„Das Entsetzen der Abtreibung“ – Papst Franziskus nennt erstmals Abtreibung beim Namen


Papst Franziskus mit dem Diplomatischen Corps 2014(Vati­kan) Erst­mals seit sei­ner Wahl zum katho­li­schen Kir­chen­ober­haupt am 13. März 2013 vor zehn Mona­ten sprach Papst Fran­zis­kus per­sön­lich und in direk­tem Zusam­men­hang das Wort „Abtrei­bung“ aus. Bis­her kam der Holo­caust an den unge­bo­re­nen Kin­dern, der tag­täg­lich rund um den Erd­ball wütet nur indi­rekt in Bot­schaf­ten an die­se Grup­pe oder jene Bischofs­kon­fe­renz vor oder in Form von Zita­ten. Per­sön­lich sprach der Papst erst im umstrit­te­nen Inter­view mit Pater Anto­nio Spa­da­ro für die Jesui­ten­zeit­schrift Civil­tà  Cat­to­li­ca über Abtrei­bung, jedoch im Sin­ne, daß man „nicht stän­dig“ dar­über reden kön­ne (sie­he eige­nen Bericht Und er wein­te über sei­nen Papst – Papst Fran­zis­kus schweigt zu Abtrei­bung und Homo­se­xua­li­tät, und fin­det das gut so). Dies, obwohl das Kir­chen­ober­haupt noch gar nie dar­über gespro­chen hat­te und dafür bereits kri­ti­siert wur­de (sie­he eige­nen Bericht US-Bischof: „Ich bin ein wenig ent­täuscht von Papst Fran­zis­kus“).

In sei­ner Anspra­che beim Neu­jahrs­emp­fang für die Mit­glie­der der beim Hei­li­gen Stuhl akkre­di­tier­ten Diplo­ma­ti­schen Corps am Mon­tag sag­te Papst Fran­zis­kus im Thron­saal des Apo­sto­li­schen Palastes:

Der Frie­de wird fer­ner von jeder Negie­rung der Men­schen­wür­de ver­letzt, an erster Stel­le von allen von der feh­len­den Mög­lich­keit, sich aus­rei­chend zu ernäh­ren. Die Gesich­ter derer, die Hun­ger lei­den, vor allem der Kin­der, kön­nen uns nicht gleich­gül­tig las­sen, wenn wir dar­an den­ken, wie vie­le Lebens­mit­tel jeden Tag ver­schwen­det wer­den und zwar in vie­len Tei­len der Welt, in der jene – wie ich es mehr­fach genannt habe – „Weg­werf-Kul­tur“ herrscht. Lei­der wer­den heu­te nicht nur Nah­rung und über­flüs­si­ge Güter zu Abfall, son­dern oft wer­den sogar die Men­schen „weg­ge­wor­fen“, als wären sie „nicht not­wen­di­ge Din­ge“. Zum Bei­spiel erregt allein der Gedan­ke Ent­set­zen, dass es Kin­der gibt, die als Opfer der Abtrei­bung nie­mals das Licht der Welt erblicken kön­nen, oder Kin­der, die als Sol­da­ten benutzt wer­den, in bewaff­ne­ten Kon­flik­ten ver­ge­wal­tigt oder getö­tet wer­den, oder die in jener schreck­li­chen Form moder­ner Skla­ve­rei, näm­lich dem Men­schen­han­del, zur Markt­wa­re gemacht wer­den, der ein Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit darstellt.

Die voll­stän­di­ge Rede von Papst Fran­zis­kus an die Diplo­ma­ten wur­de vom Vati­kan ver­öf­fent­licht (sie­he hier).

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Osser­va­to­re Romano