Erstkommunion vor Erstbeichte? – In Italien die Ausnahme, im deutschen Sprachraum die Regel

Erstbeichte vor Erstkommunion(Udine) In Italien sorgt die Entscheidung eines Pfarrers für Diskussionen, die Erstkommunion der Erstbeichte vorzuziehen. Ein Vater wandte sich nach ergebnislosen Gesprächen mit dem Pfarrer an den zuständigen Erzbischof von Udine, Msgr. Andrea Bruno Mazzocato. Er machte auf die Umreihung der Sakramente aufmerksam und bat um das Eingreifen des Bischofs. Barsche Reaktionen des Pfarrers lassen darauf schließen, daß die Kurie zwar das Schreiben der Eltern an diesen weitergeleitet hat, doch vom Erzbischof kam weder eine Antwort noch irgendeine Anweisung an den Pfarrer. Was in Italien für Diskussionen sorgt, ist im deutschen Sprachraum die Regel.

In seinem Schreiben an den Bischof weist der Familienvater auf seine Irritation hin, daß sein Sohn sich im laufenden Schuljahr zwar auf die Erstkommunion vorbereitet, nicht aber auf das Bußsakrament. Der Pfarrer, auf diese eigenmächtige Inversion der Sakramente angesprochen, erklärte den Eltern: „Zuerst muß ich Jesus kennen [in der Eucharistie], erst dann kann ich ihn um Verzeihung bitten, wenn ich ihn beleidigt haben sollte, aber nicht vorher“.

Keine Antwort vom Erzbischof

Die Eltern, die sich an die eigene Hinführung zur Buße und dann zum Kommunionempfang erinnerten, gingen von einer Sondertheologie ihres Pfarrers aus. „Deshalb haben wir uns an den Erzbischof von Udine gewandt, weil diese Reihung der Sakramente nicht nur eigenwillig, sondern ein Widerspruch ist. Antwort haben wir keine erhalten“, so der Familienvater gegenüber Messa in Latino. Auch auf ein zweites Schreiben, das der Familienvater persönlich im Sekretariat des Erzbischofs abgab, kam keine Reaktion.

Der Vater wandte sich daraufhin an Theologen um Rat. Alle rieten ihm, seinen Sohn in einer anderen Pfarrei anzumelden und begründeten diesen Schritt ausführlich. Die Familie bedauert die „Verwirrung“, die „persönliche Experimente“ von Pfarrern unter den Gläubigen verursachen. Sie bedauern aber auch, daß der zuständige Oberhirte, „der leiten und wachen sollte, trotz mehrfacher Schreiben nicht reagierte“.

Theologen antworten: „Die Beichte muß immer der Heiligen Kommunion vorangehen“

Einer der vom Familienvater kontaktierten Theologen ist der Dominikaner Pater Angelo Bellon, Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät von Genua. Pater Bellon schrieb unter anderem in einer ausführlichen Antwort: „Ich hoffe, daß der Bischof, an den Du Dich gewandt hast, so geantwortet hat, wie es sich gehört. Denn es gehört sich, daß die Beichte der Heiligen Kommunion vorangeht.“ Es gehe dabei nicht um die Frage, ob Kinder überhaupt schon schwere Sünden begangen haben können. Sie können sündigen und sie begehen läßliche Sünden, vor allem haben sie bereits ein Schuldbewußtsein. „In einigen Diözesen wird die Erstkommunion heute auf ein späteres Alter verschoben. In anderen geht sie unmittelbar der Firmung voraus. In jedem Fall aber geht die Beichte immer sowohl dem einen als auch dem anderen Sakrament voraus. Die Vorschrift, mindestens einmal im Jahr zu beichten, ist unabhängig von der Erstkommunion verpflichtend. Diese Vorschrift wurde endgültig vom Vierten Laterankonzil 1215 festgeschrieben. Sie besagt, daß jeder Gläubige, sobald er in das Alt kommt, gut und böse unterscheiden zu können, verpflichtet ist, seine Sünden zu beichten (Omnis utriusque sexus fidelis, postquam ad annos discretionis pervenerit, omnia sua solus peccata confiteatur fideliter). Canon 989 des Kirchenrechts gibt diese Bestimmung eindeutig wieder und nennt ausdrücklich, daß jeder Gläubige einmal im Jahr zur Beichte verpflichtet ist.“

Verpflichtung zur Beichte gilt unabhängig von der Erstkommunion

„Die Kongregration für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung sowie die Kongregation für den Klerus haben am 20. Mai 1977 in einem gemeinsamen Dokument die Verpflichtung bekräftigt, daß das Bußsakrament vor der Erstkommunion kommen muß. Der Osservatore Romano erinnerte im Kommentar zu jenem Dokument an das Dekret Quam singulari von Papst Pius X. von 1910, in dem er erklärte, daß die Erstbeichte und die Erstkommunion erfolgen sollen, wenn der Gläubige in das Unterscheidungsalter kommt und daß sie in dieser Reihenfolge zu erfolgen haben.“

Der Moraltheologe aus dem Dominikanerorden erinnerte weiter an die Aussage des Apostels Paulus in 1 Korinther 11,28, aber auch beispielshaft, was die Heilige Therese von Lisieux über die Erstbeichte vor der Erstkommunion schrieb (Geschichte einer Seele, 108).

„Fühlen uns von unseren Hirten im Stich gelassen“

Da weder vom Pfarrer noch vom Erzbischof Gesprächsbereitschaft signalisiert wurden, folgte der Familienvater dem Rat von Pater Bellon und meldete seinen Sohn in einer anderen Pfarrei an, wo die Erstbeichte der Erstkommunion vorangeht. „Unser Anliegen mag angesichts großer Probleme nicht so wichtig erscheinen. Für uns ist es das aber und wir fühlen uns von den für uns zuständigen Hirten in Pfarrei und Diözese im Stich gelassen. Leider“.

Gibt es im deutschen Sprachraum noch die Sünde?

Was in Italien eine Ausnahme scheint und noch für Diskussionen und Reaktionen sorgt, ist in weiten Teilen des deutschen Sprachraums die Regel. Die Kinder werden ohne Beichte zur Erstkommunion geführt, weil das ein Fest ist, auf das viele Familien wertlegen. Weniger Wert wird von manchen Eltern auf die religiöse Bedeutung des Festes gelegt. Mangelhaft unterwiesene Eltern und Kinder weißen jedoch auf mangelnde Unterweisung durch jene hin, die dazu berufen wären. Das Fallenlassen der Beichte und die Feier der Erstkommunion ohne Bußsakrament zeigen auf Seiten der Priester, Pastoral- und Gemeindereferenten einen schwerwiegenden Paradigmenwechsel in der Theologie an. Statt der Schärfung des Gewissens und des Sündenbewußtseins, bleibt das Gewissen Brachland. Zuerst wurden in den 70er Jahren begeistert die Beichtstühle aus den Kirchen entfernt und durch „Gesprächszimmer“ ersetzt. Heute sitzen zum Teil Psychologinnen und Pastoralassistentinnnen in diesen Gesprächszimmern. Der Psychologe und Lebensberater tritt an die Stelle Gottes und seines Heilswirkens. Geht man nach der Bedeutung, die dem Bußsakrament in den Diözesen beigemessen wird, könnte man zum Schluß gelangen, daß der deutsche Sprachraum  in den paradiesischen Zustand vor dem Sündenfall zurückgekehrt sein müßte, denn die Sünde scheint es im deutschen Sprachraum nicht mehr zu geben. Das aber ist objektiv nicht der Fall, wie sich jeder unschwer überzeugen kann. Und statt des Heilien Meßopfers tritt im Sinne einer faktischen Protestantisierung die Gemeinschaft in den Mittelpunkt und wird zum interaktiven Abendmahl mit gruppendynamischen Elementen umfunktioniert.

Text: Messa in Latino/Giuseppe Nardi
Bild: Georgszentrum

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3 Comments

  1. Wartet doch erstmal ab, was noch alles für Wünsche kommen.
    Spätestens wenn sie ihre Katzen und Hunde taufen lassen und ein Reqium für sie fordern, hat der Konzilsgeist ganze Arbeit geleistet. Aber dann gibt es im Himmel kein Halten mehr. Irgendwann, und ich glaube sehr bald, läuft das Faß über.
    Per Mariam ad Christum.

  2. In der 2. Klasse bin ich – etwas zitternd und ängstlich – zum ersten Mal zur hl. Beichte gegangen und so unsagbar glücklich geworden, ein sündenfreies Herz zu haben. Ein Jahr später durfte ich dann den Herrn in der Kommunion empfangen.Für mich war das ein wunderbares Erleben, durch den Dienst der Kirche von der Last der Sünde befreit zu werden. Sünde ist eben Sünde, auch wenn sie „nur“ lässliche sind. Es geht bei der Beichte nicht um Folterkammer oder andere unsinnige Inquisition, sondern um die lebensspendende Beziehung zu Christus und seiner Kirche und die mitgegebene Freude am Herrn: „geh hin in Frieden und sündige von nun an nicht mehr“, das versteht zumindest im Ansatz jedes Kind, es erlebt urmässig Versöhnung und Vergebung. Wenn diese Dinge nicht von Kindsbeinen an eingeübt werden, wird’s später im sozialen Umfeld schwierig.
    Daher scheint mir wichtig der Empfang des Busssakramentes vor der Erstkommunion beizubehalten. Die verschwurbelten Surrogate „neuer Weg“ (seltsame Praxis der Erstbeicht in der Schweiz) oder Psychotanten im Beichstuhl etc. sind meines Erachtens dekadente Fehlentwicklungen und vor allem ist da eine Verachtung des Sakramentes, der Kirche, des Kreuzestodes Christi gegeben.
    Auch heute als Greis wenn ich zurückschaue ist mir das heilige Sakrament der Versöhnung eine der allergrössten Freuden des Lebens gewesen und wird es bleiben.Allen bestens zu empfehlen.

  3. Hier wird ohne Not gegen die Lehre der Kirche verstoßen. Das Ziel all dieser häretischen Vorgänge ist den größtmöglichen Schaden an den Seelen zu erreichen, traurig aber wahr.

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