Vatikan intensiv: C8-Rat und Konsistorium zum „heißen“ Thema Familie

Papst Franziskus und der C8-Rat: Kurienreform steht auf der Tagesordnung(Rom) Am kommenden Montag beginnt im Vatikan eine intensive Woche. Zunächst tagt drei Tage der C8-Kardinalsrat zusammen mit Papst Franziskus und diskutiert die Kurienreform. Dann folgt ein zweitägiges ordentliches Konsistorium. Die Themen dabei sind die Kurienreform und die Vorbereitung der Bischofssynode zum Thema Familie. Ein „heißes Eisen“ zu dem gerade aus dem deutschen Sprachraum viel Druck ausgeübt wird. Am 22. Februar folgt ein außerordentliches Konsistorium mit der offiziellen Kardinalserhebung der von Papst Franziskus neuernannten Purpurträger. Zu ihnen gehört auch, als einziger Deutscher, der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller.

Drei Tage C8-Kardinalsrat: Kurienreform

Vom 17. bis 19. Februar versammelt sich der C8-Kardinalsrat zu seinem dritten Treffen. Auch an diesem wird Papst Franziskus wiederum persönlich teilnehmen, ausgenommen die Zeit für die Generalaudienz am Mittwoch vormittag. Koordinator des C8-Rats ist der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga. Auf der Tagesordnung stehen die Reform der Päpstlichen Räte und ein erster konkreter Vorschlag für eine Reform der Kongregationen und des Staatssekretariats an der Römischen Kurie. Der Vorschlag wird wahrscheinlich dem ordentlichen Konsistorium vorgelegt werden, das gleich im Anschluß an das C8-Treffen stattfindet.

Maradiaga: Neue Laienkongregation – O‘Malley: Unter Leitung einer Frau

Die Päpstlichen Räte sind Dikasterien, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeführt wurden. Sie bilden gewissermaßen die jüngere Generation von „Ministerien“ an der Seite der älteren Kongregationen. Im Gegensatz zu diesen verfügen die Päpstlichen Räte jedoch über keine rechtssetzende Kraft. Ihre Zahl gilt als zu hoch. Mit einer Verringerung durch Zusammenlegungen wird gerechnet. Ziemlich konkret zeichnet sich die Errichtung einer neuen Kongregation für die Laien ab, wie Kardinal Maradiaga bereits im vergangenen Sommer ankündigte. Ihr dürften einige Päpstliche Räte eingegliedert werden. Kardinal O‘Malley, Erzbischof von Boston und Vertreter Nordamerikas im C8-Rat meinte jüngst, daß die neue Laienkongregation von einer Frau geleitet werden könnte.

Auf dem Tisch soll auch der Vorschlag liegen, den einzigen von Papst Benedikt XVI. errichteten Päpstlichen Rat für die Neuevangelisierung mit der Kongregation Propaganda Fide zusammenzulegen. Die beiden Dikasterien unterscheiden sich in ihrem territorialen Einzugsgebiet. Die Kongregation ist für die Evangelisierung der Völker zuständig und damit für die sogenannten „jungen“ Kirchen, die einen Großteil der Welt ausmachen. Die Evangelisierung der Völker ist dort geographisch sehr unterschiedlich fortgeschritten. Der von Benedikt XVI. geschaffene Päpstliche Rat gilt hingegen der Neuevangelisierung der alten, christlichen Welt, die dabei ist, ihr christliches Erbe zu verspielen.

Jeder Eingriff an der Römischen Kurie würde eine ganze Reihe weiterer Eingriffe und Veränderungen nach sich ziehen. Ein Dominoeffekt, den die „Reformer“ berücksichtigen müssen, weshalb sich das Tempo etwas verlangsamt hat, um ausreichend Zeit zur Prüfung der Vorschläge zu haben.

Millionenhonorare für umstrittene Eliteberater

Auf der Tagesordnung der acht Kardinäle, die mit Papst Franziskus beraten, stehen auch die Vatikanfinanzen. Zu diesem Bereich zeigte Papst Franziskus bisher den größten Aktivismus. Er errichtete zwei neue Kommissionen, ernannte einen Delegaten, erließ neue Normen und nahm Umbesetzungen an den bestehenden Einrichtungen vor. In diesen Bereich fällt auch die mit Staunen beobachtete Berufung internationaler Unternehmensberateragenturen, die unter Papst Franziskus im Vatikan Einzug gehalten haben. Über die Honorare für die Eliteberater herrscht im Vatikan Stillschweigen. Staatssekretär Parolin meinte in seinem jüngsten Interview im Avvenire, daß deren Arbeit bald beendet sein werde. Es ist kaum anzunehmen, daß diese internationalen Agenturen dem Vatikan einen Sondertarif gewähren, weshalb die Rede von Honoraren in Millionenhöhe ist. Ein irritierender Widerspruch zum Anspruch einer „armen“ Kirche, den Papst Franziskus betont, zumal der Rückgriff auf diese Beratungsfirmen grundsätzlich umstritten ist. Zudem steht auch die Frage des Insiderwissens und des Staatsgeheimnisses im Raum. Die Beratungsfirmen wissen am Ende über die materielle Seite der Katholischen Kirche besser Bescheid, als die Kirche selbst. Ein Wissen, das wiederum ein Vielfaches der Honorarnoten wert ist.

Neues „Finanzministerium“?

Die Wirtschaftsangelegenheiten des Heiligen Stuhls, die in der Kirche immer stiefmütterlich behandelt wurden, weil ihnen keine Priorität beigemessen wird, könnten ebenfalls in einem einzigen Dikasterium zusammengefaßt werden. Als Vorschlag liegt die Errichtung einer Art „Finanzministerium“ auf dem Tisch.
Möglicherweise werden in den drei Tagen von den acht Kardinälen die beiden von Papst Franziskus neuerrichteten Kommissionen zur Überwachung der Vatikanbank IOR und für die Rationalisierung der Wirtschafts- und Verwaltungsangelegenheiten des Heiligen Stuhls angehört werden. Die acht Berater des Papstes würden damit auch die umtriebige PR-Dame von Ernst&Young, eine der vom Vatikan engagierten externen Unternehmensberatungen, und gleichzeitige päpstliche Kommissarin Francesca Chaouqui kennenlernen.

Zwei Tage ordentliches Konsistorium: „heißes“ Thema Familie

Der Papst drängt darauf, dem am 20. und 21. Februar tagenden ordentlichen Konsistorium bereits erste Vorschläge zur Kurienreform vorzulegen, um die Meinung der versammelten Kardinäle zu hören. Am ordentlichen Konsistorium werden auch die neuernannten Kardinäle teilnehmen, denen erst am 22. Februar im Rahmen eines außerordentlichen Konsistoriums die Kardinalswürde verliehen wird.

Im Mittelpunkt der zweitägigen ordentlichen Versammlung des Kardinalskollegiums steht jedoch das Thema Familie, zu dem Papst Franziskus für Oktober 2014 und 2015 eine Bischofssynode einberufen hat. Bei dieser Gelegenheit dürften erstmals recht unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen, sollten die Kardinäle des deutschen Sprachraums entschlossen sein, die antirömische Stimmung in einigen Diözesen in Sachen Sexualethik und Familienpastoral nach Rom zu tragen. Das Thema der wiederverheiratet Geschiedenen und der Ehenichtigkeitsverfahren könnten erstmals in einem hohen kirchlichen Rahmen diskutiert werden und nicht wie bisher vor allem in den Medien. Es wird sich zeigen, wie die anderen Kardinäle reagieren werden. Bei dieser Gelegenheit werden sich auch erstmals Kardinal Maradiaga und der Präfekt der Glaubenskongregation, Neo-Kardinal Gerhard Ludwig Müller, gegenüberstehen. Ersterer hatte letzterem über die deutschen Medien Ratschläge erteilt und das ganz im Sinne einiger rebellischer deutscher Diözesen, deren Forderung Müller bereits eine Absage erteilt hatte. Eine „unfeine“ Art des Kardinals aus Mittelamerika, die in Rom unangenehm aufgefallen ist. Als Koordinator des C8-Rats und ausgestattet mit dem Vertrauen von Papst Franziskus scheint Kardinal Maradiaga ein besonderes Selbstbewußtsein zu entwickeln.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican Insider

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Hier sieht man, wie die „Weltlichen“ mit dem Thema Scheidung umgehen. Sie fühlen sich nicht als Sünder sondern feiern ein Fest.
http://m.spiegel.de/panorama/gesellschaft/a-950375.html

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