Evangelii Gaudium – Abkehr vom rechten Weg

Jesuitengeneral Claudius AquavivaGastbeitrag von Hubert Milz

Claudio Aquaviva (1543 – 1615), 5. General des Jesuitenordens: „Fortiter in re, suaviter in modo“ – „Stark in der Sache, milde in der Art“

Die Lektüre von „Evangelii Gaudium“ war für mich kein Gaudium; wohlgemerkt, in den Evangelien zu lesen, ist ein Gaudium für mich.

Die polit-ökonomische Kernaussage von „Evangelii Gaudium“ ist für mich, daß Papst Franziskus das gegenwärtige System, ein System einer durch Regierungen und politischen Parteien organisierten Symbiose von Big Government mit Big Business zum Schaden anderen Menschen, als „Marktwirtschaft, als Kapitalismus“ bezeichnet. Diese Sicht rennt dem Zeitgeist hinterher und ist grundfalsch. Die politisch organisierte Symbiose ist tatsächlich lupenreiner „Etatismus“, der mit Marktwirtschaft nichts zu tun hat.

Letztendlich läßt Papst Franziskus die Armen im Regen stehen, denn das freiwillige Handeln der Menschen am Markt, welches Johannes Paul II. noch als Treibsatz für Wohlstand für alle akzeptierte, lehnt Papst Franziskus nun schroff ab. Die Ablehnung soll sogar politisch exekutiert werden. Sollte diesem Ansinnen gefolgt werden, würde auf Papst Franziskus Intention hin allerdings Armut zementiert werden und vielen Menschen eine Chance genommen werden, ihrem Elend zu entrinnen. Roland Baader schrieb einmal: „Erst wenn wir alle als Penner durch die Straßen irren, ist ein Höchstmaß an sozialer Gerechtigkeit erreicht.“

Das von Roland Baader verworfene soziale Gerechtigkeitsideal ist m. E. im apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ geradezu mit den Händen greifbar. Es ist die polit-ökonomische Kernaussage, die polit-ökonomische Grundposition des apostolischen Schreibens schlechthin. Das zeigen die vielen freiheits- und marktfeindlichen Aussagen des apostolischen Schreibens.

Um die markt- und freiheitsfeindlichen Passagen des Schreibens zu widerlegen, genügt es, empirische Studien zum Themenkreis: Globalisierung, Marktwirtschaft, Armut und allgemeine Wohlfahrt zu Rate zu ziehen. Insbesondere die Großstudien, z.B. der Index of Economic Freedom und der Economic Freedom of the World Report, die die Auswirkungen der Globalisierung der letzten drei Jahrzehnte analysieren, kommen tendenziell zu ähnlichen Befunden; das gilt auch für die Studien, die eigentlich der Freiheit und dem Markt skeptisch gegenüberstehen. Die Dritte-Welt-Staaten, die in den letzten drei Jahrzehnten den Weg der etatistisch-sozialistischen Planung der Mangel- und Armutsverwaltung verlassen und den Weg der Marktwirtschaft in der globalisierten Welt beschritten haben, konnten rund eine Milliarde Menschen aus der bittersten, erdrücksensten und erbärmlichsten Armut herausführen.

Die empirischen Großstudien bestätigen für die letzten drei Jahrzehnte der Globalisierung die Ergebnisse, die in anderen historischen Untersuchungen für die Industrialisierung im 19. Jahrhundert vorgelegt worden sind. In der Frühzeit der Industrialisierung wuchs z. B. die Industriestadt Manchester in kürzester Zeit um das 1000fache. Aus heutiger Sicht hausten die Arbeiterfamilien, sie wohnten nicht. Doch die damalige Sicht war eine andere. Auf dem Land, als Tagelöhner, hätten jene Arbeiterfamilien keine Chance auf Arbeit und Brot gehabt, ergo nicht überleben können. Die Industriestadt bot diesen Menschen – trotz der aus heutiger Sicht –erbärmlichen Lebensbedingungen – die Möglichkeit, Arbeit und Brot zu besseren Bedingungen als auf dem Land zu finden.

Nochmals, die Dritt-Welt-Staaten, die in den letzten drei Jahrzehnten den marktwirtschaftlichen Weg gegangen sind, führten rund 1 Milliarde Menschen aus der erbärmlichsten Armut heraus. Diese empirisch belastbaren Fakten werden von Papst Franziskus nicht zur Kenntnis genommen und auch verleugnet. Aus dieser päpstlichen Position heraus ergeben sich m. E. ein paar Fragen; Fragen, die in den Ohren mancher wohl wie Aufruhr klingen mögen, aber tatsächlich der Sorge entspringen, die Irrungen und Wirrungen von Papst Franziskus könnten Verbreitung finden:

  • Möchte Papst Franziskus diese Menschen in bitterste Armut zurückstoßen?
  • Nimmt Papst Franziskus die empirischen Ergebnisse nicht zur Kenntnis, weil diese nicht in ein von Vorurteilen überfrachtetes Weltbild passen?
  • Sieht Papst Franziskus gar die komplette Menschheit in der „malthusischen Armutsfalle“ gefangen?

Solche und ähnliche Fragen drängten sich aus polit-ökonomischer Perspektive geradezu auf. Offenkundig erscheinen die gestellten Fragen und die implizierten Antworten fürchterlich zu sein, denn denjenigen, die in Armut und Elend leben, würde demnach die helfende Hand vorsätzlich verweigert werden!

In diesem Rahmen eine persönliche Anmerkung: Als bekennender katholischer Christ glaube ich auf dem Boden der biblischen Lehre zu stehen. Wobei ich die Bibel anders lese als Papst Franziskus es in seinem Rundschreiben voraussetzt. Ich wiederhole zur Verdeutlichung meines Standpunkts Argumente, die ich in meiner Rezension des Buches „Jesus, der Kapitalist: Das christliche Herz der Marktwirtschaft“ angeführt habe:

Die Bibel und die Marktwirtschaft, diesem Thema widmet sich Robert Grözinger, indem er die polit-ökonomischen Aussagen der Bibel, Altes Testament (AT) und Neues Testament (NT), in den Kontext der Theorien der „Österreichische Schule der Ökonomie“ (ÖS) stellt, die einzige ökonomische Schule, die konsequent die Theorie des freien Marktes vertritt. Anzumerken ist, dass Robert Grözinger ein bekennender Christ, ein Freiheitsfreund und Austrian Economist ist.

Mit dem Dekalog des AT entwickelt RG eine Argumentationskette, die zeigt, dass der Dekalog ein Manifest für eine spontane Ordnung liefert – die Marktwirtschaft ist eine spontane Ordnung; die Freiheitsgrade des einzelnen Menschen negativ definiert – die Freiheit ist in der Tradition des klassischen Liberalismus ebenfalls zunächst negativ definiert, weshalb die Bibel eine tragende Mauer für die Lehren der Marktwirtschaft sein kann.

Anhand vieler Textstellen des AT vom rechtem Maß und richtigem Gewicht stellt Robert Grözinger eine weitere grundlegende Analogie zur Markttheorie dar. So sieht die Heilige Schrift die edlen Metalle (Gold, Silber, Kupfer) als das natürliche Maß für den Handel, für den freiwilligen Tausch. Das natürliche Tauschmittel (Geld) in der Markttheorie der ÖS sind wie in der Bibel ebenfalls vorzugsweise Edelmetalle wie Gold und Silber.

Robert Grözinger belegt, daß das heutige staatliche Papiergeld-Zwangssystem im Sinne der Bibel und der ÖS nichts weiter ist als Scheingeld – ein falsches Maß und ein falsches Gewicht. Und daß das heutige staatliche Zwangspapiergeld im eigentlichen Sinn ein Nichts ist, die Menschen jedoch für dieses Nichts alles haben wollen; dieses Nichts keineswegs mit freier Marktwirtschaft verwechselt werden darf, sondern ein rein etatistisch-interventionstisches System darstellt.

Im Sinne der Bibel entspricht die Jagd des modernen Menschen nach diesem Nichts der Anbetung des Götzen Mammon und führt nach der ÖS zur Wohlstandvernichtung, aber keinesfalls zu steigendem Wohlstand. Das staatliche Zwangsgeldsystem ist Betrug und Diebstahl. Aus dem staatlichen Zwangsgeldsystem, dem biblisch verworfenen Mammon, kann mittels der Methoden der ÖS die biblische Kritik (z. B. bei Samuel) an anmaßender Königs-/Kaiserherrschaft abgeleitet werden. Wiederum kommen die Analyse der biblischen Lehre und der ÖS-Markttheorie zu analogen Ergebnissen: Ein Guter hinterläßt sein Erbe Kindeskindern; des Sünders Habe ist den Frommen vorbehalten; Papiergeld hat einen inneren Wert von Null, somit wird der moderne Mensch seinen Kindern eine Fata Morgana hinterlassen – eben Nichts.

Das Buch von Robert Grözinger ist in mancher Hinsicht eine wahre Fundgrube für Freiheitsfreunde, die auch gläubige Christen sind. Sie finden dort eine Vielzahl von Argumenten gegen den antifreiheitlichen, anti-marktwirtschaftlichen und demzufolge auch anti-biblischen Zeitgeist, dem etliche Repräsentanten der christlichen Religionsgemeinschaften folgen, die mit ihrem Haß auf Marktwirtschaft und Freiheit leider viele einfache Gläubige prägen. Sie wollen durch staatliche Gewalt ein Paradies auf Erden schaffen und sehen im Staat – bewußt oder unbewußt – eine Art Erlöser. Leider missachten diese Repräsentanten die Erkenntnis von Hugo Rahner „Die Kirche ist das unsterbliche Nein gegen jeden Staat, der sein endgültig beglückendes Reich auf dieser Erde allein bauen will“. Dabei zeigen gerade die Gleichnisse von Jesus, daß er unrechtmäßig erworbenes Eigentum ablehnt, aber dem rechtmäßigen Eigentümer einer Sache auch die volle Verfügungsgewalt über dieses Eigentum einräumt, die Menschen geradezu auffordert Gewinne und keine Verluste zu machen, und auch das Nehmen von Zinsen toleriert.

Damit bejaht Jesus nicht nur die grundlegenden Positionen, ja die Eckpfeiler einer funktionierenden Marktwirtschaft, sondern empfiehlt sie geradezu. Viele weitere Gedanken von Robert Grözinger zeigen wie sehr Zeitgeist-Repräsentanten die biblische Botschaft verfälschen.

Mit seinem Buch „Jesus, der Kapitalist: Das christliche Herz der Marktwirtschaft“ hat Robert Grözinger wunderschön gezeigt, daß die Botschaft der Bibel persönlich und libertär ist. Die Marktwirtschaft ist diejenige polit-ökonomische Ordnung, welche aus der Heiligen Schrift ableitbar ist. Hingegen erteilt die Bibel etatistischen Anmaßungen, also allen sozialistisch-faschistisch-kollektivistischen Spielarten der Staatsgewalt, eine klare Absage und damit auch dem heutzutage vorherrschenden tatsächlich menschenverachtenden Zeitgeist des etatistisch-interventionistischen Wohlfahrtsstaates, der den Menschen Eigenverantwortung raubt und zu bloßem Handlungsmaterial der Staatsgewalt degradiert.

Offenkundig finden sich in dem Buch eines bekennenden protestantischen Christen mehr katholische Erkenntnisse als in der Schrift von Papst Franziskus.

Papst Franziskus vermittelt hingegen, daß er die Menschen milde und freundlich, aber dennoch bestimmt, zurück in die „malthusische Armutsfalle“ drängen will.

Der Beitrag erschien im Forum Ordnungspolitik (FOP), wir danken für die Genehmigung für die Übernahme. Das im Artikel erwähnte Buch kann u.a. hier erworben werden.

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62 Comments

  1. Meines Erachtens hat sich Papst Franziskus an keiner Stelle von EG gegen die Marktwirtschaft ausgesprochen, wohl aber gegen den Kapitalismus. Den kleinen Leuten wird weisgemacht, dass beides untrennbar zusammengehört und die brutalen Begleiterscheinungen des Kapitalismus eben in Kauf genommen werden müssen. Gegen diese Sicht wendet sich EG.
    Man muss ebenfalls wissen, dass ausgerechnet diese ausgerechnet aus Österreich stammende brutale Form des Kapitalismus (Siehe Hajek und Consorten) an keiner Stelle und auch nicht im übertragenen Sinn sich auf die Heilige Schrift beziehen kann. Das ist eine Irreführung des Publikums.
    Wenn der Kapitalismus überleben will, dann muss er stören reguliert werden, damit er allen Menschen dient und nicht nur den wenigen, die über Kapital und damit über Macht verfügen. Deren Freiheit ist einzuschränken, damit viele andere frei sein können.

    • „….aus Österreich stammende brutale Form des Kapitalismus (Siehe Hajek und Consorten)…“

      Es gibt die absolute Wahrheit im christlich-katholischen Glauben.

      Es gibt aber unabhängig davon auch die Wahrheit wirtschaftlicher Erkenntnisse. Wer gegen die Erkenntnis der Wahrheit glaubt existieren zu können, wir immer Schiffbruch erleiden. In diesem Falle ist es die Abwesenheit von Freiheit und Markt. Alle Systeme sind in Zuwiderhandlung von Hajek und „Konsorten“ bis in die Gegenwart kläglich gescheitert. Das muß man schlicht wissen.

      • Es ist stark zu behaupten:
        1. den Zusammenhang von Kapitalismus und dem Begriff „Wahrheit“;
        2. wer gegen die Auswüchse des Kapitalismus zu Felde zieht, ist noch lange kein Befürworter des Sozialismus, insbesondere sowjetischer Prägung, der in Wirklichkeit als Staatskapitalismus zu bezeichnen ist – eben auch ein Kapitalismus.
        3. Der Kapitalismus ist darauf angelegt, Marktgesetze beständig auszuhebern.
        4. Machtausübung aufgrund Besitz = Kapitalismus ist nur durch Ideologie begründet.
        5. nicht alles was legal ist, ist zugleich legitim – nicht alles was legitim ist, ist zugleich anständig. Das ist ein Grundproblem des Kapitalismus und bringt unzählige ins Unglück.

      • Man nennt das Zuwiderhandeln gegen Hajek’s u. „Konsorten“ Erkenntnisse gemeinhin Sozialismus. Nichts anderes predigte auch z.B. Ludwig Erhard. Kapiert?? Haben Sie überhaupt schon mal was von oben genannten gelesen?

        Sozialismus – welcher Form auch immer – bewirkt Unfreiheit und Verarmung ALLER. Nur in sozialistischen Systemen muß z.B. eine Währung „gerettet“ werden. In einer Marktwirtschaft ganz sicher nicht. Belegt ein Blick in die Vergangenheit.

      • Wenn ich Sie richtig verstanden habe, halten Sie die kapitalistische Wirtschaftsweise für grundsätzlich richtig. Sie beklagen nicht deren negative Auswirkungen, Sie nehmen sie als notwendig hin.
        „Sozialismus bewirkt Verarmung aller“ (vor allen hatte die Nomenklatura darunter zu leiden!) und Kapitalismus bewirkt Verarmung der allermeisten bis auf die Reichen, antworte ich Ihnen bis zum Nachweis des Gegenteils. Wann gedenken Sie den Nachweis liefern (zu können)?
        Interessant zu lesen, was Katholiken sonst noch so glauben.

      • Mein lieber Jota
        Im kapitalistischen Westen kommen Arbeiter zu Häusern und Lieschen Müller einfache Zimmerlinde, reist jedes Jahr woanders hin in Urlaub.
        Die einfache Sachbearbeiterin (klar ohne Kind und Rind) war neulich auf Edelkreuzfahrt, davor in China und davor auf Safari.
        Unser cholerischer Nachbar regt sich immer über die Kurzen (mit Migartionshintergrund) auf, die ganz normal schaffe gehen, weil die ihr ganzes Geld in dicken Autos anlegen.
        Neulich hat der eine Kurze sich einen waschechten, gebrauchten Ferrari angeschafft und das in einer Gegend die als „sozialer Brennpunkt“ gilt.
        Zum Vergleich selbst der FDJ Supervorsitzende in der DDR fuhr gerade mal Lada!

    • Kapitalismus heißt schlicht, der Akkumulation von Vermögen (aller Art) Vorrang einzuräumen. Das mag als „ismus“ zu weit gehen, tatsächlich ist allerdings Kapitalakkumulation gut. Wenn ich mehr arbeite, von Gregor Hochreiter stammt das Beispiel mit den Äpfeln, als ich für den Konsum brauche, kann für die Verbesserung meiner Produktion Ressourcen einsetzen:
      Schaffe ich es 10 Äpfel am Tag zu ernten, die ich als Nahrung brauche – und spare einige auf, kann ich die Zeit verwenden, vielleicht mit einem anderen derart Vermögenden zusammen, Holz zu sammeln und eine Leiter zu bauen. Jetzt können auch die höher hängenden Äpfel geerntet werden. Ein Gewinn. Das ist Kapitalismus: Das Schaffen von Werkzeugen. Wer dagegen ist, hat nicht einmal den Nagel, den er mit seiner nackten Hand in die Wand seiner ebenfalls nicht vorhandenen Wand schlagen will.
      Und: Wer ist denn dieser Übermensch, Jota sage es mir, der die Belange der Menschen besser regelt als diese selber? Woher hat er seine Weisheit und das fast unendliche dafür erforderliche Wissen? Wir wissen aus der Kybernetik (Steuer- und Regelungstechnik), daß, je weiter der Regelnde als Subjekt vom Objekt entfernt ist, die Fehlerquote bis hin zum Gegenteil steigt. Und abgesehen von solchen utilitaristischen Gegebenheiten: Wer hat das Recht, Menschen zum Objekt zu machen. Darf man Menschen wirklich ihre Würde als Subjekt nehmen und sie zum Objekt degradieren? Man darf es nicht, vom Recht her nicht und von der Würde nicht, und christlich ist dies selbstverständlich auch nicht. Es regele ein jeder seine eigenen Sachen, beschränke sich auf sich und sein Eigentum. Es übe ein jeder Selbstbeherrschung anstatt nach Mitbestimmung über andere zu trachten oder andere seinen Regeln zu unterwerfen. Alles andere ist eine ganz und gar unmögliche Geisteshaltung für die es kein Jota christlicher Zustimmung gibt. Es ist die Freiwilligkeit, die allen Parteien Gewinn verschafft, die mittels Politik und (immer gewaltsamer) „Regelungen“ unterdrückt werden soll, um den eigenen Sonderinteressen Privilegien zu verschaffen. Wer Politik das Wort redet, ist ausnahmslos ein Scharlatan. Vielmehr muß die Politik immer wieder zur Begrenzung ihres Tuns angehalten werden. Der hier schon angesprochene Roland Baader hat es, in Anlehnung an Franz Oppenheimer, gut auf den Punkt gebracht: Es gibt nur zwei Möglichkeiten – Markt oder Befehl.
      Man lese sein gleichnamiges Buch.

  2. Franziskus ist auch kein Ökonom. Er hat Sätze in den Raum gestellt, von denen er wußte, dass sie Medieninteresse finden. Das war die Absicht, die soweit gelungen ist. Welchen wirtschaftspolitischen Vorstellungen Franziskus anhängt, wird man wohl nicht erkunden. Möglicherweise ist er vom Peronismus, der bekanntlich in Argentinien seit Jahrzehnten politisch dominiert, geprägt. Evita Peron hatte es auch immer mit den Armen und verteilte sogar Geld zur kurzfristigen Freude der Empfänger. Was ist das für ein Papst, der auch theologisch sein Amt nicht ausfüllt, der keine anspruchsvolle Musik mag, der beim Knien Probleme bekommt und auch nicht sprachbegabt genug ist, um die Grüße in alle Welt nach Lautumschrift zu schicken ?

    • ein ganz ausgezeichneter Kommentar.Dazu einige gutgemeinte Tipps an SH:
      -den apostolischen Palast beziehen und sich der Würde und Einsamkeit des Amtes stellen und die Intimität mit dem Allheiligen in seliger Freude geniessen(das macht nicht traurig oder griesgrämig!)
      -theologische Nachhilfe bei den Kichenvätern durch ausgewiesenen Patrologen evntuell Cantalamissa et consortes ejus in die Wüste schicken
      -Einführung in die mystische musica sacra besonders Gregorianik und vokale Polyphonie-macht gesund und erhebt!
      -Physiotherapie täglich per viam crucis mit 14 genuflectionibus-dafür ein paar Privataudienzen mit dem Helder camara clan ausfallen lassen
      -obiggenanntes Einüben mit Lautumschrift für die Grüsse urbi et orbi-wie freuen sich die Gläubigen sich in ihrer Sprache angesprochen zu werden!
      wie würde das jetztige Pontifikat, das so rührig und von brennender Hingabe gezeichnet ist leuchten, der Erdkreis würde jubeln die Erde frohlocken:fiat fiat!

  3. Was ich interessant finde, ist dass F. in seiner Schrift besonders stark betont, dass der Hirte sich für seine Herde verständlich ausdrücken soll, dass der Hirte den Gestank der Schafe haben soll und ein Geistlicher so kommunizieren soll, dass ihn seine Gemeindemitglieder verstehen. F betont das besonders stark und nimmt auch für sich in Anspruch so jemand zu sein, der auf einer Ebene mit den Menschen klar und deutlich kommuniziert, versteht und verstanden wird. Aber gerade F. kommuniziert so, dass jedesmal ein Furor von widersprüchlichen Interpretationen aus modernistischen versus pseudo-konservativen Lagern ausbricht, wenn er eine neue Bombe platzen lässt à la „Wer bin ich um Homosexuelle zu verurteilen?“ „Die Kirche spricht zu viel von Abtreibung und Moral“, „Ich glaube an keinen katholischen Gott, es gibt keinen katholischen Gott!“ „Gott hat für Juden einen alternativen Heilsplan“ „Das schlimmste Übel unserer Zeit ist die Jugendarbeitslosigkeit“ oder „Der Kirche geht es besser als je zuvor“.

    • Den Nagel auf den Kopf getroffen ! Franziskus schafft Verwirrung. Ist das mangelnde Fähigkeit, sich klar auszudrücken oder ist es gewollt. Beides ist untauglich in seinem hohen Amt.

    • „…und ein Geistlicher so kommunizieren soll, dass ihn seine Gemeindemitglieder verstehen.“ Er redet aber so, daß ihn jeder versteht, wie jeder es verstehen will. Die einzige Funktion der Sprache, die er verstanden hat, ist die der Propaganda. Das ist einem Pontifex nicht angemessen. Es kommt auf die Klarheit und Wahrheit in der Sprache an. Sie ist Kommunikations- und Lehrmittel, gar Träger von Recht. Wenn sie alles und nichts ausdrückt, mag das ein gutes Gefühl geben, es fehlt aber die Substanz, um deretwillen Sprache existiert.

  4. @ Jota

    Ich würde den Kapitalismus mit seinen Auswüchsen als Charakterfrage bezeichnen, während der Sozialismus als „Glaubensfrage“ eine Häresie des normalen Denkens darstellt.

    Beide leiden unter der Schwachheit und Schlechtigkeit der Menschen. Bloß steht der Sozialismus auch noch verquer zum vernünftigen Denken.

    Die Aufgabe der Kirche sehe ich in der Bekehrung der Menschen, damit die Betreffenden sich auf das Wesentliche besinnen.

    • Verehrter Konrad Georg,
      Wer sich gegen den Kapitalismus ausspricht ist damit nicht automatisch Liebhaber des Sozialismus! Das ist ein Trugschluss. Die Alternative ist seit den 50er Jahren in der Formel „Soziale Marktwirtschaft“ definiert, deren Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft und zu Ende gedacht sind.

      • Die Diskussion, die Sie hier führen, Jota, ist überflüssig. Ich lese gerade das Buch von Grözinger. Tun Sie es auch, wenn Sie die Leidenschaft und das echte Interesse an der Sache gepackt haben sollte.
        Schon auf den ersten Seiten klärt Grözinger seinen Kapitalismusbegriff und grenzt ihn scharf von der gedankenlosen und ideologisch hoch aufgeladenenen Rede vom bösen Kapitalismus ab, den er jedoch als eine Symbiose von staatlicher Zwangswirtschaft und der brutalen Geldwirtschaft von ein paar geschickten Egoisten entlarvt.
        Kapitalismus ist bei Grözinger tatsächlich eine freie Wirtschaft, in die der Staat nicht durch eine Vielzahl von sozialen und ökonomischen Gesetzen eingreift. Vor allem dürften die Staaten nicht dieses teuflische Recht haben, den Bürgern permanent fast alles, was sie erwirtschaften, wieder abzunehmen, sie also faktisch zu enteignen. In dieser Enteignung des Privatmannes spielen sich Banken und der Staat die Bälle zu, und es gibt kein Entrinnen.
        Er räumt auch auf mit dem Vorurteil, das niemals durchdacht wird, der böse Kapitalismus habe den Staat total im Griff. Er beschreibt, dass die brutale Zwangswirtschaft, die wir erleben, durch ein machtvolles Zusammenspiel von Staat(en) und internationalen privaten Playern geprägt ist und nicht etwa durch einen wirklich freien Markt.
        Es hat keinen Sinn, an dieser Stelle weiterzudebattieren ohne weitere Argumente und definierte begriffliche Grundlagen.
        Lesen Sie das Buch – es ist gut geschrieben und dann reden wir weiter.

  5. Als Ergänzung zu dem obigen Beitrag möchte ich darauf hinweisen, daß der hier lobend erwähnte Robert Grözinger im Wirtschaftsteil der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (30.12, Seite 18) eine sehr luzide Kritik an „Evangelii Gaudium“ veröffentlicht hat. Im Tonfall weniger scharf, aber nicht weniger deutlich.

      • Der FAZ-Artikel ist ein Witz!

        Beispiel gefällig?

        „Ein Staat, der Mindestlöhne festlegt und damit Schwache aus dem produktiven Erwerbsleben ausschließt und sie abhängig von einer Wohlfahrt macht, die er ebenfalls reguliert und beherrscht.“

        Was soll das?

        Wenn jemand für EUR 4,50 in der Stunde Vollzeit arbeitet und damit keine Familie ernähren kann und er Hartz IV-Aufstocker wird, dann lässt die entsprechende Firma die ALLGEMEINHEIT bezahlen. Denn Hartz IV-Aufstocker werden aus Steuergeldern bezahlt!

        Eine Firma, die so wenig zahlen kann, hat kein tragfähiges Geschäftsmodell!

      • Mit der Angabe des Links macht sich die Redaktion nicht den Artikel zueigen. Die Angabe sollte nur den vorherigen Beitrag ergänzen.

      • Wenn das Kind schon mal so weit im Brunnen ist, erscheint ein Mindestlohn gut.
        Sie sagen selbst, dass eine Firma, die so schlecht bezahlt, kein tragfähiges Geschäftsmodell hat.
        Vorgelagert sind aber viele einzelne Faktoren, die sowohl der Firma als auch dem Arbeiter große wirtschaftliche Probleme bescheren – irgendwelche Abgaben, die uns fast den Atem nehmen (ich bin selbständig und weiß, wovon ich rede), ein erpresserisches System, das gerade auch durch die Sozialgesetzgebung eine Selbständigkeit, auch die einer Einzelperson, fast verunmöglicht. Bevor man irgendetwas verdient, wird es einem knallhart durch Steuern, Zwangsversicherungen, Zwangsmitgliedschaften und eine lange Liste von Gebühren für Dinge, ohne die man in diesem System einfach keinen Fuß in den Markt bekommt, in einem so hohen Maße aus der Tasche gezogen, dass viele erst mal riesige Schulden machen, einfach als Einstiegsrisiko, und hinterher eiskalt auf die Nase fallen, weil sie es doch nicht schaffen, auch nicht mit viel Startkapital.
        Man hat kaum eine Chance, an dem großen Kuchen, den sich der Staat und ein paar Banker teilen, als Kleiner oder Anfänger so ohne weiteres und vor allem zukunftsfähig teilzuhaben. Schauen Sie sich doch um – überall geschäftsaufgaben. Das sind doch nicht alles unfähige Leute!!!
        Und dann, nachdem man also schon allein durch das staatliche Handeln bzw. das staatlich unterstützte erpresserische Handeln der globalen Wirtschaft von Anfang an zerstört wird, geht das Geheul los und man verlangt Mindestlöhne, die jede kleinere Firma in diesem Haifischbecken in noch größere Gefahr bringt.
        Wer natürlich verkürzt nur die Interessen eines einzelnen, arbeitenden Privatmannes sieht, hat damit Recht, dass es nicht geht, dass der nur 4,50 € in der Stunde verdient.
        Aber alle, die ihr selbstständig seid, werdet mir zustimmen, dass auch wir oft so viel Einsatz bringen, dass 4,50 € gar nicht mehr erreicht werden.
        Die komplette Marktsituation ist total verzerrt, und es wird weiterhin an allen Enden in entgegengesetzte Richtungen gezogen.
        Vom Ist her kann man kaum noch sauber argumentieren…
        Der Laden ist ziemlich im Dreck…
        Wir lavieren uns halt durch, solala.

      • Übrigens schreibt Grözinger hinsichtlich des Mindestlohens im Kapitel über den „Mammon“, dass die Forderung nach Mindestlöhnen eine Forderung ist, die den Interessen der Großunternehmen entspringt. Großunternehmen können es sich leisten, die avisierten Mindestlöhne zu zahlen. Zwingt man kleinere Unternehmen, die dazu nicht in der Lage sind, eben solche Löhne zu zahlen, ist das eine Strategie, unliebsame kleinere, in der Menge aber viele Konkurrenten in den Ruin zu treiben und im übrigen Arbeitsstellen zu vernichten…

      • Du kritisierst den Staat und einige Banken:

        Was die Banken zur Zeit machen – wirtschaftliche Verluste nicht selber tragen – ist nunmal Kapitalismus pur. Ein Kapitalismus, bei dem sich die Mächtigen VOLL durchgesetzt haben.

      • Ansonsten, Herr Bell – lesen Sie doch einfach das Buch. Ich kritisiere hier gar niemanden, sondern habe die Thesen des Buches kurz referiert. Man kann nicht über etwas diskutieren, was man nicht kennt. Richtig?

      • Im gewalttätigen politischen Kontext haben nur Parteigänger „tragfähige Geschäftsmodelle“. In einer Welt, in der die Herren Demokraten praktisch alles vorschreiben und überall ihre ekligen und widerlichen Finger drauf haben, kann es nur „Geschäftsmodelle“ nach Gusto dieser gewalttätigen Machthaber geben.
        Natürlich braucht ein solch scheußliches System einen Mindestlohn. Jeder Eingriff in die Freiheit von Menschen und Gemeinschaften zieht nun einmal weitere Eingriffe nach sich. Wo man anfängt, auch nur etwas politisch zu regeln, muß man zwangsläufig und gesetzmäßig immer weiter „nachregeln“. Diese Dynamik ist unvermeidbar und fatal.
        Deshalb brauchen wir Freiheit. Aus rechtlicher und menschlicher Sicht. Und niemand wußte dies besser, als der Schöpfer selbst, der diese Freiheit dem Menschen ließ und läßt. Wer sind wir, diese gottgegebene und notwendige Freiheit einzuschränken? Wer will diese Hybris und Gotteslästerung ernsthaft auf sich nehmen?

  6. Daß die Partei Die Linken Papst Franziskus Äußerungen gut fanden, sagt schon alles.

    Da paßt alles zusammen.

    Wenn ich an die alte verbeulte Mitra und das Alltags-Meßgewand denke, womit der Papst Franziskus zur Christmette erschien, dann frage ich mich, ob er nicht wenigstens einen Funken Liebe dem Jesuskind gegenüber hat, zu dessen Geburtstagsfest sich die Christen auf der ganzen Welt festlich kleiden, um das Christkind zu ehren.

    Er, der Papst, dessen Schränke voll sind mit edelsten, kostbarsten Gewändern – er kommt in einem Alltagshemd daher. Das ist so was von lieblos, geradezu verächtlich. Ich hätte weinen können und könnte heute noch weinen, als ich das sah.

    • Ja genau so empfinde ich das auch.
      Sagen wir es mal so von der päpstlichen Bescheidenheit hat kein Mensch irgendwas!
      Die Paramente liegen in den Schränken, und den Armen die vor dem Fernseher Urbi et Orbi guggen, denen wird genau der gleiche graue Betonstyle geboten, in dem sie leben.
      Was der Papst Franziskus leider überhaupt nicht versteht, ist, dass die prunkvollen Gewänder schon für den Träger eine Last sind, aber zur Freude der Menschen gemacht sind, wie ja auch die ganze Liturgie mit all ihrer Pracht offen machen soll für die Pracht des Himmels.
      Selbstverständlich ist die schönste und feierlichste Musik und Liturgie nichts gegen den Lobpreis der Engel, aber es ist ein Weg dahin und dieser Weg wird durch all diese nüchternen Alltagsliturgien mitsamt den nüchternen Paramenten einfach versperrt.
      Er der es beständig mit den Armen hat, nimmt den Leuten einfach die Freude.

      • Ist Ihnen aufgefallen, was für ein kitschiges „Bambino“ heuer Verwendung fand!? Es sah aus wie aus Kunststoff, erworben in irgendeinem lateinamerikanischen Ramschladen. Wohin ist die wunderschöne originale Barockfigur verschwunden, die all die Jahre Verwendung fand? Furchtbar, diese Discountliturgie!

      • So ist es. Die glänzendste Veranstaltung, um diesen weltlichen Begriff einmal zu gebrauchen, die es geben kann, sollte die zur Ehre Gottes sein.
        Früher war es selbstverständlich, daß das höchste Gebäude einer Ortschaft die Kirche ist. Darüber mag man streiten, die Haltung ist aber ganz die richtige.

  7. 1. Roland Baader ist radikal-liberal im Sinne von Ayn Rand. Ihre (und seine) Philosophie widersprechen RADIKAL dem Christentum und dem, was Christus z.B. im Hinblick auf Nächstenliebe sagen.

    (Eine weitere Anekdote: Ayn Rand lehnte staatliche Hilfen für Arme ab – was sie nicht hinderte, diese selbst eine kurze Zeit zu beziehen. Heuchelei? Ja.)

    2. Wieso ist der Autor der Meinung, es hätte etwas mit Marktwirtschaft zu tun, wenn eine Bank, die Pleite ist, einfach so 100 oder 200 oder 400 Milliarden Euro bekommt? Bei welchem Handwerker würde man so verfahren?

    3. Die vom Autor genannte ÖS wurde von Friedman und den Chichago Boys weiterentwickelt. Die Ergebnisse einer derartigen Ökonomie sehen wir jetzt (unter anderem) in den USA:

    45 Mio. Amerikaner bekommen Lebensmittelmarken – im reichsten Land der Erde!

    Wer dem Autor hier Beifall zollt, sollte sich erst einmal mit der Wirtschaftstheorie der ÖS und den Chicago Boys auseinandersetzen. Es ist schon erhellend, dass er nicht auf die Rolle der Fed eingeht.

    4. Der Autor verteidigt die Globalisierung: Was ist daran gut, wenn im Rahmen der Globalisierung die grossen Konzerne keine Steuern mehr zahlen müssen? Ist es wirklich sinnvoll, den Menschen immer mehr Steuern aufzubürden?

    Was ist daran in Ordnung, wenn der TPP die Konzerne zu Rechtsgebilden gleich einem Staat macht, ohne dass Parlamente über den TPP abstimmen?

    5. Der Papst lässt die Gläubigen wirklich im Regen stehen, aber nicht wegen der Äusserungen zur sozialen Gerechtigkeit, sondern weil er es nicht ernst meint:

    Sonst würde er McKinsey den Zutritt zum Vatikan verwehren – was er aber nicht tut!

      • @ zeitschnur

        Mein Kommentar „Sonst würde er McKinsey den Zutritt zum Vatikan verwehren – was er aber nicht tut!“ gilt unabhängig von dem, was in dem Buch steht!

      • Hallo? Hier geht es um die Thesen eines Buches!
        Ich finde es immer schwierig, wenn Kommentatoren einen Artikel dazu nutzen, ihre eigenen Thesen, die hier aber gar nichts zur Sache tun, anzubringen. Das stört die Sachlichkeit der Deabtte erheblich und führt vom Hundertsten ins Tausendste.

    • Die „Chicago Boys“ sind nicht die Austrians, denen Grözinger und Baader nahestehen. Sie verfolgen die Linie von Rothbard und Hoppe und haben mit dem neoliberalen Sozialdemokraten Friedman nichts zu tun, im Gegenteil.
      Wer Steuern propagiert, propagiert Gewalt. Wer freien Handel beschränkt, ist übergriffig. Ihre ganze Haltung ist die eines Gewaltmenschen. Menschliche Gewalt ist NICHT die Basis des Christentums.

  8. An Ralph, Hedi Züger, keiname, Ms und besorgter Christ,
    Ist es möglich, einfach eine Sachfrage zu diskutieren ohne beständig mit – in diesem Zusammenhang – „Nebenfragen“ konfrontiert zu werden.
    Papst Franziskus – soviel Zeit muss sein und nicht nur „F“ – hat als bisher Prominenter das Thema „Kapitalismus“ aufgebracht und rund um den Erdkreis jault die liberale Öffentlichkeit auf. Dafür ist ihm zu danken.

    • Was heißt hier Nebenfragen ? Wer bringt denn ständig unnötigerweise eine Dramatik in die Kirche ein ? Die meisten „Sachfragen“ sind überdies im Grunde überflüssig, da sie mit der Katholizität überhaupt nichts zu tun haben-

    • Ich schreibe F., nicht weil ich es nicht ausschreiben möchte (obwohl es am Smartphone alles etwas länger dauert), sondern weil Franziskus einer der größten Heiligen der Katholischen Kirche ist, zu dem ich gerne bete, und DAS ist jemand an den ich bei dem Namen FRANZISKUS denken möchte… und nicht an besagten F. Bergoglio.

  9. Wer kennt schon Robert Malthus und seine Aussagen ? Das führt doch irgendwie weit weg vom Geschehen. Der Papst hat in seinem ökonomischen Laienverstand Einzelaspekte „kapitalistischen“ Geschehens verurteilt. Ein nennswerter Schaden für die Bürger ist durch diese Maßnahmen nicht entstanden. Der eigentliche Schaden ist vielmehr dadurch entstanden, dass Staaten ihren Bürgern zu viel zukommen ließen, um es freundlich zu formulieren. Die Details sind bekannt. Mit diesem Kommentar für einen Einzelaspekt hat der Papst viel mediales Lob geerntet, ein Lob das auch von Kommunisten wie Frau Wagenknecht nachgeplappert wird. Wenn der Papst sich schon äußern muss, dann sollte er auch auf die Wortwahl achten. Schlagzeilen machen noch keine Kirche.

  10. Es ist schon lustig, dass die „knallharten“ Konservativen hier so ungemein vehement den Liberalismus, der sich in der modernen Wirtschaftsordnung äussert, verteidigen.

    Dabei gilt: Der Liberalismus ist Sünde. Auch in der Wirtschaftsordnung.

    • Dem ist zu widersprechen. Fehlentscheidungen Einzelner sind in jedem System möglich. Dass Liberalismus Sünde ist, ist schlechthin unvertretbar. Wir haben auch kein einziges Land der Erde mit einem liberalen Wirtschaftssystem, das meiste sind Gängelwirtschaften, Mischsystem oder Marktwirtschaften. „Knallhart konservativ“ gibt es auch nicht, es gibt nur Gläubige und solche Leute, die ihre eigene Kirche auf unsere Kosten stricken wollen.

    • Gott läßt den Menschen die Freiheit. Ist er auch ein Sünder? Wer ist denn gut genug, Menschen zu regieren und befehligen? Wer? Und wie will er das machen? Verzeihung, ich halte Sie für einen überheblichen Machtmenschen, so wie Sie daherreden. Ich verteidige hier nicht den etatistischen Liberalismus. Da gibt es soviel zu kritisieren wie beim Sozialismus. Aber die Idee, Sie wüßten besser als ich, was gut für mich ist, ist nicht nur nicht haltbar, sie ist auch eine Beleidigung mit handfesten Folgen. Drücken Sie sich bitte einmal klar aus, was sie wollen – und halten Sie sich bereit, daß ich Satisfaktion verlange.

  11. Zweifelsfrei meint Papst Franziskus es gut, wenn er – abgeschwächt – linke Parolen übernimmt: Kapitalismuskritik, No-Nations-No-Borders als Lösungsansatz für „versagende Staaten“ die ihre Bevölkerung nicht ernähren können, Multikulturalismus – auch im Glauben wenn er von Gemeinsamkeiten der Monotheistischen Religionen schwärmt). Es ist halt oft nicht alles Gutgemeinte auch Gutes bewirkend.

  12. Ich muss hier den Autor Hubert Milz unterstützen. Er vertritt erkennbar nicht den modernen Liberalismus, sondern übernimmt und Positionen der katholischen Soziallehre und konfrontiert das apostolische Schreiben damit. Zum Argument, der Papst sei kein Oekonom, muss ich entgegenhalten, dass er aber Oekonomen als Berater hat und zwar die Besten, dass er Zugriff auf mehrere Universitäten hat und dass er nicht als Thekensabbler gesprochen hat, sondern als Oberhaupt einer Weltkirche mit 1,2 Millionen Gläubigen und als Staatsoberhaupt, von dem zu Recht erwartet wird, dass er seine Argumente abwägt und zu rationalen Lösungsansätzen kommt. Erkennbar hat er aber nur die Emotionen bedient. Mir graut vor der Zukunft, in der dieses die Methode ist.

    • Dass Franziskus selbst kein Ökonom ist, ist aber damit nicht entkräftet. Nur der, der selbst Ökonom ist, kann sich der Berater auch bedienen. Als nichtökonom kommt er erst gar nicht auf die richtigen Fragestellungen, für die dann Berater zuständig sind.

  13. @ Ralph
    wenn dem so ist, wie Sie schreiben, dass er als nicht Oekonom auch nicht die Fähigkeit hat, sich der oekonomisch geschulter Berater zu bedienen, dann hätte er zu dieser Thematik nach dem Motto „si tacuisses“ schweigen sollen.

    • Das sehen Sie konsequent. Ein Papst muss sich nicht zu allen Themen äußern. Was er plakativ in den Raum geworfen hat, bringt ja niemanden weiter. Ich finde die Äußerung des Papstes auch gegenüber den Politikern ziemlich herablassend.

  14. @Jota

    Eine liberale Wirtschaftsordnung (z.B. die der sog. Österreichischen Schule; v.Mieses/Hajek/Baader) beruht auf zwei Säulen: Freiheit des Individuums und freies Spiel des Marktes (Angebot u. Nachfrage). Dies kann man, wenn man will, Kapitalismus nennen. Alles, was diese beiden Säulen einschränkt, relativiert oder abschafft, ist Sozialismus; mehr oder weniger manifest, oder ausgeprägt. Auf hier und heute übertragen, leben wir in einer Zwischenwelt mit teilweisen Vorstößen zur Planwirtschaft. Beide Säulen sind erheblich beschädigt.

    Was hat aber nun „Kapitalismus“ wie oben beschrieben, mit Christlich oder Katholisch zu tun?

    Nun, die Freiheit des Menschen (auch gegenüber Gott) kann nicht funktionieren, ohne Eigenverantwortung. Diese Eigenverantwortung (in aller Konsequenz) ist die Klammer zwischen beiden. Folgerichtig fußt die katholische Soziallehre auf genau diesem Punkt.

    Was wir derzeit beobachten (außer dem derzeitigen Papst), ist, daß die Menschen Stück für Stück der Eigenverantwortung entwöhnt werden, um in die totale Abhängigkeit – möglichst sanft – zu gleiten.

    Überdenken Sie den komprimierten Gedankengang und messen ihn an der vorgefundenen Umwelt. Dann sollten Sie die richtigen Fragen ganz von selbst stellen können.

    • Diese Schulen finden doch nirgends statt in der Wirtschaft. an Einzelnen dürfen wir doch die ganze Systematik, die uns so viel Wohlstand gebracht hat, nicht aufhängen. China zeigt es deutlich vor den Augen aller, die es sehen können und sehen wollen: Der „Kapitalismus“ schafft Wohlstand. Das ist systemimmanent.

      • „Diese Schulen finden doch nirgends statt in der Wirtschaft.“

        Doch! …Wenn auch nur kurz. Zwischen 1948 und 1959 waren die Menschen in Westdeutschland frei wie später nie mehr. Der Markt war (hier) frei und uneingeschränkt. Ich habe es selbst erlebt und kann mit heute vergleichen. Meine persönlichen Begegnungen mit Erhard und seine Bemerkungen sind mir in lebhafter Erinnerung.

      • Da gab es viele Reglementierungen. Ludwig Erhardt arbeitete sich durch. Die Mieten waren noch reglementiert (schwarze Kreise, wem das noch etwas besagt) usw.

      • „…viele Reglementierungen..“

        …Die aber nach und nach aufgehoben wurden. Die Zwangsbewirtschaftung von Wohnraum z.B. 1963. Gegen den massiven Widerstand der Sozialisten.

        Ab den 70′er Jahren wurde der „Sozialstaat“ zulasten des Marktes massiv ausgebaut. Inzwischen sind wir deshalb an der Schwelle zur Planwirtschaft angelangt: Energiegesetze (Planwirtschaft eingeführt), Mindestlohn, Mietdeckelung, etc.

        Und noch was: Jedwede Subvention bedeutet eine Abkehr vom Markt. Und daran mangelt es hierzulande sicher nicht.

        Ludwig Ehrhard hat mir ‚63 in kleinem Kreis folgendes gesagt: „Wenn der Bürger vom Staat zur Realisierung von irgendwas eine Mark fordert, muß er wissen, daß dieser ihm zuvor mindestens zwei Mark abgenommen haben muß, um dem zu entsprechen. Wäre es da nicht besser und billiger, der Bürger nähme diese eine Mark selbst in die Hand?“

        Wo meinen Sie, liegt diese Quote heute? Bei dem 20-fachen. Mindestens.

  15. Der Antichrist steht vor der Tür. Vielleicht ist er schon da. Eigenverantwortliche und freie Menschen sind ihm ein Greuel. Er wird den Massen das „Paradies auf Erden“ versprechen und Christus imitieren. Die Politik auf der gesamten Welt läuft doch schon unter Kommando und schmückt sein Wohnzimmer mit ein paar Außreißern zwischendurch garniert. Kapitalismus und Sozialismus sind doch nur Schlitten auf denen wir zur Hölle fahren sollen. Wir Katholiken sollten uns auf Christus und sein Reich konzentrieren das nicht von dieser Welt ist.
    Ein frohes neues Jahr wünsche ich jeden in diesem Forum. Für Unterhaltung wird unser jetziger Papst mit Sicherheit sorgen.
    Per Mariam ad Christum.

  16. Bergoglio fühlt sich also „einsam“ im päpstlichen Palast, darum wohnt er im Gästehaus? Weiss er denn nicht, dass unzählige Menschen einsam leben müssen, weil sie nicht so privileliegrt leben können wie Pope F.? Warum kann er denn nicht wirklich demütig sein und sich einfach fügen, so wie die Päpste vor ihm?

  17. Zu quer: Die Qualitäten eines Ludwig Erhard stehen außer Zweifel. In der Tat nehmen die Vorschriften mehr und mehr zu. Man lese nur die Kontoauszüge. Zu Franziskus noch eins: US-Millionäre fühlen sich (mit recht) diskriminiert wegen der unbedachten Papst-Äußerungen wollen die Spenden stoppen. na, bravo.

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