzeitigen Pontifikat auseinandersetzten und die inzwischen in Buchform erschienen ist („Dieser Papst gefällt zu sehr“). Mit dem zu frühen Tod von Mario Palmaro ist noch Alessandro Gnocchi übrig, der das Erbe seines intellektuellen Partners und Mitautors fortführt. Am 10. April veröffentlichte Gnocchi den ersten Aufsatz im „Il Foglio“ ohne Palmaro, für dessen Witwe in der Zwischenzeit eine Stiftung für den Lebensunterhalt und die Ausbildung der vier Kinder ins Leben gerufen wurde, die für Zuwendungen dankbar ist. Hier der Aufsatz von Alessandro Gnocchi und der Hinweis auf den letzten gemeinsam mit Mario Palmaro verfaßten Artikel: Ohne Doktrin gibt es keine Christen – ‚Erfahrung‘ und Faszination genügen nicht, um Jesus nachzufolgen.

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Das Hinterzimmer der Liturgie

von Alessandro Gnocchi

Kein Mensch, wie Hegel sagte, entgeht dem Tadel des Kammerdieners, der die geheimen Zimmer regiert. Genausowenig können sich die Revolutionen und ihre reformatorischen Traumata dem Urteil des Altwarenhändlers entziehen, der im Hinterzimmer verkehrt, in dem die Überreste der verflossenen Epoche und der gestürzten Ordnung aufbewahrt werden.

So versteckt sie auch sein mögen, es gibt immer einen Ort, in dem das Ausnahmewesen und das epochale Ereignis gezwungen sind, ihre innerste Natur zu zeigen, und sei es nur in einem Detail. Auch die in der Kirche Ende der 60er Jahre vollzogene Liturgiereform entgeht nicht der Hegelschen Guillotine. Auch der große Sprung hin zur Welt, den man angesichts der Umkehrung der Gebetsrichtung gegenüber früher als Revolution bezeichnen kann, hat sein enthüllendes Hinterzimmer. Es genügt in den Pfarrhäusern, Konventen und Sakristeien nach den alten Meßgewändern zu suchen, um einen Beweis dafür zu finden.

Der Manipulus ist kaum mehr auffindbar

Mit etwas Geduld und viel Bereitschaft zur Demut findet man auf einer solchen liturgischen Erinnerungsreise immer irgendwo einen Priester, eine Ordensfrau oder noch wahrscheinlicher einen alten Mesner, der mit einem wehmütigen Seufzer über die Zeiten als die Messe noch wirklich eine Messe war, Kaseln, Ornate, Tunicellen, Dalmatiken, Birette und Chorhemden hervorsucht. Aber selbst sie, mit wenigen Ausnahmen, sind nicht imstande den Manipel zu finden, jenes schmale, stolaähnliche Stoffteil, das der Zelebrant am linken Handgelenk trägt.

Wegen irgendwelcher obskurer Pläne, wollte man offenbar sogar die Erinnerung an dieses liturgische Kleidungsstück auslöschen, das aus der mappula hervorgegangen ist, einem kleinen Leinentuch, das der römische Adel am linken Arm trug und dazu benützte, Tränen und Schweiß abzuwischen und um das Zeichen für den Beginn der Kämpfe im Zirkus zu geben. In den Ostkirchen entspricht der Manipulus dem Epimanikion.

Merear, Domine, portare manipulum fletus et doloris; ut cum exsultatione recipiam mercedem laboris“, betet der Priester jedes Mal, während er bei der Ankleidung den Manipel küßt und anlegt. „Möge ich würdig sein, o Herr, den Manipel der Tränen und des Schmerzes zu tragen, auf daß ich mit Jubel den Lohn meiner Arbeit empfange.“ Und erneut beginnt der Kampf gegen die Welt und ihren Fürsten, indem der Priester auf mystische Weise als alter Christus weint, schwitzt, blutet und kämpft bis hinauf aufs Kreuz.

In anstrengungsloser „Rettung“ ist kein Platz für Zeichen des Kampfes

Diese schmerzhafte und mannhafte Durchdringung im Opfer ist aber notwendig, und der schmale Manipulus ist als Schweißtuch Zeichen und Instrument dafür. Dort aber, wo man bereitwillig die Erinnerung daran verloren hat, um sich dem Festmahl einer anstrengungslosen „Rettung“ hinzugeben, ist kein Platz für die Zeichen des Kampfes, für den man den eigenen Körper einsetzen und ausliefern muß.

Die Pein eines heiligen Pater Pio und seines stigmatisierten Fleisches, die Ekstasen eines heiligen Philipp Neri, die Visionen des heiligen Johannes Chrysostomos, der dem Herabkommen des Blitzstrahls auf den Altar beiwohnte, und alle Heiligen Messen bis hin zu jenen des unwürdigsten Priesters, der auch nur ein bißchen Glauben an das Wunder der Transsubstantiation hat, waren immer gleichzeitig Herz und Frucht dieses Kampfes gegen den Fürsten dieser Welt.

Impone, Domine, capiti meo galeam salutis, ad expugnandos diabolicos in cursus”, betet der Priester zur Abwehr des Bösen, während er bei der Vorbereitung auf die Heilige Messe das Schultertuch über sein Haupt legt. Ein weiteres liturgisches Gewand, das den Kampf und das Opfer in Erinnerung ruft, das in der reformierten Messe abgekommen ist. „Setze, o Herr, auf mein Haupt den Helm des Heiles, um alle teuflischen Anfechtungen zu bezwingen.“

Kleriker und Laien berauscht von der illusorischen Kraft des Geredes

Heute, in der nachkonziliaren Kirche redet man um des Redens willen, dialogisiert man des Dialogs wegen und pflegt eine freundliche Konversation mit der Welt, berauscht von einer illusorischen Überzeugungskraft des Geredes. Es braucht kein Gewand mehr wie das Schultertuch, das zum Helm des Gotteskriegers auch die castigatio vocis symbolisiert und aus der liturgischen Handlung jedes Wort verbannt, das nicht zum Ritus gehört, als völlig überflüssig, unpassend und die heilige Handlung störend.

Man hat die Haltung zum Ritus verloren und daher auch die Haltung zum Gebot und deshalb haben die Priester auch auf ihre Priesterkleidung verzichtet. Gilbert Keith Chesterton schrieb in „Was Unrecht ist an der Welt“, indem er Frauen kritisierte, die es vorziehen, Hosen zu tragen, daß die Männer, wenn sie feierlich und fehlerlos auftreten wollen, „wie im Fall der Richter, Priester und Könige, den Rock, das lange rauschende Kleid der weiblichen Würde tragen. Die gesamte Welt wird von den Soutanen aufrechterhalten, da sogar die Männer sie anziehen, wenn sie regieren wollen.“

Akedia, die Trägheit, das perverseste aller Hauptlaster

Die Vorstellung vom Gebot und dem Kampf, der Waffen und der Waffenrüstung im Geist ist von den Christen abgelegt worden, die es lieben, von der Trägheit eingelullt zu werden, dem perversesten aller Hauptlaster. Diese tödliche Falle, die die Kirchenväter Akedia oder Acedia nannten, breitete sich von Gläubigem zu Gläubigem aus, bis sie das ganze kirchliche Corpus befallen hatte. Daraus ist eine Unruhe und ein Unwohlbefinden geworden, eine Häresie, die ein Präludium für die unterschiedlichsten Irrtümer ist, die als extreme Fratze des mannhaften und kämpferischen Grundsatzes des ausgeschlossenen Widerspruchs sogar im Widerspruch zueinander stehen können.

Entschuldigung dafür, Jahrhunderte dem Menschen den Heilsweg aufgezeigt zu haben

Krank an Akedia ist die Kirche soweit gekommen, sich selbst als Problem zu sehen und zu präsentieren anstatt als Lösung des Problems für das intime Übel des Menschen. Selbst wenn sie von der Welt spricht, vermittelt sie heute den Eindruck, als würde sie sich selbst für unfähig halten, einen Heilsweg aufzuzeigen, ja so als wollte sie sich dafür entschuldigen, genau das viele Jahrhunderte lang versucht zu haben. Sie zweifelt in erster Linie an den eigenen intellektuellen und asketischen Grundsätzen. Und absurderweise erklärt sie, gerade indem sie proklamiert, sich der Welt zu öffnen, unfähig zu sein, die Welt zu kennen, zu definieren und daher zu erziehen und zu bekehren. Bestenfalls bietet sie an, die Welt ohne Gewähr zu interpretieren.

„Die Akedia“, schreibt der heilige Johannes Klimakos in seiner „Treppe zum Paradies“ und er scheint damit genau die Kirche unserer Zeit zu beschreiben, „bringt die Seele zu Fall, sie ist Schwächung des Geistes, Nachlässigkeit in der Askese, Haß gegen das Bekenntnis, sie hält jene für glückselig, die in der Welt leben, sie ist eine Verleumderin Gottes, es mangelt ihr an Mitleid und Liebe für die Menschen. Sie ist Erschlaffung in der Psalmodie und Schwachheit im Gebet.“ Als wahrer Mann Gottes und daher Kenner der menschlichen Natur, zeigt der heilige Mönch auf, den Benedikt XVI. zitierte, welche flüchtigen und verräterischen Folgen die Akedia als Krankheit hervorbringt, die sich durch und durch hinterlistig sich selbst als illusorisches Heilmittel präsentiert. Deshalb sei sie immer eifrig im Aktivismus und bereit zur manuellen, statt zur geistigen Arbeit.

Tango y Corazon: Der Aktivismus der Trägheit

Auch die Akedia empfiehlt die Aufnahme der Gäste. Die List ist nicht gleich erkennbar. Sie veranlaßt manuelle Arbeiten zu verrichten, Almosen zu sammeln, Kranke zu besuchen, indem sie an jenen erinnert, der sagte: Ich war krank und ihr seid zu mir gekommen; sie fordert dazu auf, die Entmutigten zu besuchen, um ihnen Stärkung zu bringen. In Wirklichkeit aber besuchen dabei Mutlose nur andere Mutlose. Während wir im Gebet verweilen, läßt sie uns dringende Aufgaben in den Sinn kommen und setzt jede nur denkbare Strategie ein, um uns aus irgendeinem durchaus vernünftig klingenden Grund vom Gebet wegzuziehen. Genau sie, die so unvernünftig ist.

Was der heilige Mönch im 7. Jahrhundert als Mahnung für einzelne Glieder verfaßte, gilt heute für das gesamte Corpus der Kirche, das zur Beute dieser Krankheit namens Aktivismus geworden ist: ein bißchen Tango y Corazon (Tango und Herz), ganz nach dem Geschmack des medialen Bewegungsdrangs und des intimen Minimalismus des derzeitigen Pontifikats. Die Welt überzeugt man aber nicht, indem man sich ihr gleich macht und ihre Sprache übernimmt. Dieses Jahrhundert gewinnt man nicht, indem man die Gesten und Worte begeistert nachahmt, die für den Ritus castigatio sind. Die Welt hat vor allem Abscheu vor sich selbst und der Christ gewinnt sie nicht, indem er sich verweltlicht.

Wenn wir Gott nicht auf die Altäre rufen, werden sie von Dämonen besetzt

„Geh in deine Zelle und setz dich hin“, sagte ein anderer Wüstenvater, der heilige Moses der Starke zum trägen Mönch, „und deine Zelle wird dich alles lehren“. In ihrem Aufsatz „Übernatürliche Sinne“ schreibt Cristina Campo: „Nicht ungestraft praktiziert man die scheele Homöopathie, die empfiehlt, die hoffnungslos an Schmutz, Anonymität, Profanem und Ausgelassenem erkrankte Welt mit Hilfe von Schmutz, Anonymität, Profanem und Ausgelassenem zu heilen.“ Und weiter: „Es ist kindisch zu meinen, die Regenerierung des Profanen, die „Weihe der Welt“ könnte sich auch anderswo vollziehen als auf den Gipfeln des Berges Sinai. Gemeinsam mit Freunden, wo und wie einem die Phantasie es eingibt, ein symbolisches Mahl einzunehmen, im Gedenken an einen Philanthropen der alten Zeit, ist Verwesung des Sakralen und Verlust des Profanen zugleich. […] wenn wir aufhören, Gott auf unsere Altäre herunterzurufen, werden unentrinnbar die Dämonen sie besetzen.“

Der Altar aber, die große Prüfung vor die der Mensch im Akt der Religion gerufen ist, ist auf das Engste mit dem Dogma verbunden, der großen Prüfung, vor die der Mensch im Akt der Intelligenz gerufen ist. Wenn eine versagt, fällt auch die andere und löst einen Teufelskreis aus, der sich auf perverse Weise immer weiter selbst antreibt.

Luthers Aggression gegen Liturgie und Dogma

Der Benediktiner Prosper Guéranger schrieb in seinen „Institutions liturgiques„: “Schließlich kam Luther, der nichts sagte, was nicht bereits seine Vorgänger gesagt hatten, der aber den Anspruch erhob, den Menschen gleichzeitig von der Sklaverei des Denkens gegenüber der lehrenden Macht zu befreien und von der Sklaverei des Körpers gegenüber der liturgischen Macht.“

Das Laster der Akedia, die das Volk Gottes krankmacht, indem sie es die Unterscheidung zwischen Orthodoxie und Häresie verlieren läßt, hat seine Wurzeln im religiösen Drama des deutschen Augustiners, das sich sowohl in Aggression gegen die Liturgie als auch gegen die Vernunft, sowohl gegen den Altar als auch gegen das Dogma, gegen die Lex orandi und die Lex credendi entlud. An sich nicht verwunderliches, wenn man bedenkt, daß der Mensch ein rationales Wesen ist, weil er ein liturgisches Wesen ist und im Letzten die Anbetung zum Ziel hat. So kann er auch nicht den Ritus aus seinem Denken und Sein eliminieren, sondern muß sich darauf beschränken, ihn zu pervertieren. Gleiches gilt für die Vernunft: Wenn der Mensch sie nicht heiligt, prostituiert er sie.

Die Angriffe auf den mystischen Leib Christi erfolgen immer über die Zerstörung der Liturgie. Der häretische Genius des Arius breitete sich dank seiner religiösen Hymnen aus. Der orthodoxe Genius des heiligen Ambrosius besiegte ihn dank anderer religiöser Hymnen.

Mensch will Verlust des Gnadenstatus nicht mehr akzeptieren

Altar und Dogma sind der Maßstab für das Heil, sie entsprechen der liturgischen und rationalen Essenz des Menschen, der sich als Geschöpf das Heil nicht selbst geben kann. Altar und Dogma verhüllen, was jeder Mensch sehen möchte. Diese Verhüllung, die mit dem Sündenfall zusammenhängt, ist dem modernen Menschen verhaßt. Er, der alles sehen, technisch beherrschen, dienstbar machen und manipulieren will, ist unfähig auf natürliche Weise das Essentielle zu erfassen, weil er den Status der Gnade verloren hat.

Allein ist der Mensch nicht mehr imstande, den eigentlichen Sinn der Dinge zu erfassen und daher auch nicht den Sinn der Liturgie. Deshalb behalf er sich dabei, bis er dem Glitzer und Glimmer der Welt erlag, indem er die Materie zusätzlich umkleidete. Durch das Sichtbare dieser Umkleidung, an der Grenze zwischen Endlichem und Unendlichem, führt die Anbetung die menschliche Intelligenz dazu, die Schönheit und Vernünftigkeit des Dogmas zu erahnen. Und plötzlich verhüllt der Schleier nicht mehr, sondern wird zum sichtbaren Zeichen der Gnade und einer für die Augen des Menschen unsichtbaren Heiligkeit, die die innerste Essenz der Dinge anzeigt.

Es braucht aber Glauben, wie der heilige Thomas in seinem eucharistischen Hymnus sagt: “Adoro te devote”: Visus, tactus, gustus, in te fallitur, / Sed audítu solo tuto creditur:/ Credo quidquid dixit Dei Fílius; / Nil hoc verbo veritatis verius”.

„In Demut bet‘ ich dich, verborgene Gottheit, an, Die du den Schleier hier des Brotes umgetan. Mein Herz, das ganz in dich anschauend sich versenkt, Sei ganz dir untertan, sei ganz dir hingeschenkt. Gesicht, Gefühl, Geschmack betrügen sich in dir, Doch das Gehör verleiht den sicheren Glauben mir, Was Gottes Sohn gesagt, das glaub‘ ich hier allein, Es ist der Wahrheit Wort, und was kann wahrer sein? Am Kreuzesstamme war die Gottheit nur verhüllt, Hier hüllt die Menschheit auch sich gnädig in ein Bild. Doch beide glaubt mein Herz, und sie bekennt mein Mund, Wie einst der Schächer tat in seiner Todesstund‘. Die Wunden seh‘ ich nicht, wie Thomas einst sie sah, Doch ruf‘ ich: Herr, mein Gott, du bist wahrhaftig da!“

Der Welt eine Torheit

Nur in diesen so dünnen Ebenen, die aber doch so konkret sind, daß sie berührt, gegessen und getrunken werden können, ist es möglich, den archimedischen Punkt zu finden, in dem das Heil zu Hause ist, das Kreuz: Torheit für die Welt, die den Christen für einen Verrückten hält, der dazu bestimmt ist, gewissermaßen gegen die Schwerkraft mit dem Kopf nach unten zu leben. Und doch ist es genau so, wie der heilige Petrus im Augenblick seiner Kreuzigung mit dem Kopf nach unten, daß der Anhänger des Kreuzes im Gegenzug die wunderbare und kindliche Schau der Welt gewinnt, wie sie wirklich von Gott geschaffen wurde.

Zubaráns Gemälde des toten lebenden Franz von Assisi

Diese Sichtweise, der Blick des Gekreuzigten ist es, der die Welt in einen solchen Abscheu über sich selbst stürzt, und die Menschen gewinnen läßt, ohne weltliches Wort oder weltliche Geste. Es ist der Ausdruck, den Francisco de Zubarán in größter Frömmigkeit in seinem Gemälde des heiligen Franz von Assisi in Ektsase dargestellt hat. Ein Bild, das von den beiden vergeistlichten Augen des Heiligen beherrscht wird, eines vom Licht durchdrungen, das andere in den Schatten eingetaucht, die einer anderen Welt angehören und nichts anderes sehen. Und wenn sie auf materielle Dinge fallen, dann tun sie es nur, um profane Augen die verhüllte und unerreichbare Schönheit erahnen zu lassen.

Die Darstellung des stehenden Mannes mit dem Kopf in der Kapuze verborgen, die Hände in den Ärmeln der Kutte versteckt und dem zum Himmel gerichteten Blick, die der spanische Maler geschaffen hat, stellt den Heiligen nicht zu Lebzeiten dar, sondern zeigt seinen unverwesten Körper nach dem Tod, wie er in der Krypta von Assisi vorgefunden wurde. Das Bild der Auffindung des heiligen Franziskus wird normalerweise erzählt. Zubarán aber zeigt den Heiligen tatsächlich bildlich und zwar aufrecht in einem ewigen liturgischen Moment, vom Licht und Schatten modelliert, von der Gnade und vom Schleier. Nur das Gesicht, dessen Hälfte in den Schatten getaucht ist, ist von seinem verhüllten Körper sichtbar. Das allein genügt, um hier jemandem Sichtbarkeit zu verleihen, der aus der Welt der Toten zurückkehrt in einer Epiphanie frei von jeder erschreckenden Note, die gemeinhin der Tod für die Lebenden hat, denn seine Seele ist erfüllt von übernatürlicher Ruhe und Seligkeit.

Wo immer ein Priester an den Altar tritt, wird Herrlichkeit Gottes und der Schöpfung sichtbar

Auch in der letzten Kapelle irgendwo auf dem Land, wo sich der Geruch von billigem Weihrauch mit dem von abgestandenem Wachs vermengt, hat der Eintritt des zur Zelebration des Heiligen Meßopfers bereiten Priesters denselben sakralen Ursprung im Göttlichen, das in die Welt eintritt, wie es der spanische Visionär erahnte.

Introibo ad altare Dei. Ad Deum qui laetificat juventutem meam.” Und während der Priester an den Altar Gottes tritt, der seine Jugend erfreut, auch wenn er sich nicht direkt mit jener von Zubarán gemalten Herrlichkeit schmücken kann, spricht er zu jedem Geschöpf des Universums, und ist  mit den sichtbaren Zeichen dieser Herrlichkeit umhüllt, ob er nun ein unwürdiger Sünder ist, wie Graham Green in „Die Kraft und die Herrlichkeit“ erzählt, oder ein Märtyrer, wie Robert Hugh Benson in „By What Authority?“ (Mit welcher Vollmacht?). „Einer der Diener, der bemerkte, daß er nicht die Kraft hatte, alleine die priesterlichen Gewänder anzulegen“, wie Benson die Heilige Messe eines von anglikanischen Häschern gefolterten Priesters schildert, „legte ihm das Schultertuch um den Hals; dann legte er ihm das Chorhemd um und band es mit dem Zingulum fest; er gab ihm die Stola zum Kuß, band den Manipulus um den linken Unterarm und zuletzt legte er ihm die rote Kasel um und der Priester stand wieder, wie am Sonntag zuvor in seinen roten Gewändern; aber wie verändert war er doch! Dann kniete der Diener neben ihm nieder und der Priester begann die Gebete zu sprechen, die zur Vorbereitung zur größten Handlung der Religion notwendig sind. Er trat dann an den Altar, verneigte sich langsam, küßte ihn und die Messe begann.”

Einleitung/Übersetzung: Giuseppe Nardi
Bild: Corrispondenza Romana

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23 Comments

  1. Oh was den Seelen verloren ging und noch verloren gehen wird. Es schmerzt sehr.

  2. Danke Alessandro Gnocchi für diesen großartigen Artikel. Schade und traurig, dass dein glaubenstreuer Mitstreiter Mario Palmaro, dich und uns verlassen hat, Gott möge sich seiner Seele erbarmen. Es ist leider so, dass die Kämpfer für die Wahrheit rarer, immer weniger werden.

  3. Was nun? frage ich mich ratlos beim Lesen dieses Beitrags. Fast der gesamte katholische Klerus, an der Spitze der Papst, weicht das Opfer auf, ändert den Glauben an seiner entscheidenden Stelle. Nicht mehr das Opfer steht im Mittelpunkt, sondern das Pascha-Mysterium, das sich vollzieht im Gedächtnismahl.
    In einem meiner Zimmer, meiner Meditationsecke, hing das Pascha-Kreuz. Jesus Christus am Kreuz, die Arme souverän ausgespannt, in weite, österliche Gewänder gehüllt. Wir sollen nicht mehr das Erlöserhandeln Jesu Christi im Leiden und Sterben am Kreuz sehen, sondern untrennbar mit Ostern. Das war mein Pascha-Kreuz, nur noch die Kreuzesform erinnerte an den leidenden Herrn. Das Grundprinzip der Messe Paul VI. hing in meinem Zimmer, und ich meditierte davor.
    Sicher, wäre unser Verstand nicht durch die Erbsünde geschwächt, wäre diese Zusammenschau richtig. Vielleicht war sie dem übernervösen, übersensiblen Odo Casel möglich, dem „Erfinder des Grundprinzips“ sowohl der Liturgiekonstitution SC als auch der Neuen Messe. Normalsterbliche müssen mit ihrem Verstand die einzelnen Elemente betrachten: Die Erlösung begann mit der Inkarnation der zweiten göttlichen Person, mit seinem Leben und Wirken auf der Erde, sie vollzog sich in seinem Leiden und Sterben am Kreuz, während Ostern die Vollendung bedeutete. Dieser Vollzug, das Opfer, wird in der Messe Paul VI. zurückgedrängt.
    Mein Pascha-Kreuz liegt inzwischen in einer Schublade, am liebsten würde ich es entsorgen, doch eine gewisse Pietät verbietet es mir.
    In der Messe Paul VI. hätte ich meinen Glauben verloren, eine hoffnungslose Agnostikerin wäre ich geworden. Wie vielen Katholiken ist es so gegangen, diese Messe sagt ihnen nichts mehr. Leider finden sie auch keinen Zugang mehr zum überlieferten römischen Ritus, der Messe aller Zeiten. Sie wird an zu wenigen Orten zelebriert, sie wird von Bischöfen bekämpft, und es gibt viel zu wenig Priester für diese einzig katholische Messe. Und das innere Gespür für wirkliche Liturgie wurde durch diese Messe zerstört.
    Doch was können katholische Laien dafür? Gott bedient sich für sein Heilshandeln menschlicher Werkzeuge. Sowohl im Alten als auch im Neuen Bund. Am Anfang war es das JA der allerseligsten Jungfrau Marie, es setzte sich fort im Wirken der Apostel.
    Doch was geschieht, wenn sich die Priester, die allein die Werkzeuge sind, das Opfer von Kalvaria unblutig zu erneuern, gegen das Opfer empören?
    Ich bin es leid, immer wieder allgemeine Schuldzuweisungen zu hören und zu lesen. Papst Paul VI. ist mit seiner Neuen Messe verantwortlich und alle Kardinäle und Bischöfe haben im falschen zerstörerischen Gehorsam mitgemacht.
    Zwei Ausnahmen gab es: Erzbischof Lefebvre und Bischof de Castro Mayer. Beide sind exkommuniziert gestorben.
    Und wir haben inzwischen Bergoglio als Papst, den personifizierten Niedergang der katholischen Kirche. Doch trifft ihn wirklich die Schuld? Das wäre zu billig. Ohne diese Kirche im Niedergang wäre er niemals Papst geworden.

    • sie sprechen einen fundamentalen Punkt sehr genau an-den punctum crucialem-der abrupte gewaltsame Uebergang vom überlieferten Ritus zum NOM.das war kein Uebergang sondern ein unsägliches totalitäres Diktat.Ich habe das als schäumenden Hass gegen die tridentinsichen Messe erlebt.Wer sich als Priester dagegen zaghaft sträubte-so habe ich das vernommen- wurde durch hochfahrende Obrigkeit im Prälatenkittel abgekanzelt und diffamiert.Vorallem der Klerus war nicht vorbereit, noch weniger das treue, gute Kirchenvolk,das eigentlich nur gut und getreu katholisch sein wollte wurde durch hündische und wolfische (diese Worte sind treffend von Heinrich Seuse im Zusammenhang vom Inquisitionsprozess Meister Eckehard überliefert und hier mE sehr passend-maxime convenit!) Liturgieprofessoren hinters Licht geführt, in ihrem Kostbarsten-ihrem Glauben schwer erschüttert, verraten.Das war ein grosses schweres Unrecht für die einfachen guten Gläubigen-dafür ist bis jetzt noch nicht Busse getan worden.fiat fiat!

  4. Spontan stieg in mir der Fluch auf, den Gott nach dem Sündenfall über dem Mann spricht: „Im Schweiß deines Angesichtes sollst du Brot essen, bis du wieder zurückkehrst zur Erde…“
    Ich dachte beim Lesen, dass die Liturgie beinahe wie eine Überwindung dieses Fluches wirkt, indem sie ihn bis zur Neige im Opfer ausschöpft.
    Protestantische Arbeitsethik dagegen weist solche liturgische Überwindung ab und hat sich in weltliches Wühlen und Sich-Verfestigen in diesem Fluch verloren.
    Auch die Erwähnung der priesterlichen Würdekleidung, die eigentlich der Frau zugeordnet wird (weibliche Kleidung ist Herrschaftskleidung!) weist auf die Überwindung des Fluches der Herrschsucht zwischen den Geschlechtern hin. Die Liturgie nimmt hier also in der ursprünglichen Absicht mit dem männlichen Priester auch die Frau mit ins Geschehen hinein (@ zeitlos, falls Sie es lesen, wegen unseres gestrigen Austausches: und insofern „Unterordnung der Frau“ unter den sich andererseits mit dem Herrn für uns aufopfernden Mann!). Und daneben kann in aller Größe auch der Fluch der mühsamen, schmerzhaften Mutterschaft im Bild der Gottesmutter, die lebendig dem Geschehen beiwohnt, immer unterm Kreuz steht, auch in jedem Messopfer, und mit ihr im Idealfall alle Frauen überwunden werden.
    Es ist wirklich wahr, dass eine solche himmelweisende Überwindung des Fluches über dem Menschengeschlecht durch die Sünde hier vollkommen aufgehoben wird, wenigstens für den Moment der heiligen Zeremonie.
    Und es ist wichtig zu konstatieren, dass sich dies in keiner noch so überladenen und altehrwürdigen anderen Liturgie findet.
    Die Öde und Langeweile, die dröge Erstarrung im Novus Ordo wird so noch verständlicher, auch die Tatsache, dass die jüngeren Leute da nicht mehr hingehen wollen.
    Die Frage ist nur, ob ein zwanghaftes „Traditionspielen“, zu dem die Traditionsverbundeheit ja sehr oft ausartet, weil die Verfechter sich auf flache Äußerlichkeit vefestigen und keineswegs in diese Tiefen blicken wie Gnocchi, nicht einen hohlen Manierismus oder Epigonie erzeugt.
    Um dies alles lebendig zu halten, bedürfte es eben einer echten kirchlichen Tradierung, die unter einem rechten Pontifikat atmet und nicht unter der Knute selbsternannter Lehrmeister.
    Im Grunde sind die Petrusbrüder und die Motu-proprio-Priester in der natürlichsten und normalsten Lage, wenn da nicht die Schiszophrenie wäre, sich von Päpsten und Bischöfen gesendet wissen zu wollen, die alles tun, um dies zu hintertreiben…

    • Was ist ein „zwanghaftes Traditionsspielen?“ Wer spielt zwanghaft Tradition? Ihre undifferenzierten Rundumschläge sind wenig hilfreich.
      Die Priestergewänder haben rein gar nichts mit der Geschlechterbeziehung Mann- Frau zu tun. Ein Liturgiefachmann kann die Gewänder leicht erklären, auch die historischen Bezüge.

      Nochmal: Wer spielt zwanghaft Tradition? Die Priester der FSSPX und die Gläubigen in ihrem Umfeld? Ich kenne keinen, der „spielt.“ Eine gewisse Enge ist mitunter zu beklagen, aber gewiss keine Spielerei. Von allen Medien verachtet zu werden, von allen anderen Christen ebenfalls, zu einer Gruppe zu gehören, auf der alle rumhacken, hat mit Spielerei nichts zu tun. Wir nehmen weite Wege in Kauf, um in eine Kapelle zu kommen, die Priester haben weite Anfangswege zurückzulegen, wenn sie nicht gerade in der Prioratskapelle zelebrieren.
      Auch wenn die FSSPX es z. Zt. vorzieht, zu den Missständen in der Kirche zu schweigen, so bleibt doch bestehen: Wir haben es der Priesterbruderschaft St. Pius X. zu verdanken, dass die Tridentinische Messe überlebt hat und das II. Vatikanische Konzil grundlegend kritisiert wurde. Alle anderen haben sich im sogenannten Gehorsam ergeben.
      Das war kein Spiel. Der schmerzhafte Riss ging und geht durch Familien, wenn sich Priestersöhne für die FSSPX entscheiden und suspendiert sind, wenn Gläubige zu suspendierten Priestern in die hl. Messe gehen und sich von ihnen die Sakramente spenden lassen. Weil sie wissen, der katholische Glaube wird in der Konzilskirche bis zum Glaubensabfall verändert.
      Trotzdem höre ich keine abwertenden Urteile über Katholiken, die in die Messe Paul VI. gehen. Das ist die Art der Sedisvakantisten im Internet, die über die „V 2-Sekte“ lästern.

      Unsere Priester zelebrieren die hl. Messe sehr ehrfürchtig. Ein „zwanghafter Traditionsspieler“ ist mir nicht bekannt.

      Wir bekommen genug Abfälliges zu hören. Diese undifferenzierte Lieblosigkeit müssen wir uns nicht auch noch gefallen lassen, zeitschnur!

      • @zeitlos
        Solche Rundumschläge gegen die Tradition kommen meist von Leuten, die persönlich wenig bis keine Erfahrung haben mit der alten Messe, die die neue Messe besuchen und sich theoretisches Wissen angelesen haben.
        Wie das bei Frau Jüngling aussieht, weiß ich nicht, manche ihrer Äußerungen sind allerdings in der Tat undifferenziert und mehr als lieblos.

      • Frau M.S. sei geraten, einfach mein Posting zu lesen. Und da steht wesentlich anderes als das, worüber sich Frau Zeitlos turnusmäßig wieder mal ausführlich anhand meiner Sätze erregt.
        Was hat die Zeitschnur geschrieben? Ich empfehle in diesem Fall: Back to the Zeitschnur-roots. Ad fontes, Kollegen! Die Zeitschnur-Rezeption ist nicht identisch mit der fons lineae temporis.

        Tja, wer ist Zeitschnur? Kennt sie den alten Ritus, geht sie da hin, oder ist sie ein verkappte Umstürzlerin? Eine Novus-ordo-Liebhaberin? Vielleicht ist sie Sedisvakantistin? Oder gar eine Jüdin? Hm hm hm.
        Attendite!

      • Ach zeitlos, Sie fassen alles als persönlichen Angriff auf, was soll man da noch sagen?
        Ich schreibe weder für Sie noch Ihretwegen. Beruhigen Sie sich doch und lesen Sie einfach noch mal in Ruhe nach. Es stört mich, dass Sie meine Worte fast immer verdrehen.
        Mir geht es auch nicht darum – wie Ihr Horizont Ihnen das offenbar nahelegt – irgendetwas niederzumachen, sondern ich leide unter der Situation, dass man einfach keine runden Quadrate zeichnen kann.
        Ich habe aber auch keine Lust, mich ständig für etwas rechtfertigen zu müssen, was sich allein in Ihrem Kopf abspielt.
        Wenn in der Kirche durch die Spitze selbst seit Jahrzehnten ein Tradtionsabbruch vollzogen wurde, dann ist jeder, der das, was vorher war, trotzdem aufrecht halten will, je länger die Jahrzehnte verstreichen, ebenfalls abgekoppelt von der Tradition, ob er das nun wahrhaben will oder nicht. Denn Tradition, sofern sie sich in der Kirche gesund entwickelt (!), ist nichts Starres und kann auch nicht stellvertretend von einer Minigruppe, die noch dazu heillos zerstritten ist (!), heldenhaft erhalten werden. Unweigerlich begeben sich solche Menschen in eine Engführung und maßen sich auch zunehmend allein schon auf der jurisdiktionellen Ebene Kompetenzen an, die sie nach dem seit alters her geltenden Recht der Kirche eben nun mal nicht haben. Allenfalls als Notfallpriester können sie ohne weitere Kompetenzen Sakramente spenden und Seelsorge betreiben, haben aber keinerlei pfarrherrliche Rechte. Alles andere führt ins Chaos und wir sehen es ja auch: zig Priester wurden einfach auf die Straße gesetzt aus Gründen, die kaum noch nachvollziehbar sind. Weiten Sie doch mal Ihren Blick und sehen Sie auf französische Websites – es ist ein einziges Tohuwabohu von rechtgläubigen Piusleuten, rausgeworfenen Vagantenrpeistern, von denen manche überzeugend, manche dagegen offenbare Spinner sind, und jeder zeiht einen Fanclub hinter sich her und spielt Tradition. Wenn Sie das nicht mitbekommen heißt das noch lange nicht, dass das nicht ttasächlich ein großes Problem ist. Es ist so auffallend, dass hier die wahre Autorität fehlt. Heldenhaft leistet man Rom „Widerstand“, drischt aber jeden zusammen, der einem selbst mit Gründen Widerstand leistet – wobei man selbst keinerlei rechtliche Befugnis hat, Rom dagegen schon: sofern man diese Päpste nicht als Häretiker ansehen will. Aber genau das will man dann auch wieder nicht. Es gehört nicht viel Verstand dazu, das Dilemma zu begreifen. Wer logisch denkt, muss begreifen, dass, egal wie herum man das ganze durchdenkt, an jeder Version ein gewaltiger Haken ist.
        Was ich da sage, sind nun mal nicht Erfindungen aus meinem Kopf, sondern Realität.

      • Und was die Gewänder betrifft habe ich mich auf einen Passus in Gnocchis Aufsatz bezogen. Lesen Sie das doch im Artikel oben noch mal. Auch in der Deutung der natürlich geltenden und sehr guten liturgischen Regeln und Hintergründe ist niemand zu dieser Engführung des Verstehens verpflichtet, die Sie sich wünschen. Wenn niemand mehr über die Paragrafen unserer Bücher hinausdenken darf, haben wir nämlich genau das, was ich beobachte: die Tradition rennt wie die Maus in Kafkas kleiner Fabel immer mehr in aufeinander zulaufende Mauern, und am Ende wartet die Katze und frisst sie.
        Auch wenn die „geöffneten Fenster zur Welt“ von denen J23 schwämte, ein Verhängnis sind, zeichnete sich die echte Tradition in der echten Kirche eben durch die sprichwörtliche katholische Weite aus, die auch Allegorien zuließ, den Fluss der Gedanken, ja überhaupt mit dem Einbrechen des Geist-Fließens rechnete und nicht alles sofort zerdepperte.
        Das ist vorbei, es ist unübersehbar. Und die, dafür noch steht, nämlich die „sedes sapientiae“, die Gottesmutter, lehnen Sie in dieser wichtigen Rolle auch ab.
        Uns kann wirklich nur der Herr selbst aus dieser schlimmen Lage retten.

  5. Sehr treffend. Danke.

    Besonders auch das Zitat von R. H. Bensons „By What Authority?“ freut mich. Benson würde viel mehr Verbreitung verdienen.
    Gnocchi übrigens auch. Ich hoffe, hier noch viel von ihm zu lesen.

  6. Sie bilden sich ein, Frau Jüngling, ich hätte mich persönlich angegriffen gefühlt.
    Vermutlich müssen Sie noch lernen, Gedanken zu äußern, ohne Gruppen zu diffamieren. Mir fällt auch auf, dass Sie sich sehr undifferenziert zur byzantinischen Liturgie äußern, Sie bezichtigten vor kurzem „Fromme des Orthodoxiewahns.“ Ohne dass Sie diese Liturgie auch nur im Ansatz verstehen.
    Um auf die Messe aller Zeiten zurückzukommen: Pius X. hatte recht: Wir müssen sie verstehen, um sie ins Leben umsetzen zu können. Er hat das klipp und klar gefordert.
    Dennoch bleibt sie geheimnisvoll, in ihrer Tiefe unauslotbar. Ein ganzes Leben reicht nicht, um zu verstehen, was auf dem Altar geschieht.
    Doch solide Grundkenntnisse sind erforderlich. Auch der begnadete Lyriker lernt die Regeln der Grammatik. Der kreative Fotograf, der bewusst die üblichen Regeln der Bildgestaltung außer kraft setzt, beherrscht sie. Die Konzertpianistin übt immer wieder einfache Handgriffe.
    Wir können über die Liturgie nicht reden wie Dilettanten.
    Es gibt viele Gläubige im Umfeld der FSSPX, die können nicht so tief blicken wie Herr Gnocchi. Doch sie können sich sehr tief mit unserem Herrn auf dem Altar verbinden. Darum geht es.

    Ich fühlte mich nun wirklich nicht angesprochen, doch ich finde es erstaunlich, wie anmaßend Sie urteilen.

    • Sie werden schon wieder persönlich…und merken das wohl gar nicht. Ich bitte Sie hiermit inständig, damit aufzuhören.
      Ich habe Fragen und unlösbare Probleme im Kopf.
      Was wissen denn Sie, was ich zu lernen habe? Kritik ist im übrigen keine Diffamierung. Nur Ideologen können das nicht unterscheiden.
      Fakt ist aber, dass Ihr Posting da oben, das mir frei irgendwelche Meinungen unterlegt, nicht ein einziges sachhaltiges oder sauberes Argument zu dem aufweist, was ich tatsächlich gesagt habe.
      Rhetorik, Oberlehrerhaftigkeit, angemaßtes Expertentum, Respektlosigkeit.
      Das ist nicht meins, tut mir leid.

  7. Für die Veränderungen in der Kirche, der westlichen Christenheit spielen m.Er. 2 Ereignisse eine wesentliche Rolle: 1187 der Fall von Jerusalem und 1453 der Fall von Konstantinopel.
    Konstantinopel war auch ein Eckpfeiler für die röm.-lateinische Christenheit. Der Fall dieser wichtigen christlichen Stadt brachte Unruhe. Man fühlte sich geographisch von den Moslems immer mehr eingekreist und begann zunehmend, am Glauben und an der Kirche zu zweifeln.
    Die geographische Einkreisung wurde konterkariert durch die Entdeckung Amerikas und den Seeweg um Afrika herum nach Indien. Die bei manchen oder vielen gefühlte geistige Bedrängung fand ihren Ausfluß in der sog. Reformation. Sie sollte ja aus der Krise heraushelfen. Man wollte autark werden vom Papst und von Rom, um möglicherweise einer Katastrophe so wie in Konstantinopel besser gewappnet zu sein. Denn viele kleine Einheiten können nicht so leicht auf einmal besiegt werden wie eine GroßKirche, die zentral an eine einzige Stadt gebunden ist und mit ihr steht und fällt. Man könnte das aus heutiger Sicht so sehen.

    Und es gilt nach vorne zu schauen. Man sollte meines Erachtens nicht so sehr über Menschen vor einem halben Jahrtausend urteilen auf welcher Seite sie auch immer standen. Der Blick muß sich nach vorne richten auf eine wirkliche Neu-Evangelisierung und diese betrifft alle Christen, auch „uns“ Katholiken mit der hl. Messe und allen Sakramenten und Glaubensdogmen.

    • Ein Vorschlag: Vorne (und hinten) gibt es gar nicht. Und nun formulieren Sie Ihre Idee noch einmal substantiell.

  8. Wenn die Vertreter(innen) der Tradition sich gegenseitig so niedermachen, wie hier zwischen „Zeitlos“ und „Zeitschnur“ der Fall, dann dürfen wir uns über den scheinbar unaufhaltsamen Siegeszug des häretischen Modernismus natürlich nicht wundern. Zum Weinen, dieses Schauspiel. Halten Sie inne!

  9. Von den Ecclesia dei Gruppierungen und den Pius Brüdern wird allein die letztere Fassung des alten Ritus („1962er-Ritus“) gebraucht, die die Liturgiereform durch die Päpste Pius XII. und Johannes XXIII. einschließt.
    Das unter Papst Pius V. herausgegebene Missale Romanum, das dieser als verbindliches Messbuch für die ganze Kirche des Römischen Ritus herausgegeben hat, wurde demnach im Laufe der Zeit verändert.

    Ich hätte gerne erfahren welche Änderungen der alte Ritus erfahren hat und in wieweit diese bedeutsam sind. Wo kann dies nachgelesen werden?

    • Ein wenig dazu findet sich in Roberto de Matteis Buch übers Vat. II, dort auf S. 62 ff (Kapitel: Die liturgische Bewegung)

      Im Prinzip ist der historische Verlauf wohl so:
      - Protestantismus hat massive Unklarheit und Unordnung in die Grundlinien der Liturgie gebracht.=> Trient, Bulle „Quo primum“ legt nach eingehenden Forschungs-Arbeiten von Theolgen und Priestern fest, wie die Liturgie ab nun für immer (Pius V. schreibt „ewig“) und von „gar niemandem mehr“ verändert werden dürfe. (Text dürfte auch auf pius.info zu finden sein)
      - Kirche (und selbstverständlich auch die Päpste!) hält sich daran jahrhundertelang
      - Probleme macht: Gallikanismus und Jansenismus
      - im 19. Jh. restauriert besonders Dom Gueranger („Die Hl. Messe“ – gibt es auch bei Sarto) die durch die genannten häretischen Bewegungen durcheinander gebrachte Liturgie
      - Pius X. um die Jahrhundertwende will v.a eine Reform insofern, als die Gläubigen alle (!) die notwndige Bildung erhalten, um der Liturgie voll und ganz folgen zu können (Stichwort „tätige Teilnahme“ – wurde später verdreht von Modernisten!)
      - Liturgische Bewegung entsteht mit antirömischer Gesinnung und der Idee, die überkommene Liturgie habe zu wenig „Gemeinschaftscharakter“.
      - Pius XII. beauftragt bereits Annibale Bugnini mit Reformarbeiten, die die nun 400 Jahre gültige heilige Liturgie, die ja eigentlich unveränderlich galt, systematisch durcheinanderbringt (Karwochenreform v.a. und Durcheinanderwerfen der liturgischen Zeiten). Zwar missbilligt er die Forderungen der Liturgischen Bewegung, schießt aber seinerseits übers Ziel hinaus, v.a. mit seiner unklaren Feststellung in „Mediator Dei“ (1947), der Papst habe das Recht, die menschlichen Anteile der Liturgie verändern, klärt aber nicht, was denn diese menschlichen Teile seien. Damit war jeder Damm gebrochen… und er handelt der Bulle „Quo primum“ zuwider, die auf jeden, der die Liturgie anrühren würde, den Zorn Gottes herabrief.

      Den Rest kennen wir: „Sacrosanctum concilium“ und dann Pauls VI. => totales Chaos seither.

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